gunst,
f. ,
in älterer sprache auch m. herkunft und form. 11)
das wort ist verbalabstract mit t-
formans zu gönnen (
ahd. gi-unnan),
wenn die wurzel des grundwortes als (ans-,) uns-,
und nicht als (
an-,) un-
anzusetzen ist, s. Walde-Pokorny 1, 68.
es erscheinen zwei ablautstufen, eine jüngere von der schwundstufe, auf das deutsche beschränkt: ahd. unst
seit dem 9.
jh. ahd. gl. 2, 172, 24; 2, 174, 2;
as. *unst
in aBunst '
invidia'
Heliand 3274;
mhd. gunst, gonst;
mnd. gunst;
mnl. onst, gunst, gonst(e);
nnl. gunst,
in bes. bedeutung gonst,
s. u. sp. 1116.
ins nordische aus dem deutschen entlehnt als dän. norw. schwed. gunst;
entlehnt ist auch afries. gunst, gonst
neben enst, est (
s. u.) v. Richthofen 789; Holthausen
afries. wb. 36,
als gonst
auch in neufries. ma. Schmidt-Petersen 52
b.
gemeingermanisch dagegen ist die bildung von der o-
stufe: got. ansts;
an. st, ást;
ags. ést;
as. anst;
ahd. anst;
mhd. anst, ganst;
frühnhd. noch vereinzelt ganst: (
a. d. j. 1490)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 100.
afries. enst, evēst
ist zweideutig, da es sowohl auf unsti-
wie auf ansti-
zurückgehen kann, s. van Helten
altostfries. gr. 43
f. —
als jüngste bildung erscheint mhd. gunt '
gunst' Lexer 1, 1120,
doch vgl. an. ǫfund, afund;
älterdän. avend;
dän. avind;
norw. ovund;
schwed. afund,
alle in der bed. '
invidia' Falk-Torp 37.
unpräfigierte formen der schwundstufe erscheinen mhd. nur noch in compositis, z. b. überunst '
miszgunst' Lexer 2, 1671;
dem nhd. fehlen sie völlig. für das präfix gi-
steht in zusammensetzungen auch bi-
z. b. mhd. âbunst;
mhd. u. frühnhd. urbunst,
s. teil 11, 3, 2393.
vgl. auch urbanst
ebda 2374
und verbunst. 22)
das geschlecht ist regulär femininum, so auch got. ansts;
an. ást.
daneben steht vom ahd. an bis ins nhd. das masculinum, auszerhalb des deutschen auch ags. ést,
m. und f. allerdings ist aus dem ahd. formenbestand das fem. für unst
nicht deutlich zu belegen, dagegen gratia der unst (10.
jh. alemann.)
ahd. gl. 1, 790, 51,
aber as. aBunst
ist sicher femininum, während andererseits für ahd. anst
eindeutige masculine formen fehlen bei mehrfach gesichertem femininum. —
eine besondere stellung haben die composita mit -anst, -unst (abanst, abunst),
die ahd. mit ausnahme von niuueiz einiga abanst
mons. fragm. 29, 22
Hench durchweg als masculina belegt sind und noch in manchen modernen maa. das männliche geschlecht bevorzugen, z. b. die gunst,
aber der vergunst, der miszvergunst Martin-Lienhart
elsäss. 1, 227; Staub-Tobler
schweiz. 2, 377. —
mhd. überwiegt für gunst
das fem. (
s. Lexer 1, 1120)
und ist auch weiterhin die regel. doch ist das masc. nicht selten und beschränkt sich keineswegs auf bestimmte bedeutungsgruppen: Ulrich v. Eschenbach
Alex. 12647
Toischer; Oswald v. Wolkenstein 94, 21
Schatz; altdeutsche passionssp. aus Tirol 264
Wackernell; Frankf. reichscorrespondenz 1, 684
Janssen (
a. d. j. 1402); Aventin 4, 363; 374
L.; Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 6
ndr.; Kirchhof
wendunmuth 2, 431
Ö.; Guarinonius
grewel (1610) 139; Ägid. Albertinus
Lucifers königr. 42
Liliencron. auch mnd. stehen beide geschlechter nebeneinander, s. Schiller-Lübben 2, 167
a,
vgl. für das masc. auch eyn teken gunstes
nd. voc. von 1417
bei Diefenbach
nov. gl. 2
a.
bevorzugt scheint für das masc. das schwäb.-alemann. sprachgebiet: Reinfried v. Braunschweig 6777
Bartsch; Stainhöwel
de claris mulieribus 69
lit. ver.; Jac. Strausz
beychtpüchlin (1523) e 1
b; Murner
narrenbeschwör. 141
ndr.; Zwingli
dtsch. schr. 1, 92; Hedio
chron. germ. (1530) k 3
b; Boltz
Terenz (1539) 20
b; Wickram
w. 1, 86
lit. ver.; zimmer. chron. 1, 583; 4, 96
B.; Spreng
Ilias (1610) 38
b; 68
b;
Äneis (1610) 92
a u. a.; auch ahd. der unst (
s. o.)
ist alemann. Luther
gebraucht gunst
als masc. gelegentlich ohne bedeutungsunterschied neben sonstigem fem., vgl. etwa w. 17, 1, 181
und 7, 361, 5
W. unten sp. 1108,
wie auch sogar im alem. gelegentlich der gleiche autor beide genera nebeneinander anwendet: gen. sing. günste Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 1956
Keller; dînen gunst
ebda 28857; ein liebende gunst
ew. wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) 156
a; eines gunstes
ebda 156
b; ihrer gunst Fischart
binenkorb (1588) 29
a; etwas gonstes oder vorschubes
Garg. 342
ndr. seit dem 17.
jh. kommt das masc. völlig auszer gebrauch; nur mundartlich ist es für das schwäb. in kleinen resten erhalten, s. Fischer schwäb. wb. 3, 927
anm. 33)
die flexion ist ahd. und mhd. die eines masc. bezw. fem. i-
stammes. im 17.
jh. dringt in den plural des femin. wie allgemein die schwache flexion ein, z. b. christliche gunsten Jac. Böhme
schr. (1620) 4, 46; Logau 153
lit. ver.; der umlautlose dat. plur. zu gunsten
seit dem 15.
jh. sp. 1121.
letzte bezeugungen für den starken plural sind etwa gen. günste Neumark
palmbaum (1668) 348;
acc. günste
Reinecke fuchs (1650) 20,
doch kann der an sich wenig gebräuchliche und darum unfeste plur. auch später noch spontan stark gebildet werden: acc. pl. gunste E.
M. Arndt
schr. für und an s. l. Deutschen 2, 103.
umlaut bei schwacher flexion: acc. plur. günsten
Reinecke fuchs (1650) 409.
vereinzeltes eindringen der schwachen flexion in den singular: man musz den gunsten für die gabe nemmen Tappius
adag. cent. sept. (1545) p 5
b. 44)
nicht selten, bes. obd. und im hess.-thüringischen, ist die form gonst,
s. auch günstig
sp. 1127: siner gönste
jüng. Titurel 4334; gonst Lori
bair. bergr. 33;
salzburg. taidinge 36; 163; Guarinonius
grewel (1610) 139; S. v. Birken
forts. der Pegnitzschäferey (1645) 25; gonsten
chron. d. dtsch. städte 5, 375 (
Augsb. 1434); gonstes Fischart
Garg. 342
ndr.; gonsten
discourse d. mahlern (1721) 2, 158; gonst
hess. urkdb. 2, 575
Wyss-Reimer (
a. d. j. 1350); Wigand Gerstenberg 259
Diemar; Eyering
proverb. copia (
Eisleben 1601) 1, 647. Luther
hat beide formen: gonst 8, 695
Weim.; 10, 1, 1, 420; 26, 574; 34, 2, 388;
psalm. 5, 13; gunst 7, 361; 10, 1, 1, 649; 14, 372; 18, 275; 18, 462.
zum abfall des t
in einigen mhd. belegen (
s. Lexer 1, 1120)
des alem. sprachgebietes vgl. Weinhold alem. gr. § 177.
ebenfalls alem. ist der gelegentlich verlust des nasals mit gleichzeitiger dehnung des stammvocals vgl. Frommanns zs. 7, 25-26; 7, 202: gūšt, goušt Staub-Tobler 2, 377; gōst, goust, gūst,
auch guhest Fischer
schwäb. 3, 926
und 927,
vgl. auch ahd. âst
für anst
Murbacher hymn. 10, 1, 3; 12, 3, 4; 20, 6, 2
Sievers, sowie kûst
für kunst
teil 5
sp. 2666
f. der vocal kann dabei stärkere veränderungen erleiden, s. Kaufmann gesch. d. schwäb. ma. § 83: gaunst Weckherlin 1, 72
Fischer (
vgl.aunser < unser
ebda 1, 70); Seb. Fischer
chron. v. Ulm 220
Veesenmeyer, vgl. auch günstig
sp. 1127.
bedeutung und gebrauch. AA.
die nach der bildung zu erwartende bedeutung als nomen actionis '
das gönnen, das gewähren'
erscheint ahd. gelegentlich recht rein: deus autem omnis gratiae, a quo omnis gratia totius bonitatis procedit fone demo der unst alles cuotes chumit
ahd. gl. 1, 790, 51
St.-S.; nû hilf mir echert, taz Jovis uuillo darana si unde sîne unste (
lat. volensque nutus) Notker
schr. 1, 718, 25
Piper. nicht durchaus eindeutig: ich diende eim der heizet got, ê daz sô lasterlîchen spot sîn gunst übr mich erhancte: mîn sin im nie gewancte, von dem mir helfe was gesagt: nu ist sîn helfe an mir verzagt Wolfram
Parz. 447, 27
L., wohl eher bitter ironisch im sinne von B 2;
auch der formelhafte, wenig sinnschwere gebrauch im reim ist nicht mit sicherheit in diesem sinne anzuziehen: von mîner (
Athenes) helfe günste wirt sælde vil gewunnen Konrad v. Würzburg
Troj. 1956
K.; mit vruntlicher helfe gunst
passional 117, 71
H. reiner, aber sichtlich von B
beeinfluszt (
vgl.B 3 b): vruntlike, heilsame grot in gode tovoren mit lutterer steder gunst alles gudes, erbaren heren (
a. d. j. 1390)
livl. urkb. 3, 602
a Bunge. gelegentlich erwächst nhd. der vorgangscharakter secundär aus formelhafter umgebung heraus: wenn aber wündschen und gonst hülffe, wolte ich im gern ein ander hertz wündschen und gönnen Luther
w. 38, 102
W.; man musz den willen für das werck, die gunst (
d. h. den guten willen) für die gaben nemen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 87
b.
deutlicher und fester ist die bedeutung in der anwendung auf einen bestimmten, einmaligen anlasz, '
gewährung, einverständnis, zustimmung',
consensus gunst oder verwilligung
gemma gemmarum (1508) k 2
a: wan ez was ein grôzer kriec dâ zwischen in umb einen pâbst.mit beider teile günste maht er sînen neven pâbest
Lohengrin 7453
Rückert; vgl. vor allem mit gunst F 4 b
sp. 1120; unsern gunst, willen und erlouben darzuo geben
urk. v. 1482
bei Staub-Tobler 2, 377; und solichs ... des romanischen kaisers ze thon gunst und verwilligung het Knebel
chron. v. Kaisheim 8
lit. ver.; dadurch si wider der räte ... hie zu Augspurg in der statt gonst und willen zu beleiben gehanthabet werden sölten (
a. d. j. 1438)
chron. d. dtsch. städte 5, 378; nach der herren gunst und willen (16.
jh.)
steir. und kärnt. taidinge 264; wer das tätte (
gegen die schenkung sei), der soll unsre (
des papstes) verfluchung haben. und hinwider die, so gunst und willen darzu gAebend, ... den ewigen sAegen haben Tschudi
chron. Helvet. (1734) 40. '
erlaubnis': daz ir (
d. hl. Elisabeth) der selecliche man, der priester (
Konr. v. Marburg) widersten began, daz er si nit gewerte laube, der si gerte, und ir nit sine gunst engab zu grifene an den bedelstab
hl. Elisabeth 6517
Rieger; ich lass bschehen und muss mein gunst darzu geben Maximilian
Teuerdank 256
Gödeke; darumb bitten wir, e.
f. g. wolt uns gnediglich dieses notbaws gunst und laub erzaygen Luther
br. 1, 386
W. doch spielt auch hier, ebenso wie bei dem hierher gehörigen mit gunst '
mit verlaub' (
s. sp. 1120),
leicht die bedeutung '
favor'
hinein; auch gunst '
privileg' (
sp. 1114),
das sich seinerseits mit gunst '
vergünstigung'
berührt, liegt nahe. BB.
als seelische haltung, stimmung des gemütes: '
liebe, zuneigung, neigung, wohlwollen'. —
fast immer liegt der begriff einer bezeigung, äuszerung der neigung nahe (
in der gruppe C
wird dieser gehalt zur bedeutung);
doch wird die einem solchen gehalt entgegenkommende anwendung auf die neigung eines rechtlich oder gesellschaftlich überlegenen, etwa eines fürsten, kaum die ursprüngliche sein, da sie dem got. ansts,
an. ást,
as. anst,
ahd. anst, unst
fehlt (
für den an. gebrauch vgl. vor allem die anwendung auf die liebe der treuen, alle gefahren teilenden tochter zum vater Egilssaga cap. lxviii)
und auch im ags. nicht deutlich wird; die vom got. an durch die ganze christliche literatur hindurchgehende anwendung auf gottes gnade (B 2),
die für die ursprünglichkeit dieser gruppe angezogen werden könnte, ist nicht beweiskräftig, da jeder entsprechende gebrauch im altnord. fehlt. sie scheint vielmehr durch die christliche terminologie, vor allem durch χάρις,
gratia hervorgerufen zu sein. die grundbedeutung wird demnach die gutes wünschende, gebefreudige zuneigung des einen menschen zum andern sein (B 1),
und erst secundär, dadurch dasz das occasionelle moment der überlegenheit des gebenden innerhalb besonderer anwendungen in den vordergrund tritt, die neigung des höheren zu dem von ihm abhängigen (B 3).
diese letzte gruppe setzt sich jedoch im laufe des 17.
jh. mehr und mehr gegen B 1
durch. sie bestimmt auch den bildlichen gebrauch (B 4). B@11)
von der zuneigung unter personen, die nicht in einem äuszeren abhängigkeitsverhältnis stehen, oder bei denen eine solche abhängigkeit keine beziehung zu ihrem gemütsverhältnis hat, vgl. benevolentia liebe, gunst und guoter oder geneigter will gegen eim Frisius (1556) 162
b: gotes liebe und friundes gunst sint gein gewinne gelîch gewegen Hugo v. Trimberg
renner 8862
Ehrismann; oych, leyve sustergin so dancke ich dir dinz suverlichen nuwen jaers alze sere inde dinre grosser gunste, dat du ain mich gedacht hays (
a. d. j. 1367) Steinhausen
privatbriefe 1, 5; (
aus der sich verratenden liebe) mochten entspringen zwey bose: das erste, das ir ... verlieren wurden ewres vattern und muttern gunst
V. Warbeck
schöne Magelone 28
Bolte; willst du von disteln frucht, von schlangen gunst erlangen Lohenstein
Agrippina (1685) 35 (
vgl. zur verbalverbindung unten sp. 1116);
ähnlich: da jene (
die feinde) viel zwar uns, wir ihnen nichts genommen, indem wir uns bemüht (o, eine feine kunst!) zu brechen ihren trotz durch unsre gute gunst (
freundlichkeit, entgegenkommen) Logau
sinnged. 6
lit. ver. gern mit sinnsteigernden oder differencierenden adjectiven: si hiez ouch balde bigen von silber eine wigen (
für das kind) in muderlicher gunste
leb. d. hl. Elisabeth 507
Rieger; daz er so lustecliche mit sinen brudern allen zwein kunde dragen überein in dugentlicher munste zu bruderlicher gunste
ebda 3934; (
dasz wir) uns leider gegen dir (
Luther) alsz einem abgesagten findt erweren müssen und briederlichen, leutlichen gunst in ein ungunst verendren Murner
an d. adel 8
ndr.; eure brüderliche und christliche gunsten Jac. Böhme
schr. (1620) 4, 46;
mit synonymen: gunst und freuntschaft (
singulare amistà) zuo einem reichen juden Arigo
decamerone 29
lit. ver.; sobald nu solliche mer auszgebrochen, ist ein grosser schrecken in die, so mir vor mit gunst und lieb verwandt, gefallen Hutten
op. omn. 1, 409
Böcking; wohl auch noch in diesem sinne: lieb und gunst der unterthanen ist dem regenten besser und gewisser denn ein stalen maur Henisch (1616) 1781; wie lang ein frau ihren lieben mann hat, so lang geniest sie allerseits gunst und günstige augen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 49.
als besondere anwendungsgebiete treten hervor B@1@aa)
die anwendung auf die liebe des menschen zu gott, nur bis zum 16.
jh. belegt: swer in (
den göttern) treit dienestlîche gunst, dem lânt si ungelônet niht Rudolf v. Ems
Barlaam 243, 36
Pfeiffer; mer wysent úch eynes lebendigen gunstes gegen gott und suochent in inwendig
d. ewig. wiszh. betbüchl. (1518) 156
b; mit hertzlicher, grundlicher gunst zu Christo und ungunst auff unsz selbs die sund betrachten, das ist rechte rew Luther 7, 361
W.; so grosz war der gunst und der will zu Christo
ebda 17, 1, 181.
occasionell, aber auf der gleichen linie: (
Christus am kreuz zu Veronica:) lang mer dinen sleyer (
schleier) here! ich wel der ein zeichen geben. da bi saltu mercken eben, dasz ich erkenne din gunst
Alsfelder passionsspiel 5454
Grein. B@1@bb)
verknüpfung mit nichtpersönlichem object: yhr liebe und gunst zur zucht, ehre und erbarkeyt Luther 10, 1, 1, 649
W.; lautter gunst und lust zu dem gutten
ebda 450; vil vätter ihre kinder ... an ein ort stossen, da sie weder gunst, liebe noch willen hin haben Wickram
w. 2, 142
lit. ver. B@1@cc)
die anwendung auf die liebe des mannes zur frau und umgekehrt; vom manne: desz wurd der jung schier doll und wütig, gedacht sich selber offt zu tödten, fürnamb im auch in diesen nöten, von ir zu wenden all sein gunst H. Sachs 2, 295
lit. ver.; als ich dir, Delia, ein schreiben zugesandt, darausz du meine ... grosse gunst erkannt
M. Opitz
teutsche poemata 108
ndr.; es fieng ein schäfer an zu klagen, wie seines hertzens treue gunst von Karitillen ... gehalten würde fast ümsonst G. Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 293; wenn ich (
die briefschreiberin) glauben dörffte, dasz deine gunst aufrichtig gegen mich wäre Schnabel
irrgarten der liebe (1738) 5;
vgl. auch gunst tragen
sp. 1118.
von der frau: in dieser scena wird angezogen der argwon Chremetis, des knaben, von liebe und gunst Thaidis gegen im, die er dann zwar gantz ernstlich understatt zuo fliehen Boltz
Terenz deutsch (1539) 42
b; 'Cardenio, mein freund, ich will die deine sterben'. 'sein undanck hat ja nie so treue gunst verdient' Gryphius
trauersp. 294
Palm; nun sich meiner Phyllis gunst an mir hat verliebet, ist mir aller ruhm ein dunst, den das glücke giebet
Königsb. dichterkreis 129
ndr. doch neigt diese anwendung, bei der das moment des huldvollen gewährens bewuszter ist, besonders seit dem 18.
jh. stärker zur auffassung B 3: noch hastu (
das herz) dir vorgenommen, durch deine lieb in ihre gunst zu kommen Gabr. Vogtländer
oden u. lieder (1642) 13; nur der verdient die gunst der frauen, der kräftigst sie zu schützen weisz Göthe 15, 1, 217
W.; so wuszte er wiederholt nicht, wie es kam, dasz die, welche er liebte, sich plötzlich und misztrauisch von ihm abwandte, während eine andere, an die er nie gedacht, ihn unversehens mit ihrer gunst beehrte und, einmal im zuge, nicht mehr nachliesz, bis er mit ihr im gerücht war G. Keller
ges. w. 5, 215; (
der fahrende sänger) ein gefährlicher mädchenfänger, der in der gunst der frauen den ritter zu verdrängen sucht Scherer
litteraturgesch. 74.
bildlich: die wahrheit ist eine so spröde schöne, dasz selbst, wer ihr alles opfert, noch nicht ihrer gunst gewisz seyn darf A. Schopenhauer
w. 1, 18
Grisebach; frau Fortuna, ganz umsunst thust du spröde! deine gunst weisz ich mir durch kampf und ringen zu erwerben, zu erzwingen H. Heine
w. 1, 281
Elster. vgl. die weitere entwicklung unter C 2. B@22)
alt ist wie für anst
so auch für unst, gunst
die anwendung auf die gnädige, gewährende liebe gottes, vgl. für got. ansts
etwa: jah ansts gudis was ana imma
Luc. 2, 40;
für alts. anst: an was imu anst godes
Heliand 784;
für ahd. anst: enti dîn anst enti dîno minnâ in uns follîcho kahalt
Freisinger paternoster, kl. ahd. sprachdenkm. 44, 46
Steinm.; fol bistu gotes ensti! Otfrid I 5, 18; II 2, 37;
für ahd. unst: gotes unste
bei Notker
unter C
sowie die gleiche anwendung oben unter A: so behaldit ie der (
heidnischen) gote gunst
thür. Katharinenspiel 216
Beckers; so aber wir nit on göttlich gnad vermögen, sollen wir fr und spat anrffen Maria so zart, so rein, das sy unsz allen erwerb in gemein ires kindes gunst
der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 100
b; deyne (
gottes) gonst wird sie (
die gottesfürchtigen) mit eym schild umbringen (
scuto bonae voluntatis tuae)
psalm 5, 13; gottes gunst sey mit euch. amen Luther 10, 2, 60
W.; darinn er klar geyt zu verston, wie in eim frommen menschen wohn gott durch die gunst und geiste sein und geust ihm alles gute ein H. Sachs 16, 470, 19
lit. ver.; Jehovah, straf mich nicht, wenn deines zornes flammen verzehren alle gunst, gehn über mir zusammen Fleming
dtsch. ged. 1, 6
lit. ver.; allwesend ewigkeit! lasz deiner blitzen macht, der ernsten donnergluth und, was die ernste nacht dräut deiner armen magd, in tieffste gunst verschwinden A. Gryphius
trauersp. 111
lit. ver.; prägnanter: gott ist nút wan eyn liebende gunst
der ew. wiszheit betbüchlin (1518) 156
a.
gern in paarung mit verwandten begriffen: so ist ... seine (
gottes) unaussprechliche liebe und gunst ... bewiesen
M. Opitz
teutsche poemata 171
ndr.; ach schone, groszer herr, ach schone mich zu strafen, wenn deine huld und gunst bei dir ist ganz entschlafen, und du für zorne brennst! Fleming
dtsch. ged. 1, 3
lit. ver.; denn wer gottis gnaden und gunst haben will, der musz sich aller ander gnaden und gunst erwegen Luther 10, 1, 1, 20
W.; und ist kein nehrer weg zu der gnade und gunst gottes J. Barth
weiberspiegel (1565) d 3
a; (
den) menschen mit unendlicher güte, gnade und gunst zu überschütten Bodmer
samml. crit.-poet. schr. (1741) 1, 15; (
die sacramente) das sinnliche symbol einer auszerordentlichen göttlichen gunst und gnade Göthe 27, 119
W.; irbuit, irbuit ir (
der hl. Barbara) wirde grôz, daz si vlechte sundir drôz zu dir (
dem Deutschen Orden) in stêtin gunstin sich und mit dir blîbe êwiclich Nicolaus v. Jeroschin 6659
Strehlke. feste verbindungen: des himmels gunst: ... wo nicht ist des himmels gunst, da ist alle müh ... ümsonst G. Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 271; des himmels kurtze gunst Logau
sinnged. 4
lit. ver.; hat dir des himmels gunst die wissenschaft beschieden, zu leben frölich mit dem nötigen zufrieden, so findest du genug Hegner
ges. schr. (1828) 5, 184.
der götter gunst: gering ist die anzahl deren, die unverdrossen und durch der götter gunst ... zu dem gestirn geflogen Zinkgref
auserles. ged. 34
ndr.; du hast der götter gunst erfahren Schiller 11, 230
G. in stehender verbindung seit dem 18.
jh. die gunst der musen: selbst der redner edle kunst hast du mir zuerst gewiesen und der musen süsze gunst durch dein beyspiel angepriesen Gottsched
ged. (1751) 1, 198; nur durch die gunst der musen schlieszen sich so viele reime fest in eins zusammen Göthe 10, 116
W. B@33)
gern, und heute vorwiegend, von jemandem, der mit seiner neigung einen (
oft materiellen und social bedingten)
gewinn zu vergeben hat und zu dem der begünstigte in einem gewissen abhängigkeitsverhältnis steht: B@3@aa)
von alters in der sphäre des hoflebens: gunst
die huld eines fürsten gegen seine umgebung, seiner würdenträger gegen rangtiefere u. s. w.: wande er (
der kaiser) ouch gein in ûf stund. mit aller gunst (
etwa '
leutseligkeit') er in entfie
passional 88, 33
Hahn; daz er mit keinen sinnen niemer möht gewinnen des künigs hulde noch den gunst
Reinfried v. Braunschweig 6395
Bartsch; ich den gunst des hertzogen fast gegen im spüren thuo Wickram
w. 1, 86
lit. ver.; wer den gonst der fürnembsten herrn am hoff allein hat Guarinonius
grewel (1610) 139; was neulich oben war, erfüllt mit gunst und gnade, das ist jetzt unten an
M. Opitz
opera, geist- u. weltl. ged. (1690) 3, 284; wie lang er (
d. höfling) kupfern geld so häufig lassen regnen, als seines fürsten gunst zum deckel ihm gedient Eschenburg
beispielsamml. (1788) 2, 206.
in stehender verbindung: groszer herren gunst Alberus
fabeln 145
ndr.; Dan. Schaller
heroldt (1604) 79; der herren gunst
grillenvertreiber (1670) 13;
deutsche volksbücher 5, 13
Simrock; der groszen leute gunst Ambach
vom zusauffen a 2
a; Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 321; die gunst der groszen E. v. Kleist
w. 1, 67
Sauer; Schubart
briefe 1, 189
Strausz, vgl. auch herrengunst, fürstengunst.
in diesem sinne prägnant: die schmale stürzebrücke, darauff nach gunst man zeucht, die bringt mir nicht gefahr Logau
sinnged. 164
lit. ver. charakteristisch sind in diesem bereich adjectiv- und verbalverbindungen wie: eines fürsten flüchtge gunst Raupach
dram. w. ernst. gatt. 5, 29; blinde gunst Chr. Wolff
d. menschen thun und lassen (1720) 89; um die gunst der mächtigen buhlen H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 70; sich in jem. gunst einschmeicheln Schiller 14, 192
G., stehlen
ebda 12, 81; (
des sultans) gunst erkaufen Lohenstein
Ibr. sultan (1680) 20.
vgl. auch B 5. B@3@bb)
daher wie auch günstig
und seine ableitungen (
s. sp. 1129
f.)
gern in officiellem stil: mitler zeit will ich mich in ... der gantz kunstliebhabenden wittenbergischen gesellschaft huld und gunst, als eigen, befolhen haben Scheit
Grobianus 7
ndr.; ich ergreife daher die gelegenheit, mich der ferneren gunst und gewogenheit ... zu empfehlen Bremser
medicin. parömien (1806) 302;
anders: ihr herrn von gunsten lobesan, euch allen grossen danck wir han Hayneccius
Hans Pfriem 84
ndr. in der gruszformel: unse (
d. i. des grafen) gunst und fruntlichen groz vor
eingang e. lohnordnung von 1386
bei Bauer-Collitz
waldeck. 301; unsir (
der herzöge) gunst und allis gut, erbere und wolweize bezundere getrawen (
a. d. j. 1451)
lehnsurk. Schlesiens 1, 419,
vgl. und ermant sie in dem (
einladungs) brieff groszen gunst, und daz sie solten zu im kumen
Eulenspiegel 78
ndr. B@3@cc)
allgemeiner: den getreüsten diener, ... der eurer (
des bürgers) huld und gunst am meisten geweltig sey Arigo
decam. 442
lit. ver.; ein hund so klug von natur, dasz er kein frembden hund in seinem hausz leidet, damit er ime nicht seines herrn gunst und sein brot abtrage Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 430; wie ich dem edlen herrn durch meine kunst beweisen möchte, dasz er gab und gunst an keinen unwürdigen verschwendet habe Storm
w. (1899) 3, 213; (
Paulus) erschmeichelte sich weder durch worte, noch durch gaben die gunst seines richters Lavater
verm. schr. 2, 382; (
zum carriere machen) bedürfen sie der ministeriellen gunst mehr als des wohlwollens der kreisbevölkerung Bismarck
ged. u. erinn. 1, 30
volksausg.; (
Rudolf v. Habsburg) warb demütig um die römische gunst (
d. h. die des papstes) Freytag
ges. w. (1886) 18, 85. B@3@dd)
eine feste gruppe bildet die anwendung auf subjecte wie volk, publicum
u. a.: (
er) luget noch immerdar, wie er den gunst und gutwilligkeit seiner predigtkinder erhalten möge Jac. Gretter
epistel s. Pauli (1566) 36; ehe er sich dort in der gunst des publicums festgesetzt hatte O. Jahn
Mozart 3, 12.
leicht trübt sich dabei der gehalt des wortes: aura popularis gunst desz volcks Frisius (1556) 143
b; krohnen gibet manchem die gunst des volkes oder das erbliche recht: aber ein krohnenwehrtes gehirn kommt allein vom herrn aller herren Butschky
Pathmos 779; die folge des ... buhlens der ... aristokratie um die gunst der menge Mommsen
röm. gesch. 2, 73,
vgl. auch der welt, der menschen gunst
unten B 5. B@3@ee)
der begriff des nicht völlig verdienten tritt bisweilen stärker hervor: ach, es wollen e. h. gleiche gunst gegen diesem armen unmündigen wercklein spüren lassen Moscherosch
insomnis cura 8
ndr.; (
der entschlusz) bedarf gunst (
nachsicht), um den mangel seiner rechtsansprüche zu ersetzen Kant
s. w. (1838) 11, 453
Hartenstein; bey klugen, du mein buch, thu willig einen bug, und bitte sie um gunst für das, was nicht hat fug Logau
sinnged. 562
lit. ver. B@44)
bildlicher und übertragener gebrauch sieht als träger der empfindung vor allem schicksalskräfte, wie natur, glück, geschick
u. a. (
vgl. auch günstig
sp. 1131);
anschlusz an B 1
ist selten (
vgl. auch bei B 1 c): wie man pflegt zu sagen auch nach der natur, die da offt yhr gunst wirfft auf ein unlieblich ding und spricht: gunst und liebe fellet so schier auff den frosch als auff die purpur Luther 10, 1, 1, 420
W.; es herrscht durchaus die vorstellung B 3
vor. das bild ist um so sinnkräftiger, je stärker es das moment des gewährens bewahrt: wer wil nit sagen und bekennen alle ding under des gelückes gunst und ungunst geregieret werden? Niclas v. Wyle
translat. 57
lit. ver.; dem meister bleibt doch seine kunst, ob ihm schon glück versagt sein gunst Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 485; wie sehr versiehst du dich in deiner gunst, du blindes glücke Gottsched
ged. (1751) 1, 111; ein unbedingtes vertrauen auf die eigene kraft und die gunst des glückes Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 313; es reizet mich die milde gunst des gar zu gütigen geschickes Weichmann
poesie d. Niedersachs. 1, 82; des glückes abentheuerlichen sohn, der von der zeiten gunst emporgetragen Schiller 12, 8
G.; gönnen wir ihnen das vergnügen, sich ein wenig sonnen in der gunst des augenblicks Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 83.
anders: so ging heute (
am reisetage) die sonne so schön auf, als wolle sie Hans Unwirrsch ein ganz specielles zeichen ihrer gunst ... geben W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 188; um schnell das gute wetter noch zu benutzen, das seit einigen tagen uns mit aller seiner gunst erfreute Pückler
briefwechsel u. tageb. (1873) 2, 269; welches nicht unfüglich unter der decke nächtlicher finsternisz geschehen konnte: weil ihre wohnzimmer nicht übrig weit von einander, und also eines zum andern unter der gunst des schattens ... hinüberschlich Er. Francisci
höll. Proteus (1695) 149; schilt nicht als flatterliebe mein ergeben, das dir die gunst der stillen nacht verrieth Göthe 9, 196
W.; wo das bild verblaszt, tendiert die gruppe auf eine mehr objective bedeutung '
günstigkeit' '
zweckdienlichkeit' (
vgl. auch günstig 4): jedem dinge, welches ... sich entwickeln soll, musz
dazu gunst der zeit und gelegenheit gegeben werden E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 3, 13; dieselbe gunst des zufalls ... kann aber auch auf andere weise eintreten Fr. Th. Vischer
ästhetik (1846) 2, 10; unter der gunst einer momentanen politischen combination Ranke
s. w. 31-32, 17.
vgl. auch C 4,
gegen das eine klare abgrenzung nicht immer möglich ist. B@55)
das besondere emotionale moment der bedeutung, das sich vor allem in der gruppe 3
zeigt, erscheint verdichtet im speciellen sinne, '
ungerechtes wohlwollen', '
willkür': ir richter, ich üch hie ouch bit, lond üch nit bewegen iener in kein gyrlichkeit, kein bösen sinn; die gunst land farn und den nyd!
schweiz. spiele d. 16. jh. 2, 84
Bächtold; dann laider, mancher ist dahin (
zu würden) kommen, dasz nit die verdienst, sonder der gunst die idioten zu den digniteten erhebt Ägid. Albertinus
Lucifers königr. 42
Liliencron; da ist weder ... gunst noch ansehn der person Moscherosch
gesichte (1650) 1, 19; von der parteien gunst und hasz verwirrt Schiller 12, 8
G.; das regiment der landesherren wie der städte ist voll gunst und animosität Freytag
ges. w. (1886) 17, 14;
übertragen: so beschirmbt (
die natur) etlich in treflichen sorgen, laszt etlich in wenigern sorgen fallen; das ist der gewalt und gunst der natur Paracelsus
chir. (1618) 277
a Huser. gern in formelhafter redeweise, rechtssprachlich, sprichwörtlich, besonders auch im gleichklang mit verwandten begriffen: und des nit zu lassen durch liebe, myede, gabe, gunst ... noch durch keinerley ander sache willen (
diensteid a. d. j. 1406) K. Bücher
Frankf. berufswörterbuch 65
b; wer in der geselschaft will sein, der musz schweren, wo er ain christen anchom, den soll er töten und ... nicht gefangen nemen, weder von gunst noch von guts wegen Schiltberger
reisebuch 93
lit. ver.; gunst geht für gespunst Kirchhofer
schweizer. sprichw. 157; ein halb pfund kunst soll mehr gelten als ein centner gunst Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 15; gewalt, gelt und gunst schwecht recht, ehr und kunst Seb. Franck
sprüchw. (1546) 1, 81
b; gunst geht für recht, das klag ich armer knecht Neander
dtsch. sprichw. 16
Latendorf. vgl. auch aus gunst, nach gunst
unten F 1, 2.
in anderer richtung liegt die begriffliche einengung bei der stehenden verbindung gunst der welt, der menschen
als summarischer inbegriff irdischer diesseitsbefangenheit; die auffassung neigt gelegentlich zu C ('
gabe'): (
sie gelobte, dasz sie) des nummer niht geplege, da uppekeit an lege unde werltliche gunst
hl. Elisabeth 507
Rieger; sölten ouch nu selten werden frô von dirre gîtigen werlde günste Hugo v. Trimberg
renner 10075
Ehrismann; aus B 3 d: dasz es nicht gelte geld noch gut noch menschen liebe und gonst Luther 34, 2, 388
W.; welt! was hab ich noch mit dir und mit deiner gunst zu schaffen? Günther
ged. (1735) 7; nicht ruhm und nicht der menschen gunst beschütze mich Platen
w. 1, 11
Redlich. B@66)
im passivischen sinne '
beliebtheit', '
anklang',
entwickelt aus verbalen verbindungen possessiven gehaltes wie gunst bei jem. haben, verlieren, erwerben, gewinnen (
s. 1117),
die vom begünstigten aus gesehen werden: sô hôher tugende si pflac. den liuten si sich kunde wol lieben ze aller stunde. dâ von si grôze gunst gewan
Mai u. Beaflor 96, 35 (
vgl. zur verbalverbindung unten F); er möchte gunst und freundschafft verlieren bey denen, derer er genieszen kan J. A. Quensted
ethica pastoralis (1678) 231; als von den rechten freyen kunsten, dardurch man kombt zu grossen gunsten bey keyser, könig, fürsten, herrn
M. Mangold
marckschiff (1596) d 4; und ihm ein ruhiges alter, hohes ansehen und grosse gunst bey menniglich verliehen H. Rätel
chron. d. hzt. Schlesien (1607) 266; und da (
die kinder) nun in der regel noch keine verstellung üben, so können sie uns als die trefflichsten barometer dienen, um an ihnen den grad unserer gunst oder ungunst bei den ihrigen wahrzunehmen Göthe
gespräche 7, 274; dies gelang mir mehrmalen durch die gunst meiner freunde unter den obern Bahrdt
gesch. s. leb. (1790) 1, 87;
die präp. von
bewahrt einen rest des activischen sinnes: dardurch er im ainen grossen gunst und wolwöllen von der gantzen stat ... machet
Fortunatus 74
ndr.; mit sachlichem object: der frembden sprachen gunst merklich schon begint zu wanken (
in Deutschland)
Königsb. dichterkreis 66
ndr. auch bestimmter '
ansehn, macht, einflusz': da schweygt, da heuchlet yderman, auf das sie nit vorlyren yhre gutter, yhr ehr, yhr gunst und leben Luther 6, 275
W., so wohl schon mhd.: die kunst, diu manigem guot, êre und gunst hât brâht Hugo v. Trimberg
renner 16658
Ehrismann; also bringt die tugendzierde ihr auch hohe gunst und würde Schupp
schr. (1663)
titelbl.b; eine gunst und stellung wie er habe noch nie jemand gehabt Schlesier
bei Gentz
schr. 1, xviii;
in diesem sinne gern gunst und geld: all menschlich witz, gewalt, gunst und geld im augenblick zu boden felt Friedr. Wilh.
sprichw.-register (1577) a 1
d; künstler haben weder gunst noch gelt Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 100
a; ein cavallier heist jetzt, was weiland hiesz ein held, dort macht es hertz und mut; hier macht es gunst und geld Logau
sinnged. 71
lit. ver.; wer geld und gunst hat, kan thun, treiben und erhalten, was er will
Reinicke fuchs (1650) 155;
vgl. auch gunst haben
sp. 1117.
bei sachlichem object auch '
geltungskraft, geltung': grothe gunst hefft de leste wille
alt. lüb. recht 588
Hach, d. h. von mehreren letztwilligen verfügungen gibt die letzte den ausschlag Wander 2, 169. —
vgl. zur ganzen gruppe günstig 6 '
angenehm'. CC.
äuszerung, bezeigung des wohlwollens; im ganzen bereich der bedeutungen von B,
zu dem im einzelnen die grenze nicht immer scharf zu ziehen ist; charakteristisch ist für C
artikel und pronomen, sowie der plural: gotes unste (
d. i. die äuszerungen seiner gunst) irrahton (
explicabant) iro (
der feinde) ununste unde haz unde âhtunga Notker
psalm 104, 25; dô man zû Nieflande vernam, daz des landes meister quam, man entpfienc in sô wol, als man zu rechte den meister sol. war er in die hûs quam, die gunste er gerne von in nam
livl. reimchronik 2314
Meyer; al der arzte kunst, ob sie im (
Gawan) trüegen guote gunst mit temperîe ûz würze kraft, âne wîplîch geselleschaft sô müeser sîne schärpfe nôt hân brâht unz an den sûren tôt Wolfram v. Eschenbach
Parz. 643, 22; und auch vil gnaden und gunstes von siner (
des papstes) heilikeit haben enphangen (
a. d. j. 1402)
Frankf. reichscorresp. 1, 684
Janssen; er hatte schon die günste des königes geschmekt
Reinicke fuchs (1650) 368; nachdem so manche gunst und gutthat ich empfangen Dietrich v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) b 1
a; alle andere gunsten und wohlwollen desz glücks J. Tonjolam
Aristippus (1662) 2; und zwingen mit gewaffneter hand dem glück eine gunst ab Schiller 3, 95
G.; ohne irgend eine gunst des schicksals genossen zu haben Göthe 46, 21
W. die in den bisherigen belegen bisweilen anklingende bed. '
gabe'
erscheint gelegentlich deutlicher: denn das schicksal hat ihnen seine höchste gunst verliehen: die schlichte schönheit der seele Scherer
kl. schr. 1, 14,
besonders wo gabe
als synonymon erscheint: freylich, freylich, die schöne kunst ist gottes gab, geschenck und gunst Gilhusius
Grammatica (1597) 1, 19; leider ist bey solchen dingen das wollen dem vollbringen nicht sehr förderlich, es sind gaben und gunsten des augenblicks Göthe IV 35, 158
W. —
auszerhalb des deutschen entspricht got. ansts '
χάρισμα', '
gnadengabe'
z. b. Röm. 6, 23;
1. Timoth. 4, 14;
ags. ést '
gabe',
z. b. Beowulf 2165;
specialisiert éstas '
dapes', '
deliciae' Bosworth-Toller 259
a und suppl. 194
b. C@11)
gelegentlich specieller im hinblick auf einen besonderen einmaligen anlasz '
vergünstigung',
wobei der zusammenhang mit B
zurücktreten kann: (
dem cardinal wurde) die ersten tage erlaubt, sich aus der küche seiner mutter besorgen zu lassen; da aber der papst hörte, dasz ..., entzog er ihm diese gunst
M. Klinger
w. 3, 247; ich bitte in diesem brief um eine grosze gunst Schiller 12, 406
G. mit abhängigem satz: da bat Virginius den decemvir um die einzige gunst, von seiner tochter abschied nehmen zu dürfen Niebuhr
röm. gesch. 2, 137.
mit stärkerer betonung des unverdienten: wenn myr eyner zehen gulden schenckt, mit welchen ich meinem schuldiger bezalet, das geschenck wer eytel gunst oder gnad Luther 18, 462
W. als gunst, als eine gunst
in verbindung mit verben des bittens und gewährens (
s. auch sp. 1117): vornehme gutsbesitzer standen demüthig harrend im vorzimmer der fremden und erbaten als gunst, ihnen feste veranstalten zu dürfen Freytag
ges. w. (1886) 13, 57; unter tausend bittenden ... ist es mir als eine gunst bewilligt worden Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 4, 51; ich würde mir als letzte gunst erbitten, dort begraben werden zu dürfen Spielhagen
s. w. (1877) 1, 110. C@22)
liebesbeweis der frau gegen den mann (
vgl.B 1 c); '
gewährung, erhörung': allen (
freiern) verheiszt sie gunst und sendet jedem besonders schmeichelnde botschaft; allein im herzen denket sie anders J. H. Voss
Odyssee 246
Bernays; concreter: so schwer ists nicht, wie ich geglaubt, dem mädgen eine gunst zu rauben Göthe 37, 23
W. vor allem prägnant für den liebesgenusz: ihr jungfern, euer leib, den wo gewalt verletzet, wird ehrenlose nicht mit billigkeit geschätzet. Cunninna weisz es wol; wer an um gunst sie spricht, dem gibt sie die und schreyt: o nein, o nein, o nicht! Logau
sinnged. 100
lit. ver.; willfahret jedem, gönnet eure gunst dem ersten besten haushahn auf zwei beinen Lenz
ged. 101
Weinhold; nun ist mir gar wohl bekannt, was ein ritter der ehre solcher damen, deren gunst ihm heimlich zu teil wird, schuldig ist H. v. Kleist 3, 397
Schmidt; so wird bes. verstanden die, alle gunst, die letzte, höchste gunst: Proba ward von einem buhler um die gunst gesprochen an Logau
sinnged. 407
lit. ver.; sie diesen mann in ihr garn locken und ihm alle gunst vergönnen solte
Leipziger avanturieur (1756) 1, 186; damit hängt es zusammen, dasz die schilderungen der höchsten gunst ganz in den dienst der sinnlichkeit gestellt werden Paul Schultz
erot. motive (1907) 63; mir gab sie nach und nach alles preis, seel und leib, nur die letzte gunst ward mir vorbehalten Heinse
s. w. 4, 63
Schüddek., vgl. auch der letzte wille
teil 14, 2
sp. 153.
nicht selten wird euphemistisch der gebrauch von B
in diesem sinne gewandt: so freüwet mich nichts dann schöne frawen und junkfrawen, wo ich der lieb und gunst überkommen möcht
Fortunatus 107
ndr.; der kaiser von Ruszland schenkt in Berlin einem schönen hutmachermädchen für ihre gunst hundert ducaten Hebbel
tageb. 2, 326
Werner. C@33)
als terminus älterer rechtssprache '
vorrecht', '
privileg' (
vgl. gunstbrief im gleichen sinne): den fleischhauern ist die gunst gethan, das sie mogen fleisch auf iren wagen wegen, doch nicht uber zehen pfundt
Jenaer stadtordn. v. 1540
art. 138
Michelsen; als aber vergangen zeit die macht der herrschaft Venedig mit freihaiten, zuolassingen, günsten auch des rOemischen stuols gelt offt hilff empfunden, ist dieselbig ... grosz auszgewachsen G. Ortolff
päpstlich bull (1509) a 3
a; fünf groschen von einer gunst; ein gulden von einer gunst, wann es hundert gulden und darüber ist (
einnahmen aus privilegierten quellen?)
urkunden bei Besold
thes. pract. (1697) 348
b,
vgl.: von einer amtsgunst fünf groschen
ebda. anders in der bed. A: gunst
consensus in oppignorationem vel alienationem (
veräuszerung eines lebens, pfandes) Haym
jurist. lex. (1738) 276,
s. auch herrengunst 2
teil 4, 2
sp. 1140.
etwas zu gunst haben ex gratia aliquid possidere, non iure proprio ac hereditario Haltaus
gloss. 758:
an. 1417 hat W. ... verkaufft und gegeben zu einem steten ewigen kauff Könlein Reicherten ein erbrecht auf dem fischwasser mit sambt hausz und hoff, ... in maszen er dann solches biszher um ein zinsz zu gunst von im gehabt hat, doch also, dasz er ... hinführo ... ihm davon mit zinsen und andern gewerttig sey
urkde ebda. gelegentlich auch übertragen auf das die gunst
enthaltende actenstück: (
es wurde gestohlen) die kirchenlade mit denen günsten
steckbrief a. d. j. 1687
bei Joh. Gabr. Süsze
hist. d. städtgens Königstein (1755) 116.
in neuerer zeit klingt die bedeutung im rahmen von C 1
noch gelegentlich an: der adel ... erschlich sich oft gnaden und gunste, die ihm der bürger und bauer beneideten E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 103. C@44)
in gewissen anwendungen verlegt sich der schwerpunkt des sinnes von dem gewährenden subject auf das gewährte object: gunst
als summarischer ausdruck dessen, was (
substantiell)
angenehm, gut, nützlich ist: die eltern ... ihren kindern ... alle gunst und gutes schuldig sein J. Barth
weiberspiegel (1565) c 5
b;
gelegentlich specieller: wa wir deinen feinden etwas gonstes oder vorschubes beweisen Fischart
Garg. 342
ndr.; wo das subject nicht genannt wird, ist es oft noch latent vorhanden: jede gunst und jeder gewinn, die mich aufsuchen, nachdem ich Rahel verloren, kommt mir wie hohn vor Pückler
briefw. u. tageb. 3, 186,
doch kann es ganz zurücktreten: wenn es ging nach desz fleisches muth, in gunst und gesund mit grossem gut, gar bald werden wir erkalten Petri
d. Teutschen weish. (1604) 1, g 1
a; Strefon, muster deutscher gunst (
d. i. dessen, was gut deutsch ist), bild der alten redlichkeiten, meiner jugend tugendmodel Stieler
geharnischte Venus 11
ndr.; gering ding hat auch sein gunst (
sein gutes) Henisch 1781,
besonders seit in neuerer zeit auch das neutrum des adj. hereinkreuzt, gunst '
das günstige': doch wir (
die kundschafter) bringen wenig gunst Göthe 15, 1, 261
W.; da solche (
erfolgreichen) personen gewöhnlich den ort verändern und als reisende bald hier, bald da eintreffen, so kommt ihnen die gunst der neuheit zu gute
ebda 28, 185;
völlig eigenschaftlich: wenn etwa der finanzminister die gunst seiner amtlichen stellung benützt, um nebenher als privatmann gute geldgeschäfte zu machen W. H. Riehl
deutsche arbeit (1861) 229.
so von der gunst eines landes, klimas
u. a., d. h. von seiner guten wirkung auf den menschen: (
um) zugleich die gunst der seeluft zu genieszen, liesz er sich ... an den strand hinausfahren Storm
w. (1899) 6, 213; abhängigkeit von der gunst oder ungunst des wohnortes O. Peschel
völkerkunde (1874) 338.
die belege führen an die gruppe B 4
heran, die nicht immer scharf abzugrenzen ist. wohl eher hier als an B 6
anzuschlieszen in besonderem sinne '
ansehnlichkeit', '
schönes äuszeres', '
frische', '
kraft': ich vberkam wider die vorige gunst und gestalt des angesichts Nigrinus
von zäuberern (1592) 179;
speciell von pflanzen: der veilgen süsze gunst, der anemonen pracht macht, dasz die kluge frau oft in sich selbsten lacht Fleming
dtsche ged. 1, 60
lit. ver.; vgl. medulla peddich; der gunst
pomorum; das werck o. heden
i. flos lini voc. von 1517
bei Diefenbach
gloss. 353
c;
in der mundart: jonts
nährwert, saft und kraft in speisen, mark in knochen rhein. wb. 2, 1494; doa es de jonts us
von schalem wein, verdorbener speise, pelzigen radieschen, zu lange gekochtem fleisch ebda; dazu stimmt nnl. gonst '
kraft des düngers',
fruchtbarkeit des bodens woordenboek 5, 399; 1293. DD.
eine übertragung der empfindung B 3
auf die person des empfindenden ist der nicht an einen bestimmten rang gebundene titel euer gunst(en) (
vgl. als ähnliche bildungen euer gnaden, euer liebden): diese kurtze vormanung ... will ich euch meinen groszgnstigen herrn, beide stets regierenden burgermeistern ... dediciret und zugeschrieben haben, der meinung, das ewer gunsten ... solchem bel wehren und steuren wOellen Musculus
hosenteuffel 26
ndr.; bitte demnach ew. gunsten um gottes willen J. Prätorius
Katzenveit (1692) 86; ew. wohledl. hochw. und hochgelahrte gunsten Rist
sabbat. seelenlust (1651) 43; Balth. Schupp
schr. (1663) 620; 622.
gern mit synonymis: dediciere und zuschreibe (
ich) ewern gnaden, herrligkeiten und gunsten ... mehrgemeltes buch Hans Sachs 18, 6
lit. ver.; ewer gnaden und gunst Hutten
op. omn. 1, 418
Böcking; ewer gnad, gunst und frundschafft H. v. Cronberg
schr. 131
ndr. das alter der verbindung mit dem auch sonst verknüpften gnade
läszt daran denken, dasz der gebrauch parallelbildung zu euer gnaden
ist. in anderer weise hierher gunst
als '
anhang, parteigängerschaft': wer nun guete gunst, befreunte oder gfattersleit darunder (
unter denen, die die steuern veranlagen) hat, und dem man wol wil, dem wierts dest ringer, entgegen aim andern schwärer ... angesehen (
an steuern angerechnet) (
anf. d. 17.
jh.)
steir. taidinge, nachtr. 57; dasz du (
Luther) dise ding allein darumb einzühest, dir ein gunst und anhang damit zu erschOepffen Murner
an d. adel 36
ndr.; vgl. unten E
s. v. erzeigen; des was eyn in dem rade, geheten her H., de was van her Rubenauwen gunst, wente se hadden twe sustere to echte
Lübeck. chron. 2, 270
Grautoff. vgl. auch günstig
im gleichen sinne sp. 1129,
sowie gunstiger.
vereinzelte eindeutschung bleibt: mon favori mein liebster freund,
ma favorite mein gunst Stör
frç.-all.-lat. (1663) 1, 412
b. EE.
stehende verbalverbindungen. bei verben wie erlangen, erwerben, gewinnen
bevorzugt gunst
die ins passivische gewendete bedeutung B 6 ('
beliebtheit', '
ansehen'),
besonders wenn sie mit der präp. bei
verbunden sind. bei verben des gewährens wie erweisen, erzeigen, gewähren, schenken, tun
liegt die bedeutung C
nahe, vor allem wenn durch artikel oder pronomen (eine, die, diese gunst)
die einmaligkeit der handlung festgelegt wird. die verbindungen mit tragen, stehen
verlassen den bereich der bedeutung B 1—4
selten. am vielseitigsten ist gunst haben. jemandes (bei jem.) gunst
erlangen: (
sie) erlangen gunst und hulde des vatters Luther 10, 3, 137
W.; weil er mit dem befehlichshaber im hafen kundschaft gemacht und seine gunst erlanget hatte Bucholtz
Herkuliskus (1665) 2; er vergiszt nicht, vergiebt nicht, auch dann nicht, ... wenn man alles anwendet, seine gunst wieder zu erlangen Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 156;
im erotischen bereich (B 1 c,
bezw. C 2): zu dero (
concubine) schicken, mit vermelden, wie ir (
anr.) gegen iro, wegen ihrer schöne in brünnende liebe entzündet: ihr wüsten auch nichts under dem himmel, das ir nicht, ... allein ir gunst und liebe zu erlangen, gern thun welten J. Wetzel
söhne Giaffers 27
lit. ver.; zu B 6
neigend: darumb er dan ein grossen gunst bei meniglich erlangt Aventin
bair. chron. 4, 374
Lexer. jem. gunst
erweisen: wem gott will rechte gunst erweisen, den schickt er in die weite welt Eichendorff
s. w. (1864) 1, 237;
deutlicher im sinne C: mit welchem (
nachsichtigen verschweigen) ihr noch eine grosze gunst durch mich ... erwiesen worden Zendorius a Zend.
winternächte (1682) 641; es war das erste und letzte mal, dasz sie mir diese gunst erwies (
sie hat ihm einen kusz gegeben) Göthe 26, 331
W. (jemandes, bei jem.) gunst
erwerben: erwerbent der werlde und gotes gunst Hugo v. Trimberg
renner 17470
Ehrism.; durch solchen dienst und solche kunst erwarb sie so ein grossen gunst Murner
mühle v. 262
Albrecht; ich erwarb mir (
durch vorlesen) die gunst der frauen G. Keller
ges. w. 1, 252.
im erot. bezirk: (
die kupplerin:) o herr, all arbeyt ist umbsunst, zu erwerben der jungkfraw gunst H. Sachs 2, 5
lit. ver. im sinne von B 6: damit sie (
die hofleute) bey grossen potentaten gnad und gunst erwerben
buch d. liebe (1587)
titelblatt; auch mit sachl. subject: das industriecomptoir gab eine abbildung mit einigem text heraus, welche auch auswärts soviel gunst erwarb, dasz ... Göthe 36, 9
W. jem. gunst
erzeigen: sampt allen seinen anhangern und die ihm gonst erzeygen Luther 8, 695
W.; (
der könig) erzeigt scheinbarliche zeichen besonderer liebe und gunst gegen ihnen
Amadis 1, 255
lit. ver.; zu C: seinen freunden eine gunst über die andere zu erzeigen Ettner
medizin. maulaffe (1719) 4; ich grüsze dich, du einzige phiole! ... erweise deinem meister deine gunst Göthe 14, 40
W. jem. gunst
gewähren, vor allem zu C: die gunst (
d. i. ein kürzeres leben) gewähret ihm der gott Ramler
fabellese (1783) 1, 33; möge mir diese gunst des guten geschicks bald gewährt seyn Göthe IV 31, 56
W. jemandes, bei jem. gunst
gewinnen Mai und Beaflor 96, 35,
s. oben sp. 1112; meine besten geschichten ... gab ich ihm so nach und nach zum besten und gewann seine gunst dadurch H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 55;
zu B 6: kunst bei vernunft viel gunst gewinnt Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 322; dagegen haben seit einiger zeit denkwürdigkeiten von privatpersonen steigende gunst gewonnen Scherer
kl. schr. 1, 46.
im erot. bereich zu B 1 c: das ist ja, als wär er der Heiterethei zu gefallen im begriffe, ordentlich zu werden, und um ihre gunst zu gewinnen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 122. gunst
haben; jemandes gunst haben
von ihm geschätzt, begünstigt werden: got weiz wol, lieber vater mîn, swaz dû hâst an ir getâ
n. des soltû mîne gunst hân Rudolf v. Ems
gut. Gerh. 2864
Haupt; er sagt, er wer auch von der kunst und hett viel grosser herren gunst Fischart
Eulenspiegel 3261
Hauffen; Essex hat die gunst des volkes Lessing 10, 40
L.-M. im gleichen sinne, nur in älterer sprache gunst haben von jem.: (
manchen mannes) gunst, die er von rîchen und armen hât Hugo v. Trimberg
renner 2000
Ehrism.; solche satzungen, die von gott keinen gunst haben Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 204; du wirst glück und hayl haben und grossen gunst von teütschem land Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 6
ndr. —
in der bedeutung B 6 gunst haben bei '
gratia apud aliquem florere'
nomencl. in usum schol. (
Hambg. 1634) 230: (
er hat) bei des römischen künigs räthen ein grosen gunst gehapt
zimmer. chron. 4, 96
B.; 1, 583; 2, 521; als ob die fründ gotes ... minder ansehens oder gunst hetten bei got Hieron. Gebwyler
lob Marie (1523) 14
a; das bey etlichen gunst, das hat bey anderen ungunst Frisius (1556) 618
a;
deutlich auch bei unpersönlichem subject: das kleyn vyhe hat auch ein grossen gunst (
beliebtheit) zu den opffern der götter Eppendorff
Plinius (1543) 8, 81; das neue hat als solches schon eine besondere gunst Göthe 45, 179
W. — gunst haben zu, gegen jem.
wie gunst tragen
ihn schätzen, lieben; nur in älterer sprache: umme gonst und gnade, die wir hant zu dem erbern manne (
a. d. j. 1350)
hess. urk.-b. 2, 575
Wyss-Reimer; zu dir (
Helena) hab ich (
Paris) so hohen gunst Spreng
Ilias (1610) 38
b;
die präposition kann auch durch einen obliquen casus vertreten sein: doch hât sî mînem lîbe gunst der von Gliers
bei Bartsch
Schweiz. minnes. 205; (
der hund) hett trewlich dient bey seinen tagen, des hat der herr sein (
gen. object) gunst und gnaden H. Sachs 9, 230
lit. ver.; mein hastu weder huld noch gunst Spreng
Ilias (1610) 69
b. in gunst(en) bei jem.
stehen: Horatio ... hat bei ihm (
dem könig) in gunsten gestanden Göthe 22, 160
W.; die damals sehr in gunst stehende theorie der schwingungen (
des lichts)
ebda II 2, 210. gunst (zu) jemandem, gegen jemand
tragen; nicht über das 17.
jh. hinaus belegt: swer in (
den göttern) treit dienestlîche gunst Rudolf v. Ems
Barlaam 243, 36
Pfeiffer; zu B 1 c: nach der mein hertz ye thet verlangen, ir lang trug heymlich lieb und gunst H. Sachs 2, 28
lit. ver.; ich weisz nicht, woher eine jungfrau noch einige gunst zu euch tragen kan Happel
akadem. roman (1690) 248.
mit sachlichem object: er reitzet mich zu meiner kunst, zu der ich trag die gröszte gunst Herlicius
musicomastix (1606) 13
b. jemandem gunst
tun: dussem boden mode we gunste don unde senden on erliken to hus
ndd. Alexander bei P. J. Bruns
romant. u. a. ged. in altplattdtsch. spr. (1798) 361; thut mir die gunst und ...
notiert bei Ludwig
teutsch-engl. (1716) 821; o süsze brust, thu mir die gunst und fülle mich mit deiner brunst Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 411
b. FF.
präpositionale verbindungen. F@11)
aus gunst favore commotus: in welchem zweiffal ettliche usz gunst dem bapst (
von seinem rechte) zuo fil zuogeben, die andren alsz du (
Luther) usz ungunst dem bapst zuo fil understast zuo nemmen Murner
an d. adel 29
ndr.; wann entlich durch vernnftig kunst dem schöpfer dien ausz lieb und gunst Schwarzenberg
Cicero (1535) 155
d;
mit stärkerer betonung des unverdienten: mer ausz gunst dann umb verdiensts willen Wickram
w. 1, 47
lit. ver.; du hast aus unverdienter gunst auch manch gedichte hoch geschätzet Triller
poet. betracht. (1750) 4, 661; sogar dachkämmerchen werden nur aus gunst vergeben Göthe IV 21, 342
W.; '
freiwillig': haben ... zuoletst williglich auss gunst die statt wider von sich geben W. Xylander
Polybius (1574) 84;
auch: gratis, gratiose ausz lauterem gunst, umbsunst Calepinus
XI ling. (1598) 627
b: dis schencket sein gnad gar umsonst dem Thedel nur aus lauter gunst Thym
Thedel v. Wallm. 1648
ndr. '
parteilich' (
s.B 5): da mancher ausz gunst seine zeche (
bergwerk) mit listen und fristen erhelt Mathesius
Sarepta (1571) 59
b; da die saczmeister (
schätzmeister für preisfestsetzung) hinlässig oder aus gonst was über die billichait zuegeben und underlassen wolten (
a. d. j. 1585)
salzbg. taidinge 163; da sey der himmel vor! dasz ich aus gunst ... einem mädchen den kranz zuerkennen ... sollte
theater der Deutschen (1768) 12, 380.
zu gunst A ('
erlaubnis'): hochwirdiger in got vater, gnediger her, ausz ewer gunst wil ich diszen hern auch fragen
bei O. Clemen
reformationsflugschr. 1, 73 (
vgl. sonst mit gunst
unten 4); ain endurtail ... von wegen ains tribs (
triebrechtes), den die pauren wolten haben in sein holtz wider seinen willen, dan er brieff und sigel von in hett, dasz si aus gunst (
nur erlaubter maszen, d. h. widerruflich) darein triben (
a. d. j. 1516)
chron. d. dtsch. städte 25, 50. F@22)
nach gunst parteilich, willkürlich (
vgl.B 5): die got nit vor augen haben und nach gunst und irem muotwillen regieren Geiler v. Keisersberg
hellisch lew (1514) 23; so strafft auch die obrigkeit bissweilen nach gunst und ansehen der person
theatr. diabolorum (1569) 261
a; es geht nach gunst v. Fleming
soldat 152; (
da) der kaiserliche hof auch mehr nach gunst ... urteilte Eichhorn
dtsch. staats- u. rechtsgesch. (1822) 3, 112.
auch in der mundart: et gêt na gunst un gbe
ungerecht Woeste-Nörrenberg 87; 't geht alles der gonscht no
lux. ma. 150. F@33)
durch gunst; der erste beleg ohne rechte sinnschwere im reim: durch liebe, durch gâbe, durch vorhte nieman sol pfaffen wîhen noch pfarre lân denne durch got, durch zuht, durch kunst, durch ordenliches lebens gunst Hugo v. Trimberg
renner 2746
Ehrismann; '
aus gefälligkeit': twintech marc lovdeghes silveres, de de selve biscop Otte ovs dor lEive und guonste hevet to borghe gelEighen (
geliehen)
urk. z. gesch. d. herz. v. Braunschw. 1, 227
Sudendorf. später der function einer zusammengesetzten präposition sich nähernd, '
durch das wohlwollen jemandes', '
mit hilfe'
: per favore durch gunst Hulsius
teutsch-ital. (1618) 143
b; doch ist er bald hAernach durch der hteren gunst entrunnen H. Pantaleon
mitnächt. völck.-hist. (1562) 1, 250; bis sie durch gunst des himmels ... zu der schön- und vollkommenheit gebracht worden Schottel
haubtsprach 38; (
dasz wir) durch gunst irgend eines gottes auch in den anfang ... der gerechtigkeit scheinen eingeschritten zu sein Schleiermacher
Platons w. (1804) 6, 258;
mit instrumentalem gehalt (
lat. entspräche '
per',
bezw. abl. instr.): die schönen Pierinnen, die nun durch Opitz gunst auch hochteutsch reden können Fleming
dtsch. ged. 1, 60
lit. ver.; so bleiben diese drey (
freundschaft, klugheit, tugend) mit treu verbunden frey durch gunst der schreiberey Harsdörffer
secretar. 1, (a) 2
b,
ähnlich gelegentlich auch mit gunst,
s. 4 c. —
anders zu C 1 '
durch vergünstigung': (
man) kan ... mit einem eydt darvon kommen, durch gunst oder vorbitte Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594) 21. F@44)
mit gunst,
in verschiedener bedeutung formelhaft. F@4@aa)
zu B '
gnädig', '
wohlwollend': der alle flust erkennet, und der hœhest ist benennet? der neme mîn dâ mit günste war Wolfram
Willeh. 122, 13; ihr wolt (
hortativ) mit gunst uns nemen an Dedekind
papista convers. (1596) a 1
a; gar zwo göttinnen sind dem Menelas mit gunsten zugethan Bürger
w. 156
a Bohtz. '
eifrig, fürsorglich': die muter hett irem sone (
dem Äneas) geben ein geziertes hare und ein rosentlichen schein der jugent, und hett ime geben mit gunst ein frolich angesicht
M. v. Kemnat
chron. Friedr. I. 16
Hofmann; im sinne von '
gern', '
bereitwillig': sol diu rede stæte sîn, als uns sagete Kâedîn, so gebe wir s' (
die eltern die tochter) iu mit guoter guns Ulrich v. Türheim
Tristan 187
Golther. wöliches (
ansinnen) mit gutem gunst und als der billichkait gemes beschehen (
Augsbg. mitte 16.
jh.)
chron. d. dtsch. städte 34, 151;
ähnlich: übe dich zum tüchtigen violinisten und sei versichert, der capellmeister wird dir deinen platz im orchester mit gunst anweisen Göthe 24, 51
W. F@4@bb)
meist zu A, '
mit billigung, mit erlaubnis'.
aber in der auffassung leicht von B
zu beeinflussen; bald von ausdrücklicher ermächtigung, bald mehr als beipflichtung, (
stillschweigendes)
einverständnis: ich wolde man und darzuo wîp und ander dinc vil gerne sehen, möht ez mit dîner gunst geschehen Rudolf v. Ems
Barlaam 29, 24
Pfeiffer; desz solte er mit gunst und zuegebung ainer ganzen nachbarschaft, mit derselben bewilligung thuen (
a. d. j. 1655)
steir. und kärnt. taidinge 8.
von B
aus gefärbt: daz ich han virkauft mit gudir gunst hern Rychartis (
des mitbesitzers) ... dri maldir korngeldis gudis rockin alle jar uz unseme habe (
a. d. j. 1349)
hess. urkundenb. 2, 566
Wyss-Reimer; da es uns denn mit gunst unserer leser wohl erlaubt sein wird, uns über diese gegner ... lustig zu machen Göthe II 2, 268
W., vgl. der günstige leser
sp. 1030.
häufig gepaart mit willen:
libentissimis omnibus mit yedermanns gunst und willen Maaler
sprachsch. 198
c; daz die selbe suone und richtunge mit unsrer aller gunst, wissende und willen beschehen ist (
a. d. j. 1368)
stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 32
Merk; (
dasz der bürger) kein ander ... burgerrecht ... hab noch an sich neme denn mit des rats gunst und willen
Nürnberger polizeiordn. 25
lit. ver.; mit unsern gunsten seis, mit unserm willen, wer schauen will, was wir verhüllen Göthe 15, 1, 165
W. stereotyp wird die formel seit dem 16.
jh. gebraucht, um eine unschickliche äuszerung abzuschwächen (
vgl. mit verlaub): lag er da in einm rinstein tieff in schlam und dreck (mit gunst) und schlieff Hollonius
somn. vitae 95
ndr.; allein wer so viel friszt, der musz mit gunst! auch viel hofiren Bürger
w. 27
b Bohtz; war eine reiche fraw, die war von jugendt auff ein grosse ... huor gewesen, mit gunst der frommen weyber Lindener
katzipori 144
lit. ver.; formelhaft erweitert: (
da) schisz er mit gunst, wissen und willen in den zuber
ebda 72.
ähnlich verbal: mit gunst zu reden
ne vous desplaise Hulsius-Ravellus (1616) 148
a; do gab ihr Clawert (mit gunst zu melden) seinen hosenlatz in die hand B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 19
ndr.; mit gunst gesagt Rachel
sat. ged. 66
ndr. auch als redeeinleitung: gros wunder mus ich sagen fry, mit gunst zu melden von aim bry, der droben inn dem Schwizerland noch dan gekocht von wiber hand ... ins Elsas chon ist diser frist Fischart
glückh. schiff 34
ndr.;
vor allem in höflicher anrede Chr. Weise
drey klügst. leute (1675) 174; mit gunst und urlaub, gnädiger herr landsmann! ... wir kommen her, ob ihr die gutheit hättet und gäbt uns etwas geld Grillparzer
s. w. 6, 84
Sauer; seit dem 18.
jh. daneben gern bei einwänden, entgegnungen u. a.: mit gunst, don Cäsar. ich war euch stets mit neigung zugethan, ... doch ...
ebda 1, 7; doch wenn ichs nehme (
das geschenkte buch), grundgelehrter mit gunst: musz ich es dann auch lesen? mann, Lessing 1, 34
L.-M. die formel hat sich neben vereinzelter mundartlicher bezeugung (
etwa Jecht
Mansf. 44
b; Rother
schles. sprichw. 174)
bis heute gehalten als stehende höflichkeitsfloskel der handwerkersprache: '
anrede wandernder handwerksgesellen ihrem handwerksmeister gegenüber, wenn sie um arbeit oder das geschenk
bitten' Wander 5, 1384; Rother
schles. sprichw. 257
b; biszweilen gebrauchen sich die bergleute bey ihren zusammenkunfften auch wohl dieses gruszes: glück auff! alle mit einander ... mit gunst bin ich auffgestanden, mit gunst setze ich mich wieder nieder Chr. Herttwig
neues u. vollk. bergb. (1734) 187
a; dasz ein reisender handwerkspursch nicht einmal seinen hut abnehmen darf, er thue es dann mit gunst B. Mayr
päckchen satiren (1769) 108; Baumeister
zimmermannsspr. 68. F@4@cc)
vereinzelt wie das instrumentale durch gunst,
s. 3: ein guoter nachbar, mit gunst (
vermöge) seines handtwercks ein flycker der schuoe und pantoffel Lindener
katzipori 114
lit. ver. F@55)
ohne gunst ohne erlaubnis, einwilligung: der was der erste, der ... zuo keiser wart on des senatus gunst (14.
jh.)
chron. d. dtsch. städte 8, 28; Esau ... nimpt zwey weiber ane gunst und willen der eldern Luther 14, 358
W. F@66)
zu gunst(en), auch in éin wort zusammengerückt. F@6@aa)
im anschlusz an B
besonders in älterer sprache '
zum wohlgefallen, zu liebe': nachtbchlein, darinnen vil seltzamer ... historien, ... allen denen zu lieb und gunst, die gern schimpflich bossen lesen oder hören Val. Schumann
nachtbüchl. 1
lit. ver.; nit ze smaichen noch liebzekosen, nit zuo gunst den lewten noch zuo gefallen der weld Berth. v. Chiemsee
theologey 101
Reithmeyer; salvey, ein kraut, ... ward meinem vater zu gunsten an die meisten schüsseln gelegt, die meine mutter anrichtete Hippel
lebensläufe (1778) 2, 637.
in diesem sinne wohl auch der älteste beleg: dan die heilige kirchen und wir (
die obrigkeit) die judischheit nicht in zu gonsten, sunder dem gleubigen folckhe zu einem gedechtnisse der türen marter unsers herren ... behalten (
in der stadt dulden) (
a. d. j. 1434)
chron. d. dtsch. städte 5, 375.
in verbalem zusammenhang weniger functionell: disz erste theil (
des buches), das wir dem leser zu gunsten befohlen haben wollen Thurneyszer
magna alchym. (1583) 144; empfehlen sie mich ... zu gnaden und gunsten Göthe IV 20, 191
W. s. auch zu gunst haben
oben C 3. F@6@bb)
seit dem 18.
jh. im anschlusz an C 4 '
im interesse, zum nutzen, besten jemandes',
eigentl. '
auf das zielend, was für das obj. von vorteil ist': im weiten kreise rechtlicher erfahrung schaust du zu meinen gunsten um dich her Göthe 10, 340
W.; eine regung zu des prinzen gunsten, dem das gesetz die kugel zuerkannte H. v. Kleist 3, 106
Schmidt; dem kaiser selbst versagten wir gehorsam, da er das recht zu gunst der pfaffen bog Schiller 14, 327
G.; das geheimnis des hauses war auf eine seltsame weise gelöst, und zwar nicht zu gunsten meiner nachtruhe (
da er nicht schlafen kann) H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 118. —
oft mit einem psychologischen accent '
dahin zielend, dasz etwas anklang (B 6)
finde': dieser (
vorschlag) ware, dasz wir uns bereiten wolten, die meinung der stadt zu widerfechten, die über den punkt der schönheit regiert, und (
diese meinung) durch gewisse practicken ... zu verändern und zu gonsten unserer gestalt und forme (
d. h. auffassung) zu disponieren
discourse der mahlern (1721) 2, 158;
besonders bei ausdrücken des sagens und denkens: die vorurteile zu gunst der Hofmannswaldauischen schreibart Bodmer
bei Wernicke
poet. vers. (1763) 10; sage mir ein wort über dieses büchlein: denn du wirst leicht übersehen, was ihm zu gunsten und zu ungunsten spricht Göthe IV 23, 198
W.; den ausführungen des herrn abgeordneten ... zu gunsten seines antrages Moltke
schr. u. denkw. (1892) 7, 88; dasz sich zu gunsten der adelsinstitution nichts vorbringen läszt
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 2.
die formel liebt anwendungen, die ein wechsel-, austauschverhältnis ausdrücken: wie löst dem reiche gottes zu gunsten der staat, der von dieser welt ist, sich auf? Fichte
s. w. (1845) 4, 592; die abdankung des königs zu gunsten des grafen von Paris A. Ruge
briefw. u. tagebuchbl. 2, 7
Nerrlich; (
er) liesz sich solche huldigungen gern gefallen, ermangelte aber andererseits nie, natürlich nur zu gunsten neuer malicen gegen Krach, seinen schlauheitstriumph über diesen ... in abrede zu stellen Fontane
ges. romane u. novellen (1890) I 7, 117. —
mehr auf das resultat gesehen (
vgl. günstig
sp. 1133): im ganzen jedoch fiel das resultat zu gunsten des examinanden aus W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 108; das haus der römischen imperatoren, welches in dem gegensatz der religionen die entscheidung zu gunsten des christentums gegeben hat Ranke
s. w. 8, 5.
banktechnisch: nachricht von 2 assignationen, jede zu 400 thlr. zu gunsten Haides Göthe III 5, 224
W.; die reichsbank überweise zu lasten meines girokontos ... dem girokonto von herrn N ... zu gunsten von herrn N.
N. reichsbanküberweisungsscheck; zu ihren gunsten sind eingegangen. GG.
zusammensetzungen mit gunst-
erscheinen vereinzelt schon im 15.
jh.: consensus verhennusz
vel gunstgebung
obd. glossar bei Diefenbach
nov. gl. 109
b;
faudicus (
i. palpanista '
schmeichler') gunstsagiger
voc. theut. (1482
Nürnberg)
bei Diefenbach
gl. 227
c;
sie sind aber noch im 16.
jh. nicht eben häufig zu belegen, vgl. unten gunstbrief, -freund, -hantierung, -los,
adj., -recht, -reich,
adj. -wind.
das 17.
jh. dagegen bringt eine fülle allerdings vorwiegend occasioneller bildungen hervor. —
es sind mehr oder weniger alle bedeutungen des simplex vertreten; beispiele für die gruppe B 1
geben gunstbändlein, -gemerk,
speciell für B 1 c -tränklein, -zeichen,
für B 2 -gemüt.
es überwiegt aber bei weitem die sphäre von B 3,
s.gunstbewerbung, -genosse, -strahl, -wind,
insbesondere auch in abschätzigem sinne: gunstbettler, -diener, -jäger, -sklave. gunst B 5 ('
willkür')
erscheint in gunsthantierung, -prediger, B 6 ('
beliebtheit, ansehen')
in gunstreich
adj. 2, -sucht. gunst A
bzw. C
führt zu rechtssprachlichen bildungen wie gunstbrief, -brunnen, -geld, -hafer, -hut,
vgl. auch gunstrecht.
charakteristisch besonders für die sprache des barock sind bildungen, in denen gunst-
im anschlusz an B
das erwünschte, zum guten wirkende des an zweiter stelle componierten begriffes ausdrückt, vgl. z. b. gunstblick, -geist, -stern, -wetter, -wind;
bezeichnend für diese zeit ist auch die gruppe gunstgeneigt, -gewogen, -gewogenheit, -neigung, -zuneigung,
vgl. dazu unten sp. 1131. —
bildungen wie gunstausteilung, -beweis, -bezeigung, -bezeugung, -erweis(ung), -erzeigung,
alle im bereich von C,
ähnlich auch -zeichen,
haben ihre ursache vor allem in dem bedürfnis nach einem ersatz für den wenig gebräuchlichen plural, s. sp. 1105;
sie sind seit dem 17.
jh. belegt. —