verfangen,
verb. capere, proficere. ursprünglich kein vollständiges, noch selbständiges zeitwort, sondern nur mit nasal weitergebildete form von vervâhen
und in alter zeit nur als nebenform des präteritums des genannten verbums auftretend. daher nicht von verfâhen
in der behandlung zu trennen. aus dem präsensstamme bilden mhd. ahd. mnd. alts. ags. die präsensformen mit dem infinitiv vervâhen, firfâhan, vorvâhen, farfâhan, forfô
n. daneben stehen die präteritalformen vervienc, firfienc, vorvêng, farfêng, forfênc
mit dem part. prät. ver-, fir-, vor-,
[] forfangen, -vangen.
aus dem einfachen stamme vervâhen
hat sich mhd. sing. prät. vervie
neben dem gewöhnlichen vervienc
und vereinzelt part. prät. vervân
neben vervangen
erhalten. im nhd. bleibt verfahen
auf die präsensformen beschränkt, daneben aber tritt ein präsens verfange
hervor. dieses präsens ist, wie das präsens fange,
weder ahd. noch mhd. nachgewiesen und mag zuerst sich auf nd. boden entwickelt haben, wie ja auch der älteste nachweis für präs. fange
nd. ist: quethinde: got farliet imo, ehtin sîn inde fangit imo,
dicentes: deus dereliquit eum, persequimini et comprehendite eum. psalm 70, 11. Heyne
kl. nd. denkm. 34.
das präsens verfahe
und verfange
schwankt nhd. bis ins 17.
jahrhundert, so führt Stieler 394. 398
noch beide formen neben einander auf, Frisch
erklärt fahen
für von fangen '
ausgedrängt',
kennt verfahen
nicht. heute scheint, während fahen, empfahen, umfahen
noch in poetischer sprache sich zeigen, verfahen
vergessen zu sein. in der bedeutung tritt, gegenüber dem einfachen fangen,
schon frühe die neigung zu abstractem gebrauche bei verfangen
vor, nur wenige reste der sinnlichen bedeutung haben sich erhalten. 11)
transitiv, fassen, festhalten (
heute veraltet),
mit persönlichem objecte, zum gefangnen machen: hat kon. maj. den orator .. verfangen und ienen ... bewaren lassen.
Frankf. archiv 1507 (
Constanz);
mit sächlichem objecte, geläufig in einigen kunstausdrücken, so im maschinenwesen: eine kette verfangen,
wenn man beim aufwinden mit ketten und schrauben die kette so lange feststellt, bis man die schrauben wieder tiefer stellen kann; die last verfangen,
wenn man beim heben die last so lange mit einem hebebaume stützt, bis man einen andern hebebaum oder denselben von neuem unterstecken kann. Heinsius 4, 2, 1285
a;
nautische kunstausdrücke: ein tau verfangen, '
ein tau, auf welches eine kraft wirkt, festhalten, damit es nicht weiter geht.' Bobrik 670; die beting verfangen,
festhalten, '
wenn das ankertau einen gar zu starken zug auf die beting ausübt, so wird sie auf dem deck abgestützt.' 706. 22)
bildlich. 2@aa)
mit persönlichem objecte, zusammenfassen, ziehen, zusammenschlieszen, das kriegsvolk verfangen: etlich wöllen und haltens dafür ... das das kriegsvolck nahe beisamen verfangen, als nur an eim oder zweien hauffen halten theten oder solten. Fronsperger
kriegsb. 1, 167
a. 2@bb)
mit sächlichem objecte, umfassen, in sich schlieszen, in besitz nehmen: ir alcoran vil gsatz verfacht die hier on nott zu melden sind. Thurneisser
archidoxa 61; item mer fleisz ze thun, herberge zu verfahen.
städtechron. 11, 528, 32; ferer werden wir bericht, wie die fürsten jr herberg zu Frankfurt auf den ietz angesetzten tag verfahen lassen und ettlicher potschaft antziehen. Chmel
urk. Maxim. 95; als er schribt um herberge zu verfahen.
Frankf. arch. 1503; ich woldt auch gern ymantz jein Wormis schicken, die herbergen zu verfahen.
ernest. ges.-archiv 1521;
alter kunstausdruck im hüttenwesen: einen bau in einem bergwerk verfahen,
übernehmen, in besitz nehmen; man sol ainen neufund vervahen auf klüften, da vormaln nicht alte pau auf sind.
Salzb. taidinge, hrsgb. v. Siegel u. Tomaschek 1, 196 (
erste hälfte des 14.
jhs.); wer ainen neufund verveht mit seinen rechten .. der hat nit lenger frid ... wenn drei tag. 1, 197; ainen rechten erbstollen sol man vervahen von unserm gnedigen herren von Salzburg. 1, 199, 20. 33)
zurückhalten, in freier bewegung beschränken. 3@aa)
mit persönlichem objecte: bis sie sich unvermerkt in einem tiefen dunkeln thal verfangen sehen. Wieland 18, 271; ja! Mangold, wenn du nicht den feinden Ernsts mit leib und seele schon verfangen bist. Uhland
Ernst von Schw. 116;
mit personification lebloser dinge: verfangen in der schlucht, die lauten winde rasen, die zu der wolkenschlacht die riesentuba blasen. Lenau
neue ged. 191. 3@bb)
mit sächlichem objecte, etwas mit beschlag belegen: den spiesz musz ich mir pfänden, ich nehm ihn mir zur haft, der spiesz ist mir verfangen. Uhland (1834) 396 (
schenk von Limb.);
dann auch rechtlich '
sicherstellen'
gegen fremde ansprüche, der, zu dessen gunsten die sicherstellung stattfindet, im dativ beigefügt: leget man aber ein ding ûʒ umme ungerichte von deme ehten dinge uber virczên nacht, daʒ suln si sûchen, daʒ daʒ ungerichte recht werde. hîr mite habn sie vervangen ir eigen kein dem richter, daʒ eʒ alles dinges von im ledic
[] ist.
Sachsensp. 1, 2, 2;
unter sicherstellen seitens des gerichtes: verfangenes gut,
ein gut, dessen nutznieszung mir zufällt, ohne dasz es in meinem besitze ist, bona affecta. Stieler 398;
güter, welche mit einer art von fideicommiss belegt sind Adelung 4, 1414: ist aber das ein weib abgat, die kind hat, und wil sich denn ein man endern und wil von sinen kinden, so soll den kinden werden ir mutter gut; wil aber der vatter pliben by sinen kinden, so sol er der mutter guot nieszen zu end siner wyl und sol den kinden den sin ein verfangen gut. Grimm
weisth. 1, 85 (
von 1507); verfangene erbschaft,
erbtheil, das den kindern nach dem tode des vaters gehört, wovon aber die mutter lebenslängliche nutznieszung hat (
z. b. im fränkischen rechte). 44) verfangen
mit zu ergänzendem objecte luft, athem u. s. w. ist volksthümlicher ausdruck für zu viel luft einschlucken;
besonders von pferden gesagt: damit nicht das wasserlechzend pferd mit durstgirigem übertrinken verfang, musz ich euch die erste brunst anzihen und einzäumen.
Garg. (1590) 40; trink bei leib nicht auf den zorn, du mögst verfangen. Fischart
groszm. 75;
s. unten nr. 6 sich verfangen. 55)
die abstracte bedeutung des wortes ist im mhd. reicher entwickelt als im nhd., besonders war verfangen
der ausdruck für geistiges wahrnehmen, in sich aufnehmen: iu sî doch ein dinc gesagt, daʒ man iedoch bedenken sol, ir vervâhetz übel oder wol. Hartmann
Iwein 1819; liebiu vrouwe, reine, mit herzen ich iuch meine, und mit stætem muote ir solt durch got zu guote mîne bete vervâhen. Ulrich
Tristan 1605;
weiter hat sich aus dem begriffe '
ergreifen, erfassen'
die nebenbedeutung schützen, erwerben, erfolg haben entwickelt. die bedeutung wahrnehmen ist nhd. nicht mehr nachzuweisen, die zweite bedeutung erhielt sich, aber nur trümmerhaft. mhd. findet sich das wort sowol mit persönlichem wie sächlichem subjecte wie objecte construiert: ouch hete mîn her Îwein grôʒen trôst zu den zwein, daʒ got und ir unschulde den gewalt niene dulde, daʒ im iht missegienge, und daʒ in ouch vervienge der lewe sîn geverte, daʒ er die magt ernerte. Hartmann
Iwein 5188; daʒ laden sî niht vervie, daʒ dehein tier eʒ vernæme, oder dar kæme.
Erec 5856; sol in diu milte niht vervân und diu tugent, die er hât begân, durch weltlîche êre, so ensol sich nimer mêre man gevlîʒen, daʒ er wol getuo.
Lanzelot 6947; sîn kunst in dô dâ vervie und sîn swert (wan daʒ was guot), daʒ er im durch den stalhuot sluoc eine tiefe wunden.
Wigalois 6694;
im nhd. hat sich der gebrauch sehr verengt, die construction mit persönlichem subjecte ist ungebräuchlich; das object hingegen fehlt entweder gänzlich, so dasz wie bei helfen (
s. theil 4
2, 955)
das zeitwort absolut steht, oder verfangen
nimmt ein allgemeines object an, das die wirkung des zeitwortes feststellt. 5@aa) verfangen
mit sächlichem subjecte, absolut: mhd. swaʒ mir ze lidenne geschiht, eʒ vervâhe wol oder niht, ich versuoche eʒ immer unz ich lebe. Hartmann
büchlein 1, 1065;
nhd. aber vil beichten und dick zu dem heiligen sacrament gon on soliche übung der tugend, das verfahet nüt und wurd der mensch nuwent dester verharteter. Keisersberg
seelensp. 23
a; und so die nit verfahen oder würken wolten oder die artznei versumpt war.
feldbuch d. wundarzn. (1528) 78; dieser treu rath des königs Hiero verfieng nit vast gegen seinem sun Gelo, wann im stund sein herz zu Hannibal.
Livius 127
a,
übersetzt von Carbach; do es aber nit verfahen wolt, dann der gunst des königs Tarquinii war zu grosz in dem römischen volk. 16; weil die güte so gar nicht verfangen hat. Abele
unordn. 33; dieser vorschlag verfieng. Thümmel 1, 254; suchte ich die vertheidigung des herabgesetzten zu übernehmen und seine vorzüge geltend zu machen; diesz aber verfieng nicht, man hatte partei ergriffen und blieb auf dem sinne. Göthe 29, 54; meine besten witze verfangen nichts mehr. Spielhagen
in reih u. glied 4, 83;
[] wenn fast kein mittel mehr in solcher noth verfing, stund der beherzte geist doch allzeit unbeweget. Chr. Gryphius
poet. wälder 1, 272; wen hat nicht dieser gift, wenn er verfängt, vergiftet? Haugwitz
Sotiman 229; der einzige trost, der noch verfing, war, dasz es anderen nicht besser erging. Wieland 21, 18; welches fest man auch ersann, ward umsonst begangen, pfänderspiel und dritter mann wollten nicht verfangen. Göthe 41, 28;
mit näherer bezeichnung der betroffenen person: wo aber die handlung bei unsern herrn .. dergestalt nicht verfahen, noch ersprieslich sein wollt ... Melanchthon 2, 137
Bretschneider; weil ich aber sahe, dasz nichts (
kein erinnern, kein vermahnen) bei ihm verfangen wolte, liesz ich ihn gehen.
pers. rosenth. 7, 6; die liebe ist eine krankheit, di keinen wider seinen willen überfällt. solche blinde beunruhigung des gemüthes verfänget bei der blinden jugend, di aber mit der zeit leicht gestillet und beherrscht werden kan. Butschky
kanzl. 564; nichts minders so gläube ich dises noch heftiger zu sein das er ganz keinen trost an ihme verfangen lassen wil und also wider sein leben selbst im zorne brennet. 892. 5@bb)
mit accusativ, der die wirkung des verfangens ausdrückt, als object: eine sache verfängt nichts, viel, etwas; wann vil sagen mit worten on straf das verfahet ganz nichts. Keisersberg
pred. 65
b; das mag alles nichts verfahen, minder als ein tropff weihwassers im fegfeur. Fischart
bienenk. 47
b; ja hetten sie gleich zehenmal Paulum und Petrum zu advocaten und zehen totzend bibeln auff ihrer seiten, disz mag alles nichts verfahen. 60; wäre der inficirte aber so starcker natur, dasz diese erzehlte mittel nichts verfangen wollten oder könten ..
Simpl. 2, 310, 20
Kurz; also dasz der patient allbereit den namen trüge eines ... narren, der den kopf so voller würm, mucken, grillen .. stecken hätte, dasz man ihn einer wohlverpackten heringstonn vergleichen möchte, so dasz auch alle obermelte curen nichts verfangen könnten. 2, 311, 8; da wollte kein zusprechen der verwandten bei mir hafften, kein trost der geistlichen mehr helffen noch ihr ernstliche vermahn- und abwarnungen etwas verfangen. 4, 19, 20; Harlequin versucht, sie ... auseinander zu bringen, läuft aber, als es nichts verfangen will, davon. Lessing 4, 409; alle zerstreuungen und ergetzlichkeiten, womit man diesem übel zu begegnen gesucht hatte, wollten nichts mehr verfangen. Wieland 6, 24; sie lieszen einen hasen nach dem andern laufen, allein es wollte nichts verfangen. Göthe 24, 253; aber zweitens hätten doch alle winke nichts verfangen. J. Paul 56, 81; wenig kann das stärkste geschrei nach objectivität aus den verschiednen musen- und andern sitzen verfangen. 41, 93; auch wenig verfängt was etwa gute modische nachahmungen des alten Deutschlands dagegen versuchen. 34, 25; Fenk wuszte, dasz in seiner ganzen krankheit kein abschlagen etwas verfing. 2, 131; 'glauben sie mir', sagte Schoppe, 'ich werde ihnen einmal alles sagen' ... auch das verfing nichts, er kehrte um. 23, 141; ich hab es schon dem konsistorium vorgetragen, aber es verfängt nichts. 23, 78; gut, wenn es nichts verfangen will, so will ich auch von meiner güte so wenig als möglich verlieren. Tieck 12, 160; offenbar ihr dein verlangen, wie der breutgam that. wil dann dieses nichts verfangen, weisz ich keinen raht. Neumark
lustwäldchen 94; doch da hieraus der wüthrich sah, dasz dieses (
seine donnerstimme) nichts verfangen wollte. Lichtwer
fabeln (1775) 162; allein er liesz nicht ab, und wie er sah, dasz bitten nichts verfängt, so sprach er ... Wieland 7, 13; der riese, den die angst mit jedem augenblicke um etliche spannen in ihrem wahn verlängt, spornt ihre tugend so scharf, dasz alles nichts verfängt, was jener bittet und flucht. 4, 15; allein er liesz nicht ab, und wie er sah, dasz bitten nichts verfänge, so sprach er ... 4, 133; nur keine gewalt, madam, die würde hier nichts verfangen. 4, 29; damals schien er zwar gewandt, als ich ihn noch nicht verstand. heute wird es nichts verfangen, frisch an ihn herangegangen! Göthe 41, 98; oft in deiner freunde zirkel hab ich angehört geduldig worte, welche nichts verfangen, nichts bedeuten dir zu liebe. Platen 82;
[] mit näherer angabe der person oder sache, worauf sich das verfangen
bezieht: gott straft sie durch krankheit und andere widerwertigkeit, dieses verfachet alles nichts an inen. Keisersberg
pred. 55
b; hat doch solches bei ihnen so viel nicht verfangen.
reichstagsakten 1530 § 1; wie Zürich nit gespüren mocht, das sin manung by Bern und den stetten vil verfahen wöllte. Bullinger 3, 236; dein raht nit wenig an mir verfahen wirdt.
Galmy 22; welche meine geringschätzige arbeit bei stattlichen auffgerichten gemüthern, wo nicht mehr, doch so viel verfangen wird, dasz .. Opitz
poeterei 70; der könig hat mir nachspäher lassen heimlich nachgehen, mich auch selbs mit rauhen worten angefahren, als er mich bei meiner Rosamunda sitzen fand, was mögen aber solche rauhe wort an mir verfahen.
buch d. liebe 246, 2; kein trost an ihr nichts verfahen noch helffen wolt. 255, 4; auch würde das versprechen, mich künftig artiger zu betragen, nur wenig bei so holden geschöpfen verfangen. Thümmel 4, 219; es ist aber jetzt die sache der vernunft und tugend, zu entscheiden, ob ein lebendiger spieler, dessen verstandesschwäche und unwissenheit stets ihre gränzen hat, wol viel gegen die spielmaschinen verfangen könne, die vielleicht nicht einmal ein gehirn überhaupt besitzen. J. Paul 15, 70; so hat auch der dachs das vermögen, sich dermaszen aufzublähen, dasz kein bisz und schlag viel wider ihn verfängt. 15, 148. 66)
reflexiv, sich verfangen,
sich fangen, sich verwickeln: mhd. mîn herze verfieng ir wirde hôch an der êren rîse, dô sprang eʒ ûf mit girde nâch ir diu sich gehôhet hât an prîse. ich sprach dô sich mîn herze het verfangen, eʒ hat hie angerüeret, des lob mit lobe nieman mag erlangen. Hadamar v. Laber 84
Schmeller; nhd. hatte ich zuvor nicht gespien, so spie ich allererst hernach, denn es gieng nichts als das klare ziegenmolken von mir, und das muste sich wol noch so irgend im leibe verfangen gehabt haben, als ich von meiner geburth an solches bisz ins zwölffte jahr gesoffen.
Schelmufsky 26
neudruck (
nr. 59); ein pferd das sich in seinen eignen aus dem verwundeten leibe herausgefallnen eingeweiden mit den vorderfüszen verfangen hatte. Göthe 30, 82; altersschwach zwischen den gebrochnen pfeilern ihres koliseums sitzt die alte kreuzspinne und spinnt noch immer das alte gewebe, aber .. es verfangen sich darin nur schmetterlinge und fledermäuse und nicht mehr die steinadler des nordens. H. Heine 1, 131; ich verbrenne mich schrecklich, meine schürze hat sich in den riegel am herd verfangen und ich kann nicht davon. Auerbach
unterwegs 78; ein seil verfängt sich,
schlingt sich um einen gegenstand und bleibt hängen; der wind verfängt sich im schornsteine, in der röhre. 6@aa)
verschiedene kunstausdrücke, jagdwesen: hunde verfangen oder verbeiszen sich,
wenn hitzige hunde an etwas gehetzt werden und so stark fassen, dasz sie sich nicht wieder losmachen können, sondern abgebrochen werden müssen. Heppe 308;
ebenfalls waidmannsausdruck, aneinander hängen bleiben: verfangen heiszt man es, wenn hirsche mit den geweihen an einander hängen bleiben oder wenn sich jagdhunde am wilde oder unter sich selbst so festbeiszen, das sie nicht loslassen können oder wollen und daher abgebrochen werden müssen. Hartig
lehrbuch für jäger (1832) 2, 88; sich verfangen
von menschen und thieren, zu viel wind, luft einschlucken und dadurch im athemholen behindert werden; kinder verfangen sich
heiszt in manchen gegenden was man anderwärts hinter den athem kommen
nennt, verhalten des athems; die windhunde verfangen sich,
wenn sie zu heftig gegen den wind laufen, '
welches auch von pferden und menschen gilt. bei den pferden belegen ungeschickte pferdeärzte mehrere ganz verschiedene krankheiten mit dem namen des verfangens,
vermuthlich, weil sie sich von auszen durch einerlei merkmale verrathen, z. b. krankheiten die von einem trunke in der hitze, von unterdrückter ausdünstung u. s. w. herrühren.' Adelung
versuch 4, 1414; wenn es (
das wasser) denn erhitzte pferde trinken, so verfangen sie sich leichtlich, sterben oft auf der stelle. Colerus
hausb. 259; auf dasz ein pferd nicht verschlage oder sich im wasser verfange, so binde ihm eisenkraut in dasz gebisz, so verfänget es sich im trincken nicht, es sei wo es wolle. Pinter
pferdschatz (1688) 413; die milch verfängt sich,
hört in folge von vertrocknung durch hitze auf, dem euter zu entströmen; im hüttenwesen '
sagt man das erz verfängt sich,
wenn es seine farbe an der luft verliehrt und blasz wird.' Adelung
versuch 4, 1415.
[] 6@bb)
bildlicher gebrauch: aber die sittliche anlage der menschheit, die ihr (
der cultur der talente) immer nachhinkt, wird sie, die in ihrem eilfertigen lauf sich selbst verfängt und oft stolpert ... dereinst überholen. Kant 6, 399;
mit angabe des ortes: Lasthenia, von welcher ich dir einst sagte, sie sei auf gutem wege mir einen schönen ... ahl, der sich in meinen reitzen verfangen hatte ... wegzufischen. Wieland 35, 31; arbeitet sich der geist nicht immer empor, so wird der thierische theil sich bald im schlamme der erde verfangen. 27, 37; von nun an haben die dämonen, in deren schlingen du dich zu Halikarnasz verfingest, keine gewalt mehr über dich. 27, 265; o des schlaukopfs, der sich in seinen eignen netzen verfängt. Klinger 1, 487; wo nun angreifen? wie ihn, wie mich retten? du siehst doch wohl, dasz ich mich da ziemlich tief verfangen hatte. 9, 187; in melodischer fortschreitung klangen die minuten im silbertone vorüber und verfingen und hielten sich in dem ausschlagenden rosendickigt der abendröthe auf. J. Paul 9, 231; ihre blicke sind ein süszes strahlennetz, in dessen maschen unser herz gleich einem fischlein sich verfängt und zärtlich zappelt. H. Heine 17, 14; ihre kürzern wege hatten sich an den waldecken verfangen, sie muszten schwenkungen machen, die sie aufhielten. Gutzkow
zauberer v. Rom 2, 35. 6@cc)
abstracter gebrauch, sich in etwas verfangen,
verwirren und nicht heraus können: weil wir uns selbst unvermeidlich in widersprüche verfangen, wenn wir einen einzigen schritt aus der sinnenwelt in die intelligible thun wollen. Kant 6, 400; sich an etwas verfangen,
in bezug auf etwas sträflich, verfänglich handeln: sich an gottes geboth verfangen. Adelung
versuch 4, 1415 (
in einer schrift von 1540); sich verfangen
für unterfangen, '
ein im hochdeutschen ungewöhnlicher gebrauch'.
ebenda.