krippe,
f. praesepe. II.
formen und verwandtschaft. I@11)
die gemeinhd. form. I@1@aa)
ahd. chrippa, crippa,
mhd. krippe,
beide sowol stark als schwach. die dieser vorgängige form verrät sich in crippea
Tat. 5, 13 (Graff 4, 588),
reiner in folg.: kesazta inan in chripiun,
posuit eum in praesepium Haupt 3, 452
a,
also chripiâ.
daher auch chripha, krippha,
d. h. aus -pi-
oder -pj-
ist einmal pp
einmal ph
geworden, der stamm ist chrip (
s. b).
ihm entspricht alts. cribbia, cribba Schmeller
Hel. 2, 19
b,
dem cribia
vorausgegangen sein musz; altfriesz. cribba
dat. Richth. 879
a. I@1@bb)
der stamm zeigt sich mit brechung in krëbe
korb sp. 2126,
ahd. wol chrëpâ (
vgl. schwäb. kräpe
unter krebe 3,
b),
denn auch die krippe
ist eigentlich etwas geflochtenes, s. II, 1. 2;
der nd. stamm erscheint noch in dem schott. criv
unter krebe 1,
c. krëbe
und krippe
verhalten sich wie mhd. rëbe
in hirnrebe
f. hirnschale (
auch hirnribe)
wb. 2
1, 586
b neben rippe
f. 679
a (
s. dazu das zweite krippe 3),
vgl. klipperig
neben kleberig
sp. 1051. I@1@cc)
noch mhd. und nhd. gilt neben krippe
auch kripfe, besonders alem.: unde der daruffe geseʒʒen ist (
auf dem huophove), der sol ime (
dem vogte) trukenen stal unde gerûmete cripfe geben.
anz. d. germ. mus. 1860
sp. 95,
weisth. 4, 264; dâ meinet er (
Jesus), bin ich in der kripfen oder in mîner muoter schôʒen oder an dem criuze, dâ sollen mîne friunde bî mir sî
n. Haupt 8, 209; har Gesus in der criphen lît.
altd. bl. 2, 125; das hew, das tief vergraben lagk under der kryppf zuo Bettleheyn. Brant
narr. 63, 17,
er braucht aber auch krippen
acc. sing. (: rippen) 100, 28.
in vocab.: kripfe
presepe Dief. 456
c (
nov. gl. 302
a), kripf
mandra 346
b (
Augsb. gemma 1512,
in der Straszb. v. 1518 kripp); kripf Dasyp. 368
c, kripfe 192
b, die rinder stond an der kripfen Maaler 254
b,
während Denzler
nur krippen hat.
aber noch im 17.
jh. kripfe
[] technol. interim 277,
s. auch Hohberg
unter II, 2,
b, und II, 1,
a, krupfe
hier unter 2,
a. I@22)
wichtiger ist eine nebenform mit ablautsvocal, die durch alle drei hauptmundarten geht. I@2@aa)
hd. krüpfe: laub, das man inen (
den lämmern) im stall zu essen in die krüpfen wirft. Herr
Columella 77
b; under welchem (
fels) die krüpf war, darein das kind Jesus als bald gelegt warde für den ochsen und esel. S. Frank
weltb. (1567) 177
a u. ö. Es ist noch schweiz., krüpfe Stalder 2, 138, Rütte 50, chrüpfe Fromm. 2, 484
a,
und dasz das ü
echt ist, zeigt schon das demin. krupfli
neben krüpfli
bei Stalder (
s. II, 2,
d),
wie in der Augsb. gemma v. 1512 krupf
bostar (
s. II, 2,
a) Dief. 79
b,
in der Straszb. gemma v. 1513 krupf
presepe 457
a,
der umtaut drang da nicht durch, es musz ahd. neben cripha, chripia
ein chrupha, chruphia, chrupia
gegeben haben, die unter 3,
b aus dem rom. bestätigt werden; also ablaut im stamme. I@2@bb)
ebenso aber auch md., besonders im rhein. gebiete, ohne umlaut, cruppe
presepe Dief. 457
a aus einem Mainzer und dem Eltviller voc. ex quo, oschencruppe
bostar (
s. II, 2,
a) 79
a,
in der Straszb. gemma v. 1513 krup
das. (
doch auch els. krüppe
nach krüppwiege
b. Philander);
auch mit trübung kroppe
presepe 457
a, kropp
mandrum 346
b.
Aber auch in Thüringen: (
hab ich) raufen uber die kuehe und ochsen, kruppen in den kuehe und ochsenstellen machen lassen.
N. Engelmann
bei Michelsen
Mainzer hof in Erfurt 14;
selbst krupfe: (
die viehmaid soll) den jungen kelbern und den melkküwen von der uberkhare (
abfall vom dreschen, s. sp. 406. 427) in ihre krupfen .. tragen. 41. I@2@cc)
und nd. krubbe
brem. wb. 2, 881,
mnd. krubbe
presepe Dief.
nov. gl. 302
a, mandritorium eine schapekrubbe 245
a (
s. II, 2,
a),
dem. krubbelîn, krubbeken Hölscher
nd. geistl. lieder 5. 9. 10;
auch mit umlaut, wie hd. krüpfe
u. a., pomm. krübbe Dähnert 257
a,
auch westf., ostfries. Stürenb. 125
a.
daneben übrigens kribbe, z. b. in kribbenbîter
krippenbeiszer Schamb. 112
b,
clatrum hilde boven der cribben Dief.
n. gl. 95
b, krybbe Dief. 457
a;
auch nrh. kribbe
mandrum 346
b.
die nnl. form ist gleichfalls krib,
aber mit nebenform krub (Weiland). I@33)
auch übers deutsche hinaus greift das wort. I@3@aa)
nord. in der u-
form: norw. schwed. krubbe
f., dän. krybbe
krippe, altn. wol in krubba
f. lectus vilis Egilsson 478
b vorliegend (
s. II, 2,
d).
endlich engl. crib,
aber ags. crybbe
dat. Grein
bibl. 1, 185
und cribb Ettm. 398,
jenes wol mit y
aus u,
vgl. das verwandte schott. crufe, crove
schweinekoben (
s. hier II, 2,
a)
unter krebe 1,
c. I@3@bb)
weithin auch auf rom. gebiete, und zwar in der doppelform mit i
und u (Diez
wb. 1, 225):
franz. crèche
krippe (
daher engl. cratch),
prov. crepcha, crepia,
ital. greppia, creppia,
altfranz. crebe,
auf ahd. kripia
beruhend (
s. 1,
a) —
und prov. crupia,
piem. venez. grupia,
romagn. gropia,
genau das alte deutsche chrupia, krupia
das sich unter 2,
a ergab, die formen welche die ins südliche Gallien, ins nördliche Italien eingewanderten Germanen hatten, sind da fast ganz rein bewahrt; bedeutsam aber ist es für die altgerm. hauswirtschaft, dasz gerade darin das lat. wort dem germ. den platz räumte. I@3@cc)
auswärtigen anklang bietet merkwürdig altsl. krŭpa
f. gewebe, geflecht Miklos. 316
b (
vgl. II, 1),
sloven. kripa
f. korb, korbwagen, worin sich vielleicht urverwandtschaft andeutet trotz mangelnder lautverschiebung. da es sich um geflecht handelt, könnte wol bei uns korb
selbst in frage kommen, vgl. dort. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
als urspr. allgemeine bedeutung erscheint: einschlieszendes oder schützendes geflecht, flechtwerk. II@1@aa)
das tritt deutlich noch auf bei krippe
im deichwesen. II@1@a@aα)
so heiszt '
ein vorzaun von holz und dicken ästen geflochten'
zum schutze der dämme gegen des wassers gewalt Frisch 1, 550
a,
er gibt als gebräuchliche wendung krippen und häupter schlagen,
aggerem sepibus tueri, Adelung eine krippe schlagen.
heimisch ist es z. b. am Rheine: er läszt euch aber sagen, dasz oben, wo eure wiesen anfangen, die krippen nichts mehr taugen. Kinkel
erzähl. 94; richtig, da waren die letzten reste der alten krippe weggespült.
das.; der Rhein stieg .... wäre nur die krippe im herbst ordentlich gemacht worden! ... in der todesangst .. rammte er an der stelle der krippe ein dutzend der stärksten tannenstämme in schräger reihe ein, um den stosz der fluth sanft abzulenken, und verband sie mit dickem weidenflechtwerk. 101,
vom Niederrhein; nl. so kribben
pl. s. dazu krippen 1,
a, krippgräfe, krippenflügel. II@1@a@bβ)
vom Mittelrhein freilich gibt Kehrein
Nassau 1, 247 krippe
als damm zum schutze des ufers in den Rhein gebaut, wo denn [] der name von jenem geflechte auf den damm übergegangen sein müszte; auch bei jenem geflechte bleibt ein raum zwischen ihm und dem ufer, der durch erde, steine ausgefüllt wird (
vgl. unter 2,
c).
s. auch krippenbühne
damm. II@1@a@gγ) Frisch
bringt auch kripfe bei (
s. I, 1,
c),
ohne quellenangabe, wahrsch. vom Oberrhein: das wassergestad auszen mit kripfen einfassen und das grien (
alem. kies) dahinter führen. II@1@a@dδ)
hier nachträglich zu sp. 1804
und der redensart das wasser geht über die körbe
der beleg, dasz ein solches geflecht wirklich auch körbe
hiesz: alle körbe und wer, di man dem mülgraben zu hulfe gibt und wirft, di sol man under dem uver also tif senken, daʒ kein höge davon wachse über daʒ recht wer. inwendic enschol man auch keinerleige vestenunge tun mit körben noch mit weren, damit man dem uver jensit ... icht schaden möchte zuzihen. Ortloff
rechtsqu. 1, 287.
vgl. krippel. II@1@bb)
im östr. bergwesen kohlkrippen,
ein aus weidenflechtwerk gebildeter hoher kasten, welcher zum verladen der holzkohlen dient und auf eigenen wägen transportiert wird, an einigen orten auch gefachtet,
d. i. geeicht. Scheuchenstuel 143;
so in dem bergmannsliede bei Abele
gerichtshändel (1684) 2, 47. 45: kohlführer auf der straszen sparen nicht ihre gäul, grosz krippen thun sie fassen, führens auf etlich meil.
str. 39; faszt eure krippen volle. 31.
im engl. salinenwesen sind cribs
pl. körbe, hürden. II@1@cc)
korb wird es auch im folg. eig. sein: östr. eine krippe stockfisch,
auch ein roll,
d. i. eine zahl von 180
stück ( Adelung);
man sehe korb 1,
d als handelsmasz für fische im 15.
jh., gerade auch für stockfisch (bolch,
s. kabliau);
der östr. ausdruck wird vielmehr vom Rheine stammen. II@22)
für flechtwerk tritt in folg. gitterartiges lattenwerk ein, wie diesz bei korb
selbst sich gleichfalls findet, s. krebe 3,
c;
auch in zaun
trifft beides zusammen. II@2@aa)
hürde, stall nach folg.; die gemma erklärt mlat. mandra
mit kripp, kripf,
vocab. des 15.
jh. mandrum
mit kribbe (
nrh.), kropp (
md.), krippe, schofkrippe,
s. Dief. 346
b, mandritorium ein schapekrubbe
n. gl. 245
a;
bei Altensteig
aber ist mandra
u. a. schafhut (
d. i. hütte), pferrich,
in einem voc. ex quo schaefery (Dief. 346
b),
ahd. '
caula vel mandra owistal' Mones
anz. 7, 594 (
s. aue
ovis);
das kann, selbst einzelnes misverständnis des wortes eingeschlossen, doch nicht durchgängig unsere gewöhliche krippe
sein. auch wenn mandra
z. b. in dem Leipz. voc. opt. v. 1501
mit presepe vel ovile
erklärt wird, steht das nicht im wege, da altlat. praesaepe
selber (
eig. '
vorzaun',
zu saepire
zäunen)
auch hürde, gehege, stall bedeutete. Ebenso wenn mlat. bostar, bustar
im 15.
jh. auszer mit kuostal, rinderstal, pferrich
auch mit ochsenkrippe, ochsencruppe, krup, krupf
erklärt wird (Dief. 79
b),
in der Straszb. gemma 1518 D 1
a bostar, est locus ubi boves stant ... ein kripf oder kustal.
Also krippe
einst auch schafhürde, rinderstall, obwol die bed. weder in den späteren wbb. noch jetzt im leben sich findet. aber engl. ist sie bezeugt in crib
a fold (
d. i. hürde, pferch)
for cattle Halliwell 279
b,
auch abtheilung in einem stalle, '
stand'
; vgl. das hess. grüwel
unter krebe 3,
c. II@2@bb)
von latten ist bei krippe
auch in folg. die rede, ohne dasz mir die sache eig. klar wäre: die sonderbare (
besondere) ab- und austheilung eines krautgartens mit seinen beeten oder latten, und kripfen mit latten. Hohberg 3, 1, 365
a.
vgl. schweiz. bei Stalder krüpfe (
s. I, 2,
a)
schmales gartenbett (
d. i. beet)
an der mauer, bei Schmidt
idiot. bern. chrüpfe
areola longiuscula horti (
neben praesepe) Fromm. 2, 484
a. II@2@cc)
ungefähr schlieszt sich begrifflich an krippe
im wasserbau, ein in das wasser eingebautes holzwerk, dessen binnenraum mit erde und steinen ausgefüllt wird ( Adelung).
auch ein in das wasser eingeschlagenes pfahlwerk, wodurch mittels nachherigen auspumpens der wasserfreie raum gewonnen wird, der zur aufführung einer mauer im wasser nötig ist (
ders.);
doch mag das in seiner entstehung auf die krippe 1,
a zurückgehen, indem sich das flechtwerk dort zu lattenwerk ode dichtgeschlossenem pfahlwerk entwickelte. II@2@dd)
wie korb 3
auch häuschen, hütte ist, so findet sich das in engl. crib
hütte, häuschen, auch a lock - up house Hall. 279
b,
gefängnis, d. i. ein wort für haus in verächtlicher verwendung, wie es alternden heruntergekommenen worten geht (
vgl. kötze II, 3,
b).
es wird auch dem deutschen nicht ganz fremd sein, einen anklang bietet schweiz. krupfli, krüpfli
n., nische in der wand, um ein licht, bettchen u. ä. darein zu stellen Stalder 2, 138,
was man md. nd. eine bucht
nennt. ebenso hiesz lat. praesepe
auch [] schlechtes häuschen u. ä. vgl. den ostfries. 'krübbstool (
krippstuhl'
für kleine kinder Stürenb. 125
b. II@2@ee)
bemerkenswert ist auch engl. crib
wiege oder kinderbett überhaupt (Halliwell),
wie nl. krib
kinderbett, vgl. pomm. 'ikk ligg as in'ner krübbe,
das bett ist schlecht gemacht' Dähnert 257
a;
vgl.kötze,
korb, als wiege sp. 1904
und ebend. II, 3,
a. in der Oberpfalz krippl
n., von der wiege unterschieden, für das kind innerhalb der ersten drei monate bestimmt, eine art sarg, der in einem bocke oder gerüste von vier säulen sich schwingen läszt, s. Schönwerth 1, 68.
es läszt sich freilich auch an die krippe
des Christkindes denken, s. 5.
vgl. krippwiege. II@33)
in der herschenden heutigen bed. der futterkrippe
ist freilich von flechtwerk keine rede mehr. II@3@aa)
die krippe
ist '
eine von der erde etwas erhöhete hölzerne hohle rinne, worin man den pferden, dem rindviehe und den schafen das futter vorschüttet',
was für die schweine der trog
ist (Krünitz),
wol zu unterscheiden von der raufe (
vgl. b);
es gibt auch gemauerte und steinerne krippen,
bes. im viehstalle, doch die hölzernen sind gewiss die ursprünglichen; woher aber hier der name krippe?
können sie in alter zeit von flechtwerk gewesen sein? so ist ja lat. praesepe
wirklich eig. ein flechtwerk. hafer oder häcksel freilich läszt sich in solchen nicht wol aufgeschüttet denken; aber es kommt auch heu
in der krippe vor: ein ungütiger hund lag in einer krippen vol hewes. Steinhöwel
Es. (1487) 56. II@3@bb)
oder heiszt etwa urspr. die leiterartige raufe,
in die man das heu als futter thut, auch krippe? Stieler 1046
erklärt krippe
auszer praesepe auch mit falisca (
scil. praesepis),
aber falisca
ist ihm sp. 1496 krippenreff,
d. i. die raufe. bei Comenius
orb. pictus Nürnb. 1740 1, 96
bietet wirklich das bild, das die krippe
im kuhstalle darstellt (
nr. 15)
vielmehr eine raufe, und schon im 15.
jh. findet sich das. da heiszt in den voc. die raufe clatrum (
sonst als gatter
glossiert), ein hilde over der krubben,
hd. oben der krippen, de quo bestie comedunt Dief. 126
a;
auch als raufe
wird es deutlich erklärt, in einem mrh. voc. aber auch als krippe (
ebend.),
wie in einem andern als rauf oder kripp (
nov. gl. 95
b).
von der gitterartigen raufe wäre der name krippe
wol begreiflich, ist er erst von dieser auf die heutige krippe
übergegangen? vgl. auch barn
bei Hohberg
unter c. II@3@cc)
besonders die krippe
der pferde wird oft erwähnt und erzeugte redensarten: etliche (
reiter) führen schmale, von thannenholz gemachte baren oder krippen mit (
in den krieg), werden an pfäle vor den rossen her angehenkt. Kirchhof
disc. mil. 126, barn
ist ein andrer name der krippe,
wird aber auch unterschieden: die bärn, darein man ihnen das heu gibt, mit sampt den krippen müssen niedrig gestellet werden. Hohberg 2, 286
a,
da scheint mit barn
wieder die raufe gemeint; das pferd musz zur kripp gehen (
wenns etwas haben will). Lehman
flor. 1, 78; wenn die krippe leer ist, schlagen sich die pferd im stalle. Simrock
spr. 5983. 'krippe und wasser',
fütterung und tränke: die pferde stehen dem zu fare (
er hat dafür einzustehn), uf den man leistet (
in dessen dienst man sie braucht), zwuschen der crippen und dem wasser, das ist us dem stalle bis wider in den stal, so man sie in die trenke ritet. Ortloff
rechtsqu. 2, 236,
vgl. 220. 1, 166. sein pferd zur krippe führen,
einkehren: o! räum ich jetzt gleich diese stadt, gnug dasz es andre örter hat, wo ein von hier verbannter mann sein pferd zur krippe führen kan. D. Stoppe
bei Steinbach 1, 938. II@3@dd)
krippe für anderes vieh: wo nicht ochsen sind, da ist die krippen rein. Luther
spr. Sal. 14, 4; ein ochse kennet seinen herrn und ein esel die krippe seines herrn.
Jes. 1, 3; löset nicht ein iglicher unter euch seinen ochsen oder esel von der krippen am sabbath und füret in zur trenke?
Luc. 13, 15; so erschlägt man den stier an der krippe! Voss
Od. 4, 535. 11, 411. II@3@ee)
auch die bienenzüchter nennen krippe
einen kleinen wassertrog für die bienen, wasserkrippe. II@44)
dasselbe in bildlicher verwendung auf menschen. II@4@aa) krippe
als tisch, beköstigung: du stehst an deiner krippe und siehst, wie das gerippe schwingt hinter dir die hippe, und zitterst nicht wie laub? Rückert 11, 287 (
mak. 1, 85),
d. i. du iszt und trinkst und lebst im genusse. auf universitäten heiszt hie und da der freitisch der studenten krippe,
besonders in [] dem sog. convict (convictorium),
das denn da wie ein groszer stall gedacht ist; so lat. praesepe
bei Horaz ep. 1, 15, 28
von einem freitische. übrigens ist das bild auch bei uns alt und an sich ohne spott gemeint, wenn auch nicht ohne scherz; so sagt Wolfram
von dem jungen Parzival, um seinen starken appetit zu zeichnen und wie natürlich er ihn stillte: der gast sich dâ gelabte, in den barn er sich sô habte, daʒ er der spîse swande vil.
Parz. 165, 28,
man denke dran, wie nahe der ritter seinem rosse stand. auch wenn es in einem spottliede des 16.
jh. heiszt: das maul kompt in den ganzen tag nit ausz dem barn Haupt 8, 337,
liegt der spott nicht in dem bilde an sich. II@4@bb)
mit bitterm spotte aber vergleicht Merk
eine gelehrte akademie einer krippe,
briefl. an Forster i. j. 1782: schön ist es, dasz sie die hunde in der krippe zu Mannheim doch übertölpelt haben. wer wollte auch von einer solchen akademie sein, die so hündisch denkt.
briefs. 1, 367,
es mag zugleich an die studentische krippe
unter a gedacht sein. das bild scheint übrigens im Rheinlande besonders beliebt, Alers
deutsch-lat. wb. Cöln 1727
gibt mehrere dergl. redensarten, z. b. von einem geizigen herrn, der seine leute kurz hält: er hat eine hohe krippe, die krippe ist hoch bei ihm. 1245
a. II@4@cc)
nicht ohne spott auch in folg. von der lebensstellung die einen zwar nährt, aber auch geistig bindet und beschränkt: diese ehrlichen männer müssen nur andern ehrlichen männern nicht auch den strick an die hörner werfen wollen, mit welchem sie an die krippe gebunden sind. Lessing 10, 136,
wider theologische gegner. allgemeiner einmal bei Göthe
die pferdekrippe: zäumt eure pferde, ihr habt an unsrer krippe nichts zu suchen. 42, 239,
macht euch fort, was wir treiben geht euch nichts an, ein bauer sagts zu reitern (
Götz v. B. 1, 1).
ähnlich bei Aler 1244
b 'bei seiner krippe,
ad praesepim suam, intra praesepes suas',
in seinen vier pfählen. II@55)
endlich die krippe Christi,
la crèche de Jésus-Chrît Rädlein 567
a. II@5@aa) und sie (
Maria) gebar iren ersten son und wickelt in in windeln und leget in in eine krippen, denn sie hatten sonst keinen raum in der herberge.
Luc. 2, 7,
vgl. 12. 16,
gr. φάτνη,
vulg. praesepium (
noch nichts von windeln und krippe Matth. 1, 25,
ochs und esel kamen noch später hinzu).
davon ist denn in kirchlicher literatur viel die rede, noch bei protestanten, z. b.: er lag in heu mit armuth grosz, die krippen hart ihn nicht verdrosz. Luther
weihnachtslied bei Mützell 3; nun er liegt in seiner krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süszen lippen. Paul Gerhard 5, 7; der so hohe tag, an welchem gott und mensch arm in der krippen lag. A. Gryphius 1, 40. II@5@bb)
daher die bildliche darstellung der geburt Christi, die in alter zeit der mittelpunkt der weihnachtsfeier in der kirche war und vielfach noch ist, zumal in katholischen landen; gewöhnlich doch im demin., s. krippelein. II@5@cc)
daher auch krippe,
nach franz. crèche,
nl. kinderkribbe,
für eine art kinderbewahranstalten, mit der aufgabe, säuglinge und kleinere kinder der arbeitenden klasse während der arbeitszeit in pflege zu nehmen; wort und sache giengen von Paris aus in den vierziger jahren dieses jahrh., in Deutschland von Wien.