zerschneiden,
verb.,
zu schneiden (
th. 9, 1252);
ahd. zasnîdan,
mhd. zersnîden,
mnd. to-,
mnld. tesnîden; Diefenbach
gl. 138
c; Alberus 38
b; Frisius 429
b,
öft.; Stieler 1899; Frisch 2, 214
b;
mda.: lux. wb. 502
b; Hönig 207
b; 1)
gegenstände mit messer, schere, säge u. a. werkzeugen in stücke schneiden oder (
von c ab)
nur einschneiden, a)
für tisch und küche: man ... zesnaidt ... daz brot (
Nürnberg)
chron. d. st. 2, 335; zerschneid das flaisch und prich die fisch H. Sachs 22, 272
G.; den braten: Eichendorf
s. w. 2, 384;
küchenkräuter: Gäbelkover
arzneib. 1, 2;
einen apfel: Chph. v. Schmid
ges. schr. 1, 40; b)
in gewerbe und verkehr, so münzen mit mindergewicht: mhd. wb. 2, 2, 442
a; daz ... einich gast ... noch ... burger ... einichen reinischen gulden ... nicht z. ... sol
Nürnb. polizeiord. 144
B.; urkunden, um sie ungültig zu machen: verh. d. schles. stände 1, 63
P.; papier z.;
gewebe: mag
auch der schneider das thuch ... ohn schneiderschAer z.? Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 11; Göthe 43, 325
W.; rda. aus rechtsbrauch das tischtuch z.: zwischen den häusern G. und L. war ... das tischtuch zerschnitten W. v. Polenz
Grabenhäg. 2, 302;
weitere nachweise s. th. 11, 1, 520;
jüdische bekleidungsvorschriften: der (
hohepriester) sol sein haupt nit blOeszen und seyne kleyder nit zerschneyden
3. Mos. 21, 10
Zürch. bib. (1531); die auszsetzigen sollen ... zurschniten kleyder tragen und barhaupt gehn Luther 8, 392
W.; den stamm mit einer sAege z. Steinbach 2, 480;
taue, fäden: das heiszt, den knoten z., nicht auflOesen Gottsched
crit. dichtk. 31; den stärksten (
lebensfaden) zerschneidet gewaltsam die schere einer parze Göthe 23, 256
W.; so schon C. Scheit
fröl. heimf. A 1
b; c)
kleider aufschlitzen und das bunte futter aus den schlitzen hervortreten lassen, modische tracht des 14.
bis 17.
jahrh.s; aber schon Trist. 673; dann muosz er zwen deylt hoszen han mit syden gftert und zerschnitten Wickram 5, 147
B.; noch wird der pracht nichts abgebrochn, man tregt zuschnitten und zustochn, gestept, verbremt, geritzt, zurissn, verlumpt, verbOertelt und zusplissn Ringwald
laut. warh. 98; H. Fischer 6, 1149;
schweiz. id. 9, 1121; Schmeller-Fr. 2, 570; Ch. Schmidt
els. wb. 438
b;
s. auch zerflammen, zerflattern 1, zerhacken 3, zerhauen 2
a δ; d)
von getheilten pflanzenblättern: hirtzzung mit zerschnitten blettern Ryff
confectb. a 3
b; Oken
allg. naturg. 3, 2, 966; 2)
den menschlichen oder thierischen körper oder theile daran z. Rudolf v. Ems
Barlaam 199
Pf.; Isaias grosz marter lydt, ain sAeg sein haylgen leib zerschnyt J. v. Schwarzenberg
teutsch Cic. 156
v;
betheuernd: ich liez e bein unde lide gar an mir zusniden Herbort v. Fritzlar 5210; ir sind kinder des herren eures gottes, zerschneidend euch nit (1530. 1598; zuschneyt euch nicht 1534 Luther; ihr solt euch nicht mal stechen 1523
u. 1541) und machend euch nit kalh zwüschen eueren augen
5. Mos. 14, 1
Zürch. bib.;
die kehle: Schiller 13, 82
G.; der '
schneidende'
kalte wind: im winter schnaubt der nord mit strmerischer wuth, zerschneidet uns die haut Brockes
ird. vergüg. 4, 27; 3)
gebilde, erscheinungen, vorgänge der natur und kunst zertheilen: a) eine ... reihe von steppenseen ... z. jene landschaft ... in verschiedene gruppen Ritter
erdk. 2, 394; eine zerschnittene ('
coupierte',
von gräben, einschnitten unterbrochene) gegend Campe 5, 849
b; Göthe 41, 2, 124
W.; linien ..., die die figur in zwey gleiche theile z. Nicolai
litbr. 3, 11;
linien, die sich '
schneiden': einer (
ein gang) zerschneidt den anderen creutzweisz Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 48; Göthe 33, 294
W.; b)
wasser und luft zertheilen: (
der vogel) zerschneydt den lufft Frisius 969
b;
das schiff die flut: Bodmer
Noah 286;
schall als subject (
vgl.zerschmettern 1
c): o wie zerschneidt sie (
die posaune des jüngsten gerichts) das innerste der kinder von Adam Lenz
ged. 11
W; c)
wort, rede, schreibweise z.: wann ... ein wort durch die ahtemholung gleichsam zerschnitten wurde Zesen
verm. helik. (1656) 1, 63; das ... gespräch z-d (
unterbrechend) H. v. Kleist 3, 215
Sch.; als zerschnittener
stil wurde in der zweiten hälfte des 18.
jahrh.s die schreibweise, welche kurze sätze verwendete, bezeichnet: der styl kan periodisch (
mit satzperioden) oder z. seyn Ramler
einl. 4, 191; Nicolai
litbr. 9, 99; A. W. Schlegel im
Athen. 3, 310; 4)
übertr. a) das herz z.
nach dem bilde Luk. 2, 35
oder dem körperlichen schmerzgefühle bei starker seelischer erregung: do sy das hortend, zerschneyd es sy (giengs inen durchs hertz Luther)
apost. 5, 33
Zürch. bib. (1531);
s. auch unt. zerzerren 2
c; deine vorwürfe z. mein herz Cl. Brentano
ges. schr. 5, 41;
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 120; b)
entwürfe, pläne: der plan des vaters ... war nun zerschnitten G. Keller
ges. w. 1, 128;
einigkeit: Luther 8, 503
W.; andere zss.: ab- (
th. 1, 106) an- (448), auf- (728), aus- (928), be- (1587), ein- (3, 282), ver- (12, 1, 130), vor-, zu-;
hierzu zerschneider, m.: die vorderzAehne ... werden z. genennet
galanteriearzt (1699) 100;
anatom: Hulsius-Rav. 429
a;
scissor Stieler 1900;
sowie zerschneidung,
f.: zurschneitung (
κατατομήν)
Phil. 3, 2,
unwilliger ausdruck des Paulus für be- (
περιτομή);
anatomia z. eines todten cOerpels Frisius 90
b; z.
der haut: Ratzel
völkerkde 2, 139. —