versprechen,
verb. zur form und bedeutungsentwicklung. 11)
das compositum gehört wie das simplex dem westgermanischen sprachgebiet an. im altengl. ist es allerdings nur in der nebenform forspecan
vertreten Bosworth-Toller 318
a;
in dem dazu gehörigen subst. aber findet sich forspreca
neben forspeca
ebd.; mengl. forspékin Stratmann-Bradley 242
a;
über das verhältnisz der formen vgl. th. 10, 1,
sp. 2798.
fries. forsprekke Dijkstra 1, 419
b.
ahd. farsprechan, furisprechan Graff
sprachschatz 6, 378
f.; mhd. versprëchen
mhd. wb. 2, 2, 530
ff.; Lexer
hdwb. 3, 245
f.; vürsprëchen 3, 611. versprechen Diefenbach
gloss. 445
b, 464
b,
nov. gloss. 162
b.
vocab. incip. teut. i i 5
a. Maaler 431
d, 436
a. Alberus
novum dict. (1540) 15
b. Dasypodius (1676) C 5
b. Schottel 647
b. Stieler 2100. Kramer
teutsch-it. dict. 2, 884 a;
hoch-niderteutsch. dict. 247
b. Belemnon
bauern-lex. (1728) 120. Steinbach (1734) 2, 642. Frisch 2, 307
a. Adelung. Campe. Heyne. Weigand-Hirt. Paul.
altniederd. farsprecan Gallée
vorstudien 67;
mnd. vorspreken Schiller-Lübben 5, 456
f.; mnld. verspreken Verdam
hdwb. 637
b; Kilian (1599) 604
b; v.
d. Schueren
teuthonista 445
b Verdam; verspreeken Kramer
nider-hochteutsch. dict. 455
b. versprechen
lebt in hoch-, mittel- und niederdeutschen mundarten in der form versprechen (versprächen)
bz. verspreken (verspräken)
mit starker flexion. davon abweichend bucht Nagel
für Niederösterr. die form vašbréicha 200,
aber tirol. weisthümer 1, 23, 20
mit vocalrundung: er ... wisz für ine zu verspröchen; Gangler
für Luxemburg versprièchen (
vgl. wb. 1906
s. 467
a)
und schwache flexion (
part. verspracht) 470,
die Kehrein 1, 431
für eine ältere sprachquelle aus Rheinhessen feststellt. schweiz. Stalder 2, 386; Staub-Tobler 1, 907;
Basel Seiler 113
a; veršprächə (
Habkern)
zeitschr. f. d. mundarten 2, 311;
elsäss. versprëche
n Martin-Lienhart 2, 557
b;
lothring. veršprèxə
nFollmann 153
b;
schwäb. versprëche
n Fischer 2, 1345
ff.; bair. Schmeller
2 2, 698;
kärnt. verspréchún Lexer 237;
rheinhess. Kehrein 1, 431;
henneberg. Spiess 269;
schles. Weinhold
handschr. nachlasz S
bl. 394
a;
preusz. versprechen Frischbier 1, 272; 2, 189; versprêke 2, 189
f.; pomm. verspräken Dähnert 527
a;
lübisch verspreken Schumann 79;
götting. Schambach 267
a;
köln. Hönig 194
b;
waldeck. f
erspri
ek
en Bauer-Collitz 138;
ostfries. verspräken Stürenburg 316
a, ferspräken, fersprëken ten Doornkaat Koolman 1, 466
b. 22)
wie beim simplex (
th. 10, 1,
sp. 2798)
hält sich auf obd. boden die alte form versprich(e)
in der 1.
sing. präs.: [] so uersprich ich dir hinfür alwege zethon alle daʒ dein hercz begert Arigo
decamerone 160, 4
Keller; er erzehle nur her! ich versprich und versichere alles, was er von mir begehrt und gebetten Grimmelshausen 3, 30, 13
Keller; den al mein sinn und mein gedenckhen auff christenblut thut stetigs henckhen, verschwigenheit darbey versprich, als wahr ein judt gantz sicherlich
Endinger judenspiel 31
neudr.; ich sprich, versprich, gelob, dein wort allzeit zu halten Weckherlin
ged. 1, 330
Fischer (
psalm 119, 57).
über die schwache imperativbildung verspreche
bei Platen
vgl. th. 10, 2,
sp. 2799.
eine schwache endung -e
im prät. hat Gottsched: da er sich mit einem frauenzimmer in Weissenfels versprache
beyträge zur crit. historie (1732) 1, 541. 33) versprechen
hat sich in seiner bedeutung nach den verschiedensten richtungen hin verzweigt; die übersicht ist nicht ganz leicht. die ältere überlieferung von versprechen
bewahrt uns verschiedene formen der vorsilbe. so steht ahd. furisprechan
neben farsprechan '
defendere'
sogar in derselben quelle (Notker
Boëthius-übersetzung) Graff 6, 378
f. und mhd. vürsprëchen '
vertheidigen'
neben versprechen
in derselben bedeutung Lexer 3, 611
bz. 245.
in den nominalformen erhält sich die betonte form des präfixes durchweg länger als im verb, wo sie sich als tonlos eher geschwächt hat, vgl. Lexer 3, 610
f.; Leopold
germanist. abhandl. 27,
s. 40
4; 66
1.
für andere bedeutungen läszt sich eine betonte form nicht sicher nachweisen. doch mag wohl eine vereinzelte glosse dafür sprechen, dasz eine solche auch der ältesten verwendung des compositums als verstärktes sprechen (
berathschlagen, besprechen)
zugrunde liegt: furisprohhan,
deliberatum Steinmeyer-Sievers
glossen 2, 287, 55,
und aus einem hierher gehörigen nomen kann ein rückschlusz auf das verb. gemacht werden: furisprehho,
orator 1, 218, 8
R. (
vgl. verspreche).
die übrige ahd. überlieferung (Graff 6, 379)
giebt keinen anhaltspunkt für die zuweisung zu einer der drei alten grundformen des präfixes (
entsprechend goth. faur-, fra-, fair- Grimm
gramm. 2, 850
ff.; Wilmanns
gramm. 2 2, § 124
ff.),
da die alten typen sich verschmolzen und meist zu einer form vereinigt haben, nur landschaftlich und zeitlich gesondert. so schreibt Otfrid
durchweg firsprechan, Notker fersprechen.
formell lassen sich also nur wenige vertreter der faur-
type für einen geringen theil des bedeutungsumfanges von versprechen
nachweisen. eine fra-
type könnte daneben für andere bedeutungen sehr wohl in dieser bildung enthalten sein, zumal wo es sich um wegwerfenden sinn handelt. 44)
besonders fällt das nebeneinander von positivem und negativem sinne in diesem worte auf: ahd. defendere, loqui pro—
prohibere, abnuere, renuntiare, repudiare Graff 6, 378;
vgl. Grimm
gramm. 2, 853, 854, 861; Wilmanns
gramm. 2 2, § 125.
diese verschiedenheit könnte vielleicht auf verschiedene grundformen des präfixes zurückgehen, vgl. goth. faur-qiþan: fra-qiþan,
von denen J. Grimm
gramm. 2, 851
behauptet, dasz sie wesentlich andersartig sind. thatsächlich aber geben beide ein und dasselbe wort des urtextes wieder (
Gal. 2, 21 faur-qiþa
ἀθετῶ:
Luc. 7, 30 fra-qeþun
ἠθέτησαν). faur-qiþan
allein zeigt neben dem ausgesprochen negativen sinne der Galaterstelle den halb positiv, halb negativ schillernden bei Luc. 14, 19: habai mik faurqiþanana:
ἔχε με παρητημένον (»
entschuldige mich« Luther).
charakteristischer noch und lehrreicher ist das beispiel von goth. faur-biudan '
verbieten'
: die grundbedeutung ist »
nachdrücklich kund und zu wissen thun«,
und erst aus dem sinne der verkündigung heraus ergiebt sich auf der einen seite gebot und aufgebot, auf der andern verbot und verweisung. hierbei kann der negative sinn schon in der faur-
type sich bei energischem gebot unter entsprechenden umständen entwickeln, theils ergiebt er sich aus der häufigen verbindung mit negativen sätzen derart, dasz der sprechende den negativen inhalt des gebots unwillkürlich auf das vorangehende verb des gebietens überträgt, vgl. germanist. abh. 27, 11
f. wenn auszerdem noch eine form wie fra-qiþan
mit ausgesprochen ablehnender bedeutung der faur-
type zur seite tritt und bei der in späteren perioden eingetretenen verschmelzung der vorstufen von ver-
nicht mehr von ihr zu scheiden [] ist, so verstärkt sich die fähigkeit zu negieren, während der positive sinn daneben fortlebt. 55)
diese doppelheit des sinnes gilt ursprünglich für alle verba, die eine (
vorzugsweise mündliche)
willensäuszerung enthalten, wie verloben, verraten, verreden, verrufen, versagen, verschreiben, verschreien, verschwören, versprechen.
sp. 999, 1026, 1161
setzen für das heute negativ gebrauchte verreden, verrufen, verschreien
mit recht positive und an sich farblose grundbedeutung an; auch verloben
und verschwören (
sp. 817, 1227)
drücken von hause aus ein einfaches loben
und schwören
ohne individuelle färbung aus. in der schwäbischen mundart hat sich verloben
als '
völlig loben' (Fischer 2, 1226), versagen
als '
aussprechen' (1285), verraten
als '
erraten' (1269), versprechen
als '
antworten, erwidern' (1348)
erhalten, worin wir die älteste und einfachste bedeutung zu sehen haben. hieraus hat sich dann ein bestimmender sinn entwickelt, während sich daneben ein negativer hält. das verhältnisz der verschiedenen bedeutungen zueinander und ihr vorkommen überhaupt ist verschieden in den verschiedenen sprachperioden und gegenden: verreden, versagen
ist der heutigen umgangsprache nur in negativem sinne geläufig, während verreden
in älterer zeit auch '
reden, verloben, vertheidigen' (
sp. 999), versagen
auch '
sagen, verloben' (
sp. 1033
unten; Campe 5, 350)
bedeuten konnte. verloben
ist zu Luthers zeit ebenso als '
loben, geloben, anverloben'
wie '
abschwören'
bezeugt (
sp. 816, 817), verschwören
lebt noch heute in beiderlei verwendung (
sp. 1227
ff., 1231
ff.). versprechen,
das die heutige sprache nur in positivem sinne kennt, wird von Luther
vorwiegend abweisend oder gehässig gebraucht; in den älteren sprachperioden sind beide richtungen nebeneinander vertreten. schon Adelung
macht die feine beobachtung, dasz die bedeutung des zusagens bei den ältern und mittlern schriftstellern wenig vorkommt —
im ahd. fehlt sie thatsächlich ganz —
indem versprechen
bei ihnen in manchen andern bedeutungen gangbar war; so wie diese veralteten, so hob sich jene bedeutung; dagegen fing verheiszen,
welches man bis dahin anstatt desselben gebraucht hatte, an zu veralten (4, 1145).
hinzuzufügen ist, dasz von anfang an die niederdeutschen mundarten den negativen und gehässigen sinn, die oberdeutschen den positiven bevorzugen. mit dem 18.
jahrh. schwindet die negative verwendung von versprechen.
überhaupt nimmt die jüngere schriftsprache eine arbeitstheilung unter den vieldeutigen und annähernd synonymen bildungen vor: sie weist den wörtern verreden, versagen, verschwören
den abweisenden, verraten, verrufen, verschreien
den gehässigen, verloben
und versprechen
den bestimmenden sinn zu, indem sie unter den einzelnen wieder feinere unterschiede festlegt. bedeutung und gebrauch. versprechen
wird transitiv und reflexiv gebraucht. die beiden participia haben sich als adjectiva und der infinitiv als substantivum von dem verbum gesondert (
s. d.).
die grundbedeutung ist ein verstärktes sprechen
ohne weitere färbung; vgl. die ahd. glossen unter abschnitt 3
des allg. theils. mnld. verspreken,
handelen of, spreken over (van),
iets bespreken Verdam
hdwb. 637
b.
schwäb. einem versprechen,
antworten, erwidern; oam versprecha,
dem, der rufet, antwort geben Fischer 2, 1348.
hierher wohl mhd. daʒ hûs, dâ sich got ûʒ versprichet, daʒ sol sîn in einôde und ein lûter geist und ob zît
d. mystiker 2, 122, 14
Pfeiffer. im folgenden wird versprechen
dreifach geschieden: nach nach positivem, nach negativem sinne und nach isolierten bedeutungen. daran schlieszen sich die nominalformen des verbs an. II. versprechen
in positivem sinne. I@AA.
eine versicherung oder bestimmte aussicht geben. zunächst handelt es sich dabei um wirkliches sprechen, um eine mündliche versicherung; also ist eine person subject. der von der handlung betroffene gegenstand ist meistens eine sache, selten eine person (3). versprechen
berührt sich vielfach mit synonymen verben. während es sich auf jede art von verbindlichkeit bezieht, bezeichnet geloben (
früher auch verloben)
ein feierliches und stärkeres versprechen; verheiszen
geht immer auf ein gut, das man jemand zu [] gewähren verspricht Eberhard-Lyon
synonym. hdwb. 17 nr. 685.
jedes gelübde,
jede zusage,
jede verheiszung
ist ein versprechen,
nicht umgekehrt Sanders
wb. d. synonymen 716.
in den älteren perioden ist diese bedeutung sehr spärlich vertreten: altniederd. farspricu,
abligurio (
i. e. obligo) Gallée
vorstudien 67.
vielleicht gehört hierher: sô medicus infirmo, ságet, mit uuíu er genésen sól .. únde ióh fúresprichet: dáʒ ist signum recuperandae sanitatis:
ut medici sperare solent Notker 1, 238, 6
Piper. polliceri, stet geloben vnd versprechen Diefenbach
gloss. 445
b;
promittere 464
b;
fidem prebere, fidem dare; versprechen und geloben,
promittere, pollicitari, spondere vocab. incip. teut. i i 5
a;
deuoueo, iuro, adiuro, obiuro, do nomen, ich glob, thuo ein gelbdt, verheisz, versprech i. thuo ein eydt, schweer Alberus (1540) 15
b;
condicere, fidejubere, fidem interponere, v. verheyssen Dasypodius (1676) C 5;
promittere, polliceri Stieler 2100; Frisch 2, 307
a;
promettere, far promessa, proferta, obligarsi con parole Kramer
teutsch-it. dict. 2, 884
a; versprechen, geloben,
vovere, votum facere Dentzler (1716) 312
b;
obligiren, .. verbinden, verpflichten, verknüpffen, versprechen, zusagen, sich verschreiben Belemnon (1728) 120. Adelung. Campe.
ins niederdeutsche ist diese bedeutung später aus dem hochdeutschen gebiet eingedrungen. im nld. erscheint sie seit dem 16.
jh.: verspreken,
condicere, promittere, fideiubere, stipulari Kilian (1599) 604
b; verspreeken,
versprechen, verheiszen, zusagen, geloben Kramer
nider-hochteutsch. dict. 455
b. I@A@11)
einem mündlich die feste versicherung geben, dasz etwas, meist durch den versprechenden selbst oder seine einwirkung, geschehen werde; dasz ihm etwas zutheil werden solle; etwas zusagen, zusichern, geloben. der dativ der betheiligten person kann fehlen oder hinzutreten. mit worten zusagen; sagen, dasz man etwas zum nutzen des andern thun oder lassen wolle .. ehedem gebrauchte man dafür verheiszen,
welches aber auszer der höhern schreibart veraltet ist, seitdem versprechen
in dieser bedeutung üblicher geworden Adelung.
mhd. fehlt diese verwendung fast völlig. I@A@1@aa)
absolut: hastus aber verheiszen? knab versprich oder verheisz für dich selbs Boltz
Terenz deutsch (1539)
bl. 108
b (
Adelphi 5, 8, 940); unverschAemte groszsprecher, welche viel zu sagen, und den tag hinein versprechen, da der andere sich mit bloszen worten musz abweisen und vergngen laszen Treuer
Dädalus (1675) 1, 138; du versprichest hauffenweis', aber pflegest nichts zu halten J. Grob
dichter. versuchgabe (1678) 72; wer leicht verspricht, auch leicht bricht Wander
sprichw. 4, 1594; wir wollen versprechen, wir wollen schwören, aber lassen sie uns das mädchen sehen! Göthe 22, 226
Weim.; denn wer einem mädgen hoffnung macht, der verspricht IV 1, 157.
im nebensatz: wie jm gott versprochen hatt
Züricher bibel v. 1531 (
1. Mos. 21 A).
hierher gehört die beteuerungsformel gott versprich, godersprech
u. ähnl. vgl. zeitschr. f. d. mundarten 3, 289 (
u. anm.),
wo J. Franck
nachzuweisen sucht, dasz der ausdruck mit gott ursprünglich nichts zu thun habe. schwäb. gott versprich (gott versprich's, a
ls gott versprich), '
das heiszt, damit will ich sagen'. 's mag mir gehe
n wie's will, schwarze finger krieg
e i
ch keine a
ls gott versprich wie d
ie g
erichtsherre
n (
die falsch schwören können) Fischer
wb. 2, 1349. I@A@1@bb)
mit abhängigem satze; ohne conjunction: wiltu das an em nit rechen, so wel ich der wol versprechen, du gewinnest nimmer ein gut wipp an mer (
Herodias zu Herodes über die beschimpfung durch Johannes)
Alsfelder pass. 22, 737
Grein; sagten auch Virginio hülff, trost vnd sicherheyt zuo, vnd versprachen jm, das übel an jm begangen, solt nit vngerochen bleiben Carbach
T. Liuij rOem. historien (1551)
bl. 48
r; noch hat jme der teuffel versprochen, er wOelle jme wochentlich 25 kronen geben
Faust volksbuch 25, 30
neudr.; der ihm hoch und theuer versprochen, er wolle mit ihm in den tod gehen, und gut und blut seinetwegen ungespart lassen Schupp
freund in der not 5, 15
neudr.; [] dieses blat soll bald in deine hände gelangen, verspricht mir herr prof. Kiesewetter Göthe IV 24, 21
Weim.; mein herz, versprech' ich ihnen, soll allein und ewig der richter meiner liebe seyn Schiller 5
2, 390, 4372 (
Karlos 4, 21).
mit conjunction: das wir keinen tyrannen mee dulden, versprechend wir by unsern hulden
schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 36, 466
Bächtold; dieselben versprachen jhm, dass sie wolten christen werden
buch der liebe (1587)
bl. 334
b; du must mir eidlich versprechen, dasz du solches keinem menschen offenbaren wilt
schausp. engl. comöd. 178, 31
Creizenach; allein, — sie wiedersehn — das werd' ich nie! nie! nie! — ihr müsztet mir zur stelle denn versprechen: — dasz ich sie auf immer, immer — soll können sehn Lessing
3 3, 100 (
Nathan 3, 9, 660); ich verspreche dir, dass es dich nie gereuen soll G. Keller
werke 1, 418. I@A@1@cc)
mit infinitivsatz; dieser folgt dem verb: ich verspreche es zu halten Kramer
ital. dict. 2, 884
a;
mhd. daʒ der kunic versprochen het ze leisten sîne bet Ottokar
reimchronik 85573; er nam von dem künge von Engellant hundert tûsent mark silbers und versprach im zuo hilfe zuo komen
Züricher jahrb. 60, 19; wo nu Christus, daselbs ist auch sein heiliger geist den er versprochen hat zuo der kirch zesenden Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 49
Reithmeyer; ich euch pey meiner trewe verspriche in sölchen sachen nynaer ze sünden Arigo
decamerone 38, 30
Keller; da es (
das werk) dann verspricht sich also zu verhalten, dasz man spren solle wer seine tauffpatten gewesen Moscherosch
insomnis cura 8
neudr.; Cipio Affricanus der grösser, den Römern versprach, mit irem gezüge vnd here in Hispaniam zeziechen Wyle
translationen 216, 33
Keller; wo er zu mittag speiste, da muste er schon versprechen, das nachtmal bey einem andern einzunehmen Abraham a St. Clara
merks Wien (1680) 82; sie versprechen als fromme unterthanen und brger sich zu halten Weise
comOedienprobe (1696) 265; ich nach meinen vermOegen, versprach mein euserstes zu thun
medizin. maulaffe (1719) 120; sie haben versprochen, mit nichts, als ja oder nein zu antworten Lessing
3 2, 204, 11 (
Minna 2, 9); und sie versprechen uns, daneben noch manch erfrischendes gerichte in sAeurlich-ssser frucht, zu geben Brockes
irdisches vergnügen (1721) 4, 37; die waffen versprachen sie sofort niederzulegen Ranke
werke 4, 16.
die verbindung mit vorausgehendem infinitivsatz ist jünger und wird in der heutigen schriftsprache bei kurzem ausdruck als geschickter empfunden. sie erscheint gewöhnlich in nebensätzen: einem einen gefangenen zu liefern versprechen,
captum mittere alicui promittere Steinbach 2, 642; daʒ du tüest, als du ze tuon versprochen hast Steinhöwel
Äsop 58
Österley; da man dem keyser alle gehorsame zuoleisten abermahlen versprochen Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 47
a; Solon .. hat .. ihnen .. dergleichen gesAeʒʒe ... zu geben versprochen, so allen annehmlich .. seyn sollten Butschky
Pathmos (1677) 107; da Melina den vorschusz sogleich wieder zu bezahlen versprochen hatte Göthe 22, 8, 16
Weim.; dann aber .. fragte sie nach gewissen chinesischen tassen, die er (
der trödler) zu liefern versprochen habe G. Keller
werke 3, 66. I@A@1@dd)
das object ist allgemein gehalten; ein sinnentsprechendes verb (geben, erfüllen
u. s. w.)
ist gewöhnlich zu ergänzen, das sich häufig aus dem inhalt eines nahe stehenden satzes ergiebt: es soll keiner mehr versprechen, als er weiszt zu halten Dentzler 312
b; er hat es wohl versprochen, aber nicht gehalten Steinbach 2, 642; was man verspricht in eile, bereuet man mit weile Wander
sprichw. 4, 1594;
schwäb. wer me
hr verspricht als er halte
n ka
nn, ist e
in lump; wer zuviel verspricht, halt
et nix; 's ist leichter
[] versproche
n als g
ehalte
n; ist 's net g
enug, wenn i
ch 's versproche
n hab
e, muss i
ch 's au
ch no
ch halte
n Fischer
wb. 2, 1347;
waldeck. wat m
e f
eršpri
ek
et, motm
e auk hal
en Bauer-Collitz 31
b; was ich euch versprochen hab, des stee ich euch mit nichte ab
Tirol. passionspiele 37
Wackernell; was er (
Jesus) verspricht, entfellt er nicht, es sey grosz oder kleine Ringwalt
handbüchlin (1586) C 9
b; was gott in seinem wort verspricht, das kompt gewisz und fehlet nicht Kirchhof
wendunmuth 2, 18
Österley; denn was man so verspricht, das pflegt, nach art der alten, ein rechter biedermann ganz unverrckt zu halten Gottsched
ged. (1751) 406
Schwabe; sprechen und versprechen. bedenkt euch einen tag, eh ihr uns was versprecht, auf dasz ihr kein versprechen brecht; und dasz kein unntz wort euch fall aus euerm munde, eh ihr was sprechet, eine stunde Wernike
ged. 145; nichts schAendet einen mann mehr, als wan er .. so offt er was verspricht, sein maul darber zur tAeschen machet Moscherosch
insomnis cura 75
neudr.; was ich der jungfrauen versprochen, und verspreche, bin ich stets willig zu leisten A. Gryphius
Horribil. 27
neudr.; wenn doch der mensch sich nicht vermessen wollte irgend etwas für die zukunft zu versprechen! das geringste vermag er nicht zu halten, geschweige wenn sein vorsatz von bedeutung ist Göthe 23, 115
Weim.; der narr ist klug, verspricht was jedem frommt 15, 16 (
Faust II 1); ihr gabt ihm doch vors erste, was an schätzen ich euch gelassen hatte? gabt ihm alles? verspracht ihm mehr? weit mehr? Lessing
3 3, 7, 96 (
Nathan 1, 1);
Daniel. mein herr und meister lebt, ihn haben meine augen gesehen!
Moor. und will halten, was er versprochen hat Schiller
werke 2, 145 (
räuber 4, 3).
in älterer sprache steht das sächliche object bisweilen auch im genetiv: jr wissent, wes jr mir versprochen habent
Fierrabras (1533) E 1; desz im auch trostlich versprochen würd Knebel
chronik von Kaisheim 14.
verschiedenartige betheuerungen treten zu dem verb. auf die worte des versprechens wie auf die gesinnung wird hingewiesen: vnd mssen solches etliche mit einem eydtschwur ... versprechen vnd bestetigen Nigrinus
von zäuberern, hexen (1592) 17; das versprich ich euch von herten vnd von mund
buch der liebe (1587) 337
c; du versprichst es auch mit hand und mund Bettina v. Arnim
dies buch 1, 104; er bat nicht zu vergessen was er mit einer handlobung versprochen hAette Hippel
lebensläufe in aufsteig. linie 1, 78; das versprechen wir dir in d'hand
griech. dramen 2, 187
Dähnhardt (
Aristophanes, nubes 703); ich darf nicht den frieden brechen, den ich ihm angelobt und in seine hAende versprochen Tieck
schriften 4, 177; Englbau'r, und den vater mueszt mir in seiner kammer lassen; so lang er lebt! das mueszt mir extra auf die hand versprechen! Schönherr
glaube und heimat 53; morgen musz ich mit dem Gstöttner Hans auf den vogelfang; han's ihm für g'wisz versprochen 19;
elsäss. er het m
ir s in d händ versproche
n, un
d er halt si
n wort nit Martin-Lienhart 2, 557
b;
lothring. en hot mer an't hand versprach Follmann 153
b;
luxemb. èppes fèst ann hèllech veršpr
iechen
fest und heilig wb. 467
a. I@A@1@ee)
bei substantivischem object ist ebenfalls ein sinngemäszes verbum (leisten, geben)
zu ergänzen. in wenigen fällen bildet eid, gelübde
selbst das object: zwo laischwestern, welche ihr closterglübt .. versprochen haben
schwäb. quelle v. 1543
bei Fischer 2, 1347; ich .. blieb schuldig an dem glbd das ich gelobet, versprochen hab Paracelsus
opera (1616) 2, 236
Huser; mich dunckt der eydt wöll veralten den mir jm flsz versprochen handt (
Welsch flusz ist das erste stück der ausgabe) Gengenbach 301
Gödeke. verlöbnisse: hab ihm auch trew vnd glaub versprochen, das will ich ihm halten Schumann
nachtbüchlein 337
Bolte; [] ist euch die süsz lieb worden bitter, die jr doch vor mit süssen worten versprochen habt an allen orten H. Sachs
fastnachtspiele 1, 11
neudr.; ich trat in jene hallen wo sie mir treue versprochen H. Heine
werke 1, 105
Elster; verblendung war's, mein herz ihr zu versprechen Schlegel
Shakespeare 1, 235 (
sommernachtstraum 3, 2); denk, wie du mir mit hohem schwur die ehe hast versprochen! Miller
ged. (1783) 251; sie ... verspricht ihm auf den fall ihrer erhaltung die ehe Lohenstein
Ibrahim (1680)
inhaltsangabe; in Sachsen hat ein junge vnd reiche tochter einen (!) wackeren, jedoch wenig begüten jüngling die ehe versprochen Abraham a St. Clara
Judas (1689) 2, 165; dass sie gezwungen waren, dem grafen ihre hand zu versprechen? Iffland
theatr. werke 1, 23.
gelöbnisse: so sich einer priester weyhen laszt sol er sich widren, die keüscheit zuo versprechen, dan niemans den engliche stercke, vnd himlische macht mOeg küscheit halten Murner
a. d. adel 41
neudr.; wir solten .. ein fuszfall thun, gnad bitten, vnd besserung vnsers lebens versprechen vnd zusagen Musculus
hosen teuffel 7
neudr.; sie versprachen sich beiderseits deszhalb ein tiefes geheimnisz Göthe 24, 61, 8
Weim.; gehorsam, fleisz und zarte liebe verspreche ich auf dieses jahr Schiller
werke 1, 4.
leistungen: seine dienste versprechen Kramer
ital. dict. 2, 884
a; seine hilffe zu was versprechen Steinbach 2, 642;
ostfries. hê fersprak, fersprôk mi sîn hülpe Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b; die .. dagegen ihre parate dienste in allen honorablen occasionen versprochen und parolisiret Neumark
palmbaum (1668) 138; einige glieder des stadtraths versprachen ihm gleich die erlaubnisz, einige zeit im orte zu spielen Göthe 21, 235, 23
Weim.; er hatte sich bei dem fürsten schriftlich beurlaubt und baldige rückkehr versprochen E. Th. A. Hoffmann
werke 10, 190; wenn er geld erborgen wollte und auf cavalierparole die rückzahlung versprach Immermann
werke 1, 40; man versprach ihm überall huld, schutz und gnade Klinger
werke 3, 12; nicht merken soll ich, wie voll eifer dort der herzog brennt, der gunst zuvorzueilen, die meinem sohn versprochen war? Schiller 5
1, 192, 4002 (
Karlos 3, 6).
schriftstellerische ankündigungen: das carmen quält mich nur, das ich dir letzt versprach Stoppe
parnasz (1735) 341; herr Wieland verspricht uns seine besten und überlegtesten gedanken von der unterweisung der jugend Lessing
schriften 3 8, 24, 2; das titelblatt verspricht uns dithyramben: die vorrede verspricht sie nur halb Herder
werke 1, 318.
göttliche verheiszungen: das alt gesAetz .. das vns ... kein lohn da zeytlich guot verspricht Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 154; in dem eynnigen stuck oder werck hat vnns Christus alle selickeyt versprochen Cronberg 50, 3
neudr.; lAeszt einst dein starker schmerz, ermdet, etwas nach; so denke, dasz gott hier kein ewigs glck versprach Giseke
poet. werke (1767) 49; die zeit eines neuen ewigen evangeliums, die uns selbst in den elementarbüchern des neuen bundes versprochen wird Lessing
schriften 3 13, 433; das gantze land Canaan ist uns vom himmel zum erbe versprochen worden Weise
comödienprobe (1696) 91; mir versprach der untrügliche Phöbus selber auf neuer erd' ein zweites Salamis Herder
werke 25, 229, 7; beschleunige die hülfe, die ein gott versprach. erbarme meines bruders dich Göthe 10, 37, 846
Weim. (
Iphigenie 2, 2);
mit sächlichem subject: gekreuzigter, der mich ergriff, sieh meine seele neigt sich tief; umarmt dein kreuz und lAeszt es nicht, bis deine huld ihr trost verspricht Schubart
ged. 1, 151.
gaben, geld und gut: da er aber das geld, das er dem kOenige versprochen hatte, nicht kunde ausrichten
[] 2.
Macc. 4, 27; die magd fodert ihr acht groschen trinkgeld, so er ihr auff unterschiedliche posten versprochen
polit. maulaffe (1679) 17; subsidien, die man uns versprochen, wie röhrenwasser bleiben aus Göthe 15, 12
Weim. (
Faust II 1); einem einen schmausz versprechen; einem ein haus nach seinem tode mit hand und mund versprechen Steinbach 2, 642; grosse belohnung Frisch 2, 307
a; der belonung so man jnen hette versprochen Xylander
Polybius (1574) 51; ich habe ihm eine dosin von lateinischen pillen versprochen, die soll er einnehmen Weise
comOedienprobe (1696) 307; es wäre dann, dasz Frankreich einem mächtigen haus, als Bayern, Brandenburg oder wohl Oesterreich selbst ... einen zipfel vom rock versprechen wollte Leibniz
d. schriften 1, 212; der baron .. versprach bei seinem abschiede allen die beste aufnahme, bequeme wohnung, gutes essen, beifall und geschenke Göthe 21, 246, 14
Weim.; es trug Damoet vor wenig wochen zu Phillis, seiner schAeferin, ein thier, das er ihr lAengst versprochen Lichtwer
äsopische fabeln (1748) 11;
mit präpos. bestimmung: »könig Heinrich, der jedem bauer ein huhn in den topf versprach« .. ich habe weder ein huhn im topfe jemandem versprochen noch sonst etwas
nat.-zeitung 34, 59
bei Sanders
ergänz.-wb. 497
a.
sprichwörtlich von unerfüllbaren versprechungen: güldene berge, Rom und reich versprechen Kramer
ital. dict. 2, 884
a; einem goldene berge versprechen Steinbach 2, 642; Wander
sprichw. 4, 1590, 1595.
der ausdruck stammt aus Terenz
Phormio 1, 2, 18;
vgl. Borchardt-Wustmann 58.
schwäb. der verspricht goldene berg
e und hält keine bleiern
e (und ist kein
en heller wert) Fischer 2, 1347; Schmidlein verspricht Braunschweig güldene berge, von wegen des abfalls Nas
das antipap. .. (1567) 4, 182
b; der kayser mOechte ihnen ja güldene berge versprechen, aber kaum spreu gewehren Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
b; er verspricht kühe mit goldenen hörnern; er verspricht dir das blaue vom himmel ... das weisse und schwarze Wander
sprichw. 4, 1595; èngem d št
iere vum himmel veršpr
iechen
luxemb. wb. 467
a.
gegenstände: verspricht dir jemand ein schwein, hol' gleich den sack und thu's hinein Wander 4, 1594; man verspricht ein lebendiges ross und bringet kaum ein wächsernes 1591.
jüdische redensart: ich hab'm Holland und Brabant versprochen Lipperheide
spruchwb. 936
b;
elsäss. er verspricht Holland un
d Brawant,
hält aber nichts von dem, was er verspricht Martin-Lienhart 2, 557
b. I@A@1@ff)
veraltet ist die reflex. form in diesem sinne: sich versprechen,
promettersi, impegnarsi, obligarsi; wer sich verspricht in eil, den reuet es mit weil; sich mit einem eid, gelübd
etc. versprechen; sich mit hand und mund versprechen Kramer
it. dict. 2, 884
b.
absolut: vnd er (
Judas) versprach sich vnd suchte gelegenheit, Jesum zu verrathen
Luc. 22, 6 (
doch vgl. II C 1); denn got hat nit Israel angenummen umb yhrisz vordiensts willen, sondern umb seynisz eygen vorsprechensz willen. ausz lautter gnad hat er sich vorsprochenn, ausz lautter gnadenn hat er esz auch erfullet Luther 7, 597, 30
Weim. mit conjunctionalsatz: (
Jesus hat) sich darbey versprochen, dasz alle die jenigen, so an Christum gleuben, durch dieses sacrament des tauffs zu gnaden sollen auffgenomen werden Gretter
epist. Pauli a. d. Römer (1566) 722; hierauff versprich ich mich wider, dasz ich keinen menschen mehr .. gehorchen .. wil
Faust volksbuch 186
neudr. mit verstärkendem zusatz: mhd. wir versprechen uns an eides stat, daʒ ..
quelle v. 1374
bei Lexer
hdwb. 3, 246; an eides stat ihr euch hiermit versprechen sollt, dass ihr gutt schlesisch teutsch hinwieder reden wollt Wencel Scherffer
ged. (1652) 650.
mit folgendem infinitivsatz: denn got hat das den Juden eynn tzeyt lang tzu gutte than, das er tzu Hierusalem unnd ubir Cherubim sich versprach tzu schweben, bisz das Christus keme Luther 8, 33, 17
Weim.; es soll sich niemand versprechen, dann nasen abbeissen vnd ellenbogen
[] küssen Lehmann
bei Wander
sprichw. 4, 1590; (
der in die enge getriebene Hasdrubal) wolte sich versprechen, wenn man jhn hindurch liesse, ausz Hispanien gar abzuziehen Fronsperger
kriegsbuch (1573) 3, 235
a.
mit betheuerung: ihr habt es selbst gehört, (traut, bitt ich, eignem ohr!) wie der gesandte sich beym Tamaras verschwor; wie hoch er sich versprach, nach Moszkau nicht zu dencken, eh aller fleisz versucht, ob Abas sey zu lencken A. Gryphius
trauersp. 153
Palm (
Catharina von Georgien 1, 129); (
er) verspricht sich, nicht zu weichen mit hertzen, mund und hand S. Dach
ged. 707
Österley. mit vorausgehendem infinitivsatz: wo sein (
Christi) person gantz vngebrochn gewis zu sein sich hab versprochn Ringwalt
lauter warheit (1597) 187; ein solcher auch schaden zu verhüten ... sich versprechen soll Kirchhof
milit. disciplina (1602) 59.
mit genetiv der sache: lieb, willig solt du vinden mich zu dienen dir von mengclich, in triuen ich mich des versprich Hätzlerin
liederbuch 1, 62 (
nr. 75); der zwar gut ist von gesicht, und sich aller treu verspricht; das hertze meint es nicht Opitz
ged. 47, 13
Tittmann. abnorm ist die verbindung mit accus. der person: herwider ich mich dich versprich ich thu alzeyt der massen Forster
teutsche liedlein 15
neudr. in der neuesten literatur in alterthümelnder sprache: hier für deiner gnadenreichen bildnis verspreche und verlobe ich mich: heute .. will ich dieser unschuld ein rächer sein Handel-Mazzetti
arme Margaret 153.
ganz verschieden von dieser älteren ausdrucksweise ist die heute übliche mit reciprokem dativ: sich etwas hoch und heilig versprechen; er aber versprach sich in diesem momente innerlich, dass er ringen wolle, .. bis er geistesgross .. dastehe Stifter
werke 1, 32; versprach ich doch, fr Paris bubenstck mir rache schon! Bürger
werke 1, 155
Bohtz. I@A@22)
etwas festsetzen, vereinbaren, verabreden. I@A@2@aa)
selten transitiv: allezeyt sechs wochen vor und ee eins yeglichen verpflichten eehalten versprochen zil und zeyt kompt oder erscheint
Nürnberg. polizeiordn. 28
Baader; deu hôhzît wart versprochen gelîche über vier wochen Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5839; halt dich in stilldas ist mein will behalt bey dirwas beyde wir versprochen han Forster
teutsche liedlein 14
neudr.; es sint hie burgers sön die haben tun versprechen zusam ein gsellenstechen H. Sachs 2, 163, 115
Tittmann; darnach uber acht tag begab sich aber ein zwitracht zwischen zweien reisigen iedes tails, die auch anander den kampf versprachen (
ein duell verabredeten) Wilwolt v. Schaumburg 124
Keller. I@A@2@bb)
häufiger reflexiv, aber veraltet: sich versprechen,
verbis sese obligare, condicere Haltaus
gloss. 1896.
mit abhängigem satz: nach diesen vorgesch. vorderungen vnd entwurten, versprachent sich bede partyen, das sie wol begnügen wolte, was dye manne .. zu dem rechten darüber sprechen
quelle v. 1390
ebd.; als marggraff Albrecht von Brandenburgk und ettlich .. diener sich versprochen hetten, mit scharpfen spiessen in der stat .. zu rennen
d. städtechronik. 3, 370, 14; demnach ich mich mit Kaspar Heilungen versprochen hatte, welcher vor freien würde, der solle dem andern das rosz mit sammt dem schmucke verfallen sein Schweinichen 254
f. Österley. auf
oder zu etwas: wir haben och disen unsern bunde also geordent und uns dar uff also ze samen versprochen
schwäb. bund v. 1377
bei Fischer 2, 1347; beyderseits sich versprechen zum ausspruch eines scheidrichters Kramer
it. dict. 2, 884
b; vnd vnss mit und gegen einander in guten glauben vnd bey vnsern eren, wirden vnd wahren trewen verpflicht vnd versprochen haben
quelle bei Haltaus 1896;
[] wie er verpracht und gewunnen het als er mit Barnaba seins weibes halben gewet und sich versprochen het Arigo
decamerone 146, 22
Keller. von dem biblischen bunde: also versprach er sich darnach mit Noah und seinen kindern nach der sintflut bis auff Abraham Luther
sermon von dem neuen testament 1, 331
a.
von den neueren mundartlichen wörterbüchern verzeichnet Dähnert 527
a für das pommersche: sik verspräken,
sich wohin bescheiden. I@A@2@cc)
die neuere auffassung einer solchen reflex. wendung ist anders. sich ewige freundschaft und treue versprechen
enthält für unser gefühl einen reciproken dativ, '
sich geloben'.
für das 17.
jahrh. bleibt die deutung zweifelhaft: einer reichte dem andern die hand ... und versprachen sich ewige freunde und brüder zu seyn Moscherosch
gesichte Philanders (1650) 1, 424. I@A@33)
nach irgend einer richtung hin für eine sache oder person oder sich selbst eine verpflichtung eingehen, wodurch man das object von dem eingehen anderweitiger oder ähnlicher verpflichtungen ausschlieszt; es zu einem dienste verpflichten. der dativ der betheiligten person fehlt selten. I@A@3@aa)
object ist eine sache: eine ware versprechen; das wintermonat nenneten si das blotmonat, das si das viech, so si opferen wolten, darin iren göttern verlübden und versprachen Aventinus
bair. chron. 1, 368, 31
Lexer; weil ja nach altgermanischer vorstellung in der tat teile des körpers veräussert und versprochen werden können (
von den spielern) H.
M. Schuster
das spiel 12. I@A@3@bb)
häufiger ist das object eine person. das verbum wird in dieser verbindung nur bei verlöbnissen und eheversprechungen angewandt. dieser gebrauch datiert aus dem 16.
jahrh.: einem eine tochter versprechen,
despondere filiam alicui Stieler 2100; Kramer
ital. dict. 2, 884
a; Steinbach 2, 642; Frisch 2, 307
a; Adelung, Campe.
von lebenden dialekten belegt Lexer 237 verspréchún
für das kärntische. vgl. besonders versprochen sein (IV B 3).
der unterschied zwischen verloben
und versprechen
ist, dasz das verloben
einen förmlichen, feierlichen act bezeichnet, der mit dem bloszen versprechen
nicht nothwendig verbunden ist Sanders
wb. d. synongmen 708.
selten ohne angabe der person, des bräutigams: nach dem nun Emilia also versprochen, ist Camillo sie zu beschauwen nicht viel mehr vergOennet worden
buch der liebe (1587)
bl. 108
b; so sähe ichs sehr gerne, wenn ich euch, meine töchter, auf einen tag versprechen ... könnte Gellert
werke 3, 31; wo einer verheirathet wird, werden zweie versprochen A. v. Arnim
bei Sanders
a. a. o. mit dativ der person:
Mufti. was sol ein knecht, wie ich, dem grossherrn gOennen nicht?
Ibrahim. wie dass uns Mufti denn die tochter nicht verspricht? Lohenstein
Ibrahim (1680) 1, 23, 626; der mann, dem elternwille sie versprach, er legte selbst den grundstein seiner schmach Droste-Hülshoff
werke 2, 103.
mit zusatz, zum weibe: im Troergefilde versprach er sie einst und gelobte ihm zum weib J. H. Voss
Odyssee 4, 6.
mit präpos. angabe an
oder mit: des andern tages liesz die stathalterin bey uns ausstrAeuen, als wrde sie in weniger zeit ihre beyde zwillingstOechter an vornehme rOemische herren ehelich versprechen Bucholtz
Herculiscus (1665) 1275; ohne ihn zu kennen, würde ich ... ja dazu sagen, wenn ich meine tochter nicht bereits versprochen hätte, und zwar an den sohn eines guten freundes Lessing
3 2, 167, 20 (
der schatz 16); das deutete der traum den ich hatte, als ich tags darauf Marien an Weislingen versprach Göthe 8, 130, 9
Weim.; die ganze stadt verspricht ihn mit Celinden die schlechten ruf .. hat A. v. Arnim
werke 16, 202; da ward die prinzessin mit dem grafen versprochen Grimm
kinder- und hausmärchen (1812) 1, 155; um sie (
die tochter) ihren werbungen auf immer zu entziehen, liesz er sie mit einem prinzen von Toscana versprechen Ranke
werke 39, 7;
Sophie. sie haben mit dem rock mich feierlich versprochen, und Strahlen ist auf ihr geheisz hineingekrochen; mithin —
Malten. es sei darum (
freudige umarmung zwischen Heinrich und Sophien) Müllner
dramat. werke 5, 357.
[] anderen sinn hat die stelle: wie wenn ich dir die tochter mein allhero in die kost versprech? Jac. Ayrer
dramen 2504
Keller. I@A@3@cc)
der reflexive gebrauch bedeutet allgemein: sich nach einer richtung hin versagen. es kann eine weitere bestimmung fehlen: das er erstlich habe lauffgelt von dem hauptmann genommen, sich auch mit handt vnd munde versprochen, darüber seine ehr vnnd trew vergessen Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) 71.
auf ungewöhnliche art ist dies local ausgedrückt: vnd wOellen gott .. an ein ort binden, da er sich mit seinem wort nicht hin versprochen hat Mathesius
Sarepta (1587) XLVI
a.
in der regel ist die person bezeichnet, der gegenüber man sich verpflichtet. in der älteren sprache handelt es sich dabei stets um ein dienstverhältnisz: sich versprechen,
ehemals, sich durch sprechen gleichsam übergeben, einem andern ein vollkommenes recht auf seine person übertragen, so dasz die handlung völlige rechtskraft hat Campe.
mit dativ: in triüen ich mich dir versprich Hätzlerin
liederbuch 1, 7 (
nr. 7); (
sie) gerathen .. letztlichen gar in die schwartze kunst, verbinden vnnd versprechen sich dem teuffel, vnd werden seine ewige sclaven Albertinus
hirnschleiffer (1664) 265.
mit zu: drumb spricht sanct Paulus .., das got .. sich zum Abraham vorsprach, ehe er das gesetz Mosi gab Luther 2, 597, 33
Weim.; also mit kurtz versprach ich mich zu im und ward sein diener
d. städtechronik. 5, 133, 6; dieser doctor redete so gut teutsch als ich .., derhalben versprach ich mich desto lieber zu ihm Grimmelshausen
Simpl. 1, 357, 25
Kurz; zu einem herrn er sich versprach Goedeke-Tittmann
liederbuch 336, 225.
mit genauerer bestimmung des zwecks: ... versprach ich mich zu Hansen Meuting in die gesellschaft drew jar
d. städtechronik. 5, 133, 25;
bairisch: sich zu einem heiligen mit einer mesz, wallfart
etc. versprechen Schmeller
2 2, 698.
in der neueren sprache hommt ein ähnlicher ausdruck bisweilen bei vorübergehenden verpflichtungen vor: zu mittag hab ich mich bey meinem collegen Schnaus versprochen Göthe IV 5, 52, 22
Weim. mit infinitivischer bestimmung der verpflichtung: da versprach er sich mit gelbd jhm zu dienen
buch der liebe (1587)
bl. 331
a; solt dich aber versprächen, din läben lang by mier zu sin Th. Platter 22
Boos. eine wendung aus der neueren sprache, der oben angeführten Göthestelle entsprechend, bringt Frisch 2, 307
a: sich versprechen bey einem zu essen,
condicere ad coenam, vulg. sich versagen. I@A@3@dd)
am häufigsten ist reflexiver gebrauch von der gegenseitigen einwilligung zum ehebündnis. Adelung. sich mit einer person versprechen,
auch nur, sich versprechen,
sich gegenseitig die heirat versprechen, wo es auch zuweilen für sich verloben
gebraucht wird Campe. sich ehelich versprechen Kramer
ital. dict. 2, 884
b; sich einem zur ehe versprechen Heyne;
für den schwäbischen dialekt belegt bei Fischer 2, 1348,
für den waldeck. bei Bauer-Collitz 31
b.
in der literatur häufiger vom mädchen als vom manne gebraucht. reciprok oder ohne bezeichnung der betheiligten person: zu einem pfarrer kam ein mann, und thet denselben sprechen an, herr mein hauszgnosz der hat sich nun ehlich, auffs new, versprechen thun Sandrub
kurzweil 11, 4
neudr.; dort merck ich schon den raum, worauf wir uns versprochen Günther
ged. (1735) 185; wie oft habe ich hier am abend gesessen vor siebzig jahren und habe auf meinen schatz gewartet, der bei der garde stand. hier haben wir uns auch versprochen Brentano
schriften 4, 175.
mit dem dativ der betheiligten person: ich bin und werd' auch ewig sein, wie ich mich einmahl dir versprochen Filidor
geharnschte Venus 26, 5
neudr.; ich hab schon einen bräutigem, dem ich mich hab versprochen ganz A. v. Arnim
werke 13, 74; und nun mein fürst, verspricht sie hier vor eurer hoheit nicht
[] sich dem Demetrius zur eh, so fordr' ich das alte bürgervorrecht von Athen Schlegel
Shakespeare 1, 179 (
sommernachtstraum 1, 1); jenem, mein fräulein, versprachen sie sich; wollen sie diesem wort halten? Lessing
3 2, 205, 18 (
Minna 2, 9); du versprachst dich mir im grabe, dort will ich deiner harren Klinger
werke 2, 31.
mit präpos. bezeichnung der person; zu: darumb so zeig ein jeder an, was er wisz fr ein jungfrau schon zu der wir vns mOechten versprechen Jac. Ayrer
dramen 2, 1026
Keller. am üblichsten ist mit einem
in der sprache des 17.
bis 18.
jh.: dasz sie mit Traxen sich vier wochen vor ihres mannes tod versprochen, das weis ich schon Cronegk
schriften (1766) 2, 301; er träumte von der Adelheit, mit der er sich versprochen Hölty
ged. 21
Halm; es hatte Jorge Schramm ... eine freundin, welche sich mit zweien versprochen hatte Schweinichen 175
Österley; wie er sich dann auch mit ihr verlobet, und feste versprochen
polit. maulaffe (1679) 52; von seinen liebesstreichen die er gespielet, da er sich mit einem frauenzimmer in Weissenfels versprache Gottsched
beyträge zur crit. historie (1732) 1, 541; ... bittet flehentlich um versorgung und brodt, da er sich mit einem nAethermAedchen versprochen hat Rabener
werke 3, 26; der zuletzt gestand, dasz er ein mädchen auszerordentlich liebe und sich wirklich mit ihr versprochen habe Göthe 26, 276, 2
Weim.; mit infinitivsatz: mit diesem handschlag versprech ich mich auf ewig die seine zu seyn A. Gryphius
Horribil. 38
neudr. von einer verlobung ist wohl auch an folgender stelle die rede: in dem kôre der wîsheit unde des brandes sprichet sich got in die sêle alzemâle unde versprichet sich alzemâle in die sêle
d. mystiker 2, 122, 10
Pfeiffer. I@A@44)
die sichere aussicht auf etwas eröffnen; die gewisse hoffnung erwecken, dasz etwas eintreten werde, aber ohne die einwirkung des versprechenden. die vorstellung des sprechens tritt zurück. der von der handlung betroffene gegenstand ist gewöhnlich eine sache. versprechen
in diesem sinne berührt sich mit verheiszen;
vgl. Sanders
wb. d. synonymen 716.
dieser gebrauch hat sich erst in der jüngeren sprache herausgebildet; er erscheint um 1700,
verbreitet sich dann aber sehr schnell in der schriftsprache und hält sich in dieser lebendig. in den mundarten fehlt er. I@A@4@aa)
einem eine aussicht in die zukunft eröffnen, deren verwirklichung man nicht unbedingt herbeiführen kann: nachuolgen soll die freude die ich euch versprochen han Arigo
decamerone 2, 34
Keller; ach! liebste Sara, ich verspreche ihnen das ende ihrer pein Lessing
3 2, 275, 19 (
Sara Sampson 1, 7); geniesset im voraus der siege, die ich euch verspreche, weil ich die menschen kenne Klinger
werke 3, 27; wo ich ihr die freude machen kann, ihr eine gesicherte zukunft zu versprechen Immermann
werke 2, 116; hofmedicus Rehbein ... verspricht mir die beste wirkung Göthe IV 27, 121
Weim.; die wunde sey nicht gefährlich, die ärzte versprächen genesung Niebuhr
röm. geschichte 1, 247.
statt der person steht die sie auszeichnende eigenschaft als subject: jedennoch wenn man sieht, mit was fr zuversicht ihr frecher hochmuth dir Apollens gunst verspricht Neukirch
ged. (1744) 158; dasz der feind allzu hartnAeckigt ihm den sieg vorenthielt, welchen ihm die priester und die hertzhafftigkeit seines heeres doch schon vorher versprochen hatten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 46
b.
ein sächlicher dativ steht beim verb.: ich verspreche meinem Laokoon wenig leser, und ich weis es, dasz er noch wenigere gültige richter haben kann Lessing
schriften 3 17, 223; ich darf meiner schrift .. mit recht einen platz unter den moralischen büchern versprechen Schiller
werke 2, 12; sie versprachen den briefen, die sie an ihre freunde schrieben, gleichfalls die unsterblichkeit Bode
Montaigne (1793) 2, 205; ich verspräche gern diesem buche die liebe der Deutschen Hölderlin
dichtung. 2, 66, 1
Litzmann; da
[] man den conclusionen ohne prämissen sehr selten beyfall versprechen darf Göthe IV 26, 288
Weim. mit sächlichem subject: die ungewöhnliche freiheit, .. die kühne oft wilde schreibart, konnten meiner chronik keine lange dauer versprechen Schubart
leben und gesinnungen 2, 10. I@A@4@bb)
einem von einer person oder sache eine bestimmte aussicht oder erwartung erwecken: diese parlamenter von England leisten nicht, was man uns von ihnen .. verspricht Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 240; gib mir ein helleres licht über den wunderbaren mann, .. von dem du uns so viel versprichst Göthe 17, 134, 2
Weim. (
Grosz-Cophta 1, 4).
weiter verbreitet ist der reciproke gebrauch: sich viel dings von jemand versprechen Kramer
it. dict. 2, 884
b; sich viel von jemanden ver sprechen,
viel von ihm hoffen Adelung. Campe.
es berührt sich in der bedeutung mit sich versehen (
sp. 1247
ff.).
dieses beginnt im 18.
jh. abzusterben, jenes verbreitet sich zur selben zeit, so dasz sozusagen eines das andere ablöst. es taucht mit object im genetiv schon im 16.
jh. auf: (
Stauffacher) versprache sich keins andern, wann dasz er (
Geszler) im mitlerzit sin husz, herberg, hab und gut nemmen werd Tschudi
helvet. chronik 1, 253
b. I@A@4@b@aα)
sich von einer person etwas versprechen: dasz ich mir wenig von einem menschen verspreche, der bei der ersten leiche, die er sah, nichts fühlte Herder
werke 5, 658; das duldet ihr, graf, von dem der könig sich alles versprach? Göthe 8, 188, 17
Weim. (
Egmont I); was darf ich mir von euch versprechen? redet! mit welchem herzen kamet ihr hierher? Schiller 14, 27 (
braut v. Messina 1, 315); seine wissens-begierde, seine gelehrigkeit gegen die rAethe der philosophen, das sanfte und ruhige in seinem ganzen betragen bertraf alles, was sich Dion von ihm versprochen hatte Wieland
Agathon (1766) 2, 113; sie haben sich gewisz bey der abreise etwas von dem könig zu versprechen Lichtenberg
briefe 1, 113.
mit abhängigem satze: o glcke! dOerft ich mir von meinem sohn versprechen, dasz disz aufglimmend feur er sollte kOennen schwAechen Koenig
ged. (1745) 377.
das object ist durch ein substantiv näher bezeichnet: wie kannst du dir treue von einer buhlerinn versprechen Adelung; der beystand, den sich eine von der andern versprach
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 3; vielmehr verspreche ich mir eine belohnung von dem reichshofrathe Lessing
schriften 3 13, 142, 30; wie pflag ich nicht vor dem auff deine treu zu pochen? was hab ich mir nicht stets vor gunst von dir versprochen?
ged. v. Hoffmannswaldau
u. anderen 2, 28
Neukirch; und willst du einem solchen ruh und glück, willst du von ihm wohl freude dir versprechen? Göthe 10, 224, 2934
Weim. (
Tasso 5, 1); man kannte sie hinreichend, um sich hierauf keinerlei nachgiebigkeit von ihrer seite zu versprechen Ranke
werke 4, 155. I@A@4@b@bβ)
sich von einer sache etwas versprechen. das object ist allgemein bezeichnet: ich verspreche mir etwas von dieser unterredung Heyne; von einem entwurfe zwar versprech ich mir noch etwas Schiller 5
1, 135, 2845 (
Karlos 2, 13); der, wenn er was verschenkt, sich nichts davon verspricht Stoppe
Parnasz (1735) 293.
mit abhängigem satz: ich kan mir selbst schon von dem inhalte dieser geschichte versprechen, dasz sie fr den leser ... anziehend genug seyn werde Bahrdt
gesch. seines lebens (1790) 1, 2.
das object ist substantivisch ausgedrückt: ich verspreche mir von dieser unternehmung viel nutzen Adelung. gut! aber welchen vortheil versprichst du dir von allem diesem? Göthe 17, 143, 23
Weim. (
Grosz-Cophta 2, 2); wir haben gestern abends die mine springen lassen, und hat sie so ziemlich die wirkung gethan, die man sich von ihr versprechen können Lessing
schriften 3 18, 445; weil er sich von der beredsamkeit derselben diejenige art von ergOezung versprach, die uns ein geschickter gaukler macht Wieland
Agathon (1766) 2, 74; als die Seldwyler eine grosze aktienbrauerei anlegten, von der sie sich ein gewaltiges leben versprachen G. Keller
werke 4, 219.
[] I@A@4@b@gγ)
eine andere angabe findet sich als die aussicht erweckende person oder sache. der grund der hoffnung wird angegeben: darob man sich ein groszes versprechen können Leibniz
d. schriften 1, 329; viel versprach ich mir durch diesen besuch bei dem fräulein von Palden Hauff
werke 2, 240, 34.
der ort, an den sich die aussicht knüpft, ist erwähnt: man hat ursache .. sich einen baldigen und groszen fortgang in Kopenhagen zu versprechen Joh. E. Schlegel
werke 3, 258; sie verliesz die strasze, indem sie sich ruhe und erquickung an dem frischen orte zu versprechen schien Göthe 24, 73, 15
Weim.; doch alles sey auf die guten stunden aufgespart, die ich mir neben ihnen verspreche IV 8, 366, 12.
mit zeitbestimmung: nun, welchen lohn darfst du dir wohl versprechen nach deinen frechen ungezognen reden? Tieck
schriften (1828) 1, 287. I@A@4@b@dδ)
jede weitere angabe fehlt: versprich dir nicht zuviel glück Adelung; ich verspreche mir ihren beistand dazu Campe. ich betrachtete mit erstaunen die gewalt des göttlichen einflusses auf diese einfältigen menschen ... und so versprach ich mir auch die hülfe gottes Göthe 43, 358, 26
Weim.; diesem ... kränklichen manne, der sich nur noch wenige lebensjahre versprach Justi
Winckelmann 1, 317.
abweichend von dem sonstigen brauch ist das object eine person: der romanschreiber hat sich leser von verschiedenen stAenden, von verschiedenem geschlecht, von verschiedener denkungsart .. zu versprechen Miller
Siegwart (1777) 1, 4.
das object ist durch einen infinitivsatz gegeben: doch versprech' ich mir, sie heute noch einmal zu sehen Lessing
3 2, 291, 24 (
Sara Sampson 2, 4).
der infinitivsatz ist zu ergänzen: der erste konnte durch seine maschine das wasser nicht so hoch heben, wie er sich versprochen hatte Kaestner
schriften (1755) 1, 41. I@A@4@b@eε)
seltener liegt eine übertragung von persönlichem auf sächliches subject vor: aus diesem schlieszt sich leicht, was sich dein nahmenstag zum opfer dieses jahr von dir versprechen mag Günther
ged. bei Steinbach 2, 642; was fr einen beyfall kann sich ein solches werk erst alsdann versprechen, wenn der verfasser die kunst .. besizt ... Wieland
Agathon (1766) 1, 197; der geiz verspricht sich alles von seinen krAeften Möser
werke 1, 132; dein stolz empfand genugthuung, — dein herz versprach sich hoffnung Schiller 5
2, 272, 2439 (
Karlos 2, 15); alles ... steht gut, schön und ordentlich, es hat sich dauer zu versprechen Göthe IV 28, 121
Weim.; von dessen erreichung sich die praktische nautik zwar viel versprechen durfte A. v. Humboldt
kosmos 2, 375. I@A@4@cc)
etwas erwarten lassen, zu einer erwartung berechtigen. in der folge tritt die vorstellung des sprechens zurück, besonders bei sächlichem object. ganz vereinzelt schimmert in diesem falle die grundbedeutung von sprechen
hindurch, '
laute von sich geben' (
vgl. th. 10, 1,
sp. 2798): mit wie leichtem herzensregen horchet ihr der glocke nicht, die mit zwölf bedächt'gen schlägen ruh und sicherheit verspricht! Göthe 2, 120, 28
Weim. auch persönliches subject läszt nur selten eine aussage erkennen: daher rhmt Horaz den Homer, dasz er richtiger ... anhebe, und nichts verspreche, was nicht zu zu seiner handlung gehOere (
keine erwartungen erwecke) Dusch
schriften (1758) 179. I@A@4@c@aα)
trotz des persönlichen subjects ist die vorstellung des sprechens ausgeschaltet. die verbindung mit infinitivsatz erscheint uns zwangloser als mit substantivobject: der knabe verspricht etwas ordentliches zu werden Heyne; sie versprechen, ein ziemlich gebietrischer ehemann zu werden Lessing
3 2, 13, 24 (
Misogyn 1, 4); Lydie, ein artiges mädchen, ... das gleich in ibrer ersten jugend reizend zu werden versprach Göthe 23, 47, 19
Weim.; im jahre 1514 wählte das capitel den markgrafen Albrecht auch deshalb, weil er dem stifte mit den kosten des palliums nicht beschwerlich zu werden versprach Ranke
werke 1, 206.
[] mit sächlichem object, besonders gern allgemein gehalten: wir rechnen uns zur schande ein versprechen nicht zu erfüllen, das wir mit dem munde gethan haben ... ein guter mensch verspricht durch seine gegenwart nur immer zu viel Göthe 23, 116, 5
Weim.; eine solche lage für ein kind, das wirklich etwas verspricht, ist traurig genug IV 19, 356, 16; von jeglichem August, von jedem Friederich der Sachsen eh beherrscht, verspricht er uns in sich König
ged. (1745) 38; einen mann .., der schon damals versprach, was er hernach so rühmlich hielt Schubart
leben u. gesinnungen 1, 180; er verspricht, von auszen wenigstens, alles gute Holtei
erzähl. schriften 3, 184; warst a klug' menscherl und hast was saubers versprochen Anzengruber
werke 8, 40.
weniger zwanglos erscheint die verbindung mit substantivobject: erstere (
mitschüler) versprechen äuszerlich zwar ein rechtschaffenes gemüth Schiller
werke 1, 17; der kranke Feodor, der neben seinem wütherich von vater als blasser schatten zitterte, versprach kein langes leben Hebbel
werke 6, 22 (
Demetrius, vorspiel 10).
kühn muthet uns die verbindung mit persönlichem object an: einen mann .., der gewiss einen eben so grossen und originellen mahler verspricht, als seine vorfahren tonkünstler gewesen sind Lessing
schriften 3 18, 199; wir streiten nicht mit Romulus volk in seiner kindheit! wir streiten mit Romulus volk in seiner mannheit! das kind versprach, und hielt den blutigen, ruhmtrunkenen jüngling! der jüngling den welterobernden mann Klopstock
werke (1806) 9, 209. I@A@4@c@bβ)
dem persönlichen subject am nächsten steht ein sächliches, das eine anlage oder eigenheit der person bezeichnet: seine fähigkeiten versprechen einen groszen mann Adelung; Gustav Adolf .. offenbarte keine glänzenden anlagen und eigenschaften, doch solche, die einen treuen redlichen festen und arbeitsamen könig versprachen E.
M. Arndt
an s. l. Deutschen 1, 180.
das object ist allgemein gehalten: dasz er weit mehr leistet, als sein äusserliches verspricht Rabener
werke 6, 9; gut! das zittern deines antlitzes verspricht viel! Gerstenberg 259, 26
Hamel; ein junger mensch, dessen genie zur mahlerey viel versprach Abbt
werke 2, 54
anm.; mir waren die .. augen .. zuwider gewesen, und auch jetzt noch schienen sie mir nichts gutes zu versprechen Storm
werke 1, 75; ein andrer hat zwar viel geschicke, doch weil die miene nichts verspricht Gellert
bei Adelung; Agathon halte in der nähe nicht, was sein ruhm ver spreche Wieland
Agathon (1766) 2, 159.
das object ist ein substantiv: ihr körper war gut gebaut, nur dass ihre glieder einen stärkeren wuchs versprachen, oder einen zurückgehaltenen ankündigten Göthe 21, 154, 4
Weim.; prinz, deine bildung, voll jugendlicher anmuth, verspricht ein sanftres gemüth Lessing
3 2, 356, 12 (
Philotas 2); ein jeder zug (
des gesichts) versprach mehr innre gaben noch Ramler
fabellese (1783) 1, 118; wie gleicht dein edles herz dem himmlischen gesicht, das einen schönen geist beym ersten blick verspricht! Wieland
werke I 1, 96
akad. ausg.; Födor war kinderlos, und keinen erben versprach der czarin unfruchtbarer schooss Schiller 15
2, 441 (
Demetrius 1, 106).
bei thieren: der elephant verbirgt mehr als tierischen verstand .. unter einem plumpen äuszeren wesen, das nicht den mindesten geist verspricht
M. Mendelssohn
bei Gökingk, Nicolais leben 186.
auf die comödie übertragen: dabey das naturell und die beywohnende lust wider alle difficultæten das allerbeste mittel versprechen musz Weise
comOedienprobe (1696)
vorrede b 9.
mit infinitivsatz: mit ... grossen schwarzen augen, die jetzt noch nichts sagten, aber einst viel zu sagen versprachen Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 140; die angebohrne lebhaftigkeit des recens. verspricht dem dithyrambendichter scharf zuzusetzen Herder
werke 1, 308;
[] dein gtigseyn verspricht ja noch mir nicht die strafe beyzulegen Stoppe
Parnasz (1735) 33. I@A@4@c@gγ)
das geschick, das leben, die sitte, eine lage werden von persönlichem einflusz auf das menschliche leben gedacht: du erfuhrst noch nicht, dasz der schmerz sich oft zu wollust heuchelt, und die hoffnung stets zu viel verspricht Wieland
werke (1794) 9, 306; wem haben wir versaget, was sitt und recht versprach? A. Gryphius
Leo 2, 1, 68 (44
Palm).
häufiger mit dativ der betheiligten person: die vorsicht verspricht euch ein zAertlich vergngen Günther
bei Steinbach 2, 642; Melina bedauerte, dasz die schwächliche gesundheit Aureliens ihr kein langes leben verspreche Göthe 22, 248, 25
Weim.; er fühlte sich zu unglücklich in seiner militärischen lage, als dass er bedacht hätte, dasz jede andere ... ihm noch weniger glück verspricht Moltke
schriften 4, 13.
mit allgemeinem object: dies ist eine vornehme rede, welche spricht: 'was uns das leben verspricht, das wollen wir — dem leben halten!' Nietzsche
werke (1904) 6, 292 (
Zarathustra 3). I@A@4@c@dδ)
eine äuszerung, ein anlasz, eine unternehmung, eine thatsache usw. berechtigen zu gewissen erwartungen: der anschein verspricht nicht viel Adelung; am Melo kannst du sehn, was dir dein rath verspricht Gottsched
deutsche schaubühne 4, 27; der französische ausdruck verspricht mehr, als er leistet Bode
Yorick (1768) 1, 132; gleich die ersten unterredungen ... versprachen nicht viel Häusser
deutsche geschichte 4, 250.
substantivobject: aber ich habe projecte, die noch schneller und sicherer guten erfolg versprechen Göthe 45, 132, 5
Weim.; und da dies grosze thema so viel aussichten in die psychologie und naturordnung des menschlichen geschlechts .. verspricht — wer wollte sich nicht daran versuchen? Herder
werke 5, 21; daher steht an der spitze jeder wissenschaft ein begriff, durch welchen sie eine .. erkenntnisz in abstracto verspricht Schopenhauer
werke 1, 105; der anfall verspricht mir aber für die zukunft nicht viel gutes und keine lange zweite ehe Herwegh
briefe 36.
mit infinitivsatz: der einfall, den sie hatten, ... war der sinnreichste von der welt, der uns am geschwindesten zu unserm zwecke zu führen versprach Lessing
3 2, 12, 12 (
Misogyn 1, 4); ist sie fähig, den schein wegzuwerfen, so war sie es noch mehr, die that zu thun, die verborgen zu bleiben versprach Ludwig
schriften 5, 403. I@A@4@c@eε)
von gegenständen gebraucht: der barometer verspricht gutes wetter Paul; doch mancher siegeskranz von deiner tapfern faust verspricht ihm neuen glanz Koenig
ged. (1745) 163;
ein wandersmann sieht) einen tempel vor sich liegen, der dem geblendeten gesicht ein achtes wunderwerk verspricht Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 14; ein grosses waitzenbrodt lag mitten auf dem tische, und ein weinkrug, an jedem ende desselben, versprach freude, alle absAetze der mahlzeit hindurch Bode
Yorick (1768) 2, 151; die flasche verspricht alles mögliche gute Fontane
werke I 5, 195.
mit folgendem infinitiv: weil die linie verspricht, eine lukrative zu sein Moltke
schriften 7, 34; ein grasgrüner ofen verspricht im winter gute dienste zu leisten L. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 189. I@A@4@c@zζ)
besonders beliebt bei naturerscheinungen: diese witterung verspricht eine reiche ernte Adelung; die obstbäume .. versprachen .. eine gute ernte Gutzkow
ritter vom geist 1, 35; da nebel mir die welt verhüllten, die knospe wunder noch versprach, da ich die tausend blumen brach, die alle thäler reichlich füllten Göthe 14, 14, 189
Weim. (
Faust, vorspiel); die auf zahlreiche nelkenstöcke verwendete sorgfalt versprach den mannichfaltigsten flor, ... und wie manche laube versprach nicht zunächst mit geisblatt, jasmin,
[] reben- und rankenartigen gewächsen zu prangen und zu schatten 25, 46, 10; ein frischer .. schnee versprach eine rasche und prächtige fahrt Fontane
werke I 2, 3; es glich dies gefühl dem streifen abendroth, der am trüben himmel einen doch vielleicht erträglichen morgen und tag verspricht Holtei
erzähl. schriften 2, 87; weil der blanke himmel eine kühle nacht versprach Stifter
werke 3, 289; des morgens hat der himmel wenig versprochen mit seinen nebeltrüben augen Rosegger
waldschulmeister 111.
mit infinitiv: die vier letzten monate .. des jahrs versprechen für Weimar sehr lebhaft ... zu seyn Göthe IV 22, 118, 17
Weim.; um .. die dem aufgang der sonne voreilende Venus, welche eben heute in ihrem vollendeten glanze zu erscheinen verspräche, zu schauen und zu begrüszen I 24, 184, 20. I@A@4@c@hη)
bei naturanlagen: der boden .. giebt .. reichen ertrag und würde europäischen pflanzern den grössten gewinn versprechen Ritter
erdkunde 1, 319; eine menge täler und einschnitte .. versprachen eine reiche zuflucht für fortwährende streifereien G. Keller
werke 1, 202.
mit infinitivsatz: (
er) begab sich auf den weg, der ihn vor andern ans ziel zu führen versprach Göthe 25, 63, 8
Weim.; was die lage ... jeder gegend fr waaren am leichtesten und wohlfeilsten zu zeugen versprAechen A. v. Haller
Usong (1771) 109. I@A@4@c@thθ)
bei allgemeinem hinweise auf den inhalt eines satzes ist das subject neutral: so versprach es besseres als die menschen den blick erhoben, um im gestirnten himmel die unbekannten urheber zu suchen Peschel
völkerkunde 264; einer seiner romane heiszt beispielsweise der 'bauch von Paris'. ah, sagte Phemi. sehr interessant. das verspricht etwas Fontane
werke I 4, 65; doch wann du mich nur zu meinem zwecke bringst! — der anfang verspricht es Lessing
3 2, 325, 4 (
Sara Sampson 4, 5).
durch auslassung des objects entsteht eine absolute form: Narbonne. ich liebe dieses feuer an einem jungen kriegsmann.
Selicour. o allerdings, das verspricht! Schiller 14, 245 (
parasit 4, 3); ich denke, wir werden hier eine gute campagne machen. der anfang verspricht Klinger
werke 1, 106. I@BB. versprechen
in befürwortendem sinne gehört der mittelalterlichen rechtsprache, und zwar vorzugsweise der oberdeutschen, an und ist heute abgestorben. seine grundform weist das präfix in der dem goth. faur-
entsprechenden form auf; ahd. furi-sprëchan,
mhd. vürsprëchen,
vgl. sp. 1449
abschnitt 3. versprechen
saepe usurpatur pro vorsprechen, fürsprechen Haltaus 1895.
ahd. far-sprëchan '
defendere, loqui pro'
steht neben furi-sprëchan '
defendere, satisfacere pro' Graff
sprachschatz 6, 378
ff.; defendere furispréchan Steinmeyer-Sievers
gloss. 2, 332, 38.
im altengl. ist für das verb. eine entsprechende bedeutung zu erschlieszen aus dem substantivum forspeca, -spreca,
advocatus, patronus Bosworth-Toller 318
ab,
für das altnord. aus forsprakari,
talsmand Fritzner
ordbog 1, 462
a.
im mittel- und niederdeutschen ist dieser gebrauch selten. die sprache Luthers
kennt in diesem sinne nur vertreten,
und das Basler neue testament von 1523
erklärt das vertritt
der Lutherbibel durch das oberdeutsche verspricht, verweset Frommanns
zeitschrift 6, 44.
die älteren wörterbücher kennen versprechen
in dieser bedeutung selten: verspreken,
fideiubere, stipulari, excusare Kilian (1599) 604
b; einen versprechen, verantworten,
excusare, defendere .. patrocinari alicui Dentzler 312
b; sich oder einen andern versprechen,
verba facere pro se vel alio, verbis et patrocinio se vel alium defendere in iudicio vel extra Haltaus 1895; versprechen einen,
für einen sprechen, ihn als schützling, untergebenen gegen andere vertreten Schmeller
2 2, 698. —
für einen oder etwas sprechen, bürgen, eintreten; einen oder etwas vertreten, vertheidigen, verantworten, entschuldigen. I@B@11)
intransitiv. absolut: chain frau hat nicht gewalt ân irs mans willen weder ze versetzen, noch ze versprechen (
bürgen), denn umb drei kreutzer
tirol. weisthümer 4
1, 261, 29. I@B@1@aa)
gewöhnlich für einen: welche die vor für einander versprochen hetten, die sullen .. verhaft sein
d. städtechronik. 2, 498, 14; vier erber pürgen, vier edel, die versprachen
[] fur in also: wär, daʒ sich I. A. nit stalte, so solten si behaft sin fur in zuo antwurten oder aber zwelfhundert gulden fur in 4, 103, 9; do wier morgens zum thor kamen, wolt man uns nit inlassen, wier hettend den ein brgen in der stat, den wir kandtend ... der kam, versprach für uns, do liesz man uns in Th. Platter 25
Boos. seltener steht um: niemand soll kainen unbekannten menschen lenger wann ain nacht beherbergen, er wisze umb in zu versprechen, und umb in antwort ze geben
tirol. weisthümer 2, 368, 27. I@B@1@bb) für etwas: seytmal ir mir do für versprecht es nicht sünde sey (
die wahrheit zu sagen) so will ich euch es sagen Arigo
decamerone 23, 14
Keller. I@B@1@cc)
auch dativ der person oder sache, für die gebürgt wird, ist nicht häufig: einem versprechen,
sich durch sein sprechen fr ihn verwenden, fr ihn sprechen, ihn vertheidigen Campe. diu werch der erbermherzechait .. fürsprechent dem menschen
d. predigten 1, 60
Grieshaber; .. sullen die burger gemainlich zu Auspurg den selben iren weiben und kinden .., fürbaʒ weder versprechen, hawsen noch hofen
d. städtechronik. 4, 181, 27; für
bezeichnet gegen: sag deiner frawen künigin, ich wöll jr für schaden versprechen
Octavian volksbuch (1675) C 1.
mit doppeltem dativ: doch versprecht ir mir in dem handel dem gaul für die verbotten wandel, dasz er nit sey reudig noch rützig, auch nit haarschlecht, stetig noch stützig H. Sachs
werke 17, 425, 5
Keller-Götze. I@B@22)
mit accus. der person, einen vertheidigen. dieser gebrauch lebt noch im schweiz. und schwäb.: verantworten Stalder 2, 386;
entschuldigen zeitschr. f. d. mundarten 2, 311;
einen wegen nichterscheinens entschuldigen, für einen andern eine erlaubnisz nachsuchen Fischer 2, 1346; Aenneli ... fing an den Felix zu versprechen: er hätte es sicherlich nicht so bös gemeint Gotthelf
schriften 20, 353. I@B@2@aa)
ohne weiteren zusatz schon ahd.: mít uuélero uertrôstedo ... íh fersprâche tîe únscúlde,
defenderim innocentiam Notker
schriften 1, 33, 15
Piper; deta éiner thes tho rédina, firspráh thie selbun thégana Otfrid 3, 12, 23; (
gott könnte seine engel senden) thaʒ síe mich hiar firspráchin jóh mih sar giráchin, irrétitin mit suérton úʒar iro hánton 4, 17, 19;
mhd. der künec Artûs mit einer wide woltʒ gerne hân gerochen, het ich dich niht versprochen Wolfram
Parzival 524, 30; ich verspreche se (
die frau) als ich sol. sô gezimt doch verre baʒ daʒ ich alsô tôt lige dan ich sô grôʒ unreht verswige Konrad Fleck
Flore 4567.
rechtsquellen: gereisige und fuszknechte, die nicht herren haben, die sie versprechen oder versolden
bair. landtagshandl. bei Schmeller
2 2, 699; wan kain edelmann sie, er msse ainen herren haben, der in verspreche
schwäb. quelle bei Fischer 2, 1345; was von freileiten under dem gotzhaus sind geborn, die sol ain jeder brobst und amptmann versprechen
österr. weisthümer 6, 269, 4; die aigen leut, die sie wider edel und unedel aufnemen umb järlich zinse zu versprechen
d. städtechronik. 5, 300, 2; er klagt seiner gemahl die liderlichkait von iren sönen ... aber sie versprach die jungen, so best sie mocht
Zimmer. chronik 2, 430, 14.
nhd. wie aber der papst desz inen ward (
dasz der kaiser ihn wegen mordes zur rechenschaft ziehen wolle), schicket er .. sein bottschafft zum keyser, jn (
sich) zuversprechen Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 1, 232
b; noch darff ich der schmach keine rechen. so thut auch niemandt mich versprechen. muss auch sommer und winter wandern H. Sachs
werke 9, 9, 14
Keller; versprachest sy, sy wisztens nit, darumb du thetst ein früntlich bit, das ins der vatter nach solt lon, die dir das lemmen hetten thon Murner
narrenbeschwörung 31, 56
neudr.; welchs doch Cardanus widerficht sie wie ein hundsfürsprech verspricht Fischart
Flöhhaz 66, 58
neudr.; [] solt ich min fründ erst nit versprAechen, so jr jm alle schand vftrAechen? Manuel
weinspiel 621
neudr.; wer er unschuldig gewesen, ob er gleich gefangen worden, hett er sich noch selb entschuldigen künnen; sie het ihn nit dörffen versprechen Frey
gartengesellschaft 113, 16
Bolte. I@B@2@bb)
mit synonymen verben: da süllen wir si versprechen und fürstan
Ulmer quelle v. 1337
bei Fischer 2, 1345; soellent .. sy allerweg verston, vertretten und versprechen
ebd. (
a. 1370); die von unsern und des reichs wegen halten, versprechen, schüczen und schewren
d. städtechronik. 1, 119, 33; darnach hat der Radawer die von Augspurg verantwort und versprochen, so er pest mocht 5, 328, 16. I@B@2@cc)
angegeben wird das mittel, womit man für einen eintritt: swer mir daʒ hilfet rechen, den wil ich versprechen mit lten und mit lande Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 6300; sint daʒ er sie mit ritterschaft het versprochen unt wær worden sigehaft, sô het in wol behabt die kiusche reine
Lohengrin 2259
Rückert. I@B@2@dd)
die angelegenheit, in der man ihn beschützt: lihet ein herre ein guot einem man ze lehen, .. der herre sol den man versprechen an dem guote
schwäb. quelle bei Fischer 2, 1345; ob ewern gn. yendert anders von uns fürpracht und gesagt würde .. daʒ uns denn ewer fürstl. gn. darinne versprechen
d. städtechronik. 5, 341, 32.
vertretung in der taufe: eyn wuocherer ist gar ein wicht vnd hat nit adels namen. wan man daʒ vint daʒ er keyn kint mag in den dauff versprechen Muskatblut 76, 42
Groote. die wendung das taufkind versprechen
wird von den paten im schwäb. dialekt noch gebraucht Fischer 2, 1346. I@B@2@ee) vor, bei, gegen
zur bezeichnung des andern theils: daʒ er uns dâ bescirme und uerspreche uor dem obrosten rihtære
speculum ecclesiœ 126
Kelle; (
sie) paten .. vor dem bapst .. sie darumb zuo versprechen
d. städtechronik. 22, 106, 1; deszgeleichen da er (
Cicero) vor dem Cesare, den Quintum Ligarium, vnd den knig Deiotarum versprach Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 15
a; daʒ sy vns als jre ellende todliche mitglide bey got verspreche vnnd befüder auch gnad erwerbe Berthold v. Chiemsee
theologey 600
Reithmeyer; ob wir im hettn gethan zu viel, wolt das unser thorheit zu-rechen und uns all gar trewlich versprechen bey alten, frummen, erbern frawen H. Sachs
werke 14, 58, 29
Keller-Götze; ich hab verloren meinen herren, der mich genädiklichen an sach und mich gen Martha versprach
Tirol. passionspiele 144
Wackernell; wie der herr Mariam Magdalenam gegen der Martha versprach Keisersberg
bei Schmeller
2 2, 699; aber in zeitlichen versprechent und beschirment sie ein hochweiser rat gegen der welt
d. städtechronik. 3, 92, 12; da baden sie in auch, das er die stat versprach gen dem babst 22, 503, 18; den en schal neyn kopman vorspreken eder vordeghedingen weder den meynen kopman
mnd. quelle v. 1389
bei Schiller-Lübben 5, 456
b.
mit für (
als): swelhe burger hin auʒ fert auʒ der stat mit weibe und mit kinden ane urlaubt, so sol man in furbas für einen burger niht versprechen
Nürnberg. polizeiordn. 14
Baader. I@B@2@ff)
mit genetiv der sache, deretwegen man für einen eintritt; einen von einem fehl lossprechen: ahd. uuîo Boetius .. uuás incusans fortunam únde sia philosophia dés ferspráh Notker 1, 225, 21
Piper; Artus iach waʒ solt ich an im rechen. ich weiʒ an im die trewe, daʒ ich in aller wandel muʒ versprechen
jüng. Titurel 1413, 4
Hahn; der wirt sprach: der wandel und brechen thu ich euch meinen gaul versprechen (
var. frey ledig sprechen); iedoch ich euch hie nicht verhel, der gaul hat einen kleinen fehl H. Sachs
werke 17, 425, 10
Keller-Götze. ein nebensatz giebt an, von welcher schuld man losgesprochen werden soll: [] wie wiltu dich versprechen lan, das du das übel hast gestifft Murner
narrenbeschwörung 139, 87
neudr. I@B@33)
mit accus. der sache: für etwas eintreten, etwas verantworten. I@B@3@aa)
für ein besitzthum eintreten: reich, stadt, hof, gut, pfand, leib, ehre; als man den künic kiuset, so sol er .. sweren ... daʒ er daʒ reht sterke ... und daʒ riche verspreche an sinem rehte
schwabenspiegel 101, 1; das du den ... abte sein leib, sein leuthe, sein ehre vnd sein guthe seines gotteshausz, schirmest, versprechest, verantwortest, vnd ihm beholffen seyst gegen allermanniglichen
erlasz kaiser Ludwigs a. 1333
bei Haltaus 1896; ob wir ... in ir pfand und sAetzze nit vertegotind oder versprAechen nach dem rehten
schwäb. quelle v. 1384
bei Fischer 2, 1345; muoʒ ich dir dienstlich undertênig wesen, lieb, so versprich din eigen, hilf, lieb, mit lieb vor leide mir genesen Hadamar
die jagd 43
Schmeller. I@B@3@bb)
für andere dinge eintreten: vil lassen sich mit gelt bestechen, dasz sie desz reichen sach versprechen (
als sachwalter) H. Sachs
werke 19, 31, 13
Götze; die manheit musz ich hie versprechen noch tüglicher zum regiment, weil wir kün und groszmütig send 4, 10, 39
Keller; und des guten, frommen Aventini buch auch tapfere patronos und autores hette, die es vertretten, versprechen und .. verteidingen könten Aventinus
werke 1, 302, 15
Lexer. I@B@3@cc)
für eine handlung eintreten: vnd welcher ein sOelichen esel verkauffen wOellen, der hat ... guoten glauben versprechen mssen, dass er kein mangel wüsse Gesner-Forer
thierbuch (1563) 42
v; swâ sô ich versprechen sol mîns herren laster unde mich, entriuwen, daʒ verspriche ich Gottfried
Tristan 15480; nun ist aber vnser meinung gar nie gewesen, von dissen miszbrüchen zuo reden sie zuo versprechen, oder in einicherlei weg vnsz der selben zuo beladen, dan allein waʒ vnseren glauben berüren mOecht Murner
a. d. adel 34
neudr.; nit lern dyn kindt das wider spil, es ist mit dyner sündt zuo vil, vnd kanst die dyn versprechen nit; wes lerstu dann dyn kindt damit?
narrenbeschwörung 168, 19
neudr.; de koning wart thornich up dat kynt unde he wolde dat laten doden, doch so wart dat vorsproken, dat it were eyn kynt unde it hedde dat ghedan van kyntheit
mnd. quelle bei Schiller-Lübben
wb. 5, 456
b.
wie schon dieses versprechen
etwas neigung zu negativem sinne zeigt (
vgl. sp. 1449
abschnitt 4),
so noch deutlicher ein mnd. vorspreken '
verzeihen': olt schande dicke wert vorsproken unde olt schade ôk ein dêl darmede Gerhard v. Minden
fabeln 99, 30; deme wulwe ruweden sine sunde, unde up dat he gnade vunde ... unde uppe dat al vorsproken worde, wat he ovels jo begink ... so wolde he dat vlêsch vorloven 57, 4. I@B@44)
festgewordene redewendungen der rechtsprache, die auf 2
und 3
zurückgehen: etwas zu versprechen auf sich neMen,
patrocinium rei suscipere; das stehet mir zu versprechen,
hoc fidei meae custodiaeque est commissum Dentzler 312
b; Haltaus 1896; Fischer 2, 1346. I@B@4@aa)
von personen, über die ein herr die patronatsrechte ausübt: die (pauren) von der Loe die waren des mals mein zu versprechen
d. städtechronik. 2, 20, 3; wöllen .. ewer durchleuchtigkeit, der ewern und aller der, so euch zu versprechen und zu vertädingen steen, veind sein 5, 248
anm. 1; den alhiesigen armen leiten die leibaigenschaft keineswegs abzuthon gleichwol .. sich die jenige, so proprie dem rat alhie zu versprechen stehen, albereit alle für freye leut hinbringen
quellen zur gesch. des bauernkrieges 310
Baumann. I@B@4@bb)
von gütern: das closter Herren Alb, das dem reich zu versprechen staet,
quod est immediate in patrocinio ac tutela imperii Haltaus 1896 (
a. 1408);
[] die jungkfraw stet mir zu versprechen H. Sachs
werke 2, 7, 21
Keller. I@B@55)
reflexiver gebrauch. ungewöhnlich ist sich versprechen für einen,
fidejubere, appromittere Dentzler 312
b,
sich für einen verbürgen; vielmehr sonst durchaus üblich: sich rechtfertigen, entschuldigen. schon ahd.: fraget ínan es in wár; er hábet ju thaʒ áltar, thaʒ er in thésen thingon firspréchan mag sih sélbon Otfrid 3, 20, 94;
mhd. der eine chod, hâti gechoufet ein dorf vile guot, er muose daʒ bescouwen, pat sich firsprechen
genesis, fundgruben 81, 15.
auch hier tritt die neigung zu negativem sinne hervor, besonders in der verbindung mit genetiv (
vgl. 2
f): dieweyl er sich desz alls verspricht (nimmer than, ist die beste busz!) ... darumb vergebt, das ist mein rhat, weyl noch nichts ubels ist geschehen H. Sachs
werke 17, 77, 34
Kèller-Götze; vertritt dein sach selbs, versprich dich,
actutum partes defendas tuas Maaler 436
a; do sind unser leut fürgestanden und haben sich versprochen .. und ir unschuld erpotten laut
d. städtechronik. 22, 205, 12; sie wainet und gehueb sich übel, versprach sich, so böst sie mocht, aber es wolt nit helfen
Zimmer. chronik 4, 302, 17; und ruoftend im (
herzog Friedrich) ze drymalen, ob er sich versprechen wölti oder ieman anders von sinen wegen Richental
chronik des Constanzer concils 101; gefordert sich zuo versprechen, kont ers nit Seb. Franck
chronicon Germaniae (1538) 73; so sich aber Esopus von trägi wegen syner zungen nit kan versprechen, so würt er geschlagen Steinhöwel
Äsop 39
Österley; daʒ vns vwer vffrierigs fürnemmen wider den bapst nit würd bewegen, er hab sich dan vor versprochen vnd sey zuo verhOere kummen Murner
a. d. adel 38
neudr.; so du, herr, wilt die sünde rechen, ach herr, wie kan ich mich versprechen? H. Sachs
werke 18, 496, 1
Keller-Götze; littend jr dise schand vnd schmach vnd wOeltend jr üch nit versprAechen, wltends aber wir buwren rAechen Manuel
weinspiel v. 2266
neudr. mit synonymen verben: S. Paulus hat auch da wider den kluogen reder Tertullum sich selbs gar vernünfftigklich entschuldiget vnd versprochen Seb. Franck
weltbuch (1534) 225
b; do der herr sich versprochen vnd verantwurtet hatt Keisersberg
postill (1522) 2, 54.
mit abhängigem satz: der edelman versprach sich: er hette das pferd nicht hinweg gefhret, es were so hartmAeulig, es hette jhn hinweg gefhret Zinkgref
apophthegmata (1628) 1, 129; die fraw versprach sich, sie wolt alwegen unschuldig sein Pauli
schimpf (
Augsburg 1536) 41
b; wan man sie etwas hayszt, so versprechen sie sich, vnd sprechen, man solt es ein andern hayssen 68
b.
mit präpos. angabe vor, gegen: und ist keir nit, der das betracht, wie er sich well vor gott versprächen Ruff
Etter Heini 239
Kottinger; wie wollen wir uns da .... für Christo versprechen? Gretter
erklärung d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 816; liessen sy ... ir unschuld aufschlachen im reich, versprachen sich gegen menicklich, das sy weder wort, noch werck umb solliche büntnus westen
quellen z. gesch. des bauernkriegs 144
Baumann. um
giebt den grund an: das er denselben hertzog Fridrichen umb diss sach laden solt für sin römisch gericht, sich allda umb aller sachen zuo versprechen Richental
chronik des Constanzer concils 63. I@CC. versprechen '
in anspruch nehmen, mit beschlag belegen'
steht A
nahe. an stelle der in die zukunft weisenden verpflichtung tritt die forderung. auch die beziehung zu B
ist enge: ein gut versprechen
mag ursprünglich den sinn haben '
die mit dem lehen verknüpften pflichten übernehmen'.
dieser gebrauch fehlt in der literatur und gehört ausschlieszlich der rechtsprache des späteren mittelalters an, ist also lange erloschen. I@C@11)
ein gut in anspruch nehmen: kumet iener für ... und verstêt sin gut, also daʒ er sprichet: herre, ich bin hie, und verspriche min gut, als min reht ist: so so hat er rehte gewer dar an
schwabenspiegel 178, 2; als
[] der knecht kumet ze vierzehen iaren und diu maget ze zwelf iaren, so sint si ze ir tagen komen, so versprechent si ir gut wol 292, 2; si mag ir gut mit rechte wol versprechen unde behalden
kulm. recht 5, 58; nene vnmundighe vrouwe mach vorspreken ere gudt sunder erer negesten vulbordt
lübisches recht 292,
anm. 11. I@C@22)
eine anderweitige forderung geltend machen: swilich man heit recht eigen in dirri stad unde daʒ in gewalt unde gewerin jâr unde tac unvirsprochin vor den lûten di innewendic landis sên, inhabin uʒ (eʒ) di nicht virsprochin bin êmi jâre unde bin êmi tage, sô habin su uri vorderunge virlorn
Mühlh. rechtsbuch 38, 5; daʒ gelt mag nîmant vorsprechen vor dem tage
kulmisches recht 3, 120; sîn gut wart meistic undertân den burgen, die sich râchen und den zins versprâchen mit rechte und mit gewalde
Marienlegenden 29, 30
Pfeiffer. I@C@33)
mit beschlag belegen: arestare vel arrestare, anfertigin,
vel bekommern, eyn ding, czu vorsprechin mit rechte
ostmitteldeutsches glossar IV f 83, 254
ra (
kgl. bibl. Breslau); kauffet ein man diubik gut .. unde setzet daʒ an die iuden erremals, e manʒ in siner gewalt verspreche
Augsburg. quelle bei Fischer 2, 1346.
gewöhnlich mit dativ der person: welch man ouch beseʒʒen ist in Vrîberc, deme mac des sînen nîmant nicht verbîten noch versprechen
Freiberg. recht 168; hod denn der richter seynen knecht dor czu gelegin, das dem erbarn manne das pferd mit gerichte vorsprochen ist (
paulo ante: verkummert)
quelle bei Haltaus 1895. I@C@44)
einen festnehmen, verhaften: einen diep versprechen mit gerihte
Mühlh. rechtsbuch 36, 30. I@C@55)
in anderem sinne, einen in anspruch nehmen, fordern: dasz der Zwingli nach unser beyder verhörten disputation ... fest und ungeweigert blyben wölle, und nit thüge wie Martinus Luther, darinn die von Paris als richter .. versprochen hat. als aber die von Paris wider ihn declariert und erkennt, wollt er ihrem urtheil nit anhängig syn Anshelm
Berner chronik 6, 242. IIII. versprechen
in negativem sinne. über die berührung mit I
s. sp. 1449,
abschnitt 4.
der negative sinn tritt am schärfsten hervor in der seltenen reflexiven wendung: ahd. unsih firperames, unsih firsprehhames, unsih firsprehhimes,
parcamus (
ab otioso sermone) Steinmeyer-Sievers
gloss. 2, 277, 19; Graff
sprachschatz 6, 379;
mhd. sich versprëchen,
sich des sprechens enthalten Lexer
hdwb. 3, 247. II@AA.
in abrede stellen, verleugnen, verweigern, zurückweisen, aufgeben. vgl. altengl. forspecan,
frustra dicere, negare Bosworth-Toller 318
a.
ahd. prohibere, abnuere, renuntiare, repudiare Graff
sprachschatz 6, 378; firsprach,
abnuit Steinmeyer-Sievers
gloss. 4, 27, 27; 128, 6; 166, 17; ni firsprach,
non abnui 1, 441, 8; uirsprahsih, firsprach, widirsprah,
renuntiavit 1, 545, 18.
ndl. verspreken,
refellere Kilian (1599) 604
b.
älter nhd. vorsprechen,
mit worten von sich ablehnen Frisch 2, 307
a;
negare, denegare, contradicere, verbis vel ipso facto repellere; iudicialiter denegare, prohibere, interdicere Haltaus 1894
ff. Campe. Schmeller
2 2, 698. Staub-Tobler 1, 907. Fischer 2, 1346.
bei allen als veraltet angeführt. II@A@11)
in abrede stellen, verleugnen, widerrufen. II@A@1@aa)
mit persönlichem object: mîn wol verfluchte zunge, die mînen got versprochen hât, sol nimmer vallen ûf den rât daʒ ich sie ouch verspreche
Marienlegenden 218, 199
Peiffer; do in (
Petrus) der stein der vorchte drucken wolde in ungemach, wand er Christum versprach
passional 431, 26
Köpke; Parzivâl zuo sîm bruoder dô sprach 'wiltu die muomen mîn haben, al die gote dîn muostu durch si versprechen ..' Wolfram
Parzival 816, 27. II@A@1@bb)
mit sächlichem object: ahd. thie ungilóubige thie ábohont iʒ álle firspréchent io zi nóti thio wúntarlichun dati Otfrid 1, 15, 44;
[] mhd. swie daʒ ir schepfær ræche, die nôt ich niht verspræche, daʒ Brôbarzære frouwen lîp mit ir hulden wær mîn wîp Wolfram
Parzival 219, 30; sus was da mæniger, der an Crist gelovben heinliche iach, unde eʒ doch berlût versprach, ze liebe dem herren sin
Barlaam 343, 38
Pfeiffer; vnd klagt da an Hug Kamben .. vnd sprach, der sumti si an etlichen gütern dera si ze erb kommen wär ... desz stalt sich derselb ... mit einem fürsprechen, vnd sprach, er welte das versprechen
quelle v. 1374
bei Haltaus 1896; meinstu (
Luther) es (
unser nachgeben) aber in etlichen myszbrüchen, vnd beschwerden so der bapst vnd sein hoff sOellent wider recht thuon, das kinnent wir nit versprechen dan wir sein weder bericht haben noch beuelhe Murner
a. d. adel 28
neudr.; het auch mein arbayt ein gebrechen, mit lügen kund ichs bald versprechen H. Sachs
fabeln 1, 98, 43
Götze. II@A@1@cc)
mit abhängigem satz: dat Diderik min vrund si, vorspreke ik nicht; ik mach an des nicht vorseggen, sint ik sin suster hebbe
d. städtechronik. 7, 14, 7.
die fähigkeit absprechen: mein heyllosz weib mir da verspricht, ich wisz kein weib zu halten nicht H. Sachs 17, 129, 18
Keller-Götze. II@A@22)
etwas verweigern, abschlagen. das object ist stets sächlich: ahd. óbaʒ, theih hiar fóra quad, thaʒ er mo hárto firspráh: hárto sageta er imo tháʒ, thaʒ er mo bórgeti thiu baʒ, joh mit thráwon thuruh nót iʒ filu wásso firbot Otfrid 2, 6, 4
mhd. der (rôsen) wart mir ein krenzel ûf daʒ houbet mîn: daʒ hét ê diu líebe vil dícke verspróchen Neidhart v. Reuenthal XXVIII 15
Haupt; und wil sich ouch ein frie ze eigen geben, daʒ versprechent wol sine mage von vater und von muter und als si eʒ einest widerredent, so enmac er sich nimer mer ze eigen geben
schwabenspiegel 242, 2; swer sîne rechten bûʒe verspricht vor gerichte, der en hât cheine bûʒe mê
sachsenspiegel 2, 6, 1; des racten si alle ir hende unt lobeten, swaʒ sô er si reden pæte, daʒ si des niene verspræchen
kaiserchronik 11771
Schröder. mit dativ der person: wie wære uns andern liuten sô geschehen, solt wir im alle sînes willen jehen? ich bin der imeʒ versprechen muoʒ Walther v.
d. Vogelweide 111, 29
Lachmann. mit nebensatz: welt ir mir Hagen einen ze einem gîsel geben, sone wil ich niht versprechen ichen welle iuch lâʒen leben: wan ir sît mîne brüeder unde einer muoter kint
Nibelungenlied 2041, 2
Lachmann. den doppelsinn von versprechen (I A: II A)
benutzt Logau
zu einem geistreichen wortspiel: Clausus hält, was er verspricht, gibt es nun und nimmer nicht
sinnged. 565
Eitner. II@A@33)
von sich weisen, verschmähen, verwerfen. II@A@3@aa)
mit persönlichem object: mhd. sit mich, sprach er, min vater hat nach sines argen willen rat versprochen durch der werlde gut ... so wis min vater du durch got
passional 517, 89
Köpke; davon verspriche ich alle man und wil ein vrîgeʒ leben hân Boner
edelstein 58, 37; doch sô was gelücke und Sîfrides heil, daʒ si in versprechen wolde aldâ niht zehant
Nibelungenlied 569, 3
Lachmann; do versprach sü den keiser durch got, wande sü küsche wolte bliben
d. städtechronik. 8, 148, 19;
mnd. to wiwe ne rochte ic din nicht, wane dat du mic versprakest unde schandest unde minen broder namest 2, 140, 17; (
wenn einem handwerker wegen verdachtes unechter geburt die aufnahme in eine innung abgeschlagen ist) of he heft to sek twene bederve man, de mit eme sweret, dat he echt gheboren si .. so scolden se ene nicht verspreken
Goslarer quelle bei Schiller-lübben 5, 457
b.
nhd. ganz [] vereinzelt: gott sandte einen bösen willen zwischen Abi Melech vnd den mennern zu Sichem. denn die menner zu Sichem versprachen Abi Melech (
sagten ihm treue und gehorsam auf)
richter 9, 22.
mit wortspiel: auff seine erzrnte buhlschafft. die barbarey hab' ich, mich Barbara, versprochen: gar recht hat Barbara die barbarey gebrochen Opitz
ged. (1690) 2, 434. II@A@3@bb)
mit sächlichem object. gaben und güter: den boten rîche gâbe man dô für truoc: der het in ze gebene Gunther genuoc: die wolden niht versprechen die Liudgêres man
Nibelungenlied 165, 3
Lachmann; ir enwellent iuwer meisterschaft und iuwer reht ouch brechen und dar zuo versprechen beidiu mîn silber und mîn golt Hartm. v. Aue
armer Heinrich 211; sOeliches guotes wins, den ain ieglich ersam man nit versprechen mag
schwäb. quelle v. 1381
bei Fischer 2, 1348.
nhd. drumb ist es nicht die meynung, wenn man solche kleider verspricht, als mOechten sie nun kein hemde mehr waschen laszen Weise
erznarren 33
neudr.; und ist das der pfennig vermaszgot wirt und ist, so sol yn der mensch weschen und lútern in dem .. bluot Jesu Christi, so mag yn der vatter nit versprechen
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 195
b; den stein, den di pauwer versprachen, dirr ist gemacht in den haubt deʒ winkels
codex Teplensis 1, 111, 20
Huttler (
Luc. 20, 17); den stein, den die baurn versprachen, dirr ist gemacht in daʒ haubt des winckels
erste deutsche bibel 1, 82, 3
Kurrelmeyer. das versprachen
eines älteren textes ändern die Augsburger bibeln von 1475
ff. in den die bawleut verwurfen;
in apostelgesch. 4, 11
setzen sie der stein, der do ist verworffen
für älteres versprochen
ein; das original weist an beiden stellen reprobare
auf, vgl. Fischer
wb. 2, 1348.
leistungen und handlungen: sy vorsprachen aver ser all dy er dy Jesu Christo wer widertzem vnd vnmer
ndd. quelle bei Haltaus 1894;
mhd. sî (
die weiber) widerredent durch ir muot daʒ sî doch ofte dunket guot. daʒ sî sô dicke brechent diu dinc diu sî versprechent, dâ schiltet sî vil manec mite Hartm. v. Aue
Iwein 1870; dô diu minneclîche diu süeʒe tugende rîche mînen dienest sus versprach, daʒ was mir gar ungemach Heinzelin v. Constanz 1135
Pfeiffer; die hie den vride versprechent, ez möht in werden leit
Nibelungenlied 2044, 3
Lachmann und welcher daʒ widert und frid verspricht, der sol und muosz ainen manod von der stat sin
Ulmer urkunde bei Fischer 2, 1348; der herre sol niemant manschafft versprechen one des, der des herschilts darbet,
nullius homagium respuere debet (
alii codd. verwerffen, auszslahen)
schwäb. lehenrecht bei Haltaus 1894; wan es ist geschriben in Ysaias: ich verleuʒ di weisheit der weisen, vnd versprech di fursechung der fursechenden
cod. Teplensis 2, 23
Huttler. II@A@3@cc)
mit beziehung auf einen ganzen satz: '.. âne recken minne wil ich immer sî
n. sus schœne wil ich blîben unz an mînen tôt, daʒ ich sol von manne nimmer gwinnen keine nôt.' 'nu versprich eʒ niht ze sêre,' sprach aber ir muoter dô ..
Nibelungenlied 16, 1
Lachmann; laszt den höchsten vater walten! der so lang' hat haus gehalten, der wird nun verderben nichts. christen lassen Christum handeln, folgen, wie er vor will wandeln; nur ein heide der versprichts Fleming
d. ged. 1, 275, 30
Lappenberg; unde sol daʒ niemen widerreden noch versprechen, ern næme die alten phenninge
Augsburger quelle bei Fischer 2, 1348;
mnd. we dyt vorspreke vnde dat anders hebben wolde, den wolde de rat buten orem denste laten
Braunschweig. urkunde bei Schiller-Lübben 5, 457
b. II@A@44)
aufgeben, verzichten, sich entäuszern seiner güter und annehmlichkeiten: [] daʒ si vreude und gemach durch sîne hulde versprach Hartm. v. Aue
Gregorius 718; der kiusche Trevrizent dâ saʒ, der manegen mântac übel gaʒ ... er hete gar versprochen môraʒ, wîn, und ouch daʒ prôt Wolfram
Parzival 452, 18; hiemite si alda versprach ir vrunt, ir kint, werltlichen mut und, do si erbe unde gut versprechen wolde uf den genieʒ, meister Conrat sie entlieʒ
passional 623, 20
Köpke. mit abhängigem satz: ob ich kleineʒ dinc gar ræche, ungern ich daʒ verspræche, ichn holt ein kus durch suone dâ, op si der suone spræchen jâ Wolfram
Parzival 450, 2.
die bei andern ver
compositis dieses sinnes übliche reflexive verbindung mit genetiv belegt Lexer 3, 247
nur einmal für Ulrich v. Türheim: sich der krônen versprechen. II@BB.
das heute ganz erstorbene versprechen
in gehässigem sinne '
tadeln, schmähen, verleumden, verfolgen'
findet sich schon ahd.: fersprochina,
damnata Steinmeyer-Sievers
glossen 2, 547, 58.
sonst ist es selten hochdeutsch: carpere, reprehendere, vituperare Stieler 2100;
malo sensu infamare, diffamare aliquem, probro afficere Haltaus 1894; Schmeller
2 2, 698; Fischer 2, 1348.
besonders verbreitet ist es auf niederdeutschem boden: mnd. Schiller-Lübben 5, 457
a;
nld. Verdam
hdwb. 637
b;
obiurgare, arguere, reprehendere, contumeliam verbis facere, iniuriam dicere Kilian (1599) 604
b; verspreken,
verhoenen v.
d. Schueren
teuthonista 445
b (253
b);
auch fries. forsprekke,
verwenschen, uitschelden, beschimpen Dijkstra 1, 419
b. versprechen
oder vorsprechen '
beschuldigen'
führt Frisch 2, 307
a,
das bremische wb. 4, 971 '
lästern'
als veraltet an; dgl. Adelung, Campe. Luther
gebraucht versprechen
weitaus am häufigsten in diesem sinne, während ihm versprechen I A
nicht geläufig ist; vgl. Weimarer ausg. 9, 538
anm. II@B@11)
absolut: tadeln .. das ist, versprechen, heist auch schelten, ausmachen, straffen Gueintz
d. rechtschreibung (1666) 141; das wir nit darumb zornig und bösz werden, nit fluchen, nit klagen, nit schreyen, nit richten, nit verdammen, nit versprechen Luther 6, 14, 29
Weim.; ein greyn, ein zancken und ein fechten, ein handlen, schelten und versprechen, ein schlagen, rauffen, hawen, stechen H. Sachs 3, 349, 4
Keller. II@B@22)
mit persönlichem object: ahd. mannolichen lêidot dâr alde ferspríchet dâr sîn conscientia Notker
schriften 2, 24, 22
Piper; mhd. also das juden noch heiden nie die cristenen also verspotteten noch versprachen Tauler
predigten 138, 5
Vetter; mnd. sprac Reinaert 'of mijn here Brunen noch al bloedich es die crune, was hi teblauwen of versproken ..'
Reinaert 1821
Martin; ir thut der huren gar recht, wan sie vorsprochen hot sinen knecht
Alsfelder pass. v. 7621
Grein. die chroniken pflegen ein erläuterndes oder verstärkendes wort hinzuzusetzen: de keyserynne begunde den keyser honliken to vorsprekende Korner
lübische chronik 56
d; (
he) vorsprak den rat to Brunswick myt schentliken worden
d. städtechronik. 16, 347, 31; so hatten si des jongen herzogen van Burgonien vader spitlich versprochen ind sin bilde gemailt, erslichen verkeirt, an einem galgen hangende 14, 816, 5.
nhd. wann es gezimt dem sun der meide zeerleiden manig ding vnd zewerden versprochen von den alten vnd von den Oebersten pfaffen vnd von den schreibern vnd zederschlachen
erste deutsche bibel 1, 152, 38
Kurrelmeyer; wan wer ist der philister, der unbeschnitten, der do verspricht die here gotes des lebendigen
Augsburger bibel 1. Sam. 17
bei Fischer 2, 1348; ich ward mit streichen .. lassiglich gehandelt und fur Cayphas versprochen und in den todt fúr schuldig ergeben
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) V
b; das lernet uns, das wir nicht vorczagen, ..
[] wan uns die gancz wellt vorspricht und vorschmecht Luther 9, 538, 1
Weim. gern mit synonymen verben: pseudo apostoli, qui Paulum verkleineten und versprachen 34
2, 164, 5; mit bit, du wöllest gotte die seinen, durch seinen einigen sun Christum erworben, nit so turstig besudeln und versprechen 15, 343, 21.
mit begründendem nebensatz: es solt dyr auch besser sein, du hettist ein eheweyb, .. wie wol du mich vorsprichst, das ich solchen elendenn gefallen priester die ehe geratten habe 6, 583, 16; doctor Reuchlens halbenn, .. wilchen du auffs aller schendtlichst angriffen und versprochen Hutten
opera 2, 185, 29
Böcking; es sol .. keiner auff desz andern namen durchgehn, auch keiner den andern vnwarhefftiglich versprechen Fronsperger
kriegsbuch (1578) I D 2
v; wir haben vns verwahret gnug, so würd vns auch niemand versprechen, ob wir schon unsern vatter rechen Jac. Ayrer
dramen 3, 1530
Keller; hinterm rcken mich mancher verspricht, wAer ich zugegen, er thAet es nicht Wille
sittenlehre 119 (
vgl. Wander 4, 1590); wer von fürsten reden wil, wil er gutes reden nicht, hüt er sich, dass auch sein maul erdegötter nicht verspricht Logau
sinnged. 385
Eitner; weil alles so gebrechlich, wer kan sie dann versprechen, dasz Flora ihre blum liesz als gebrechlich brechen? 596.
alterthümelnd: wie ihm die augen gehen! — gestern war's furchtbar, da er so schrie und papst und kaiser versprach Handel-Mazzetti
Jesse und Maria 2, 16.
vgl. besonders versprochen (IV B 4 c
sp. 1481)
in diesem sinne. II@B@33)
mit sächlichem object: mnd. vorsprik eines andern ware nicht
hannov. quelle bei Schiller-Lübben 5, 457; wu man die predigt und das evangelium oder die prediger nit verfolgt oder verspricht, so ists kein evangelium Luther 10
3, 348, 5
Weim.; den rechten gottisdienst wol predigen, das volck bey dem lauttern gottis wortt behalten unnd den falschen gottisdienst vorsprechen 10
1, 681, 1; hat ersz aber in der kranckheit gelobet, das man dieselben gelubd vorpiette, vorspreche
a. d. christl. adel 42
neudr.; der du .. Rom, als eynen stinckenden pfudel aller laster vnd buberey, yn schriften geschulten, ablas vñ gnad brieffe versprochen Hutten
opera 2, 187, 23
Böcking; es ist ein ding leichtlich zu versprechen, aber seer schwerlich besser zu machen Agricola
musica 4
Eitner; in diesen und dergleichen worten findet ein unpartheyisch gemth wol nichts zu versprechen, wol aber viel warheit Arnold
kirchen- und ketzerhistorie (1699) 70
a. II@B@44)
mit beziehung auf einen satz: vnd da sie sahen etliche seiner jünger mit gemeinen, das ist, mit vngewasschen henden das brot essen, versprachen sie es (
hielten sich darüber auf)
Marc. 7, 2; auch dieses ist noch nicht mein erst und letzt verbrechen, es ist mir thörichten wie billich zu versprechen, dasz ich ihn mit dem zug in Persen liesz bemühn Haugwitz
Soliman (1684) 1, 579. II@CC.
der reflexive gebrauch hat meist den sinn '
im sprechen einen fehler begehen'
; von manchen lexikographen als nicht reflexiv behandelt: aberrare lingvâ Stieler 2100;
hallucinari lingua Kilian (1599) 604
b; ein wort versprechen Campe.
üblich reflex.: sermone labor Steinbach 2, 642; Adelung; Campe.
pomm. Dähnert 527
a;
ostfries. Ten Dornkaat Koolman 1, 466
b.
auch niederländ. zik verspreken.
für die heutige sprache nimmt Sanders
wb. d. synonymen 715
folgende scheidung vor: sich versprechen,
etwas andres sagen, als man sagen wollte; sich verreden,
durch übereilte und unbedachte rede sich verrathen; sich verschnappen,
sich im reden vergaloppieren. Weigand
synonym. wb. nr. 2142
will sich versprechen
nur einen edleren anstrich vor den beiden anderen zuerkennen. die gaunersprache gibt ,falsch sprechen' durch verflicken
wieder Kluge
rotwelsch 1, 458. II@C@11)
sich überheben, sich in der rede zu vermessenen behauptungen hinreiszen lassen: mhd. ir habt iuch gar versprochen. man soll iu wol gelouben daʒ iuch nie mannes ougen
[] gesâhn ze vorderst dâ man streit: iu was ie strîten wol sô leit daʒ ir der fluht begundet Wolfram
Parzival 417, 20; daʒ niemen sich versprechen sol. swer sich des kan behüeten niht, verrüemt er sich, dem geschiht als dem keiser geschach dô er ze hôhe sich versprach Rudolf v. Ems
der gute Gerhart 6890; daʒ er sich überhaben hæte gein gote unde sich alsô versprochen hæte Berthold v. Regensburg
predigten 1, 105, 13
Pfeiffer; mnd. wo he sik vorsprak .. he mende, he were god Josef
sieben todsünden 777.
nhd. sonderlich so dieser arm vermessener mensch sich verspricht, mit göttlichem gesetz wider mich zu handeln Luther
vom bapsthum zu Rom wider den romanisten zu Leiptzig 1, 265
a.
vielleicht gehört auch die bibelstelle Luc. 22, 6
hierher: vnd er (
Judas) versprach sich vnd suchte gelegenheit, Jesum zu verraten (
vgl. I A 1 f
und Weim. ausg. 9, 538, 1
anmerk.).
dem sinne nach könnte man auch hierher ziehen: ein groszer teich war zugefroren, die fröschlein, in der tiefe verloren, durften nicht ferner quacken noch springen, versprachen sich aber, im halben traum, fänden sie nur da oben raum, wie nachtigallen wollten sie singen Göthe 3, 181, 4
Weim. doch liegt hier wohl versprechen
mit reciprokem dativ vor (
vgl. I A 1 f
sp. 1455). II@C@22)
voreilig sprechen: mit seinen worten mehr sagen, als man beabsichtigt; sich zu falschen behauptungen oder unüberlegten versprechungen hinreiszen lassen: wie leicht verspricht man sich nicht! Adelung.
mhd. swer nu des wil folgen mir, der mîde valsche rede gein ir. niemen sich verspreche, ern wiʒʒe ê waʒ er reche, unz er gewinne küende wieʒ umb ir herze stüende Wolfram
Parzival 516, 5; dô sî sich alsus versprach (
sich verschnappte) und unrehtes selbe jach, des wart der künec Artûs vrô: ze geziuge zôch ers alle dô Hartm. v. Aue
Iwein 7661; sô ist als müelich von den engeln predigen .. daʒ sich etewenne ein prediger verspræche, ob man den engeln vil hôchgezît begienge in dem jâre Berthold v. Regensburg 1, 94, 17
Pfeiffer. nhd. wer nichts zu sagen hat, verspricht sich auch nicht leichte Stoppe
Parnasz (1735) 201; ey herr, potzelement, ich hette mich bald versprochen
schauspiele engl. comöd. 104, 7
Creizenach. wortspiel mit I A 3 d (
sp. 1458): das sprachversehen. was! du nimmst sie jetzt nicht, und warst der dame versprochen? antwort: lieber, vergieb! man verspricht sich ja wol H. v. Kleist
werke 5, 34
Hempel. auf ähnlichem princip beruht die scherzfrage: ich habe mich versprochen — »mit wem?« Fischer
schwäb. wb. 2, 1349; ehmann und geistliche dürfe
nt sich net verspreche
n ebd.; auch sich vernennen
in diesem sinne 1254.
ostfries. ik versprôk mî hêl un dal, as ik dat sä' Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b.
ndl. ik heb my daarin versproken; met stilzwygen verspreekt men zich niet,
mit stillschweigen verredt man sich nicht Kramer
niderhochteutsch. dict. 455
b. II@C@33)
sich durch seine worte vergehen und schädigen, sich zu schande oder schaden sprechen: alein sî mir ir haʒʒen leit, eʒ ist iedoch ir wîpheit, sît ich mich versprochen hân und an mir selben missetân; daʒ lîhte nimmer mêr geschiht Wolfram
Parzival 114, 23; swelch meizoge ist sô bedroʒʒen daʒ er sîn selbes zorn richet und sich mit scheltworten versprichet, der hât sîn zuht dâ mite verlorn Konrad v. Haslau
der jüngling 1190.
mit präpos. bestimmung: ich wil mich doch gerne bewarn daʒ ich mich an im niht verspreche, wan dâ mit ich mich selben sweche Thomasin
der wälsche gast 10519;
[] wêre aber daʒ sich der mensche vertrête oder versprêche
d. mystiker 2, 556, 22
Pfeiffer; de olde bysproke wart da whar: dat men sick so drade vorsprickt, alse vorwercket
mnd. quelle bei Schiller-Lübben 5, 458
a.
in der rechtsprache '
unabsichtlich falsch sprechen und sich dadurch schädigen': sunder vorspreken mut wol klagen en man unde antwerden, of he sik scaden getrosten wel, .. of he sik vorsprict, des he sik nicht erhalen ne mach
sachsenspiegel 1, 60, 1; ein iegelich man mac selbe wol klagen und antwurten vor gerihte, ob er sich des schaden wil getrösten, der im da von geschiht, ob er sich versprichet ane fürsprechen. wan so muʒ er ouch selbe den schaden haben. und hat er aber einen fürsprechen, und versprichet sich der, des mac er sich wol erholen mit einem andern
schwabenspiegel 76, 2. II@C@44)
beim sprechen einen fehler begehen entweder in der wahl und stellung der worte oder in einer unfreiwilligen lautverwechslung oder -versetzung. zu vergleichen ist der vorgang beim lautwandel: es kann vorkommen, dasz das gehirn, die nerven oder muskeln, die bei der erzeugung eines lautgebildes betheiligt sind, zufällig nicht ganz in der herkömmlichen weise arbeiten. dann entsteht in dem einzelnen fall ein anderer, von dem regelmäszigen abweichender laut, eine art kleines versprechen
vgl. Sütterlin
deutsche sprache 4; paraphrasia,
in der sprache einzelne worte oder den gedankengang verfehlen Höfler
krankheitsnamen 665
a.
überhaupt ist das capitel vom versprechen und verlesen
psychologisch interessant. studien macht das volk besonders beim redner, der, mit seinem gedankengange beschäftigt, den worten nicht genügend aufmerksamkeit schenkt: verspricht sich doch der prediger auf der kanzel,
sagt man sprichwörtlich gleichsam zur entschuldigung, wenn man sich verspricht Campe. stolpert doch ein pferd, und hat vier fsse; verspricht sich doch der pfarrer auf der kanzel
teutsche sprichwörter (1790) 48; Wander
sprichw. 4, 1590.
auch scherzhaft verdreht: er verspricht sich wie die kanzel auf dem pfarr(er); manchmal verspricht sich auch die kanzel auf dem pfarr(er) Frischbier
preusz. sprichwörter 1, 272.
schles. gestrenger herr scholtze, oder haringerias wolt ich sayn, iche versprach mich, ich brenge keene fulmacht A. Gryphius
lustspiele 322, 5
Palm (
geliebte dornrose 4); ein fehler, der vorgekommen war, wenn ein schauspieler sich versprach oder irgend einen provinzialism hören liesz Göthe 22, 98, 25
Weim.; nein, Helikon will ich sagen, ich habe mich früher versprochen Immermann
werke 2, 9; »mausoleum «, berichtigte der dechant ... »natürlich! man darf sich doch versprechen« Ebner-Eschenbach
schriften 4, 199.
auch nld. zik verspreken. IIIIII.
isolierte bedeutungen. III@AA. versprechen '
besprechen, zaubern'
ist seit ausgang der mittleren sprachperiode nachzuweisen: mnd. Schiller-Lübben 5, 457
b;
vgl. mengl. for-spékin,
fascino Stratmann-Bradley 242
a.
es lebt noch mundartlich fort (
s. unten).
es bedeutet ursprünglich: '
über einem dinge die bann- und schwurformel sprechen, ein ding sprechend bannen'
und entwickelt sich nach zwei entgegengesetzten richtungen hin: '
ein übel weghexen'
und '
ein übel anhexen', '
wegwünschen'
und '
anwünschen'. III@A@11)
durch sprechen einer bannformel einen übernatürlichen einflusz auf ein ding auszuüben suchen, ein volksthümliches sympathiemittel. durch besprechen, beschreien, berufen
zauberhaft beeinflussen Höfler
krankheitsnamen 665
a. versprechen (besprechen),
das hersagen von segens- oder bannformeln unter beobachtung gewisser ceremonien, auch das aufschreiben der formeln auf einen zettel, z. b. fieberverschreiben,
um krankeiten oder wunden zu heilen, blutungen zu stillen (blutversprechen),
oder dadurch feuerbrünste zu löschen .. das verfahren wurzelt in dem glauben der naturvölker, dasz alle krankheiten durch bezauberung entstehen .. wir begegnen dem blutversprechen
in der Odyssee (19, 457)
und dem runenzauber Odins in der Edda Meyer
konvers.-lex. 6 20, 109
a.
aus dem beginn des 14.
jahrh. stammt der älteste beleg einer schles. handschrift (IV f 60,
bl. 66
rb kgl. bibl. Breslau): wilt du daʒ blut vorsprechen
[] so sprich desen sēn (
mit folgendem Longinussegen).
verfahren eines wunderdoctors: sieh, wenn ein artzt nicht rathen in schwerer kranckheit kan; wenn artzney nicht zustaten dem siechen menschen kommt: so sinnt er hin vnd her auff was vor mittel jhm zuhelffen etwa wer'. jetzt er dem schmertzen setzt ein lindes band entgegen; bald wil er beissend ding auff seinen schaden legen, bald er mit eysen jhm ein glied vom leibe bricht, bald mit erhitztem stahl er jhm das blut verspricht Wencel Scherffer
grobian (1640) Av; denn obgleich das bluten einmahl habe nachgelassen, so wAere es doch bey erster auffbindung (
der wunde) noch heftiger gekommen, und wAere hernach weder mit diesem versprechen, noch mit natrlichen mitteln zu stillen gewesen I. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 2, 41; und gleich itzo, sprach er, lese ich die kunst darinnen, wie man kan geister versprechen
polit. maulaffe (1679) 35; er selbst will auff seinem pferde das feuer versprechen und stürtzet den hals
der schlimme causenmacher (1701) 752.
in schlesischer mundart: ich kon wachs gissen, iche kon de leut massen, iche kon's feur versprechen A. Gryphius
lustspiele 307, 14
Palm (
geliebte dornrose 3).
noch heute in Schlesien gebräuchlich: wie ein lebendes wesen erscheint das feuer .. aufgefaszt, wenn man es dreimal umläuft oder umreitet und dabei bespricht oder verspricht Drechsler
sitte, brauch und volksglaube in Schlesien 141. III@A@22)
da man bei feuer und krankheiten die wirkung beabsichtigt, das übel zu verbannen, so nimmt versprechen
wie verspinden I 2 (
sp. 1429),
durch bekannte typen nach dem muster vertreiben
unterstützt, die bedeutung an: durch sprechen gewisser worte verbannen, entfernen .. eine krankheit versprechen Campe;
durch spruch vertreiben Heyne;
henneberg. eine krankheit, ein übel durch sympathie heilen Spiess 269;
schles.: da hat ihr eine alte frau .. eine flechte so versprochen, und es hat geholfen
mittheil. d. schles. gesellsch. f. volkskunde 14, 88; der alte Gottwald verspricht die rose mit folgendem spruch 14, 91.
subst. inf.: vom versprechen will die gicht nicht brechen Wander
sprichw. 4, 1594. III@A@33)
dinge, besonders die waffen des gegners, versprechen,
um sie unbrauchbar zu machen: eine bchse versprechen,
incantare sclopum Stieler 2100; Kramer
ital. dict. 2, 884
c weist auf versagen, verschreien
in derselben bedeutung hin (
vgl. sp. 1034, 1162);
ein aberglaub, dasz man meinet, man kOenne mit worten machen, dasz der andere nicht losschiessen kan, welches doch offt den einfältigen gar natrlicher weise geschieht Frisch 2, 307
ab; Adelung;
gewöhnlicher dafür besprechen Campe.
in Schlesien noch gebräuchlich: versprechen und waffensegen
mittheil. d. schles. gesellsch. f. volkskunde 13, 108; gewehr zu versprechen .. kommt her .. ich und ihr haben getrunken unsers herrn Jesu wahres blut; dadurch seynd eure büchssen, pistohlen und deegen versprochen und verstopft
schwäb. quellen bei Fischer 2, 1348
f.; sie halten auch dieses vor eine sonderliche superstition, dasz ihnen keine bchse versprochen wird Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 339; item tzum funfften die beschwerer, die das fihe und leut segen, die schlangen bezawbernn, stall und eyssen vorsprechen und viell sehen und szauszen unnd tzeychen konnen Luther 10
1, 591, 6
Weim.; ja wie aber, sprach Santscho, wann sie jhn (
den degen) euch bezaubern oder versprechen, wie sie wol ehe vnnd zu anderer zeit gethan haben, was wrds dann helfen Bastel v.
d. Sohle
harnisch aus Fleckenland (1648) 215.
man kann auch einen menschen versprechen,
ihm ein übel anhexen: mnd. welkeme kynde men se (
verbena) vmme byndet, men mach id nicht vorspreken
Wolfenbüttler quelle bei Schiller-lübben 5, 457
b.
sich sein glück verrufen dadurch, dasz man darüber spricht: nun weiss ich, dass er keine andern ehret denn mich, darumb wil ich mir mein glck selbsten nicht versprechen
engl. comedien u. tragedien (1624) F I
a.
zum ganzen vgl. germanist. abh. 27, 69
ff. III@BB.
in jüngerer zeit hat sich ein versprechen nach dem muster der fra-
type vertreiben, verbringen
gebildet: die zeit versprechen,
mit sprechen zubringen, gewöhnlicher dafür verschwatzen, verplaudern Adelung; Campe.
[] götting. de tid verspreken Schambach 267
a.
noch heute üblich stunden versprechen, verlesen, verspielen: und ich habe mit euch so manche stunde versprochen Zachariae
bei Adelung. IVIV.
von den nominalformen des verbs ist der substantivierte infinitiv als besonderes wort angesetzt (
sp. 1481). IV@AA.
das part. präs. hat im 18.
jahrh. selbständige geltung angenommen, meist als adjectiv, seltener als substantiv gebraucht, erst von Campe
besonders gebucht. IV@A@11)
im anschlusz an versprechen I A 4 (
sp. 1459).
zunächst erscheint das part. noch in verbaler rection mit einem object: ein viel versprechender junger mensch,
von dem sich dem anschein nach viel gutes hoffen läszt; ein viel versprechendes äuszeres Campe; dieses viel versprechende heer .. war nichts als ein blendwerk Schiller
werke 8, 258, 14; von einem siegversprechenden enthusiasmus entflammt 6; dasz es (
das lied) bald bittend und dringend, bald treibend und viel versprechend war Göthe 21, 235, 4
Weim.; nur sey diese ankndigung nicht unbestimmt, nicht zu viel versprechend, nicht prahlerisch Eschenburg
entwurf einer theorie (1783) 126, § 14; Ferdinand, welcher .. sich zu wenig versprechenden anforderungen an seine stände genöthigt sah Ranke
werke 3, 238; auf dem punkte, wo sich endlich ein organischer, früchte versprechender keim angesetzt .. hat Strausz
Schubarts leben 1, 4.
dann fällt das object fort: ich liebe die jugend, wenn sie so ist, so unschuldig, .. so versprechend Klinger
werke 1, 412; und dies behagliche lächeln stand so versprechend und ausdauernd da Ludwig
schriften 2, 366.
häufiger attributiv gebraucht: dasz du über die aufblühende versprechende schönheit hinaussahest Göthe 20, 20, 18
Weim.; oder es stahl sich eine thrAene aus seinem auge, welche ein versprechender blick begleitete Bode
Tristram Shandy (1774) 1, 70; einen jungen burschen, der rundlich und von versprechender statur war Tieck
Don Quichotte 3, 11 (
Meyers volksbücher 1, 260).
als adj. ist es auch der steigerung fähig: ein zeichen, welches ich in der zeit für versprechender halte Brentano
schriften 4, 364; eine .. versprechendere (armee) sah Deutschland nie Roon
denkwürdigkeiten 2, 430.
als subst.: die auszenseite der kirche hat nichts einladendes noch versprechendes Göthe 31, 101, 28
Weim. IV@A@22)
substantivisch im anschlusz an versprechen I A 1 (
sp. 1451)
in derselben bedeutung wie versprecher
und heute üblicher als dieses: ohne zustimmung des versprechenden
bürgerl. gesetzbuch § 332. IV@BB.
der gebrauch des part. prät. schlieszt sich in der mehrzahl der belege an versprechen I A (
sp. 1450)
an. nur dieses ist der heutigen sprache geläufig. IV@B@11)
im anschlusz an versprechen I A 1:
votiuus .. mit gelbd geschehen, oder versprochen Alberus (1540) 16
a. IV@B@1@aa)
prädicativ mit neutralem subject: leicht versprochen leicht gebrochen Wander
sprichw. 4, 1590; trew vnnd glauben ist ein standhafftes wares halten, deszjhenigen was abgeredt, zugesagt versprochen, vnnd alles dessen, so man vberein kommen ist Fischart
bienenkorb (1588)
bl. 209
a; schaff mir nur erst die goldne kugel wieder, es soll dir alles versprochen sein Grimm
kinder- und hausmärchen (1812) 1, 2; das eine (
Polen) war dir zwar damals noch nicht versprochen Koenig
ged. (1745) 34.
besonders in biblischem sinne: von anfanng der weld seinn die altvaetter, nach jnen die juden in warem glawb gewesen vnd verhoft haben vnsers erledigers zuoekunfft die jnen versprochen was Berthold v. Chiemsee
theologey 14
Reithmeyer; vnd als die zeit erfllet kam, vor langer zeit versprochen Ringwalt
evangelia (1581) D 1
a; theilhafftig aller der gter .., die Adam .. versprochen sein Mathesius
Sarepta (1571) iiij
b. IV@B@1@bb)
als adjectivisches attribut: halt mir deine versprochene pflicht Forster
teutsche liedlein 40
neudr.; zu erretten ihr trawrig leben, sagt sie als, was sich het begeben zwischen ir und Petzen, an schew und brach an im versprochne trew H. Sachs 2, 240, 29
Keller; [] wann wir mit versprochner eh als mit einem ballen spielen
Venus-gärtlein 180, 1
neudr.; so solt du von mir 100 cronen zur verehrung haben, neben allzeit meiner versprochenen freundschafft
schausp. engl. comöd. 203, 7
Creizenach; nah ist der jammer, die versprochne rache ferne Klinger
werke 3, 120.
von leistungen: mein fürst, ich bitt' um mein versprochnes theil, wofür ihr treu und ehre mir verpfändet Schlegel
Shakespeare 9, 147 (
Richard III. 4, 2); wo ist denn nun das versprochene abendessen? Göthe 22, 203, 20
Weim.; sende alsgleich die versprochenen und erinnerten bände IV 36, 279; es blieb nicht etwa blosz bei dem versprochenen besuche Ludwig
schriften 2, 66; seine bevorstehende heirath, sein versprochenes avancement, alles beruht auf dieser verzicht Gotter
ged. (1802) 3, 7; der jüngste sohn, vor kurzem erst lieutnant geworden, hatte den abschied eingereicht, weil sein vater nicht mehr imstande war, ihm den versprochenen zuschusz auszuzahlen Polenz
Grabenhäger 2, 302.
besonders von schriftstellerischen und künstlerischen leistungen: (
es) wAere zu wnschen, dasz das von diesem theuren mann uns versprochene Alte Dacien, nicht mit ihme wAere begraben worden Birken
Donaustrand (1684) 87; wie nichtig es mit einkleidung des briefwechsels, der versprochnen psychologie Oszians ... stehen müsze Herder
werke 5, 204; über welchen (
punkt) ich in des herrn Winkelmanns versprochener geschichte der kunst die völligste befriedigung zu erhalten hoffen darf Lessing
schriften 3 9, 120; ihr und mir wünsch' ich noch die versprochene baldige fortsetzung in Callots kühnster manier E. T. A. Hoffmann
werke 1, 7; an dem versprochenen kirchenbilde arbeitete er nun mit erstaunlichem fleisz Auerbach
dorfgeschichten 3, 64.
bei biblischen und ähnlichen prophezeiungen: und beweysset, das es alles erfullet und geschrieben sey durch die apostell, was der versprochne heyliger geyst solt lerenn Luther 7, 644, 10
Weim.; darumb muostu (
Luther) andre Oerter suchen da die versprochenen schlüssel gegeben seient des himmelreichs Murner
a. d. adel 27
neudr.; dieser versprochene weibes-samen, welcher der hOellischen schlange den kopf zertreten sol Weise
comOedienprobe (1696) 118; auf das wir endlich genissen des versprochenen erbtails Schede
gen. Melissus
psalmen 104
neudr.; die versprochene selige zeit ist nun gekommen! Frenssen
Hilligenlei 512; Saladin, wenn du dich fühlest, dieser weisere versprochne mann zu sein .. Lessing
3 3, 95, 540 (
Nathan 3, 7); nach ablauf der tausend tausend jahre jenes richters, wo der versprochne weisere mann auf dem stuhle sitzt Schiller
werke 4, 52, 9. IV@B@1@cc)
substantivisch gebraucht: er werde mit anderer gelegenheit kommen, auch alles bestellte und versprochene mitbringen Göthe 25, 243, 3
Weim.; wie wenig von dem uns anfangs versprochenen, sie in den ersten sechs heften ihrer fragmente geleistet haben Ayrenhoff
werke (1814) 5, 157, 17. IV@B@22)
in anlehnung an I A 2 (
sp. 1456):
festgesetzt, verabredet. IV@B@2@aa)
prädicativ: Käthes erster reisebrief .. traf, wie versprochen, am andern morgen in Berlin ein Fontane
werke I 5, 264. IV@B@2@bb)
attributiv: als wenn einer vff versprochnen gesatzten tag gekomen, durch wassers .. not .. gehindert wurd Riederer
rhetoric (1493) C V
a; disen brauch, also versprochne kAempff zuthun Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 235
b; sagt ihm, dass Fortinbras auf sein gestatten für den versprochnen zug durch sein gebiet geleit begehrt Schlegel
Shakespeare 3, 291 (
Hamlet 4, 4).
mit präpos. bestimmung des zwecks: als sie dem Brennus .. das fr Rom zum lOesegelde versprochene gold zugewogen, hAetten sie sie arglistig berfallen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
b. IV@B@2@cc)
hieran schlieszt sich eine unschöne adverbiale neubildung des 18.
jahrh. an, die mitte des 19.
zurücktritt [] und besonders im briefwechsel ihr dasein fristet: versprochenermaszen,
wie verabredet, nach übereinkunft. herr mag. Schmeltzer begab sich von dar, versprochener massen, in die Davids-Raumer allee Schnabel
insel Felsenburg 214, 1
Ullrich; die drey briefe von meinem Hill lege ich versprochenermaszen bei Hamann
schriften 7, 244; doch also an sie einen (
brief) versprochener massen vor pfingsten Lichtenberg
briefe 2, 78; was die 100 thaler betrifft, so wurden solche bis vor einem jahre .. versprochenermaszen gezahlt Göthe IV 13, 6, 10
Weim.; wenn ich denn am andern tag kam, dass er mich versprochenermassen auf die otternjagd begleiten solle, da machte er ausflüchte Bettina v. Arnim
Göthes briefwechsel 2, 189; dasz ich versprochenermaszeu mit dem schreiben nicht wort gehalten habe Görres
briefe 3, 1; er .. teilte ihn (
den gulden) versprochenermassen brüderlich zur hälfte J. P. Hebel 2, 48, 23
Behaghel; hierbei versprochenermassen etwas aus meinem Kosciusko Grabbe
werke 4, 532; eines octoberabends, da ich versprochenermassen zu ihm ging Storm
werke 5, 257. IV@B@33)
im anschlusz an versprechen I A 3 (
sp. 1457):
nach irgend einer richtung hin verpflichtet und dadurch am eingehen einer neuen verpflichtung verhindert. IV@B@3@aa)
prädicativ; selten von sachen, versagt: die waare ist schon versprochen,
ist schon jemanden zugesagt Adelung; die kutsche, der platz ist schon versprochen Kramer
ital. dict. 2, 884
c; die rebhuhnpastete darf ich nicht anschneiden, da sie für die abendherren bestimmt und versprochen ist G. Keller
werke 5, 13.
gewöhnlich von personen: schon versprochen seyn .. ich bin schon versprochen,
io sono già promesso etc. ho dato parola; wann der herr noch unversprochen ist, so bitte ich, mit mir fr lieb zu nehmen Kramer 2, 884
c;
so sagt man, man sey schon versprochen,
wenn man einem andern sein wort gegeben hat, ihn zu besuchen Adelung; ich bin für heute abend versprochen (
zu einer gesellschaft) Heyne
wb.; ich bin anders wo hin geladen und versprochen, werd aber wohl dableiben Göthe IV 30, 8, 1
Weim.; das kommt von deinen anstalten! hättst du beizeit dazu gethan, so hätten wir nun leut (
zur arbeit)! aber dir fällts nicht eher ein, dasz du eins willst bestellen, als wenns schon versprochen ist Ludwig
schriften 2, 244.
mit präpos. bestimmung: freund, spricht er, jahr und tag geht noch vielleicht dahin, eh' mir's gelegen ist, mich in Paris zu zeigen; du weiszt dasz ich vorerst nach Rom versprochen bin. und dieser pflicht musz jede andre schweigen Wieland
Oberon 7, 2.
vom dienstverhältnisz: auch wirst du trewlich deinem herren dienen, dem du zuo dienst versprochen bist Schumann
nachtbüchlein 261
Bolte; (er) setzt in auch auff ein schloss, .. gabs ihm für aygen, aber doch das er im mit diensten versprochen blybe 45.
eine art verpflichtung liegt auch vor in der stelle: addictus morti, versprochen dem tode Melber v. Gerolzhofen
vocab. predicantium (1486) a 4
b.
am häufigsten wird dieses versprochen
von einem eheverlöbnisz gebraucht: wenn die kOechin das essen lAesset anbrennen, so ist sie verlobt oder versprochen l. G. Schmidt
rockenphilosophie (1706) 1, 268; sie waren schon längre zeit mit einander versprochen, heute verloben sie sich förmlich und in vier wochen ist die hochzeit Sanders
wb. d. synonymen 708; seine tochter ist schon versprochen ... sie ist noch unversprochen Kramer
ital. dict. 2, 884
c; ehelich versprochen
kirchenordnung für Braunschweig (1569) 276.
noch heute für hoch- und ndd. gebiet bezeugt; elsäss. drei jo
hr wurd's jetz an d
er Wi
hnochte
n,
dass
es versproche
n-is
t Martin-Lienhart 2, 557
b;
schwäb. sie ist mit dem
N. versprochen Fischer 2, 1348;
ostfries. hê is mit mîn dogter fersprâken Ten Doornkaat Koolman 1, 466
b;
pomm. dat mäken is verspraken,
hat einen bräutigam Dähnert 527
a; wie, schry sie, bin ich denn auch eh ichs weisz versprochen? A. Gryphius
Cardenio (1698) 1, 195; und doch war sie nach zwei und fünfzig wochen ... bereits das drittemal versprochen Gellert
werke 1, 184; ein alter freund meines verstorbenen vaters trägt mir eine von seinen töchtern
an. ich eile herbey, und ...
[] musz die, welche auf den ersten anblick mein ganzes herz hatte, .. schon versprochen finden Lessing
3 2, 56, 26 (
freigeist 1, 2); weisst du mir nichts ... ob er etwa schon versprochen ist? Schiller
briefe 3, 70
Jonas. mit dativ der betheiligten person: sicher, er ist vermAehlet vnd versprochen einer frawen
buch der liebe (1587)
bl. 334
d; ob du dein eh biss-her habst nit prochen von anfang, weilt mir warst versprochen H. Sachs
werke 9, 90, 7
Keller; dieser jüngling war mir erst versprochen, als noch Venus' heitrer tempel stand. mutter, habt ihr doch das wort gebrochen, weil ein fremd, ein falsch gelübd' euch band. doch kein gott erhört, wenn die mutter schwört, zu versagen ihrer tochter hand Göthe 1, 225, 169
Weim. (
braut von Korinth); die jungfer ist mir einmahl versprochen, und ich lasse sie nicht, wenn ich mein hab und gut drber verrechten solte Weise
comOedienprobe (1696) 373; sie gehörte ihm, war sein eigen, sie war ihm versprochen H. Böhlau
ratsmädelgeschichten 17.
üblicher ist die präpos. mit: wie dieser oder jener wackere mann so und soviel jahre mit seiner frauen versprochen gewesen, ehe er zum amte gekommen
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 47; sind sie mit Sophien versprochen? Hermes
Sophiens reise (1769) 4, 131; Flaminia, mit dem marquis versprochen Lessing
schriften 3 6, 385; wär ich nicht mit ihnen versprochen, würd ich ihr (
der grille) nachhängen Göthe IV 5, 48, 14
Weim.; ein zeugschmiedgesell .., mit welchem sie einst so gut wie versprochen war G. Keller
werke 4, 231; dasz die husaren in Schlawe sich von unsrer verlobung um so mehr überrascht erklärten, weil dort für gewisz galt, ich sei mit einer gräfin Schulenburg versprochen Bismarck
briefe a. s. braut und gattin 50. versprochen
in reciprokem verhältnisz: sie gaben sich die hand, und waren nun versprochen Ramler
fabellese (1783) 1, 38; der herzog ist mein, und ich bin sein; sind wir gar treu versprochen
ballade von der Bernauerin bei A. v. Arnim
werke 21, 39; nun sind wir aber doch verlobt und versprochen, du bist mein mann und ich deine frau G. Keller
werke 4, 155; nach verlauf von einigen tagen, in welchen ich die bekanntschaft der tochter Henriette gemacht hatte, waren wir unter vier augen schon versprochen Moltke
schriften 1, 9; die Stasia Frelikowski is mein' braut. heimlich waren wir als schon lang versprochen Viebig
das schlafende heer 2, 309.
schon mhd. mit näherer bestimmung im genetiv: mit einem lotterpfaffen was er der minne versprochen, daʒ er in sechs wochen dar nâch eines kalbes genas
Wachtelmære 27
Maszmann. IV@B@3@bb)
als adjectivisches attribut; vom dienstverhältnisz: ob si kains andern herren versprochen diener sein, der si irs gelübs und versprechens ermanen möcht
tirol. weisthümer 4, 481, 28; so wär der marggraf des römischen künigs versprochner und gelobter diener Aventinus
bair. chronik 2, 581, 14
Lexer. vom verlöbnisz: ein versprochenes brautpaar Adelung; eine versprochene tochter,
filia desponsata Steinbach 2, 643; desselbenmals was die synagog nur ain versprochene prawt gottes. deszhalb jr nit gebürt hat, jm haws gottes volmaechtiklich zeregieren Berthold v. Chiemsee
theologey 121
Reithmeyer; hat der kOenig, mein herr vater, vergessen, dass ich eines kOeniges tochter, und eines kOenigl. erbprintzens versprochene braut bin Ziegler
asiat. Banise (1689) 97.
mit synonymem verb.: es geschehe darumb, das jr keyser Othoni II. sein versprochen vnd vermAehelt tochter jm nicht geben wolt Seb. Franck
chronicon Germaniae (1538) 91, 1; so angenehm einem andern eine rose ist, die einer den gantzen tag in den hAenden getragen, und offt daran gerochen, so angenehm sind auch verlobte und versprochene jungfrauen
der wohlgeplagte priester (1695) 147.
mit dativ der person: die mir versprochene braut Klinger
neues theater 1, 7. IV@B@3@cc)
substantivisch gebraucht, heute durch verlobter, verlobte
ersetzt: er verlässt seine versprochene, mit den
[] wechselseitigen versicherungen der aufrichtigsten zärtlichkeit Lessing
schriften 3 10, 139, 5; dasz der bräutigam jener artigen Mailänderin, unter ich weisz nicht welchem vorwande, sein wort zurückgenommen und sich von seiner versprochenen losgesagt habe Göthe 32, 177, 17
Weim. IV@B@44)
die übrigen verwendungen des part. stehen vereinzelt da und sind veraltet. IV@B@4@aa)
an versprechen I C (
sp. 1468)
lehnt sich mhd. unversprochen
an: '
nicht in anspruch genommen'
mhd. wb. 2, 2, 532
b; Lexer
hdwb. 2, 1966.
in adverbialer form: er hete dô ze sîner hant sîns vater erbe und al sîn lant unversprochenlîchen und alsô daʒ nieman in den zîten dô ansprâche hete an kein sîn guot Gottfried
Tristan 5635. IV@B@4@bb)
mhd. unversprochen
im anschlusz an versprechen II A (
sp. 1469)
ebd.; hier ist wohl am besten anzuschlieszen (
vgl. sp. 1449
abschnitt 4): her hete eʒ gerne errochen, wan daʒ eʒ was versprochen, daz eʒ niht solde wesen sô (
es war vom geschick im gegentheiligen sinne gefügt) Heinrich v. Veldeke
Eneit 328, 16
Ettmüller. IV@B@4@cc)
an versprechen II B (
sp. 1472)
angelehnt: mhd. versprochen
verdächtigt, in üblem rufe stehend Schmeller
22, 699; unversprochen
ebd.; Lexer
hdwb. 2, 1966;
mnd. vorsproken,
bescholten, in bösen ruf gebracht Schiller-Lübben
wb. 5, 457
b;
homo infamatus, probrosus, praecipue post sententiam banni promulgatam (
geächtet) Haltaus 1897; ein versprochener mann
war ehedem so viel als ein berüchtigter, anrüchtigter mann Adelung, Campe;
bescholten Fischer
schwäb. wb. 2, 1348. ob der sun ein diup ist, oder wiʒʒenlichen mit boesen liuten wont, die unvertic und versprochen sint
schwabenspiegel 16, 6; die unvertigen liute unde versprochenen liute, die schedelîchen sint der kristenheit Berthold v. Regensburg 1, 215, 20
Pfeiffer; di ist versprochen (
var. verworffen), und ist necher dem fluch
Hebr. 6, 8
bei Jelinek
mhd. wb. 845; der herzog von Bayrn liesz den ritter genant Ötlinger entkopfen, wan mit jm was sein mueter versprochen
bair. quelle bei Schmeller
2 2, 699; wer furbaʒ mer huset oder heiget einen vorsprochenen oder einen geechtin man, der schal bestandin sin glich dem schuldegin
quelle v. 1311
bei Haltaus 1897.
mit präpos. bestimmung: wie die man jenen uberziugen suln; daʒ suln si tuon selb sibende, bederber lute, die nit versprochen sin an ir rehte
schwäb. quelle bei Fischer 2, 1348.