stockfisch,
m. gadus morrhua L. (Brehm 8, 209
Pechuel-Lösche),
gadus merlucius (Oken 6, 151);
getrockneter dorsch (
th. 3
sp. 1303)
oder kabeljau [(
th. 5
sp. 10)
das wohl aus portug. bacalhão,
span. bacallao
verderbte wort gehört zu lat. baculus
und stellt sich so begrifflich zu unserm wort, vgl. auch das besser erhaltene ndl. bakkeljau.
die angleichung erfolgte vermuthlich an kabel (
zu mittellat. capulum '
fangseil'),
weil der fisch an (
oft 2000
m)
langen leinen (
der '
grundschnur',
von welcher mehr als 1000
angelschnüre sich abzweigen)
gefangen wird].
unser wort geht auf eine art der warenbereitung: der gefangene fisch wird durch schnellen schnitt in zwei, oder auch vier theile zerlegt und an stangengerüsten zumeist unter freiem himmel zum trocknen ausgehängt; von der luft klapperdürr gemacht, wird er bündelweise wie reisig (
s. 1stock
m. 2)
in speichern aufgeschichtet: die (
käse) legt und setzt er auffeinander stafelsweisz für pollwerck wie die gerber jre loskäsz, und die in Nordwegen jre stockfisch
Gargantua 80 (4)
neudr. (
vgl. dazu Eyrbyggja saga c. 52. 53).
dasz die namengebung an das trockengerüst (
vgl. auch 2stock
n. m. in der einleitung, ganz abgesehen von der allgemeinen bedeutung stock,
kleine stange)
anknüpft, verdeutlicht auch die entsprechende bildung klippfisch (
th. 5
sp. 1208
unter 1,
wenn er nach reichlichem fang gleich auf die klippen des meeresstrandes zum trocknen ausgehängt wird)
; ablehnen wird man die erklärung stockfisch,
weil er vor dem genusz mit stöcken
geschlagen werde (
s. unten),
ebenso wie stockfisch
asellus, a trunco, dieweil man ihn uff dem stock (
s. 1stock
m. 1) blewet Corvinus
fons latin. 1, 72
a;
der hansische handel brachte das deutsche wort auch in die nordischen fanggebiete, ohne dasz es aber das einheimische an. skreið
verdrängen konnte: mittimus vobis ... unum centenarium piscium, qui vulgo skreið
sive stokkfisk
appellantur. quelle bei Fritzner 3, 558
a. 11) stockfisch
salpa Alberus q 4
b,
asellus piscis, salpa Maaler 389
c,
asellus, piscis fustuarius Stieler 487,
asellus Dentzler 277
a;
die erwünschte fastenspeise der altgläubigen kirche und so (
neben dem schon älteren hering,
s. th. 4, 2
sp. 1104)
ein hauptgegenstand des deutschen handels seit dem späten mittelalter; neyn gast, de harink, stokvis eder want bringet to Gottingen
Göttinger statuten 7, 3 (
v. jahre 1334); vil stogfische, figen, rosin, mandeln, zugker Stolle
thüring. chron. 107; die seerappen, die stockfisch Heyden
Plinius 340; platteysen, stockfisch, hering Kirchhof
discipl. milit. 31; item 5
m. vor 100 stocvysch dem köchemeister of dy reyʒe
handelsrechnungen des deutschen ordens 2; item 4
m. vor 100 stocvisch
Marienburger tresslerbuch 191 (
vgl. auch s. 37); item ain micheln stockfisch umb iii
β Richental
chronik des Constanzer conzils 41; item 180 stockfisch ist ein stück A. Riese
rechenbuch 111
b; ein ballen stockfische Bettine
die Günderode 2, 46; er sollte mit einer ladung stockfische nach Spanien Smidt
tagebuch eines nordischen seemannes 144;
für den handelsartikel charakteristisch im collectiven singular: ein pfundt stockfisch galt zwen weisspfennig Franck
chron. 253 (
vgl. Steinhöwel
chron. 74
a): die französischen schiffe ..., welche stockfisch fangen sollten
allgem. deutsche bibliothek 13-24, 1281 (
anh.);
deutlicher im genit. sing.: neen man schal vorkopen myn wen ene halwen stighe stocvisches buten marketdagen, he en hebbe en sulven over de zee bracht, men de hokere
ndd. quelle von 1377
in Krauses
archiv 1, 142. 1@aa) von fremden orten kommen der häring, platteissen, stockfisch Hohberg 1, 208; der dorsch ... ist der art, darauss der stockfisch in Bergen wird Micraelius
altes Pommerland (6) 389; weiter hinauffwärts in Norwegen, als zu Bergen, daher der stockfisch, hering ... zu uns kOempt Prätorius
saturnalia (1663) 18; stockfisch fängt man im januario bey Bergen in Norwegen Abraham a. S. Clara
etwas für alle 2, 97 (
deshalb auch stock- oder Berger fisch Gröben
Guineische reisebeschreibung 103); der stockfisch aber lohnte schon ... eine atlantische überfahrt Peschel
völkerkunde 219; die küste von Nordamerika, wo der stockfisch gefangen wird Sonnenfels
schriften 2, 285; (
vgl.zuerst hat mich der indianische stockfisch über's meer getragen Pocci
komödienbüchlein 61); ein stockfisch ward in Newfoundland gefangen Pfeffel
poet. versuche 3, 25;
seine weitere verfrachtung: stockfisch aus Holland Meisl
theatralisches quodlibet 1, 65; Holländischer ingewässerter(!) stockfisch, die roll. 4 albus
Casseler zeitung von 1731
s. 378;
besonders als Rheinfracht: wo wir nicht thäten, es wirde bald in allen stätten an stockfischen mangel erscheinen (
sprechen rheinische schiffer) Moscherosch
gesichte 2, 341; also ausz dem see gleicher weisz, häring, bückling, stockfisch, blatteisz (
werden auf dem Rheine zugeführt) Mangold
marckschiff C; ein gantzes heer der Gallier, ... welchem boszhafte kaufleute gedörrtes fleisch erschlagener mohren für stockfisch verkauften Lohenstein
Arminius 1, 1034
a. 1@bb)
die speise und ihre werthung: das glück hatte es also gefügt, dasz ... in der gantzen schencke nichts zu essen vorhanden, als etliche stücklin ... von eim stockfisch Bastel von der Sohle
junker Harnisch aus Fleckenland 33; ich esse nichts liebers, als kohl, sauerkraut undt stockfisch Elisabeth Charlotte
briefe 4, 193 (
deshalb in der verkehrten welt: stelt sich als ein esel, auf dasz er kleine hett, asz gebrants für gebraten, stockfisch für kraut, meint ein beltz dient für ein schusz, ein harnisch für die kält
Gargantua 199
neudr.); die speisen, so man euch wird tragen auf den tisch, sind hasen, leberwürst, auch eyer und stockfisch Chr. Reuter
Harlequins hochzeit- und kindbetterinschmaus 65
neudr.; willst karpfen, willst hechten, forellen, gut stockfisch und frische sardellen? Mittler
volkslieder 805;
als fastenspeise: (Forster 1, 47) stocvisch, heringh, spirling, botter, buckinc, mandeln, rosin eder ander vestelspise
Göttinger statuten 60 (
v. jahre 1386); item es sol ein besatzung ... deszgleichen auch mit fastenspeisz, als mit stock-, plateiszen, und andern fischen, versorgt ... gehalten werden Fronsperger
kriegsbuch 1, x 5
b; an den fasttägen ... musten wir uns mit stinckenden bückingen, versaltznen polchen, faulen stock- und andern abgestandenen fischen herumbeiszen, dan er (
der hausvater) kaufte alles der wolfeile nach, und liesz sich die mühe nicht dauren, zu solchem ende selbst auf den fischmarckt zu gehen, und anzupacken, was jetzt die fischer auszzuschmeissen im sinn hatten
Simpl. 285 (3, 24)
neudr.; wenn ich fromm und artig bleibe, darf ich mir allemal freitags einen teller stockfisch bei ihm abholen Holtei
erz. schriften 15, 5;
hierauf fuszt die redensart: bis zu einem ereignis
noch viel stockfisch essen müssen,
noch viel freitage (
s. auch unten stockfischtag)
gehen ins land: sorgn wol, werd noch vil stockfisch essen, bisz jhr werdt, was jhr vor seit gewesen
lieder auf den Winterkönig 112;
als speise der genügsamkeit (
sprüchwörtlich): er hält stockfische für forellen Wander 4, 873; in seiner schlechten schüssel werd' ein stockfisch ihm zum karpfen oder gar zum stör Herder 27, 240; was ihm geflügel, wild, pasteten, welsches hun, das alles kan mir auch ein guter stockfisch thun Rachel
gedichte 61
neudr.; doch gewöhnlich: stockfisch, plateyszlin sind eine verworffene speisz Dryander
der ganzen arzenei gemeiner inhalt (1543) 35
a;
deshalb die gegenüberstellung: die welt ist wie ein meer; ein ieder geht und fischt, nur dasz den walfisch der, den stockfisch er erwischt Logau 276 (30); schuhsohlenzähe maccaroni, ein stockfisch, welcher für honnettgebildete nasen etwas schroffes beibehielt, das waren so die hauptstückchen Gaudy 2, 89; aber ich kaute ... wie an altem schiffszwieback oder vertrocknetem stockfisch Hebbel
briefe 1, 103;
sprüchwörtlich: stockfisch ohne butter ist ein schlechtes futter Wander 4, 873; schreien, die würst sein uns genomen, der stinckend stockfisch wider komen Burkhard Waldis
das päpstisch reich (1555)
Kk 1
a; (
bildlich:) alle gerichte waren schmackhaft zubereitet und wollten mir besser behagen, als die abgeschmackten akademischen gerichte, die salzlosen, ledernen stockfische mit ihrem alten kohl, die mir in Göttingen vorgesetzt wurden Heine 3, 20.
doch der gesalzne und trockne stockfisch (Forster 1, 47,
wohl mehr der klippfisch)
reizt den durst: deszgleichen auch des sewsacks streit mit einem stockfisch, welcher schreit, das auf jhn schmack ein guoter trunck Fischart
flöhhaz 68
neudr.; deshalb wohl: ein weib, das ihr gesind nicht allzu kärglich speist, und auf den stockfisch nicht nur lauter wasser geust Rachel
gedichte 39
neudr. 22)
in den sprüchwörtlichen vergleich bringt ihn die besondere art seiner bereitung: stockfische, die weder zu sieden noch zu bratten sind, und rauhe auch nicht zu fressen Moscherosch 2, 182;
im gegensatz zum klippfisch (
s. oben)
ist er gewöhnlich ungesalzen und von weiszlicher farbe; erst durch starkes klopfen erhält das fleisch seine röthe und rechte genieszbarkeit: der stockfisch will auch ehe nicht lieblich schmecken, bis er durchgeklopffet ist Treuer
Dädalus 1, 618; (
vgl. das rezept: stockfisch zu wässern. klopffet stockfisch mit einem hölzernen hammer oder schlägel, gieszet regenwasser drauf, darinnen er einen gantzen tag liegen musz Amaranthes 1900);
deshalb das sprüchwort: mit vil streychen würt der stockfisch lind Franck
sprüchwörter (1545) 1, 12
a (
so noch bei Platen 2, 206); ein stockfisch und nuszbawm und ein bös weib wollen geplewet seyn Mathesius
Syrach 1, 164
a; hurn und stockfisch ungeblewet die nutzen weder vieh noch leut Hans Sachs 7, 92
Keller; stockfisch, esel, weiber, musz man zum guten schlagen musz Gaal 1476; ein stockfisch wirt auch nimmer guot, den man nit weidlich plewen thuot Scheit
Grobianus 3950
neudr.; wan mans stockfischs genieszen soll, musz man ihn zuvor kloppen wol. so findet man viel fauler leut, die nichts thun, wan man sie nicht bleuwt
inschrift des von herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig im jahre 1614
geprägten stockfischthalers (
s. u.); gebluwen, das ist geschlagen wie einen stockfisch
Terenz (1499) 97
a; ich wil euch also peren die langen seyten und faulen rucken als ainem stockfisch Albrecht von Eyb
deutsche schriften 2, 107 (
spiegel der sitten); wir hielten uns mit unsern knitteln sehr fertig, und, als sie nahe an uns kamen, fielen wir zugleich hinaus, und klopften sie ärger als die stockfische Zendorius
teutsche winternächte (1682) 125; er ist wie ein stockfisch, dem gilt es gleich, ob man ihn klopft oder in rosenwasser einweicht
der keusche Joseph 671; so wolt ich wol abschmiren dich wie eines stockfischs leib Ayrer
singsp. 164
b; was gelts, ich wil dich lehren tragen und dich so weich, als stockfisch schlagen? Fischart
Eulenspiegel v. 7004
Hauffen; drum es kein wunder wär, wann all die edle Deutschen wären hinter uns (
den stutzern) her mit geiszlen und mit peitschen und schlügen auf uns zu, als wann wir stockfisch wären Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 415;
sonstiger vergleich: von einem alten groszen kerl, der so mager und dürr, wie ein stockfisch Happel
akadem. roman 33; ich aber wie ein ungesaltzener stockfisch, den man auch keiner fernerer versuchung würdigt, verachtet
Simplic. 2, 10
Keller; (
aussehen), wie ein gewässerter stockfisch Stoppe
Parnasz 523 (
vgl. eine niederfallende sündfluth, die mit uns bis nach Schwarzenbach an der Saale zog, wässerte den pastor Sturm aus versehen wie einen stockfisch ein Jean Paul 3, 210); der Spiegelschwab hatte bedauern mit dem gesellen, obwohl er überall so unmär war, wie der stockfisch am ostertag Aurbacher
volksbüchlein 2, 241; lasz eine flasche portwein kommen ..; ich bin heute morgen noch so trocken, wie ein stockfisch Spielhagen
problematische naturen 2, 488. —
besonders unter dem einflusz von 1stock
m. 7
a mit dem beisinn des dummen, tölpischen wesens (
vgl. dazu auch unten 4): dumm, wie ein stockfisch Hippel
lebensläufe 1, 473; hierauf beschlosz er seine lippen und augen sänftiglich, ich aber stund da wie ein stockfisch, und meynte nicht, dasz seine liebe seele den leib gar verlassen haben solte
Simpl. 35 (1, 12)
neudr.; ich stund da vor ihm wie ein stockfisch, und wuste nicht was zu thun war 87 (1, 33)
neudr. —
den eindruck der melancholie weckt der kopflose fisch, deshalb der vergleich bei Weckherlin: lasz uns unverdrüszlich leben recht auf gut philosophisch, unsere sehl nicht einweben melancolisch wie stockfisch, sondern fliehen und vermeiden, so vil möglich, alles leiden 1, 180. 33)
in übertragenem sinne '
prügel, schläge' (
mit dem stock
vgl. dort 3 a): die schildwacht mit stockfischen aufwecken und wieder munter machen
redensart bei Horn
soldatenspr. 5;
sprüchwörtlich: er sehnt sich nach stockfischen,
er beträgt sich so, dasz es gleich prügel gibt Wander 4, 873;
in entsprechender einkleidung: es wer dann, dasz sie schweizerisch stockfisch essen wollen, welche des papsts trabanten allbereit zur hand haben, doch ohn butter Fischart
bienenkorb 145
b;
vgl. ick wil dy mit stockvische also spysen, dat du bruen unde blaw schalt werden Gryse
wedewenspegel P 1. 44)
bildlich: 4@aa)
im anschlusz an das vorige einen zum stockfisch machen,
ihn gehörig durchprügeln; vgl. unterbrich das ungeheuer noch mit einem worte, und bey dieser faust, ich gebe meiner barmherzigkeit den abschied, und mache einen stockfisch aus dir
Shakespeare 3, 85 (
sturm 3, 2,
entsprechend dem engl. and make a stockfish of thee);
ähnlich: zu dem so ist es klopfens zeit, bis der stockfisch (
gemeint sind die Lutheraner) ist zubereit Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 106. 4@bb)
merkwürdig genug von menschen, welche mit vorsicht und überlegung ihren weg durchs leben nehmen, ohne doch ihr gewissen durch übelthaten zu beschweren; diese erläuterung gibt der hildesheimische superintendent Johannes Riemer,
welcher 1681 den politischen stockfisch
veröffentlichte, und setzt hinzu: solche leute nun habe ich jederzeit stockfische nennen hören, kann aber die stunde von keinem Teutschen eine ursache erfahren, warum sie dieses sprüchwort aufgebracht und einen kurtzweiligen klugen menschen mit dergleichen fische vergleichen
polit. stockfisch 4;
vgl. auch: deswegen ein solcher mensch, welcher sich und seinen vortheil mit unschädlicher list dienet, und die wieder sich versuchte klugheit zu seinem interesse brauchet, ein kluger stockfisch genennet werde
ebenda 5;
zuletzt: eine klugheit, umb welcher willen er verdienet, dasz ich ihn einen listigen und klugen stockfisch nenne
ebenda 345;
der kopflose fisch in seinem dürrgetrockneten zustande so völlig dem wasser, dem sanguinischen elemente, entrückt, als sinnbild der erdgebundenen menschlichen melancholie, die aber gleich Albrecht Dürers Melencolia alle menschliche tüchtigkeit beherrscht, hat wohl diese merkwürdige bedeutungsentwicklung veranlaszt; vgl. stockfisch ... und alles melancholisch schwerköpffig nasz geschlecht, und langweiliges gemächt Fischart
aller praktik groszmutter 15
neudr. und den beleg bei Weckherlin
unter 2;
hierher gehört wohl noch: wie schedlich jemandt ist verwundt, so mach ich jhn doch baldt gesundt, ... ein wurtzel thu ich jhm in mundt, von stunden an ist er gesundt, darumb mich billich alle welt für einen groszen stockfisch helt Er. Alberus
fabeln 171 (40, 20)
neudr. 4@b@aα)
doch der übergang in die schelte lag nahe genug, wurde von dem gebrauch unter 2
geradezu gefordert: stockfisch könnens nicht lernen verstehen, bisz sie auf marck und bein geklopft werden; darnach sind sie in schmaltz gut zum niessen Lehmann 815.
so wird denn ein dummer, auch steifer, ungelenker mensch damit bezeichnet: ich wünsch nicht wie jener keyser, dasz alle römische burger ein kopf hetten, sie des geringer in eim streich hinzurichten, sonder dasz alle bücher ein buch weren, und dasselbig hinder mir leg, ich wolt damit fahren, wie der canonist mit den episteln Pauli, wann ers allein hett, nemlich zundel drausz machen, so wer ich nit allein ein stockfisch
Gargantua 387 (42)
neudr.; auch hinter dem hieroglyphischen versteckbilde esel ein stockfisch
ebenda 189 (12)
verbirgt sich entsprechend der wölfin ein hur
die personenschelte; er wäre dann ein stockfisch oder gar ein narr und kein doctor gewesen
Simpl. 4, 541
Keller; anfangs hatte ich einen hofmeister auf der academie und wenn ich ihn nicht fortgejagt hätte, so wäre ich ein stockfisch geworden Gellert 2, 283; in ansehung (
der erziehung) ligt es freilich an den eltern, ob sie durch eine gute oder böse erziehung ihr kind zu einem stockfisch oder Aberdaen, zu einem menschen oder viehe machen wollen Lindenborn
Diogenes 1, 46; unerträglich hingegen ist die lage, wenn man es mit einem stockfische zu thun hat, der sich für einen halbgott hält Knigge
umgang mit menschen 1, 194; sie wären gewisz wohl zu brauchen; sonderlich der grosze da ist wohl gewachsen, kann ja auch lesen und schreiben, und ist sicher kein stockfisch Ulr. Bräker
schriften 1, 179; ist das ein stockfisch, sagte der kürschner; glaubt die, beim bücherbinden bleibt dem arbeiter zeit, die bücher zu lesen Holtei
erz. schriften 18, 12; ein schweigender stockfisch, in butter gesotten, behaget den radikalen rotten viel besser, als ein Mirabeau und alle redner seit Cicero Heine 2, 204;
mehr in der bedeutung '
narr': wer nicht eben alle subtilitäten alsobald fassen ... kan, der musz ein narr, stockfisch, bengel und esel seyn Dannhawer
catechismusmilch 2, 363; du bist so ein eingemachter narre, so ein stockfisch, ... so ein überstudirter pickelhering, nimm mirs nicht übel, mein sohn Lessing 1, 278; was kümmert mich das? meinen namen hab' ich schon manchem stockfisch genannt, und es hat mich keinen heller gekostet Beck
quälgeister 92 (4, 5); wenn sie das schnapsgläschen übervoll gosz ... und dann mit spitzen lippen daran nippte, muszte schon einer ein stockfisch sein, der diese roten lippen nicht gern hätte plaudern hören Viebig
das schlafende heer 2, 339; ach, herr gott, wie hab ich ein weib, die ist an seel, vernunfft und leib ein dildap, stockfisch, halber nar Hans Sachs 14, 78
Keller-Götze; hab gefürcht meines herr ungnad, der den stocknarrn gar lieb hat, so will ich dich der maszen zahln. du solst nicht thun ein ander mahln! schau! dort geht gleich der stockfisch her Ayrer
dramen 2851
Keller; die bedeutungsentwicklung von oben stocker 1 b
wird auch aus unserm gebrauch nahrung gezogen haben; so verwendet Rätel-Curäus (
chron. des herzogth. Schlesiens) stockfisch
ganz in jenem sinne. auch jener Hans Stockfisch,
der wohl selbst schauspieler, 1620
vom grafen Schwarzenberg 1000
gulden zurückfordert, welche er für anwerbung von komödianten verausgabt habe (Gödeke 2, 538),
gehört hierher; vgl. noch Nicolai
an Lessing 13, 592. —
mit entsprechender adject. bestimmung: wer ... beghert einen lebendigen stockfisch zu sehen, der beschawe sich in dem nosce te ipsum Albertinus
hirnschleiffer (1664) 72; es müste dann ein sauertopff, und ungesaltzner stockfisch seyn, der ohne unterlasz in dem Cornelio studirte
Simpl. 1, 121; der ungepleut stockfisch Dähnhardt
griech. dramen 2, 71;
auch mehr kosend: der guot stockfisch gelaubett alles, das man im sagt Wickram 2, 72; gott grsz dich, mein lieber stockfisch! Manuel
weinspiel 146;
besonders von verliebten leuten: ein anderer stockfisch
ollapatrida des Fuchsmundi 121; er musz doch ein verschlagener kopf seyn. wenigstens machet mir die wahl zwischen ihm und den andern beeden stockfischen, die mich begehren, kein groszes kopfzerbrechen Petrasch
lustspiele 1, 78 (
tiefsinn 3, 5); die drei töchter halten lange angelruthen übers wasser — vater und mutter plätschern die stockfische her — und haben an die angelhaken gespieszt staatsuniformen oder ihre eignen gesichter Jean Paul 7-10, 294; denckt ihr, ihr jungfern, ihr wolt mich betriegen! dasz ich ein stockfisch, wie mancher ist, sey Hoffmannswaldau
gedichte 4, 144; ich liesz den stockfisch (
den lächerlichen liebhaber) in das wasser, das ist, ich zwang ihm thränen ab Günther
gedichte 431; stockfisch,
der eifersüchtige ehemann Wickram
rollwagenb. 90; mein alter stockfisch
theater der Deutschen 4, 376; stockfisch
auch als schelte für einen geizhals Martin-Lienhart
elsäss. wörterb. 1, 153
b. 4@b@bβ)
im weiteren vergleich: fantasier wie ein stockfisch Scheit
Grobianus 470 (
auch 3069)
neudr.; mancher stellt sich wie der esel in der löwenhaut oder wie ein stockfisch im weiszen herrenmantel Lehmann 32 (
zugleich mit einer anspielung auf die weiszliche farbe des gedörrten fisches); man hielt es für sündlich, mich als einen stockfisch wieder nach hause zu schicken Merck
ausgewählte schriften 196; etlicher, wenn er hat getrunckn, red wie ein stockfisch, nach gedunckn Ringwaldt
lauter wahrheit 70. 4@b@gγ)
in der narrenwelt ist die scholle, die platteise (
th. 7
sp. 1909)
seine weibliche ergänzung: wan du disz nicht verstehest, und der eltern qualitäten auf die kinder erben, so musz ich davor halten, dein vater sey ein stockfisch, und deine mutter eine plateissin gewesen
Simpl. 118 (2, 10)
neudr. 4@b@dδ)
als scheltende anrede: stockfisch! Lessing 2, 546; Schiller 2, 46; (
neue schauspiele 10, 10);
weiter du stockfisch! Weise
drei kl. leute 188;
auch ich stockfisch! Babo
schauspiele 345;
vgl.: er flucht wie ein heide, und hat uns alle zusammen schon stockfische genannt Bäuerle
kom. theater 4, 63. 55)
im anschlusz an Riemers politischen stockfisch (
s. oben 4 b)
allgemein '
politische kannengieszerei' (
vgl. Holberg
dänische schaubühne 5, 360
republik 1, 6; Gervinus
geschichte der deutschen dichtung 3, 453): so wurde der grundgelehrte mann ... durch andere von anderen ausgeworffene politische stockfisch gereitzet
mediz. maulaffe (1719) 5
a; können die heringe und schellfische des münsterschen intelligenzblattes meine politischen stockfische ersetzen? Droste-Hülshoff 2, 318. 66)
als sprüchwörtliche redensart die alten stockfische verschlucken,
im vergangenen wurzelnde vorurtheile aufgeben, miszstände beseitigen: wer das alte wesen will reformieren, der musz zuvor die alte stockfisch verschlucken Lehmann 100;
vgl. auch unten stockfischfresser
und stockfischklopfer. 77)
weitere zusammensetzungen: