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kreischen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kreischen

Bd. 11, Sp. 2153
kreischen , grell, scharf schreien, ein mitteld. wort (nicht östr. bair. schwäb. schweiz.), schon bei Jeroschin: dâ si (die gespieszten kinder) der pîn enzwischin zabiltin unde krischen. 1603, also krîsche kreisch gekrischen starkf., wie noch am mittlern (Schm. 2, 395) und Niederrhein, westerw., wetterauisch, hess. (vgl. auskreischen 1, 897), westthür., henneb. (s. Fromm. 2, 287. 282), siebenb. (Schröer 73a) und nd.; auch altnrh. kreisch praet. Karlm. 163, 4 (plur. praet. kreischen Harff pilg. 33, 21). dazu als subst. durch den ganzen ablaut krîsch, kreisch und krisch m. Ebenso mnl. crîschen, praet. crêse hor. belg. 3, 83. 82. altd. bl. 1, 210 (dem. crîschelen das.), nnl. krijschen kreesch gekreschen (doch auch schwachformig), und nd. krîschen krêsch (kreisch) ekrêschen Schamb. 113a, Dähnert, Danneil, krîsken brem. wb. s. darüber krähen a. e., auch kreuschen, kröschen, krieschen, kreitschen. 11) von menschen, thieren. 1@aa) in den formen kreischen, kreischet u. dgl.: ich kreisch, κρίζω. Alberus q 1a etymologisierend; hörten sie überall heulen, weinen, weheklagen, kreischen, das ihnen nicht anders dauchte, denn er in der helle were. Henneberger pr. l. 47; hie billet einer von der messe, hie kreischet der ander von guten werken. Luther 4, 382b (1556 423b); dort kreischet Brand von Bern wie ein fuchs. das.; ropfte mich am wambs und hosen, mit kreischen und rufen hieher Wälscher u. s. w. Philander 2, 58; dasz eh ein kreischend ross soll durch die wellen gehn, wenn sie in höchstem zorn die sternen fast besprützen, als iemand (mich treulos befindet). A. Gryphius 1, 393; kreischende bewunderung. Lessing 7, 119; ihre gegner fangen immer mehr an über ihr journal zu kreischen, dasz es sich verschlimmere. Herders lebensb. I, 2, 373; ich hörte die eule schrauen und die heimchen kreischen. H. L. Wagner Macbeth 44; wankte sie hin, vor dem frosch, der emporsprang, jüngferlich kreischend. Voss Luise l. h. 1, 134; die rohen kreischenden töne des weltwesens. Göthe 25, 191; die messe tobt und kreischt. Göthe und Werther 218; während der bischof in kreischendem tone die benediction sang. Bronner leben 3, 172; er entwich ... dem kreischenden gedränge (des maskenballs). J. Paul Tit. 2, 106; die männer jauchzten, die mädchen kreischten (beim hochzeittanze). Immermann Münchh. 3, 61; mit wildem, kreischend lautem lachen. Chamisso 4, 23; in den lauten eichenwäldern ... wo der falk noch kreischen kann. Rückert 20; im kreischen dieses aars, mags auch die sinne stören, ist für die seele doch ein süszer klang zu hören. Lenau neuere ged. 39. bildlich, z. b. vom meere: es gähnt die nacht, es kreischt das meer. Heine romanzero 83. 1@bb) praet. krisch, part. gekrischen: sie rissen und krischen wie zween wilde bärn. Soltau 2, 4. Ambr. lb. 215, 9; als sie bei dem hochgericht vorüber gingen, schrien oder krischen die raben. Weidners Zinkgref 3, 210; du lumpigter flegel! krisch er, ich will dich lernen meinem hund begegnen! Stilling jug. (1779) 49; sie krisch convulsivisch. ders. leben 4, 22; hierauf kehrte das jungvolk in den ort zurück, während alle laut krischen, zum zeichen ihrer trauer über die begrabene kirmes. Schmitz Eifel 1, 50; die brautthränen müssen gekrischen werden, die braut die sie nicht vor der hochzeit kreischt, musz sie darnach kreischen. Eifeler sprichwort das. 180, s. dazu e. der geier ... hat ausgekrischen. Rückert 2, 171; entgegen krisch es mir, das huhn. Z. Werner (Ostpreusze) 24. febr. 98. 1@cc) sonst ist jetzt die schwache bildung herschend, wol nicht aus veranlassung des folg. worts, vielleicht in folge einer alten nebenform (wie bei mhd. schrîen): und laut kreischten sie auf, da erwachte der edle Odysseus. Voss Od. 6, 117; doch jetzt Agamemnon dem herscher kreischt' er (Thersites) hell entgegen mit schmähungen. Il. 2, 222. 1@dd) auch vor freude kreischt man: darumbe alse si noch (weder) geswîgen noch envollen gesprechen enmugen, sô mûʒen si krîschen, dat is jubilieren (die mystisch verzückten). Germ. 6, 155, mrh. 14. jh.; die schönste dirn im blumenkranz wird oben drauf gepackt (auf den heuwagen). hell kreischt sie, dalderaldei! gewiegt von duftendem heu. Voss ged. 1825 3, 119. 1@ee) das schmerzliche kreischen gilt auch milder für weinen (wie schreien, schweiz kreien gleichfalls), so nrh. Fromm. 5, 281, westerw., auf der Eifel, s. vorhin Schmitz. 1@ff) es ist auch trans. möglich (vgl. vorhin thränen kreischen bei Schmitz unter b): ach die anderen dämonen ... kreischen immerfort dazwischen schadenfroh ein hartes nein. Göthe 40, 391. sich heiser kreischen u. dgl. 22) von dingen: ob einige man in den wald fuere in dem mei, und hat einen kreischenden wagen oder ein pferd mit einer schellen (wodurch das wild geschreckt würde). weisth. 2, 582, von der Eifel, vgl. kirren; die sackpfeif schönmacht süsz getön und thut gar hart da kreischen. Ambr. lb. 164, 62; kreischt der wetterhahn (im sturme). Voss (1825) 3, 139; kreischende fuhrmannswagen. J. Paul lit. nachl. 4, 173; so kreischt uns ein griffel ins ohr, der einen stein hinunterkrallet (kratzt). Herder 4, 253; weil die ballade noch unter der feile kreischt. Bürger 465a, wie ein werkstück beim schlosser. 33) so besonders von dem was in der pfanne oder sonst zischend, sprazelnd, in hohem tone schreiend gebraten, geröstet wird, wie schrîen Helmbr. 1398. Parz. 184, 25, vgl.sengen eig. 'singen machen'; es ist das förmliche küchenwort: es soll auch keiner speck oder fett beim feur durch unachtsames gesinde oder kinder kreischen lassen (als feuergefährlich). Knaut altzell. chron. 8, 595 bei Frisch; vögel, so man gekocht, hernach nach abgegossenen wasser in zwiebel oder schweinenschmalz legen und sie wol kreischen lassen, und wann sie wol gekreischet, dasz sie nicht zu feucht und nicht zu träge (l. tröge, trocken), so richte sie an. Colerus hausb. 3, 102 das.; liesz ein par handvoll kukelskörner zu pulver stoszen, alsdann sovil rockenen brodes klein darunter rümmeln, und beides zusammen in einem tiegel mit ungesalzener putter mäsziglich kreischen. Butschky Patm. 582 (vgl. Hoffmanns spenden 1, 85); so laszt der glieder öl auf glimmen rösten kreischen. Lohenstein; von ochsen welche man zerfleischt (beim opfer) und deren fett und mark auf glimmen kohlen kreischt. Brockes 6, 355; die butter überm feuer kreischt, wenn sie gischtend aufzugehen anfängt (Leipzig). das gehirne kreischt, das blut schäumt und gischt. Wiedemann sept. 24. s. weiter das folg. kreischen. 44) von 'schreienden' farben: so kreischend diese (die farben) auch gegen einander abstechen. Klinger 11, 3; diese tollen farben, die alle zu gleicher zeit auf mich los kreischen. H. Heine werke (Philadelphia) 6, 402; den unangenehmen kreischenden eindruck der weiszen gläser. Zelter an Göthe 2, 132.
6827 Zeichen · 190 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kreischenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    kreischen swv. krîschen machen, in erkreischen aufschreien machen, gewaltig schmerzen ( darnach ob. s. 645 zu berichtige…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kreischen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Kreischen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, die Nachahmung eines hellen lauten Schalles ist, un…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kreischen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kreischen einmal PartPrät ‘gekrischen’ 39,238 a laut u schrill schreien; einmal als Vogellaut unzählbare Heere von Krani…

  4. modern
    Dialekt
    kreischen

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    kreischen s. krischen.

  5. Sprichwörter
    Kreischen

    Wander (Sprichwörter)

    Kreischen 1. Es kreischt (schreit) Kaaner umsunst: Chaj wekajem (Lebendiger und Beständiger). – Tendlau, 766. Wer um Hül…

  6. Spezial
    kreischen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    krei|schen vb.intr. 1 (quietschen) cigogné (-gnëia) 2 svaié (svaia), scraié (scraia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kreischen

11 Bildungen · 4 Erstglied · 3 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von kreischen

kreis + -chen

kreischen leitet sich vom Lemma kreis ab mit Suffix -chen.

kreischen‑ als Erstglied (4 von 4)

kreischen II

RhWB

kreischen II dies auf -ei- zurückgehende Wort ist zunächst ohne danebenstehendes kr. I (auf -î- zurückgehend, st.) im Nahe-Geb. allg. (uNahe…

kreischen III

RhWB

kreischen III diese Form ist verbr. -aiš-, –E- Birkf ; -ęi- Simm-Rheinböllen , Goar-Morshsn , Saarl-Dilling ; -E- Simm-Ebschd , Merz-Bergen …

kreischen als Zweitglied (3 von 3)

aufkreischen

DWB

auf·kreischen

aufkreischen , franz. crier haut, nnl. opkrijschen, aufschreien : das kind krisch auf, als die rute geholt wurde.

auskreischen

DWB

aus·kreischen

auskreischen , praet. auskreischte, part. ausgekreischt, scheint dem sinne von abkreischen zu begegnen, doch ist seine bedeutung unsicher in…

erkreischen

DWB

erk·reischen

erkreischen , vociferari, aufkreischen: man hört bei dem metzger die geschlachteten schweine laut erkreischen; das fett erkreischt in der pf…

Ableitungen von kreischen (4 von 4)

bekreischen

RhWB

be-kreischen: einen, etwas b., beweinen; du häs en genog bekrösche; de wiərd bal (bald) bekrösche sen vergessen sein Rip, Allg.; den as schw…

erkreischen

DWB

erkreischen , vociferari, aufkreischen: man hört bei dem metzger die geschlachteten schweine laut erkreischen; das fett erkreischt in der pf…

verkreischen

DWB

verkreischen , verb. durch sieden, rösten verbrauchen: butter verkreischen Heinsius 4, 2, 1310 b . zum stamme kreischen s. th. 5, 2155. Vilm…

Zerkreischen

Campe

† Zerkreischen , v. trs . zerschreien. S. d. D. Zerkreischen .