vorsatz,
m. ,
vgl.fürsatz th. 4, 1, 1,
sp. 792;
im ahd. noch fehlend, das dafür im sinne von propositum ein f. foragasezzida
aufweist; vgl. auch ags. foresetnes;
mhd. vür-, vorsaz
mhd. wb. 2, 2, 344
b; Lexer 3, 607; Jelinek 887;
mnd. vorsat,
m., vorsate,
f. Schiller-Lübben 5, 429
a;
mnld. voresat,
m., voresate,
f. Verwijs-Verdam 9, 1062, 1063;
propositum vorsatz Diefenbach
gl. 466
a;
propositio eyn foresacze
ebda; propositum der vorsatz
nomencl. lat.-germ. (1634) 226; vorsatz,
propositum, intentio, consilium Stieler 2042; für-
et vorsatz Steinbach 2, 358; vorsatz Adelung; Campe.
dän. forsæt,
älter forsat
in der abstrakten bedeutung ist nd., daneben forsats
in sinnlicher bedeutung. 11)
die in der schriftsprache gewöhnliche abstrakte bedeutung ist die ursprüngliche; wie ahd. forasezzida
und mnd. mnld. foresate,
f. dem lat. propositio, so ist vorsatz
dem lat. propositum nachgebildet. die bedeutung kann je nach dem zusammenhange verschieden sein, es kann damit, obwohl seltener, die blosze absicht, etwas zu unternehmen, ausgedrückt sein, öfter aber bezeichnet es einen aus überlegung und seelischer bewegung entstehenden entschlusz, der nun auch für das spätere verhalten bindend sein soll, sodasz vorsatz
eine selbstgegebene moralische regel darstellen kann, in diesem sinne besonders im plural, z. b. in dem aus älterer zeit nicht nachweisbaren sprichwort: der weg zur hölle ist mit guten vorsätzen gepflastert.
vgl. dagegen: deshalb ist mein vorsatz, donnerstag früh von hier abzugehen Göthe IV 28, 211
W. natürlich kann aber auch der sing. in gehobenem sinne gebraucht werden. 1@aa) damit ich aber wieder zu meinem vorsatz kehre Hohberg
georg. curiosa (1682) 1, 368; herr Wieland wenigstens verräth diesen vorsatz noch deutlicher Lessing 8, 27
M.; von diesem vorsatze voll Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 29; alle tugend aus vorsatz taugt nicht viel Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 121; meine seele springt von vorsatz zu vorsatz Klinger (1809) 1, 13; der schädel müsse nach meinem vorsatze mit mir in die heimat zurück G. Keller (1889) 3, 182; man sollte bei allen vorsätzen wie die Türken inschallah! so gott will, sagen Moltke
schr. u. denkw. (1892) 6, 105; (
der) seh zu, dasz ihm sein vorsatz nicht fehl schläget Brant
narrensch. s. 14
Z.; so stark sonst trieb und eifer brannten, dir auch ein nettes lied zu weyhn, so flüchtig fällt der vorsatz ein Stoppe
Parnasz (1735) 30; ermorden wollt ihr ihn? das ist mein vorsatz Schiller
Wallensteins tod 4, 6; der vorsatz (
purpose) ist ja der erinnrung knecht, stark von geburt, doch bald durch zeit geschwächt
Shakespeare Hamlet 3, 2. 1@bb) vorsatz
verbindet sich leicht mit verwandten begriffen, oder aber es wird erster gedanke dem gefaszten entschlusz, oder dieser der tat gegenübergestellt: warhafftigen vorsatz und willen Luther 2, 59
W.; in meinung und vorsatz Rätel
Curäi chron. v. Schlesien (1607) 256; vorsatz und absehen Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimgetichte (1647)
vorrede; wunsch und vorsatz Gleim
briefw. 1, 221
Körte; ein gedanke, der bald zum vorsatz ward A. G. Meissner
skizzen (1778) 1, 100; ist dir dein wollen, dein vorsatz eine bürde? Göthe 13, 1, 344
W.; (
leiter,) von der die ahndung zum gefühl, das gefühl zum gedanken, zum vorsatz, und dieser endlich zur wirklichkeit ... heraufstieg Tieck (1828) 8, 11; der flüchtige gedanke war rasch zum festbewuszten vorsatze gereift H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 42; entschlusz ist vorsatz, that Lessing
Nathan 3, 3; der flüchtge vorsatz ist nicht einzuholen, es gehe denn die rasche that gleich mit Schiller
Macbeth 4, 5. 1@cc)
auszerordentlich häufig sind charakterisierende attribute, von denen sich einige (
z. b. gut, fest, ernst)
formelhaft mit dem subst. verbinden. die ältere sprache bewegt sich freier: mit den besten vorsätzen Kerner
bilderb. (1849) 101. ich vereitelte den blutgen vorsatz Schiller 14, 64
G. die andern drey haben einen bösen vorsatz Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 35. — mit edlen vorsätzen Holtei
erz. schr. (1861) 24, 37. — der eiserne vorsatz meines zornes Schottel
friedens sieg 17
ndr. mein ernster vorsatz ist der tod
Königsb. dichterkr. 173
ndr. felsenfesten vorsatz Jung-Stilling (1835) 6, 14; (
dasz) ich festen vorsatz habe walfahrtende zu ziehn nach Mecha Lohenstein
Ibrahim Sultan (1680) 28; bleibe still und nähre den festen vorsatz, dich und den geliebten nicht mehr zu quälen Göthe 11, 348
W. wie schwach steht es um die sogenannten groszen vorsätze Immermann 2, 101
B. dasz ja kein stich rückkehrender natur den grausen vorsatz hemme Herder 25, 36
S. leyde umb dy sund zu haben mit guttem vorsaz Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 321 (
von 1496); gutten vorsatz erweisen Opitz
poeterei 6
ndr.; ah, von oben bisz unten nichts als gute vorsäze Göthe IV 3, 18
W. — so melde ich dir doch wenigstens einen halben vorsatz IV 27, 51. — nach meinem hartnäckigsten vorsatze Kretschmann (1784) 1, 3. und lasz dich nicht gewalt noch lust von diesem heilgen vorsatz trennen Canitz
ged. (1727) 13. ihren höllischen vorsatz Lohenstein
Armin. (1689) 2, 611
a. — mit kräfftigem vorsatz Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 400. — von ihrem löblichen vorsatze Opitz
poeterei 16
ndr. so ertödte den schrecklichsten vorsatz Bürger 249
a Bohtz. der schwarze vorsatz A. v. Arnim 16, 55. — (
mit) starkem vorsatz, mein leben zu bessern Schweinichen
denkw. 3
Ö. — ein steiffer vorsatz, nicht zu irren Zinkgref
apophth. (1628) 1, 91. (
er) läszt nicht gütigkeit, noch wohlthun, noch versprechen, noch, was ihr nur versucht, den steifen vorsatz brechen Gottsched
dt. schaubühne 4, 14. mit dem traumhaften vorsatz, nie wieder zurückzukehren Carossa
eine kindheit (1922) 120. (
wenn die muse) den ungewaschnen vorsatz hatte, dir durch ein lied ... dein mühsam auge zu versäumen Stoppe
Parnasz (1735) 41. 1@dd)
der inhalt des vorsatzes wird durch eine infinitivverbindung oder einen untergeordneten satz angegeben: (
du hast) nun deine sünd berewet mit einem vorsatz, zu beichten Spee
güld. tugendb. (1649) 145; (
mit eigentümlicher wortstellung:) alle behertzten ihn auffzureiben den vorsatz Lohenstein
Armin. (1689) 1, 20
b; mit meinem vorsatze, sie zu vergessen Lessing 2, 323
M.; vorsatz, zu schaden Göthe 37, 199
W.; mit vorsatz, sich zu schlagen und alles vor die beut auffs letzte blut zu wagen A. Gryphius
trauersp. 206
P.; (
ich) erwog den wankenden vorsaz, hin nach dem rauche zu gehn Voss
Od. 10, 151
Bernays. mit folgendem satze: mit vorsate, dat se alle êr gelt scholden vertêren
d. dodes danz 686
B.; der könig hat uns zugeschribn, damit zu disem vorsatz tribn, dasz wir uns sein thetn erbarmen Ayrer 1, 382
K. vgl. noch: ohne vorsatz, wohin, war er aus seinem vaterlande gegangen Jung-Stilling (1835) 1, 208. 1@ee)
mit abhängigem genit.: der vorsatz meiner busze Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 36; der magister wollte ihm den vorsatz der selbststrafe ausreden A. v. Arnim 9, 149; das gewissen rächt schon den vorsatz der that O. Ludwig (1891) 5, 332; und beim vorsatz einer sünde flüstre mir dein geist ins ohr Schubart
ged. (1825) 1, 176.
verbindung durch präpos.: so verstehen wir auch, wie der mensch zu dem vorsatz im guten kommt Chr. Wolff
ged. von d. menschen thun u. l. (1720) 102; denn mit vorsatz zu bösen stücken kern wir im (
gott) immerdar den rücken Kirchhof
wendunm. 2, 46
Ö. 1@ff)
im entwickelten nhd. wird es vermieden, vorsatz
auf gott zu beziehen, vgl. aber: der vorsatz gottes zur gerecht-, heilig- und seligmachung seiner auserwehlten Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787
c; gleich wie eine schöne wolriechende blume aus der erden wächst, also auch gottes vorsatz Böhme
schr. 4, 39;
so braucht Luther fursatz
Röm. 8, 28;
2. Tim. 1, 9. —
von der natur: darausz mag man spüren, wie die natur in ihrem vorsatz und wirckung so krefftig ist Ruoff
hebammenb. (1580) 244. 1@gg)
einschränkung des begriffs im sinne von plan: über verschiedne epische vorsätze Göthe III 2, 202
W. 22)
auch in den verbalverbindungen erweist sich die ältere sprache als beweglicher, während später im allgemeinen sich gern bestimmte verba mit vorsatz
verbinden. 2@aa)
formelhaft geworden ist vorsatz fassen: welches seinem gefasten vorsatz ... einen anderen auszgang geben möchte
theatrum amoris (1626) 55; (
ich) dachte wenig mehr an meinen guten vorsatz, den ich gefast hatte Grimmelshausen
Simpl. 3, 473
Keller; bessere vorsätze fassend fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 149; denn nimmer werd ichs dulden, dasz dein leben ein allzurasch gefaszter vorsatz kürze Schiller 6, 225
G. veraltete und seltenere wendungen: einen festen vorsatz machen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 787
c; als si ... iren vorsatz dorczu neigete, das si in reinner enthaldunge wolde leben
Hedwiglegende (1504) b 6
a; mach anbey ein steiffen vorsatz, dein leben ernstlich zu bessern Selhamer
tuba tragica (1696) 1, 12; (
als) ein gewisser mensch sich den vorsatz nahm, einen über alle maszen wilden stier anzugreiffen Stranitzky
ollapatrida 340
Wiener ndr.; es reicht hiebei nicht hin jenes müszige vorsatznehmen Fichte (1845) 7, 483. 2@bb)
veraltet ist die wendung des vorsatzes sein er ist willens, des vorhabens, des vorsatzes Gottsched
dt. sprachk. (1748) 372; weil sie fast des vorsatzes waren, demjenigen beyzufallen, der das beste glück ... haben mochte Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1590
a; da man ... einen karakter von verschiedenen seiten zu wenden ... des vorsatzes ist Sonnenfels (1784) 6, 192. — des vorsatzes
mit abhängigem infin.: er segelte ... an den mund der Elbe; des vorsatzes, die ... Langobarden zu demüthigen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 1155
b. —
besondere wendung: (
gleich als ob) gott in seinem vorsatz hätte, dasz kreaturen darin (
in der hölle) sein sollen und müssen Böhme (1832) 2, 135. 2@cc)
neben der fest gewordenen verbindung einen vorsatz ausführen
begegnen gewähltere wendungen: diesen vorsatz auszuführen ist mir bis jetzt nicht gelungen Göthe IV 28, 22
W. doch armuth hindert mich, den vorsatz zu vollführen Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 1. er machte sich vorwürfe, seinen vorsatz so schlecht vollführt ... zu haben Göthe 23, 9
W. — nur musz man ... auch seinen guten vorsatz erfüllen Hebel 2, 77
Beh.; der vorsatz bleibt doch gut, wenn wir ihn nicht erfüllen
Shakespeare sommernachtstraum 5, 1. glücklich wir beide, wenn mein vorsaz gelungen wäre Schiller
kab. u. liebe 2, 3; wenn ich dein hohes lob zu singen angefangen und dieser vorsatz mir etwa von statten gangen Neukirch
ged. (1744) 185; bevor die ungeduld den vorsatz thätig macht Gottsched
schaubühne 4 (1748) 244. 2@dd)
häufige wendungen sind bei dem vorsatze bleiben, beharren, verharren, jemanden in seinem vorsatze bestärken,
seltener stärken. dem vorsatze treu bleiben, von dem vorsatze abstehen, abweichen, ablassen, den vorsatz ändern, aufgeben, fallen lassen, einem den vorsatz ausreden, von dem vorsatze abbringen, im vorsatze wankend werden
u. ä.; gewähltere und seltenere wendungen: bleiben sie auff ihren gutdüncken und vorsatz beständig Lehman
floril. polit. (1662) 4, 102; jede stunde löschte den vorsatz aus Göthe 25, 58
W.; mancher vorsatz verfliegt A. v. Arnim 22, 207
Gr.; der vorsatz ändert sich Opitz (1690) 1, 176; hilff, hailand! dasz ich stets in diesem forsaz bleib Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch seiner reimgetichte (1647) 3; da war der vorsatz hin
Königsb. dichterkr. 57
ndr.; wer lieben wil und bald verzagen, der stelle seinen vorsatz ein
Venusgärtlein 133
ndr.; der gute vorsaz geht in wind; ich soll im staube liegen J. Chr. Günther 1, 209
Krämer; nichts reiszt meinen vorsatz ein Neukirch
ged. (1744) 27; auch hier wird oft durch tod und nacht der schönste vorsatz unterbrochen Gottsched
ged. (1751) 1, 285. 33)
die bedeutung des wortes kann in der weise verengt werden, dasz ein besonderes gewicht auf die überlegung bei einem entschlusse gelegt wird, wobei also zufällige einwirkungen oder gefühl, leidenschaft ausgeschaltet werden (
vgl. vorsätzlich);
in diesem sinne ist vorsatz
in der sprache des strafrechtes üblich, wobei noch ein besonderes merkmal ist, dasz bei der überlegung auch volle kenntnis aller tatbestände und ihrer rechtsfolgen vorliegt: im strafrechte schlieszt das alter unter 14 jahren den bösen vorsatz aus Alten
hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 293; ein mit vorsatz ausgeführter wohlüberlegter ... mord Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 109. —
im allgemeinen gebrauch kann die bedeutung mehr oder weniger scharf gefaszt werden, so kann vorsatz
wie absicht
dem zufälligen gegenüberstehen oder verhältnissen, die von dem willen des sich entschlieszenden unabhängig sind: fehler schlieszen vorsatz und tücke aus Lessing 10, 282
M.; die unordnung des schlafs erhöhte mehr als kunst und vorsatz ihre reize Göthe 22, 60
W.; (
humor) ist nicht ächt, sobald man vorsatz dabei wahrnimmt
Athenäum 1, 2, 64; in der angst (wer kann es vorsaz heiszen?), wirfft sie ihm die zitternadel zu Schiller 1, 192
G. 3@aa)
sehr häufig ist mit vorsatz: vorsätzlich
ò mit vorsatz sündigen Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 788
a; ich habs nicht mit vorsatze gethan Steinbach 2, 358; dit deden se mit vorsate
dt. städtechr. 6, 32 (
Braunschweig); ich übergee vyl geschichten mit vorsatz und willig Hutten 1, 39
B.; das sie mit vorsaz begeret, vertrüszlich und beschwärlich zusein Fischart 3, 137
Hauffen; mit vorsatz weltlicher und fast liederlicher priester Riemer
polit. maulaffe (1679)
vorrede; aus muthwillen und mit vorsatz Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 32; mehr im vorbeygehen als mit vorsatz Lessing 8, 44
M.; mit wissen und vorsatz Gellert (1839) 6, 126; ich hatte bemerkt, dasz er mit vorsatz schlecht spielte S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 321; man kann mit verstand und vorsatz von der harmonie abweichen Göthe 45, 312
W.; ob in der verwirrung oder mit vorsatz, ist nicht zu berichten G. Keller (1889) 5, 47; thu izt mit vorsatz das, was erstlich neigung war Warnecke
poet. versuch (1704) 79; mit vorsatz scheint der reichthum hier verschwendet Göthe 4, 60
W. 3@bb)
daneben aus vorsatz: nicht aus vorsatz, sondern aus einem allgemeinen irrthumb Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 34; nicht aus vorsatz oder boszheit Moscherosch
ges. (1650) 2, 116; die aus vorsatz oder faulheit ihre stunden negligiren v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 136; nicht so sehr aus vergessenheit, als aus vorsatz Heräus
ged. (1721) 24; mehr aus langer weile als aus vorsatz Göthe 23, 67
W. aus vorsatz hast du nie, aus leichtsinn stets gefehlt 9, 13. 3@cc)
selten durch vorsatz: ist der schaden durch vorsatz oder grobe fahrlässigkeit ... herbeigeführt
handelsgesetzb. § 430; (
wenn die vernunft) durch vorsatz ein versehn zu einem laster macht Dusch
verm. w. (1754) 20. 3@dd) ohne vorsatz: besagtes alles ist ungefehr, ohne vorsatz erfunden worden Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 6, 162; eben hier geschah es, dasz ich die einzige beute im ganzen kriege machte, freilich ohne vorsatz Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 61. 44)
in dinglichem sinne etwas vorgesetztes, an etwas gesetztes in mannigfaltiger anwendung, besonders auch in technischer sprache: zwey kleine vorsätze als anhänglinge (
an einem kupferblech) Major
bevölckertes Cimbrien (1692) 67; die treppen waren leicht zu vertheidigen, sie waren zum groszen theil durch vorsätze von kisten ungangbar gemacht J. v. Hartmann
lebenserinn. (1882) 2, 103. 4@aa)
im hüttenwesen eine vorrichtung am probirofen; kupferner aufsatz des läuterungskessels bei der zuckersiederei Jacobsson
technol. wb. 4, 558
a. 4@bb)
bei den buchbindern das leere papier vor der ersten lage des buches, dann auch das am ende angebrachte (
vgl. vorsatzpapier) Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 4, 112. 4@cc)
zusatzstück für dünne lettern Prechtl
technol. encycl. (1830) 17, 379. 4@dd)
verdeckende vorsätze
an fenstern, die verhindern sollen, dasz man von auszen hineinsieht Campe. 55) vorsatz
ist ein absatz oder stufe in der stollensohle oder beim firstenbau Veith
bergwb. 232; 549; 'vorsatz stehen lassen
ist, wenn ein stollen nicht söhlig fortgetrieben, sondern etwas strosse gelassen und höher angesessen wird. wird auch gespreng
genannt' Minerophilus
bergwerckslex. (1730) 698. 66)
etwas, das dem hauptteil eines wortes vorgesetzt ist, in älterer sprache: '
einige sprachlehrer nennen die grammatische figur, nach welcher ein wort zu anfange verlängert wird, prosthesis, den vorsatz;
z. b. geseyn
für seyn' Adelung; die jenigen, deren erstes wortglied ein kurtzer unabsonderlicher forsatz ist Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 26; die syllabe he scheinet als aus dem artikul geblieben und ein bloszer vorsatz zu sein Morhof
unterricht v. d. dt. spr. (1682) 1, 125; worte ... mit vor- und zusätzen des ortes und der zeit Herder 21, 126
S.; in titeln werden ... die ehrenden vorsäze oft tieftonig gelassen: hof- oder feldmárschal, reichshófrath Voss
zeitmessung d. dt. spr. (1802) 24; das t ist der Berbersprache eigenthümlich, als vorsatz oder nachsatz der worte Ritter
erdkde (1822) 1, 905. 77)
nach dem syntaktischen sinne von satz
statt des jetzt üblichen vordersatz (
zeitschr. f. dt. wortforsch. 10, 28; 10, 84): dem langen vorsatze seinen nachsatz zu geben Jean Paul I 4, 126
akad. ausg.; und wenn sich vorsatz, nachsatz nur ein bischen verschiebt, man in die parenthesen fällt bauz! liegt die ganze redekunst im dreck Tieck (1828) 1, 291.
ferner im logischen sinne: vorsatz,
propositione maggiore d'un sillogismo Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 775
b; den vorsatz kann kein gottloser laugnen Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 1, 30; worinnen der vorsatz und der schlusz, einer wie der ander, bekandt sind Sturm
kurtzer begriff d. physik (1713) 86. —
freier, wobei mit der hauptbedeutung des wortes gespielt wird: der vorsatz aber musz nicht ohne nachsatz seyn: es treffe wort und sinn recht redlich überein Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 167.
in erweitertem sinne von einem gröszeren stücke innerhalb eines vortrages, einer darlegung: dasz der vortrag in zwey stücke eingetheilt wird, das ist, in den vorsatz und nachsatz Chr. Weise
polit. redner (1677) 179; drey stücke einer vollkommen neuen disposition ... den vorsatz, den fortsatz und den nachsatz Neukirch
anweisung zu teutschen briefen (1709) 542. —
im musikalischen sinne von satz: so wird in fugen und fugirten sachen derjenige nachsatz figürlich genennet, welcher auf dem vorsatze folget Mattheson
d. vollkomm. capellmeister (1739) 367. —
teil eines versmetrums: hier stimmt der vorsatz genau mit dem des ersten hauptfalles (
der versbildung), dessen hintersatz blosz ins doppelte gelängt ist J. Grimm
kl. schr. 4, 429. 88)
von den in der schriftsprache untergegangenen bedeutungen der alten sprache sei nur eine hervorgehoben: vorgeschossenes geld, auch wucher, dann pfand u. ä. Lexer 3, 607; Jelinek 887; Verwijs-Verdam 9, 1062.
vgl. hierzu schweiz. idiot. 7, 1550;
hier auch in der besonderen bedeutung erste hypothek. 99)
als erstes glied in zusammensetzungen, z. t. wechselnd mit vorsetz-: