lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

urfehde

nhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
7
Verweise raus
6

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

urfehde f.

Bd. 24, Sp. 2409
urfehde, f. , aus fehde (s. d. th. 3, 1417; Jac. Grimms herleitung aus fêh 'bunt' ist nicht haltbar; s. Kluge-Götze 150b; zum gebrauch zschr. f. d. wortf. 10, 181 ff.; 12, 139 ff.) und ur- C 3 zusammengesetzt. vgl. das vorhergehende adj. es ist eine entstellung, wenn neuerdings mehrfach u. als 'uralte, heftige fehde' verstanden wird (ur- C 4 c). das f. ist die regel; ein m.: der (?) urvehe urk. bei Haltaus 2000; A. Pape bettel- u. garteteufel (1586) r 6b; J. B. Schupp (1663) 580; etwas häufiger ist das n.: Haltaus 2000; 2003; Fischer schwäb. wb. 6, 295; Staub-Tobler 1, 645 (gelübde, gelöbnis, versprechen u. dgl. schweben vor). ein plur. bei Frisch (1745) 2, 409c (vgl. mnl. wb. 5, 2017), in bed. 2 b unbedenklich. dem klassischen mhd. fremd, erscheint u. als t. t. der rechtsspr. seit dem beginn des 13. jhs. in urkunden, nach und nach auch in der literaturspr. mhd. urvêhe, urfêch (vgl. vêhe, nhd. fehe inimicitia th. 3, 1418), urvêhede, -vêhde, urvêhte, urfecht, urfe henneberg. urkb. (1370) 3, 72, latinisiert urfeda, -feyda, -pheda, -phedo (Sperander) u. dgl. Haltaus 2000; mnd. orveide, -vede; mnl. orvede, -vete, -vee; nl. oorveede; adän. orfeide; aschwed. or(ur)fegdh, nschwed. urfeid (aus dem mnd.). urfech, -fehe hält sich neben urfehde bis ende des 16. jhs., urfecht, -fechd bes. in schwäb. u. alemannischen quellen bis ins 17. jh., nd. formen wirken in der schriftspr. des nordostens ein (urfeide Schütz hist. rer. prussic. 6, h 1b; Danziger willkür 1598, urfehde 1732, 61); urfer Fischer 6, 295. von schreibungen seien erwähnt: urfäch, urfä Staub-Tobler 1, 645; örfe Lexer mhd. hwb. 2, 2017; urphödi Staub-Tobler a. a. o.; urpfede Micrälius Pommerland 5, 322, urpfedt Fischer 6, 295, urfödt ebda, urpfed Schottel haubtspr. 254; bes. die aus mittelalterlichem schreibgebrauch stammende schreibung urphede (orphêde Lexer 2, 2017; Carolina 20, 176), die auch bei Göthe 39, 125 W.; Klopstock 12, 249; Schiller 14, 407 G. beibehalten ist, reicht unberechtigterweise bis in die gegenwart. uu. ist verzicht auf fehde (ur- sp. 2357), exultio Diefenbach gl. 221a; juramentum de non vindicando urfehde ist ein glubde mit ayden oder mit burgen, das ein schulde oder verhandel nit prechen wil 312a; ähnlich n. gl. 224a; proprie finis ac depositio faidae s. inimicitiae ac vindictae apertae, olim significanter exultio, cum ob alias injurias, tum praecipue ob homicidium propinqui Haltaus 2000; rechtsalterth. 24, 561. wie bei einzelnen zusammensetzungen mit un- findet gelegentlich übertragung des begriffs vom compositum auf das stammwort statt; s. th. 3, 1418. wenn Göthe sagt: die urphede abschwören 39, 125 W. (vgl. th. 1, 113), so hat abschwören den sinn 'förmlich schwören' wie abschwörung in abschwörung des manifestationseides bei Kreittmair (Wurm d. wb. 1, 74b). zum begriff vgl. ags. unfǣhd absence of hostility Bosworth-Toller 1103a; [] ureid, -friede. unser wort ist weniger als fehde dem schicksal zeitweiligen veraltens ausgesetzt gewesen, da die rechtsspr. u. auch auf spätere verhältnisse anwenden und die n. spr. den begriff erheblich verallgemeinern konnte. vgl. urfehder, urfehden, verurfehden. 11) als nomen actionis einstellung der fehde, verzicht darauf: concordia, quae u. dicitur quelle bei Haltaus 2001; orveide het vrede, di over veide gesworen werd, also dat di veide enwech is Sachsenspiegel 1, 185 Homeyer; der urvehe hat ein ende über den nahsten fünf jar urk. (1283) bei Haltaus 2000; und hant gelobt ..., ein luter ewig sune und urvechte iemerme mit inen stete ze hande (1334) ebda; das gesetz des kaiser Max, wir haben es beschworen, es lautet: bann der urphed, ewger frieden! Z. Werner Luther (1807) 252. 22) der bei der u. geschworene eid. 2urfehde Haltaus 2001. eine schöne poetische formel des eides mnl. wb. 5, 2017. 2@aa) juramentum, quod oervede appellabant quelle bei Haltaus 2001; und mit solchen worten ward das ganz volk der stat Paris bewegt, das si herzog Ludbig ledig lieszen an all urfech und geisl Arnpeck sämtl. chron. 598; es sol auch keyn oberkeyt oder richter kein urphede helfen schützen oder schirmen, dasz der gepeinigt sein schmach, schmerzen, kosten und schaden mit recht nit suchen möge Carolina 20; daruf wurdend die genannten gefangnen all uff ein urfechd ledig gelassen Tschudi chron. 1, 266; die liesz man mit der urfeide laufen Schütz hist. rer. prussic. 6, h 1b; erlaubnisz, auf urfehde V. verlassen zu dürfen J. v. Müller 2, 329 anm.; u. schwören Lexer 2, 2016; oberschwäb. stadtrechte 1, 219; Göthe 8, 83 W.; Hebbel I 3, 227 W.; G. Freytag 18, 217; W. v. Polenz Grabenhäger 2, 44; im offnen feld vor allem volk ward urfehde geschworen R. Wagner 7, 21 (Tristan 1, 5); u. geloben Binhardus thüring. chron. 299, thun Carolina 157; 158; H. Sachs 21, 14, 16 G.; F. Platter 186 B.; Micrälius Pommerland 5, 322, geben Knebel chron. v. Kaisheim 378 lit. ver.; Chemnitz schwed. krieg 2, 174, zuwegebringen Götz v. Berlichingen 51 B., vertrösten (verbürgen) Richental Constanzer concil 90 lit. ver., abgewinnen Jean Paul 7/10, 553 H., verbrechen n. laienspiegel (1518) 126a; Carolina 176, u. ä. 2@bb) die urkunde des eides; libellus ... ein urfecht in geschrift Frisius 769a; urfech ist ein verschreibung, die einer uber sich selbs geben muosz, so er etwo in einem bösen geschrey gewesen, darumb er gefengklich eingezogen, auch etwo gefoltert worden, doch auf condition, das er niemandt dester feinder sein wölle, auszgelassen wirdt S. Roth (1572) q 8b; Heupoldus (1620) 394; Staub-Tobler 1, 645; Fischer 6, 295: es söllen fortan unser pfleger oder richter kain urfehd, so ein gefangener in gerichten und vor inen über sich gibt, siglen, sonder durch ander siglmäszig personen vertigen lassen landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 22b; und ligend ire urvechden, so si über sich selbs musztend geben ..., bi einandern in einer truchen in einem turngewölb zu Lucern Tschudi chron. 1, 327; und het ein urphed bey ihm, die las er mir für Götz v. Berlichingen 63 B.; das abgetrungen urfecht widerumb herauszgeben zimmer. chron. 3, 358; eine schriftliche, besiegelte u. Fischer 6, 295; einen urphed übergeben J. B. Schupp (1663) 580; die beiden urfehden von 1522 und 1530 v. d. Hellen in d. jubiläumsausg. Göthes 10, 287. 33) verzicht auf fehde in form eines gelobens durch handschlag. so wurden ohne eid vornehmere gefangene und reisige freigegeben, was in den formeln: auf eine gute, alte, schlechte, gewöhnliche u. dgl. u. ausgedrückt ist. Haltaus 2002f.: das tet Wilwolt gern und nam ein alte urfehd von ime Wilwolt v. Schaumburg 67 lit. ver.; Thomas v. Absberg 15 lit. ver.; Götz v. Berlichingen 83 B.; L. Fries würzburg. chron. 135b. auch stellung von bürgen konnte den eid ersetzen Diefenbach gl. 312b; s. o.; mhd. urvêchbürge. [] 44) eidliche versicherung, ein bestimmtes gebiet nicht wieder zu betreten oder seinen wohnsitz nicht zu verlassen: etliche (landstreicher) werden verweiset, etliche kommen mit einem uhrfehd davon Pape bettel- u. garteteufel r 6a; da nun solche leute über mitgetheilter gütigkeit ungeachtet die beschworne urfeyde sich in der stadt oder stadtgebiet zu begeben erdreisten Danziger willkür 1598; dem verwiesenen wird ... urphede bedeutet allg. d. bibl. 54, 9; dann müssen sie urphede schwören, auf ihren schlössern ruhig zu bleiben und nicht aus ihrem bann zu gehen Göthe 39, 85 W.; so aber jemand ein urfeyd mit sachen, darum er das leben nicht verwirkt hätte, fürsetzlich und freventlich bräche, der soll als ein meineidiger mit abhauung der finger, die er zu solchem falschen eide gebraucht hat, gestraft werden Danziger urfehde (1782) 61; urphede schwur er, nie zurückzukehren Schiller 14, 407 (Tell 5, 1); von dem herumfahrenden gesindel kann man doch nicht wissen, ob sie nicht in benachbarten kreisen schon die urphede beschworen haben Iffland 8, 24; Zschokke 8, 72. 55) versicherung überhaupt, zunächst negativ: so schreib bald ein urfede, flucks, mich und die meinen, auch mein pfarrer und iderman deshalb nimmer gen Rom zuo citiern reformationsflugschr. 3, 76 Clemen; dann auch positiv: der krone Norwegs sind wir zugethan kraft alter urphed unsrer freien arte Müllner dram. w. 3, 48. 66) zusammensetzungen:
8233 Zeichen · 218 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Urfêhde

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Urfêhde , plur. die -n, ein altes, jetzt nur noch in den Rechten übliches Wort, das eidliche Versprechen zu bezeichn…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Urfehde

    Goethe-Wörterbuch

    Urfehde [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Urfehde

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Urfehde , eidliches Versprechen eines Angeklagten oder Verurtheilten, wegen der wider ihn ausgeübten Strafgerichtsbarkei…

  4. modern
    Dialekt
    Urfehdef.

    Pfälzisches Wb.

     Ur-fehde f. : 'Erklärung zum Verzicht auf Fehde'; a. 1566: doch vff ein schrifftliche vrphedt [StArch. Kaislt Ratsprot…

Verweisungsnetz

19 Knoten, 12 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 10 Sackgasse 8

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit urfehde

5 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von urfehde 3 Analysen

ur- + fehde

urfehde leitet sich vom Lemma fehde ab mit Präfix ur-.

Alternativen: ur-+fehden+-e urfehden+-e

urfehde‑ als Erstglied (5 von 5)

urfehdebrief

DWB

urfehde·brief

urfehdebrief , m.; mhd. urvêchbrief, mnd. orvêdesbref, mnl. orvêdebrief. urfech(t)brief Staub-Tobler 5, 450 ,

urfehdeurkunde

DWB

urfehde·urkunde

-urkunde mittheilungen a. d. hist. lit. 29 (1901) 67. anderseits landsurfecht Staub-Tobler 1, 645 . —