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glatzig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glatzig adj.

Bd. 7, Sp. 7769
glatzig, glatzicht, adj. , calvus. mhd. glatzeht, so gelegentlich noch im 16. jh.: Heyden Plinius (1565) 401; Stumpf einer löbl. eydgnoschaft chronick (1548) 2, 391a; glatzächt Heuszlin Gesners vogelb. (1552) 22; mit suffixvokal -o- im alem. glatzocht Wittenweiler ring 5292 Wieszner. in jüngerer seitenform glatzicht seit dem 16. jh., literarisch bis ins späte 17. jh., lexikalisch bis Aler dict. (1727) 1, 949b, als glätzicht noch bei Steinbach (1734) 1, 598. in den erweiterten formen glatzachtig, glatzächtig, glatzechtig nur lexikalisch von Frisius (1556) 177a, 1033a bis Stieler (1691) 663. auf obd. boden begegnet im 15. und 16. jh. als gebräuchlichste form ein aus glatzeht verkürztes glatzet, literarisch noch bei Abr. a s. Clara Judas d. ertzschelm (1686) 1, 129 und vereinzelt mundartlich noch lebendig Schöpf Tirol 193; Fischer schwäb. (mit beleg aus schwäb. Tirol) 3, 677. im älteren alem. und bair. formen mit vokalvarianten: glatzat (1421) Diefenbach n. gl. 68b; fastnachtsp. 858 Keller, vgl. Lexer kärnt. 115; glaczot (aus einem cgm. v. 1419) Schmeller-Fr. bair. 1, 978; Steinhöwel Äsop 153 lit. ver. vgl. noch glatzt Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 180a. ein vereinzeltes glasset bei Eyering s. unter glatze sp. 7764. die heute allein übliche form glatzig zuerst bei Brack vocab. rerum (1494) 7d, in späterer bezeugung als die aus glatzeht entwickelten und die zu glatzend (s. d.) gehörigen formen, hinter denen es noch das ganze 16. jh. hindurch merklich zurücktritt. seit dem 17. jh. beginnt es, anscheinend vom md. boden aus, die übrigen formen im gesamten hd. sprachbereich zu verdrängen. vereinzelt glätzig Dasypodius (1537) 342b; F. G. v. Perlensee lob d. geldsucht (1709) 662. 11) vom kopf, kahlköpfig, kahl. wie bei glatze in totalem und partiellem sinne; in jüngerer sprache hinter synonymen begriffen wie kahlköpfig, glatzköpfig zurücktretend: alopiciosus ein glaczeter oder kal Diefenbach n. gl. 17; glabellus glatzeht oder cal gemma gemmarum (Hagenau 1510) l 5; calvaster glatzig, kaal, calvus kaal, glatzig Frisius (1556) 177a. auch sonst häufig neben kahl: er sprach vor, er wer von Micone und die selben synd all kal und glatzet Terenz deutsch (1499) 156a; brupfftens umb den kopff uberal, das die hetz (elster) wurd glatzet und kahl Hans Sachs 9, 410 K.; calvare glatzig machen (1495) Diefenbach gl. 91c; du hast mich kahl und glatzet gemacht Äg. Albertinus Lucifers königreich 95 R. v. Liliencron; die alten haben ihren knechten den kopff glatzt geschoren Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 180a; die hitzige hirn haben, welche leichtlich glatzet werden Wirsung arzneib. (1584) 52. in älterer sprache nicht selten zur bezeichnung eines kahlen kopfteils genauer bestimmt: recalvus hinden glaczet Diefenbach 468b; gelegenheit hat vornen haar, sonst hinden ist sie glatzig gar Petri weiszheit (1604) 2, F f 1a; namentlich vom vorderkopf: praecalvus vornen kaal oder glatzAechtig Frisius (1556) 1033a; kam ein alter mann, welcher ein rothlecht haar hatte, so ihm auf die achsel herab gienge, vornen aber glatzet war Christoph Lehmann exilium melanch. (1643) 346. im 15. und 16. jh. geläufig glatzige stirn für 'kahler vorderkopf': glabella schaidel, ein glaczet gestirn (15. jh. obd.) Diefenbach n. gl. 193b (s. auch scheitel 1 a teil 8, 2478f.); das alter in eim wesen stat in zittern glyder, stym und hirn, eyn trieffend nasz und glatzeht stirn Seb. Brant narrensch. 28 Zarncke; das uns sein glatzete stirn leucht Hans Sachs 12, 377 K.-G. als charakterisierendes körperliches merkmal: unser fund ist nit guot, wann der dieb was glaczot. wenn man dann den haarigen sähe Steinhöwel Äsop 153 lit. ver.; Caroli des glatzechten Stumpf e. löbl. eydgnoschafft chron. (1548) 2, 391a; bei den ältesten Griechen erscheinen sie (die satyrn, silene) mit langgespitzten ohren, glazig, stumpfnasig J. H. Voss Virgilsndl. ged. (1797) 2, 296; er war klein und glatzig, brillengläser funkelten vor seinen freudehellen augen H. Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 253. gelegentlich bei tieren: die streuss haben von natur glatzechte kopff Heyden Plinius (1565) 401; Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 22; der gute gockel wird glatzet oder blind Reiser sagen d. Allgäus (1895) 2, 626. als zeichen des alters: ersicht er (der narr) graf Wilhelm Wernhern beraupt und glatzet, ains grosen alters in ainer langen schauben neben der königlichen majestat ufwarten zimmer. chron. 3, 573; was gemeint der alt glatzet fischer darmit, dass er so dapfer neben im dahar tritt (Petrus im gefolge Christi) N. Manuel 105 Bächtold; weil in den sechzigern zuerst, meinen wir, der schon glazige Teïer Anakreon eines spiegels gedenkt J. H. Voss antisymb. (1824) 1, 273. häufig in spottender oder derber rede: gang uf her, glatzehter man (rufen die spottenden knaben dem Elisa zu) fortsetzer des Rudolf von Ems weltchron. 35842; was gat uns denn Christus an und Petrus mit dem glatzeten grind N. Manuel 80 Bächtold; um so weniger stehts mir an, ... deinen glatzigen ... Thersiten zur musterung zu stehen Bürger 158 Bohtz. 22) gelegentlich auf andere körperteile erweitert: ainer mit ainem kalen bauch o. glaczeten bauch Diefenbach gl. 25c. bartlos, s. auch glatzkinn: im har und part ausrauffen, also daz er an der vart mit enander glaczocht ward Wittenweiler ring 5292 Wieszner; glatzichte wangen depiles genae Aler dict. (1727) 1, 949b. obscön: ich wolt dir leihen meinen glatzeten knaben (penis) fastnachtsp. 732 Keller; ebda 858. singulär auch im sinne von entblöszt: (bei der beschneidung streift man das häutlein) hinder sich ... das sein schwenzlin vornen glatzend und emblöszt bleib Seb. Franck weltbuch (1534) 153.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glatzig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Glatzig , adj. et adv. eine Glatze habend, im gemeinen Leben.

  2. modern
    Dialekt
    glatzig

    Schweizerisches Idiotikon

    glatzig Band 2, Spalte 657 glatzig 2,657

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glatzig

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Ableitung von glatzig

glatz + -ig

glatzig leitet sich vom Lemma glatz ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von glatzig 2 Komponenten

glat+zig

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