urfehde,
f. ,
aus fehde (
s. d. th. 3, 1417; Jac. Grimms
herleitung aus fêh '
bunt'
ist nicht haltbar; s. Kluge-Götze 150
b;
zum gebrauch zschr. f. d. wortf. 10, 181
ff.; 12, 139
ff.)
und ur- C 3
zusammengesetzt. vgl. das vorhergehende adj. es ist eine entstellung, wenn neuerdings mehrfach u.
als '
uralte, heftige fehde'
verstanden wird (ur- C 4 c).
das f. ist die regel; ein m.: der (?) urvehe
urk. bei Haltaus 2000; A. Pape
bettel- u. garteteufel (1586) r 6
b; J. B. Schupp (1663) 580;
etwas häufiger ist das n.: Haltaus 2000; 2003; Fischer
schwäb. wb. 6, 295; Staub-Tobler 1, 645 (gelübde, gelöbnis, versprechen
u. dgl. schweben vor).
ein plur. bei Frisch (1745) 2, 409
c (
vgl. mnl. wb. 5, 2017),
in bed. 2 b
unbedenklich. dem klassischen mhd. fremd, erscheint u.
als t. t. der rechtsspr. seit dem beginn des 13.
jhs. in urkunden, nach und nach auch in der literaturspr. mhd. urvêhe, urfêch (
vgl. vêhe,
nhd. fehe
inimicitia th. 3, 1418), urvêhede, -vêhde, urvêhte, urfecht, urfe
henneberg. urkb. (1370) 3, 72,
latinisiert urfeda, -feyda, -pheda, -phedo (Sperander)
u. dgl. Haltaus 2000;
mnd. orveide, -vede;
mnl. orvede, -vete, -vee;
nl. oorveede;
adän. orfeide;
aschwed. or(ur)fegdh,
nschwed. urfeid (
aus dem mnd.). urfech, -fehe
hält sich neben urfehde
bis ende des 16.
jhs., urfecht, -fechd
bes. in schwäb. u. alemannischen quellen bis ins 17.
jh., nd. formen wirken in der schriftspr. des nordostens ein (urfeide Schütz
hist. rer. prussic. 6, h 1
b;
Danziger willkür 1598,
urfehde 1732, 61); urfer Fischer 6, 295.
von schreibungen seien erwähnt: urfäch, urfä Staub-Tobler 1, 645; örfe Lexer
mhd. hwb. 2, 2017; urphödi Staub-Tobler
a. a. o.; urpfede Micrälius
Pommerland 5, 322, urpfedt Fischer 6, 295, urfödt
ebda, urpfed Schottel
haubtspr. 254;
bes. die aus mittelalterlichem schreibgebrauch stammende schreibung urphede (orphêde Lexer 2, 2017;
Carolina 20, 176),
die auch bei Göthe 39, 125
W.; Klopstock 12, 249; Schiller 14, 407
G. beibehalten ist, reicht unberechtigterweise bis in die gegenwart. uu.
ist verzicht auf fehde (ur-
sp. 2357),
exultio Diefenbach
gl. 221
a;
juramentum de non vindicando urfehde ist ein glubde mit ayden oder mit burgen, das ein schulde oder verhandel nit prechen wil 312
a;
ähnlich n. gl. 224
a;
proprie finis ac depositio faidae s. inimicitiae ac vindictae apertae, olim significanter exultio, cum ob alias injurias, tum praecipue ob homicidium propinqui Haltaus 2000;
rechtsalterth. 2
4, 561.
wie bei einzelnen zusammensetzungen mit un-
findet gelegentlich übertragung des begriffs vom compositum auf das stammwort statt; s. th. 3, 1418.
wenn Göthe
sagt: die urphede abschwören 39, 125
W. (
vgl. th. 1, 113),
so hat abschwören
den sinn '
förmlich schwören'
wie abschwörung
in abschwörung des manifestationseides
bei Kreittmair (Wurm
d. wb. 1, 74
b).
zum begriff vgl. ags. unfǣhd
absence of hostility Bosworth-Toller 1103
a;
[] ureid, -friede.
unser wort ist weniger als fehde
dem schicksal zeitweiligen veraltens ausgesetzt gewesen, da die rechtsspr. u.
auch auf spätere verhältnisse anwenden und die n. spr. den begriff erheblich verallgemeinern konnte. vgl. urfehder, urfehden, verurfehden. 11)
als nomen actionis einstellung der fehde, verzicht darauf: concordia, quae u.
dicitur quelle bei Haltaus 2001; orveide het vrede, di over veide gesworen werd, also dat di veide enwech is
Sachsenspiegel 1, 185
Homeyer; der urvehe hat ein ende über den nahsten fünf jar
urk. (1283)
bei Haltaus 2000; und hant gelobt ..., ein luter ewig sune und urvechte iemerme mit inen stete ze hande (1334)
ebda; das gesetz des kaiser Max, wir haben es beschworen, es lautet: bann der urphed, ewger frieden!
Z. Werner
Luther (1807) 252. 22)
der bei der u.
geschworene eid. 2urfehde Haltaus 2001.
eine schöne poetische formel des eides mnl. wb. 5, 2017. 2@aa)
juramentum, quod oervede
appellabant quelle bei Haltaus 2001; und mit solchen worten ward das ganz volk der stat Paris bewegt, das si herzog Ludbig ledig lieszen an all urfech und geisl Arnpeck
sämtl. chron. 598; es sol auch keyn oberkeyt oder richter kein urphede helfen schützen oder schirmen, dasz der gepeinigt sein schmach, schmerzen, kosten und schaden mit recht nit suchen möge
Carolina 20; daruf wurdend die genannten gefangnen all uff ein urfechd ledig gelassen Tschudi
chron. 1, 266; die liesz man mit der urfeide laufen Schütz
hist. rer. prussic. 6, h 1
b; erlaubnisz, auf urfehde
V. verlassen zu dürfen J. v. Müller 2, 329
anm.; u. schwören Lexer 2, 2016;
oberschwäb. stadtrechte 1, 219; Göthe 8, 83
W.; Hebbel I 3, 227
W.; G. Freytag 18, 217; W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 44; im offnen feld vor allem volk ward urfehde geschworen R. Wagner 7, 21 (
Tristan 1, 5); u. geloben Binhardus
thüring. chron. 299, thun
Carolina 157; 158; H. Sachs 21, 14, 16
G.; F. Platter 186
B.; Micrälius
Pommerland 5, 322, geben Knebel
chron. v. Kaisheim 378
lit. ver.; Chemnitz
schwed. krieg 2, 174, zuwegebringen Götz v. Berlichingen 51
B., vertrösten (
verbürgen) Richental
Constanzer concil 90
lit. ver., abgewinnen Jean Paul 7/10, 553
H., verbrechen
n. laienspiegel (1518) 126
a;
Carolina 176,
u. ä. 2@bb)
die urkunde des eides; libellus ... ein urfecht in geschrift Frisius 769
a; urfech ist ein verschreibung, die einer uber sich selbs geben muosz, so er etwo in einem bösen geschrey gewesen, darumb er gefengklich eingezogen, auch etwo gefoltert worden, doch auf condition, das er niemandt dester feinder sein wölle, auszgelassen wirdt S. Roth (1572) q 8
b; Heupoldus (1620) 394; Staub-Tobler 1, 645; Fischer 6, 295: es söllen fortan unser pfleger oder richter kain urfehd, so ein gefangener in gerichten und vor inen über sich gibt, siglen, sonder durch ander siglmäszig personen vertigen lassen
landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 22
b; und ligend ire urvechden, so si über sich selbs musztend geben ..., bi einandern in einer truchen in einem turngewölb zu Lucern Tschudi
chron. 1, 327; und het ein urphed bey ihm, die las er mir für Götz v. Berlichingen 63
B.; das abgetrungen urfecht widerumb herauszgeben
zimmer. chron. 3, 358; eine schriftliche, besiegelte u. Fischer 6, 295; einen urphed übergeben J. B. Schupp (1663) 580; die beiden urfehden von 1522 und 1530 v.
d. Hellen
in d. jubiläumsausg. Göthes 10, 287. 33)
verzicht auf fehde in form eines gelobens durch handschlag. so wurden ohne eid vornehmere gefangene und reisige freigegeben, was in den formeln: auf eine gute, alte, schlechte, gewöhnliche
u. dgl. u.
ausgedrückt ist. Haltaus 2002
f.: das tet Wilwolt gern und nam ein alte urfehd von ime
Wilwolt v. Schaumburg 67
lit. ver.; Thomas v. Absberg 15
lit. ver.; Götz v. Berlichingen 83
B.; L. Fries
würzburg. chron. 135
b.
auch stellung von bürgen konnte den eid ersetzen Diefenbach
gl. 312
b;
s. o.; mhd. urvêchbürge.
[] 44)
eidliche versicherung, ein bestimmtes gebiet nicht wieder zu betreten oder seinen wohnsitz nicht zu verlassen: etliche (
landstreicher) werden verweiset, etliche kommen mit einem uhrfehd davon Pape
bettel- u. garteteufel r 6
a; da nun solche leute über mitgetheilter gütigkeit ungeachtet die beschworne urfeyde sich in der stadt oder stadtgebiet zu begeben erdreisten
Danziger willkür 1598; dem verwiesenen wird ... urphede bedeutet
allg. d. bibl. 54, 9; dann müssen sie urphede schwören, auf ihren schlössern ruhig zu bleiben und nicht aus ihrem bann zu gehen Göthe 39, 85
W.; so aber jemand ein urfeyd mit sachen, darum er das leben nicht verwirkt hätte, fürsetzlich und freventlich bräche, der soll als ein meineidiger mit abhauung der finger, die er zu solchem falschen eide gebraucht hat, gestraft werden
Danziger urfehde (1782) 61; urphede schwur er, nie zurückzukehren Schiller 14, 407 (
Tell 5, 1); von dem herumfahrenden gesindel kann man doch nicht wissen, ob sie nicht in benachbarten kreisen schon die urphede beschworen haben Iffland 8, 24; Zschokke 8, 72. 55)
versicherung überhaupt, zunächst negativ: so schreib bald ein urfede, flucks, mich und die meinen, auch mein pfarrer und iderman deshalb nimmer gen Rom zuo citiern
reformationsflugschr. 3, 76
Clemen; dann auch positiv: der krone Norwegs sind wir zugethan kraft alter urphed unsrer freien arte Müllner
dram. w. 3, 48. 66)
zusammensetzungen: