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schmer

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schmer n. m.

Bd. 15, Sp. 1030
schmer, n. m. adeps. ahd. smero, smer, mhd. smer, altsächs. smero, mnd. mnl. smere; adeps dat smere Dief. 12b, arvina smer, smere, smerre, smeer, schmeer, schmerb 52b, axungia smero, smere, smer, schmer 64a, pingwedo smer 435c, sagimen smer 507a; weiter entspricht ags. smeoru, smeoro, smero (dativ smeoruue, smerwe Wright-Wülcker 39, 25. 498, 14), später smere, altfries. smere, altnord. smjör, hier in der bedeutung butter. das wort ist als -wa-stamm ursprünglich altes neutrales adjectiv, einer wortreihe angehörig, deren glieder ihre eigenbedeutung auf dem grundbegriffe des fetten, salbenartigen und klebenden entfalten, und zu der goth. smaír-þr fett, mit anderer ablautstufe goth. smar-na kot, sowie das urverwandte litt. smarsas fett gehören; zur sippe wird weiter herangezogen ahd. marawi, muruwi mürbe, und lat. merda kot Noreen abrisz d. urgerman. lautl. 207. das innere w der alten deutschen form tritt mundartlich bisweilen als b auf, vgl. oben schmerb aus Dief. und Schm.2 2, 544, auch die form schmirben unter schmieren. das neutrale geschlecht des wortes ist erst im späteren nhd. zum theil durch das masculine abgelöst worden: was für eine abnahme soll über den schmeer, was für eine niederlage über die schweinslenden kommen! Lessing 3, 70; aus Tirol wird das fem. die schmer bezeugt Schöpf 630, ebenso aus Windsheim in Mittelfranken Frommann 6, 123, 13, jedenfalls unter einwirkung des fem. schmiere (s. d.), mit dem sich schmer auch der bedeutung nach berührt (vgl. unten 3). die ältere schreibung schmär reflectiert den tiefen stammlaut des wortes. es bezeichnet 11) das von thieren gewonnene weiche und linde fett, besonders das des schweines, unterschieden von talg (theil 11, 98), und unschlitt (ich gibe iu sô vil oder sus vil wînes oder kornes oder smer oder unslit. Br. Berthold 1, 438, 18); ausdrücklich bezeichnet als mhd. swînin smer, später in der zusammensetzung als schweineschmer (s. d.); sepum schwyne schmeer Dief. 528c; vergl. auch ags. arvina, vel adeps, vel axungia, vel abdomen, hrysel, vel gelend, vel swind, vel swines smere Wright-Wülcker 1, 159, 7; in ähnlicher näherer angabe: axungia verkens smeer off vett Dief. 64b; sepum smeer van verkene, l. ruet 528b; das eselschmaltz unmüssig ist, mit bergem schmär ist es vermyscht (mit schmer vom eber, in einem bilde). Brant narrensch. 72, 59; ohne solche, als nahrungsmittel oder handelsartikel: vil winvat unte tunnen, swa se dhe sine wunnen, mit smere her se vullen leyʒ (liesz). d. chron. 2, 2, 561 (Braunschw. reimchron. 8264); grad glich, als ob gott ein grempler wär, und verkouft eim für ein krützer schmer, dem andern kümich und blawen faden. N. Manuel 83, 1381 Bächtold. schmer anderer thiere: rindsschmär, sebum bubulum, gänseschmär, arvina anserina Stieler 1882; er wil nicht rindern fleisch, noch feister böcke schmer. Opitz 4, 321 (Hugo Grotius' wahrh. 2); in alter sprache auch von der butter: ahd. ancsmero, kuosmer, butyrum Graff 6, 833; mhd. die cigeren (buttiren, anchsmere) vone dere sueige. Haupts zeitschr. 8, 131; altniederfränk. kuosmeer butirum gloss. Lips. 196. 22) bei menschen, ursprünglich wol nur in scherzhafter übertragung, welche später vielfach verblaszt erscheint, von dem fett um die gedärme, bauchfett: das schmär, feiszte, der bauch desz menschen bey dem nabel, da alle eyngeweyd ligend, abdomen, arvina. Maaler 357c; man sagt, er sei ein grosz, feist man gewesen und hab user rath der gelehrten und chirurgen lassen im etlich pfundt schmer oder fette uszer dem geöffneten leib ablesen und abschneiden, damit er desto ringer seie. Zimm. chron. 4, 88, 36; der beutel eines reichen pächters .. der von gold strotzte wie der bauch seines besitzers von schmeer. Musäus 1, 66; gehst du dem schleckwerck nach, bist fressens halben gast, so schläfst du selten wol, der wanst wird überschoppet, wirst irgend auch mit schmär beschwehrlich ausgestoppet. Rompler 213; in festen verbindungen und redensarten: er hat noch ziemlich schmär auf dem leibe, satis opimus, saginatus est Stieler 1882; im scherz oder spott sagt man von einer dicken persohn: schmer auf dem leibe haben, pinguem, obesum esse Frisch 2, 206a; wer ich ins bad nit kommen her im schmer ich noch ersticket wär. H. Sachs fastn. sp. 3, 26, 322; abnahme des schmers bei arbeit und sorge: dâ bî wuohs mir ninder smer, dô si vor mir sprungen (ich verzehrte mich vor ärger). Neidhart 79, 4; macht einem oft das köpflin schwer, den beutel lehr,und schmal das schmer. Garg. (1590) 90; ich hab gedanken mancherlei, und wächst mir ja kein schmer dabei. Liebholdt com. von einem gottfürchtigen kaufmann B iiij; davon wird er keinen schmer legen, das wird ihn nicht fett, nicht reich machen Campe als landschaftl. ausdruck; in Leipzig: das soll dir nicht zu schmer gedeihen, wenig nutzen bringen, übel bekommen, drohung, besonders bei unrechtlichem erwerbe Albrecht 203b; das schmer rege machen, sich in bewegung setzen: eir (ehe) der margraff sein schmer rege macht. herz. Georg v. Sachsen an kurf. Friedr. v. Sachsen vom 24. mai 1519 (im Weimarschen archiv); einen sticht das schmer, im gelüsten: Brunen deme stak sêr dat smer, na honnige stunt al sîn beger. Reinke de Vos 581; in einem spottverse: morgenröt kan nicht liegen, magde bauch kan nicht betriegen, ists kein regen, so ists ein windt, ist kein schmär, so ists ein kindt. Andreae Gartneri dicteria proverbialia (1598) 21b. 33) schmer im arzneilichen und technischen gebrauche: das schmeer dient zur artztney, adeps aptus est medicaminibus Steinbach 2, 461; heilsalbe: man müszt gar lang die dicken köpff schmieren und schmirwen, ee das schmär darin ging. Keisersberg postill 3, 10; für augenkranke: liesz das weyb in ein gar finster kammer legen, salbet jr täglich mit einem schmer die augen. Kirchhof wendunm. 1, 144 Österley; gegen wunden: Thisbe. was mach ich indessen mit dem pfeil? Piram. steckt ihn in schmer in schneller eil, so geschwillet nicht die wunde mein. A. Gryphius (1698) 1, 740; wie schmiere (s. d.), zum salben der räder eines wagens: das wagenschmer Adelung als landschaftliches wort; ettlicher dâ ergrain recht als ain alter karren, der nie kain smer empfangen hêt. Osw. v. Wolkenstein 14, 4, 17; zum fetten der haare: die haarlocken von schmeer trieffend. Lessing 6, 518 (Laokoon 25); des leders, der stiefel: nim aber hie das schmär .. dasz du die stiffeln damit salbest. Kirchhof wendunm. 1, 400 Österley; schuehschmer bairisch Schm.2 2, 554; du solt werden ein schuster, dich neren mit leder und schmer, und solt das leder mit den zenen grosz, weit und breit hin und her denen, darausz machen den menschen schu. H. Sachs fastn. sp. 5, 26, 304. 44) schmer in vergleichen, bildern, sprichwörtlichen redensarten: jr hertz ist dick wie schmehr, ich aber habe lust an deinem gesetze. ps. 119, 70; izzo brennet das dach ohne smeer, und es wil alles zu grunde gehen. Butschky hd. kanzl. 226; so werden jr die süsze diser holdseligen büchlein von innerlicher dicker fette, und merklichem markhafftem schmär viler lehren gespickt, fülen und hoch zilen. Garg. (1590) 33; ich werde dadurch unverhofft auf den kanonischen schmeer gebracht .. ich wünsche, dasz einiges, was ich von dem kirchentalg der katholischen mönche sage, auch auf unsre passe. J. Paul erklär. der holzschnitte 98; gleich wie die pfaffen han betrogen, die armen bawren auszgesogen, müssen oft wider halten her, begossen mit jrm eigen schmer, mit der masz, wie sie ausz gemessen, ist jr oft wider nit vergessen. B. Waldis Esop 4, 9, 32; schmutz mit schmer vertreiben. Keisersberg irrig schaf 30; der katz das schmer abkauffen, das, was man aus der ersten hand wolfeil haben könnte, von einem dritten, dem man groszen gewinn läszt, kaufen. Schm.2 2, 554; das heiszt schmer von der katze kaufen. Simrock sprichw. 291; schickest die katzen nach dem schmer, ovem lupo committitis Aventin werke 1, 504, 27; und wer sein schmer für katzen setzt, würt offt benaschet und verletzt. Schwartzenberg 123b; gehst naschen nach verbotnem schmeer. Ringwald laut. wahrh. 141. die bedeutung eines mittels zur bestechung fuszt auf der vorstellung der salbe, mit dem der wagen der gerechtigkeit geschmiert wird, damit er laufe und nicht stocke (vgl. auch schmiere und schmieren): hat der client einen gerechten handel, warumb ertheilt ihm dann der burgermeister nicht ex officio sein recht ohne verehrung? hat er aber unrecht, warumb nimmt man dann schmer an? Simpl. 3, 407 Kurz; es ist jetzt in der welt ein sitt, wer nit wol schmiert, der fehrt auch nit. warumb bleibt mancher dhinten fer? im mangelt advocaten schmer. Kirchhof wendunm. 128b; mein sach wär längst zum end geführt, wenn ich hätt schmer, damit man schmiert. G. Mauricius Haman B v. 55) schmer von schmerähnlichem. 5@aa) schleimige masse in den augen (vgl.augenbutter theil 1, 805): die thorheit hat den staar, doch tappte sie voran ... vom auge sah man schmeer an statt der thränen rinnen. Günther 494. 5@bb) schmer, das poröse gewebe eines löcherschwammes Nemnich 5, 512. 66) schmer, in einem bairischen kinderspiele schmerbickeln auf lockerem boden: nachdem ein jeder an seinem platze eine grube in den boden gemacht und die dabey ausgestochene erde, die nun das schmer heiszt, darneben gelegt hat, suchen sie, der reihe nach, jeder einen spitzen stecken (bickel) an einem bestimmten punkte des weichen bodens (dem bickelplatze) durch einen wurf einzusenken. wessen stecken nicht haftet, oder unter dem wurf des nachfolgers umfällt, wird von diesem so weit als möglich fortgeworfen. während ihn nun der eigenthümer wieder her holt, machen sich die andern über dessen grube her und nehmen ihm so viel schmer, als sie können, um es sich selber zuzulegen: denn am ende des spieles kommt es darauf an, seine grube wieder gehörig ausfüllen zu können. Schm.2 2, 554.
9825 Zeichen · 161 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmêr

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Schmêr , des -es, plur. inus. ein dickliches Fett, welches sich schmieren läßt. Daher ist in einigen Gegenden das Wa…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schmer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schmer , soviel wie Schmalz.

  3. modern
    Dialekt
    Schmër

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Schmër [ʿSmár Heidw. Attenschw. Su. ] m. Schweinedarmfett. Die Saü het vi e l S. g e ha bt Attenschw. Rda. I n d e r Kat…

  4. Sprichwörter
    Schmer

    Wander (Sprichwörter)

    Schmer 1. At Schmêr wal boaven drîw, al as't uk man fân an ualen Hüünj. ( Amrum. ) – Haupt, VIII, 355, 77; Firmenich, II…

  5. Spezial
    Schmer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schmer m./n. (-s) 1 (Fett, Schmalz) gras (-sc) m. 2 (rohes Schweinefett) sunja (-jes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmer

239 Bildungen · 234 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schmer 2 Komponenten

sch+mer

schmer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schmer‑ als Erstglied (30 von 234)

Schmer(b)ling

Idiotikon

Schmer(b)ling Band 9, Spalte 984 Schmer(b)ling 9,984

schmerapfel

DWB

schmer·apfel

schmerapfel , m. eine sorte winteräpfel von mittlerer grösze, schmierig im anfühlen Nemnich 5, 512 .

schmerbauch

DWB

schmer·bauch

schmerbauch , m. 1 1) benennung des unterleibes, weil sich daselbst das schmer oder fett am ersten und stärksten anzulegen pflegt Adelung ; …

schmerbauchig

DWB

schmer·bauchig

schmerbauchig , mit einem schmerbauch versehen: du fetter schmeerbauchiger lümmel. Fr. Müller 1, 166 .

schmerbaum

DWB

schmer·baum

schmerbaum , m. fruchttragender ( schweinemast gebender ) baum, eiche, buche oder sonstiger wilder obstbaum Schm. 2 2, 554: item markpaum ( …

Schmerbe

RhWB

Schmerbe -ę·r.əf, Pl. -və Kemp-Breyell Dülken Süchteln f.: verächtl. 1. Mund. — 2. übertr. Klatschbase.

schmerbeere

DWB

schmer·beere

schmerbeere , f. landschaftlicher name für die sperberbeere, sorbus domestica; bei Frisch 2, 206 noch nach dem alten geschlecht von beere ( …

schmerbel

DWB

schmer·bel

schmerbel , m. name fettiger pflanzen. 1) chenopodium bonus Henricus, gemeiner gänsefusz, schmieriger mangold Nemnich 2, 1014 ; bonus henric…

schmerbeln

SHW

schmerbeln Band 5, Spalte 519-520

Schmerbirn

Campe

schmer·birn

Die Schmerbirn , Mz. — en , eine Sorte geringer Birnen. Die kleine Schmerbirn ist eine andere Sorte. Nemnich.

schmerbirne

DWB

schmer·birne

schmerbirne , f. name einer birnenart; kleine schmeerbirne, petit-oing Nemnich a. a. o.

schmerblume

DWB

schmer·blume

schmerblume , f. bezeichnung der dotter- oder butterblume, caltha palustris: schmeerblum Tabernaemont. 810 a . auch sedum telephium, fette h…

Schmerborst

Wander

schmer·borst

Schmerborst Er ist ein Schmerborst. Seybold (442) hat diesen Ausdruck nebst Schmierlägel zur Verdeutschung der lateinischen Redensart: Pingu…

schmerbutte

DWB

schmer·butte

schmerbutte , f. name der fische cobitis taenia, steinpeiszker Nemnich 2, 1086 , und mullus surmuletus, grosze meerbarbe 3, 629.

schmerdoctor

DWB

schmer·doctor

schmerdoctor , m. wol für schmierdoctor, schimpfname für einen schlechten arzt: arzneien, so von unerfahren medicis oder schmerdoctorn oft v…

schmeren

DWB

sch·meren

schmeren , verb. , nebenform zu schmieren ( s. d. ), unmittelbar an das subst. schmer angelehnt: arvinare smeren neben smyren Dief. 52 b ; r…

Schmerer

LothWB

sch·merer

Schmerer m. D. Si. ( verächtl.) Anstreicher, schlechter Maler.

schmererz

DWB

schmer·erz

schmererz , n. , schmeererz, silberhaltiges glanzerz, welches sich schmierig anfühlen läszt, und am Blocksberge gebrochen wird Jacobsson 4, …

Schmerfluß

Meyers

schmer·fluss

Schmerfluß (griech. Seborrhöe ), eine überreichliche Absonderung der Talgdrüsen, ist die Ursache mannigfacher Hautkrankheiten. Die Anhäufung…

Schmerge

RhWB

Schmerge -ę·r.χ, Pl. -jən Sol-Hitd m.: verächtl. hochaufgeschossenes, hageres, mageres Weib.

schmer als Zweitglied (3 von 3)

geschmer

DWB

geschmer , m. kleiner besen aus geschälten tannenreisern, im Berner oberland Stalder 2, 336 , s. geschner .

schweinschmer

DWB

schwein·schmer

schweinschmer , n. m. schmer von einem geschlachteten schweine. Campe ; schweinenschmär adeps suillus Stieler 1882 ; schweineschmeer Frisch …

Ableitungen von schmer (2 von 2)

geschmer

DWB

geschmer , m. kleiner besen aus geschälten tannenreisern, im Berner oberland Stalder 2, 336 , s. geschner .

schmere

DWB

schmere , f. , nebenform zu schmiere, s. d.: schmeere, schmiere, die fettigkeit, womit die zapfen an den wellen der kunst- und pochwerke ein…