spielleute ,
plur. zu spielmann,
s. das. 11)
im mittelalter in dem umfassenderen sinne von spielmann 1,
mhd. spilliute Lexer
handwb. 2, 1093,
vgl. Haltaus 1703 —5. Scherz-Oberlin 1535,
mnd. spêllude Schiller-Lübben 4, 314,
auch noch frühnhd.: spilleut, dantzer, senger. Alberus.
belege: mer wete dat gokelere u. toverere ok spellüde heiten.
gl. zu Sachsensp. 1, 50, § 2; uns ist zu mer malen angelangt, wie gemaine unser landschafft aller stendt, durch die singer, pfeiffer, lautenschlaher, geyger, sprecher, schalckssnarrnn unnd ander spilleut unnd hoffierer ... täglich überlauffen.
bayr. landsordn. v. 1516
bei Haltaus 1704; in der fürsten hoffe vindet man löterbuben spilleute schmaicher und zutrager. Albr. v. Eybe 41
a; von spilluten ein michel rote lieʒ sich alda schowen. si quamen zur iuncvrowen und slugen uf iren schal.
pass. 630, 16
Köpke; itlike speellude sunghen myt pypen unde bunghen.
Braunschw. schichtsp. 1786 (
d. städtechron. 16, 159); der spellude lust uns nicht mer. ör speel unde dans hiir wendet. 1831.
sie sind rechtlos: kempen unde ir kindere, spelüde ... die sint alle rechtlos.
Sachsensp. 1, 38, § 1; spelluden unde alle den, die sik to egene geven, den gift man to bute den scaden (
schatten) enes mannes. 3, 45, § 9 (
vgl. das reg. und zur letzten stelle Schwabensp. 258, § 6); (
das abendmahl wird versagt) denen die ein verläumbt leben führen, als gauckler, zauberer, öffentlich scholderer, öffentlich loder, und gelohnt sundlich spilleuth.
verordn. v. 1435
bei Haltaus 1704
f.; narren, gauckler, spielleut, können nicht zeugen seyn. Ayrer
histor. proc. juris 715
am rande. 22)
selten von schauspielern: orchestra, die brucke oder platz mitten im schawhausz, dar auff die fürnembsten herren ire sitz haben, und die spielleut ir geberd und ubung treiben. Serranus
dictionar. r 1
a; unnd wellen (
es) pringen auf die pan durch disse menschen und spil leidt.
tirol. passionssp. s. 436, 59. 33)
nhd. wird spielleute
gewöhnlich nur im sinne von musikanten gesagt: spilleüt, trummenschlaher unnd pfeifer,
tympanistae et tibicines. Maaler 380
d; spielleute, seytenspieler,
menestriers. Hulsius 302
b;
gente che giuoca; it. suonatori, violini ò musici del volgo. Kramer
dict. 2, 865
a;
symphoniaci Stieler 1096; spielleut,
fidicines, choraulae. Dentzler 2, 269
a; spielleut in meerschiffen,
symphoniaci servi. ebenda; ebenso nl. spêl-lieden,
auloedi, tibicines. Kilian.
militärmusik: spiel-leute, im krieg, sind trompeter, pauker, trumler und pfeiffer ...
tubicines, tibicines et qui tympana equitum vel peditum pulsant. Frisch 2, 300
c.
gewöhnlich von den vertretern der volksmusik. belege: das die jungen gesellen hinfüron bei nächtlicher weil mit den spilleuten nit mer ... auf der gassen in die wiertsheuser geen.
tirol. weisth. 2, 115, 5 (
v. j. 1607); die senger gehen vorher, darnach die spielleute unter den megden die da paucken.
ps. 68, 26; so ging man mytt pfiffenn und trumenn hinauss ... und war die brytscher und spielleut all seidenn bekleidtt. Dreytwein
Eszling. chron. 10, 8
Diehl; dasz es gebratensgeiger, spielleute und sänger wären, welche einen procesz wider die teuffel gedächten anzufangen, ausz ursachen, weil sie jhnen die geigen und spiel ... gar verwehren ... wolten. Philander 1, 378; sind
auch wohl braver kerles alsz die spielleute in kleydung und tracht zu finden? seyden und sammet, daffet und atlasz hat unser nicht geschonet! 380; 'Ollrich!' sagte er, 'geh', schaff mir spielleut!' ... ich ... spitzte die ohren, ob ich nirgends eine geige höre? Bräker
der arme mann im Tockenburg s. 79
Reclam; wie die vier spielleute ('
die Bremer stadtmusikanten') fertig waren, löschten sie das licht aus. Grimm
märchen 115 (
nr. 27).
ihre hauptthätigkeit ist zum tanze aufspielen: spiel-leute,
tibicines, fidicines, so zum aufspielen bey den tänzen und hochzeiten gebraucht werden. Frisch 2, 300
a; anstatt dasz jetzt diejenige (
obrigkeit), so das tanzen verbietet, nur die spielleute ihrer nachbarn bereichert. Möser
patr. phant. 1, 364; so wellen wir gen frölichen die spilleut haiszen auf pfeifen.
fastn. sp. 395, 27; schickt nach den spilleuten und macht den tanz! 413, 14.
bei hochzeiten: welche spilleüt an dem heiligen gottsleichnambstag sich mit irem spill nit erzaigen und mit dem umbgang geen ..., die sollen auch das jar hinumb auf den hochzeiten und sonst zu hofieren nit gelitten ... werden.
Salzb. laid. 160, 39 (
handschr. v. 1585); spielleute und sänger waren weit und breit herzugekommen, und lange war in Augsburg keine lustigere hochzeit gefeiert worden. Novalis 2, 13
Meiszner; sullen nu pfaffen ain soleich chrei tragen mit den spilleuten, die da pfeifen sullen den preuten. Vintler 9704.
sprichwörtlich: jrre die spieleute nicht.
Syr. 32, 5 (
μὴ ἐμποδίσης μουσικά).
daher übertragen: ein autor ... musz daher keinem kunstrichter noch zeitungsschreiber ins wort fallen, und die spielleute nicht irren. Hamann 2, 111.
vgl. auch: sie ... giengen ... dem unvergänglichen gut nach, ... ohne sich durch den spott und die weiszheit der spielleute irre machen zu lassen. Claudius 5, 28.
in der bedeutung '
musikanten'
auch in lebenden mundarten weit verbreitet, vgl. spielmann:
schweiz. spìllüt Hunziker 246. Tobler 379
a (
übertragen spillüt hah,
zahnweh. ebenda. Stalder 2, 383. Wander 4, 711);
bair. spilleut Schm. 2, 665,
österr. Mareta 58
b. Höfer 3, 160,
tirol. spîlleut Schöpf 688;
pfälz. spēlleit Autenrieth 134,
henneb. Reinwald 2, 119,
hess. Vilmar 392,
in Aachen Müller-Weitz 229;
nd. späölld Danneil 202
b,
westf. spiəll (et giət allerlei l in der welt: spiəll un mussekanten). Woeste 250
a,
vgl. Bauer-Collitz 97
a. (spielleute
in Waldeckscher quelle von 1703
ebenda 172.) 44)
dazu: spielleute-könig, rex musicorum, fidicinum, histrionum. Haltaus 1705;
spielleutetisch, m. choraulium sedes. Stieler 2286;
spielleuttruhe, f.: in einer ecke steht die — spielleuttruhe (auf deutsch: orchester!), gewöhnlich eine grosse kornkiste, auf welcher die musikanten platz nehmen. wenn's nun von neuem angehen soll, so tritt einer der tänzer mit seinem mädchen zur spielleuttruhe vor und wirft dieser sein schnödes silber zu. Frommann 4, 77.