stamm,
m. caudex, stirps, truncus. II.
geschichte der wortform. I@11)
ahd. stam,
mhd. stam,
nhd. stamm,
geht zurück auf älteres stamm.
erhalten in as. stamn (
belegt in der bedeutung '
steven'
wiederholt im Hel.),
ags. stemn Bosworth-Toller 914
b;
daneben, wol jünger, ags. stefn
ebenda, niederd. steven (
als niederd. lehnwort auch im nhd. s. unten steven),
an. stafn Cleasby-Vigfusson 586. Fritzner 3, 573
b und stofn '
holzklotz'. 556
b,
wie ahd. stimna (
nhd. stimme)
neben got. stibna.
weitere etymologische verwandtschaft besteht wol zu skr. sthāman '
standort',
lit. stom '
festigkeit',
griech. στάμνος und στήμων,
lat. stamen. I@22)
seit mhd. zeit ist ein übertritt des wortes in die schwache declination festzustellen. doch zu erwägen bleibt immerhin dabei die möglichkeit, dasz sich hier die ältere form stamm
mehr mundartlich erhalten hat: (
harz,) das ab dem stammen vleuʒt. Megenberg 163, 18; ich clag den edeln stamen (: si kamen). Suchenwirt 20, 184.
nhd. der stamme
und der stammen
u. s. w.: der wilde stamme. Gretter
erklärung der epistel Pauli an die Römer (1566) 342; am auswachsen müssen die junge schösse alle zu diesem loch herausdringen und wachsen zu einem stammen. Hohberg 1, 446
a,
doch die andere form dringt bei ihm daneben immer durch: wann man die edlen prünner äpfel, morschansker oder holderäpfel auf stämme von passamäner und anderer grossen äpfel oder muscatellbirnen, auf pfundbirnen-stammen peltzet. 446
b; stammen
neben stamm
verzeichnet Kramer
dict. 2 (1702), 905
a (
s. II, 3,
c, γ).
auch mischformen finden sich: zur ergrösserung und zunehmen sowol des stammens als der äste. Hohberg 1, 446
b;
entsprechend eines stammens und geschlächts,
germanus. Maaler 384
a (
vgl. II, 3,
c, β).
in der heutigen sprache hat sich diese schwache form kaum anders als mundartlich erhalten: der stammen (
neben stamm) Schöpf 698; der stamme (
doch der plur. stämme) Hunziker 250.
so erklärt sie sich wol auch bei Leoprechting: an dritthalbhundert jahre sasz hier (
auf schlosz Igling) das geschlecht der Donnersperg, gar ein ehrenwerther stammen, den grundholden eine gütige herrschaft.
aus dem Lechrain 111. I@33)
im neueren niederd. läszt sich neutrales geschlecht des wortes belegen: dat stam störwet ut. Schambach 207
b. IIII.
bedeutung. II@11)
im eigentlichen sinne. II@1@aa) stamm
als der theil eines baumes, im gegensatz einerseits zu den ästen und zweigen und andrerseits zu den wurzeln: stamm eines gewächses oder baumes,
stirps, caudex, truncus arboris. Maaler 384
a; stamm desz baums unden von der wurtzen auff bisz an die äst,
crus arboris. ebenda; stamm, stock,
le tronc, la souche d'un arbre. Hulsius (1616) 305
b; stamm eines baums,
tronco, troncone, fusto del albero senza rami. (1618) 237
a; stamm, baumstamm,
caudex, stirps. Stieler 2119; stamm eines feigenbaums,
truncus ficulnus. ebenda; der stamm ist mit rinde überzogen,
truncus cortice obducitur. Steinbach 2, 665; an bäumen sind die stämme, äste und blätter,
in arboribus sunt trunci, rami et folia. ebenda. vgl. noch folgende erklärungen: ein stam (
stirps) wird es (
das erdgewächs) geheissen, so fern es sich in eine spitze, äste, ästlein undt grüne zweige oder laub auszbreitet. Comenius
janua (1644) 107; stamm, die natürlichste und ordentlichste bedeutung dieses wortes ist die, dasz es von dem dickesten theile eines baumes gesaget wird, woran alle äste stehen. Gottsched
beobachtungen 276.
in der heutigen sprache der botanik: stamm
die hauptachse baumartiger gewächse. belege: noch nemint bilde vone zwein estin die ûʒir eineme stamme gewassen sint. Wackernagel
leseb. 1
2, 192, 10; wenn ein wurtzel vergifft ist, so muosz von not wegen der stam und die est verderben und nütt sollen. Keisersberg
brosaml. 2, 64
d; wie eine eiche oder linde, welche den stam haben, ob wol ire bletter abgestossen werden.
Jesaj. 6, 13; das nicht allein die bäume so fein gerad und hoch von stammen, sondern auch artig in die fünffsichtige ordnung gesetzet.
a. weish. lustg. 51; die rinde bedeckt oder bekleidet alles, sowohl die äste, als auch den stamm und die wurtzeln. Döbel 4, 20
a; und doch ist es die herbe luft, die die pflanze vor zu groszer üppigkeit schützt und dichtes holz dem stamm verleiht und feste rinde. Ludwig
gedanken 61; am stamm (
der eiche) lief die schmale treppe hinauf, jedes der beiden gemächer war nach unten durch eine fallthür geschlossen. Freytag 8, 162; nun eine honig wabe — die zellen mochten mit liqueur gefüllt sein — wie sie die wilde biene in den stamm der hohlen eiche baut. Storm 1, 194; der bündner lud seinen gast mit einer handbewegung zum sitzen ein auf die rings um den stamm der ulme laufende bank. C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 42; an einem leuchtenden morgen, sieben tage nach der todtenfeier, sasz im schwarzen schatten einer ceder, den rücken an den stamm gelehnt ..., der mönch Astorre.
novellen 2, 42; zu füszen der ulme, wo das hölzerne trepplein über den ungefügen stamm hinaufkletterte. Ganghofer
gotteslehen 62; der linden grôʒ was der stam.
Parz. 505, 9. II@1@bb)
auszergewöhnlich bezeichnet stamm
auch den stengel kleinerer pflanzengewächse. nach Adelung
ist diese begriffserweiterung von stamm
im sinne von stengel
nur in der kräuterkunde eigentlich üblich: truncus im allgemeinen für den stamm aller pflanzen. Nemnich 1501.
am naheliegendsten für die hauptrebe des weinstockes gebraucht: und es wuchs und war ein ausgebreiter weinstock, und nidriges stammes.
Hesekiel 17, 6;
doch auch sonst: gewöhnlich streift sich das bald ab, wie die blätter der alpenrose, wenn sie vom stamm weg kommt. Felder
reich und arm 313.
vgl. auch stammviole
als bezeichnung von cheiranthus cheiri. II@1@cc)
verloren hat sich nhd. scheinbar ein in der älteren sprache vereinzelt vorkommender gebrauch von stamm
für zweig: dar uʒ (
aus der arche) di ture tube vlouk di Noe da nicht betrouk, die brachte in erem munde nicht lam von oleiboume einen grunen stam. Brun v. Schonebeck 3899. II@1@dd)
häufig der abgehauene stamm,
wie er zum hausbau u. a. verwendung findet. diesen erweiterten gebrauch vermitteln wendungen wie: der stamm des baumes, welchem die äst abgehawen seind, das stammbloch,
truncus. Dasypodius; von einem stammen eines baums gemachet,
caudeus. Maaler 384
a; die nöthige stämme zum bau fällen (schlagen) lassen,
far' tagliare, abbattere gli alberi necessarii per la fabrica. Kramer
dict. 2 (1702), 904
c; ein abgehauener stamm,
caudex, truncus. Frisch 2, 316
c; wellicher aber diss oder als vorsteet ybertretten würde, der soll gestrafft werden, von ainem ieden abgeschlagnen stamen umb fünf (℔) perner.
tirol. weisth. 4, 287, 31; meinen gatten und ernährer hab' ich traurig jüngst verloren, als er einen stamm geschlagen, der ihn fallend niederschlug. Keller 10, 154.
diese hier noch deutlich gemachte beziehung des stammes zu dem baumganzen wird dann überhaupt nicht mehr zum ausdruck gebracht: II@1@d@aα) den stamm zerhauen,
truncum conscindere. Steinbach 2, 665; item wer dem andern sein holz abschlecht, ân urlaub, der ist dem das holz ist als oft für ainen stamb 5 ℔ 60 ₰. verfallen.
steir. u. kärnt. taidinge 31, 12. II@1@d@bβ)
mit weiterer bestimmung: ein stamm bauholz. Gottsched
beobachtungen 2176; ich werde zu diesem baue so oder so viel stämme holz brauchen.
ebenda; fünfzig stämme bauholz. Adelung. II@1@d@gγ)
ein gegenstand ist aus einem stamm
gefertigt: dort nahmen uns fährleute der barbaren in kähne auf, die aus einem stamm bestehen, den sie selbst aushöhlen und glätten. Freytag 17, 148. II@1@d@dδ)
auch sonst der mehr oder weniger behauene stamm: einen stamm in die erde einrammen,
anstatt einen balken, pfahl einrammen. II@1@ee)
besondere anwendungen: II@1@e@aα)
der stamm
als bestandtheil von Christi kreuz, gewisz aus den vorigen gebrauchsweisen sich ergebend, wenn auch die im mittelalter ausgebildete anschauung vom zusammenhang des paradiesesbaum mit dem kreuz des erlösers hier mit in anschlag zu bringen ist: der da ... sein arm auszgestreckt hat, an den stammen des heiligen kreutzes für uns den schantlichen tod gelitten. Keisersberg
trostspiegel Dd 4
a; das einige volkomene opffer unsers herren und heilands Jesu Christi, welches er einmal am stammen des creutzes gott auffgeopffert. J. Gretter
erklärung der epistel Pauli an die Römer (1566) 788; desz herrn Christi leib selbst, ... wie er am stammen des creutzes gehangen ist. Schaller
theologischer heroldt (1604) 159; die sieben wort, welche der herr Jesus am stamm des heiligen creutzes gesprochen hat. Schuppius 449; das sich nit zympt ouch übel stympt zuo christenlichem namen ain söllich gsperr und wirrewerr, ghört nit zuo crützes stammen. A. Blaurer
in Wackernagels
kirchenl. 3, 586
a; o lamm gottes unschuldig am stamm des kreuzes geschlachtet, all zeit erfunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet. Nic. Decius. II@1@e@bβ)
der schandpfahl, pranger, welcher auf öffentlichem platze aufgestellt ist: unnd was die particular mengel und beweiszliche gebrechen sein, das mögen und sollen die an stamm bringen und offentlich und mit warheit rügen, die hiezu vereidet und verordnet sein. Mathesius
Sarepta 153
a. II@1@ff) stamm
als bezeichnung des ganzen baumes, doch mit ausschlusz der in der erde sich bergenden wurzeln: '
so wie man in weiterer bedeutung unter stamm
oft den ganzen baum verstehet, so fern er um seines stammes
willen geschätzet wird.' Adelung; item wer fruchpar paum oder stam abhaut.
tir. weisth. 4, 304, 11; wer pernden stam, paum ... abhaut, der da fruchper were. 12; die dicken wälder auf beiden höhen sind unbenutzt. hier faulen stämme zu tausenden übereinander, und junge spröszlinge keimen in unzahl auf halbvermoderten vorfahren. Göthe 25, 331; wenn der stamm zum himmel eilet, sucht die wurzel scheu die nacht, gleich in ihre pflege theilet sich der Styx, des äthers macht. Schiller 11, 202;
dem entsprechend: denn ach! der krieg verwüstet saat und reben und korn und most; vertilget frucht und stamm. Ramler 1, 42. (
bildlich:) ich verstehe — die blätter fallen vom stamme — mein herbst ist gekommen. Schiller
räuber 4, 14 (
trauersp.); dunkle kunst, die mich die mutter gelehrt, die den stamm du treibst in des lebens lüfte und die wurzeln geheimniszvoll hinabsenkst zu den klüften der unterwelt. Grillparzer
4 4, 46.
mit einer adjectivischen bestimmung: ein dicker, alter, grosser, geschlachter stamm,
un piè, pedale d'albero grosso, antico, dritto, schietto. Kramer
dict. 2 (1702), 904
c; ein grader, hoher stamm Adelung. II@1@gg)
zu einer gewissen festigkeit ist diese erweiterte bedeutung von stamm
gekommen als bezeichnung der jungen bäumchen in einer baumschule, welche durch ein aufgesetztes reis oder eingesetztes auge veredelt werden: '
auch in den baumschulen werden die jungen bäume gemeiniglich stämme
genannt, ohne zweifel weil man sie daselbst um ihrer stämme
willen erziehet'. Adelung.
vgl. auch unten stämmchen; mit der baumpflantzung geht es also zu, dasz das geschlachte zweiglein, wenn es auff einen wilden stammen gepfropffet wirdt, die art des wilden stammes nicht an sich nimpt, sondern der wilde stamme richtet sich in die art des geschlachten und aufgepfropfften zweigleins, und wird also der gantze baum miteinander geschlacht. also sind wir menschen von art und natur her wilde stammen. Gretter
erklärung der epistel Pauli an die Römer (1566) 342; will man aber auf frembde bäume impffen, so soll man allwegen diejenigen stämme
dazu nemmen, welche sich zum allermeysten mit der zweigen natur vergleichen: dann die schosz sein das fürnemste, das die wilde stammen soll fruchtbar machen, unangesehen das sie narung geben müssen. Sebiz 322; im fall dir auch solches (
baumwachs) mangelt, nimm heublumen, und misch des erdrichs oder des grunds darrunter, da der gezweigte stamm stehet. 329.
doch wird der junge stamm
von den schon fruchttragenden bäumen noch unterschieden: man pfleget auch mit stämme setzen bäume zu zeugen, beydes im herbst und im frühling. Coler 1, 192
b; wir aber hier in der Marck heben an stämme und fruchtbare bäume zu versetzen nach Michaelis, so bald das laub von den bäumen ist.
ebenda. II@1@hh)
in sprichwörtlicher wendung: der apfel fällt nicht weit vom stamm,
d. h. art läszt nicht von art: der apfel fällt nicht weit vom stamm, das ist, die kinder schlachten den eltern nach,
non procul a proprio stipite poma cadunt. Frisch 2, 316
c; der apfel fällt nicht weit vom stamme (
non procul a proprio stipite poma cadunt). Steinbach 2, 665. Adelung.
vgl. nieders. de appel felt nich wît von'n stam. Schambach 207
b; so geht es von natur.das böcklein folgt den rammen, der apffel fält nicht weit gemeinlich von dem stammen, der mutter abrisz ist die tochter insgemein: wie jetzo Thais ist, so wird ihr kind auch seyn. Rachel 29; edel sind sie und brav, ihr werdet es nimmer bereuen, wenn das wort sich bewährt, das alte, vom stamm und vom apfel. Hebbel 8, 302
Werner. und schon hinüberspielend in die verwendung 3,
b. c: wir machen's just wie unsre lieben alten, und trösten uns damit, das unsre junge welt, dem ansehn nach, nicht weit vom stamme fällt. Wieland 5, 66 (
der neue Amadis 14, 7).
anders: es sind, sagt man, entweder meistens alte (oder) bittere stämme, auf die man neue zweige gepropft hat. Lichtenberg
aphorismen 2, 156, 181
Leitzmann. II@22)
in der sprache der anatomie in übertragener verwendung stamm
bezeichnung von kopf und rumpf des menschlichen körpers. II@33)
bildlich. II@3@aa)
eine nhd. ausgestorbene bildliche verwendung des wortes, die mhd. in schönster blüte erscheint, musz hier herangezogen werden, weil sie gleichsam die wurzel des gebrauches unter 3,
b ff. aufdeckt. wie der stamm
eines baumes als die grundbedingung und der sichtbare träger der äste, zweige, blätter, blüten und früchte des baumes erscheint (
während sich die wurzeln im erdreich dem auge verbergen),
so vergleicht ihm die ältere sprache den menschen, welcher tugenden oder untugenden gleich blüten und früchten zeitigt: sus fuor die lônes bernden vart ein wurzel der güete und ein stam der diemüete.
Parz. 128, 28; er was des libes ein helt und rechter zuchte ein stam.
livländ. reimchron. 11658; sît dû an helfe bist laʒ dem, der ie was ein stam der triwen, zuht und scham. Ottokar 21834; eyns dags ich fur gerichte kam da ich mir eynen vursprech nam, der solt des rechten sin ein stam. Muskatblut 83, 51.
auch materieller gewendet: so heiszt der eigentliche inhaber eines lehn- oder erbgutes, welcher für die dieses besitzes mitgenieszenden den zins oder die erbpacht an den lehnsherren auszahlt, der stamm: it. ein wildhube hat empfangen Scheffers Kest von Niderroda ... als ein stamm für sich und sein miterben.
quelle bei Haltaus 1728. Heintz Kunssen als einem stammen oder lehndrager.
ebenda; wann deren landsiedel und erben viel waren, so sollen sie auf begehren des lehnherrn einen stamm unter ihnen machen, also das durch denselben aus einer hand, die zinss oder pacht jedes jahrs sammtlich und nicht vertheilt mögen gereicht werden.
quelle ebenda. hieraus erklärt sich die gelegentliche verwendung von Stamm
als (
vor-)
name von personen, zunächst adligen geschlechtes. vgl. Crecelius
oberhess. wb. 803,
so neben Kraft
in der familie Schenk v. Schweinsberg. der familienname Stamm
erklärt sich einfach wie bildungen: Balke, Stange, Stengel, Klotz
u. ä. II@3@bb)
zu unterscheiden sind davon jüngere bildliche verwendungen wie: jenem (
dem realisten) fällt es nicht ein, dasz der mensch noch zu etwas anderem da seyn könne, als wohl und zufrieden zu leben; und dasz er nur deshalb wurzeln schlagen soll, um seinen stamm in die höhe zu treiben. Schiller 12, 518; ich bin ein alter stamm und es ist zeit, dasz ich gefällt werde, auch für dich, mein könig, habe ich zuweilen den kampf mit edlen feinden ersehnt, als ruhmvolles ende deiner mühen. Freytag 8, 119; den schmuck der zweige habt ihr abgehauen, da steh' ich ein entlaubter stamm!doch innen im marke lebt die schaffende gewalt, die sprossend eine welt aus sich geboren. Schiller 12, 294 (
Wallensteins tod 3, 13). II@3@cc) stamm
in dem sinne von geschlecht, familie u. s. w. auch hier ist ursprünglich, ähnlich dem gebrauche unter 3,
a, das verhältnis eines einzelnen mannes zu seinen kindern als das des stammes zu seinen zweigen gedacht, vgl.: wan was dein weisheit lobs erwirbt, mit deinem dot es als abstirbt, weil du kain sun hast von deim stamen, der nach dir erleucht deinen namen. H. Sachs 6, 111, 147
Götze. und erst hiernach wurden die ihm voraufgehenden generationen mit einbegriffen und das wort erhielt so die erweiterte bedeutung '
gens': der stamme des geschlechts,
prosapia. Dasypodius; der stamm eines geschlAechts,
genus, prosapia, soboles, propago, sanguis, familia. Maaler 384
a,
die geschlechtsgenossen wachsen gemeinsam auf einem stamme. auch stamm und ursprung des geschlächts,
stirps. ebenda. gewöhnlich aber ohne diese genitivische bestimmung. II@3@c@aα)
mit einer mehr oder weniger deutlichen hervorhebung des zu grunde liegenden bildes: es wird aber der zweige einer von jrem (
der königstochter) stam auffkomen, der wird komen mit heerskrafft, und dem könige gegen mitternacht in seine feste fallen, und wirds ausrichten und siegen.
Daniel 11, 7;
vgl.: und es wird eine rute auffgehen von dem stam Isai, und ein zweig aus seiner wurtzel frucht bringen.
Jesaja 11, 1. also ist der stamm, der ain gehen ufgang gehabt, und schnell zugenomen, auch baldt wider zergangen.
Zimmerische chron.2 1, 198, 5; zu dem das ich von guetem stammen geboren unnd nit aines geringen herkommens.
speculum vitae humanae 4
neudr.; die ihm oft vorschwebende, ganz nahe auswurzelung seines groszen stammes betrübte ihn zuweilen bis zu thränen. Schubart
leb. und gesinn. 103; aus gutem edlem stamm bin ich entsprossen, bin kein findelkind, dessen sich die ältern schämten, wie mir die bösartigen knaben der stadt sonst nachschrieen. Arnim 3, 128 (
kronenw.); die Cherusker erbaten sich einen römisch erzogenen landsmann von Rom, weil er der letzte spröszling aus dem erlauchten stamme Armin's war. Freytag 17, 77; ich preisz den hohen stammen, von dem entsprungen ist herr Ulrich mit dem namen, hertzog ohn argen list.
lied von 1534
in Mones
anz. jahrg. 1839,
sp. 189. und sieht man Wigbert sich als einen zweig erheben geimpft auf fruchtbar'n stamm durch kluge gärtnerhand, die alles schädliche vorsichtig abgewandt. Postel
Wittekind 41, 563; fallen seh' ich zweig auf zweige, kaum noch hält der morsche stamm; noch ein schlag, so fällt auch dieser, und im staube liegt die eiche. Grillparzer
4 3, 9. II@3@c@bβ) stamm
neben geschlecht
und gleichsam durch letzteres erklärt: eines stammens und geschlächts,
germanus. Maaler 384
a; und vermainen vil, ... er seie des stammens und geschlechts der herren von Geroltzeck gewest.
Zimmerische chron.2 1, 127, 16; bisz er (
der Messias) entlich selbs persönlich in diese welt komen, und einen menschen von der reinen jungfrauen Maria, so des geschlechts und stammen Davids gewesen, an sich genomen. Gretter
erklärung der ep. Pauli a. d. Römer (1566) 582; derselbige graff war auch desselbigen stammens und geschlechts, desz vorgenannten graffen von Potiers, und seines schilts und helms genosz, denn er war sein rechter ohem.
buch der liebe 262
d; damit nun männiglichen, auch nach meinem tode die meinigen wissen können, aus welchen stämmen und geschlechtern oder häusern meine ankunft herfleuszet. Schweinichen
denkw. 11
Österley; die eines geschlechtes und stammes (
progeniei et prosapiae) sind, werden freunde, verwandten und blutfreunde genennet. Comenius (1657) 601,
wo synonymer gebrauch beider wörter vorliegt; vgl.: der stamm oder geschlecht,
natales. Corvinus 427
a; aus eines stamm oder geschlecht seyn,
ex stirpe alicujus progenitum esse. Frisch 2, 317
a. einmal ist es gewiss, das die geschlechter oder liniae alle ... ein gleichförmig schilt und helm gefüert, ... welches aber unter den allen die hauptlinia und der recht erst zimbrisch stam gewesen, das mag ... bestendigclichen nit gesagt werden.
Zimmerische chron.2 1, 140, 3.
doch eine verschiedene wertung beider begriffe liegt zu grunde: dis sind die namen der kinder Levi, in jren geschlechten, Gerson, Kahath, Merari. ... die kinder Merari sind diese, Maheli und Musi, das sind die geschlechte Levi in jren stemmen.
2 Mos. 6, 19. (
vgl. hierzu 3,
d.) II@3@c@gγ) stam, slechte,
prosapia. Dief. 467
a; magenschafft, geschlecht, stamm,
consanguinitas, prosapia, gentilitas, genus, propago. Henisch 1224, 66; stamm, geschlecht,
une race, lignée, famille, una razza, famiglia, stirpe. Hulsius (1616) 305
b; stamm, geschlecht,
parentado, legnagio, casata, prosapia, razza, stirpe, genealogia. (1618) 237
a; stamm, stammen,
met. stirpe, schiatta, legnaggio, casata, progenie, famiglia. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; stamm, geschlecht,
stirps, stemma, progenies, sanguis. Frisch 2, 317
a. von demselben stamme geboren sein
u. s. w.: so werden auch zwen, so von einem stammen geporn sein, nicht unter die siben eltern herrn geweelt.
d. städtechron. 11, 792, 18; er ist von eben demselben stammen geboren,
egli è nato, uscito dalla medesima stirpe, dal medesimo ceppo. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a;
auch von eben demselbigen stamm seyn,
ejusdem stirpis esse. Frisch 2, 317
a oder ausz einem stamm,
d'una casata, d'un legnagio. Hulsius (1618) 237
a; von was vor stamm,
qua prosapia. Stieler 2119; seinen stamm vermehren,
stirpem augere. Frisch 2, 317
a; seinen stamm vermehren. Adelung. Theodorich, der von ihnen (
den Amalern) abstammte, legte so groszen wert darauf, dasz er den Euthanarich aus Spanien berief, weil er zu diesem geschlechte (
der Amaler) gehörte, um ihn mit seiner tochter Amalasuintha zu vermählen und seinen stamm in vollem glanze zu erhalten. W. Grimm
deutsche heldensage 1. ein stamm geht unter, erlischt, stirbt aus: der stamm gehet under,
haec familia expirat, ad paucos redacta est. Stieler 2119; der gantze stamm ist abgestorben (untergegangen),
tutta la stirpe etc. progenie è morta, estinta, perita. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; der ganze stamm ist ausgestorben. Adelung; kein stamm geht unter, aber erst wenn feindliche stämme sich innerlich versöhnen und verbinden, wird der friede kommen auf erden. Arnim 3, 34 (
kronenw.). der letzte seines stammes: dieweil ich auch weder vatter noch mueter, meine geschwistergeth mir auch alle mit tod abgangen, unnd ich also ainiger unnd der letste meines stammens verlassen.
speculum vitae humanae 5
neudr.; er ist der letzte seines stammes. Adelung. er hat seinen stamm beschrieben,
a descritto la suoa genealogia. Hulsius (1618) 237
a. o, wie musz ich den beneiden, der den stamm, dess' sohn er ist, kennt, dasz er den fluch der leiden nicht in seinem schuldbuch liest! Brentano 3, 307. II@3@c@dδ)
mit einem adjectivischen zusatze. alter, uralter stamm: alter stamm,
prosapia vetus. Stieler 2119; ein uralter stammen,
una stirpe, schiatta, famiglia antica. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; daraus ich beweisen könne, möge und solle, dasz ich aus uraltem, löblichen, adelichen stamme geboren und herkommen bin. Schweinichen
denkw. 11
Österley; so denket jener oberhäupter, ... der beiden fürsten, die von einem alten stamm entsprossen. Göthe 11, 304. zarter stamm: Mopsus ist von zartem stammen, seine väter allzusammen speyten nur am sontagslicht auff die erde, sonsten nicht. Logau 1, 76, 3. hoher stamm: von hohem stamm,
summo loco natus. Dasypodius; wann herrlich, sprach er, ist mein namm mein kinder sind von hohem stamm. H. Sachs
fastn. sp. 1, 31, 322
Götze; ich bin erschrocken von so hohen stammes werth (
d. h. eines gottes sohn zu sein). Göthe 46, 34; und nennst du mich nicht klug, weil ich ein diener nur, ihr hohen stamms? meinst du, die klugheit erbe eben fort vom vater auf den sohn, wie geld und gut? Grillparzer
4 6, 64. guter stamm: er ist von einem guten stamm,
familia clarissima prognatus est. Stieler 2119; von einem guten stammen entsprossen seyn,
esser' uscito, nato, disceso da stirpe, estrattione, schiatta chiarissima, di alta conditione, di gran nascita. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; dein wilde mag wol werden zam, pist du von guetem stamme. Osw. v. Wolkenstein 97, 94
Schatz; nein, so grob wOellen wirs nit machen, weil er auch einer ist vom adel, von gutem stamm on allen tadel. H. Sachs 3, 17, 68
Götze. geringer stamm: geringes stammes,
de petite maison, di picciol famiglia. Hulsius (1616) 305
a; geringer stamm,
genus humile. Stieler 2119.
aus der anschaulichkeit des zu grunde liegenden bildes mehr heraustretend, edler stamm (
wenn dieses auch dem veredelten obststamme
immerhin noch entsprechen mag): edeler stamm,
familia splendida, stirps generosa. ebenda; 'das wildpret!' schreit der bräutigam, 'der kater war von edlem stamm ...'.
des knaben wunderh. 1, 131
Boxberger. doch vornehmer, adelicher stamm: vornemlich stam,
genus. Dief. 260
b. adeliches stammes,
noble, de bonne maison, de bonne tige. nobile di buona famiglia, schiatta. Hulsius (1616) 305
b; von adelichem stammen ... entsprossen seyn,
esser' uscito, nato, disceso da stirpe, estrattione, schiatta etc. sangue illustre, chiara, nobile, nobilissima. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; von adelichem stamme,
nobili genere natus. Steinbach 2, 665. gräflicher, fürstlicher, königlicher (
u. s. w.) stamm: ein kind von künigklichem stammen,
regiae domus proles. Maaler 384
a; von künigklichem stammen oder bluot här sein,
contingere regiam propinquitate. ebenda. gräffliches stammes,
issu de contes. disceso da conti. Hulsius (1616) 305
b; fürstliches stammes,
de maison illustre. di casa illustre. ebenda; königliches stammes,
du sang royal. del sangue reale. 306
a; gräfflicher, fürstlicher stamm,
stirpe di conti, principi. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; königlicher stamm,
stirpe reale. ebenda; von königlichem stamme,
cognationi stirpi regiae innexus. Steinbach 2, 665. wir zu Jerusalem und im gantzen Juda, sampt den eltesten, und Johannes, wündschen Aristobulo des königs Ptolemei schulmeister, der von dem priesterlichem stamme ist, ... glück und heil. 2
Macc. 1, 10; das (
ihren könig getötet zu haben) reut sie (
die Heruler) bitter, und sie senden aus Illyrien, wo sie damals siedeln, eine gesandtschaft nach Skandinavien zu dem königlichen stamm ihres volkes, um von dort einen sprosz ihres erlauchten geschlechts zu holen. Freytag 17, 77; mit dem königlichen stamme der Hasdinge. 112; bey jr (
der herzogin) ich dausz gelassen han ein edlen knaben wolgethan, auch von fürstlichem stam geborn. H. Sachs
fastn. sp. 1, 9, 295
Götze. ein einfacher verdeutschungsversuch von linie (
s. linie 9,
theil 6, 1042)
ist wol stamm
als der männliche, weibliche stamm,
la stirpe, discendenza, linea mascolina, feminina. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; der männliche, der weibliche stamm. Adelung. II@3@c@eε)
in der älteren sprache findet sich die reimende verbindung eines stammens und nam(m)ens sein,
zu demselben geschlechte gehören: die eyns geschlechts, stammens und nammens seind, oder eyn gleichen nammen haben, welche vorderen allwegen frei seind gewesen,
gentiles. Dasypodius; nachdem inen gott kain leibserben verliehen, auch sonst kainer mer ires namens und stamens.
Zimmerische chron.2 1, 65, 34; herr Ludolf, freiherr von Gröningen auf dem Schwarzwaldt, im Brigenthal gesessen, der letst seins stamens und namens und denen freiherren von Zimbern gar nahe mit sipschaft verwant. 98, 33; er ist der letzte seines namens und stammes (stammens),
egli è l'ultimo del suo titolo e della sua famiglia, casa, casata, discendenza. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a. II@3@c@zζ)
in allitterierender verbindung stamm und stand: es liebet schaf und hirten das hirtisch kindelein, es leitet her von hirten den stand und stammen sein. Spee
trutznacht. 145, 36
Balke. II@3@c@hη) der stamm beruht auf einem,
ihm liegt der familie fortpflanzung ob, er ist das haupt der lebenden generation einer familie: seitmals der ganz stamm auf gedachtem herrn Wörnhern und sein herrn vatters brueder, herr Conradten, beruwen war.
Zimmerische chron.2 1, 185, 18; dargegen aber widerfacht sollichs (
erben) ir vetter, herr Steffan der junger, mit anzaigung, das auf im der stam Gundelfingen beruwen wer, desshalben er billich der recht erb. 214, 19,
wo dieses verhältnis das recht des haupterben begründet. vgl. auch: item, das der erstgeporne sitzen bleib ynn des vaters liegend gut und der stam auff yhm bleib, das die linien des geschlechts nach yhm gefuret ward. Luther 24, 440, 14
Weim. ausg. II@3@c@thθ)
mehr verblaszt zu der bedeutung '
herkunft, abkunft'
u. s. w.: warum solt nit auch wol zu glauben sein, dasz Petrus sein stammen und herrlichkeit stattlich zu erhalten, den Paulum nit vil in seiner gefengnusz besucht habe. Fischart
bienenkorb 119
b; und dasz ich schlieszlich so schlecht beklaydet auffziehe, solches geschicht auch nicht ohne sonderbare ursach, seytemal mein stamm und interesse der gleichen klaidungen und noch wohl schlimmere erfordert.
Simplîc. 3, 198, 32
Kurz; vgl.: wyplichs geschlecht, freuwlicher nammen, unser geburt und unser stammen hat mich bewegt, brocht uff den synn, das ich zuo erst har gestanden bynn. Murner
gäuchmatt 84, 31
Uhl; das edle teutsche reich ist unser vaterland, teutsch seind wir von geburt, von stammen, hertz und hand. Weckherlin
ged. 840; der in dem himmel wohnt der lasse ja die gunst nicht unbelohnt. er gebe dir für diese freundligkeit was über stamm, und stand, und glück und zeit. A. Gryphius
ged. (1698) 635; und eben dir imgleichen mögt' es zu schlechtem ruhm so stamm's als schönheit reichen. Postel
Wittekind 199. II@3@dd)
wie die familie sich von einem urahn als dem stammvater
herleitet, wird auch ein volk oder der theil eines volkes, von einem manne abstammend gedacht, als ein stamm
bezeichnet. so besonders die zwölf stämme der kinder Israel,
le dodici tribù de' figliuoli d'Israelle. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; stamm, wann die rede vom geschlecht der Juden und den zwölff stämmen der kinder Israel,
tribus. Frisch 2, 317
a; die zwölf stämme Israels. Gottsched
beobachtungen 276; von dem stammen Juda, von dem stammen Levi
u. s. w., dalla tribù di Giuda, dalla tribù di Leui. Kramer
dict. 2 (1702), 905
a; der stamm Juda,
tribus Iudae. Steinbach 2, 665; das sind die zwelf stemme Israel alle, und das ists das ir vater mit jnen geredet hat, da er sie segnet.
1 Mos. 49, 28; einen altar ... mit zwelff seulen nach den zwelff stemmen Israel.
2 Mos. 24, 4; in gold sollen sie (
die edelen steine) gefasset sein in allen rigen, und sollen nach den zwelff namen der kinder Israel stehen, gegraben vom steinschneiter, ein jglicher seines namens nach den zwelff stemmen, 28, 21; da redet Mose mit dem volck, und sprach, rüstet unter euch leute zum heer wider die Midianiter, das sie den herrn rechen an den Midianitern, aus jglichem stam tausent, das jr aus allen stemmen Israel in das heer schickt.
4 Mos. 31, 4; das sind die fürsten der stemme Israel.
2 chron. 28, 22; den öbersten vetern der stemme der kinder Israel.
4 Mos. 32, 28; nach der zal der stemme der kinder Israel.
Josua 4, 5. (
ein einzelner stamm:) den son Uri, des sons Hur vom stam Juda.
2 Mos. 31, 2; der kinder Ruben des ersten sons Israel, nach jrer geburt, geschlechte, jrer veter heuser und namen, von heubt zu heubt, alles was menlich war, von zwenzig jaren und drüber ... wurden gezelet zum stam Ruben, sechs und vierzig tausent und fünffhundert.
4 Mos. 1, 21.
dafür auch: denn der stam der kinder Ruben des hauses jres vaters, und der stam der kinder Gad des hauses jrs vaters ... haben jr teil genomen. 34, 14; der stam der kinder Joseph hat recht geredt. 36, 5; also gab Mose dem stam der kinder Ruben nach jren geschlechtern.
Josua 13, 15; der stam der kinder Gad unter jren geschlechten. 24 (
vgl. dazu unter 3,
c, β).
in verdeutlichtem bilde: und es rewete die kinder Israel uber Ben Jamin jre brüdere, und sprachen, heute ist ein stam von Israel abgebrochen.
richter 21, 6.
doch die biblische sprache ist nicht der herd dieser bedeutungsentwicklung, ihr ursprung reicht weiter zurück. vgl.: wan her Nîthart hât ein wîp, daʒ niht schöners lebt von menschen stamme, sô minniklîch gestalt.
minnesänger 3, 242
a v. d. Hagen. und auf diesem älteren schon allgemeinen gebrauche beruht: Pharo wolt der Juden stammen tilgen drch dj händ der ammen. Schwartzenberg
teutsch Cicero 104
b. jede nation des alterthums hatte ihre angeerbte und eigenthümliche eintheilung in stämme, sey es durch drey, oder vier, oder eine andere zahl. Niebuhr
röm. gesch. 1, 332; die stämme waren keine kasten: aber von den eigenthümlichen grundformen der nation, der ein neu entstehender staat angehörte, abzuweichen, war nicht gestattet. 333; erst kraft der schriftsprache fühlen wir Deutsche lebendig das band unserer herkunft und gemeinschaft und solchen vortheil kann kein stamm glauben zu theuer gekauft zu haben oder um irgend einen preis hergeben wollen. J. Grimm
d. gramm. 1
s. xiv; das verlangen des deutschen volkes nach seiner nationalen wiedervereinigung ohne auflösung der geschichtlich gewordenen staaten und stämme. Hase
lehrb. der kirchengesch. 424; hier ist allerdings die Schweiz mit ihren drei stämmen und sprachen im nachtheile. C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 157; damit war das leben des stammes noch nicht gebrochen. Freytag 17, 46; ja, wenn der bauer im heere zur schlacht zog, wollte er nicht leiden, dasz sein feldherr, oder der fürst des stammes neben ihm auf dem rosz in die schlacht zog. 17, 72; sie (
die Sachsen und Friesen) sind in der völkerwanderung am wenigsten von allen deutschen stämmen zerstreut. 75.
doch auch: die alterthümliche herbe sitte und verhängniszvolle begabung des deutschen stammes. 46; stämme wollen gegen stämme pochen, kann doch einer was der andere kann! Göthe 3, 252; zum kampf der wagen und gesänge, der auf Corinthus länderenge der Griechen stämme froh vereint. Schiller 11, 240. stamm
dann auch das von einem volksstamme besiedelte land: und er zoch durch alle stemme Israel, gen Abel und Beth Maacha, und gantze Haberim, und sie versamleten sich und folgeten jm nach.
2 Sam. 20, 14; und der könig sprach zu Joab seinem feldheubtman, gehe umb her in allen stemmen Israel, von Dan an bis gen Ber Seba, und zele das volck, das ich wisse wie viel sein ist. 24, 2. II@3@ee)
häufig auch synonym mit zweig (
s. unten),
so stamm
einer sprachenfamilie (
s. auch oben sprachstamm
theil 10, 1,
sp. 2782): man scheidet von der deutschen sprache zuvorderst sowol den alten gotischen stamm aus, als den nordischen oder scandinavischen. J. Grimm
d. wörterb. vorr. xiv; stämme
menschlichen erkenntnisvermögens: nur so viel scheint zur einleitung oder vorerinnerung nöthig zu sein, dasz es zwei stämme der menschlichen erkenntnisz gebe, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten wurzel entspringen, nämlich sinnlichkeit und verstand. Kant 2, 56. II@44)
in weiterer festgewordener übertragung stamm
der erste grundstock eines verhältnisses, einer einrichtung, einer sache, der ihre dauer gleichsam verbürgt und begründet. II@4@aa)
von einem festen personenbestande: der stamm des heeres,
die im frieden vorhandene active mannschaft im gegensatz zu den reserven. ebenso auch der stamm eines bataillons, einer kompanie; stamm der arbeiterschaft einer fabrik
u. s. w.: die arbeiter aus den nächsten dörfern kamen unregelmäsziger, als wünschenswerth war: aber der stamm hielt doch fest. Freytag
soll u. haben 2, 197;
ebenso der stamm einer gesellschaft, eines vereins,
die zahl der alten festen mitglieder; der stamm der gäste eines wirtshauses,
welche dort regelmäszige und tägliche einkehr halten. vgl. unten stammgast, stammkneipe
und stammtisch. II@4@bb)
von hausthierbeständen: stamm einer schafherde; das gut hat einen tüchtigen stamm von kluft- und weichhärigen schafen. Adelung; ein stamm hühner,
grundbestand eines hühnervolkes: ein stamm hühner ist zu verkaufen. ein stamm bienen,
welcher den winter hindurch im stocke ernährt wird. II@4@cc)
in der sprachwissenschaft der stamm eines wortes,
aus dem eine wortform sich bildet; was nach fortnahme der flexionssilben von einem worte übrig bleibt: (
in einem wörterbuche) müsten demnach aufgesuchet, und alle in ihrem stamme oder stammletteren gesetzet werden, die unmangelbare zahl aller teutschen stammwörter. Schottel 159. II@4@dd) stamm,
das kapital im gegensatz zu den zinsen, welche es trägt; auch hauptstamm
genannt. Adelung.
hierher wol auch stamm
der geldeinsatz im spiel: da fanden sich auch hier, wie überall, die spieler zusammen und spielten hoch und lange, aber nicht solo oder schafkopf oder skat, sondern in der regel 17 und 4 und ausnahmsweise dreikarte mit hohem stamm, und stand gar oft das geld thalerweise auf dem spiel. Fischer
denkwürdigkeiten eines arbeiters. 220.
auch die wendungen noch einen stamm kegeln, einige stämme kegeln
beruhen wol zunächst auf dem dabei von jedem kegler gemachten geldeinsatz, eigentlich also den stamm auskegeln: heut ist im dorf kein so armer flegel der nicht seine etliche stämme kegelt. Tieck 2, 339. II@4@ee) ein stamm wolle,
niederd.: en stam wulle
der gegesamte wollenertrag, den eine schafherde bei einer schur ergiebt. Schambach 207
b;
daher die scherzhafte redewendung: er trägt einen guten stamm haare auf dem kopfe,
er hat dichtes haar. vgl. dei het en gaud stam hâre up'n koppe.
ebenda. II@4@ff) stamm
in der bergwerkssprache wol ein haupterzgang, von dem dann wieder die nebengänge sich abzweigen: auch sol man niemand sein paw durch wüst und durch offenvert an gewinnen, nuer durch ganzen stam, da kluft an kluft geet.
Salzburger taidinge 198, 7,
also nur das regelmäszige und geordnete bebauen der erzgänge ist gestattet. hieraus erhellt sich auch das folgende: '
nach einigen alten bergordnungen wird das bücherliche eigenthum eines gemeinschaftlichen bergwerkes in stämme,
jeder stamm
aber in kuxe abgetheilt. jetzt ist diese eintheilung auszer übung.' Scheuchenstuel 232; stamm, auf den bergwerken, ein 32. theil,
portio fodinae colendae, das sind 4 kuxe; und 32 stamm ist eine gantze zeche, oder 128 kuxe. Frisch 2, 317
a; unser bergvoigt soll alle die gruben, so er verleiht, zu 32 stämmen oder 64 halben stämmen austheilen.
quelle bei Veith 458; dem grundtherrn ... einen stamm vor den erbstam anbiethen.
quelle ebenda, d. h. den erbstamm
durfte der eigenthümer des bodens, auf welchem sich das bergwerk befand, mitbauen. II@4@gg)
in der sprache der anatomie stamm
bezeichnung einer hauptader im menschlichen körper, da sie mit ihren nebenadern dem stamm
und geäst eines baumes sich vergleichen läszt: aber hie nennen wir den stamm oder wurtzel einer jeden adern das theyl, welches dem hertzen oder leben am nechsten. Ryff
bei Höfler
deutsches krankheitsnamenb. 672
a. II@4@hh)
ganz verblaszt stamm (
als kurzform; s. unten stammessen),
das essen, welches ein gastwirt für seine stammgäste in bereitschaft hält, wol befördert durch eine äuszerliche übertragung des unter 4,
a angeführten gebrauches.