rupfen,
verb. ausreiszen, zupfen, vellere, intensivbildung zu raufen (
s. daselbst).
das wort ist auf die deutschen sprachen im engern sinne beschränkt: mhd. rupfen, ropfen;
mnd. roppen,
niederl. ruppen Kilian,
beide gewöhnlich durch ropen
raufen ersetzt. ebenso in nnd. mundarten: ruppen
brem. wb. 3, 560. Danneil 177
a. Woeste 221
a und roppen ten Doornkaat Koolman 3, 52
a. Schambach 174
b;
dieselben formen erscheinen auch in den benachbarten mitteld. mundarten: harz. ruppen Liesenberg 188,
rhein. roppen Kehrein 1, 331,
hess. Vilmar 334,
westerw. Schmidt 165.
auf hd. gebiete begegnet ropfen
neben rupfen
sowol in der schriftsprache bis ende des 17.
jahrh., als in den mundarten, z. b. schwäb. Schmid 435.
das wort gehört mit raufen
zu der wurzel, die im sanscr. als ruj, rujáti '
zerbrechen'
erscheint, s. Fick 1
4, 115, 526. 11)
ruckweise ausreiszen oder abreiszen, besonders wenn diese handlung wiederholt geschieht. ich ropff
vello Alberus.
so besonders 1@aa) haare rupfen: de sik selden kemt, de roppet de hare. Tunnicius 1137
Hoffmann; ich führt den jüngling zu jr ... alsbald sie jhn sahe, ropffet sie jhr haar.
buch d. liebe 195
c.
gewöhnlich in der zusammensetzung ausrupfen (
vgl. daselbst); das haar ausz rupffen,
depilare Dasyp.; der edelmann ... fiel dem keyser in den bart, ropfft ihm ein gut
theil dessen ausz. Zinkgref
teutsche apophth. (1653) 1, 17. 1@bb) federn rupfen: o! seufzte Reinecke! wenn diesem also ist, so werd' ich keine feder rupfen. Lichtwer 124. 1@cc) gras, blumen
u. s. w. rupfen,
abreiszen. gras roppen. Schambach 174
b;
niederhess. flachs rupfen
ausraufen. Vilmar 334;
so auch heu rupfen,
mit einem haken aus der raufe ziehen. Hunziker 213; so wolt er kole und latiche in dem garten ropfen.
städtechron. 8, 60, 11
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 554; nimm die frischen blümlein wann sie vollkommenlich blühen, ropffe von jhren stielen. Tabernaemont. 1135 K; wie freut er sich so sehr, wenn er die bieren ropfft vom baume, den er selbst vor dieser zeit gepfropfft. Opitz 1, 155; aber mein Soldan rupfete gras auf dem weg', auch schöpft die sonne sich wasser. Voss 2, 210. 22, 2@aa)
sodann mit veränderter beziehung: etwas rupfen,
von ihm haare, federn u. ähnl. abreiszen. ein fell, ein thier, jemanden rupfen,
ihm die haare ausreiszen: an vil orten ist noch der brauch, das man sie (
die schafe) rupfet (
statt sie zu scheren). Eppendorf
Plinius 8, 46
s. 82; wie nun Theagenes solch grausam feuwer sahe, schlug er und ropffet sein haupt.
buch d. liebe 185
e.
bildlich: Ruodmann .. der die seinen tyrannisch leitete, und das fell zerrisz, das er nicht zu rupfen verstand. Freytag
bilder 1
14, 395; die hunde begunden in (
Reinhart) rupfen.
Reinhart 305
Grimm; seh' ich perrücken, möcht' ich sie rupfen. Göthe 11, 146.
daher die sprichwörtliche redensart: wer gelt nimpt, do keyns nit ist, und rupfft mich, do myr hor gebrist, .. der ist von kunsterichen synnen. Murner
schelmenz. 10, 2 (
s. 20
neudruck).
vgl. mit einem kalen hovede is quât roppen. Tunnicius 890
Hoffmann. bildlich ist die wendung: den fuchs rupfen
für: sich erbrechen (
vgl. th. 4
1,
sp. 334): (
dasz) der jenig, so den füchs geropfet (
am rande: pfaffen kotzet), als bald dasselb ohn saltz wider hinein schlucken sollen. Fischart
bienenk. 203
b. 2@bb)
besonders vögel rupfen,
deplumare, pennas extrahere. Frisch 2, 92
a; gs' ruppn. Danneil 177
a;
mhd. die gense ropfen Lexer
handwörterb. 2, 554; fasanten und holztauben rupfen. Wickram
nachb. 38
a; habs dir, mein trauter Hans, rupf sie (
die gans), seud sie, zreisz sie, frisz sie! Gödeke-Tittmann
liederb. s. 175 (170, 7); sprach der lantsknecht zum wirt: mein gsell, ge hindern ofen in die hell und balt den armen teufel (
einen hahn) nem, rupf und lasz braten in! H. Sachs
spruchged. 135, 74
Tittmann; ein essn vögl er her gschickt hat, die will er helffen rupffen mir. Ayrer 2730, 13
Keller; da flog rechtsher ihm ein vogel, Phöbos' schneller verkünder, ein habicht; und in den klauen hielt er und rupfte die taub' und gosz ihr gefieder zur erde. Voss
Od. 15, 526; da fing er an, rupft' sich den braten (
der fuchs die taube). Göthe
werke 2, 205
Weim. ausg. bildlich: und dann hatte ich wieder bedenken, unter meinem schutz und ansehn irgend einen schlechten, gerupften vogel (
ein ruppig aussehendes mädchen) einzuführen. Göthe 34, 78. 2@cc) rupfen
in dieser bedeutung wird dann in übertragenem sinne gebraucht: jemandem sein geld ablocken, durch list oder drängen. dafür auch, besonders in der älteren sprache berupfen,
bonis exhaurire. Frisch 2, 92
a. Schmid 440 (
vgl. th. 1,
sp. 1538): gestern hab'n s' mi' beim spül'n tüchti' g'rupft. Hügel 131
b.
dasz man darin noch die sinnliche bedeutung fühlt, beweist die wendung: er musz wolle laszen,
von einem so gerupften. während man hier an das gerupfte schaf (
s. 2,
a)
denkt, liegt in anderen wendungen das bild des gerupften vogels (
der gans)
zu grunde, so besonders deutlich in folgender stelle: Philargia eine von den offentlichen dirnen rupfte diesen vogel nach und nach. Harsdörfer
lust- u. lehrreiche gesch. (1653) 2, 59; (
der mineralgraue philosoph) gieng zwar jeden sonntag in die kirche, mausete aber seiner frau die kleider aus dem schrank ... legte sich darauf, seit die einheimischen ihn zu genau kannten, die fremden zu rupfen.
Siegfr. v. Lindenb. 1, 133; wenn er damit hofleuten glich, welche fürsten wie köchinnen tauben aufblasen, um wie diese besser zu rupfen. J. Paul
leben Fibels 144; da müssen die ersten herren brav geblecht haben .. nu, uns wird er (
der gastwirt) vollends rupfen .. und ich möchte meine federn nicht hergeben.
komet 3, 100; es würden sich geschwind genug blutsauger an dich machen und dich in allen ecken rupfen. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 23; wie werden die gerupften gänse hinter uns hergacksen! Lenz 2, 164; doch ist er an den sinnen sein gar einfeltig, grob und auch schlecht, als ob er sey ein pawren knecht. darumb ist er sehr gut zu rupffen. H. Sachs
fastn. sp. 5, 33, 107
neudruck. auch mit gewalt berauben, ausplündern, beute machen: also nemen, ziehen, reiszen, rauben, ropfen und stelen die pfaffen täglich. Schade
sat. u. pasqu. 2, 24, 15; ein jeder wurd ein anspruch han uf uns, zuo rupfen, schinden und püten. Hans Salat 209, 898
Bächtold. in ähnlichem sinne rupfen
mit sächlichem object, also an die bedeutung 1
anknüpfend, wegnehmen, erbeuten: meines Jupiters konte ich nicht losz werden, dann der commendant begehrte ihn nicht, weil nichts an ihm zu ropffen war.
Simpl. 1, 274, 5
Kurz. rupfen
stehlen Birlinger 378
b. 33)
dann bedeutet rupfen
auch nur: an etwas reiszen, ziehen, zerren, wie um es auszureiszen, ohne dasz dabei der erfolg des ausreiszens eintritt: die schläff zuom dickernmal mit hartz ropffen. Celsus
deutsch von Khüffner (1531) 44
a.
so gewöhnlich intransitiv an etwas rupfen.
sehr beliebt ist hier die verbindung zupfen und rupfen: ein wandt aber die den fall dräwet, daran seychen die hunde, rupfft und zupfft, und gibt jederman ein stöszlin, bisz sie auff einn hauffen fellt. Agr.
sprichw. 142
a; auch die starken mögen zu hunderten daran zupfen und rupfen. Bürger 183
b (
Il. vorr.); der sumpfige theil (
Venedigs) ist mit wasserpflanzen bewachsen, und musz sich auch dadurch nach und nach erheben, obwohl ebbe und fluth beständig daran rupfen und wühlen. Göthe 27, 144. einen am rocke rupfen,
zerren: der fuchs aber, sobald er in die gruoben kam, fieng er an, den pfaffen zuo stupfen und zuo rupfen an seinem rock. Wickram
rollwagenb. 82, 7
Kurz. bei den haaren rupfen: wie solt ich dich bei dem har ropffen.
Eulensp. s. 12
neudr. (
dafür s. 13: wie solt ich dich bei dem har ziehen).
auch mundartlich ain rupfe,
einen empfindlich bei den haaren ziehen. Seiler 244
a; bey den ohren rupfen,
auricula trahere. Frisch 2, 92
a.
daher auch die übertragenen verwendungen: a)
necken: du kast (
kannst) mi net ung'rupft laun (
lassen). Wander 3, 1776. b)
unpersönlich: es rupft an em ume,
er leidet bald an diesem, bald an jenem. Hunziker 213. c) ropfen,
ungeschickt und erfolglos an einer arbeit zerren. Schmid 435. 44, 4@aa)
allgemeiner bedeutet rupfen
auch schlagen, treffen, selbst mit geschossen verwunden: arme und reich, oberster oder under, wen sy ansichtig war lies sy nit hin, sy dette in mit iren pfeylen rupffen.
meisterl. f. 23,
nr. 245. 4@bb)
so besonders sich rupfen,
sich raufen, balgen (
vgl.raufen 6,
sp. 260),
nd. sek roppen. Schambach 174
b; sê roppen sük d'r um, wel 't mêste krigt. ten Doornkaat Koolman 3, 52
a; wann sy gleich einandern gerupft, hetten sy demnach nit frid nemmen (
ruhe schaffen) künnen. Wickram
rollwagenb. 94, 14
Kurz. 4@cc)
auch rupfen
allein in demselben sinne (
vgl.raufen 7). roppen
mit jemand handgemein werden. Schmidt 165; dann gleich in meiner jugend ward ich von meines gleichen schüler-jungen so zerkratzt, wann ich mit ihnen ropffte.
Simpl. 1, 439, 6
Kurz; derowegen kamen wir beyderseits zu scheltworten, von den worten zu nasenstübern und von den stössen zum rupffen und ringen. 3, 19, 19. 55)
dialektische und besondere bedeutungen. a)
vorwerfen, vorrücken, so gewöhnlich in den zusammensetzungen aufrupfen (
s. theil 1,
sp. 716. Hunziker 213)
und vorrupfen (Schöpf 571,
vgl. Schm. 2, 131); einem jeden fal auffrupfen. Fischart
ehz. 16.
selten rupfen
allein in demselben sinne: dann es rupfft ihnen disz jhr eigne Fortuna, und zeiget sie gleichsam mit dem finger, und führt offt ihrer gedächtnus zu gemüth. Schuppius 756. b)
nd. ruppen
mausern, von vögeln, an 2,
b sich anschlieszend. Danneil 177
a.