mummeln,
verb. ,
iterativ zu mummen,
in mehreren bedeutungen, mit dem grundbegriffe des undeutlichen und heimlichen. 11)
undeutlich reden, nur brummen, mit dumpfer stimme stammeln: mutire, mumlen
l. stum sin, mommelen Dief. 374
b; ich mummel,
mutio Alb.; mumlen, brumlen, linsz reden,
susurrare Maaler 295
a; mummelen,
ein lautwort, mum mum sagen. Schottel 1266;
bair. müemeln,
leise sprechen, mummeln Schm. 1, 1599
Fromm.; auch Luther
schreibt gelegentlich mumeln,
s. unten 2. 1@aa)
absolut: ob die hner (
die da sollen reden lernen) reden kündten. sie mummeln schon, sie können aber noch nicht gar reden. die fraw schicket eilends hin, was sie mummelten? sie mummeln, die fraw bulet mit dem pfaffen! (
vgl. dazu b). Pauli
schimpf 109
b; weil er so mummelt im finstern für furcht. Luther 3, 63
b; wie hat er (
Carlstadt) brei im maul und mummelt als ein halb todter, verzagter mensch. 84
a; das dritte stück ist vom freien willen, da mummeln sie von, als hetten sie heiszen brei im maule, on das sie jre gift dennoch müssen eraus speien. 5, 296
b; als denn soltu genidriget werden und aus der erden reden, und aus dem staube mit deiner rede mummeln, das deine stimme sei, wie eines zeuberers aus der erden, und deine rede aus dem staube wispele.
Jes. 29, 4; und sie jhm nicht antworten wolte, sondern stund heimlich zu mummeln. Kirchhof
wendunm. 324
a; fieng er an lateinisch zu mummeln. 445
a; haben dieselben angefangen laut zu wispelen, mit sich selbsten zu mumlen und alsdann darauf mit verständlicher stimme antwort gegeben.
anm. weiszh. lustg. 467;
mit umlaut: musz meine worte stümlen, ich kan für herzenprast kaum aus dem staube mümlen. Schottel
lamentatio Germaniae expirantis; der inf. substantivisch: dan das gebet im scheine und leiplich ist das euszerliche mummelen und plepperen mit dem munde an (
ohne) alle acht. Luther
krit. gesamtausg. 2, 81, 22; wie der sogenannte conversationston (
des schauspielers) zuletzt in ein unverständiges mummeln und lispeln ausgelaufen, so dasz man von den worten des dramas nichts mehr verstehen können. Göthe 45, 107; lasz schreien, heulen, mumlen, kerren, lang metten in der kirchen plerren. Schade
sat. u. pasqu. 2, 232, 1346. 1@bb)
transitiv, etwas mummeln: ich hör jetzunder etwas mummeln. Bolz
Terenz 33
a; der satan mummelt und kawet die wort im maul. Luther 3, 50
a; (
pfaffen) lesen und mummeln jre sieben gezeiten. 4, 493
b; das er die wahrheit, und was jm befohlen ist zu predigen, nicht schweige noch mummele, sondern on schew und unerschrocken bekenne, und dürre heraus sage. 5, 347
b; aber die guten zarten leut vermuten sie haben ir ampt dapfer verwalten, wann sie ir siebenzeit, wie sie mögen, plodert und gemummelt haben. S.
Frank moriae encom. 63
b; welche gotteslästerliche worte des teufels daher plappern und mummeln. Nigrinus
von zauberern (1592) 55; pater noster und ave Maria vor eim machtlosen bild mummeln. Fischart
bienk. 20
a; nach laut der wort, welche die pfaffen dazu mummelen. 167
a; gebet mummeln.
Harnisch 221; mummelte er diese worte durch die zähne.
pers. baumg. 1, 25; er seufzet auch von herzen grund, und mummelt das mit halbem mund.
froschmäuseler 1, 2, 23, Q 8
b; drei schwestern, sie wie raben alt und finster, in rabenschwarz gehüllet, bange vorbedeutung mummelnd aus runzeln der hohlen kehle. Stolberg 2, 176; (
die hexe, die) den spruch des zaubrers, flüche mummelnd, schuldigte. 5, 65; und nun mummelt er dumpf aus käuenden backen den ausspruch: meine herrn und damen, das nenn ich mir trefliche mischung! Voss 2, 225;
mit umlaut: sein sprach, die sie vor auch je wust, dieselbige er also abstümblet, und durch einander auszer mümblet, dasz sie, was man von jhnen ghort, nit verstanden ein einig wort. Frischlin
Julius rediv. 12;
mit bloszer anführung des gemummelten: haben sie nicht genug daran, sondern mumeln, und sprechen: ja lieber, wer weis, ob es darumb auch im abendmal so heiszen solle? Luther 3, 344
a. 22)
undeutlich, heimlich reden, als gerücht murmeln: mummelen,
dicitur etiam de sermunculis malevolorum. Schottel 1366; mann mummelt so lang von eim ding, bisz es auszbricht. vil ding geschehen heimlich, darvon niemand nichts weisz, mann mummelt aber gleichwol heimlich also davon, bisz es selbs auszbricht, und ruchtbar wirt ... mummeln aber ist halbe wort reden, mit halben munde, das ist heimlich, nit offentlich. Agr.
spr. 205
b; und es kam fur die Phariseer, das das volk solchs von jm mummelte.
Joh. 7, 32; mumlen und gemeinlich sagen, er seye ein feind,
destinare sermonibus aliquem hostem esse. Maaler 295
a; von der auferstehung wisse zeuge nichts, als dasz er darvon habe mummeln hören. Ayrer
proc. 2, 10; man mummelt darvon,
rumor spargitur de hac re. Stieler 1305; wer lyden mag das syn frow sy im eebruch, und er wont jr by, so er das wiszlich weiszt und sycht, den halt ich für kein wysen nicht; er gibt jr ursach mer zuo fall. dar zuo die nochburn mumlen all, er hab mit jr teil und gemein. Brant
narrensch. 33, 42; es mummelts von dir yedermann im dorf und in der ganzen pfarr. H. Sachs 4, 3, 39
b;
reflexiv, es mummelt sich,
spricht sich als gerücht herum: nicht lange darnach, mumelt sichs, es were kein grave von Hennenberg, sondern ein seidensticker. Luther 8, 8
a.
vgl.gemummel und gemümmel th. 4
1, 3290. 33) mummeln,
kauen wie ein zahnloser, dasselbe was muffeln
nr. 1
sp. 2624: mummelen,
essen und was fallen lassen, wie die edentuli thun. Schottel 1366;
in Tirol mummeln,
malmen, kauen, ohne zähne zu haben. Schöpf 450;
niederd. mummeln
brem. wb. 3, 201; das alter hat keinn andern stütz, dann das tregle und trünkle, da können sie den ganzen tag nagen und kifen, das sie jhr alter trösten mit jhrem mumlen. Frank
sprichw. 1, 30
a; er mummelt ausz der faust. 2, 10
b;
auch vom wiederkäuen des rindviehs: böse weiber .. verstoszen wein und was sie guots aufbringen in all kasten, und mumlen wo sie gehn wie die kw.
ebenda; der stier mumlet als lang in der hunger auftreibt. Schertlin
br. 32.
vgl. auch mumpfeln. 44) mummeln,
verhüllen, einhüllen; mummeln
neben mummen
und vermummen Schm. 1, 1598
Fromm., niederd. mummeln, bemummeln
brem. wb. 3, 201,
vgl. einmummeln und vermummeln;
als fastnachtsbrauch: die fasznacht will sy gon spatzieren, so muosz ichs (
ich sie) mumlen umbhar fieren, das kost denn ouch wol zwelfthalb pfunt, we dem der in das mumlen kumpt. Murner
geuchm. B 3
b.