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kreischen

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PfWB
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17 in 13 Wb.
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Eintrag · Pfälzisches Wb.

kreischen st.

Bd. 4, Sp. 576
kreischen1 st.: 1. bei Menschen. a. 'mit lauter Stimme sprechen, schreien', kreische (graišə) [verbr. (außer lothr. SWPf), auch Penns Don Gal Buch Rußl (NPf VPf vereinzelt -ž-)], kraaische (grāišə) [Karch Bockh/Kallstdt 89, 90], kroische (grǫišə) [mancherorts mittl. VPf (Bertram § 292) KL-Mölschb Stelzbg W'lein BZ-Wernbg], kreiche (graiχə) [KU-Bosb Diedk WD-Niedkch IB-Habkch ZW-Bechhf RO-Schiersf KL-Lind Siegb LU-Altr Gronau NW-Seeb BZ-Rinnth] krische (grišə) [verbr. lothr. SWPf], kresche [Don-Biled]; vgl. F. Zs.: ab-1, an-, auf-, aus-, ver-, voll-, heraus-, herum-, hinauskreischen. Syn.: billern2 2, plädieren, plärren, brüllen 1 a, fest (hart, laut) plaudern (sprechen), gälpsen, galstern, gärren 2 b, gauzen 2 a, gellen, gellern, gellsen, krakeelen, Kreisch tun, schreien; weitere Syn. s. lärmen; sich de Hals wund k. [KU-Diedk]; äim eppes in die Ohre k. [KU-Schmittw/O]. Kreisch nit so (arich)! 'Sprich nicht so (arg) laut!' [BZ-Eußth, verbr]. Er kreischt, daß mer's iwwer drei Haiser enaus heert [KU-Schmittw/O]. Die kreische, daß mer mäint, 's ganz Haus wär däib (taub) [ebd.]. Kreisch's jo enaus, daß es alle heere!, sagt man, wenn jemand laut über eine Angelegenheit spricht, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll [KL-Reichb]. Jo, kannschde k.!, sagt man zu einem, der außer lautstarkem Gehabe nichts zuwege bringt [ebd.]. Mit em Maul kammer (kann man) k., dass. [Frankth]. So, du Griwwelbisser, kreischt se, du Massik ... [NPfGV Nr. 8, Aug. 1934]. Do han die Baure »Hoch« gekrisch / Un ufgebollert uf de Disch [Münch Weltgesch. 138]. Mir Pälzer duhn - es isch was dran - / Mehr als Gebühr isch - kreische! [Croissant 59]. Peifedeckel, wann die mitnanner kreische, sin se sich änich [Krieger 45]. RA.: Borjerhilf k. 'um Hilfe rufen' [Kühn Palz 125]; sein Däil k. 'kräftig mitschreien' [KU-Schmittw/O]; vor Schmerz, Ärger in die Wolke (de Himmel) k. [KL-Wörsb, verbr. Don Gal Buch]. Do kennt ma Feier k. (vor Verwunderung, Schmerz) [Zweibr (Wilms Alph. 18), mancherorts]. Die sin zum K. 'zum Totlachen' [Krieger 33, verbr.]. Wer laut, durchdringend schreit, kreischt wie e Buchmardl (Buchmarder) [KU-Kaulb, mancherorts]. Er kreischt wie e Leeb (Löwe) [SOPf (Heeger Nachl.)], wie e Bär [Heeger Tiere I 27], wie e Derk (Türke) [Don-Bulkes Gert Tscherwk verbr. Gal Buch-A'frat]. Er dut k., wie wann er am Spiß stecke deet [KL-Hirschhn, verbr]. Er hot Zeder un Mordjo gekrische [LU-Opp]. Er hot gekresch iwer Licht un iwer Laut [KU-Diedk]. Der kreischt nimmi (nicht mehr), von einem, der gestorben ist [KL-Lind (Höh 161)]. SprW.: Wer am ärgschde kreischt, lääft am eerschde fort [BZ-Dierb]. Die, wo am mehrschde kreische, dene soll mer die kalt Schulter zeiche [Krieger 30]. Was voll es, kreischt net [KB-Bischh]. BR.: Gewitter im Mai, kreicht de Bauer »Juhai« [LU-Alsh]. VR.: Heinerle, Heinerle hot Knoddle im Hemb, geht die Houlgaß nunner, kreischt quick, quack, quack [LA-Hainf]. Neckreim auf den Schneider: Schneiderbockgäß, mach d' Supp so hääß, schlupp unner de Disch, kreisch Kehrwisch! [GH-Kand]. Einen weiteren VR. s. Decke. — b. 'schelten, schimpfen' [verbr., Kühn Hamet 120]. Syn. s. schelten. Er hot mit mer gekresche [SOPf (Heeger Nachl.)]. Der kreischt de ganze Daa (Tag) [ZW-Battw]. Kreisch mich net so an! [Pirmas]. Awer wann se emol e Brodegoll mae wille, dann kreischt gleich Alles 'Aber wenn sie einmal ein Protokoll machen wollen, dann schimpfen alle' [PfId. 181]. — c. 'weinen', bes. von kleinen Kindern; Zs.: bei-, verkreischen. Syn. s. greinen 1 a. 's Kind kreischt [NW-Freinsh, verbr.]. Wer kreischt 'n do so?, sagt man zum weinenden Kinde [LU-Böhl]. Wammer nit immer bei'm isch (beim Kind), fangt's grad an se k. [PS-Erfw]. Nemm's un trag's (das Kind) e bissel rum, daß's ufheert se k. [LA-Gommh]. Bese Kinner greische, brille, / Hen so graad ihr eegner Wille [Birmelin Penns Gezw. 133]. RA.: Wann dem sei Dummheit weh du dät, mißt 'r Daa un Nacht k. [Kaislt, mancherorts, Gal-Dornf]. Der hat 's Lache un Kreische in eem Sack, von einem, der schnell aufeinander lachen und weinen kann [Don-Gottlob St. Andreas]. SprW.: Wammer de Kinner de Wille dut, kreische se net [Don-Gertianosch Gottlob]. BR.: Wann die Kenn (Kinder) kreische, gebt's am annere Dag Räin (Regen) [WD-Niedkch]. Volksgl.: Mer soll en Kind net im Leeb (Sternbild des Löwen) abgewehne, schunscht kreischt's wiischt [Fogel Beliefs Penns Nr. 126]. Volksmed.: Fenele (Fenchel) git mer 'm Biwele (Büblein), not hert 's uff se k. [BZ-Rohrb (Wilde 58)]. — 2. bei Tieren. a. 'Lautäußerung des Rindviehs'; vgl. brüllen. Die Kuh kreischt [verbr.]. 's Veeh (Vieh) kreischt vor Hunger [KU-Schmittw/O]. SprW.: D' Kuh, wu am erschde noch 'm Kalb kreischt, vergißt's am erschde [BZ-Dierb]. — b. 'Wiehern des Pferdes' [mancherorts]. Volksgl.: Wenn die Gail kreische an 're Leicht 'Beerdigung', sterbt glei widder eens [Fogel Beliefs Penns Nr. 547]. — c. 'Quieken, Schreien der Schweine, bes. wenn sie nach Futter verlangen'. Die Sau (Sai) kreische [KB-Kerzh, mancherorts]. RA.: Heit gebt's noch Reen (Regen), daß die Sai kreische [verbr. Gal Buch-Satulmare St. Onufry Rußl-Worms]. Volksgl.: Wammer die junge Sai im Leeb 'Sternbild des Löwen' vun der Loos 'Muttersau' dut, kreische sie wiischt [Pennsylv. Dutch Cook Book 41]. — d. 'Blöken des Schafes' [RO-Als KL-Reichb LA-Gommh]; vgl. plärren 1 b. RA.: Der kreischt »mäh« wie e Schoof [KL-Reichb]. — e. 'Miauen, Schreien der Katze'; vgl. jaunzen. Die Katz kreischt [verbr.]. — f. 'Lautäußerung von Hausgeflügel und anderen Vögeln'. Das Hinkel kreischt [KU-Gumbsw, verbr.]. Der Hohⁿ kreischt [KU-Odb, verbr.]. Die Gäns kreische [Frankth, verbr.]. Wie ich dehäm aus meim Schublädel des Angelzeig raushol, kreischt mein Bebgei (Papagei): »Petri Heil« [Pfälzer Art und Sinn 1. 12. 1933]. RA.: Der heert de Guckuck nimmi kreische, wenn ein Kranker das nächste Frühjahr nicht mehr erlebt [LA-Gommh, BZ-Dernb]. BR.: Wann de Poo (Pfau) kreicht, gibt's Rege [LU-Alsh, Fogel Beliefs Penns Nr. 1136]. Dieselbe Regel auch vom Schreien der Raben, vgl. Krapp2 1 a [NW-Geinsh LA-Freimh Fogel Beliefs Penns Nr. 1223], der Dreckraben [Kus], des Dreckfinks [ZW-L'wied], vom nächtlichen Schreien des Hahns [KU-Odb], vom Kuckuck: Am 10. April kann er kreische, am 15. muß er k. [KL-Fischb]. Volksgl.: Man muß mit'm Geld im Sack rappele, wann de Guckuck zum erschdemol kreischt, damit man das ganze Jahr über Geld hat [NW-Wachh]. Wemmer de Guckuck zum erschdemol heert kreische un hot Geld im Sack, hot mer 's ganz Johr [GH-Schwegh]. VR. s. Kappe 2 a, Klara. — g. Lautäußerung anderer Tiere. Die Krotte 'Frösche' k. [LU-Friesh, mancherorts]; vgl. quaken. Im Frihjohr kreischen die Fresch [Gal-Debolowka]. SprW.: Wammer de Krott uf de Bauch trett, kreischt se 'Wenn man jemandem weh tut, wehrt er sich' [KU-Schmittw/O]. VR.: Die Freschelcher, die Freschelcher, des es e luschdich Kor, sie sitze in dem Wasser drin un kreische quack, quack, quack [LU-Limbghf]; Var. s. Frosch I, Kor2 1, Krinoline. — 3. 'Geräusche verursachen'; vgl. knarren 1 a. Die Deer (Tür), die Sääg un die Feil kreische [KU-Schmittw/O]. De Waache kreischt [LU-Opp]. RA.: 's kreischt wie e Pluggerkärchel (Pflugskarren) [LU-Muttstdt]. Die Speelleit kreische, vom Geräusch in den Gedärmen [KU-Albess]; vgl. Därmekreischen. Schuh as kreische, sin noch net bezahlt [Fogel Beliefs Penns Nr. 2053]. — 4. 'in grellem Kontrast stehen'. Die Forwe (Farben) kreische [KU-Schmittw/O]. »Alles Auffallende der äußeren Erscheinung 'kreischt' dem Pfälzer in die Augen« [Schandein Bav. IV,2 265]. — F.: Präs. Ind. Sg. 1. graiš, 2. graišd, 3. graišd, Pl. 1. graišə(n), 2. graišd, graišə(n), 3. graišə(n); zur Verbr. der Pl.-Endung vgl. DSA, K. 7a; dgl. mit Stammvokal -ǫi-, grǫiš usw. u. -i- s. Inf. bei 1 a. Part. Perf. gəˈgrešə [PS-Erfw LA-Herxh Ilbh Nd'hochstdt Wollmh BZ-Dierb Bertram § 79 Heeger Südostpf. § 8], gəˈgrišə [NW-Wachh LU-Friesh Opp Land GH-Kand Buffington-Barba Penns 152 Lambert Penns 70], gəˈgreš [KU-Bedb Diedk Kaulb Kreimb Schmittw/O WD-Niedkch RO-Dielkch KB-Kriegsf Henn Mda.-Int. 98, 207], gəˈgriš [KU-Brück Don (Steinmetz)], greš [Mang 98, 196]. Imp. Sg. graiš, Pl. graišd, graišən (-ǫi-, -i-). — Südhess. III 1804; Rhein. IV 1455; Lothr. 314; Els. I 525.
8314 Zeichen · 244 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kreischenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    kreischen swv. krîschen machen, in erkreischen aufschreien machen, gewaltig schmerzen ( darnach ob. s. 645 zu berichtige…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kreischen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Kreischen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, die Nachahmung eines hellen lauten Schalles ist, un…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kreischen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    kreischen einmal PartPrät ‘gekrischen’ 39,238 a laut u schrill schreien; einmal als Vogellaut unzählbare Heere von Krani…

  4. modern
    Dialekt
    kreischen

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    kreischen s. krischen.

  5. Sprichwörter
    Kreischen

    Wander (Sprichwörter)

    Kreischen 1. Es kreischt (schreit) Kaaner umsunst: Chaj wekajem (Lebendiger und Beständiger). – Tendlau, 766. Wer um Hül…

  6. Spezial
    kreischen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    krei|schen vb.intr. 1 (quietschen) cigogné (-gnëia) 2 svaié (svaia), scraié (scraia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kreischen

11 Bildungen · 4 Erstglied · 3 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von kreischen

kreis + -chen

kreischen leitet sich vom Lemma kreis ab mit Suffix -chen.

kreischen‑ als Erstglied (4 von 4)

kreischen II

RhWB

kreischen II dies auf -ei- zurückgehende Wort ist zunächst ohne danebenstehendes kr. I (auf -î- zurückgehend, st.) im Nahe-Geb. allg. (uNahe…

kreischen III

RhWB

kreischen III diese Form ist verbr. -aiš-, –E- Birkf ; -ęi- Simm-Rheinböllen , Goar-Morshsn , Saarl-Dilling ; -E- Simm-Ebschd , Merz-Bergen …

kreischen als Zweitglied (3 von 3)

aufkreischen

DWB

auf·kreischen

aufkreischen , franz. crier haut, nnl. opkrijschen, aufschreien : das kind krisch auf, als die rute geholt wurde.

auskreischen

DWB

aus·kreischen

auskreischen , praet. auskreischte, part. ausgekreischt, scheint dem sinne von abkreischen zu begegnen, doch ist seine bedeutung unsicher in…

erkreischen

DWB

erk·reischen

erkreischen , vociferari, aufkreischen: man hört bei dem metzger die geschlachteten schweine laut erkreischen; das fett erkreischt in der pf…

Ableitungen von kreischen (4 von 4)

bekreischen

RhWB

be-kreischen: einen, etwas b., beweinen; du häs en genog bekrösche; de wiərd bal (bald) bekrösche sen vergessen sein Rip, Allg.; den as schw…

erkreischen

DWB

erkreischen , vociferari, aufkreischen: man hört bei dem metzger die geschlachteten schweine laut erkreischen; das fett erkreischt in der pf…

verkreischen

DWB

verkreischen , verb. durch sieden, rösten verbrauchen: butter verkreischen Heinsius 4, 2, 1310 b . zum stamme kreischen s. th. 5, 2155. Vilm…

Zerkreischen

Campe

† Zerkreischen , v. trs . zerschreien. S. d. D. Zerkreischen .