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keimen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

keimen

Bd. 11, Sp. 454
keimen , germinare, pullulare, mhd. chîmen 12. jh. Graff 4, 450, 11. jh. exodus 146, 25 Diemer, erchîmen Karajan sprachdenkmäler 95, 23, gebildet von chîm keim; nd. kîmen, nl. kiemen. 11) Formen und herkunft. 1@aa) wie käum, findet sich auch käumen früher, im 16. 17. jh. und noch im 18. (vgl. Canitz sp. 456): der wurzel, wo heraus die liebespflanze blühet, die in den augen käumt, im athem sich bewegt. Lohenstein in Hoffmannswaldaus samml. 1, 258. der käumende oder käumling hiesz in der fruchtbringenden gesellschaft Joh. Ernst der jüngere, herzog zu Sachsen, sein sinnspruch beginnt: das körnlein in der erd drinn zugedecket käumet, den klosz, der es getruckt, durchbohret und wegräumet. Krause der fruchtb. ges. erzschrein 429. man brachte es mit lat. cyma (κῦμα) keim, sprosz in verbindung, eine etymologie die noch Frisch vorträgt; daher noch bei Lessing: diesen samen zum käumen zu bringen. 7, 51 (hamb. dram. 11. stück), aber keimen 2, 314, aufkeimen 3, 282; s. keim 1, a. aber es ist älter: germinare, kymen vel kümen. Dief. 261a aus dem variloquus, 15. jh. (s. auch u. keimet). auch nl. kiemen, kiem ist möglicherweise zeugnis einer alten nebenform mit u-vocal. 1@bb) auch kimmen kommt vor, z. b. Ryff th. 42, wie kymme germen Dief. 261a; auch älter nl. kimmen (s. Weiland). auch das ist am ende mehr als fehler? vgl. kimme und keime 3 kerbe, und unter e zuletzt. 1@cc) wie aber keim eine nebenform kein hat, so keimen auch keinen, die von haus aus sogar die vorherschende, hie und da die einzige ist: mhd. kînen (bekînen, erkînen), ahd. chînan, und allein so alts. kînan, altfries. kinia (Hettema), goth. keinan. diese form herscht noch in friesischen mundarten, ostfries. kinen, saterl. kînne, wangerog. kîn; in niederdeutschen: kînen im Göttingischen, in Westfalen, in der Altmark, in Pommern, Livland; nl. kenen. und auch im hochd. gebiete früher und theilweis noch jetzt neben keimen, s. auskeinen 1, 891: die zibeln (zwiebeln) wachsen und kynend auf einer dürren bünen (boden), darfst sie nit in den grund setzen oder sie beschütten. Keisersberg irrig schaf D 1b; feigbonen, die leg in wasser und lasz sie kynen. J. Tallat von Vochenberg arzneib. der kreuter (Erfurt 1532) 23. 1@dd) diesz keinen ist aber urspr. starkformig; noch lebt am Mittelrhein das part. praet. gekinen (Kehrein 157), in Westfalen spricht man von gekienener kornfrucht, die schon gekeimt hat (Fromm. 5, 351); götting. kên keimte, conj. kêne (part. aber ekênt) Schambach 100a, noch ganz wie alts. kên keimte Hel. 73, 21. ebenso mhd., z. b. noch ûʒ ir erden nie gekein (: erschein) weder korn noch wînreben. Stricker Karl 3160, [] also kîne kein gekinen (gramm. 12, 936), und gewiss schon ahd. das gothische keinan dagegen gehört der gemischten conjug. an, im praes. stark, im praet. schwach (keinôda), das n aber ist bildungszuthat, zu grunde liegt keian keimen (s. keim). so haben keimen und keinen ganz verschiedne entstehungsart, jenes aus dem subst. keim und nur schwach, dieses aus einem ältern starken verb, aus dem auch keim entstand. es mag schon goth. keima m. dagewesen sein, gebildet wie blôma m., dem mhd. bluome m. entspricht, wie kîme jenem; auch steht dem m. keim das fem. keime so zur seite, wie nhd. blume f. dem alten m. blum (2, 157). ebenso entspricht in der bildung keist m. keim dem mhd. bluost m., nhd. blust blüte, und keit keim sp. 440 dem mhd. bluot (noch md. blût, z. b. sächs.) blüte. 1@ee) diesz keinen (erkeinen u. a.) aber hat noch eine andre bedeutung, die den ursprung von 'keimen' erschlieszt, es heiszt auch platzen, sich öffnen, diffindi, crepare, noch im 16. jh., theilweis bis heute: summa, wann nit gott haus hielt, so het es die welt vorlangest verkünstlet, und das liedlin zuhoch angefangen .. wie sie dann zuletst darob mszen zerbersten, erkeinen und zerknellen. Frank chron. 1536 298b, von dem ins unabsehbare sich steigernden zustand seiner zeit in luxus, speculation und theurung; aufkeinen, zupresten, zukeinen (zerk.), crepare. voc. th. 1482 c 1a. qq 3a, vgl. aufkeinen 1, 673 von einem erhängten (merkw. part. ufgekünen). bair. noch auskeinen von den flachsknotten die an der sonne platzen Schm. 2, 305 (s. das erste kein). mhd. zekînen (praet. zekein Wernher vom Niederrhein 11, 18), ahd. chînan dehiscere, ags. cînan, auch cinean, älter engl. chyne. davon kinst ritz; spalt im voc. th. 1482 q 8a (kynst fissura), mit dem vocal des praet. plur., ebenso nl. keen, urspr. kene ritz, mit urspr. î aber engl. dial. chine, kine, ags. cîne (vgl. keineisen). Der keim ist also ursprünglich bezeichnet als der ritz der das keimende samenkorn öffnet, das keimen als das aufplatzen des korns; merkwürdig sind beide bed. noch ungetrennt beisammen in keime kerbe und keim, in nl. keen schrunde, spalt und keim, kenen platzen und keimen. ein alter ablaut î ei i auch bei den formen mit m scheint doch von den formen unter b angedeutet. 1@ff) diesz kînen sich öffnen aber trifft mit altn. gîna vom öffnen des mundes, ags. gînan (Ettm. 433) so weit überein, dasz beide von haus aus éins sein werden, mit wechsel der lautstufe, wie bei keichen sp. 438 g (vgl. engl. dial. chaum spalt); der ritz des keimenden korns ward also bei seiner ersten benennung einem sich öffnenden munde verglichen. s. weiter gähnen. auswärtige vergleichungen s. bei Diefenbach goth. wb. 2, 450 (merkwürdig bret. kîn keim, sprosz, kina keimen). s. auch kielen 3. 22) Bedeutung und gebrauch: keimen, auswachsen, aussprieszen, pullulare. voc. th. 1482 q 2b; kymen, aufwachsen, exire in herbam. Maaler 258c. 2@aa) das saatkorn keimt; die tulpenzwiebel im wasser hat diese nacht gekeimt; die kartoffeln keimen im keller, haben gekeimt. aber auch ungekeimter same Lessing 1, 273, der noch nicht gekeimt hat, ausgekeimte gerste. die bäume und sträucher fangen schon an zu keimen, treiben keime, alles keimt schon im garten, dann der ganze garten keimt schon: weht der auferstehung odem durch das keimende gefild. Salis 46; natur, du ewig keimende. Göthe 3, 43. 2@bb) auch von dem was aus dem keime kommt, das hälmchen keimt aus dem korne (daher keim 3, b halm), das blatt aus der knospe: gleich dem zärtesten bau keimender blätter. Göthe 1, 326; die junge saat keimt aus den erdschollen hervor. im perf. hier mit sein: die saat ist schon aufgekeimt. 2@cc) activisch, trans. (vgl. 3): smaragden keimt es und keimt wie blut. Göthe 3, 43; als du grün im sonnenschein, junger lein, blaue blumen keimtest (keimend triebest). Voss 4, 139 (1825 3, 133); o pflanze, die du still dein leben keimest (keimend verbringst). Rückert 41 (1, 117), zugleich dichterisch für wachsen überhaupt. trans. schon im 15. jh. in folg.: passio Christi germinat vitam, kymet harusz dʒ leben. Melber variloquus k 6a; vgl. schon ahd. arkînit gignit, chînint promunt Graff 4, 450. 2@dd) übertragen vom bart: wenn der bart beim jüngling keimt. Gökingk 2, 126; keimende barthaare um mund und kinn. Göthe 31, 219; [] dem erst keimet der bart im holdesten reize der jugend. Voss Odyss. 10, 279. 2@ee) von andern lebenden wesen: gleich einer unbeständigen henne verläszt sie das nest und übergibt ihre schon keimende nachkommenschaft dem tod und der verwesung. Göthe 42, 90. selbst von todtem: hier sieht man .. die edelsteine keimen. Wieland 12, 311, 'wachsen'. 33) zum keimen bringen, bei den brauern: die gerste wird gekeimt und dann gedarrt. 44) Bildlich, wie keim 5 (s. schon Melber vorhin und Lohenstein unter 1, a): sie (die tugend) keimte schon bei dir in ersten kinderjahren. Morhof ged. 180; der same, der hier wird verschleimen, der wird zum bessern leben keimen (im grabe). 277; genug vor meinen ruhm, wenn in den spätern zeiten mein buch, das jetzo keimt, nur éinen unterhält. Günther 588; es keimt, es gährt bereits durch alle meine glieder der same und das gift geerbter sterblichkeit. 701; und da ich in der gruft soll als ein saatkorn käumen, so kan in diesem schlaf, der aller sorgen frei, mir sonst von nichts als nur von auferstehen träumen. Canitz 52 (1734 s. 194); wann gold und ehre sich zu Clives dienst verbinden, keimt doch kein funken freud in dem verstörten sinn. Haller (1777) 23, vgl. u. keim 5, b; aus dem herzen keimt des guten samen. 111; als Phryne mit der kleinen hand noch um der mutter busen spielte, nichts als den keimenden verstand und den beruf der sinnen fühlte. Hagedorn 3, 91; der same, sie (gespenster) zu glauben, liegt in uns allen .. es kömmt nur auf seine (des dichters) kunst an, diesen samen zum käumen zu bringen. Lessing 7, 51; mich dünkt, ich weisz aus welchen fehlern unsre tugend keimt. 2, 314; schon keimen im schosze der zukunft neue Vandalen, neue Sarazenen. Wieland 29, 13; wie keimten, schwämmen gleich, in allen winkeln dichter. Gotter 1, 258; wie mancher same der tugend käme vielleicht nie zum keimen und wie weniger zur reife, wenn noth und unglück nicht wären? Möser phant. (1778) 2, 36; und in unsern liedern keimet silb aus silbe, wort aus wort. Göthe 1, 163; keimt ein glaube neu, wird oft lieb und treu wie ein böses unkraut ausgerauft. 1, 242; denn in den ersten tagen wenn dir das mädchen keimt, da liebt sie eins zum spasz. 7, 46, wenn sie aus dem kinde zum mädchen erwächst; verstanden hast du mich gewiss, denn in deinem herzen musz eben der wunsch keimen (einer ewigen verbindung). 18, 97; nur die stoffe seh ich gethürmt, aus welchen das leben keimet, der rohe basalt hofft auf die bildende hand. Schiller 77a; leben geht nur unter, damit besseres leben an seiner stelle keime. 1031a; ich sah sie keimen, diese liebe, sah der leidenschaften unglückseligste in seinem herzen wurzel fassen. 295a; ähnliche gedanken, ich gesteh es, keimten längst in meiner brust. ders.; das Lutherthum habe schon vor Luther unter der erde gekeimt. J. Paul dämm. 14. eigen: der lange graue straszendamm nach Lindenstadt .. wovon zwei thurmspitzen oben aus dem gebirge keimten. Titan 1, 87, mit den spitzen langsam auftauchten, als ob sie herauswüchsen. dazu aufkeimen, auskeimen, bekeimen (Stieler 947), entkeimen, hervorkeimen, verkeimen, zerkeimen.
10104 Zeichen · 249 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Keimen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Keimen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, einen Keim treiben, von allen Samen, Pflanzen und Gewächsen. Die Ge…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    keimen

    Goethe-Wörterbuch

    keimen häufig subst Inf 1 einen Keim, Keime ausbilden, sich zu einem neuen Organimus zu bilden beginnen a zu sprießen be…

  3. modern
    Dialekt
    keimenintr. v.

    Lothringisches Wb. · +6 Parallelbelege

    keimen [khaimən D. Si. ] intr. v. seufzen, jammern, ächzen, stöhnen: e keimt de ganzen Dâch. — vgl. ahd. kûmjan, mhd. Le…

  4. Spezial
    keimen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    kei|men vb.intr. 1 ‹bot› (treiben) mené fora, dé fora, caidlé (-lëia) 2 ‹fig› (sich zu entwickeln beginnen) mené (mëna),…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit keimen

26 Bildungen · 3 Erstglied · 19 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von keimen 2 Komponenten

kei+men

keimen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

keimen‑ als Erstglied (3 von 3)

keimenflor

DWB

keimen·flor

keimenflor , m. nach blumenflor von J. Paul gebildet: die vielfachen erdrinden, die den keimenflor bedecken. 38, 58.

keimen II

RhWB

keimen II = stöhnen s. käumen;

keimen III

RhWB

keimen III = einen Keim treiben s. bei Keim.

keimen als Zweitglied (19 von 19)

ABKEIMEN

DWB2

DWB2 ABKEIMEN vb. DWB2 vereinzelt bildlich, ‘entsprießen ’ DWB2 DWB2 ⟨v1635⟩ der schnee da kombt wie sanffte woll/ von wolcken abgekaimet Sp…

ANKEIMEN

DWB2

ank·eimen

DWB2 ANKEIMEN vb. DWB2 anfangen zu keimen keime zu treiben: DWB2 1719 daß er (baum) hundert jahr zeit haben müsse, ehe er von der eichel ank…

aufkeimen

DWB

auf·keimen

aufkeimen , pullulare, germinare, nnl. opkijmen. denn bei uns, was vegetieret, alles keimt getrocknet auf. Göthe 1, 162 ; so wie auch in ihm…

auskeimen

DWB

aus·keimen

auskeimen , progerminare, aufkeimen: das erste auskeimen der rebe; die erbsen keimen aus; das malz keimt aus.

einkeimen

DWB2

ein·keimen

einkeimen vb. zum keimen kommen: 1542 qu. bauernkrieg Oberschwaben 225 LV.

entgegenkeimen

GWB

entgegen·keimen

entgegenkeimen Getrenntschr ‘jdm e.’; im Bild [ betr Aufführung von Epimen in Bln ] So muß uns denn doch zuletzt etwas ernstlich Gesäetes un…

entkeimen

DWB

ent·keimen

entkeimen , progerminare, nnl. ontkiemen: entkeimte kost. Brockes 1, 470 ; es entkeime dereinst dem gesunknen gebeine auferstehung. Messias …

Hääktkeimen

MeckWB

Wossidia Hääktkeimen Hääktskeiben Pl. Kiemendeckel des Hechtes; übertr. für den sog. Vatermörder Schö Schönberg@Schlagsdorf Schlagsd .

heraufkeimen

GWB

herauf·keimen

heraufkeimen PartPräs attr metaphor von jds (beginnender) geistiger Entwicklung GWB 36,260,18 BiogrEinzh Rüdiger Nutt-Kofoth R.N.-K.

hervorkeimen

GWB

hervor·keimen

hervorkeimen a organisch: hervorsprießen; einmal im Bild die grünen h-den Blätter GWB N7,284 MorphStudien inItal einige Barthaare .. die ebe…

Nachkeimen

Campe

nach·keimen

Nachkeimen , v. ntr . mit haben und sein , hinten nach, später keimen. D. Nachkeimen .

Überkeimen

Campe

ueber·keimen

Überkeimen , v. ntr . mit sein und haben. D. Überkeimen. 1. \Uumlacute;berkeimen , mit sein, ich keime über, übergekeimet, überzukeimen , ke…

Verkeimen

Campe

verk·eimen

Verkeimen , v. ntr . mit sein , im Keimen verkommen, d. h. vor Mangel an Nahrung vertrocknen. D. Verkeimen. D. — ung .

vorkeimen

DWB

vor·keimen

vorkeimen , verb. 1 1) keimend herauswachsen Campe ; wie das zarte gras im jungen frühling aus spätgefallnem schnee nur sparsam vorkeimt Sal…

Ableitungen von keimen (4 von 4)

bekeimen

DWB

bekeimen , germinare, keime treiben.

entkeimen

DWB

entkeimen , progerminare, nnl. ontkiemen: entkeimte kost. Brockes 1, 470 ; es entkeime dereinst dem gesunknen gebeine auferstehung. Messias …

erkeimen

DWB

erkeimen , progerminare, aufkeimen.

Verkeimen

Campe

Verkeimen , v. ntr . mit sein , im Keimen verkommen, d. h. vor Mangel an Nahrung vertrocknen. D. Verkeimen. D. — ung .