schirm,
m. murus, clypeus, defensio, protectio, protector. II.
Formales. I@11)
ein hoch- und niederd. wort: ahd. scerm, scirm,
mhd. scherm, schirm,
schild, schutzdach, obdach, vertheidigung; altsächs. scirm,
zu folgern aus scirmere
beschützer, bescirman
beschützen (Heyne
kl. altnd. denkmäler 175);
mnd. scherm,
daneben aber auch scharm, bescharminge
neben bescherminge: he halp öme syn lant in bescharminge beholden.
quelle bei Frisch 2, 185
a.
mhd. eine feminine nebenform schirme Lexer
mhd. wb. 2, 756: herre, setze huote dem munde mîn, mîn levesse habe in der schirme dî
n. St. Ulrichs leben 429;
niederd. als scherm
neben dem masc. auch neutrum. Schambach 183
a.
formen mit andern abweichungen in vocal oder schlieszendem consonant sind selten und landschaftlich eingeengt, so schirn: sîn wîp heischet im gewant dur schirn gein dem froste. H. v. Langenstein
Martina 131
c, 93; schurmb, schurm: dann man fündt, das der römisch kaiser Karle .. dem frawencloster zu Regenspurg .. ain freiheit geben und sie in seinen kaiserlichen schurmb genomen.
Zimm. chr.2 1, 10, 29; dardurch er schurm wider Wirtenberg bekommen. 1, 343, 1.
dasz das wort auch altfries. vorhanden gewesen, ist aus biskirma, bischirma (Richthofen 646
a)
zu erschlieszen. das dän. skjerm, skjærm,
schwed. skärm
sind wol lehnworte aus dem deutschen. der ursprung des wortes ist dunkel, zweifelnd wird griech. σκίρον sonnenschirm verglichen Kluge
5 324
a. I@22)
aus dem germanischen stammt dann die romanische sippe, zum theil mit metathese des r:
ital. schermo, scherma,
auch scrima,
span. port. esgrima,
prov. escrima,
altfranz. escrime,
fechtkunst Diez
etym. wb.4 285,
noch neufranz. escrime
in der im nhd. ganz ausgestorbenen bedeutung '
waffenkampf, fechtkunst'. I@33)
ein landschaftliches schirm,
als masc. und fem. in der bedeutung '
heitere miene, freundlicher gesichtsausdruck',
in der thür. wendung: ds dt ä nch sinn sch schirm,
das thut er mit heuchlerischer freundlichkeit Regel
Ruhlaer mundart 259;
ebenso oberhess. schirm, schirn,
f. gesichtszüge, gesichtsbildung: der hat gerade eine schirm wie sein vetter; ich kannt' dich gleich an der schirm. Vilmar 347;
auch im '
gebildeten'
munde scherbe: der hat eine teuflische scherbe, den vogel kennt man an der scherbe.
ebenda, gehört offenbar nicht zu unserm schirm,
sondern geht zurück auf ahd. scern
scurrilitas, scërnlîh
mimicus, scirno
scurra, scërnôn
subsannare Graff 6, 549. 550,
mhd. schërn,
n. mutwille, schernen
spott treiben. mhd. wb. 2, 2, 93
b. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
zufrühest wol altes kriegswort, II@1@aa)
eine schutzvorrichtung irgend welcher art gegen feindlichen angriff bezeichnend, deckungsmittel aus leichtem holz, mit metall oder fellen überzogen, ahd. sowol clypeus als murus glossierend Graff 6, 548,
der bedeutung nach gespalten: II@1@a@aα)
schild, handschild Scherz - Oberlin 1410:
mhd. nement disen schirm an iwer hant.
Lanzel. 1149; daʒ Tristan von der slege nôt den schilt ze verre von im bôt unt den schirm ze hôhe truoc.
Tristan 175, 9
Maszmann; den scherm er von der hendegar zebrochen swanc.
Nibel. 465, 1; er sol vil wol wiʒʒen, swer vehten unde vliehen sol, wie in sîn scherm stiure wol. Heinr. v.
d. Türlin
krone 30; ûf einander sie randen, und hiuwen âne scherme sich. 11915;
nhd. nur in nachahmung des mhd.: doch weisz ich kunst, da fahren kleine bolzen mit, da kann so schmaler schirm nur wenig frommen. Simrock
übers. des Wartburgkr. 79, 10. II@1@a@bβ)
schutzdach, schutzwehr, sturmdach: sô die vîgende an die vest oder stat komen wêren mit guoten katzen oder schiermen und layter ansloszen und stürmen wölten.
feuerwerkbuch von 1432
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 755; man nehme starke zimmerhölzer und lege sie zu einem schirm neben einander, sodasz keines das andere berühre, und ein jedes holz für sich sich bewegen könne. Dürer
befest. 20; deshalb mache man den schirm also, dasz jeder balken für sich, aber auch alle zugleich sich bewegen können.
ebenda; damit die geschosse erst auf letztere (
die mauern) aufschlagen, dann erst mit verringerter kraft den schirm treffen. 21;
auch schutzvorrichtung vor kugeln beim büchsenschieszen: so macht man den püchsen schützen ir schirm auf der Peunt. Tucher
baumeisterb. 118, 4. II@1@bb) schirm,
kunst den schirm zu brauchen, auffangen feindlicher hiebe mit dem schilde, parieren, ars gladiatoria, pugna. Scherz-Oberlin 1411;
im mhd. oft, später untergegangen: dô entweich im der junge degen mit scherme alleʒ ûf den sal.
Wigalois 7502; Tristan mit sînem kolben vienc alle sîne slege, wan er was kluoc und konde ouch rechtes schirmes gnuoc. Heinr. v. Freiberg
Tristan 5602; mit zorne der ungehiure an Gâwein den ritter spranc und nam ime dâ sunder danc den schilt, den er ze scherme bôt. Heinr. v.
d. Türlin
krone 13285; daʒ swert er ime ze scherme bôt. 15191; er gie doch mit schirme vor disem, wan er truoc als enbor den schilt durch schirmes nôt. 27130; und er mit leʒlîchen sîten vor Gâwein schirmes pflac. 28091. II@22) schirm,
in allgemeinere bedeutung übergegangen, ding, das schützt. II@2@aa)
in allgemeiner sprache, an die kriegerische bedeutung noch erinnernd: er aber wird an seine gewaltigen gedencken, doch werden die selbigen fallen, wo sie hinaus wollen, und werden eilen zur mauren, und zu dem schirm da sie sicher sein.
Nahum 2, 6;
so noch deutlich in den allitterierenden formeln schirm und schild, schirm und schutz, schirm und schanze: seine warheit ist schirm und schild.
ps. 91, 4; du bist mein schirm und schild. 119, 114,
vgl. unten unter 4; ich pin iur scherm und iwer schilt.
Parz. 371, 2; er sol sin gen den armen milt und der vertruckten schirm und schilt.
liedersaal 3, 39, 568; er ist dein schatz, dein erb und theil, dein glanz und freudenlicht, dein schirm und schild, dein hülf und heil. P. Gerhardt 119, 63
Gödeke; so bist du, herr, all starck, all milt ihn schadlosz zu bedöcken, dasz under deinem schirm und schilt ihn gar nichts kan erschröcken. Weckherlin 143; der einig schirm, schantz, schutz ist
got. 167; o got in forcht und noht mein schirm, schutz, schantz! 109.
auch die redensart friede und schirm
gehört hierher: die priester und die münich der vorgenanten stift durch frid und schirm geflochen sind von iren clöstern.
d. chroniken 2, 1, 358, 29. II@2@bb)
sonst mannigfach in der haus- und gewerksprache. II@2@b@aα)
im jagdwesen jedes zelt, jede hütte oder leichtes hölzernes gebäude, das vor der witterung schützen oder die jäger vor den augen der thiere verbergen soll. Campe; schirm,
bei den jägern, locus septus, in quo venantes tutiores sunt et alii ubi canes latent. Frisch 2, 184
b,
auch schieszhütte, umbraculum venatorum Stieler 870;
für schützen auf treibjagden eine art laube aus reiserwerk Schm. 2, 468: wie weit pfleget man auf dem laufft den schirm von dem jagen zu stellen? — dasz ein drittheil des lauffts von dem schirme nach dem jagen zu gerechnet wird, jedoch, wenn der laufft gar zu lang ist, so wird über 120 schritte meistens vom jagen der schirm nicht gesetzt .. wenn nemlich die herrschafft in dem schirm hinein getreten, so verfüget sich die jägerey dem schirme gleich über. Göchhausen
not. venatoris 179.
der jäger unterscheidet jagdschirme, leibschirme, anstandschirme, hetz-
oder hatzschirme, anschleichschirme;
letztere dienen zum beschleichen des wildes. Campe. II@2@b@bβ)
vordach vor einem hause oder einer scheune, so besonders landschaftlich; alemannisch: forscherme,
vordach Hunziker 219; scherm,
die hinter- oder seitenwand eines hauses. Tobler 385;
bair. ähnlich scherm
oder schirm
an den legdächern der gebirgshäuser Schm. 2, 468.
in weiterem sinne ort überhaupt, unter dem man schutz findet, vorrichtung jeder art dazu: unter den scherm gehen,
obdach suchen, gegen regen schutz suchen. Schöpf 602;
alemannisch scherm,
neben dem fem. schermi,
ort wo man sich von der annäherung eines regens sicher glaubt, im engern sinne ein leichtes gebäude, um das vieh im notfalle unter dach zu stellen. Stalder 2, 314;
in der alpenhütte der ebenerdige oder kellerartige raum für das vieh. Hintner 217. Schm. 2, 468; einen schirm fur die sonnen oder darunder zu slaffen oder zu essen.
Frankf. reichscorresp. 1, 275; man het weder zelt noch schirm und die leut warn übel versorgt vor frost.
d. städtechron. 2, 66, 25; das wirt den menschen wie ein schirm für den wind und wie ein schermen für das ungewitter, wie wasserbäch an einem trocknen ort und wie ein schatten eines groszen schrofen (
felsen) in einem durren land.
Züricher bibel (1530) 333; die zelte durchnäszt, sonst kein schirm, kein obdach. Göthe 30, 124; gezelte, buden, bänke, schirme aller art standen hier aufgereiht. 43, 268;
freier: si lâgen under eime schaten, der in ze schirme was gegeben von loube. K. v. Würzburg
Engelh. 3123; der ulme schirm, mit der sich trauben gatten, ein blätterdach, um wiesen zu beschatten! Fr. Kind
ged. 1, 51; komm' komm! die pinie will den schirm dir halten, dasz sonnengluth nicht deine lilien steche. Rückert
poet. werke (1882) 5, 79. II@2@b@gγ)
im hauswesen und bei gewerken schützende oder abhaltende dinge mancher art; schirm,
eine zwischen rahmen auf füszen ausgespannte leinwand, die vor etwas gestellt wird, um dies dem anblick zu verbergen, auch spanische wand. Campe; augenschirm,
art lichtschirm zum schutze der augen; bettschirm,
um das bett den blicken anderer zu entziehen: in sanftwärmender stube der wöchnerin, brannte das lämplein hinter dem taftenen schirm gründämmerig. Voss 2, 14; bratschirm,
beim braten am spiesze vorgestellt, dasz das feuer zusammen gehalten wird und die glut auf den braten fällt; ofenschirm,
gestell zur abhaltung der glut des herdfeuers, der ofenhitze; mützenschirm,
an der mütze angebrachtes leder zum schutze der augen (
vgl. schirmmütze); lampen-
oder lichtschirm,
vgl. theil 6, 90. 891; schirm,
umbella, vorwehr vor dem schein des lichts. Schottel 1399.
figürlich: sogar der schweigende lektor, der sonst alle neu aufgehende lichter hinter licht- und ofenschirme stellte. J. Paul
Tit. 3, 55; nackenschirm,
schirm zum schutze des nackens; regen-, sonnenschirm,
zur abwehr gegen regen und sonne; häufig in neuerer sprache schirm
allein: die sonne steht hoch, daher ihm (
dem prediger) ein knabe den schirm überhält. Göthe 43, 281; stirnschirm,
schirm zum schutze der stirne und des gesichts, u. s. w. II@2@b@dδ)
in der botanik nennt man die dolde schirm,
umbella, wegen der ähnlichkeit mit einem schirme. Nemnich 5, 506.
in der zoologie versteht man unter schirm
die glockenartige gestalt der qualle oder meduse, bei der der stiel nach unten gerichtet ist. vergl. schirmqualle. II@2@b@eε)
bei den büchsenmachern werden die äuszeren stäbe unter der pfanne eines gewehrschlosses schirm
genannt. Adelung.
bei alten geschützen auch die blendung, schutzwand, womit die gröszeren büchsen zum schutze gegen pfeile, steine und kleine kugeln der gegner versehen waren: ihre buszen (
büchsen) mit iren schirmen, pulver, steinen und andern geczuge.
Frankfurts reichscorr. 1, 119
Janssen; und haben die büchse bracht an dem sonnabende bezeite bey unser pasteye und auch die schirme an allen schaden.
urkundliche beiträge zur geschichte Böhmens 549; wann die gräben, darin sich die leut enthielten, nit berait waren, noch die schirm über die püchsen.
deutsche chron. 2, 1, 370, 26; item 3 new karnschirm zu der groszen puhsen, z idem schirm 2 pfert.
d. städtechron. 1, 177, 7; item 2 wegen mit schirmen, darauf sullen sein 52 schirm. 178, 1; und verpranten ain schierm ob einer groszen buchs. 5, 261, 14; solten ausz der stat rennen mit 1000 mannen über die büchsen und solten die schirm darob verprennen. 26; zu büchsen, pulfer, stein, scherm, handwerchen und andern zeug 100 wagen. Schmeller 2, 468; arbeiter, die sich zu büchsen und scherm verstehen.
ebenda; sy bawen ämsig was man scheüszt, zuo lauffen ausz, sy nit verdreüszt. fast über püchsen und dj schantz, kayn päser schyrme bleybet gantz. Schwartzenberg
der teutsch Cicero 152
d. II@2@b@zζ)
im bergbau schirm
wie schirmwand
eine vorrichtung zum schutz der bergleute bei sprengungen. Veith
bergwb. 415;
auch die fläche des ganges hangend oder liegend (
d. h. die obere und untere fläche). Hertwig
bergb. 335.
landschaftlich verstand man nach einigen alten bergordnungen unter schirm, scherm
ein kleineres grubenmasz, welches als anhangsmasz zu dem hauptgrubenmasze (
fundgrube)
ertheilt ward. Scheuchenstuel 207. II@2@b@hη)
bei den kupferstechern ein mit papier bespannter rahmen, um zu starkes licht vom orte, wo sie arbeiten, abzuhalten. Campe;
ähnliche vorrichtung, die verhütet, dasz, wenn sie bei licht arbeiten, die bewegung der flamme falsche lichter auf ihre werke mache und dasz das flattern der flamme ihre augen verderbe. Jacobsson 3, 605
b. II@2@b@thθ)
bei den jägern heiszt der flache hintere theil der hirsche und rehe schirm,
auch schurz, scheibe. Campe. Nemnich 5, 506. II@33) schirm,
abstract, deckung, schutz als lage, zustand. II@3@aa)
in der alten rechtssprache gewähr, vertheidigung, die der verkäufer eines gutes gegen die einsprüche anderer übernimmt. Haltaus 1628. Lexer
mhd. handwb. 2, 755;
vormundschaft über waisenkinder: schirm uber weiszlose, fürmündung,
tutela. Dasyp.;
vertheidigung, gegenbeweis, ausflucht, exceptio in jure. Scherz-Oberlin 1410; ein armer edelman hat von einer gmeind in einem dorf etlich gelt entlehnet und sich verbriefft, auch aller schirm (
plur.) und freyheit verzigen (
entsagt). Wickram
rollw. 33, 13
Kurz. II@3@bb)
im hauswesen, baulicher zustand, unverletztheit: ein gebeüw in schirm haben, in tach und gmach halten,
aedificia tueri. Maaler 353
b. II@3@cc)
sonst allgemein für schutz überhaupt: schirm, schirmung,
defensio, clientela, tutela, conservatio. Maaler
a. a. o.; dedisti mihi protectionem salutis tue, unde tâte dû mir schirm dînero heîli. Notker
ps. 17, 36; under der rippe scermehanget daʒ gedarme.
genesis in den fundgruben 2, 15, 4; ze scherme dînem lande soltu gern alsölher pfande. Wolfram v. Eschenbach
Willeh. 459, 9; ein kriuze nâch der marter site, als uns Kristes tôt lôste, lieʒ man stôʒen im ze trôste, ze scherm der sêle, überʒ grap.
Parz. 107, 13; nû sît von mir im ûf geselt von des genâden man iuch welt ze scherme al der kristenheit.
Seifr. Helbling 8, 639; die suln in des stûles schirme sîn aller pâbeste und mî
n. livl. reimchronik 605. in seinen schirm aufnehmen,
in fidem suam recipere. Steinbach 2, 420; einen in schirm nehmen,
recipere aliquem in clientelam. Frisch 2, 184
b; im schirm desz römischen volks blyben,
in fide populi Romani manere. Maaler 353
b; wir .. bekennen, das der durchleuchtigst furst und herre .. unns alle in siner furstlichen gnaden schirm gnedigklich genomen unnd empfangen hat.
monumenta Habsburg. 1, 2, 506
Chmel; weder sein leyb noch sein gut von diser stat zu verendern noch in kainen andern schirm zu keren noch ze pringen.
d. städtechron. 5, 100; dasz auch sie der widerspenstigen sich entschlagen und ihnen ihren schirm entziehen wollen. Ranke
werke 1, 44; in Schwaben consolidirten sich die verbindungen der reichsritterschaft unter dem schirme des bundes. 136; Diâne diu götinne, diu der jegerîe wielt und in ir schirme dâ behielt diu wilden tier gemeine. K. v. Würzburg
troj. krieg 24046; er nam die ritterlîchen diet in sînes schirmes huote. 29735; nim mich in den schirm dî
n. pass. 154, 55
Hahn; ich ziehe fort mit gott und seinem schirm. Grillparzer 7, 21. in eines herrn schirm greiffen,
gegen einen, der in seinem schutze steht, etwas unternehmen. Scherz-Oberlin 1410.
in der jägersprache schirm
s. v. a. schonung, schonzeit des wildes: darzu hat disz wildprät in disen landen nicht so vil schirms als bey den fürsten, sonder wirt gleich aufgefangen. Stumpf
Schweytzer chron. 608
b.
in manchen wendungen klingt die sinnliche bedeutung noch recht deutlich nach: in protectione dei cli commorabitur, der wonet oûh in des himelgotes scerme. Notker
ps. 90, 1; daʒ hât im diu nâtûr gegeben zuo ainem schirm seins grôʒen leibes. Megenberg 223, 25; und jre fessel werden dir ein starcker schirm.
Sirach 6, 30; er (
der herr) ist .. ein schirm wider die hitze. 34, 19; wer unter den schirm des höhesten sitzt.
ps. 91, 1; auff das wir die jenigen .. mit dem schirm des bluts unnd leibs Christi stercken. Luther
werke 3, 373
b; wer unterm schirm des höchsten sitzt, der ist sehr wol bedecket. P. Gerhardt 193
Gödeke; sein schirm umfängt und deckt dich gar. 194; ein feines unglück hätt' im schirm der dunkelheit aus allem dem entstehen können! Wieland
Klelia u. Sinibald 4, 278; dränget regen den wandrer, wie ist uns des ländlichen daches schirm willkommen! Göthe 1, 290; nie, rief er, soll der freiheit paradies, der menschenwürde starker schirm verschwinden! Schiller 4, 112; so eilt' ich sicher unterm heil'gen schirm des gastrechts von gehöfte zu gehöfte.
Tell 2, 2; uns ragen in dem land zwei feste schlösser, die geben schirm dem feind und werden furchtbar.
ebd.; hier ist mein arm, erlauchte königin! stets war bei Habsburg der gekränkten schirm. Grillparzer 5, 40. II@3@dd)
in verbindung mit sinnverwandten ausdrücken; schirm und hilfe: si suochte zuozir state schate, schate, der ir zuo ir state schirm und helfe bære, dâ küele und eine wære.
Tristan 455, 27
Maszmann. gnade und schirm: der kaiser erklärte, .. er werde die ungehorsamen aus seiner und des reiches gnade und schirm setzen und auch sie in ihren widerwärtigkeiten nicht vertheidigen. Ranke
werke 1, 59; schirm und dach: vrowe, sît wîbe unt kinde scherm und dach.
Lohengr. 7189. schirm und gewalt: einer der sich in eines groszen herren schirm und gwalt gibt, in allen eerlichen sachen ze schirmen,
cliens. Maaler 353
b; in eines schirm oder gwalt sich gäben,
dare se alicui. ebenda. schirm und hut: in schirm und hut haben, schirm gäben,
defendere. ebenda; wis mîn huote und mîn schirme. Diemer 380, 13. schirm und hoffnung: wer jauchtzte nicht, als ich den Tamaras gebohren, der zu des reiches schirm und hoffnung schien erkohren? A. Gryphius (1698) 1, 103 (
Catharina).
allitterierend schirm und schatten: wie ist die frömigkeit dem menschen fort und fort sein bester schirm und schatten! Opitz 1, 33; gleich wie ein hoher baum, der schirm und schatten macht. Günther
bei Steinbach 2, 420.
besonders häufig aber schirm und schutz, schutz und schirm: schirm und schutz über sich selbs,
tuitio sui, ein hausz in seinem schutz und schirm haben,
tuendam habere aedem, ein statt zu schirm und schutz aufnemen,
civitatem in fidem recipere. Maaler 353
b; sich in eines schutz und schirm begeben,
committere se alicuius tutelae. Steinbach 2, 420: die Teutschen pflegen ... dem jenigen, der bey jhnen zuflucht sucht, und sich auff trew und glauben in jhren schutz und schirm ergibt, ihr obdach und herberg nicht zu versagen. Zinkgref
apophth. 1, 23; die ganze christliche welt hatte ... lust und leidenschaft überkommen ... wort und redensweise zu schutz und schirm als vertheidigungs- und angriffswaffe zu benutzen. Göthe 46, 346; (
als) sich die stadt bereit erklärte, durch eine jährliche rente von dreihundert gulden seinen schutz und schirm zu erkaufen. Arnold
deutsche freistädte 2, 461; der geächtete finde doch schirm und schutz. Ranke
werke 1, 145; was hat er (
Wallenstein) mit seiner groszen macht zu des landes schirm und schutz vollbracht? Schiller
Wallensteins lager 6; in deinen lieben armen ist schutz und schirm vor jeglicher gefahr.
braut von Messina 1791; ich bin's, erschrecke nicht, ich bin's, die schirm und schutz von dir begehrt und obdach hier zu finden sich verspricht. Chamisso
werke (1836) 4, 14; o, gib nicht auch du mich auf! verlasz mich nicht, sei du mein schirm und schutz! Grillparzer 4, 166. schirm und trost: eim ein schirm und trost seyn,
praesidium esse alicui. Maaler 353
b. II@44) schirm,
auf personen bezogen, schützer: scirm, scerm
protector Graff 6, 548 (
daneben scirmeo, scermeo, scirmo,
defensor, belliger 6, 549): et factus est dominus protector meus, unde uuard got mîn scherm. Notker
ps. 17, 19; liebes Moab, sey du jr schirm fur dem verstörer.
Jes. 16, 4; du (
gott) bist mein schirm.
ps. 32, 7; (
Hektor) der für seine hausaltäre kämpfend sank, ein schirm und hort. Schiller 11, 394 (
siegesfest); heil mir, dasz ich diesen frommen bischoff, den heil'gen mann, den schirm der unterdrückten, den vater der verlasznen, bei euch finde.
jungfrau von Orleans 5, 8; guter ritter Heinrich von der Aue, der bedrängten schirm und hort. Chamisso
werke 6, 246.
in alter rechtssprache schirm
derjenige, der eingesetzt wird, um ein gut für den käufer gegen die einsprache anderer zu schützen. Haltaus 1628. Lexer
mhd. handwb. 2, 755.