vorzug,
m. ,
frühnhd. für-, vorzug
teil 4, 1, 1, 959 (
ebda ist auch die verdrängung von für-
durch vorzug
in den hist. wörterbüchern dargestellt)
; mnd. vortoch Schiller-Lübben 5, 475;
ndl. voortocht Dale 2, 1931;
aus dem mnd. entlehnt ist dän. fortog(t)
ordbog over det danske sprog 5, 985.
in heutiger mundart: förtog Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 546; vörtog Mi
Mecklenburg 104; vortüg Block
Eilsdorf (b. Halberstadt) 63; vörzug Frederking
plattdt. (
Hahlen b. Minden) 166; vörzog Rovenhagen
Aachen 158; virzock
luxemb. 471; Follmann
lothr. 162; fûətsuk Martin-Lienhart
elsäss. 2, 895; für-, vorzug Fischer
schwäb. 6, 2, 1691
und 1889; vorzug Schmidt
Bern 76; forzug Hunziker
Aargau 92; vorzuck Lambert
Pennsylvania 171. II.
verbalsubstantiv zu 1vorziehen,
das im frühnhd. als nomen actionis aufkommt, jedoch schon früh auch als gegenstands- und zustandsbezeichnung auftritt. I@AA.
als vorgangsbezeichnung. I@A@11)
in sinnlich-räumlicher vorstellung. I@A@1@aa) '
das vorausziehen' (
zu vorziehen A 1 a): er (
der heerführer) sol alzyt den vorzug haben (
in feindesland dem gegner vorausziehen) ... zug jm aber der vind vor, vnd verhergt sin aygenn land, das er mit sinem nachzug weder tach noch gemach ... find (1532) Hans Busteter
ernstl. bericht 26
Peters; eilet der thebaische hauff embsigklich vor ... in hoffnung, mit jhrem empsigen fürzug ... zu entweychen Stumpf
Schweiz. chron. (1606) 675
a.
mit der nebenvorstellung des vorrangs (
vgl. vortritt): das ... burgermeister und rathmanen der statt Presslaw vermaindt iren althergebrachten freyheiten und herkhomen nach in solchem unserm (
des königs) einritt mit ihrer rüstung vor allen andern fürsten und stenden den vorzug (
beim entgegenziehen) zu haben (1563)
Breslauer stadtb. 210
Markgraf-Frenzel; für pAesz, wasser, berg, thal oder brucken ... ein jeder hauffen oder regiment für dem andern den vorzug vermeint zu haben Fronsperger
kriegsbuch 1 (1573) 61
a.
vereinzelt noch in neuerem sprachgebrauch: 'mir deucht, er (
hauptmann Gieffing) ist dam als mit reiterei aufgezogen?' 'ja wohl, ... er hat die reiterei der stadt geführt und der pfleger Schäbl die der herrschaft, und es war ein streit umb den vorzug ...' E. v. Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner (1927) 1, 30. I@A@1@bb) '
das vorwärtsziehen' (
zu 1vorziehen A 1 d
α): Attila ... hatte mit seinem unzählbaren heere vor- und rückzug, wie wir, durch diese fluszregion (
Moseltal) genommen Göthe I 33, 164
W. I@A@22)
übertragen. I@A@2@aa) '
das vorbringen' (
zu 1vorziehen B 2 a);
nur vereinzelt nachweisbar: vorzug ...
imputatio culpae Schmidt
id. Bernense 76
Tobler. I@A@2@bb) '
das vorziehen, die bevorzugung, begünstigung' (
zu 1vorziehen B 2 b): er hatte gelückes vorezug (
war vom glück begünstigt)
Wenzelbibel par. II 7, 11
bei Jelinek
mhd. wb. 914,
ebenso in der ersten dt. bibel 6, 145
Kurr.; des vorzugs werth seyn
estre preferable, meriter d'estre preferé Duez
dict. (1664) 2, 647; hr. v. C. erzählt, der verf. sey auf diese gleichsetzung, gewiszermaszen den vorzug seines sohnes eifersüchtig geworden
allg. dt. bibl. (1766
ff.)
anh. z. bd. 53-86, 589; dieser auszerordentliche vorzug (
des sonst bei seite gesetzten schauspielers) war für alle andere ein donnerschlag Göthe I 52, 86
W.; offenbar zieht man also den film der erzählung vor. und ebenso offenbar ist dieser vorzug in dem höheren wirklichkeitscharakter des films begründet Horst Meyerhoff
tonfilm u. wirklichkeit (1949) 90. I@BB.
konkretisiert, als gegenstands- oder zustandsbezeichnung. I@B@11)
mit übertragung der bezeichnung auf das handelnde subjekt bzw. den betroffenen gegenstand. I@B@1@aa) '
die vorausziehende abteilung, vorhut, vortrab' (
gegens.: nachzug
nachtrab, s. teil 7, 238
u. vgl. vorderzug
teil 12, 2, 978);
den übergang von A 1 a
bildet wohl die wendung den vorzug haben
im sinne von '
die erste stelle im zuge innehaben, die vorhut bilden': och hand sy (
die eidgenossen) den vorzug allwegen (1475)
Basler chron. 2, 223
Vischer-Boos; die teutschen hetten den vorzug Aventin
s. w. 4, 2, 1096
bayer. akad.; seit Luther
auch auszerhalb dieser wendung: vnd die feinde ... machten jre ordnung also, im vorzug waren die schützen (
sagittarii praeibant exercitum) 1.
Macc. 9, 11; keiner solt on des hauptmans und räthen erlaubnuss brennen, und ob es schon erlaubt, solt es doch der vorzug nicht thuon (
var. v. j. 1476: sönd dz nit tun in den vorhuten), biss das volck fürüber gezogen, damit die nachhut an der speiss nicht gehinderet wurde (1580) Frauenholz
entwicklungsgesch. d. dt. heerwesens 2, 1, 140; erstlich ziehent die drey fenlein in der vorhuot, oder vorzug, vnnd vier fenlein in dem mittelzug, vnd abermahl drey zu dem nachzug
V. Friederich
kriegskunst zu fusz (1619) 71; vorzug oder vortrab eines kriegsheers ...
l'avant-garde d'une armée Duez
dict. (1664) 2, 647;
ähnlich bei Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2354, Kramer-Moerbeek
dt.-holl. (1768) 402
c und Müller
verdeutschungswb. d. kriegsspr. (1814) 375;
noch Lessing
übersetzt '
avant-garde' (
in Rollins röm. hist. 4 (1749) 379)
mit vorzug (
vgl. w., reg. 2, 254
P.-O.); Adelung 4 (1801) 1316
jedoch bezeichnet vorzug '
vortrab'
als veraltet. sprichwörtlich: kanstu nicht im vorzug sein, so ziehe im trosse hinden nach Lehman
flor. pol. (1641) 2, 311. —
auch von der vorderen abteilung einer flotte, vorgeschwader: so nun mit einer stattlichen armada ... gegen dem feind ... geschiffet, so wirt die gefahr gegentheils oder desz feindts ankunfft durch die schiff, so im vorzug oder neben hut, erstmals wargenommen Fronsperger
kriegsbuch (1565) 1, 134
a;
so auch bei Campe: der vorzug einer flotte, die vorderste hauptabtheilung einer flotte, das vorgeschwader 5 (1811) 524, Bobrik
allg. naut. wb. (1850) 713
und Röding
allg. wb. d. marine 2, 854. I@B@1@bb) '
vorspringende galerie' (
vgl. vorsatz, vorschub, vorwurf);
aus dem schweiz. bezeugt: vorzug ... das ist eine galerie, welche sich in einer breite von etwa 70 cm vor den fenstern des zweiten stockes der ganzen hausfront entlang hinzieht Friedli
bärndütsch 2 (1908) 440 (
vgl. auch 441
u. 465
sowie die abbildungen auf seite 442
u. 443). I@B@22)
auf das '
resultat'
übertragen: aus vorzug A 1 a
und 2 b
entwickeln sich früh die bedeutungen '(
erlangter bzw. zuerkannter)
vorteil'
und '
vorrang'. I@B@2@aa) '
vorteil' (
s. teil 12, 2, 1725
s. v. vorteil [3];
gegens.: nachzug
nachteil). I@B@2@a@aα)
als juristischer terminus im sinne von '
vorrecht, priorität, privileg' (
s. auch vorzüglichkeit 1
u. vgl. vorzugserbe, -gerechtigkeit, -recht, -strittigkeit): allen rechten ..., die wir von Rom erworben haben, ald noch erwerben, vnd allen fürzügen, die uns geschirmen (1306)
urk. z. Joh. Kasp. Zellwegers gesch. d. appenzell. volkes (1831) 804 (
nr. LVI); einem jeden fremden und unbürger soll es zwar unverboten seyn, sein schif ... alhier zu verkauffen, jedoch mit dem besondern bescheide, dass die bürger dieser stadt ... allezeit den vorzug vor fremden und unbürgern in dem kauf eines solchen schiffes haben sollen (15.
jh.)
Dantziger willkür (
druck v. j. 1783) 15; primogenitos hat man grosz gehalden, quia illorum erat possessio, hat in den guttern den forczuck ('
vorrecht der erstgeburt',
hier mit beziehung auf 1. Mos. 27) Luther 9, 394
W.; von denen gläubigern, welche die praerogativen oder den vorzug haben, dasz sie vor allen andern bezahlet werden (1622)
procesz- u. gerichtsordn. churf. Joh. Georgs I. in: cod. Aug. 1, 1106
Lünig;
ähnlich im trier. landrecht: dardurch die creditores wegen der priorität oder vorzug in schwere processen gerathen (1713) Nahmer
handb. d. rhein. particularrechts 2, 644; reichs-bauren ..., so ihre eigene gerichtsbarkeit und andere ansehnliche vorzüge haben (1749) Klingner
dorf- und baurenrechte 1, 6
anm.; ist das lehen mit gewissen vorzügen begabt, ... so sind die dem lehen anhaftenden vorzüge nicht auf afterlehen auszudehnen ... die privilegien ... (
können) nicht auch als stillschweigend mit dem lehen verliehen angenommen ... werden Georg Mich. v. Weber
lehnrecht 4 (1811) 514; liesz man aber dem geistlichen oberhaupt auch nur einen theil seiner ehemaligen vorzüge, so waren es noch immer überschwängliche vortheile, gränzenlose privilegien, die ihm übrig blieben Göthe I 41, 2, 317
W.; wenn lagerstätten verschiedener art mit einander in collision kommen, so kommt es auf das alter nicht
an. gänge haben den vorzug vor lagern, flötzen, liegenden stöcken ... nicht in allen berggesetzen ist jedoch dieser vorzug der lagerstätte begründet Hartmann
hwb. d. mineralogie (1825) 787.
in freierem sinne, bereits zu β überleitend: die bahnhofsbunker sind ab mittag (
als nachtquartier) ausverkauft, und frauen mit kindern haben den vorzug
Berliner zeitungen a. d. jahre 1947. I@B@2@a@bβ)
in freierer anwendung von jeder besser-stellung und auszeichnung schlechthin, gleichbedeutend mit '
vergünstigung': es solte mich ja demuttig machen ..., das ich nichts mehr hab' an Christo, auch nichts besser bin für got dan ein klein kind ... do ist kein vorzug oder vortteil Luther 47, 236
W.; (
bei gleicher teilung des erbes) hat keiner der sOehne (
des erblassers) einen vorzugk (1658)
Geraische statuta in: samml. z. d. dt. land- u. stadtrechten 1, 195
Schott; (
die ausbildung reicher talente) gab ihm einen vorzug vor seinem vater Schiller 7, 99
G.; sie (
frl. v. Bornstedt) ... würde mir eher eine million gönnen, als einen bestimmten vorzug in literarischer hinsicht (7. 7. 1839) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 359
Schulte-K.; in die würde und den vorzug des zweiten besitzers (
des bildes) eingesetzt zu sein (10. 3. 1922) Rilke
br. 2 (1950) 325; (
ein) schüler, der des eigentümlich lustigen vorzuges genieszt, nicht mehr gefragt zu werden Th. Mann
zauberberg 2 (1925) 614; es bleibt bestehen, dasz du ein vertrauen ... ausnutztest, um dir vor allen andern einen vorzug zu schaffen Bergengruen
am himmel wie auf erden (1940) 442; ich habe den vertraulichen vorzug, sie (
Goethes lieder für den divan) zu kennen und einige zu besitzen, früher als alle welt Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 287;
als höflichkeitswendung findet sich um den vorzug bitten, ...: monseigneur mein herzog bittet um den vorzug, die hoheit noch vor der tafel aufsuchen zu dürfen Bergengruen
herzog Karl d. Kühne (1930) 61. I@B@2@bb) '
der zuerkannte vorrang in wertschätzung und geltung'
; in älterer sprache vor allem in der wendung den vorzug haben: darum soll das (
wort gottes) auch allein gelten und den vorzug vor allen andern haben, es heiszen gleich aposteln oder engel Luther
tischr. 6, 13
W.; ein yeder (
fürst) will der beste sein, den vorzug haben und andere drucken und dempffen (1545) Luther 52, 782
W.; das wundpflaster, opodeldoch genant, hat nicht vnbillich den vorzug ..., welches von wegen seiner schnellen heilung vielen zufällen fürkommet
F. Würtz
wundartzney (1624) 667; falschheit hat den vorzug Abr. a
s. Clara
Judas 4 (1695) Jii 2
b.
in neuerem sprachgebrauch wird besonders üblich: einem den vorzug geben
donner la preferance ou preseance à quelqu'un ... donner la premiere place Duez
dict. (1664) 2, 647; er (
Wallenstein) hatte sich diesen general (
Piccolomini) durch grosze geschenke verpflichtet, und er gab ihm den vorzug vor allen andern Schiller 8, 335
G.; man kann, je nach vorgefasztem geschmacksurteil, verschiedener ansicht sein, ob einer blosz leicht und konturartig gehaltenen oder einer im ton durchgeführten und kräftig wirkenden randzeichnung der vorzug zu geben sei (11. 6. 1868) G. Keller
br. u. tageb. 3, 11
Erm.; weil ich wohl wuszte, dasz er (
Göthe) im grunde die schwarzen augen liebte und ihnen eigentlich den vorzug gab vor den wasserblauen Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 136.
jedoch auch sonst in verschiedener anwendung: ehe ich noch vom Stein seiner arbeit etwas gesehen habe, waren mir die Spättischen claviere (
des flügelbauers Spath) die liebsten; nun musz ich aber den Steinischen den vorzug lassen (17./18. 10. 1777) W. A. Mozart
br. 1, 90
Schiedermair; er ist ein treflicher arbeiter, genau, unermüdlich, voll gesunden verstands, er verdient den vorzug vor allen seinen mitbewerbern Schiller 14, 214
G.; der fuszdienst kam nach und nach auszer achtung, und der dienst zu pferd erhielt den vorzug Georg Mich. v. Weber
lehnrecht 3 (1810) 48; und Schiller war doch selbst der erste, den vorzug des verdienstadels zu behaupten vor dem geburtsadel Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 269.
mitunter geradezu im sinne von '
auszeichnung, ehre': ich weisz nicht, wie er zu solchem vorzug gekommen ist, oder wie er so zu ehren hervorgezogen ist Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2354; suchen sie (
anrede) sich ja den vorzug zu verdienen, mit dem man sie beehrt ... Castelli
s. w. 13 (1848) 171; 'seine freundschaft?' sagte der freiherr; 'auf einen so hohen vorzug haben wir niemals anspruch gemacht' G. Freytag
ges. w. 5 (1887) 177; herr doktor Riemer würde es sich zum vorzug rechnen, der frau hofrätin seine ergebenheit zu bezeigen Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 50. I@B@33)
als spezialisierung von vorzug B 2 b —
besonders an die wendung den vorzug (
wertmäszigen vorrang) haben in etwas
anknüpfend —
erscheint die bedeutung '
vortreffliche eigenschaft',
die in älterer fachsprache weiterhin zur bezeichnung des trägers einer vorzüglichen eigenschaft (
s. u.)
verdinglicht wird. I@B@3@aa) '
vortreffliche eigenschaft, vorzüglichkeit': und wie solte die lateinische sprache hierin (
im unterscheiden von vulgär- und hochsprache) einen vorzug vor andern haben? Morhof
unterr. v. d. teutschen spr. u. poesie (1682) 1, 72; ich habe sonst keinen vorzug als meine unschuld Gellert
bei Adelung 4 (1801) 1316; ich glaube nicht, dasz irgend eine deutsche stadt, so viele vorzüge sie auch haben mag, komplimente auf unkosten aller übrigen von mir erwarten wird Wieland
s. w. suppl. 6 (1798) 343; (
eine frau, die) an geistes und äuszerlichen vorzügen meiner nicht unwerth sey (25. 4. 1788) Schiller
br. 2, 51
Jonas; dieses quartier hat den vorzug gröszerer ruhe und auszerordentlicher reinlichkeit (22. 10. 1843) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 225
Schulte-K.; er hatte alle vorzüge, die ich bewundere, alle fehler, die mir verzeihlich scheinen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4 (1893) 267; eine geschichte ..., die den vorzug hat, nicht erfunden zu sein Gerhart Hauptmann
ges. w. I 5 (1942) 514; sie (
anrede) haben, wie wir alle, ihre vorzüge und nachteile Th. Mann
zauberberg 2 (1925) 461; über den mängeln des buches hat man wohl auch manche vorzüge übersehen Streitberg
german. (1936) 222; ein vorzug eignete diesem neuen hausknecht ... Stannebein konnte messing putzen Kluge
Kortüm (1938) 654; (
ein) lieblingsschüler, der auszer fleisz, ehrgeiz und klugem verhalten gegen die lehrer wenig vorzüge hatte Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 77.
ironisch: wahrscheinlich wird es der einzige vorzug dieses sonettes gewesen sein, Graja, dasz ich es dir nicht vorgelesen habe Werfel
geschwister v. Neapel (1931) 23. I@B@3@bb)
in der älteren fachsprache der wollwäscher: vorzug '
wenn die wolle zu den feinen zeugen, die unter dem namen von waschwolle
verbrauchet wird, einmal gewaschen ist, so erhält sie diese benennung' Jacobsson
technolog. wb. 4 (1784) 561;
ähnlich im encyclopäd. wb. (1803) 10, 41
und bei Campe 5 (1811) 524;
nach Sanders 2, 2 (1865) 1794 '
eine vorzügliche sorte feiner waschwolle'. IIII.
kompositionsbildung mit lokalem und temporalem vor-,
unmittelbar zu zug. II@11) '
das vorrecht des ersten (
fisch-)
zuges' (
vgl. vorstreich
teil 12, 2, 1708
und vortrieb
ebda 1788): der vischmaister von Wistanicz sol ... den vorczug mit der segene ('
zugnetz',
s.segen teil 10, 1, 81) haben, es sol auch niemant vor im ... ziehen (1414)
Nikolsb. urb. 39
Bretholz; welcher (
fischer) einen laich oder bruch findet, soll er solichs den andern vischern anzaigen, doch soll derselb den vorzug mit dem rachnetz haben (1505)
österr. weist. 5, 10. II@22) '
vorspann-deichsel' (
s. auch vorzugbaum
u. III 2);
im obd., besonders schweiz. (
s. Stalder
schweiz. 2, 480; Fischer
schwäb. 2, 1691
und Martin-Lienhart
elsäss. 2, 895): forzug mit leg ysen ('
eisenstab unter der spindel eines groszen wagens',
s. schweiz. id. 1, 541)
qu. v. j. 1515
in: anz. f. schweiz. altertumskde. (1902/03) 207; was endtlich das holtz zu vorzügen anbelangt, werden ihnen hiezu 4 zwergeichli und zu grädlen ('
deichselarmen',
s. schweiz. id. 2, 823
s. v. grättel [1 b]) 2 dergleichen ... erlaubt
qu. v. j. 1738
in: urk. z. gesch. d. groszmünsterstifts Zürich 2, 33
b Hotz; es sollen auch dieselben (
gefährte) so nahe als mOeglich an einander gestellt, die beweglichen tiechsel in die hOehe gehept, alle andere vorzg und tiechsel aber so gestellt werden, dasz der wenigste nachtheil daher entsteht (1779)
slg. d. bürgerl. u. policey-geseze u. ordn. d. st. Zürich (1757-93) 5, 346; die feuersprize bestehet aus dem wagen mit vier rAedern, vornen mit einem handdiechsel, oder mit einem vorzug fr ein pferd versehen
üb. d. zweckmäsz. gebr. d. feuerspritze (1790) 9.
aus neuerem sprachgebrauch nur noch mundartlich gebucht, besonders obd. (
s. o.)
; vereinzelt auch im ostfäl.-altmärk.: '
gestell mit zwei rädern vor dem pfluge' Block
Eilsdorf (b. Halberstadt) 63
a. —
in älterer sprache auch '
protze': 5 lb. Demus Wagner umb 2 reder an das bennli (
wagengestell, s. schweiz. id. 4, 1289) und 3 vorzúg an die búchsen (
geschütz)
baumeisterrechng. v. j. 1575 (
stadtarch. Aargau); item 14. vorzüglin mit rädern (
anm. vorzüge und protzen für leichte geschütze)
qu. v. j. 1648
in: anz. f. schweiz. altertumskde. (1913) 160; 6 neüe stuckh von metal sambt vorzüg und (zu-)gehör, in anno 1746 gegossen
qu. v. j. 1746/86
ebda (1912) 356. II@33) '
vor dem eigentlichen (
planmäszigen eisenbahn-)
zug eingesetzter (
entlastungs-)
zug' (
vgl. ndl. voortrein Dale 2, 1931): an gewissen tagen wird wegen zu groszen andrangs des publikums zu eisenbahnzügen 'ein vorzug eingelegt'
bekanntmachung der direktion der niederschl.-märk. eisenbahn (
bei Sanders 2, 2 (1865) 1794); bei diesem starken verkehr dürfte ein vorzug gehen
d. grosze Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 624
Basler; vgl. auch: vorzug
train running in advance of the regular train, pilot train, special train Muret-Sanders 4, 2207. IIIIII.
komposita. III@11)
seit dem 17.
jh. findet sich vorzug (I B 2)
als erstes kompositionsglied in zahlreichen, besonders in geschäfts- und rechtssprache geläufigen zusammensetzungen: