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zerfahren

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zerfahren verb.

Bd. 31, Sp. 670
zerfahren, verb. , in älterer sprache wie fahren (s. th. 3, 1247) und dessen zss. nur intransitiv im sinne von auseinander fahren, gehn, in stücke zerfallen, bersten; ahd. za-, zifaran (Graff 3, 573), as. tefaran, ags. tófaran, afries. tofara, mhd. ze-, zervarn (mhd. wb. 3, 249b; Lexer 3, 1091), mnd. tovaren (Schiller-Lübben 4, 597b), mnld. tevaren (Verwijs-Verdam 8, 285). II. intransitiv 1) von concreten dingen, a) von leblosen gegenständen, von der materie, von geräthen, indem diese α) durch gewaltsame einwirkung zerfallen, vergehn, bersten, sich auflösen: êr scal bêðiu tefaran himil endi erða Heliand 1424; 2594; 4347; Matth. 5, 18 Tatian 25, 5; himml. Jerus. 184; pass. 288b H.; [] das der wurff wilde den schilt von der hand claub, das er zefur als ain laub Heinrich v. Neustadt Apoll. 5446 Si.; H. Fischer 6, 1131; traff im streich sein ... krglin, dasz es zu scherben zerfuhr Fischart Garg. 357 ndr.; unsre schuhe sind zufahren (Jos. 9, 13) bei Frisch 1, 240c; stcke von der zerfarnen, eiterschwrigen lungen alamod. polit. (1654) 123; die materie zerfährt in ihre letzte elemente wieder Schiller 1, 176 G.; graf Strachwitz ged. 10; schlug mit dem knieriem ins werkzeug, dasz es zerfuhr Kolbenheyer meist. Pausewang 215; zerrissen: gespenstisch z-e gratzinnen H. v. Barth Kalkalp. 540; G. Freytag ges. w. 14, 147; β) durch wasser, insbesondere beim kochen erweichen, sich auflösen und zerfallen; schon bei Notker 2, 248 P. (ps. 65, 12) vergleichsweise auf menschen bezogen: wir habên durhfaren fiur unde wazzer. wir wurden sô geeitet in demo fiure, daz wir nieht ne mahton zefaren in demo wazzare. adversa starhton unsih, prospera ne weihton (verweichlichten) unsih; reichliche belege setzen mit der nhd. periode ein und halten sich bis ausgang des 18. jahrh.s: dasz sie (die welschen nüsse) nit zu lang sieden und zu mrb werden und im sirop zu muosz werden oder zerfaren Ryff confectb. 100b; lasset sie (die einzumachenden äpfel) ziemlich weich werden, doch aber dasz sie nicht z. v. Hohberg georg. 3, 157a; Amaranthes frauenz.-lex. 484; Frisch 1, 240c; kartoffeln gekocht; sie waren in nicht völlig einer stunde übergahr, so dasz mehrere z. waren Lichtenberg br. 3, 185; bair. (zúfarn Schmeller-Fr. 1, 738) und lux. (zerfue ren auseinanderplatzen lux. wb. 502a) noch bewahrt; im bes. ein zerfahrnes ova liquidius frixa, ova agitata Stieler 411 und suppe zerfahrnes genannt Amaranthes 1941, dafür später der ausdruck eine z-e suppe fleischbrühe mit zerquirlten eiern: Adelung2 4, 1687; Campe 5, 842a; Schmeller-Fr. 1, 738; γ) sich in luft, dunst oder staub auflösen, oder indem luftgebilde oder tropfen ihre gestalt aufgeben; oft nur im vergleich: sie zefarent also daz stuppe dero erdo, daz ter wint ferwâhet ps. 1, 4 Notker 2, 4 P.; wann eyn trOepfflin sirups auff eynen teller fallen lasest, es stehen bleibet und nicht hin und her zerfahret Sebiz feldbau 383; die werden auch gleich wie der rauch zerfaren und verschwinden L. Hetzer bei Wackernagel kirchenl. 3, 484a; der ehrenvolle schnee von unsers vaters haaren scheint selbst vor lauter angst in thränen zu zerfahren J. Chr. Günther ged. 819; Herder 6, 121 S.; hinter dem z-en schneegewölk Alexis Roland 1, 292; gern mit zerfallen vereinigt: alles zerfällt und zerfährt vor und in dem dampfe und der elektrizität Lagarde deutsche schr. 348; dispergi Stieler 411; Adelung2 4, 1687; das ei ist z., wenn das gelbe sich mit dem weiszen vermischt hat: Campe 5, 841b; b) von lebenden wesen, α) deren körper oder gliedmaszen durch schlag, stosz oder krankheit zerquetscht werden, anschwellen, auseinander gehn: wær drûf (auf des pferdes rücken) ergangen dâ sîn sprunc, im (dem pferde) wære der rücke gar zevarn Parzival 531, 3; und ist im (dem kranken) diu zunge zervarn in dem munde, daz ist ein zeichen, daz er sterben wil Berthold v. Regensburg 1, 510; weiteres Lexer 3, 1092; ist ihm sein leib ... gantz und gar z. und kraftlos worden L. Rabus hist. d. martyrer (1571) 287b; β) deren masse sich zertheilt, auseinandergeht, sich verläuft, sich zerstreut: (er) zivor (defluxit exercitus) Graff 3, 573; thô telêt that liudwerodaftar themu lande allumu, tefôr folc mikil Heliand 2900; als er den grOesten zeug hatt lassen zerfaren J. Stumpf Heinrichs IV. hist. 13b; das christenthum ist dort in einen ... schwarm der verschiedensten secten z. Görres ges. schr. 2, 235; der samnitische stamm war z. und zersplittert Mommsen m. gesch. 1, 327; c) wie b β auch [] von einer gruppe zusammengehöriger gegenstände: mhd. wb. 3, 249b; sind gedachte huoben ... in vil ... stuck zerteilt worden, dieselbigen ouch dermaszen zerfaren, dasz sie nie mehr zu ganzen huoben wider zusammen gebracht worden schweiz. id. 1, 901; 2) von abstracten a) einrichtungen, zuständen, neigungen, meinungen, der zeit: Herbort v. Fritzlar 12 134; die wahrheit, freund, und eine seifenblase zerfahren in der hand J. B. Michaelis bei Eschenburg beispiels. 3, 434; b) indem an diesen das ziel-, plan-, kraftlose und ungeordnete verhalten hervortritt; z. wird, wie unt. c, regelmäszig als adjectivisches particip gebraucht: zerfallen und z. war ihr ... staat Alexis ruhe 4, 178; Gutzkow ges. w. 12, 103; welche (kunstmanier) das ... unbestimmte, z-e suchte Vischer ästh. 2, 83; Hebbel III 5, 67 W.; c) indem die seele und der geist eines menschen unordnung verrathen dadurch, dasz der blick, das benehmen zerstreut, unstet und sprunghaft sind: sein blick war wild und z. E. Zahn held. d. alltags 103; in der regel mit subjectswechsel unmittelbar vom träger dieses seelischen zustandes selbst ausgesagt; modewort der periode des jungen Deutschland: kein buchhändler war geneigt, einem so z-en manne ... vorschüsse zu geben Gutzkow ges. w. 9, 293; z. an leib und seele Rosegger schr. I 7, 183; vgl. auch die angabe zerfueren verzweifeln des lux. wb.s 502a. IIII. transitiv, 1) auseinander scharren oder wühlen eig. 'zerpflügen' (vgl.fahren th. 3, 1256 und H. Fischer 2, 951), aus der sprache des bauern in die weidmannssprache übergetreten: du solt auch mercken, wo eyn hirsch zu eynem schAerhauffen oder zu omeshauffen kommet, das er sie mit dem gehürn und füszen gern zerfehret Sebiz feldbau (1572) 572; danach auch in der sprache der medicin: das schAedliche geschwr durchfrisset und zerfAehret berall die haut und glieder Woyt thes. (1696) 188; 2) wege oder straszen durch vieles fahren beschädigen: Stieler 411; Kramer 1, 325a; der weg war ... z. Chr. F. Schulz reise ein. Livländ. (1795) 5, 183; Storm s. w. 2, 102; in stücke fahren: steine wie kindsköpfe, die sollen die reisenden selbst z. H. Beck kamäleon 19; 3) einen wagen oder anderes fahrzeug abnutzen: eine alte z-e beichaise Holtei erz. schr. 21, 216; er ... zerfähret das sprachschiff zum wrack Fr. L. Jahn w. 2, 610 E.
6837 Zeichen · 162 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zerfahren

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Zerfahren , verb. irregul. (S. Adelung Fahren .) 1. Als ein Activum, obgleich seltener, entzwey, in Stücke fahren. 2. Al…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    zerfahren

    Goethe-Wörterbuch

    zerfahren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    zerfahrenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    zer-fahren st. : ' zerspringen ', zerfahre [ Gimmel in: PfMus. Oktober 1920, Karch Jockgr/Nd'horb 98]; Syn. s. PfWB vers…

  4. Sprichwörter
    Zerfahren

    Wander (Sprichwörter)

    Zerfahren Es zerfährt wie Tschusche. ( Nordberg. ) Wie mürbes Gebäck im Munde.

  5. Spezial
    zerfahren

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    zerfahren übertr. рассеянный, растерянный, несобранный

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zerfahren

3 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von zerfahren

zer- + fahren

zerfahren leitet sich vom Lemma fahren ab mit Präfix zer-.

Zerlegung von zerfahren 2 Komponenten

zer+fahren

zerfahren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zerfahren‑ als Erstglied (1 von 1)

zerfahrenheit

DWB

zerfahren·heit

zerfahrenheit , f. , seit der periode des jungen Deutschland gebräuchlicher, zu zerfahren I 2 b und c gebildeter ausdruck; zerstreutheit, ma…

zerfahren als Zweitglied (2 von 2)

putzerfahren

DWB

putzer·fahren

putzerfahren , partic. im putz kundig, erfahren: als das veilchen, putzerfahren, seine löckchen sich gekräuselt. Platen 2, 341 .