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trillen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trillen vb.

Bd. 22, Sp. 517
trillen, vb. , neben drillen (s. d. in teil 2, 1410). zu grunde liegt aus der idg. wurzel *ter- 'drehend reiben' erweitertes germ. *þrel, das mit der zu drehen gehörigen wurzel *þrē eng zusammengehört, s. Walde - Pokorny 1, 729; Kluge etym. wb. 11114. zu vergleichen ist das ablautende part. prät. mhd. gedrollen und das adj. drall. in älterer sprache häufig, nicht selten aber bis in die jüngste zeit mit fortisanlaut, vgl. hierzu Paul dtsch. gramm. 1, 324; teil 2, 642; 11, 1, 1. eben dieser häufige anlaut läszt erwägen, ob in 1trillen nicht ein dem untenstehenden 3trillen (sp. 520), entsprechendes hochdeutsches wort miteingeflossen ist.im alem. öfter mit gerundetem vocal: trült (3. p.) Straszburger hausratsgedicht v. j. 1514, b 3a; trüllen, getrüllet S. Bürster schwed. krieg 7 Weech; trüllen Dentzler clavis (1716) 2, 291b; trüllte (3. p. prt.) Seiler Basel 86b, vgl. Vetsch appenzell. § 91 e. aus dem nd. entlehnt sind norw.-dän. drille 'mit dem drillbohrer bohren, necken, foppen', älterdän. auch 'soldaten üben'; schwed. drilla 'bohren, necken, quälen', s. Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1, 155, Hellquist svensk et. ordb. 101. im folgenden nachträge zu drillen in teil 2, 1410. 11) 'herumdrehen' in verschiedener anwendung: bis ich endlich die (töpfer-)scheibe selbst herumb trillen und eins und anders darauf formiren konte Grimmelshausen Simpl. (1684) 3, 468; dasz ich vermeint hätte, das centrum der erden wäre inwendig hol, in welchem holen theil die Pigmei wie in einem kranrad herum lieffen und also die gantze erdkugel herum trilleten ders. 2, 76 Kurz; (Bacchus im triller) trille! trille! blind und dumm, taub und dumm, trillt den saubern kerl herum! Schiller 1, 212 G.; schon funkelt der mond, schon trill'n sich die sterne v. Nachersberg giftkocher (1798) 3; ein tüchtiges kammrad in der walkmühle des staats sein und (ich bleibe in der metapher) haspeln und sich trillen lassen E. T. A. Hoffmann 1, 32 Grisebach; oft von wetterfahne und wetterhahn: horcht, wie der wind die fahnen trillt E. Fr. Hübner verwandlungen (1791) 3, 151; die knarrende wetterfahne trillte ein heftiges sturmwind Rebmann empfinds. reise nach Schilda (1793) 176; (der sturm) trillte mit wildspielendem finger die verrosteten wetterhähne und fahnen und lachte schrillend in ihr geächze O. Ludwig (1891) 1, 359. 'zusammendrehen', von fäden, schnüren u. s. w.: [] und clötzlin fiere, damit man schnür trült und die schnür macht an der gagelremen (um 1514) Straszb. hausratsged. b 3a (drucke u. holzschn. des 15. u. 16. jh. 2); was sie eifrig schilt mit dem armen zwirne! künftig selbst getrillt deinen knaul, du dirne J. H. Voss (1802) 5, 17; indem er (der seilermeister) längs der klostermauer, rückwärts gehend, werg aus seiner schürze spann, und weiterhin der knabe trillte die schnur mit dem rad Mörike (1878) 2, 145; anders garn trüllet sich zusammen läuft schneckenartig zusammen Stalder schweiz. 1, 313; rotwelsch: trillen 'spinnen', s. Grolman wb. d. spitzbubenspr. 72a; Train chochemer loschen 126b. 'zwirbeln', vom bart: der ander striche den knöbelbart, der dritte trillete den bart wie jener capitain seine drey soldaten Moscherosch gesichte (1650) 1, 148; vgl. 2, 208. uneigentlich: das schicksal, das uns alle wacker herumtrillte Schiller briefe 3, 345 Jonas. herauszuheben ist vereinzelter intransitiver gebrauch: doch nicht hör ich, dasz die fahne auf dem thurme trille und der wipfel der platane deutet völlge stille Fr. Rückert (1867) 2, 424; 'sich drehen', 'schwindeln': muszte, um zu vertreiben die grillen, darvon mir thät der kopf noch trillen, den leib auf alle weis berathen, mir holen lassen so wein als braten Schelling epikur. glaubensbek. Heinz Widerporstens, bei Plitt aus Schellings leben (1869) 1, 282. 22) bedeutungen, in denen das moment der drehung mehr oder weniger verblaszt ist. 2@aa) von verschiedenen heftigen bewegungen: und hätt ihn sicher — denn er zielte gut — der wüthge streich vom rosz herab getrillt, wenn Klarion, der wieder umgekehret, dazwischen rennend, nicht das spiel gestöret G. Regis Bojardos verliebter Roland (1840) 115; es hatte ihn aber schon ein anderer gepackt, der ihn nun zur himmelsthür hinaus trillte Aurbacher ein volksbüchlein (1835) 76; intransitiv 'heftig eindringen': und Rodamont, weil er zuvorderst war, traf mit dem speer den Mainzer graf im schilde, dasz er zerbarst, und durch den panzer gar des königs eisen in die seit ihm trillte G. Regis Bojardos verl. Roland 255; mundartlich: trillen einem dinge einen stosz geben, dasz es in die höhe springt; prellen Lexer kärnt. 70; 'schlagen, balgen' Loritza id. Vienn. 133. 2@bb) reflexiv, wie trollen, vgl. drillen 10: lauf und schaff! trill dich und troll dich! G. Regis Rabelais (1831) 1, 18. 2@cc) trillen 'futuere' in einem stammb. v. j. 1752 bei Kluge studentenspr. 87. 33) in der älteren militärischen sprache trillen 'in waffen üben', 'abrichten', von soldaten, s. Horn soldatenspr. 75: was solstu dich viel mit der kriegsdisciplin hudlen, mit trillen, mit brillen Joh. Jak. v. Wallhausen kriegskunst zu fusz (1615) 18 (s. 13 drillen und brillen); darzue man dan in dem closter aigne hauptleut, leutenambt, caprel (corporäle) und dergleichen erfahrne befelchshaber, solche (mannschaft) zue trüllen und abzuerüchten, erhalten Seb. Bürster schwed. krieg 7 Weech; anderthalb tausend oder mehr man, wohl bewehrt, ... die man ... gemustert, getrüllet und abgericht ebda; das jährliche exercieren und trillen aber der in ausschusz begriffenen compagnien (1662) bei Diefenbach-Wülcker 877; sie aber wurden alle tage etliche stunden von unsern rittern im gewehr geübet und getrillet Bucholtz Herkuliskus (1665) 643; auch intransitiv: pulver underhanden zu geben, damitt er es den soldaten, do sie wider trillen sollen, austheillen könte Egerer stadtbücher (1619) in: deutsche mundarten 1, 382 Nagl; vgl. auch: de compagnie drillet Richey id. [] Hamborg. 360; landschaftlich währt die bedeutung bis ins 19. jh.: Anne Mareili war getrüllet und hatte daher etwas von einem soldaten an sich, der auch z'weg sein musz und nichts vergessen darf, wenn die trommel geht oder es heiszt, der feind ist da. darum trüllet man die soldaten im frieden und wenn getrüllet wird, so ist das eben nur trüllen und nicht kriegen J. Gotthelf (1855) 13, 257; die bedeutung wird aber im schriftdeutsch des 18. jh. schon als veraltet empfunden: trillen ist eigentlich ein militarisches wort und bedeutet so viel als das heutige exercieren Lessing 7, 403 L.-M. (wörterbuch zu Logau); dafür bekommt trillen den beigeschmack eines übertriebenen soldatischen schliffs: (Boyen über die landwehr:) dieses hintansetzen der schieszübungen gegen das exercieren und die paradedressur betrübt mich recht tief, denn es ist ein sicherer beweis, dasz eine praktische kriegesansicht sich immer mehr von unseren augen entfernt ... nicht allein, dasz eine armee, die innere schieszfertigkeit hat, viel kriegsbrauchbarer ist als eine blosz mechanisch getrillte (dazu der prinz von Preuszen:) verfasser reitet nun einmal auf dem thema des trillens sehr gern und nennt alles mit diesem ekelnamen, was doch nur soldatendressur ist im gegensatz mit bauernhaltung Wilhelm I. militär. schriften (1897) 1, 358. 44) quälen, miszhandeln: alle ding moste schein na ereme willen, eder se wolden de lude drillen Braunschw. schichtb. bei Schiller-Lübben 1, 575; (Triller hat den namen, weil er Kunz von Kaufungen) mit seinem schürbaume weidlich getrillet hat (1743) allg. dtsch. biogr. 38, 608; hexe: hu! ich will ihn trillen, zerren, kraus wie heu und hotzeln dörren! Bürger 288 Bohtz (Macbeth I 3); im 17. jh. blüht das bauerntrillen: da ich sowohl das geschrey der getrillten bauren als das gesang der nachtigallen hören konte Grimmelshausen Simplicissimus 18 ndr.; wir teuffel sind so albar nicht, dasz wir uns wie die einfältige bäurlein betriegen, trillen und trüblieren lassen Moscherosch gesichte (1650) 1, 397; wann ein baur nicht getrillet wird, nutzt er nicht; der beste darunter ist ein schelm alamod. technol. interim (1675) 344; Fortuna, die alte strunsel, wäre das alleinige weib, das ich mit wollust trillen und foltern sähe H. Eulenberg neue bilder (1912) 38. milder, 'belästigen, anhaltend anliegen, plagen' u. ä.: wen man am schwächsten findt, den trillt, den schabt, den neckt der herr, die fraw, das kindt W. Scherffer d. grobianer (1840) 59; ein alt pädagogmagistral pflegte als in meiner jugend suo tempore zu sagen: der schlüngel ist noch jung, er wird noch lernen. hier aber ist oleum et opera, hopffen und maltz, verlohren. man ist mit den albern kerlen wohl getrillet und geschoren alamod. technol. interim (1675) 454; (Jäckel, Harlequins famulus:) ja ich bin wohl recht getrillt, da musz ich stets rum lauffen, dasz der Harlequin nicht schilt, und kriege nichts zu sauffen Chr. Reuter Harlequins hochzeitschmaus 82 ndr.; küssen leidet keinen zwang, denn es kömmt aus freyem willen, und ein junggeselle fehlt, wenn er will ein mägdgen trillen, dasz sie sich soll küssen lassen Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 441; (das mädchen läszt einen burschen nicht ein) es hilft nix und dernd (dient, nützt) nid, wannst no a so trillst, denn du bist mir viel z' loder (leichtsinnig), magst anhöbn, was d' willst A. Schosser naturbilder (1850) 68; Habernickel trillt mich wegen einer schuld von 40 rthlr. Bürger briefe 1, 92 Strodtmann; öfter trillen um etwas: auszerdem trillte uns Schäfer unaufhörlich um geld Laukhard leben u. schicksale 5, 228; die frau hauptmann von U. ... trillt mich um ein buch zum lesen und ich habe keins Bürger briefe 1, 139 Strodtmann; der junge hat mich recht getrillt um das buch Berndt sles. id. 143. verinnerlicht: [] bald bin ich gesund, bald krank, bald laut, bald stille, ich hoff und bald wieder wanck und mich so trille Voigtländer oden und lieder (1642) 12; (die frau liegt mit einem anderen im bett) ich erschrack, als ob ich vom wetter gerühret ... es trillt mich wohl ein wenig, aber was hilffts? ich habe alles von ihr, drumb musz ich schweigen pedanthischer irrthum (1673) 78. 'narren', 'schabernaken' o. ä.: sie (die knappen) sahen, dasz sie einer mächtigen zauberin in die hände gefallen waren, die sie auf mancherley art trillte und foppte; doch half hier nichts als zum bösen spiel gute miene zu machen Musäus volksmährchen (1804) 1, 196; er hatte viel abenteuerliche geschichten von ihm (Rübezahl) gehört, wie er zuweilen die reisenden getrillt und gehudelt ... habe 1, 36; konnts ... nicht länger aushalten zu denken, dasz der aff sein narrenspiel mit mir treiben und mich trillen wollt ders., physiogn. reisen (1778) 3, 4; zuerst die erklärung, dasz alle streiche des heutigen tages ... von mir herrühren. ich habe getrillt und bin getrillt worden. versöhnt euch! Immermann 14, 49 Boxberger. 'verspotten': so schoneten sie auch desz kaisers Vespasiani nicht, sondern trilleten seine person und kargheit in ihren komödien wunderlich J. G. Harant d. christl. Ulysses (1678) 786.
11056 Zeichen · 194 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trillen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Trillen , von drehen, S. Adelung Drillen .

  2. modern
    Dialekt
    trillen

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    trillen (s. drillen) tre·l.ə vereinz. Erk-Keyenbg schw.: einen, an einem tr., lästig bitten. — Abl.: der Triller.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trillen

13 Bildungen · 4 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von trillen 2 Komponenten

tril+len

trillen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trillen‑ als Erstglied (4 von 4)

trillenbuch

DWB

trillen·buch

trillenbuch , n. , in älterer kriegssprache dass. wie ' exercierreglement ': ( buchtitel ) trillenbuch oder waffenhandlung ( Frankfurt 1608)…

trillenmeister

DWB

trillen·meister

trillenmeister , m. , dass. wie trillermeister, einer der die soldaten abrichtet, a. d. j. 1627 bei Th. Knapp neue beitr. z. rechts- u. wirt…

trillenspieler

DWB

trillen·spieler

trillenspieler , m. , umherziehender veranstalter des trillspiels ( s. trillspiel, sp. 538), eines glücksspiels nach art des glücksrades: un…

trillentreiber

DWB

trillen·treiber

trillentreiber , m. , eine abschätzige bezeichnung: als nun dieser verleumder vorgelassen worden, hat er einen bekandten vornehmen edelmann …

trillen als Zweitglied (7 von 7)

Úmtrillen

Campe

Úmtrillen , v. trs . ich trille um, umgetrillt, umzutrillen , schnell im Kreise umdrehen. Mahler. D. Umtrillen. D. — ung .

abtrillen

DWB

abt·rillen

abtrillen , fraude auferre: wenn er ( unser wille ) nicht durch ermahnung und abmahnung getrieben und abgetrillet wird. Simplic. 1, 50. rich…

tripstrillen

DWB

trip·strillen

tripstrillen , vb. , ' sich töricht, närrisch benehmen ': er ward böse: dripsdrillen und kein ende! ob nicht alle mädgen thun, als schämten …

umtrillen

DWB

umtrillen , -trüllen, vb., trennbar, um einen mittelpunkt, eine achse herum-, umherdrehen; circumvolvere umbwicklen oder umbtrüllen, rolen, …

vertrillen

DWB

vert·rillen

vertrillen , v. , schriftsprachlich vereinzelt, unnütz hinbringen, vertrödeln: ein dummes mägdechor ... verklappert und vertrillt ... den ta…

Ableitungen von trillen (2 von 2)

Ertrillen

Campe

Х Ertrillen , v. trs. s. Erdrillen.

vertrillen

DWB

vertrillen , v. , schriftsprachlich vereinzelt, unnütz hinbringen, vertrödeln: ein dummes mägdechor ... verklappert und vertrillt ... den ta…