verdorren,
verb. dürre werden, zusammensetzung mit dorren,
s. theil 2, 1301,
ahd. fardorrên Graff 5, 202 (
erschlossen aus fardorret, firthorret,
contabescit, exsicat Steinmeyer-Sievers 1, 76, 29. 30
und Tatian, s. unten);
mhd. verdorren,
die bedeutung des einfachen zeitwortes durch ver
verstärkt, dorren,
dürre sein, werden, verdorren,
bis zur vernichtung dürre werden, daher 11)
durch dürre zu grunde gehen, besonders von pflanzen, ahd. ufganganteru sunnun furbrantiu wurdun, inti bi thiu sie ni habetun wurzalun, furthorretun.
Tatian 71, 6
Schmeller; nhd. wie der same von der hitze on wurzel verdorret. Luther 7, 104
b; wie das gras auff den dechern, welches verdorret, ehe man es ausreufft.
ps. 129, 6; und sprach zu jm: nu wachse auff dir hin furt nimer mehr keine frucht, und der feigenbaum verdorret alsbalde.
Matth. 21, 19; und etlichs fiel auff den fels und da es auffgieng, verdorret es, darumb, das es nicht safft hatte.
Luc. 8, 6; dergleich auch dieser kurbesstrauch ist mir zu leidt verdorret auch. H. Sachs 3, 1, 161 (11, 94, 18
Keller); läst gott durch einen wurm den grünen kurbisz stechen, dasz seine krafft entgeht, die hohen zweige brechen, und er verdorren musz. Opitz 3, 64; ich lechze wie ein land, dem deine milde hand den regen lang entzeucht, bis saft und kraft entfleucht und alles verdorret. P. Gerhard 66, 46; wie er von dem garten wich, fiel alles laub, die schönen bäume verdorrten um die quelle her. Wieland 18, 371; sei verflucht, du ihre rebenlaube, wo in nächten sonder ruh sie die beeren aus der traube mir in ihren lippen reichte, sei verflucht, verdorre du! Gökingk (1821) 3, 121; dort steht ein alter birnbaum verstümmelt und verdorrt. Chamisso 3, 309;
bildlich: von unten werden verdorren seine (
des gottlosen) wurtzel und von oben abgeschnitten sein erndte.
Hiob 18, 16; wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworffen wie eine rebe und verdorret. Luther 7, 121
b; sunst, wie die reben abgeschnitten, verdorren wir in guoten sitten. Schwarzenberg 155, 1
a; der rechte stamm verdorrt, wo fremde räuber stehn. Lohenstein
Agripp. 1, 430; aus der entlaubten verdorrten seele wird ein neuer leib ausschlagen. J. Paul 40, 47.
von körpertheilen, denen gesunde säfte mangeln: mhd. mîne wangen die sint mir fal und mîn varwe bleichsal und wibel var mîn munt, mîn herze vil ungesunt, verdorret mîn lunge, zû cloben mîn zunge, vergangen alle mîne macht. Herbort 12865;
nhd. die eltesten der stadt und priester haben auch zu essen nur nicht satt; ihr magen ist verdorrt. Opitz 3, 32; der mund verdorrt, die zunge klebt, weil marck und bein vor schrecken bebt. Günther 16; (
fuchs fragt den löwen) warumb er so krankes und verdorrendes leibs wer? Kirchhof
wendunm. 87
b; da war ein mensch, der hatte eine verdorrete hand.
Matth. 12, 10; (
die erde, welche) alle verdorrten gebeine der todten sünder bewegte. Klopstock
Mess. 5, 370; verdorrte augen,
augen die nicht weinen können: meine verdorrten augen vergossen thränen. Tieck 19, 53;
von menschen: es sind fremde schnitter, aber sie müssen mir alle im thurme verdorren. Auerbach
neues leben 1, 116;
übertragen auf gemütseigenschaften: ich kann nicht beten, hier hier! alles so öd, so verdorret. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 189 (
räuber 5, 1); was aber jene verdorrten, falben menschen anlangt, vor denen nichts grosz ist, als ihr bild .. J. Paul 7, xx. 22)
zu grunde gehen: da maht man ir ein erhebet grab und sprach an der erste: sü tete zeichen und was groszes geleufe dar und hingent die alten wib vil waszes dar. zuo jungest do es veralte do verdorretent du zeichen daʒ nut druswart.
chron. 8, 138, 2; dieser mann hatte es lange getrieben mit strengem und hartem leben und wercken, aber jtzt da das stündlin kam, verdorrets alles und fellt frei dahin. Luther 4, 173; dasz sie oft .. laut aufschreien müsse .. wenn der gedanke sie überfalle, wie sündhaft sie .. sich das leben verdorben, ihr herz kasteit, ihre sinne verdorren lassen. Heyse
neue novellen (10.
samml.) 208. 33)
die formen verdorren
und verdörren,
ursprünglich streng geschieden, vermischen sich im nhd., daher dürr machen, durch dürre zu grunde richten: unfall wird nicht von jm (
dem gottlosen) lassen, die flamme wird seine zweige verdorren.
Hiob 15, 30; das die raupen den ganzen baum selbs verdorren. Sebiz
feldbau 374; der wind verdorret die seele nicht. Claudius 6, 99.