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rupfen

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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22 in 17 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

rupfen verb.

Bd. 14, Sp. 1529
rupfen, verb. ausreiszen, zupfen, vellere, intensivbildung zu raufen (s. daselbst). das wort ist auf die deutschen sprachen im engern sinne beschränkt: mhd. rupfen, ropfen; mnd. roppen, niederl. ruppen Kilian, beide gewöhnlich durch ropen raufen ersetzt. ebenso in nnd. mundarten: ruppen brem. wb. 3, 560. Danneil 177a. Woeste 221a und roppen ten Doornkaat Koolman 3, 52a. Schambach 174b; dieselben formen erscheinen auch in den benachbarten mitteld. mundarten: harz. ruppen Liesenberg 188, rhein. roppen Kehrein 1, 331, hess. Vilmar 334, westerw. Schmidt 165. auf hd. gebiete begegnet ropfen neben rupfen sowol in der schriftsprache bis ende des 17. jahrh., als in den mundarten, z. b. schwäb. Schmid 435. das wort gehört mit raufen zu der wurzel, die im sanscr. als ruj, rujáti 'zerbrechen' erscheint, s. Fick 14, 115, 526. 11) ruckweise ausreiszen oder abreiszen, besonders wenn diese handlung wiederholt geschieht. ich ropff vello Alberus. so besonders 1@aa) haare rupfen: de sik selden kemt, de roppet de hare. Tunnicius 1137 Hoffmann; ich führt den jüngling zu jr ... alsbald sie jhn sahe, ropffet sie jhr haar. buch d. liebe 195c. gewöhnlich in der zusammensetzung ausrupfen (vgl. daselbst); das haar ausz rupffen, depilare Dasyp.; der edelmann ... fiel dem keyser in den bart, ropfft ihm ein gut theil dessen ausz. Zinkgref teutsche apophth. (1653) 1, 17. 1@bb) federn rupfen: o! seufzte Reinecke! wenn diesem also ist, so werd' ich keine feder rupfen. Lichtwer 124. 1@cc) gras, blumen u. s. w. rupfen, abreiszen. gras roppen. Schambach 174b; niederhess. flachs rupfen ausraufen. Vilmar 334; so auch heu rupfen, mit einem haken aus der raufe ziehen. Hunziker 213; so wolt er kole und latiche in dem garten ropfen. städtechron. 8, 60, 11 bei Lexer mhd. handwb. 2, 554; nimm die frischen blümlein wann sie vollkommenlich blühen, ropffe von jhren stielen. Tabernaemont. 1135 K; wie freut er sich so sehr, wenn er die bieren ropfft vom baume, den er selbst vor dieser zeit gepfropfft. Opitz 1, 155; aber mein Soldan rupfete gras auf dem weg', auch schöpft die sonne sich wasser. Voss 2, 210. 22, 2@aa) sodann mit veränderter beziehung: etwas rupfen, von ihm haare, federn u. ähnl. abreiszen. ein fell, ein thier, jemanden rupfen, ihm die haare ausreiszen: an vil orten ist noch der brauch, das man sie (die schafe) rupfet (statt sie zu scheren). Eppendorf Plinius 8, 46 s. 82; wie nun Theagenes solch grausam feuwer sahe, schlug er und ropffet sein haupt. buch d. liebe 185e. bildlich: Ruodmann .. der die seinen tyrannisch leitete, und das fell zerrisz, das er nicht zu rupfen verstand. Freytag bilder 114, 395; die hunde begunden in (Reinhart) rupfen. Reinhart 305 Grimm; seh' ich perrücken, möcht' ich sie rupfen. Göthe 11, 146. daher die sprichwörtliche redensart: wer gelt nimpt, do keyns nit ist, und rupfft mich, do myr hor gebrist, .. der ist von kunsterichen synnen. Murner schelmenz. 10, 2 (s. 20 neudruck). vgl. mit einem kalen hovede is quât roppen. Tunnicius 890 Hoffmann. bildlich ist die wendung: den fuchs rupfen für: sich erbrechen (vgl. th. 41, sp. 334): (dasz) der jenig, so den füchs geropfet (am rande: pfaffen kotzet), als bald dasselb ohn saltz wider hinein schlucken sollen. Fischart bienenk. 203b. 2@bb) besonders vögel rupfen, deplumare, pennas extrahere. Frisch 2, 92a; gs' ruppn. Danneil 177a; mhd. die gense ropfen Lexer handwörterb. 2, 554; fasanten und holztauben rupfen. Wickram nachb. 38a; habs dir, mein trauter Hans, rupf sie (die gans), seud sie, zreisz sie, frisz sie! Gödeke-Tittmann liederb. s. 175 (170, 7); sprach der lantsknecht zum wirt: mein gsell, ge hindern ofen in die hell und balt den armen teufel (einen hahn) nem, rupf und lasz braten in! H. Sachs spruchged. 135, 74 Tittmann; ein essn vögl er her gschickt hat, die will er helffen rupffen mir. Ayrer 2730, 13 Keller; da flog rechtsher ihm ein vogel, Phöbos' schneller verkünder, ein habicht; und in den klauen hielt er und rupfte die taub' und gosz ihr gefieder zur erde. Voss Od. 15, 526; da fing er an, rupft' sich den braten (der fuchs die taube). Göthe werke 2, 205 Weim. ausg. bildlich: und dann hatte ich wieder bedenken, unter meinem schutz und ansehn irgend einen schlechten, gerupften vogel (ein ruppig aussehendes mädchen) einzuführen. Göthe 34, 78. 2@cc) rupfen in dieser bedeutung wird dann in übertragenem sinne gebraucht: jemandem sein geld ablocken, durch list oder drängen. dafür auch, besonders in der älteren sprache berupfen, bonis exhaurire. Frisch 2, 92a. Schmid 440 (vgl. th. 1, sp. 1538): gestern hab'n s' mi' beim spül'n tüchti' g'rupft. Hügel 131b. dasz man darin noch die sinnliche bedeutung fühlt, beweist die wendung: er musz wolle laszen, von einem so gerupften. während man hier an das gerupfte schaf (s. 2, a) denkt, liegt in anderen wendungen das bild des gerupften vogels (der gans) zu grunde, so besonders deutlich in folgender stelle: Philargia eine von den offentlichen dirnen rupfte diesen vogel nach und nach. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. (1653) 2, 59; (der mineralgraue philosoph) gieng zwar jeden sonntag in die kirche, mausete aber seiner frau die kleider aus dem schrank ... legte sich darauf, seit die einheimischen ihn zu genau kannten, die fremden zu rupfen. Siegfr. v. Lindenb. 1, 133; wenn er damit hofleuten glich, welche fürsten wie köchinnen tauben aufblasen, um wie diese besser zu rupfen. J. Paul leben Fibels 144; da müssen die ersten herren brav geblecht haben .. nu, uns wird er (der gastwirt) vollends rupfen .. und ich möchte meine federn nicht hergeben. komet 3, 100; es würden sich geschwind genug blutsauger an dich machen und dich in allen ecken rupfen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 23; wie werden die gerupften gänse hinter uns hergacksen! Lenz 2, 164; doch ist er an den sinnen sein gar einfeltig, grob und auch schlecht, als ob er sey ein pawren knecht. darumb ist er sehr gut zu rupffen. H. Sachs fastn. sp. 5, 33, 107 neudruck. auch mit gewalt berauben, ausplündern, beute machen: also nemen, ziehen, reiszen, rauben, ropfen und stelen die pfaffen täglich. Schade sat. u. pasqu. 2, 24, 15; ein jeder wurd ein anspruch han uf uns, zuo rupfen, schinden und püten. Hans Salat 209, 898 Bächtold. in ähnlichem sinne rupfen mit sächlichem object, also an die bedeutung 1 anknüpfend, wegnehmen, erbeuten: meines Jupiters konte ich nicht losz werden, dann der commendant begehrte ihn nicht, weil nichts an ihm zu ropffen war. Simpl. 1, 274, 5 Kurz. rupfen stehlen Birlinger 378b. 33) dann bedeutet rupfen auch nur: an etwas reiszen, ziehen, zerren, wie um es auszureiszen, ohne dasz dabei der erfolg des ausreiszens eintritt: die schläff zuom dickernmal mit hartz ropffen. Celsus deutsch von Khüffner (1531) 44a. so gewöhnlich intransitiv an etwas rupfen. sehr beliebt ist hier die verbindung zupfen und rupfen: ein wandt aber die den fall dräwet, daran seychen die hunde, rupfft und zupfft, und gibt jederman ein stöszlin, bisz sie auff einn hauffen fellt. Agr. sprichw. 142a; auch die starken mögen zu hunderten daran zupfen und rupfen. Bürger 183b (Il. vorr.); der sumpfige theil (Venedigs) ist mit wasserpflanzen bewachsen, und musz sich auch dadurch nach und nach erheben, obwohl ebbe und fluth beständig daran rupfen und wühlen. Göthe 27, 144. einen am rocke rupfen, zerren: der fuchs aber, sobald er in die gruoben kam, fieng er an, den pfaffen zuo stupfen und zuo rupfen an seinem rock. Wickram rollwagenb. 82, 7 Kurz. bei den haaren rupfen: wie solt ich dich bei dem har ropffen. Eulensp. s. 12 neudr. (dafür s. 13: wie solt ich dich bei dem har ziehen). auch mundartlich ain rupfe, einen empfindlich bei den haaren ziehen. Seiler 244a; bey den ohren rupfen, auricula trahere. Frisch 2, 92a. daher auch die übertragenen verwendungen: a) necken: du kast (kannst) mi net ung'rupft laun (lassen). Wander 3, 1776. b) unpersönlich: es rupft an em ume, er leidet bald an diesem, bald an jenem. Hunziker 213. c) ropfen, ungeschickt und erfolglos an einer arbeit zerren. Schmid 435. 44, 4@aa) allgemeiner bedeutet rupfen auch schlagen, treffen, selbst mit geschossen verwunden: arme und reich, oberster oder under, wen sy ansichtig war lies sy nit hin, sy dette in mit iren pfeylen rupffen. meisterl. f. 23, nr. 245. 4@bb) so besonders sich rupfen, sich raufen, balgen (vgl.raufen 6, sp. 260), nd. sek roppen. Schambach 174b; sê roppen sük d'r um, wel 't mêste krigt. ten Doornkaat Koolman 3, 52a; wann sy gleich einandern gerupft, hetten sy demnach nit frid nemmen (ruhe schaffen) künnen. Wickram rollwagenb. 94, 14 Kurz. 4@cc) auch rupfen allein in demselben sinne (vgl.raufen 7). roppen mit jemand handgemein werden. Schmidt 165; dann gleich in meiner jugend ward ich von meines gleichen schüler-jungen so zerkratzt, wann ich mit ihnen ropffte. Simpl. 1, 439, 6 Kurz; derowegen kamen wir beyderseits zu scheltworten, von den worten zu nasenstübern und von den stössen zum rupffen und ringen. 3, 19, 19. 55) dialektische und besondere bedeutungen. a) vorwerfen, vorrücken, so gewöhnlich in den zusammensetzungen aufrupfen (s. theil 1, sp. 716. Hunziker 213) und vorrupfen (Schöpf 571, vgl. Schm. 2, 131); einem jeden fal auffrupfen. Fischart ehz. 16. selten rupfen allein in demselben sinne: dann es rupfft ihnen disz jhr eigne Fortuna, und zeiget sie gleichsam mit dem finger, und führt offt ihrer gedächtnus zu gemüth. Schuppius 756. b) nd. ruppen mausern, von vögeln, an 2, b sich anschlieszend. Danneil 177a.
9540 Zeichen · 222 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rupfenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    rupfen , rüpfen swv. BMZ rupfen, zausen, zupfen, pflücken. einem den bart rupfen W. v. Rh. 159,29. die hunde begunden in…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rupfen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Rupfen , verb. reg. act. welches das Intensivum von raufen ist, und im Oberdeutschen auch überall wie dieses gebraucht w…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    rupfen

    Goethe-Wörterbuch

    rupfen 1 (etw) ruckartig ausreißen a Geflügel (als menschliche od tierische Nahrung) entfiedern; mehrf in bildl Zshg; ei…

  4. modern
    Dialekt
    rupfen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    rupfe n , ropfe n , rop f e n [rùpfə S. bis Bf. ; ropfə Scherw. Uttenh. ; ròpfə Ndhsn. u. nö. davon bis N.; ropə W.; rup…

  5. Sprichwörter
    Rupfen

    Wander (Sprichwörter)

    Rupfen 1. Da ist bös rupfen, wo weder Haare noch Federn sind. – Gaal, 1329; Simrock, 8594. It. : Dove non n'è, non se ne…

  6. Spezial
    rupfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    rup|fen vb.tr. 1 (reißen) trá fora 2 (in Bezug auf Vögel) splomé (splöma) 3 ‹umor› (Geld abnehmen) splomé (splöma), trá …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rupfen

14 Bildungen · 1 Erstglied · 9 Zweitglied · 4 Ableitungen

rupfen‑ als Erstglied (1 von 1)

Rupfengerste

PfWB

rupfen·gerste

Rupfen-gerste f. : ' Gerste, die zum Mähen zu klein ist und daher gerupft wird ', Roppegerst [ Wilde 69].

rupfen als Zweitglied (9 von 9)

abrupfen

DWB

abrupfen , devellere, abpflücken. mit der hand ähren ab rupfen. 5 Mos. 23, 25 , wofür Matth. 12, 1 . Luc. 6, 1 ähren ausraufen, goth. raupja…

aufrupfen

DWB

auf·rupfen

aufrupfen , exprobrare, eigentlich aber vellere, vellicare und aus einem sinnlichen aufrupfen oder pflücken der flocken und federn vom kleid…

ausrupfen

DWB

aus·rupfen

ausrupfen , evellere, ausraufen, von gras, haar, wolle, federn: die jungen gänse verstanden sich gleich aufs ausrupfen des grases; man rupft…

berupfen

DWB

berupfen , was beropfen, natürlich und figürlich verwandt: so wil in iederman berupfen. fastn. sp. 754, 16 ; sie hat gefangen auf dem kloben…

Gyrenrupfen

Wander

Gyrenrupfen Es ist wie beim Gyrenrupfen. (S. Geier 28.) – Kirchhofer, 79.

ineinandstrupfen

Idiotikon

ineinandstrupfen Band 11, Spalte 2329 ineinandstrupfen 11,2329

strupfen

DWB

strupfen , verb. , inhorrere, horrore perstringi, einschrumpfen, zusammenschrumpfen; mit vocal der tiefstufe zur basis streub-, erweiterung …

zerrupfen

DWB

zer·rupfen

zerrupfen , verb. , durch rupfen zerreiszen: Diefenbach gl. 183 a ; n. gl. 136 b ; Frisius 276 b ; H. Fischer 6, 1144 ; schweiz. id. 6, 1213…

ūzrupfen

KöblerMhd

ūzrupfen , sw. V. nhd. ausrupfen ÜG.: lat. evellere Gl Hw.: vgl. mnd. ūtrȫpen* Q.: Minneb (um 1340), PsMb (FB ūz rupfen), Gl E.: s. ūz, rupf…

Ableitungen von rupfen (4 von 4)

berupfen

DWB

berupfen , was beropfen, natürlich und figürlich verwandt: so wil in iederman berupfen. fastn. sp. 754, 16 ; sie hat gefangen auf dem kloben…

entrupfen

DWB

entrupfen , evellere, ausrupfen: lege die zierlichen finger der hand an die spitzige feder, die den fittichen ist krächzender raben entrupft…

Verrupfen

Campe

Verrupfen , v. trs . 1) Aus seiner Stelle rupfen, wie auch, durch Rupfen in Unordnung bringen. 2) Durch Rupfen verbrauchen, rupfen bis es al…

zerrupfen

DWB

zerrupfen , verb. , durch rupfen zerreiszen: Diefenbach gl. 183 a ; n. gl. 136 b ; Frisius 276 b ; H. Fischer 6, 1144 ; schweiz. id. 6, 1213…