kreischen ,
grell, scharf schreien, ein mitteld. wort (
nicht östr. bair. schwäb. schweiz.),
schon bei Jeroschin: dâ si (
die gespieszten kinder) der pîn enzwischin zabiltin unde krischen. 1603,
also krîsche kreisch gekrischen
starkf., wie noch am mittlern (Schm. 2, 395)
und Niederrhein, westerw., wetterauisch, hess. (
vgl. auskreischen 1, 897),
westthür., henneb. (
s. Fromm. 2, 287. 282),
siebenb. (Schröer 73
a)
und nd.; auch altnrh. kreisch
praet. Karlm. 163, 4 (
plur. praet. kreischen Harff
pilg. 33, 21).
dazu als subst. durch den ganzen ablaut krîsch, kreisch
und krisch
m. Ebenso mnl. crîschen,
praet. crêse
hor. belg. 3, 83. 82.
altd. bl. 1, 210 (
dem. crîschelen
das.),
nnl. krijschen kreesch gekreschen (
doch auch schwachformig),
und nd. krîschen krêsch (kreisch) ekrêschen Schamb. 113
a, Dähnert, Danneil, krîsken
brem. wb. s. darüber krähen
a. e., auch kreuschen, kröschen, krieschen, kreitschen. 11)
von menschen, thieren. 1@aa)
in den formen kreischen, kreischet
u. dgl.: ich kreisch,
κρίζω. Alberus q 1
a etymologisierend; hörten sie überall heulen, weinen, weheklagen, kreischen, das ihnen nicht anders dauchte, denn er in der helle were. Henneberger
pr. l. 47; hie billet einer von der messe, hie kreischet der ander von guten werken. Luther 4, 382
b (1556 423
b); dort kreischet Brand von Bern wie ein fuchs.
das.; ropfte mich am wambs und hosen, mit kreischen und rufen hieher Wälscher
u. s. w. Philander 2, 58; dasz eh ein kreischend ross soll durch die wellen gehn, wenn sie in höchstem zorn die sternen fast besprützen, als iemand (
mich treulos befindet). A. Gryphius 1, 393; kreischende bewunderung. Lessing 7, 119; ihre gegner fangen immer mehr an über ihr journal zu kreischen, dasz es sich verschlimmere. Herders
lebensb. I, 2, 373; ich hörte die eule schrauen und die heimchen kreischen. H. L. Wagner
Macbeth 44; wankte sie hin, vor dem frosch, der emporsprang, jüngferlich kreischend. Voss
Luise l. h. 1, 134; die rohen kreischenden töne des weltwesens. Göthe 25, 191; die messe tobt und kreischt. Göthe
und Werther 218; während der bischof in kreischendem tone die benediction sang. Bronner
leben 3, 172; er entwich ... dem kreischenden gedränge (
des maskenballs). J. Paul
Tit. 2, 106; die männer jauchzten, die mädchen kreischten (
beim hochzeittanze). Immermann
Münchh. 3, 61; mit wildem, kreischend lautem lachen. Chamisso 4, 23; in den lauten eichenwäldern ... wo der falk noch kreischen kann. Rückert 20; im kreischen dieses aars, mags auch die sinne stören, ist für die seele doch ein süszer klang zu hören. Lenau
neuere ged. 39.
bildlich, z. b. vom meere: es gähnt die nacht, es kreischt das meer. Heine
romanzero 83. 1@bb)
praet. krisch, part. gekrischen: sie rissen und krischen wie zween wilde bärn. Soltau 2, 4.
Ambr. lb. 215, 9; als sie bei dem hochgericht vorüber gingen, schrien oder krischen die raben. Weidners
Zinkgref 3, 210; du lumpigter flegel! krisch er, ich will dich lernen meinem hund begegnen! Stilling
jug. (1779) 49; sie krisch convulsivisch.
ders. leben 4, 22; hierauf kehrte das jungvolk in den ort zurück, während alle laut krischen, zum zeichen ihrer trauer über die begrabene kirmes. Schmitz
Eifel 1, 50; die brautthränen müssen
gekrischen werden, die braut die sie nicht vor der hochzeit kreischt, musz sie darnach kreischen.
Eifeler sprichwort das. 180,
s. dazu e. der geier ... hat ausgekrischen. Rückert 2, 171; entgegen krisch es mir, das huhn.
Z. Werner (
Ostpreusze) 24.
febr. 98. 1@cc)
sonst ist jetzt die schwache bildung herschend, wol nicht aus veranlassung des folg. worts, vielleicht in folge einer alten nebenform (
wie bei mhd. schrîen): und laut kreischten sie auf, da erwachte der edle Odysseus. Voss
Od. 6, 117; doch jetzt Agamemnon dem herscher kreischt' er (
Thersites) hell entgegen mit schmähungen.
Il. 2, 222. 1@dd)
auch vor freude kreischt
man: darumbe alse si noch (
weder) geswîgen noch envollen gesprechen enmugen, sô mûʒen si krîschen, dat is jubilieren (
die mystisch verzückten).
Germ. 6, 155,
mrh. 14.
jh.; die schönste dirn im blumenkranz wird oben drauf gepackt (
auf den heuwagen). hell kreischt sie, dalderaldei! gewiegt von duftendem heu. Voss
ged. 1825 3, 119. 1@ee)
das schmerzliche kreischen
gilt auch milder für weinen (
wie schreien,
schweiz kreien
gleichfalls),
so nrh. Fromm. 5, 281,
westerw., auf der Eifel, s. vorhin Schmitz. 1@ff)
es ist auch trans. möglich (
vgl. vorhin thränen kreischen
bei Schmitz
unter b): ach die anderen dämonen ... kreischen immerfort dazwischen schadenfroh ein hartes nein. Göthe 40, 391. sich heiser kreischen
u. dgl. 22)
von dingen: ob einige man in den wald fuere in dem mei, und hat einen kreischenden wagen oder ein pferd mit einer schellen (
wodurch das wild geschreckt würde).
weisth. 2, 582,
von der Eifel, vgl. kirren; die sackpfeif schönmacht süsz getön und thut gar hart da kreischen.
Ambr. lb. 164, 62; kreischt der wetterhahn (
im sturme). Voss (1825) 3, 139; kreischende fuhrmannswagen. J. Paul
lit. nachl. 4, 173; so kreischt uns ein griffel ins ohr, der einen stein hinunterkrallet (
kratzt). Herder 4, 253; weil die ballade noch unter der feile kreischt. Bürger 465
a,
wie ein werkstück beim schlosser. 33)
so besonders von dem was in der pfanne oder sonst zischend, sprazelnd, in hohem tone schreiend gebraten, geröstet wird, wie schrîen
Helmbr. 1398.
Parz. 184, 25,
vgl.sengen eig. '
singen machen'
; es ist das förmliche küchenwort: es soll auch keiner speck oder fett beim feur durch unachtsames gesinde oder kinder kreischen lassen (
als feuergefährlich). Knaut
altzell. chron. 8, 595
bei Frisch; vögel, so man gekocht, hernach nach abgegossenen wasser in zwiebel oder schweinenschmalz legen und sie wol kreischen lassen, und wann sie wol gekreischet, dasz sie nicht zu feucht und nicht zu träge (
l. tröge,
trocken), so richte sie
an. Colerus
hausb. 3, 102
das.; liesz ein par handvoll kukelskörner zu pulver stoszen, alsdann sovil rockenen brodes klein darunter rümmeln, und beides zusammen in einem tiegel mit ungesalzener putter mäsziglich kreischen. Butschky
Patm. 582 (
vgl. Hoffmanns
spenden 1, 85); so laszt der glieder öl auf glimmen rösten kreischen. Lohenstein; von ochsen welche man zerfleischt (
beim opfer) und deren fett und mark auf glimmen kohlen kreischt. Brockes 6, 355;
die butter
überm feuer kreischt,
wenn sie gischtend aufzugehen anfängt (
Leipzig). das gehirne kreischt, das blut schäumt und gischt. Wiedemann
sept. 24.
s. weiter das folg. kreischen. 44)
von '
schreienden'
farben: so kreischend diese (
die farben) auch gegen einander abstechen. Klinger 11, 3; diese tollen farben, die alle zu gleicher zeit auf mich los kreischen. H. Heine
werke (Philadelphia) 6, 402; den unangenehmen kreischenden eindruck der weiszen gläser. Zelter
an Göthe 2, 132.