schweben,
verb. leicht und ohne berührung über eine fläche gleiten, frei im raume ruhen. zustandsbildung (
durativ)
zu einem starken verbum swîfan,
das in altisl. svífa
gehen, sich hinwenden, svífask
nachgeben, svífr
gnädig, ags. swífan
vorliegt (
dazu auch altn. sveifa,
dagegen ist goth. sweiban,
aufhören, wol fernzuhalten),
s. Fick
3 3, 366.
neben swîfan
lag urgermanisch eine parallelbildung mit anderer stufe des wurzelauslauts, swîpan,
s. a. a. o. und zu schweifen.
auszerhalb des germanischen sind sichere verwandte nicht nachzuweisen, doch hat die annahme Noreens,
urgerm. lautl. 208,
viel wahrscheinlichkeit, dasz das in swîfan
zu grunde liegende indogerm. *sveipô
eine doppelform zu *veipô
schwinge, in sanskr. vépate
zittern, sei, wozu auch altn. veifa,
ahd. weibôn
gehören; mit *(s)veibô = swîpan
würde sich entsprechend lat. vibrare
zusammenstellen lassen, s. Fick
4 1, 126;
zu swîfan
gehört auszer schweben
noch ahd. sueib
vibratio, ambitus und sueibôn
schwanken (
mhd. sweiben,
vgl. schweifen) Graff 6, 855
f., vielleicht auch suuep,
aer, s. schweb 2.
vgl. ferner Kluge
5 341
a. Noreen
urgerm. lautl. 21. Grimm
gramm. 2, 985.
die bildung schweben
selbst ist auf das deutsche sprachgebiet beschränkt: ahd. suebên
ferri, nare Graff 6, 856,
mhd. sweben Lexer
handwb. 2, 1347,
mnd. sweven (
bei Schiller-Lübben
nicht gebucht, belege s. unten 1,
b. 5,
l. 8,
e. 9,
d),
mnl. sweven,
holl. zweven,
vgl. Franck 1234,
im and. nicht bezeugt. zweifelhaft ist ein ags. swefian,
s. Bosworth-Toller 946
a. 324
a.
abweichungen der lautform begegnen kaum. die flexion ist durchgängig die schwache. das umschriebene perf. wird im mhd. meist mit sîn,
doch auch mit haben
gebildet, jetzt ich habe geschwebt,
s. Grimm
gr. 4, 165 (ich bin geschwebt
noch oberdeutsch, s. z. b. Anzengruber
unter 1,
c, ε).
mundartlich scheint schweben
allgemein verbreitet zu sein, doch verzeichnen es die idiotiken nur vereinzelt, schweizerisch schwebe Hunziker 235,
bair. Schm. 2, 621
f., thür. schwá Hertel
sprachschatz 224,
nd. sweven
brem. wörterb. 4, 1119. Dähnert 478
b. Mi 90
b. Schambach 222
a, schwäven Stürenburg 240
b, swefen, swäfen, sweven ten Doornkaat Koolman 3, 374
b.
bedeutung. 11)
frei in der luft oder im raume ruhen. 1@aa) schweben ..
dinota propriamente stare, soprastare, pendere, esser pendente. in lüften, in der luft schweben,
stare, pendere e moversi da per se nell' aria Kramer
dict. 2, 705
b; in der luft schwebend,
pendente e movente in aria senza appoggio. 705
c; ich schwebe,
pendeo, impendeo, in aere haereo. es schwebt in der luft,
in aëre pendet Steinbach 2, 538; dasz ein schwebender körper, ohne eine scheinbare ursache, durch welche die wirkung seiner schwere verhindert wird, eine ungereimtheit ist. Lessing 6, 424 (
Laokoon 7,
anm. c); es musz ein körper sehr augenscheinlich nicht schweben, sondern hangen, und zwar in der allweiten luft hangen, wenn sein anblick die wahrscheinlichkeit der augen beleidigen soll. Herder 3, 86
Suphan. 1@bb)
so besonders von fliegenden vögeln: die vögel schweben in lüften,
volucres pennis in auras tolluntur, remigio alarum aperto caelo se credunt, per aëra librantur Stieler 1961; reht als ein vogel, der in den lüften iezuo ob uns swebete unde reht an einer stat stille stüende, alsô swebet diu werlt ûf nihte wan ûf der kraft unsers herren. Berth. v. Regensburg 1, 393, 11; wie ein adeler ausfüret seine jungen, und uber jnen schwebet.
5 Mose 32, 11; wie die vögel schweben empor zu
[] fliegen.
Hiob 5, 7; ich hab ihren (
der dohlen und krähen) kaiser noch nicht gesehen, aber sonst schweben und schwänzen der adel und groszen hansen imer für unsern augen. Luther
br. 4, 8; (
von bildlicher darstellung auf einer seidnen pferdedecke:) die vogele maneger slahte swebten dâr inne, geweben mit solhem sinne, rehte sam sî lebten und ûf zen lüften strebten.
Erec 7646; ein arn on (
den vögeln) do begunde raden, dat se sik hoven in de lucht unde sweveden boven in der vlucht. Gerhard v. Minden 25, 30; die vogel die am himmel schweben.
froschm. D 3
b; wir (
vögel) fliegen in der lufft dort oben, und singen, und sind guter ding, trutz ewer eim, das er so sing, und inn der lufft dort oben schweb. Alberus
fabeln s. 148
neudruck (34, 65); die lerche besteiget die luft, sieht unter sich selige thäler, bleibt schweben und jubiliret. E. v. Kleist 2, 9; als er (
Aedon) droben einen geier, drunten einen vogelsteller schweben und anschleichen sieht. Herder 29, 125
Suphan; wenn über schroffen fichtenhöhen der adler ausgebreitet schwebt. Göthe 12, 60; kleide schwarz mich gleich dem raben, der als bote ausgeflogen, und so traurig auf den wassern schwebte, bis sie abgeronnen! Brentano 3, 183; (
im bilde) ob jeder freude seh' ich schweben den geier bald, der sie bedroht. Lenau 1, 125
Koch. so auch: denn er (
der vogel) regt und schlegt in die leichte lufft, treibt und zuteilet sie mit seinen schwebenden flügeln.
weish. Sal. 5, 11. 1@cc)
das schweben
wird allerlei übermenschlichen oder fabelhaften wesen zugeschrieben; so 1@c@aα)
den göttern der antiken mythologie: die figur des gottes (
Mars) war vorgestellt, wie er sich auf die priesterin Ilia, oder wie sie andere nennen, Rhea Sylvia, herabläszt, und in diesem herablassen schien sie über der jungfrau in der luft zu schweben, welches denn durch das wort pendentis sehr eigentlich und poetisch ausgedruckt wird. Lessing 6, 423 (
vgl. unter a); ich erblicke eine liegende Rhea, und da dem stempelschneider der raum nicht erlaubte, die figur des Mars mit ihr auf gleichem boden zu stellen, so stehet er ein wenig höher. das ist es alles; schwebendes hat sie auszer diesem nicht das geringste. es ist wahr, in der abbildung die Spence davon giebt, ist das schweben sehr stark ausgedrückt; die figur fällt mit dem obertheile weit vor; und man sieht deutlich, dasz es kein stehender körper ist, sondern dasz, wenn es kein fallender körper seyn soll, es nothwendig ein schwebender seyn musz. 424,
vgl. Herder 3, 85
Suphan (
krit. wäld. 1, 10); die statue (
des vatikan. Apoll) schwebt — alle muskeln wirken aufwärts, und scheinen sie sichtbar empor zu tragen. Schiller 3, 579; auch kürzt den weg der aufgeweckte sinn von ihrem schwebenden begleiter (
Merkur). Wieland 10, 169.
als kennzeichen der indischen götter: da wurden von ihr die götter geschaut .. den grund nicht berührend, schwebend. Rückert (1882) 12, 24 (
Nal 5). 1@c@bβ)
dem christlichen gotte: ich bin eʒ got, der tôt slâ, ich bin ouch der dâr obe swebe.
passional 88, 22
Köpke; der oben swebt und niden hebt. Osw. v. Wolkenstein 100, 1, 1; und er schwebt auf den fittigen des winds.
2 Sam. 22, 11.
ps. 18, 11.
dem geiste gottes: und der geist gottes schwebet auff dem wasser.
1 Mose 1, 2;
Christo: seht, wie er auf den lüften schwebet! Ramler 2, 172;
Maria (
in bildlichen darstellungen): du erschrickst vor deiner eignen fahne! — sieh sie an! .. die himmelskönigin ist drauf gebildet, die über einer erdenkugel schwebt. Schiller
jungfrau von Orl. 4, 3. 1@c@gγ)
engeln: er lieber bruder, die zwene man, die dort vor uns staun mit dem lichten schine, das musszen engel sine, wan sie in der wolcken sweben.
Alsfeld. passionssp. 7932;
[] wie unter schwarzer nacht und heischrer donner brüllen der cherub Addisons, sein strafamt zu erfüllen, ... auf wirbelwinden schwebt und rothe blitze streut. Uz
s. 291
Sauer; der engel einer ... sey aus seiner wolke, in die er sonst verhüllt, auch noch im feuer, um sie geschwebt, mit eins als tempelherr hervorgetreten. Lessing 2, 197 (
Nathan 1, 1). 1@c@dδ)
feen: im lufte als ûf der erde mohte sî (
Fâmurgân) ze ruowe sweben.
Erec 5178.
sylphen: ihr sinn ist so hell, ihr schweben so schnell wie stralen der sonne. Matthisson 1, 223. 1@c@eε)
geistern und verstorbenen: der geist schwebte ihm stets vor augen,
lo spirito (
spettro)
gli si movea (
parava)
stava sempre dinanzi. Kramer
dict. 2, 705
b; mein Karl! wenn du um mich schwebst im gewand des friedens. vergib mir. Schiller
räub. 5, 2
schauspiel; ob ihr schon einmal auferstanden, wiedergeboren worden, auf anderen sternen gewesen, im äther geschwebt seid. Anzengruber
3 4, 313; (
ich) schäme mich vor den geistern, die hier schweben. Vischer
auch einer 2, 421; mein schatten schwebet noch um den geliebten ort. Uz
s. 336, 20
Sauer; du sollst getröstet werden, du weinender, um Lauren schweben, bis sie das paradies mit dir bewohnet. Hölty 79
Halm; und blutig sich der schatten hebt am blut'gen märtyrer der scheibe, wie neben dem gebannten leibe die seele schwebt. A. v. Droste-Hülshoff 1, 315.
vgl. dazu: mit sînen ougen er gesach, daʒ der frouwen gescach, daʒ sin dem lufte swebete, alse sî bein noh fleisc ne hebete, in allem dem gebâre, alse sî ein geist wâre. Hartman
vom glouven 2305. 1@c@zζ)
dämonen u. ähnl.: um euch gelehrten schwebt ein dämon böser art, vom tückischen geschlechte der gnomen, der, wie sie, nach eitel schaden strebt. Uz
s. 387, 98
Sauer. personificierten abstracten: ich (
die weisheit) bin gottes wort, und schwebe uber der gantzen erden, wie die wolcken.
Sir. 24, 5;
dem tode: nahe, tod, mit leisem schweben ohne fühlen dich zu lassen. Tieck
don Quixote5 2, 288 (9, 5). 1@c@hη)
traumbildern: wir stehen ja nicht fest, wir schweben ja nur wie ein traumbild. Vischer
auch einer 2, 157,
vgl. 6,
c. d. 1@dd)
von den weltkörpern: die erdkugel schwebt mitten in der luft,
la sfera terrestre si tiene pendente ò pende in mezo dell' aria Kramer
dict. 2, 705
b; daʒ er (
gott) alle die werlt enbor hât gehenket daʒ si ûf nihte swebet: berge noch waʒʒer noch welde, und eht alleʒ ertrîche daʒ swebet enbor ûf nihte. Berth. v. Regensburg 80, 7
f. (
vgl. b); reht alsam der liehte mâne in den sternen dikke swebet.
minnes. 1, 112
b Hagen; daʒ eʒ alsô scholte ergân,ê diu erde begunde stân und der himel swebende wurde.
fundgr. 2, 178, 33 (Wernher
Mar. 111); so lang der himmel schwebt, so bleibet wol im streit dasz trawren und die lust, das lachen und das leid. Rist
lustgarte G 5
b. 1@ee)
von atmosphärischen körpern und erscheinungen, so von wolken: schwebende wolcken,
nuvole vaganti portati per aria Kramer
dict. 2, 705
c; und die wolcken schweben wie die vögel fliegen.
Sir. 43, 15;
vom regenbogen: er wolde im ouch beneichenin den wolchen ein zeichen, daʒ was der regenpoge;swenne er swebet den wolchen obe
u. s. w. genesis 30, 7
Diemer. schneeflocken schweben in der luft umher,
dafür auch mit umkehrung der beziehung: wann die verdickte luft voll leichter flocken schwebet. Haller
ged. 33,
var. (
c). daʒ in der sunne swebet,
sonnenstäubchen. arzneib. des 12.
jh., s. mhd. wb. 2, 2, 778
a. —
weniger concret auch vom winde: was den sommer für ein wind werd wähen, kan ich noch zur zeit nicht sehen: doch weisz ich wol, dasz er warm soll geben, und der meerwind sehr viel schweben (
qu'il doit faire chaud et regner vent marin). Fischart
groszm. 32 (
kloster 8, 568); und, wann der reiffe sturm ihr überm haupt nun schwebt, und die empörte see die starken wellen hebt. Haller
ged. 199. 1@ff)
sonst von gegenständen in der luft: und sihe, es schwebt ein centner bley.
Sach. 5, 7; aber der weinstock sprach zu jnen, sol ich meinen most lassen, der götter und menschen frölich macht, und hin gehen das ich uber den bewmen
[] schwebe?
richter 9, 13 (
ebenso v. 11,
dagegen v. 9: das ich schwebe uber die bewme?); denn Titan kommt; sein strahlenreicher wagen schwebt feurig über blauer fluth. Uz 118
Sauer; o hebt ihn (
den kranz) auf, ihr götter, und verklärt ihn zwischen wolken, dasz er hoch und höher und unerreichbar schwebe! Göthe 12, 122 (
Tasso 1, 3),
vgl. ferner 6,
a. 1@gg)
von fahnen u. dergl.: und wi der (
schiffe) einem swebte obe ein banir von phelle lazurvar.
Ludwigs kreuzf. 695; der sieger triumphiert, das wapen von Uranien musz schweben in der luft zum schrecken den von Spanien. Rist
poet. lustgarte B 3
a; ihr bänder, sah ich euch schweben, begann das herz mir zu beben. Hölty 162
Halm. vgl. auch: und einen segel wîʒen sweben unde glîʒen hete sie dâr ob (
auf dem schiffe) gesehen. Heinrich v. Freiberg
Tristan 6384. 1@hh)
von gegenständen, die aufgehängt sind: sie g'wannen jm drey panzer an, die schweben zu unser frauen (
sind in ihrer kirche als trophäen aufgehängt). Soltau
hist. volksl. 1, 128 (
nr. 20
vom j. 1449); ziehet, ziehet, hebt! sie (
die glocke) bewegt sich, schwebt. Schiller 11, 319.
so auch von menschen: der dieb schwebt am galgen,
fur pendet de patibulo Stieler 1961; ich hân den brûtschatz im gegeben, einen hôhen galgen, daʒ er in den luften swebet.
Salm. u. Morolf 544, 3 (
andre lesart: mir were leit das er noch lebet an einem hohen galgen er do swebet);
vgl. auch: und endlich gar bey lebendigem leibe gen himmel fahren, und truz sturm und wind .. unter sonn und mond und allen fixsternen schweben. Schiller
räuber 1, 2
schausp.; und da das maul unter eine grosse dicke eiche kam, behieng sein (
Absaloms) heubt an der eichen, und schwebt zwischen himel und erden, aber sein maul lieff unter jm weg.
2 Sam. 18, 9; da er sie (
Sancho die eiche) halb erklettert, ... verlieszen ihn heil und glück so sehr, dasz der zweig abbrach und er im hinunterstürzen an einem aste der eiche in der luft hängen blieb, ohne den boden erreichen zu können; wie er sich so schweben sah, .. fing er dermaszen an zu schreien. Tieck
don Quixote5 2, 262 (9, 1). 1@ii)
daher ferner schwebende (
gewöhnlich hängende) gärten,
giardini pensili, cioè fondati sopra archi Kramer
dict. 2, 705
c;
horti pensiles Stieler 1961,
auch Steinbach 2, 538;
ähnlich: (
Narada gieng) in das reich der himmlischen lüfte, wo der garten der lust sich entfaltet, dessen der könig Indra waltet. in den schwebenden wonnehain traten die beiden waller ein. Rückert (1882) 12, 12 (
Nal 2). 1@kk)
von gegenständen, die über oder an etwas befestigt sind, hangen: dort wo, in milder helle, von immergrün umwebt, die eremitenzelle an grauer klippe schwebt. Matthisson 1, 222.
ähnlich: seht wie dort der winzer mit seiner butte am felsstücke, wie eine spinne in freier luft gefährlich, und doch ruhig zu schweben scheint. Arnim 1,
s. xx. 1@ll)
mhd. auch ûf dem rosse sweben (
vgl. 3): swer dar ûf gesaʒ, zwâre sage ich iu daʒ, daʒ er dar ûf lebte rehte sam er swebte.
Erec 7449.
ähnlich vereinzelt im nhd. von jemand, der nicht fest auf der erde steht, sondern über einem leeren raum balanciert: er half sich endlich einigermaszen nur damit, dasz er auf die hervorstehenden eisen an beiden seiten des rostes auftrat, und sich so, mit auseinandergesperrten füszen, über die ganze kaminlänge schwebend erhielt.
d. erzähler des 18.
jh. 173, 15
neudruck. 22)
weiterhin auch, auf der oberfläche des wassers ruhen, treiben: auf dem wasser schwäben, entbor schwümmen,
fluctuare, fluctuari, iactari fluctibus, fluitare Maaler 364
d; auffm wasser schweben,
fluitare, jactari fluctibus. voc. von 1618
bei Schmeller 2, 621. 2@aa)
von wasservögeln, vgl.: si (
die meerweiber) swebten sam die vogelevor im ûf der fluot.
Nib. 1476, 1;
[] si (
die schiffer) swebeten sam die vogelein dem waʒʒer bî dem sande.
Kudrun 446, 3 (
vgl. zur erklärung zeitschrift für d. philologie 4, 360); auf bechen, do vil manig vogel auf swepte.
minnefalkner 37. 2@bb)
von fischen, die im wasser schwimmen: (
die rote seenessel) klebt zu zeiten an den felsen desz meers, zu zeiten schwebt sie im wasser herumb. Forer
fischb. 114
b;
so als umschreibung für die fische: swaʒ wildes underm lufte lebt, eʒ fliege od louffe, unt daʒ swebt.
Parz. 470, 18; swaʒ vliuʒet, gât ode swebet.
d. welsche gast 8541.
weiter abstehend: daʒ du ein bôse wuorm wêris und in deme hore lêgis und in deme pfûle swebetis. Hartman
vom glouven 2844. 2@cc)
von menschen, die auf dem wasser treiben oder schwimmen: eine naht er (
das kind Moses) swebete, dô wart er in den ünden getriben von den winden. Diemer
ged. 32, 15; ich îlte mit den nezzen aine maget versezzen, diu swebete in den unden.
kaiserchron. 11940; daʒ kint sach er sweben dort und ringen mit deme wâge.
pass. 223, 52
Köpke. 2@dd) das schiff schwebt auf dem wasser,
navis aquae innatat Steinbach 2, 538: das schiff, das da schwebet in dem mer.
quelle bei Schm. 2, 621; auch weisset man zu dem rechten das wasser zwüschen der weide und dem werde, wan dasselb instendig wurt, das man nüt darauss oder darin mit schwebenden schiffen mag faren, so ist es des dorffs alment. Grimm
weisth. 1, 461; dô daʒ schif was lades vol, dô swebete eʒ obe dem waʒʒer.
Ulrichs leben 1157; reht als ein schif ûf dem mer, so eʒ die winde bestânt die eʒ niht ze stade lânt, und swebet ûf dem wâge. Konr. Fleck
Flore 3849; Nireus kam aus Syma mit drei gleichschwebenden schiffen. Voss
Il. 2, 671. 2@ee)
vom schiffer, der darin fährt: hôh er (
Noe) oba mannonsuebêta in then undon. Otfrid
Hartmuat 63; nu was eʒ ouch über des jâres zil ... dennoch swebter (
Gahmuret) ûf dem sê.
Parz. 58, 3; der leget gahrten an, der bauet höf und feld, der schwebet in der see, geht nach der neuen welt. Rist
Parnasz 160; wir schweben auf der see. A. Gryphius 1, 45; spannt nun die segel ab! fällt ancker! ich steig aus. ... wünscht in das ungewitter mich iemand noch zurück? umsonst! kein schmertz erbitter euch, die ihr hinter mir noch auf der teuffen schwebt. 2, 50; die see ging fluthend, das schiff trieb schnelle, einen tag und nacht lang, hin durch wog' und welle. es wuszten nicht die kinder, wo sie mochten schweben. Rückert (1882) 12, 317.
in prägnantem sinne: und da das schiff ergriffen ward, und kund sich nicht wider den wind richten, gaben wirs dahin, und schwebeten also.
apostelgesch. 27, 15. — (
im bilde:) und habe ich weniger auf einem stürmischen meere die zeit geschwebet? Göthe 10, 88 (
Clavigo 3). 2@ff)
von andern gegenständen auf dem wasser: seeblumen die da auf den seen oder weyern sweben.
quelle bei Schmeller 2, 621;
ferner eine schwebende insul,
un isola nuotante ò fiottante Kramer
dict. 2, 705
c.
so auch: wie auf dem spiegelhellen bach die bunten ufer tanzend schweben. Schiller 6, 274. 2@gg) im blute schweben: wande si in dem blûte swebeten, di dannoh gerne lebeten. Lamprecht
Alex. 3284; dô sâhen sie vil lære ir lîbe in dem bluote sweben, als sie der geist hâte begeben.
krone 6463.
freier: man sach velt unde vurch alleʒ sweben mit bluote.
rabenschlacht 761; der schilt mit bluote swebete.
Parz. 576, 15. 2@hh)
besonders in der ältern sprache in weiterer verwendung, so im bilde: ich sihe die gallenmitten in dem honege sweben. Walther v.
d. Vogelweide 124, 36.
ein gegenstand schwebt
in einer festen masse: alsô der uuabo suebet in demo uuahse. Williram 66, 6
Seemüller. [] 2@ii)
insbesondere wird von flüssigkeiten selbst gesagt, dasz sie schweben;
so vom wasser: mit deme waʒʒere sie sich labeten, daʒ under in swebete.
Rother 354; in wünneclîchem vlôʒe eʒ (
das wasser) swebet. Rud. v. Ems
Barl. u. Jos. 234, 18; daʒ bluot so eʒ ain weil gestaut, ist eʒ rot und trucken, daʒ nit vil waʒʒers darauf swebt, daʒ betuet ain haiʒʒ und ain durr natur.
quelle vom j. 1399
bei Schm. 2, 621. — swebendeʒ mer, ünde
u. a.: dîne ôigun sint samo uuîâre ze Gesebon, dîe der suebent vor dero porto. Williram 117, 2; dâ bî daʒ mer swebte.
Erec 7610; wir gern zen swebenden ünden. Walther v.
d. Vogelweide 76, 31.
so noch vereinzelt nhd.: schwebende wellen,
onde fiottanti Kramer
dict. 2, 705
c.
vom blut: rehte sam ain braiter sê bluotes dâ swebete.
kaiserchron. 16594; dô der künic Guntherdaʒ heiʒe bluot ersach sweben in dem schiffe.
Nibel. 1507, 2; eʒ swebete ein sê von bluote rôt.
Laurin D 2676
Holz; eʒ begunde vor sînem munde sweben bluot, daʒ von dem herzen gie. Ulrich v. Türh.
Willeh. 21
a,
s. Lexer
hwb. 2, 1347;
öl: wân als daʒ ole allem dem vlieʒentem obe swêbet, also uber triffet sin erbarmede unsers herren elliu dink.
pred. des 12.
jahrh., s. Germ. 10, 466. 33)
häufig entwickelt sich bei schweben
der begriff der bewegung: schweben,
se mouvoir sur Hulsius 292
b; schweben,
se movere Schottel 1412; ein schwebender fortgang, schwebende bewegung eines cörpers,
un' andatura, moto, loco. movimento fiottante, vogante e come nuotante, dove si vede il progresso d'un corpo, mà senza piedi e senza passi e senza sostegno. Kramer
dict. 2, 705
c. 3@aa)
so schon in einigen der angeführten stellen, besonders deutlich in folgender: da fliegt wie eine rakete emporgetrieben ein schwarzer körper zwischen den flammengarben auf, hält dann im schweben still. Vischer
auch einer 2, 409. 3@bb)
ferner näher bestimmt durch adverbiale zusätze, näher, entgegen schweben: glänzender flog der komet, und beynah der sendenden sonne unaufhaltbar, so schnell schwang der liebende sich. er liebt die erde. wie freut er, als er endlich näher ihr schwebt, da sich des wiedersehns! Klopstock 2, 222; dann schweb ich Lauren, Lauren entgegen, und bin ihr engel! Hölty 78
Halm; es lockt mich durch die himmlische gestalt, ich seh sie nah und seh sie näher schweben. Schiller
Piccolom. 3, 9; hinweg: du schwebst hinweg, schon strahlen wie von ferne in fremdem glanz der augen milde sterne. Vischer
auch einer 2, 423. aufwärts, empor
u. ähnl.: wie die vögel schweben empor zu fliegen.
Hiob 5, 7; und die cherubim schwebten empor.
Hes. 10, 16; lasz mich aus deinem arm, mein vater, aufwärts schweben! Gotter 2, 477; rosicht schwebt es herauf! Hölty 70
Halm; so auch: Aurora machte der sonne platz, welche .. vom niedrigen horizonte allgemach in die höhe schwebte. Tieck
don Quixote5 2, 459 (10, 9). — nieder: ze dem fünfzehenden mâl swebt unser fraw hôch und nider. si swebt des êrsten hôch, dô si enpfangen wart von irm lieben kint in die êwigen fräud, und swebt dâ nâch nider alle tag und alle zeit, wenne si ir genâd uns armen sündern her nider geuʒet auf ertreich. Megenberg 60, 15—20; so wie Albano die langsam niederschwebende brücke herabging. J. Paul
Titan 2, 50. 3@cc)
mit präpositionen, auf: dann schwebt' ich (
als vogel) auf ihr blondes haar. Hölty 35
Halm; schwebe, wann mein todeskampf beginnet, auf mein sterbebett' herab! 63; (
bildlich:) und hinab auf Ilios schwebe verderben hoch von Zeus. Voss
Il. 2, 32; durch: (
du, der selige vater) schwebst, im wink, durch tausend sonnenfernen. Hölty 63
Halm; über: als denn wirstu lust haben am herrn, und ich wil dich uber die höhen auff erden schweben lassen.
Jes. 58, 14 (
vgl. auch die stellen unter 1,
f);
[] nun über dich schwebt gott mit seinen schaaren! H. v. Kleist
Käthchen 3, 15; zu: dann winke das düstre verhängnisz; ich schwebe mit wonne zum lande der schatten hinab! Matthisson 2, 30; ganz geist, kannst du nun allerorten leben und auch zu mir, dem umgetrieb'nen, schweben. Vischer
auch einer 2, 424. 3@dd)
das particip neben verben der bewegung: ein freundlicher blauer sonntagmorgen legte sich schwebend über das geputzte dörfchen. J. Paul
Hesp. 1, 143; und wie die brücke, die ihn trug, beweglich sich niederliesz und schwebend wieder hob. Schiller
Wallenst. tod 4, 1. 3@ee)
zuweilen steht aufwärts schweben
auch freier im sinne '
emporwachsen, -streben': schlank, wie reben aufwärts schweben, schwebt ihr schwanenwuchs hinan. Herder 25, 337
Suphan. 3@ff)
weitere bildliche verwendungen: ein andächtiger christ dürffte Augustinum fast auszlachen, dasz er begehret neben andern zu sehen, die stadt Rom in jhrer blühe, dieweil (sie) auch dazumal, als sie in höchster blühe daher schwebete, der nichtigkeit unterworffen war. J.
M. Meyfart
d. himmlische Jerusalem (1630) 1, 148. 3@gg) nach etwas schweben,
streben, trachten (
? wenn nicht druckfehler anzunehmen ist): die so vorhin durch kriegen nach einigkeit geschwebt. Opitz 1, 1.
so auch: mein hertz das schwebt nach deiner beth.
bergreihen s. 59
neudruck (29, 1—?
der sinn ist unklar. die andre und bessere lesart lautet: mein hertz das wüt nach deiner güt. Böhme
altd. liederb. nr. 105, 1). 44)
auch sonst wird schweben
zur bezeichnung einer bewegung gebraucht; in bezug auf den menschen. 4@aa) schwebend
vom gange, zunächst so, dasz man den boden nicht berührt, so bei den Indern als kennzeichen der götter, s. 1,
c, α; vergl. auch: sie schwebte nur, wann sie gienge,
appena toccava terra, quando caminava Kramer
diction. 2, 705
b; und als ich die kaupone verliesz, war es als schwebte ich davon, und als wäre mir der geist des gottes sogar in die fersen gefahren. Seume 2, 166;
vom auftreten beim graben: ihr weiszes händchen hielt den blanken spaten, der kleine fusz, in zwickelstrumpf und schuh, hob sich so schwebend, trat so zierlich zu. A. v. Droste-Hülshoff 1, 199. schwebende füsze
als bezeichnung besondrer schnelligkeit: also sprach er betend, ihn hörte Pallas Athene, gab ihm schwebende füsze. Stolberg 11, 150 (
γυῖα δ' ἔθηκεν ἐλαφρά.
Il. 5, 123, Voss: leicht); komm und steig auf meinen wagen, auf dasz du erfahrest, welcherlei die rosse des Tros, wie kundig des laufes über gefilde, verfolgend und fliehend mit schwebenden füszen. 156 (
κραιπνά.
Il. 5, 223).
beim rosse, um eine stolze, bäumende und schwankende gangart zu bezeichnen: wie steigt das rosz und schwebt daher! Wieland
ged. (1864) 205 (
vgl. 3,
f). 4@bb)
ganz abgeblaszt in der wendung auf erden schweben,
sich bewegen, sein, als umschreibung des menschendaseins: ach, wie gar nichts im leben sind die auf erden schweben. P. Gerhardt
nr. 28. 66
Gödeke. gleichbedeutend scheint in der folgenden stelle in den lüften schweben
zu sein: alles das da lebet, und in den lufften swebet, das mocht mer nit so lieb gesinn als du uszerweltes frewlinn.
Alsf. passionssp. 1813. schweben
allein für '
leben': in der muttersprache tichten pfleget Carpo zu vernichten, ey dasz da er doch nicht lebte da der Römer Maro schwebte! Logau 1, 72, 89. 4@cc) herum schweben
im sinne von schweifen: ein verjagter schwebet herumm,
extorris vagatur Comenius
sprachenth. 672; und damit die seelen der verstorbenen nit umbher schwebeten (
oberrarent), hielten sie todtenbegängnisse (seelmessen) mit toden-opffern und toden-mahlzeiten. 964; denen pauren
[] seind die rosz, rindvieh
etc. von denen herumbschwebenden soldaten hinwegk gefiert worden.
quelle bei Schm. 2, 621; so bin ich doch nie gewesen hold den pflastertretern und trunkenbold, welch nichts gelernet haben, denn bei der nacht spazieren gahn und jedermann verachten than, die bei nacht herum schweben. Schade
handwerksl. s. 209.
in demselben sinne schweben
von thieren: schaut auf Palmyrens steppenbrand, wo scheu die antilope schwebt. A. v. Droste - Hülshoff 1, 60.
ähnlich wol auch folgendes: ein mann schlecht in kleidern, hatte sich eine geraume zeit in Egypten wie stumm auffgehalten, worüber er von grosz und kleinen, die umb ihn herum schwebten, ob sie eine groszachtung von ihm schöpffen möchten, mit verlangen, wer er doch sey, angesehen ward. Olearius
pers. baumg. 74
b (7, 4). 4@dd)
anders gewendet, taumeln, schwanken, von matten oder betrunkenen, so bair. i mae~ et, das i umschwebm ka~ vo' laute' mattikeid. Schm. 2, 621; schweben und auch schwanken sicht man truncken lewt.
quelle s. ebenda. Lichtenberg 3, 75
führt er schwebt
auf unter den '
redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten'. 55)
sehr häufig in bildlichem gebrauche, so zunächst von menschen, sich in einem zustande befinden u. ähnl. 5@aa)
im ausgeführteren bilde: mit seinen gedancken im luft schweben,
suspenso esse animo, mente aethera concipere Dentzler 2, 258
b; aber ein heuchler schwebet wie ein schiff auffm ungestümen meer.
Sir. 33, 2; wê wie tuont die jungen sô, die von fröiden solten in den lüften sweben? Walther v.
d. Vogelweide 42, 34; mîn herze swebt in sunnen hô. 76, 13; in jâmers ünden ich swebe.
Mai u. Beaflor 162, 1; aber der krieg auch hat seine ehre, der beweger des menschengeschicks, mir gefällt ein lebendiges leben, mir ein ewiges schwanken und schwingen und schweben auf der steigenden, fallenden welle des glücks. Schiller
braut von Messina 1, 7. 5@bb) in der welt, im tode schweben,
besonders mhd.: daʒ dû mit solhem meine vermeinet hâst der welte leben, in dem wir alle gelîche sweben.
Barl. u. Jos. 137, 26; swer in diser werlde swebt. Lamprecht v. Regensburg
Syon 2513; 'medîâ vitâ in morte sûmus': daʒ bediutet sich alsus, daʒ wir in dem tôde sweben sô wir allerbeste wænen leben.
der arme Heinrich 95;
ähnlich nhd.: ihr sehet eure noth und unsre, herr, und dasz wir all am rand des todes schweben. Schiller
Tell 4, 1. 5@cc)
bei Luther
auch in bezug auf gott: und act. 17. spricht Paulus, gott ist nicht ferne von unser einem jglichen, denn in jm leben, schweben, und sind wir. 3, 351
b;
daher: in jhm leben und schweben wir,
in Lui viviamo e sussistiamo (
ci muoviamo) Kramer
dict. 2, 705
b;
dagegen apostelgesch. 17, 28: in jm leben, weben, und sind wir. 5@dd) oben schweben
oder ähnliches, wolauf sein, es gut haben: dasz die frommen noth leiden und unterdrückt werden, dagegen böse schälke alles uberflüssig haben und hoch empor schweben. Luther
tischred. 2, 114; die falschen brüder und rottengeister .. dencken doch nichts anders, denn das sie oben schweben und die ehre haben.
schriften 3, 298
b; jre widersacher schweben empor, jren feinden gehets wol.
klagel. Jer. 1, 5; heute schwebet er empor, morgen ligt er darnidder. 1
Macc. 2, 63; als denn wirstu lust haben am herrn, und ich wil (
dich) uber die höhen auff erden schweben lassen.
Jes. 58, 14; dasz die gottlosen hie auff erden ansehlich, mechtig und reich werden, und haben sehr grosses gelück, und obschweben in allem stück. H. Sachs 5, 79
d; wie kömmt es, dasz jetzund die bösen oben schweben? wer höchlich fallen soll, den musz man hoch erheben. Logau 1, 26, 90, 6;
in demselben sinne schweben
allein: beständig schwebt wen gott erhebt: wer selbsten steigt wird bald geneigt. 2, 133, 78.
[] eine hohe stellung einnehmen: die wir in disen regimenten nu lange zeit her seind gesessen! ach, hat man aller ern vergessen, das man so blötzlich stöszt zu boden die, so erst itzund schwebten oben? P. Rebhun
Susanne 5, 3, 220.
andre übertreffen, besser sein: der frembdling der bey dir ist, wird uber dich steigen und jmer oben schweben, du aber wirst erunter steigen, und jmer unterligen.
5 Mose 28, 43; reht als der neʒʒel die minzen gênt an süeʒem wâʒe vor, alsô swebet er enpor allen kunigen mit milte. Ottokar
reimchron. 3632; drumb will der adel höher schweben denn ander leut, so musz er leben ehrlich, und gut exempel geben, und allezeit nach tugent streben, so sind sie hochgeborne herrn, und leuchten wie der morgenstern. E. Alberus
Esop 13, 117.
sich über etwas erheben: wenn sie nur den bapst erheben, wider den Luther heftig reden, uber got und sein wort schweben. Schade
sat. u. pasqu. 1, 51, 116.
mit abstractem subject: mein recht wird oben schweben. Arndt
ged. 224.
so auch: darf ich meinen dienst dir geben, soll dein glück in tönen leben, ... ich will es so hoch entrücken, über'm monde soll es schweben. Tieck
don Quixote5 2, 153 (8, 3). 5@ee)
mhd. sagt man gern swebendeʒ herze,
um eine freudige, gehobene stimmung zu bezeichnen: sîn swebendeʒ herze daʒ verswanc.
der arme Heinrich 149; mit hinder sich gedenken kan ich mîn swebend herze in iâmers pfuole senken. Hadamar v. Laber
jagd 229,
vgl. auch 6,
g. ähnliches im nhd.: ein park, wo frühling ewig webet, wo, von der freude hauch belebet, die ganze schöpfung jauchzt und schwebet. Gotter 1, 438. 5@ff) in freuden und wollust
etc. schweben,
nuotare cioè star' ingolfato, immerso in gioie, delitie e piaceri Kramer
dict. 2, 705
c; in freuden schweben,
in gaudio versari Stieler 1961: das ist die welt, so in jrem reichthum, wollust, weisheit, stercke, heiligkeit und ehren, lebt und schwebt, auffs aller schönest und feinest. Luther 3, 221
a; der ê vil schône swebete in werltlîcher wünne. Konrad von Würzburg
Engelh. 5300; dô wânder, des doch niene geschach, daʒ er iemer alsô solte leben und in der lebenden süeʒe sweben.
Tristan 308; eʒ ist anders niht gelebt, dan in hôhem muot geswebt. Teichner 74; in summ': ich lebt' und schwebt' in frewd, in ehr und grosser herrligkeit, in fried und ruh, in glück zugleich. Hollonius
somn. vit. human. s. 62
neudruck. 5@gg) in ehren schweben,
dignitate florere, in luce positum esse Stieler 1961: dieweil euwere zunfftbrüder euch so grosse ehr, gehorsam und reverentz, gleich wie mir die meinen daheim, erzeigen .. gibt mirs ein freud, dasz auch noch ander leut, gleich wie ich, in ehren schweben und wie billich geachtet werden. Kirchhof
wendunm. 1, 192
Österley (1, 162);
ähnlich mhd.: des herz, die wîl er lebte, sô lobelichen swebte in wirden und in hôhem prî
s. Ottokar
reimchron. 872; des moht der herre wesen geil, daʒ er in solhen êren swebte. 8702. 5@hh) in ruhe schweben: ach mein hohes alter solte jetzund in ruhen schweben, in betrachtung sonderlich.
Garg. 208
b.
von verstorbenen: jhr schwebet in der ruh', in freüd' und seligkeit, wir gehn dem grabe zu. Rist
Parnasz 163. 5@ii) im unglück schweben,
fortunae ictibus pulsari Stieler 1961,
und ähnliches: wan dô er swebte in der nôt, ir helfe si ime vil snelle bôt. Heinrich v.
d. Türlin
krone 14471; vor dir daʒ abgründe bibent unde in vorhten swebet.
Barl. u. Jos. 1, 29;
[] des êrsten swer sich begit, der muoʒ lîhte lange zît in müen unde in kumber sweben. Lamprecht v. Regensburg
Syon 2282; denck wol soll das kind bleiben im leben, wird es auch in der armut schweben. H. Sachs 3, 2, 24
c; nun ist mein freud und kürtzweyl hin, musz nun trawrig im ellend schweben.
fastn. sp. 4, 22
neudruck; ists besser bald auff einmahl tod, oder all augenblick schweben in noth.
froschmäus. E 3
a; ich glaub nicht, dasz auff erden leb ein weib, in grössern traurn schweb, als ich jetzt arme wittfrau nun. Ayrer 578, 34
Keller. in gefahr, in höchster gefährlichkeit
etc. schweben,
stare, trovarsi in pericolo, in periglio imminente e grandissimo Kramer
dict. 2, 705
c; ein dieb schwebt allezeit in gefahr. Steinbach 2, 538; er (
don Carlos) schwebt in augenscheinlicher gefahr, ein opfer seiner wahnsinnigen liebe, der väterlichen eifersucht .. zu werden. Schiller 6, 51. 5@kk)
anderes, in bezug auf äuszere zustände: dat wii nu myd eynander under der beschermynghe sancti Autoris unses werdighen patronen moghen militeren unde sweven.
d. städtechr. 16, 516, 33; wie es thun mag, von weib und kindlin, auch von der nahrung zu seyn, und in der irre zu schweben. Luther
briefe 4, 567. 5@ll)
von der lebensweise, in sünden schweben: sus muoʒ ein ungevuoreʒ leben in sünden unde in schanden sweben. Frauenlob 65, 14; schwanger seyn, ist eine schande, keine schand in bulschafft schweben. Logau 1, 25, 85.
in einer handlung begriffen sein: dâ wir êwiclîchen leben und in dîme (
Christi) lobe sweben.
pass. 340, 16
Köpke. noch freier mnd.: (ob) alle inwoner der stat Brunswick ... by unsem statrechte regalien unnd briveleyen leven, sincken, schweven unnd sterven.
quelle s. nd. jahrb. 10, 57,
anm. zu 101. 5@mm) in den gedancken schweben,
stare vacillante, immerso, approfondato ne' pensieri, stare pensoso Kramer
dict. 2, 705
c;
in animo insidere, medullis inclusum esse Stieler 1961; in zweifel schweben,
animi pendere. ebenda; aber die ganz unerwartete widersetzung der kommandeurs risz ihn auf einmal aus dem lieblichen wahne, in dem er bisher geschwebt hatte. Schiller 8, 340; ich will ihnen jedoch nicht verhehlen, dasz sie .. im irrtum schweben, wenn sie mich für eine fürstliche person halten. Gaudy
ausgew. erz. 32. 5@nn) schweben
allein zur bezeichnung eines geistigen zustandes: ist dieser geist zu mal ein flüchtiger oder schwebender geist, der auff keinem stück bleibet. Luther 3, 286
a. —
vom dichter, um den flug der phantasie, das freie sicherheben über die gemeine wirklichkeit auszudrücken: logische konsequenz fordern von einem poeten, dessen bestes talent ein ungemein herrlicher, grundnaiver und doch freier phantasiesinn für's verrückte war! o, poeten schweben ja! es ist ja ein schweben! Vischer
auch einer 2, 43; das sind nun offenbar naturen, denen alle geistesfreiheit abgeht, denen im wachen alles, selbst die freude, geschäft ist, die niemals zu schweben verstehen, daher entbindet auch der schlaf ihre züge nicht. 375. 66)
mit sächlichem subject. am nächsten stehen der eigentlichen bedeutung die fälle, wo es sich um sinnliche wahrnehmungen handelt. 6@aa)
von gerüchen: über der erde schwebt ein duft des tags über, den man nur aus gemählden und zeichnungen des Claude kennt. Göthe 27, 282. 6@bb)
vom licht oder lichterscheinungen: gleich mit sinkender nacht, als das schwebende licht (
der lampe) sein volles recht ausübend einen helleren schein verbreitete. Göthe 17, 409; hier sammelt sich's und dort wieder zu schwebendem scheine. Freytag
handschr. 1, 5; über dem boden schwebte noch der dämmer, welcher das licht der deutschen sonne auch an hellen morgen bändigt und mit feinem grau versetzt. 112.
so auch: dann ringelten rauchwirbel empor und um die schwebenden feuer bewegten sich gestalten. Alexis
hosen s. 6. —
umgekehrt im lichte, schatten
u. ähnl. schweben: da ich nur ihre stimme vernahm, ihre gesichtsbildung aber so wie die übrige welt in dämmerung schwebte. Göthe 25, 348. 6@cc)
daher die häufige redewendung vor augen schweben,
ante oculos versari Steinbach 2, 538: die sach schwäbt mir vor
[] augen unnd ligt mir vast im sinn,
in oculis animoque versatur mihi haec res Maaler 364
d; einem etwas ob augen, vor augen, vor den augen, vor dem gesicht schweben,
moversi ò stare come movendosi e vibrandosi qualche cosa dinanzi à gli occhi ò al cospetto di alcuno Kramer
dict. 2, 705
b; du schwebst mir tag und nacht vorm gesichte. Stieler 1961; geliebter, dessen holde miene stilllächelnd mir vor augen schwebt. Gotter 1, 434; du liebest ohne zweck, du trennest lieb und glück, und nur das mädchen schwebt vor deinem trunknen blick. Uz
s. 374, 28
Sauer. unsinnlich: ihm schwebt die gefahr vor augen. Steinbach 2, 538; ob dasselbe (
schriftwerk) auch der absicht vollkommen entspricht, welche mir bei anempfehlung desselben vor augen schwebte, wage ich nicht zu behaupten. Schiller 9, 398. —
ähnliche wendungen, z. b.: ich füge daher ein solches mährchen bei, welches mir, da ich es meinen gespielen oft wiederholen muszte, noch ganz wohl vor der einbildungskraft und im gedächtnisz schwebt. Göthe 24, 77. 6@dd)
so auch schwebendes bild,
meist mit dem begriffe des undeutlichen, unbestimmten und wechselnden (
wie sonst schwanken): dem dichter schwebt ein bild vor wie ein traumbild, hell in allen wesentlichen zügen und doch noch schwebend, unbestimmt in umrissen. Vischer
auch einer 2, 58; da fiel mein blick auf eine stelle, wo ein wort stand, das ein in dunkler ferne schwebendes erinnerungsbild in mir auffrischte. 76; aber soll es nicht seyn, dasz je wir, aus diesen gefahren glücklich entronnen, uns einst mit freuden wieder umfangen, o, so erhalte mein schwebendes bild vor deinen gedanken! Göthe 40, 336 (
Herm. u. Dor. 9). 6@ee)
ferner schwebende augen,
occhi fiottanti, it. vagabondi con sguardi mobili e vaghi Kramer
dict. 2, 705
c;
oculi vagi, emissitii Stieler 1961. 6@ff)
von tönen: er ... überliesz sich ganz den schwebenden tönen, die in der labenden nacht um ihn säuselten. Göthe 18, 109; ach, begeistrung! melodisch erscholl der flug deiner ankunft, nun enteilest du mir im schwebenden saitengelispel. Stolberg 1, 145; rings die hirtenflöten flehen, und der heerden glocken stammlen, und die abendlieder schweben klagend aus der büsche schatten. Brentano 3, 182; und ein chor von hörnern schwebet klagend auf im wiederhalle. 184; und die erinnerung davon, die mir im wunden herzen bebt, ist eines glöckleins silberton, der über einer walstatt schwebt. Leuthold
ged.4 30. 6@gg)
so es schwebt mir auf der zungen,
in labris primoribus versatur mihi Stieler 1961.
von worten, die man spricht: er erwehlet derentwegen den alcoran zu lesen, und das opffer zu spahren, weil jenes nur auff der zungen schwebet, sein geld und reichthumb aber im hertzen vergraben lieget. Olearius
pers. rosenth. 77
b (6, 7); durch hülfe eines hellen mondblicks sah ich, wie unter ihren blauen, gen himmel erhobenen augen ein stilles gebet auf ihrem rosigen munde schwebte. Thümmel
reise 7, 376; auf der stirn des gastes lagerte sich ein anflug von ernst; er strich mit der hand darüber, wie um die gedanken fortzustreichen, sie schwebten aber schon als worte auf seiner zunge. Alexis
hosen 61; ihre lieder, die auf allen zungen damals schwebten, hat die zeit verschlungen. Göckingk 3, 106; dasz, fern von dir, ein sohn noch lebt, den, wenn sein nam' auch dir nicht auf der lippe schwebt, doch alle reimer basz bereimen! 145.
auch von unausgesprochenen worten: hier unterbrach Schach-Gebal die erzählung durch einen einwurf, der vermuthlich auch auf der zunge mancher leser schwebt. Wieland 7, 175 (
d. goldne spiegel 2, 175);
manchmal geradezu um auszudrücken, dasz man ein sonst wolbekanntes wort im augenblicke nicht finden kann; ähnlich: was murmelst du da zwischen den zähnen, als wenn irgend ein ungeheuer von geheimnis auf deiner zunge schwebte, das nicht heraus wollte, und doch heraus sollte. Schiller 2, 146 (
räuber 4, 3
schauspiel). —
in freierer verwendung: tod, himmel, ewigkeit, verdammnis schwebt auf dem laut deines mundes. 186 (5, 1). —
in anderm sinne, die seele schwebt auf den lippen
des sterbenden: denn dem Basilio schwebe die seele schon auf den lippen. Tieck
don Quixote5 2, 159 (8, 4). 77)
andere gebrauchsweisen. 7@aa) etwas schwebt über einem,
mit concretem subject im bilde (
vgl. 1,
f):
[] der vollendung krone schwebt glänzend über eurem haupt. Schiller 6, 276; bis der verderber naht, und sein flammendes racheschwert drohend über dir schwebt. Hölty 98
Halm. 7@bb)
unsinnlicher, gefahr schwebt über einem, um einen: ohne ahndung der gefahr, die über ihrem haupte schwebte, überlieszen sich die sorglosen gäste den vergnügungen der mahlzeit. Schiller 8, 348; die drohende gefahr schwebt' um den edlen kranken. Uz
s. 161
Sauer. es schwebt ihm ein unglück ob dem halse,
gli soprastà (
imminet)
un grand' infortunio Kramer
dict. 2, 705
b; das unglück schwebt über uns,
mala nobis impendent; der tod schwebt uns täglich über dem halse. Steinbach 2, 538.
in anderm sinne von einem bereits vorhandenen übel: über den männern schwebet das kopfweh, vom weine gezeuget, und sticht ihre schwellenden schläfe mit grimmigen schmerzen. Zachariä
tagesz. 26. 7@cc)
ähnliches: deshalb schwebte um den liebsten besitz auch etwas unheimliches, was den herrn in bangen stunden ängstigte. Freytag
bilder 1, 189; beide empfanden, dasz etwas merkwürdiges und vielverheiszendes in dem thale schwebte, welches sie als suchende betraten.
handschr. 1, 58. 7@dd) jemandes ruhm, name schwebt;
örtlich: die wälder, wo ihr ruhm noch izt um die bemoosten eichen schwebet. Uz 42
Sauer; meine aug-braunen sollen über euch herhangen wie gewitterwolken, mein herrischer name schweben wie ein drohender komet über diesen gebirgen. Schiller 2, 77 (
räuber 2, 2
schauspiel).
ähnlich: nun bin ich gelerter dan sie alle, darumb muos mein nam uber ihren namen schweben. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken M 2
a; immer aber schwebte die gestalt Friedrich's, sein name, sein ruhm, in kurzem wieder oben. Göthe 24, 112.
unsinnlicher im mhd.: in alsô hôhem werde kom nie mannes prîs geswebt. Wolfram v. Eschenbach
Willeh. 453, 23; ir lob in hôhen werden swebet.
minnes. 1, 113
b Hagen. 7@ee) segen, fluch
u. ähnl. schwebt auf, über jemandem: diu kint sint gotes kint genant ... ob in sô swebt der gotes segen. Gottfrieds
lobgesang 3, 11; schwebt auch auf mir der fluch, den du verwürktest? Gotter 2, 130; schwebt nur der gottheit zorn auf diesem tage nicht! 348. 7@ff)
von empfindungen: und lâʒ in dînem herzen sweben scham unde mâʒe ûf stæten pî
n. Winsbekin 5, 7; last sonderlich die liebe bey euch schweben. Opitz 3, 126; indessen flieht und fliehet, ungekennet, die freude, die uns nahe schwebt. Uz 66
Sauer; zeuch ein, beglücktes paar, beym jubel unsrer lieder! die liebe schwebt um dich mit schimmerndem gefieder. 404; ruhe, süsze ruhe schwebe friedlich über dieser gruft! Bürger 15
b; unsre völker, hohen muths, sehen bange zweifel schweben ob des führers theurem leben. Grillparzer
4 6, 161; wie erkältend die angst über mir schwebt, vielleicht alles — zu verlieren. Lenz 1, 245;
ähnlich auch: nothwendig schwebt treu und wahrheit auf diesem munde. Musäus
physiogn. reisen 2, 33; die tugend schwebe vor ihm am höhern himmel über unserer sonne. J. Paul
Hesp. 2, 114.
unpersönlich gewendet: Laura, Laura! mein geist hebt sich, voll hoher lust, auf die hügel der seligen! auf die hügel der ruh, wo's von entzückungen taumelnd schwebt um mein trunknes haupt! Klopstock 1, 39. 7@gg)
anders gewendet, freude schwebt hoch
und ähnliches, besonders im mhd. (
vgl. 5,
e): in sô hôhe swebender wünne sô gestuont mîn herze an fröiden nie.
minnes. frühl. 125, 19; von dir mîn vröude swebete enbor: diu ist versigen in jâmers grunt.
Mai u. Beafl. 168, 24. 7@hh)
in noch anderm sinne furcht schweben lassen,
fahren lassen, aufgeben: und lasz all sorg und forchte schweben. H. Sachs
fastn. sp. 4, 69
neudruck. 7@ii)
von äuszerungen des gefühls, handlungen u. ähnl.: auf deinen lippen schwebt der unschuld lächeln. Gotter 1, 173;
[] (
gleichsam personificiert:) und wie? Lyäus flieht ja nicht, um dessen epheu-stab die leichten scherze schweben Uz 106
Sauer. 7@kk)
häufig ist das particip schwebend,
mannigfach nuanciert und oft schwer zu bestimmen: da sihe zu, wie die bepstliche kirche, eine schwebende gewonheit, die niemand weis, woher, von wem, und wenn sie ist komen, thar fur ein recht bestetigen. Luther 6, 320
a;
weiteres s. 9,
e. —
jetzt meist anders gewendet; unsicher, schwankend: und welche eltern finden sich nicht genöthigt, töchter und söhne in so schwebenden zuständen eine weile hinwalten zu lassen, bis sich etwas zufällig für's leben bestätigt, besser als es ein lange angelegter plan hätte hervorbringen können. Göthe 26, 29.
etwas leicht dahingleitendes oder etwas flieszendes, wechselndes bezeichnend: er (
Tieck) hat geist, witz, viel bildliche erfindung, anmuth, schwebendes spiel. Vischer
auch einer 2, 239; langen und bangen in schwebender pein. Göthe 8, 232. 88)
weiter entwickelt sich schweben
zu der bedeutung '
balancieren'
oder '
zwischen zwei zuständen in der mitte sein'. 8@aa)
so eigentlich von der wage, s. schwebung,
auch in folgender stelle (?): und der lest kuchen an dem zehnden, so der kelter zugangen ist, und die wagh schwebt, alsdan magh er den kelter stopfen. Grimm
weisth. 2, 384.
in anderm sinne von gewogenen gegenständen: dô swebete obene daʒ golt. der stein swebite under. Lamprecht
Alex. 7128
f. von der wiege: und von dem lager schaute sie, welche mit schmerzen gebahr, mattlächelnden blickes, oft nach der schwebenden wieg', und des töchterchens lieblichem antliz. Voss 2, 14. 8@bb)
im bilde, etwas schwebt auf einer nadelspitze,
steht auf dem spiele u. ähnliches: mein held, ob ihm vor angst gleich jede nerve bebte, ... zwang (wie beym basche sonst, wann ehr' und seligkeit auf eines würfels fläche schwebte,) sein muskelspiel zu falscher heiterkeit. Gotter 1, 193; nein, ich bin nicht rasend. wär' ich's, so thatet ihr nicht gut, mich zu erinnern, dasz auf meines schwertes spitze sein leben schwebt. Schiller
don Carlos 5, 4. 8@cc)
übertragen, zwischen zwei zuständen oder empfindungen schweben,
schwanken: zwischen forcht und hoffnung schweben,
fluttuare, fiottare, vacillare fra timore e speranza Kramer
diction. 2, 705
c; das ungewisse schweben zwischen schmerz und freude. Hauff
Othello 9; und zwischen trug und wahrheit schwebet noch zweifelnd jede brust und bebet. Schiller 11, 245.
auch von dingen, eigenschaften, zuständen, zwischen zweien die mitte halten: der geschmack seines fleisches (
des elchs) schwebt in einer feinen mitte zwischen ochsenhaft und hirschähnlich. Vischer
auch einer 1, 359. 8@dd)
manchmal geradezu für schwanken: das gemüt schwäbt hin und här, ist wilwenckig, hat mancherley gedancken,
animus abijt in varios cursus Maaler 364
d. 8@ee)
mnd. auch '
einer eventualität ausgesetzt sein, gefahr laufen': eyn wijff mach balde sweven, dat se wert bedragen.
nd. jahrb. 10, 57, 101. 99, 9@aa)
daher auch von streitigkeiten und rechtssachen, die noch unentschieden sind: eine strittigkeit, so noch vor gericht schwebt,
lite pendente ò che pende ancora Kramer
dict. 2, 705
c; der annoch bey der reichskammer schwebende procesz.
ebenda; als in unserer lantschafft uff dem Eichszfelde, vehde und kriege lange zyt geswebt haben.
quelle vom j. 1479
bei Haltaus 1663; irrige spenne und zwieleufte bisz anhero langwierig unendscheiden schwebende gehaft haben.
ebenda (
vom j. 1499); so lange der handel bey recht schwebet.
ebenda (
vom j. 1591); die in teutscher nation schwebenden schwärn empörungen. 1664 (
vom j. 1517); demnach in das 14. jahr streit zwischen Christoph und George Schweinichen gebrüder von Prusenig wegen gewähr des gutes Jamsches geschwebet. Schweinichen 3, 26; nach geendeter malzeit, rahtschlagten sie von nun schwebenden sachen.
Garg. 248
b; dasz der auszgang einer schwebenden rechtssache, ja so ungewisz sey, als eines solchen glückspiels. Schuppius 300; ade du krieges-welt, in dir schwebt lauter streit, bei meinem lieben gott ist fried und einigkeit. Rist
Parnasz 558.
[] am rechten schweben: welcher er auch etliche streitige handlung am rechten schwebende zuo verrichten gefordert war. Kirchhof
wendunm. 1, 151
Österley (1, 120).
so auch schwebende forderung: das resultat war, dasz die schwebenden forderungen zunächst zwischen den anwesenden ausgeglichen und eine allgemeine versöhnung eingeleitet wurde. Freytag
handschr. 2, 256. 9@bb)
schärfer wird die unentschiedenheit hervorgehoben in der umschreibung im schweben (
oder in der schwebe) bleiben: hiemit wäre alles für den augenblick berichtet; was nicht entschieden werden kann, bleibt im schweben. Göthe 23, 214. 9@cc)
in der ältern sprache sagt man auch mit verschobener beziehung am rechten schweben,
von den parteien in einem rechtsstreit: in sachen
etc. darinnen
N. .. als klägere eins, und
N. .. als verkl. andern theils, vor e. kay. maj. gegen einander rechtlich schweben.
urk. von 1551
bei Haltaus 1663; auff solche meinung hett sichs begeben in einer statt, darin ein metzger und ein kürszner nun lange jar am rechten schwebten. Kirchhof
wendunm. 1, 157
Österley (1, 126). 9@dd)
vielfach ist die bedeutung von schweben
abgeschwächt zu '
dauern, bestehen',
so: dar wy den ersamen rat to Brunswig ok geeschet heben, der gebreke halven under juw swevende durch uns offte gnante unse geordente rede to vorhoren.
d. städtechron. 16, 528, 30. —
auffällig und nicht ganz klar ist folgende verbindung: da ist der kauffer seiner zinse gewis, und nicht in der fahr, welchs wider die natur eins jglichen kauffs ist, welchs nicht geschehe, wo ausgedruckt würde stück bey stück, sondern der zins bliebe, füre, webt und schwebt gleich mit seinen gründen, wie recht ist. Luther 1, 196
b. —
jetzt ist diese verwendung veraltet. 9@ee)
so hauptsächlich im particip, besonders in gewissen feststehenden redewendungen: als der Frantzos mit einem grossen volck in das Elsasz zogen ... was, ist ein reicher thumher zuo gemelten gesellen kommen und gantz ernstlich mit jm von den schwebenden löuffen (
zeitläuften) geredt. Wickram
rollwagenbüchlein 109, 7
Kurz; darunter war das schreiben eines amtsverwalters aus dem anfange des vorigen jahrhunderts, worin dieser anzeigte, dasz er bei schwebenden gefährlichen zeitläufen sich beeile, hohem befehle gemäsz, die annoch in seinem verschlusz befindlichen truhen mit jagdgeräth und alten büchern nach dem fürstlichen lustschlosz Solitude abzuliefern. Freytag
handschr. 2, 302.
vgl. auch: wann man nun zuruck gedenckt, in was tieffer finsternusz man vor unsern zeitten im pabstumb gesteckt, unnd wie darinn ein abgötterey, miszbrauch unnd aberglaub nach dem andern auffkommen, so hat man sich desselben so vil desto weniger zuverwundern, weil .. wir wissen, das inn schwebendem pabstumb, so wol als vor zeiten im judenthumb, die bibel under die banck versteckt .. worden. Ph. Heilbrunner
von d. Augsp. confession widerw. censur (1598) 3
a. 1010)
in der poetischen sprache wird schweben
vereinzelt transitiv gebraucht; mit innerm accusativ: musik ist der kommenden gang, jede der wendungen, welche sie schwebt, harmonie! Klopstock 2, 87; seltner noch, als der Grieche führt der neue Römer, wenn er .. je sich erkühnt zu schweben tänze des liedes. 89; komm, beflügle den schwung, den harfenklang, den du schwebest. 5, 102 (
Mess. 11, 1541);
noch kühner ist folgende verbindung: schon schwebet ihr, in ungemess'nen fernen, den sel'gen göttertraum. Göthe 1, 141. 1111)
technisches. 11@aa)
bei den malern '
von den falten eines gewandes, welche oft quer über die theile des körpers wegfallen, ohne doch auf demselben aufgeleimt oder angeklebt zu scheinen',
flotter Jacobsson 4, 92
a. 11@bb)
im bergwesen sagt man schwebend
zunächst im gegensatze zu streichend,
in der richtung des fallens einer lagerstätte, so schwebender abbau, schwebende strecke. Veith 438. 11@cc)
ferner von einer sanften neigung, besonders vom fallen der lagerstätten. ebenda; von einer neigung gegen den horizont in einem winkel zwischen 25
und 60
grad: schwebende flötze, schächte, strecken, gesenke, aufbrüche. Scheuchenstuel 221; schwebender gang.
a. gang mit einem fallen von 0—15 (20)
grad, b. lagerstätte, deren einfallen weniger als 20
grad beträgt. Veith 213,
filon fort peu inclinée (
nicht über 5½
grad) Jacobsson 4, 92
b; dieweil sie aber ein schwäbenden gang von ertz auszhauwendt, so treibendt sie weit hinausz ein schmalen stollen. Agricola
[] bergwerkb. v. Bechius (1621) 91; schwebende gänge liegen oftmals ganz eben oder senken sich in etwas. Rössler
bergbau spiegel (
Dresd. 1700) 3. — schwebendes loch
in schräger richtung geschlagenes sprengbohrloch. Veith 438. 11@dd) schwebend,
horziontal, söhlig; daher schwebende markscheide '
eine durch eine horizontale ebene gebildete markscheide zweier über einander liegender grubenfelder'.
ebenda; schwebende markstatt. Scheuchenstuel 221. 11@ee) schwebend wird dasjenige in den gruben genannt, was wagerecht überstehet und wenn es nicht gestützt wäre, einstürzen würde.
qu. bei Veith 438;
daher schwebende firste sind solche decken oder dächer, die dem einsinken drohen, die nicht mehr fest stehen.
ebenda; faite menaçant la ruine Jacobsson 4, 92
b.
ferner schwebende mittel,
mine qu'on creuse sur le stolle, ou la galerie, '
anbrüche, welche nur über dem stollen und in der firste brechen, und nicht in die teufe niedersetzen, zumal, wenn die gänge niederwärts bereits abgebauet sind'.
ebenda; schwebende straszen,
straszenbaue in firsten oder über dem stollen; schwebend feld, '
wenn die grube ausgehauen ist und nur noch die bergveste hat'.
ebenda. vgl. Veith
a. a. o. 11@ff)
in hüttenwerken schwebender sumpf,
ein mit rasen verwahrtes wasserbehältnis, wohin die wasser aus der grube geleitet werden. Jacobsson 4, 92
b. 11@gg) schweben,
vom ton, wenn er nicht ganz rein ist, sondern ein wenig nach oben oder unten abweicht, vgl. schwebung,
als ausdruck der orgelbauer bei Jacobsson 4, 92
a. 11@hh) schwebende betonung
bezeichnet den widerstreit zwischen wort- und versaccent, der entsteht, wenn letzterer nicht die haupt-, sondern eine nebentonige wortsilbe trifft, und beim vortrage durch eine vertheilung des nachdrucks auf beide silben gemildert wird, vgl. z. b. Muth
mhd. metrik § 3,
zeitschr. f. d. alterth. 38, 234,
anm. 11@ii)
unklar ist der sinn von schwebend
in folgender stelle: unnd meynen rothen swebent rock ausz meyner narung zu gewartenn.
testament vom 25.
dec. 1547.