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ungrund

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungrund m.

Bd. 24, Sp. 1030
ungrund, m. , gegenstück zu grund, tritt nhd. erst im 16. jh. neben älteres ab-, in-, urgrund; auch un-, ingründlich, unergründlich, unergründet sind älter. vgl. ungründlich-, unergründlichkeit, unbe(ge)gründetheit, grundlosigkeit, miszgrund. mnd. ungrunt. ostmnl. ongront. nl. ongrond. n. ugrunt. Staub-Tobler 2, 775. II. sinnlich für heute üblicheres abgrund, tiefe: wie ... ein wandrer ruhig sieht ... dasz ... den segellosen mast des goldbeschwerten schifs ein wilder orcan faszt, izt in die wolken treibt, im ungrund izt vergräbet ... Wieland I 1, 224 (mor. br. 1, 5); jetzo deckt tiefe nacht und stille den u. (bei der Rosztrappe) Grimm d. sagen 1, 213; mit jedem schritte sanken wir bis über die knöchel in den schwarzen, moorigen u. Rosegger II 3 (1895), 94; 186. oft steht sinnliche an schauung nur im hintergrunde, z. b. welches ich ... auf seinem grunde und ungrunde (II 2) beruhen lasse Francisci lusthaus (1676) 609; Herder 6, 311; (H. schrieb auf ungründe, acc. plur., s. Suphan 6, 523); lauter beyspiele, deren u. .. zu entblöszen ist A. v. Haller tageb. (1787) 1, 178; Herder 5, 15; den u. entdecken unten II 1; [] wer kann, o lieb, wohl deinen ungrund gründen? G. Arnold liebesfuncken (1701) 2, 9 (vgl. II 6); Stilling 4, 113; Zinzendorf Sokrates 62; Leipziger av. 1, 14; da (in der musik) baut sich ein reich wachen träumens ... auf, aus einem rätselhaft tiefen ungrunde des menschengeistes Auerbach 5, 57; vgl. II 6. IIII. uneigentlich. der rechts- und geschäftssprachliche gebrauch (1) ist älter und für die begriffsentwicklung (2—5) wichtiger als der philosophische (6). II@11) im engeren sinne der ältern rechts- und geschäftssprache 'unrecht, rechtsirrtum; ungenügender oder verkehrter, falscher beweisgrund oder grund; fehlen des rechtsgrundes, der berechtigung; rechtlich unbegründetes vorgeben, unbegründeter vorwand, einwand, standpunkt, unwahrheit, nichtigkeit' u. dgl.: u. (unrecht) haben quelle (1531) bei Staub-Tobler 2, 775, 2; im u. befunden werden (1713) ebda.; er thut den ungrundt sagn J. Ayrer 183, 22 Keller; den u. berichten Chemnitz 2, 221; vgl. ein falscher u. falsches gerücht Lohenstein Arm. 2, 931b und gewisser grund Fischer 3, 872; vil ungrunds ... gewisen werden (rat v. Nürnberg an den v. Straszburg) polit. corresp. d. st. Straszburg 1, 276 (1527); desz von N. ungrundt ... entdecken Sattler phraseol. 380; einen u. (vorwand) angeben Staub-Tobler 2, 775; früher gern mit steigernden attributen (heute veraltet): das dann ain lautterer ungrundt war städtechron. 25, 365, 10; wissentlicher u. städtechr. 32, 301; offner ongrund Ayrer proc. 11, 10; pur lauterer u., erdichteter u. acta publ. 4, 181 u. s. w. Sattler 477. synonym: vor einen erdichteten u. und öffentlichen betrug halten acta publ. 4, 182; ungrundtes, tyranney bezüechtiget werden 2, 56 Palm. terminologisch: miszbrauch und u. des inhibitions-procesz in hoffgerichten Thomasius ernsth. gedancken 2, 17; früher beliebt in titeln, z. b. erwiesener u. der Schmölderischen vertheidigung Marburg 1753; allg. d. bibl. anh. 25—36, 3162; 37—52, 1003; allgemeiner u. der klage Lessing 18, 375; ihr (der beschuldigungen) u. bestimmt zugleich ihre straffbarkeit Göthe 38, 268, 12 W.; ein ohr zu leihen jenen klagepunkten und ihren ungrund darzuthun Schiller 12, 430 (Maria Stuart 1, 7); Häusser d. geschichte 1, 276; damit über den grund oder u. der versagten einwilligung gerichtlich erkannt .., werde Berg policeyrecht 1, 204; Jhering geist 2, 1, 85. wie ... der abt mit dem u. und wider die billichait beschuldiget wurd Knebel chron. v. Kaisheim 383; mit u. anklagen Sachs 13, 147, 22 G.; mit u. und neben der warheit fürgeben städtechron. 32, 313, 13 (1553); mit ungrundt der warheit J. Andree abfertigung des vortrabs (1562) 2; Sattler phras. 380; mit u. zu unterdrücken und zu beschweren Bütner epitome 444a; einbilden acta publ. 1, 295 P.; berichten Ayrer proc. 374; berichtet sein Chemnitz 4, 1, 115b; sub-, obreptitie ausgewircket, mit ungrunde, durch falschen bericht ausgewircket Spanutius 453; veraltet. in den belegen der klass. schriftspr. und des 19./20. jhs. wird in der regel bed. 2, 3 verstanden; sonst eigentlich wenig mehr üblich. II@22) dieser gebrauch dehnte sich (ohne zwang) auf das gebiet der polemik, erörterung, untersuchung u. dgl. aus. 'was kein grund ist oder keinen grund hat' Staub-Tobler 2, 775; u. bedeutet den 'mangel der übereinstimmung eines satzes mit der sache selbst und wird als ein glimpflicher ausdruck für unwahrheit gebraucht' Adelung: so denn nu an den häuptartikeln kein befindlicher ungrund oder mangel ... ist Augsb. confession 1, 21 (Kolde 57); wie etlich Tewtsch iren u. (vgl. valscher grunt bei Tauler) und anfang des gefelschten glawbs schöpfen vom Luter B. v. Chiemsee 61; dasz aber die menschen in wölff verändert ... werden, solchs sol man nur kecklich für einen falschen ungrundt halten Heyden Plinius 136; Kepler 1, 398; wiewohl nun dieses ein offenbahrer u. ist Thomasius einleitung z. d. vernunfftlehre 7b (vgl.welches aber der u. 'nicht der fall ist' Staub-Tobler 2, 775); die n. spr. verzichtet auf diesen concreten sing. wie auf den plur. (andere mehr ungründe, so eyngeführet werden grillenvertreiber [1605] 3, 64; es [] seind nur lauter ungründe und kahle praesumtiones Prätorius winterflucht 122; vgl. Herder unter I): den ungrund seiner meynung ... darthun Gottsched beyträge (1732) 6, 42; den u. davon sprachkunst 432; der regeln Scheibe crit. musicus 233; der kritik Lessing 9, 251; dieses urtheils Wieland Agathon 2, 164; die ganze ... kritik ... in ihrem stolzen ungrunde zeigen Herder 22, 196; von personen veraltet: (seiner gegner u. Ayrenhoff 2, 244); den u. der katholischen lehre Ranke 27, 81; über grund und u. der resultate Bahrdt leben 2, 30; Grillparzer 18, 187. vorwurf des ungrunds (zu ableinung solches ungrunds dieser kunst) Puschmann meistergesang 5 ndr.; verkehrtheit Möser 1, 281; so beschaffen sind zwei versuche, deren u. die naturforscher ... nicht einsehen wollten Göthe II 2, 46 W.; unanwendbarkeit Sulzer theorie 4, 271. syn. verbindungen: ihrem pracht und u. Parac. 1, 948 B.; lauter u. und falschheit Thomasius aufzeichnungen 143; überall u. und unzusammenhang Herder 5, 447; 6, 483; u., absicht und unwahrheit der schmähschrift Chr. Stolberg bei F. L. Stolberg kurze abfertigung 43. mit u. Parac. 2, 192 B.; sie behaupteten, freylich mit u. K. L. v. Haller restauration d. staatsw. 5, 91; mit grund oder u. getadelt 1, xii; nicht mit u. Eckardshausen der prinz u. sein freund 16; veraltet: mit allem unverstande und ungrund zu heilen Parac. 1, 84 B; ebenso aus u. Letzner Dasselische chr. 1, 2a. II@33) noch allgemeiner: ich hassz, verwirff, verfluch, betrug, list und ungrund (iniquitatem) Weckherlin 1, 387; der falschen lieb ungrund 2, 182; 81; aus miszgünstigem ungrunde Butschky Pathmos 69 s. th. 6, 2294 (in diesen fällen veraltet); wie schwach sind wir dann, uns von diesem schatten, diesem u., der unkraft, dem nichts .. besiegen zu lassen? Tieck 1, 385; denn man (und nicht mit ungrundt) gemurret hat Guarinonius 787; weil er .. von dem ungrunde seiner eifersucht überzeugt wird Lessing 9, 400; vom grunde und ungrunde der erwartungen Hermes Sophiens reise 5, 493. concret (veraltet): und bedarf es sich immer hervormengenden neuerlichen ungrundes nicht (unberechtigter sprachlicher neuerungen) Schottel 159. us-em u. sin, reden unbegründet, unzweckmäszig, unschicklich; es isch nüd us-em u. geht an, läszt sich hören Staub-Tobler 2, 775; nicht schriftsprachlich. II@44) anderseits verengte sich der begriff zur bed. der gehaltlosen, ungereimten rede, zote Staub-Tobler a. a. o.; Bühler Davos 1, 186; 2, 102; vgl. ungründig. die schriftspr. hat wenig spuren dieser bed. aufzuweisen: improbabile, lame fratzen, lumpen, ungrundt, unbestendigs furgeben Schöpper syn. gijd; Rammlern ... ists noch nicht geschenkt, ... dasz er ... Weissens amazonen-klingklang und widerwärtigen u. herausgestrichen Heinse 9, 388. II@55) steigernd: das ist ja der u., was es da alles gibt! Meyr erz. aus d. Ries 3, 440. nicht schriftsprachlich. vgl. ungrundtief unter III und ungründlich 2 a ende. II@66) die philosophische bei J. Böhme aufkommende, von Schelling erneuerte, zwischen anschauung und abstraction hin- und herschwebende bedeutung, die einen ausdruck für das urwesen (s. auch unding), den weltgrund, das wesen der unoffenbaren gottheit (Windelband gesch. d. n. philosophie 14, 118), den irrationalen theil in gott, die ewige natur, zweiheit in gott (Eisler wb. 22, 568) sucht, hat sachlich den unergründeten grunt (vgl.dasz er [gott] .. zurückkehre in den u. F. H. Jacobi 2, 88; demnach lässet der ... idealismus .. jede erkenntnis in einem ungrunde sich verlieren 2, 18), daz unergrunte niht der mystiker (s. sp. 482 und vgl. das aoma des nichts-ungrunds J. Paul 39 [1827], 79), entwicklungsgeschichtlich die philos. verwendung von grund, urgrund, abgrund u. s. w. zur voraussetzung: er (gott) hat weder grund, anfang noch stätte, und besitzet nichts als nur sich selber, er ist der wille des ungrundes J. Böhme 2, 7; er ist selber der grund und u. 4, 7; im ungrund ist zwar gott, doch wem er sich soll zeigen, der musz bisz auf die spitz der ewgen berge steigen A. Silesius wandersmann 114, 29 ndr.; [] das auge des ungrundes Franckenberg nosce te ipsum 26; so ein tieffes, unergründliches wesen ist gott, die mystici nennen das u. Zinzendorf reden (1746) 1, 44; allg. d. bibl. 25, 45; doch zurück von dieser nacht des ungrunds Forster 5, 226; an urgrund (s. d.) reichend oder damit verbunden, wie unding und urding sich nahetreten (vgl. ingrund Staub-Tobler 2, 774, 1 u. oben sp. 5, 1, 2): diesen flüchtigen geist hält ... K. ... für den u. der natürlichen würckungen Butschky rosenthal 819; meinen innern leib aber und geist ... in dich als sein eintziges ewiges wahres centrum und u. der ruhe einzusencken Philaleta theos. wundersaal (1709) 169; dasz ich sie (die dreieinigkeit) in ihrem urgrunde und ungrunde aufsuche Zinzendorf gemeine reden (1740) 73; es musz vor allem grund und vor allem existierenden, also überhaupt vor aller dualität ein wesen seyn; wie können wir es anders nennen als den urgrund oder den u. Schelling I 7, 406; den u. oder die indifferenz ebda 407; das schlechthin betrachtete absolute, der u. 408 u. o.; noch ein ganz besonderes glück wollte, dasz die philosophie des absoluten gerade ihren urgrund, ungrund, abgrund aufthat J. Paul 49/51, 433; den anfang dieser entwicklung bildet also der grund in gott, der urgrund, u. oder abgrund, wie er auch von Schelling genannt wird Windelband gesch. d. n. phil. 24, 361; Schopenhauer 1, 358. IIIIII. zusammensetzungen, meist nach II 6: ungrundsabgrund und abgrundsungrund Q. Kuhlmann göttl. offenbahrung 25; alle ungrunds- und abgrundsgeheimnüsse ebda; ungrundsgeister ebda; ungrundskeim Zinzendorf gemeinereden (1741) 354; J. G. Schütz 1, 316; der gottheit ungrundsee Gottfr. Arnold lied: o der alles hätt' verloren. vgl. ungrundheit. mit grundtief sich kreuzend: seiner ungrundtiefen, ausgebreiteten gelehrsamkeit Lose schattenrisse 1, 149. IVIV. das von Sanders 1, 635b und von Götze glossar 124b als adj. angeführte ungrund, ungrünt (auch ist es u. und nicht war, das J. Jonas bei Luther 6, 387b Jena) kann auch kurzform für ungegründet (sp. 682) sein oder ohne grund verstanden werden. vgl. ags. ungrund, adj.; an. úgrunnr. —
11466 Zeichen · 339 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungrund

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Ungrund , des -es, plur. car. der Gegensatz von Grund, doch nur in einer einzigen figürlichen Bedeutung desselben, s…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ungrund

    Goethe-Wörterbuch

    Ungrund [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Ungrund

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Ungrund Band 2, Spalte 775 Ungrund 2,775

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungrund

13 Bildungen · 10 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungrund

un- + grund

ungrund leitet sich vom Lemma grund ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungrund 2 Komponenten

ung+rund

ungrund setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungrund‑ als Erstglied (10 von 10)

ungrundheit

DWB

ungrund·heit

ungrundheit , f. s. ungrund II 6, III: so brachte der welt architect die zeit und ewigkeiten in einen möglichen prospect vors urgotts ungrun…

ungrundich

KöblerMnd

ungrund·ich

ungrundich , Adj. nhd. „ungrundig“, grundlos, ohne erkennbares unteres Ende seiend Hw.: vgl. mhd. ungründic E.: s. ungrunt L.: MndHwb 3, 2, …

ungrundiert

GWB

ungrundiert [bisher nicht publizierter Wortartikel]

ungrundmäszig

DWB

ungrundmäszig , adj. , gth. v. grundmäszig: einen solchen ungrundmeszigen schlusz Schottel bellum gr. A 3 a ; distanz Zinzendorf gemeinerede…

ungrundsatz

DWB

ungrund·satz

ungrundsatz , m. , falscher grundsatz. nur individuell: ihre grund- und ungrundsätze Hippel über die ehe 139 . —

ungrund als Zweitglied (2 von 2)

jǫrmungrund

KöblerAn

jǫrmungrund , st. M. (a) nhd. die Erde L.: Vr 295a

urungrund

DWB

urungrund , m. , ungrund II 6 mit ur- C 4 c: viel grosze dichter, die indesz verklungen sind, und weise, die vom urungrund verschlungen sind…

Ableitungen von ungrund (1 von 1)

urungrund

DWB

urungrund , m. , ungrund II 6 mit ur- C 4 c: viel grosze dichter, die indesz verklungen sind, und weise, die vom urungrund verschlungen sind…