vorgestern ,
adverb., zusammenrückung der präposition vor
mit dem adverb. gestern,
am tage vor dem gestrigen: nudius tertius vorgestern Diefenbach
gl. 384
b;
pridianus vorgesteren 459
a; (
die beiden bestandtheile getrennt:)
ante diem tertium vor gestern, vor dreyen tagen Frisius
dict. (1556) 100
a (
nach römischer weise gezählt, ebenso bei Maaler 475
b); vorgestern,
avant ou devant hier, l'altro hieri Hulsius-Ravellus (1616) 388
b;
nudius tertius vorgestern Stieler 635; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
a; Frisch 2, 407
a; vor gestern Steinbach 1, 593;
bei der trennung musz vor
vortonig sein, und Adelung
will auch das zusammengezogene vorgestern
auf der zweiten silbe betonen, während jetzt der ton auf der ersten liegt: er hat mich vorgestern nur gemieth (
gemietet) Chr. Reuter
Harlequ. hochz.- u. kindb.-schmaus 77
ndr.; untröstlich, dasz nun heut nicht gestern ist, und morgen nicht vorgestern werden kann Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 22;
in älterer sprache auch vorgester,
über diese form s. gestern I 3 a,
th. 4, 1, 2,
sp. 4229: dieweil wir aber fast erst gester oder vorgester kinder erboren Pantaleon
warhafftige bestätigung (1571) 39; vorgester Schöpf
tirol. idiot. 188; als wir vorgester zu letzt daheimen abschieden von hausz H. Sachs 10, 70
K.-G.; gieng in das hausz, darvon er trat vorgester ausz Spreng
Äneis (1610) 164
b.
zu vorgestert
s.gestern
th. 4, 1, 2,
sp. 4229: (
ein buch) ist mir vorgestert auch zu lesen inn die hende kommen Sturmius
vortrab (1581) 3. —
nd. förgistern, -güstern Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 471; forgüstern ten Doornkaat-Koolman 1, 540
b; fürgistert Bauer-Collitz
waldeck. wb. 36
b;
die mundartlichen formen von gestern
finden sich natürlich auch bei vorgestern. —
heute veraltet ist ehgestern, ehegestern (
s. th. 3,
sp. 42),
das Heynatz
vorziehen will: vorgestern heiszt im besseren sprachgebrauche ehegestern
antibarb. 2 (1796) 599;
vgl. noch: nudius tertius yndetgestern Diefenbach
gl. 384
b;
pridie enuntgestern 459
a.
[] 11) v. wars Hollonius
somnium vitae human. 60
ndr.; er habe v. einen köstlichen kauff gethan Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 29; die freundschafft nöthigt mich, diesen ort zu verlassen, ungeachtet die liebe ihn v. mir sehr angenehm gemacht hat Lohenstein
Armin. 2 (1690) 1510
a; v. den 10. dieses Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 8; da sitz ich v. im bloszen wamms Göthe 13, 1, 232
W.; v. ist v., und heut ist heut Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 3, 238; so gräszlich die welt v. aussah, so schön ist sie jezt Caroline 1, 39
Waitz; die gais ist v. geschossen worden
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 47. 22)
mit näherer bestimmung: v. morgends Stieler 2375; v. abends both mich mein vetter bey meinem herrn vater aus Ettner
med. maulaffe (1719) 241; dann zu Herdern, dem v. nacht ein knabe gebohren war Göthe III 1, 96
W.; im Böhmerwald erwischt ihn hauptmann Mohrbrand vorgestern früh Schiller
Piccolomini 5, 2. 33)
die völlige verschmelzung der präpos. mit dem adverb zeigt sich darin, dasz dem ganzen wieder eine präp. vorausgehen kann: wie dumm musz sich mein wisch von v. ausnehmen
br. von u. an Herwegh (1896) 35; ihr wiszt doch, dasz ... Melitta seit v. zurück ist Spielhagen (1877) 1, 350. 44) v.
kann in freierem sinne genommen werden, einmal um einen nur wenig zurückliegenden zeitpunkt zu bezeichnen: dessen (
Deutschlands) städte schienen erst seit v. erbaut zu seyn
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 542; jüngere gläubiger von gestern und v. Möser (1842) 5, 59; die wissenschaft ist ja von v. und besonders das nächste durchaus noch ununtersucht Chamisso (1836) 6, 128;
in Norddeutschland sagt man: er ist ja nicht von v.,
nicht ohne erfahrung, nicht dumm. —
anderseits entwickelt sich die freiere bedeutung grade in der entgegengesetzten richtung: ein bonmot von v.,
das jetzt keine wirkung mehr hat Schiller
kabale u. liebe 3, 2;
vgl.: gestern und ehegestern
sumitur etiam pro antehac, dudum, semper Stieler 635. 55)
substantiviert: das v. der jugend und das übermorgen des todes Jean Paul 32, 146
H.