kunz,
kunze,
die koseform des mannesnamens Konrad,
die über die geltung eines bloszen namens weit hinaus gewachsen ist, wie Hans
u. a. (
s. im allgemeinen W. Wackernagels
aufsätze '
die deutschen appellativnamen'
Germ. 4, 129
ff. 5, 290
ff.). II.
Form und nebenformen. I@aa)
nicht aus Konrad
ist Kunz
geworden, das nur die latinisierte form ist, der lat. endung entkleidet (
s. sp. 1742),
die aber auch erhalten erscheint unter verdrängung des ersten sonst hochbetonten worttheiles in schwäb. Rades,
d. i. Conrádus (Schmeller
2 1, 1267) —
sondern aus mhd. Kúonrât,
ahd. Chuonrât (=
Θρασύβουλος,
s. u.konradskraut).
noch bei Fischart
z. b. Kunrad
Garg. 107
a, Kunrat 190
Sch., vermutlich noch mit uo,
ja noch im 17.
jh. bei Duesius
nomencl. 125 Cunrad;
lat. wechseln Conradus
und Cuonradus
auf éiner seite z. b. städtechron. 3, 207.
Daher mhd. Kuonze
z. b. MSH. 2, 79 (
Neidh. xix. xx),
im 14.
jh. Cuonz
leseb.4 979, 5,
ahd. gewiss auch Chuonzo,
obwol nur Cunzo
verzeichnet ist bei Förstemann 1, 557,
wie meistens Chunrat,
öfter und selbst älter Chunrad 315,
die doch mit uo
gemeint sind. noch im 16.
jh. oberd. Kuonz,
d. i. Kuonz,
s. z. b. S. Frank
u. II, 4,
c, und noch z. b. bair. Kuenz Schm. 2, 314.
Verschieden [] in vocal und stamm ist mhd. Kunze
als frauenname Neidh. 17, 40, Künze 37, 8. xxv, 12. 18,
ahd. Chunza Först. 1, 557, Kuniza Dronke
trad. Fuld. s. 137 (
ein mann Kuniz
s. 109,
vgl.Cunuz Mones
anz. 5, 483),
mit kurzem vocal, koseform von mhd. Künegunt,
ahd. Chunigund
o. ä. (
s. Grimm
gr. 3, 692,
oben u. könig I,
d),
nd. aber Knke, Kœnke
Kunigunde brem. wb. 2, 897. I@bb)
gut hochd. erscheint aber auch Konze, Konz,
z. b. alem. im 15.
jh., aus der gegend des Bodensees: (
der wächter musz) den tag an blausen (
alem. gleich blâsen) und rufen Conzen und Clausen, bis das volk tuot erwachen.
teufels netz 8859;
nürnb. im 15.
jh. Contz
fastn. sp. 1107,
städtechron. 2, 490 (
derselbe mann Cuntz 496, 25. 207, 12).
im demin. neben Cüenzli
auch Conzeli Mones
anz. 5, 484,
d. i. Kœnzeli,
vgl. schwäb. KOenzelman
unter d. daher noch heute der schwäb. name Conz.
Daran kann allerdings das lat. Conradus
seinen antheil haben, der sich auch in dem dabei beliebten C-
verrät (
vgl. u. K 1),
aber auch ahd. schon Chonzo, Conzo Först. 1, 557,
vgl. 312.
das ist wie in dem gleichbed. Chono, Cono
das. 312. 316,
d. i. Chôno,
nach chôni,
der ältesten form von chuoni
kühn (
s. u.kühn I,
a. c),
sodasz auch Chônzo
anzunehmen ist. I@cc)
dem mhd. Kuonze
entspricht im mitteld. Kûnze (
im 14.
jh. z. b. cod. dipl. Sax. II, 2, 169,
geschr. Cncze),
wie noch im östlichen md., wenigstens in Sachsen die volksm. form ist, westl., z. b. in Hessen Kûnz,
trotzdem dasz es ein Kûnrât
da längst nicht mehr gibt. die gebildeten kürzen den vocal. Auch nd. wbb. geben die form, z. b. das brem. 2, 898,
doch nur in der formel Hans oder Kunz,
auch Dähnert 263
a,
ob nicht aus dem hd. eingeführt? diesz -z
ist zwar auch sonst dem nd. nicht fremd (
s.kauz 1
a. e.),
vgl.Kunze
nd. 16.
jh. sp. 1035,
mit nd. vocal Cune Kontze
in Halle 1425
städtechr. 7, 364
anm., in Braunschweig i. j. 1423
ein Diderik Kuntzen 6, 244;
aber vgl. greve Kunsen efte Cordes sone in Beiern Frisch 1, 173
a aus einem nd. chronisten, der oberd. name nd. verdeutlicht; ebend. hertoch Conze efte Cord von Luneborch.
Die gewöhnliche nd. koseform von Konrad
ist eben Kurd Fromm. 3, 551
fg. (
wie auf halbem wege dazu liegt fränk. Kunnert Fromm. 6, 468), Kôrd
brem. wb. 2, 848, Strodtm. 110,
im 14.
jh. Cord (
l. Côrd)
städtechr. 6, 512
b, Cort 7, 375, 11, de keiser Cord Frisch 1, 173
a,
westf. Kurt
Kuhns ztschr. 2, 204,
schon im 15.
jh. Curt
Leipz. urkundenb. 1, 257, Curd 260,
doch auch in Meiszen selbst ein Curt 138 (
ders. mann Conrad 136).
dazu stimmt folg. aus dem 16.
jh.: apud Latinos conradus dicitur, a nostris .. Cunraed, quod latine interpretatur audacis consilii, a castrensibus Kuntze, a rusticis Curd. Trochus
prompt. Lpz. 1517 Uij
a,
der verf. war aus Anhalt, lebte in Leipzig, seine angabe mag auch für Meiszen gelten, die form der städter mit der oberd. stimmend, die der bauern mit der nd. I@dd) Kuonz
weiter verkleinert Cnzelin
Straszb. chron. 1021, 36, 14.
jh., d. i. Küenzelîn
Neidh. xxii, 8,
schon ahd. 'Chuncilin' Först. 1, 558,
im 16.
jh. Cnzlein,
s. II, 4,
d; auch Küenzlîn
mhd. MSH. 2, 147
b.
dann Cüenzli Mones
anz. 5, 484 (
auch Cnzi
das.), Küenzel Neidh. 36, 28. 37,
im 16.
jh. auch Cnzle,
s. II, 1
u. ä. (
lat. gemacht Cunzlo
font. rer. austr. II, 18, 64,
v. j. 1272);
daher noch heute Künzel.
md. Kunzchen Trochus Z 3
a (
vgl. Dief.
s. v. nomen).
Eine andere weiterbildung ist Kunzmann,
und zwar im Aargau als sohn des Konrad Rochholz
in Fromm. mund. 6, 450.
auch Knzelman,
s. Augsb. chron. 1, 408
b. 2, 495
a, KOenzelman (
auch augsb.) Mones
anz. 6, 375
um 1400,
selbst ein Chuntz Kuntzelman
Augsb. chron. 1, 153, 42, Conrad Knzelman
bibl. d. lit. ver. 18, 90.
vgl. schon bei Neidhart Uozeman 57, 36, Hetzeman 68, 3, Enzeman 55, 35, Gätzeman 96, 20. I@ee)
endlich ist erwähnenswert eine noch einfachere kürzung: Chunradus, qui et Chuono. Först. 1, 316,
auch Chuno (
mit uo
gemeint)
und wieder auch Chôno, Côno 312. 316 (
s. schon Frisch
a. a. o.),
im 18.
jh. in den ritterromanen wieder aufgewärmt als Kûnô,
während es noch besteht als Kuhn, Kuhne,
entsprechend dem Kuone,
wie die mhd. form sein musz; mnd. Kône
z. b. Magdeb. schöppenchr. (
städtechr. 7) 364, 9;
daher selbst ags. im 11.
jh. Côna se câsere,
der kaiser Konrad (Schmeller
2 1, 1267).
schweiz., dem Knzel
gleichend, Chueni,
s. II, 5,
a, für teufel. die geläufige koseform ist daneben das. theils Kunz Fromm. 6, 459
a,
theils Chuered (
aber auch Chuedli) Tobler 126
b,
selbst Küri (
s. II, 4,
d a. e.),
mit dem siege des r
über n,
wie im nd. Kurt.
ähnlich auch schwäb. Kuornle (
s. II, 5,
a),
wo r
wenigstens den vortritt gewann. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
dasz Kunz
nichts als Konrad
ist, ist heutzutage dem sprachbewusztsein verloren, während ihm Fritz
gleich Friedrich
noch [] gegenwärtig ist. im 16.
jh. war auch Kunz
noch ganz frisch, wenn z. b. ein wirt seinen knecht weckend ruft: Cunz, Cnzle, Conrade, wol auf, es ist nun tag. Schade
sat. u. pasqu. 3, 271;
dem gewöhnlichen hausnamen, weil er nicht wirkt, folgt der liebkosende oder neckende (
was Kunz
urspr. selber war),
diesem der volle ernste name und zwar lat.; s. auch Trochus
unter I,
c a. e. II@22)
seine allgemeine bedeutung mag ihm besonders aus einer formelhaften verknüpfung mit einem andern namen erwachsen sein, schon mhd. Kuonrât
und Heinrîch. II@2@aa)
diese müssen als probenamen schon um 1300
geläufig gewesen sein, denn so braucht sie z. b. meister Eckhart
öfter: swenne ich dâ (
in gott) vereinet bin, dâ alliu dinc gegenwertic sint, diu dâ vergangen sint unt diu iegenôte (
eben) sint unt diu künftic sint, diu sint alliu gelîch nâhe unde gelîch ein, diu sint alle in gote unde sint alliu in mir. dâ endarf (
braucht) man weder Kuonrât noch Heinrîch gedenken ... wan in gote ist weder Heinrîch noch Kuonrât. 33, 2
ff.; die meister sprechent, der ein bilde machen wil nâch einem menschen, der machet eʒ niht nâ Kuonrâte oder nâch Heinrîche. machete erʒ nâch Kuonrâte oder nâch Heinrîche, sô meinde er nicht 'den menschen', er meinte Kuonrât oder Heinrîch. 163, 27
ff.; ist nû got aller namen frî, dar umbe bedarf ich niht gedenken daʒ ich Heinrîch oder Kuonrât noch Uolrîch heiʒe. 591, 9,
also zur scharfen bezeichnung des einzelnen, doch so dasz sich jeder einzelne darunter denken kann, was Wackernagel
Germ. 5, 229 gemeinnamen
nennt; die zwei, manchmal auch drei bestimmten namen besorgen andeutend die umspannung aller einzelnen. II@2@bb)
besonders auch in rechtsbüchern, z. b. häufig im Freiberger stadtrechte: ist abir daʒ ein man tritet vor gerichte und wil vorderen (
klagen wegen) sînes vrûndes wunden ... sô mûʒ he sich nennen. he heiʒe Heinrîch. nû der vorderer und sîn vorspreche sal alsô teidingen: her richter, ungerête ist im (
der fürsprech ist sprechend gedacht) geschên an eime sîme vrûnde Cûnrâte ... daʒ wil he vorderen kempflîche .. zû demselben Heinrîche der dâ keinwertic stêt. Schott
land- u. stadtr. 3, 226,
cap. 27; her richter, he bitet eines urteils, ab he icht benennen sulle .. wer der Cûnrât sî, den he hî vordert.
s. 227; den (
kläger) sal der richter manen alsô: her Niklaus, ich mane ûch mit dem eide .. ab ûch daʒ wiʒʒelîch sî, daʒ her Heinrîch den vride gebrochen habe an hern Cûnrâte.
s. 187 (
cap. 8); cetar über einen Heinrîch, der mînen vrûnt Cûnrât gewunt .. hât. 228 (27); dâ Heinrîch den vride an Friderîche und an sînem vrûnde Cûnrâte brach. 230 (27).
auch andere probenamen werden gebraucht, wie Friderîch, Dîterîch, Ludewîc, Otte, Herman,
aber keine so oft wie jene beiden. ebenso in einer Breslauer hs. des weichbildrechtes v. j. 1306 (
Germ. 5, 329). II@2@cc)
freilich wird das zunächst veranlaszt sein durch die häufigkeit der namen überhaupt, wie denn z. b. im habsburg. urbarbuche aus dem anfang des 14.
jh., dessen namenfülle Pfeiffer
verzeichnet hat, Heinrîch
und Kuonrât
alle andern auffallend überragen. aber diese häufigkeit samt jenem gebrauche musz einen bestimmten anlasz haben, wie bei römischen juristen ähnliche probenamen, z. b. der sklavenname Stichus,
der offenbar vom Stichus des Plautus herrührt, die probenamen Sempronius
und Gaius
wol von den Gracchen. So erscheinen bei uns sanct Peter und sanct Paul als probenamen im latein der schule, z. b. fecitne Petrus an Paulus? Trochus
prompt. Y 6
b.
der geistliche verfasser einer summa legum, um 1170
wahrsch. in Paris geschrieben, braucht so Richardus
und Hugo (
sitz.-ber. der Wiener ak. 57, 444
fg., vgl. 458),
vermutlich nach den groszen mystikern Richard und Hugo von St. Victor, die in Paris um die mitte des 12.
jh. lehrten. Da nun bei uns Cuonrâd
schon im 12.
jh. so gebraucht erscheint (
mit Ruodolf
zusammen als gegner, s. Wack.
Germ. 5, 329, Heinrich
allein das. aus d. 14.
jh.),
so mögen die kaisernamen der Heinriche und Konrade der anlasz sein, die namentlich im 11.
und 12.
jh. die zeit von anderthalb jahrhunderten fast ganz ausgefüllt haben, öfter einander ablösend, während sich fürs 13.
jh. an das staufische brüderpaar Heinrich und Konrad, söhne Friedrichs des zweiten, denken liesze. auch die Friderîch
und Otte
oben könnten auf kaisernamen zurückgehn (Fritz, Ott
sind im 16.
jh. beliebte bauernamen). II@33)
sie leben denn bis heute nach als Heinz
und Kunz (
s. schon unter Heinz 4
2, 889,
auch Hinz),
obwol im aussterben begriffen, selbst bei den bauern, wenigstens in meinem heimatskreise. II@3@aa)
jetzt zwar fast eingeschrumpft auf die formel es sei Kunz oder Heinz,
soit qui voudra Rädlein 572
b, Adelung,
lieber doch [] in der ordnung Heinz oder Kûnz,
z. b. in Hessen, bei Campe es sei
oder er heisze Hinz oder Kunz,
d. h. einerlei wer es ist, keinen ausgenommen. II@3@a@aα)
so seit jahrhunderten im gemeindeleben wie im rechtsleben des landes wie der stadt; im eingang des Alsfelder passionsspiels fordert der proclamator zu ruhe und ordnung auf: ich wil uch vorkundigen ein gehot, das der her schultheisz thut: wer da betreden wird in disem kreisz (
der spieler), er si Heinz adder Conz adder wie er heisz, der do nit gehoret in dit spil .... mit den teufeln musz er in die helle gan (
d. h. die teufel und hölle des spieles sind gemeint). Haupts
zeitschr. 3, 483.
ähnlich im eingang des schles. osterspiels aus d. 15.
jh., wo zwar mehr namen auftreten, aber Kunze
und Heinrich
voran (
also die kurze form mit der vollen noch einfach wechselnd): und wer unser darumme spott, es sei Kunze, Heinrich oder Ott, Hensel oder Eckehart, oder Nitsche mit dem groszen bart
u. s. w. Wack.
leseb.2 1015,
fundgr. 2, 298.
Im rechtsgebrauch z. b. vom Mittelrhein: der (
waldbote) sall ufwerfen der hentschue einen und sall sprechen: ich steen hut zu tage hie und beneime Heinze oder Kunzen (nr.,
d. i. nominetur, wie er heiszet) in landrechte
u. s. w. weisth. 4, 575. II@3@a@bβ)
natürlich auch Heinz und Kunz,
noch gegenwärtig und früher, als zusammenfassende formel, wie grosz und klein
u. ä.: darnach so ist in solchem haufen, da Heinz und Kunz zusammen laufen, selten so viel witz und verstand ... Rollenhagen
froschm. Z iij
a,
hier deutlich von geringen leuten, wie kreti und pleti. II@3@a@gγ)
auch sonst in allerlei wendungen, z. b.: lobt den frommen nicht Cunze, so lobt ihn Heinze. Henisch 626,
gleich '
der eine, der andere'
oder '
der und jener'. II@3@bb)
doch gewinnt die formel manchmal den klang von '
hoch und niedrig',
wobei Kunz
den niederen ständen zufällt. so ziemlich deutlich in einem streitspruche zu gunsten herz. Ulrichs gegen den würtemb. adel und die städte: er werd erstochen und erhangen, dern fürsten schmecht, mir übel redt ... von hohem oder niderm stand, er sei Heinz oder Kuonz genant. Soltau 1, 236, Liliencron 3, 253
b.
ähnlich im folg.: sie haben kein underscheid, wem sie dienen, und gilt ihn gleich, es sei gleich Heinz oder Cunz.
Keisersb. pred. über das narrensch. 65
b (
Germ. 5, 330).
dazu stimmt die voranstellung von Heinz,
die jetzt noch vorherscht, und dasz Kunz
ausdrücklich den bauern bezeichnet (
s. 4),
wie denn in jenem wirtemb. spruche der arme Cunrat (
s. 4,
a)
ausdrücklich mit erscheint. aber ursprünglich ist diese vertheilung nicht, und auch Heinz
kommt als gemeinname für bauer vor (4
2, 889),
wie beide gesellt schon mhd. 'Küenzel, Heinzel'
Neidh. liv, 15
von den bauerburschen. II@3@cc)
dasz beide durch den häufigen, ja massenhaften gebrauch (
vgl. u. 2,
c)
entwertet wurden, haupts. in den ohren der höheren stände, war unausbleiblich, und so fielen sie mehr den niederen anheim, die ohnehin am alten fester halten. daher im 16. 17.
jh. besonders als namen von dienern, wie etwa jetzt Johann
als hausknecht, 'Schorsch'
als kellner (
vgl. schon u. 1
den wirtsknecht Cunz): die herren sagen oft 'lauft Kunz weg (
aus dem dienste), so kompt Heinz wieder.' es geschicht aber, wenn es Kunz dem Heinzen sagt wie es ihme gangen, so bleiben sie beide drauszen. Lehman
flor. 1, 141,
wo denn doch auch Heinz
als der bessere gemeint scheint; früher, bei Henisch 626,
mit umgekehrten namen, ebenda auch: schlecht man Heinzen, so hinket Cunz mit darvon.
Ähnlich im folg., von dem knechte eines bauern, mit dem er in streit gerät: der knecht (
zieht) von leder und auf den bawren zu! der bawr sagt 'Heinz, halt frid, oder muost Kuonz heiszen!'
Katzip. H 4
b;
er ist vorher ohne namen, blosz ein böser knecht,
sodasz Heinz
wie Kuonz
formelhaft gemeint ist (
vgl.Hans heiszen 4
2, 456
und 458),
aber Heinz
noch mit ehren, Kuonz
erniedrigend, '
oder ich behandle dich noch ganz anders',
wenn nicht gemeint ist '
ich jage dich aus dem dienste',
s. 4,
c a. e. übrigens erscheinen schon im 13.
jh. zwei diener, die ein schwäb. minnesinger hat, knehte
nach damaligem, pagen nach unserm stil, mit den namen Küenzlîn
und Heinzlîn,
s. MSH. 2, 147
b, Bartsch
lied. s. 157. II@3@dd)
geringschätzig, spöttisch o. ä. auch sonst; in Rosenblüts '
kalender zu Nürnberg',
der das treiben der Nürnberger schildert: [] die liebe heilig weihennacht die pringt uns grosze weck. so ledt dann Hainz den Conzen heim und füllen ir wampenseck
u. s. w. fastn. 1107; die liebe heilig vasenacht die macht uns vil der narrn. so wirt dann Heinz und Conz und Metz bei einander beharrn.
das. II@3@ee)
wie hier die Metz
zu gleicher bezeichnung der mädchen mit auftritt, so wird Kunz
auch anders gesellt. oft eben Kunz
und Metz (
eig. Mathilde, im ma. ein fürstlicher name): doch nit das si (
die frommen) bitten für frauen Metzen und Conzen. Tauler
serm. Augsb. 1508 65
a; die andren tuond schamlich swätzen mit Cuonzen und mit Mätzen.
teufels netz 1593,
in der schilderung der art, wie man die feiertage verbringt; wann Kuonz mit Mätzen danzen mag, in hungert nit ein ganzen dag. Brant
narr. 61, 27;
ein edelmann singt, den bauern trotzend und drohend: wann der bur zum danze gat, so dunkt er sich fürsten genosz. Er nimt die Metzen bi der hant (
als vortänzer) die gibt im einen kranz (
s. sp. 2049) ... die dörpel dreppeln hinden nach, das ist der Metzen eben und dem Conzen auch. Uhland
volksl. 340.
Von männern oder burschen auch Kunz und Klaus (
s. u. 1,
b),
besonders Hans und Kunz 4
2, 456 (Hans oder Kûnz
noch jetzt formelhaft), Fritz, Kunz und Hans,
d. h. '
die bauerburschen' H. Sachs 1, 530
d,
und noch anders: dan will nicht Mainz, so musz Kuonz. Fischart
podagr. 657
Sch., vgl. 'Heinz, Meinz'
bei Luther
unter Heinz 2; es fahre Cunz und Max mit drei paar weiszen pferden, es lasz' ihm Trax ein haus von alabaster baun ... Günther 589
aber Hans
und Mainz (
Meinhart)
klingen beide an das häufigere Heinz
an, vgl. Kunze und Henselin
sp. 1035
und anderes dort, auch Butz und Benz 2, 587. II@44) Kunz
hatte aber auch für sich eine eigne ausbildung. II@4@aa)
als eine art standesname für die bauern, wie schon u. 3
in edelmanns munde (
s. dazu 3,
b),
oder für den '
armen mann'
überhaupt, wie aus der mhd. zeit her die unterthanen hieszen. vgl. bei Henisch 613 'Conrad,
ein schlechter unweiser man'. II@4@a@aα)
daher sogar das sprichwort: es laut wol, dasz ein armer mann Kunrad heiszt (sat bene laudatur, quod inops Kunrad vocitatur). A. Gartneri
dict. prov. Frkf. 1598 86
b,
auch bei Henisch 613 (
und es hindert niemand das ein armer Cunrad heiszt),
wie es scheint ein übermütiges wort des adels, Kunrad
zugleich mit dem unter c auftretenden begriffe daneben. II@4@a@bβ)
aber der '
arme mann'
nahm die benennung trotzig auf, denn nur aus ihrem kreise kann das sprichwort stammen '
Cunrad ist auch böse' Henisch 613,
das bei Luther
einmal auftaucht (
vgl. schon Frisch 1, 173
a): haben so oft davon geratschlagt (
d. h. die papisten), und ir etliche gleich die zeit gar trötzlich gestimmet, wenn die Lutherischen solten ermordet werden? und ob sie es mit der that nicht vermügen (denn sie besorgen das sprichwort, Cunrad ist auch böse, und jhensid des berges sind auch leute), so feilets doch am guten willen nicht.
verantw. der aufgelegten aufrur von herz. Georgen, sampt e. trostbrief .. Witt. 1533 E 4
b (
schriften 6, 16
a Jena 1561),
auch der gedrückte, bescheidene kann gereizt sich erheben. II@4@a@gγ)
das wird zusammenhängen mit dem aufstand der wirtemb. bauern i. j. 1514,
die sich selbst der
arme Konrad nannten, oder der arme Conz,
s. Liliencron 3, 138
ff.: als er (
hauptmann) im armen Conzen wer.
das. 3, 149
a; (
das) was des armen Conzen vortanz. 149
b.
es ist von ihm noch länger die rede, s. z. b. Soltau 231. 237;
auch pluralisch (
der sing. ist ohnehin nur gemeint wie volksmäszig der Franzose
gleich die Franzosen,
s. dazu kaufmann 1,
b),
z. b. wird dem herzog Ulrich vorgerückt: was du den armen Conzen hast gethon, werden sie dir daran gedenken, keiner wirt bei dir ston. Soltau 244, Liliencron 3, 243
a.
vgl. noch bei Henisch 626
die erzählung von dem Wirtenberger 'arm Cunz',
der hingerichtet werden soll, wol als aufrührer. II@4@bb)
dagegen junker Conrad,
in Rosenblüts
Nürnberger kalender: der lieb herr sant Oswalt der pringt uns zeitig (
reife) gens. so such wir dann ein cleit herfur mit zotten und gefrens. das legt dann junkherr Conradt an und springt hin an den tanz ...
fastn. 1105;
[] in einem spruche von demselben klagen die gemeinen weib
über verkümmerung ihrer nahrung z. b. durch die closterfrawen, wenn sie zu ader laszen und paden, so haben sie junkher Conraden geladen, der hat mit in ein heimlichs mtlein ... 1112.
vielleicht arme teufel, die sich zu zeiten als junker aufspielten oder spöttisch so genannt wurden. s. auch unter 5,
a. II@4@cc)
aus Konrad, Kunz
als '
armer mann' (
s. a)
ward einer, der sich viel gefallen läszt, den andere misbrauchen. hier tritt denn auch der art. hinzu, der Kunz
aus dem eigennamen vollends heraushebt in eine allgemeine, begriffliche bedeutung. II@4@c@aα)
so schon früh im 15.
jh., von hoffärtigen frauen des adels heiszt es: der man dar (
darf) áin wort nit sprechen, si tät sich bald an im rechen ... also kunnends Cuonzen us den mannen machen.
teufels netz 12111,
vermutlich auch schon ein Kuonz.
verstärkt der endliche Kuonz,
wie es scheint der zuletzt zu allem gut ist: derhalb wil ich nun mer das gröst andern befelhen und mich selbs nit mer aus torechtem eifer so gar übertreiben, sonder mir selbs ein wenig basz glauben, und gedenken ich sei nit allein
der endlich Kuonz, sonder jhens bachs seien auch leüt die mer barschaft zuo disem handel dann ich haben. S. Frank
verbütschiert buch (1559) 388
a,
also einer der unter undank nur für andere arbeitet, den alle für sich in anspruch nehmen. auch das 'Cunrad ist auch böse'
unter a paszt zugleich hierher, wie das sprichwort aus Gärtner
dort. II@4@c@bβ)
daher mit einem
den Kunzen spielen, ihn zum narren haben, '
hänseln' (
auch den Hainzel mit einem spielen,
s. 4
2, 890, Schm. 2, 220).
Springinsfeld erzählt wie er im vorzimmer eines vornehmen herrn auf bescheid wartend von der dienerschaft übermütig verächtlich angesehen wird, und wie ich in erstgedachter bursche höhnischen angesichtern lesen konte, bedunkte mich, sie würden sich endlich underfangen, mir den hut zuträhen und den Kunzen mit mir zuspielen.
Simpl. 3, 149
Kz. (3, 10
K.); von Ph. Curtzen, der mit herrn
d. J. Clutenii carmine den Cuntzen spielen wollen. Fromm. 6, 370
aus dem titel einer streitschrift Straszb. 1619.
s. dazu kunzenspieler.
so erscheint denn Kunz
auch als name von geschichtlichen narren (
wie Klaus narr,
s. unter Klaus 3),
selbst Kunz von der Rosen,
obwol kein eigentlicher hofnarr, führte vielleicht den namen nicht zufällig. übrigens trifft es auch hier mit Heinz
zusammen, s. 4
2, 889 'narr und Heinz', 'Heinz narr'
als narrennamen; ebenso aber auch Hans,
s. 4
2, 458. II@4@c@gγ)
dem Kunzen spielen
ähnlich musz sein, zugleich ein wirkliches spiel, ursprünglich wol auf kosten eines ortsnarren, den Kunzen jagen (
vgl. kunzenjäger): und was der münch redt in latein, das kond meister Heinrich so fein in teütsch darthuon, so glat und lieblich sagen, grad als wolten sie beid den Kuonzen jagen.
Berner fastnachtsp. v. 1522 C 6
b,
von Manuel,
in Grüneisens ausg. s. 371.
das ist freilich schon bildlich gebraucht und erklärt sich wol aus folg. gleichfalls schweiz. angabe: praevaricari Cic., der gleichen thuon wider einen sein (
sich als seinen gegner stellen), aber heimlich mit im halten und den kuonzen jagen, voppenwerk treiben. Frisius 1051
a, Maaler 474
a (
s. auch u. kunzenwerk).
also zwei redner vor gericht, die einander betrügerisch in die hände arbeiten, jagen den Kuonzen,
und ähnlich jener mönch und meister Heinrich; der Kuonz
ist der von beiden scheinbaren gegnern ausgebeutete, gefoppte. Aber als wirkliches spiel noch um 1700
schweiz. und in Köln, doch verdunkelt: den Kuntzen jagen, ist ein spiel der kinder,
micare digitis. Aler 1256
b, Denzler 2, 179
a,
wobei denn einer der finger der Kunz
geheiszen haben wird. II@4@c@dδ)
ein solcher ortsnarr ist wol auch der grobian
mit namen Ülpekunz
in einem liede vom tollen treiben der bauern (
alem.): das schafft, das dpuren trunken sind, den morentanz si springend, der Ülpekunz den vortanz hat, ist wst genuog und selten satt. Zarnckes
Brant s. cxx
b,
zum theil wörtlich nach Brant
selbst 72, 32
ff., wo jener aber herr Ellerkuonz
heiszt; das ülpe-
gehört zu ölp
tölpel (
s. unter dölp), olpendolp
de fide meretr. 82
Z., ölpern
narretei treiben Schm. 1, 48,
und diese zu mhd. ulf
kobold u. ä., s. dazu kielkropf,
besonders am ende; aus misgeburten wurden von selbst solche ortsnarren, die unersättlichkeit ist eine eigenschaft der kielkröpfe. [] II@4@c@eε)
daher auch kunz
als marionette: kuntz,
gaukelbild, citeria. Aler 1256
b;
in der 3.
und 4.
ausg. von M. Kramers
deutschholländ. wb. (1768
u. 1787)
als fem., kuntz, kuntze,
eene pop, marionet, kuntzen spielen,
marionetten spielen; s. kunzchen
und kunzenspieler.
Aber wieder auch Heinz,
bei Schönsleder S 5
a: gauklmänle, hainzl ...
masculus mimicus, chironomicus, und hainzl spilen,
ludere larvam masculam, atellanas dare; vgl. schon bei Suchenwirt Hainz der underm huot wol gaukeln kan (Haupt 15, 248),
wo Hainz
der taschenspieler selber scheint, s. kunzmann 2. II@4@dd) Kunz hinterm ofen
oder in der hölle
wird aus den stellen klar werden: der teufel thuot wie die Kuonz hinder dem ofen ruofen. die machen zwo stimmen, also (
ebenso) der tüfel auch. Keisersb.
brös. 1, 72
a; wie denn ein schöne .. hochzeitrede wol zu merken ist, als Simsons und ander retzlein, so vor zeiten die breutgam ihren eingebetnen gesten aufgaben, und lauten freilich (
d. i. sicherlich) besser denn .. was das lotterholz und Cunz hinterm ofen weiter mit bringen. Mathesius
hochzeitpred. 1563 Ccc ij
a (Müll.
u. Scherer
denkm. 433); wolst darumb nicht Kunz heiszen, weil man in Sachsen den schweinen also locket (
s. 5,
b) und die gaukler Kunz hinderm ofen rufen? Fischart
Garg. 109
a (194),
ebenda 169
b unter den spielen 'Kunz hinder dem ofen' (
Sch. 310
b); sawer ernsthaft als wie ein 'Cunz hinter dem ofen'.
Phil. lugd. 5, 289; die alte vettel .. gibt antwort mit heischer stimme, wie Cünzlein aus der hellen, und spricht .. J. Rhode
tugends. weiber spiegel Erf. 1586 F ij
a.
der Kunz antwortet hinterm ofen aus der sog. hölle hervor, der gaukler ruft ihm, fragt ihn, also bauchrednerei, daher auch die zwo stimmen,
in denen er spricht. die stimme des Kunzen ist heisch,
heiser, '
sauer ernsthaft',
d. h. er sprach als geist, besonders wol als teufel (
vgl.Kunz
als teufel 5,
a);
die äuszerung des Mathesius
aber deutet auf unsaubere späsze. warum hiesz aber die zweite stimme Kunz?
vielleicht liesz der bauchredner urspr. den ortsnarren antworten, oder machte sich auch den spasz, denselben, der gewiss zu solchen triumphen willig war, einfach als zweite stimme hinterm ofen zu verstecken? II@4@ee)
noch andre redensarten und verwendungen. II@4@e@aα)
z. b.: hat ich den Kunzen hindern ohrn. Ringwald
tr. Eck. J 3
a,
wol wie den narren (
dann kurz es) hintern ohren haben. II@4@e@bβ)
anders: er kumpt dahinder wie Cunz hinter das vieh. Helvicus 1, 184,
vielleicht ebenso gemeint wie bair. blind drein platzen, tappen, raten
u. dgl., wie Kuenz in die nusz (
nüsse) Schm. 2, 314 (
in der 2.
ausg. ein beleg aus dem 16.
jh.),
das ist wie Hans 'Taps ins mus' (
s. 4
2, 461),
plumper gesell. II@4@e@gγ)
dazu ein grober Kunz,
homo agrestis Stieler 953,
zugleich zu Kunz
als bauer; merkw. aber bei demselben auch umgekehrt Kunz, Kunzel,
homo sapiens, expertus, peritus ('
a kund'),
wozu vielleicht eine gl. des 15.
jahrh. gehört 'Conradus, ratgeb' Dief.
nov. gl. 109
a.
s. auch kunzmann 3. II@4@e@dδ)
dagegen auch nd., westf. Kurt,
verächtlicher kerl Woeste
in Kuhns zeitschr. 2, 204.
ähnlich schweiz. Küri (
s. I,
e)
poltron, unterschieden von Kunz, Knzli
als schmeichelnder form Fromm. 6, 459
a,
appenz. Chuered
dummer kerl Tobler 126
b. II@4@e@eε)
aber auch 'Cunz ohne sorgen',
wie 'Hans ohne sorgen' 4
2, 461: da fragt Cunz on sorgen wenig nach ... was das korn jetzt gilt. Henisch 626, 33. II@55)
endlich noch weiter erstreckt. II@5@aa)
der teufel hiesz so, s. schon unter 4,
d den Kunz in der hölle
und in Grimms
myth. 1016
als teufelsname Kunz, Künzchen, Konrad.
in schweiz. hexenacten findet sich Küenzlin
als name, den sich der teufel gegeben Rochholz
sagen aus d. Aargau 2, 203;
jetzt schweiz. Kueni Stalder 2, 142 ('
um das häszliche zu mildern'), Fromm. 6, 459
a.
Aus Schwaben bringt Meier
sagen, sitten 147
einen junker Kuonz (
auch Kuornle,
d. i. Konradle),
einen jäger der sich dem teufel verschrieben um freischütz zu werden, also selbst teuflisch geworden; vgl. den junker Conrad 4,
b. Auch von kobolden, poltergeistern nd. Kurt
myth. 955,
und wieder ebenso auch Klaus, Hans (
myth. 1016), Heinzel
u. ä.; s. auch kunzenspieler. II@5@bb)
das schwein heiszt in md. landen so, schon fürs 16.
jahrh. von Fischart
bezeugt, dasz man in Sachsen den schweinen also locket (
s. 4,
d),
also eig. als gemütlicher hausname. aus dem 17.
jh. gibt Stieler 953 kunz
so (
auch auf menschen angewandt),
aus dem 18.
aus Sachsen kunze
m. Schmotther 2, 392,
noch z. b. in Erfurt kûnze,
auch kûnzematz.
mit verbreitertem auslaut kûntsch (
wie Fritsch
aus Fritz) Nemnich 4, 1406,
aber [] nur für den eber, wie bei Adelung,
auch kunz
und saukuntsch (
vgl. Heinz
vom männchen der hasen, kaninchen u. ä. Vilm. 160);
so noch in Sachsen, z. b. in der Elbgegend, aber vom verschnittenen eber, der kûntsch,
bei Leipzig kuntsch. II@5@cc)
ähnlich vom hasen nd. kôrt (
s. I,
c),
dem kœrken
in Lippe Fromm. 6, 216,
osnabr. kôrd, kœrdken Strodtm. 110,
wol noch halb als eigenname gefühlt, wie Lampe.
ebenso wieder Klaus (4),
fränk., auch Hänsel,
s. 4
2, 457.
Ebenso westf. Kouert
das eichhörnchen Woeste
in Kuhns ztschr. 2, 204.
ähnlich wieder Heinz (3),
soweit gehn die beiden namen zusammen. bei Adelung Kunz
vom kater, wie Heinz. II@5@dd)
selbst von fischen, vom lachs auf einer gewissen entwickelungsstufe ('
stadium'!),
aber als fem.: der lachs ist uns jetzt in allen seinen stadien als lachskunze (parr), sälmling (grilse) und als ausgewachsener lachs bekannt.
allg. zeit. 1866
s. 4303; James Hogg hatte den parr (
engl.) oder die kunze in ihrem übergangsstadium beobachtet. 4304. II@5@ee)
der schlafkunz,
auch blosz kunz,
pl. kunzen Frisch 1, 558
a (
mit nachweis von schlafcuonz
aus Lonicerus),
der bekannte auswuchs am wilden rosenstrauche, vom stiche eines insects herrührend, schlafapfel, rosenschwamm, der unter das kopfküssen gelegt schlaf bringen soll, offenbar eig. als schlafgesell gedacht (
im eselkönig heiszt der dachs Schlafkunz
R. Fuchs s. ccxxvii,
offenbar schläfriger kerl),
zugleich wol als wolthuender, helfender kobold. so bair. kuenz, schlafkuenz Schm. 2, 314,
hess. Vilmar 233,
schles. schlafkûnze Fromm. 4, 182 (17.
jh.)
und sonst; vgl. Grimm
myth. 1155.
Ähnlich hess. heinzelmännchen
die mehlbeere Vilm. 160.
nach Adelung
hiesze auch die hagebutte selbst kunz,
wie anderwärts heinzerlein. II@5@ff)
selbst von gerichten, schwäb. apfelkunz,
apfelgebacknes in milch und eier gerührt Schmid 5,
vgl. das. apfelmann
apfelmus, also das liebe gericht als lieber mann behandelt; vergl. fauler Heinz 4
2, 890. II@5@gg)
endlich kunz
fettes unterkinn. II@5@g@aα)
so bei Campe
als mundartlich, aber nur in der redensart einem den kunzen streichen,
ihn hätscheln, ihm schmeicheln: ihr melkt mir die ohren, ihr streicht die blumen, ihr streicht mir den kunzen, ihr streichet den fuchsschwanz. Duesius 6;
s. auch kunzenstreicher. II@5@g@bβ)
das wort ist bair., schwäb., aber in abweichender form, bair. der küenzen (kienzen),
demin. der küenzel,
letzteres allerdings mit dem dem. von Kuonz
zusammenfallend; schwäbisch bei Schmid 313 kienz
und kienzen,
allerdings auch kuonzen (
nicht tirol., wie sp. 370
steht).
mit ie
bei Schm. 2, 314
ein beleg aus dem 16.
jh.: s. Augustinus soll (
in der fronleichnamsprocession) ein langer zimblich faister molscheter mann sein, der .. einen zimblichen kienzen und fast ein gestalt hat wie der Ainhofer gastgeb.
noch jetzt dort einem den küenzel streichen,
wie oben, s. auch künzeln
gleicher bedeutung. II@5@g@gγ)
dasz man dabei an Kuonz
dachte oder denkt, ist nicht zweifelhaft, obschon Schmeller
beide trennt. aber es entsprang nicht daraus, s. kinz
und kanz
in gleicher oder naher bed., wonach ein altes eignes wort darin verdunkelt vorliegt (
zum letztern nachträglich egerländ. kanz
brotrand Kuhns
zeitschr. 17, 31);
s. auch künzeln.
im Unterinnthal heiszt es übrigens kauz (
s. d. 5),
wie der kunzenstreicher
schmeichler im 16.
jh. auch kauzenstreicher,
das kunzenspiel
auch kauzenspiel,
wo denn kûnz
alem. gleich kûz
in frage kommt, d. h. mit eingeschobnem n (
s. u. keusch).