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gezierde

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gezierde f.

Bd. 7, Sp. 7103
gezierde, f. , auch n., verstärktes zierde (s. d.), dem es anfangs nur zögernd zur seite tritt. schon in der mittelhochd. zeit unter den einschlägigen substantivbildungen die bevorzugte, erreicht sie den höhepunkt im übergang zur neuhd. zeit, in der sie dann rasch abstribt. in der bedeutungsentwicklung zeigt gezierde noch mehr übergänge und gegensätze als gezier: zusammenfassende neben sondernder wirkung, sachbedeutung neben einem thätigkeitsbegriff, abstraction neben bildlicher auffassung. die abgrenzung unseres vollwortes gegen seine concurrenzformen läszt sich jedoch unter diesen gesichtspunkten nicht gliedern, sie ist mehr von zeitlichen, landschaftlichen und stilistischen voraussetzungen bedingt, die ihrerseits wieder mit der beziehung des subst. auf bestimmte gebiete menschlicher thätigkeit im zusammenhang stehen. auch die anlehnung an diesbezügliche lat. vorbilder darf nicht auszer acht bleiben, so die regelmäszigkeit, mit der das lat. ornatus die form mit praefix begünstigt. da ornatus sowohl subst. als auch particip sein kann, mag das deutsche praefix hier unter dem einflusz der participialformen (s. geziert) begünstigung erfahren haben. jedenfalls wird unsere darstellung auf die betätigungsgebiete das hauptaugenmerk richten, um so mehr als die bedeutungsgegensätze und -färbungen nicht immer sichergestellt werden können. auch die zeitlichen grenzen sind mehr im allgemeinen überblick zu berücksichtigen, weil der hauptgebrauch in das 14. bis 16. jahrh. fällt. 11) im allgemeinen überblick 1@aa) ist für den zeitlichen verlauf der geltung des vollworts 1@a@aα) als frühester beleg aus den Oxforder glossen des 9. jahrh. die gleichung muliebria wipkiziarida gegenüber dem oben (sp. 7099) besprochenen wipkiziari der Reichenauer glossen zu 1 Mos. 18, 11 anzuführen; vgl. auch wipgezierde der Benedictbaurer glossen des 12. jahrh. zu Esther 2, 3 s. oben s. 7102; vgl. aber weibergeschmuck, muliebrem cultum Eck Esther 2, 15. 1@a@bβ) in den alten abschwörungsformeln (s. sp. 7108 ff.) tritt die vollform mit dem grundwort in wettbewerb. mehrfach erscheint sie hier als collectiv im sing. gegenüber einem älteren plural des grundworts: allir sînir gezierde (M. S. denkmäler 13, 306) gegen sînen zierden (292, vgl. auch den plural ohne praefix bei Williram u. a.: daʒ sint halzîereda dîe der gesmidot sint hohes lied [7, 1] 50 Seemüller; zwo spangen Luther). doch ist auch die vollform hier früh im plural beobachtet. auszerhalb dieser formeln kommt für die ältere zeit nur noch die späte glosse gizierde für compositione in Regensburger, Scheierner handschr., 12. jahrh. in betracht (Tegernseer, Monseer d. 10./11. jahrh. zierida) s. Steinmeyer-Sievers 1, 563. mit der mittelhochd. zeit dringt die vollform rasch durch. 1@bb) sowohl zum verhältnisz zwischen grundwort und präfigierten formen als auch zur abgrenzung gegen die bedeutungsverwandten gleichen stamms und fremder sippe giebt die bibelübersetzung anhaltspunkte. vgl. (zu zieren und schmücken) Kluge Luther bis Lessing (1888) s. 8. 1@b@aα) gezierde in der deutschen gedruckten bibel vor Luther. 1@b@a@11)) entspricht mit regelmäszigkeit einem ornatus, ornamentum, decus, decor der vulgata. formen ohne praefix, wie sie hier schon Notker bevorzugt hatte, kehren dafür vielfach in späteren drucken der vorlutherischen bibel wieder; die niederdeutsche bibel ist dem praefix durchweg verschlossen. andererseits begünstigt sie die ableitungen mit heit und ung (s. zierheit, ziringe sp. 7105. 7106), während Eck meist zier einsetzt (s. gezier) und Luther das bedeutungsverwandte schmuck einführt. in der wiedergabe von decus, decor gehen die übersetzungen am meisten auseinander. 1@b@a@1@aa)) für ornatus schlieszt sich gelegentlich auch Eck dem gebrauch des praefixes an: lege ab dein gezierde Mentel 2 Mos. 33, 5 (pone ornatum tuum ... deposuerunt ornatum suum, thu hinweg dein gezierd ... haben jre geschmück von in than Eck; gezier ... gezierde Koberger; geschmuck oder gezierd ... gezierd Dietenberger; gezierd ... gezierd Züricher bibel: schmuck ... schmuck Luther); ebenso (s. u.) 1 Mos. 2, 1; dagegen vgl.: die do gehorent zu der gezierd Koberger Esther 2, 13 (ad ornatum pertinens, zu der zier Eck, zum geschmuck Dietenberger; anders Luther und Züricher bibel). 1@b@a@1@bb)) zur wiedergabe des lat. decus vgl. die varianten: du hast angelegt die begehunge und die gezierd Mentel psalm 103, 1 (ebenso Koberger decorem induisti, legetost dih ana ... zîerde Notker s. Hattemer 2, 368a; gezirde im mittelhochd. psalter der Innsbrucker handschr. s. 14; czirde Trebnitzer psalmen; zierde Dietenberger, Züricher bibel; zier Eck; du bist schön Luther); in dem willen hastu gegeben die kraft meiner gezierd Mentel ps. 29, 8 (gezierde, Koberger praestitisti decori meo virtutem ... mîna ziêri starhtost Notker s. Hattemer 2, 98a; czirde Trebnitzer psalmen; zierd Eck; hastu meinen berg starck gemacht Luther ps. 30, 8; desgl. Züricher bibel). sterck und gezierd ist jr gefesz Mentel sprüche Salom. 31, 22 (ebenso Koberger, fortitudo et decor indumentum ejus, zier Eck; gschmuck Dietenberger; dapfferkeit und eeren Züricher bibel von 1536); du bist gewesen ein zaichen des gleichnisz vol der weisheit volkumener gezierde Mentel Hes. 28, 13 (plenus sapientia et perfectus decore, vol weiszhait und zier Eck; voller weiszheit und auszbündig schöne Dietenberger, desgl. Züricher bibel; aus der massen schöne Luther); die gezierde des Carmel Mentel Jesaias 35, 2 (ebenso Koberger, decor; die zier Carmeli Eck; die schöne Carmel Dietenberger u. Züricher bibel; der schmuck Carmel Luther); desgl. gezierd (decor) Mentel Jacob 1, 11 (schöne gestalt Luther; hüpsche Züricher bibel u. a.); o herr ich het lieb die gezierde deines hauses Koberger psalm 25, 8 (ebenso Augsb. 1490; dilexi decorem domus tuae, die ziêrda dînes hûses Notker s. Hattemer 2, 89a; cirheit Trebnitzer psalmen; tziricheit Lübeck 1494 s. Schiller-Lübben 6, 262; zierd deins hausz Eck; stete deines hauses Luther ps. 26, 8; desgl. Dietenberger; wonung deines hauses Züricher bibel). 1@b@a@1@cc)) für ornamentum gehen die übersetzungen noch weiter auseinander: und (Gideon) nam die gezierd und die ringe, mit den si hetten gewonheit zu zieren die helse der kemmel Mentel richter 8, 21 (ornamenta et bullas, zierde und die fürspangen Koberger; zier und spangen Eck; spangen Luther; desgl. Züricher bibel, Dietenberger) vgl. auch 8, 26; der do gab die guldin gezierde ewer übung Mentel 2 Sam. 1, 24 (güldin gezierd Koberger, ornamenta, gezierde Augsb. bibel; zier Eck; kleinoten Luther, Züricher bibel u. a.). 1@b@a@22)) die verwendung des subst. in der beziehung auf bauwerke (s. u.) rechtfertigt die vereinzelte gleichung gezierde, tabulatum: und pawet gezieret tafln auf die wende des tempels ... daʒ gezierd das oben was das het V elen in der weite: und das mittelst gezierde hett VI elen und das dritt gezierd het VII elen ... Mentel 3 n. 6, 6 (ebenso Koberger, aedificarit ... tabulata ... tabulatum quod super erat ... medium tab. ... tertium tab. ... getäfelt gemach ... täfer ... getäfer Eck; der unterst gang Luther desgl. Züricher bibel; Dietenberger; vgl.tabulata, tavalotiu Steinmeyer-Sievers 1, 443 (gebrett 431). 1@b@a@33)) auffallend und vereinzelt ist die gleichung mit lat. virtus: die himel seint gefestent ... und alle ir gezierd mit dem geist seines munds Mentel psalm 32, 6 (omnis virtus, iro chraft Notker, togunt Trebnitzer psalmen, kreffte [var. heer] Luther u. a.) vgl. zu 1 Mos. 2, 1 sp. 7108). 1@b@bβ) die Züricher bibel, die in den letzten gleichungen durchweg zu ungunsten von gezierde zeugte, geht in einzelnen fällen zu gunsten dieser form noch über Mentel hinaus (vgl. auch H. Byland wortschatz des Züricher alten testaments); so sprüche Salom. 31, 22 gezierd byssus et purpura indumentum ejus; dazu gezierd 2 Mos. 33, 4 s. oben sp. 7102; nam er ein guldine orgezierd eines halben sickels schwer und zwen armring an jre hend Züricher bibel 1 Mos. 24, 22 (inaures aureas et armillas, guldin orringe Mentel, Koberger; ohrring Eck; orenring Dietenberger, spangen Luther); desgl. 24, 30; (orgeziert) 47 vgl. auch ohrgezierde theil 7 sp. 1263; ohrenzierde sp. 1261. 1@cc) die begünstigung der präfigierten form bei einzelnen stilisten im groszen ganzen und für bestimmte bedeutungsrichtungen im besondern, wie sie schon in der bibelübersetzung nachzuweisen war, läszt sich aus den wörterbüchern noch umfassender belegen, da die zeugnisse hier in reicher fülle bis in die neuere zeit flieszen. 1@c@aα) für die bedeutungsrichtungen sind 1@c@a@11)) schon die vocabulare kennzeichnend, in denen vor andern das lat. ornatus deutsche formen mit praefix anzieht, vgl. gezyrt ... geziert mit allerley cleidern neben zyrt ze czirt, gesmide; niederdtsch. getziret neben ziringe, zierheit Diefenbach 401a s. u. bemerkenswerth ist hierin Dasypodius, der im allgemeinen praefixlose formen bietet (venustas, zierde, hüpsche schöne lat.-dtsch. Qq 5a; decor, zierd, hüpsche H 7b; gratia, zierd, liebligkeit ... zierligkeit Q 3b; desgl. elegantia K 4a); in einem fall aber eine ausnahme macht: ornatus, ein gezierde, geschmuck, bekleidung, ornamentum; ein zierung oder ein ehr, gutthat A a 8a (im deutsch-lat. theil aber zierd, ornatus, decor u. a. T 2b; gezierd fehlt dort ganz). 1@c@a@1@aa)) präfigierte formen sind hier von zwei seiten her begünstigt. einmal scheint die doppelgeltung von ornatus als particip wie als substantiv auf die buchungen zu wirken, vgl. geziert für ornatus in den vocabularien bei Diefenbach 401a. andererseits weckt die engere beziehung auf kirchliche ausstattungsstücke bei ornatus das bedürfnisz nach einer kräftigeren kennzeichnung des sammelbegriffes, die wiederum dem praefix förderlich ist: ornat, gezierdt, gerüst, wirdt genommen für kirchenkleider als infel, bischoffstab, chormantel Simon Rot L 6b (aber decoration, zierung, auffbutzung E 5); gezierde, ornement, ornatus, cultus Wiederhold (1669) 145b; vgl. auch kirchengezierdt, donaria Maaler 244a u. a. s. theil 5, sp. 803. allgemeiner und umfassender: ornatus ein gezierd Calepinus (1590) 1052a; desgl. (ebenda) für ornamentum; s. auch gezierd, ornamentum Henisch 1612. 1@c@a@1@bb)) die formen ohne praefix setzen später auch hier stärker ein: ornat, ziert, schmuck. unart. teutsch. sprachverderber (1644) K 3a; ornatus, zierath, schmuck (decor, zierde) A. Reyher lex. lat.-germ. (1695) p 3b; ornement ... zierde, zierrath, ornatus dict. nouv. (Genf 1683) 1008; vgl. Corvinus, Stieler u. a. dazu vgl. die ableitungen für lat. ornamentum (zierunge, zierlichkeit, zierde) in den vocabularien bei Diefenbach 401a und in den späteren wörterbüchern (gegen gezierd Calepinus 1052a). 1@c@a@22)) auch das lat.-griechische phalerae begünstigt hier die formen mit praefix: 1@c@a@2@aa)) falera ... pferdgeschmide ... gezierde des pherdes ... gezierd vocab. v. 1440 u. a. s. Diefenbach 223a; gezierd der rosz und gezierd, so die ritter unnd edlen truogend, phalerae Maaler 181c (gegen zierd in den andern gleichungen 521c); gezierde der pferdt Wiederhold 145b. 1@c@a@2@bb)) dagegen vgl. phalerae ... roszgeschmuck Dasypodius D d 3b (aber: phaleratus gezieret ebenda); phalerae roszzierd Golius (1579) 284; pferde zierraht, phalerae. dict. nouv. (Genf 1683) 1008. 1@c@a@33)) anders für das lat. decus, decor und entsprechende bildungen. schon aus den vocabularien bucht Diefenbach 168b unter decus keine form mit praefix. das gleiche (s. o.) bei Dasypodius; vgl. auch zierd ... decor, decus ... Maaler 521c; selbst Calepinus stellt zu decor nur ein zierd, hübsche 391b. 1@c@bβ) unterschiede weisen namentlich die zusammensetzungen auf, die sich gegen das eindringen eines praefixes ja meist abschlieszen. wo dieses aber einmal eingang gefunden hat, wird es im zusammenhang auch eher festgehalten als am freistehenden wort. 1@c@b@11)) armilla, armgezierd Golius (1579) 204; vgl. dagegen: armille, ein zierd der arme Dasypodius C 2b; armzierd, armbAendlin Calepinus 126b; armbandt Chytraeus 254; vgl. auch Diefenbach 49b; cubitale, ein gezierd der elenbogen Calepinus 368; gegen inauris, ohrenzierd 729a (vgl.or ringel Diefenbach 366c; ohrengeschmuck Golius 203); monile halsband, halsgezierd Golius 203 gegen halszierd Calepinus 909b (vgl. halszier Diefenbach 366b); der stirne gezierd, frontale Henisch 1612 gegen geschmuck, schmuck, zierd 1543; frontale, ein stirnenzierd Calepinus 615a; stirnengeschmeid Golius 203. 1@c@b@22)) aplustre, ein schiffgezierd zu oberst am segelbaum Calepinus 107a; ... der fahnen auff dem segelbaum, oder andere gezierde des schiffs so man auffstecket Golius 184 (andere zierat Chytraeus 230; vgl. schiffszierrat Stieler 2647; fenlin uff dem mast u. a. Diefenbach 31c). 1@c@b@33)) topium, topiarium gartengezierd Golius 380; vgl. gartenzierde oben sp. 1416 (aus Dasypodius, Maaler, Steinbach); s. auch gartenzier, -zierat ebenda; vgl. auch gartenzirat Chytraeus 442. 1@c@gγ) einzelne wörterbücher bevorzugen bis zur ausschlieszlichkeit bald die eine, bald die andere form. 1@c@g@11)) für das praefix ist auszer Calepinus, der einige abweichungen zeigt, namentlich der Nürnberger vocab. v. 1482 anzuführen: paraganda, mantel, getzierde eins mantels s. Diefenbach 411c (bei Calepinus 1071a kein deutsches ersatzwort); stema zierung, gezierde (niederdeutsch tziering, tzierheit) 551b (stemma, kron, krantz Calepinus; vgl. scema ... zierheit, tziringe Diefenbach 517c); dazu vgl. auch: tapetum ... teppech ... gemalt decklach ... stuellaken gezierd ... gezierde (in vocab. des 15. jahrh.) zunft Diefenbach 573b (tapetum ... teppich Calepinus 1510). 1@c@g@22)) durchgängig formen ohne praefix buchen Frisius, Chytraeus; ebenso die späteren Stieler, Reyher u. a. im nouv. dict. (Straszburg 1762) wird von gezierde auf zierde, zierrath verwiesen 1, 341; vgl. auch zierde Campe 5, 865. 1@dd) im formengebrauch ist einerseits die apokope im auslaut mit ihren einwirkungen auf den dental, andererseits einiges zum genus und numerus zu beachten. die monophtongierung des stammvocals (gezird) tritt aus dem rahmen mitteldeutscher schreibweise nicht heraus. 1@d@aα) der auslaut 1@d@a@11)) ist in den älteren zeugnissen, soweit aus den denkmälern zu erschlieszen ist, meist voll gewahrt. 1@d@a@1@aa)) wipgizierde Benedictbeurer handschr. 12. jahrh. Steinmeyer-Sievers 1, 490; desgl. gezierde im Nibelungenliede, Wigalois, Parzival u. a. s. mhd. wb. 3, 875b; auch Parz. 84, 21, wo Lachmann mit gezierd schreibt, bieten alle handschriften gezierde. 1@d@a@1@bb)) dagegen vgl. gezierd Friedrich v. Schwaben 6022 Jellinek; vgl. nonne von Reichental 42a; Marg. Ebner. 1@d@a@22)) im übergang zum neuhochdeutschen tritt die apokope stärker auf: 1@d@a@2@aa)) gezierde zeigt die älteste bibel vielfach da, wo Koberger, die Augsburger und Züricher bibel den auslaut kürzen, doch vgl. gezierd auch gelegentlich bei Mentel, gezierde dagegen bei Koberger; in den vocabularien (s. Diefenbach 223a) herrscht noch der klingende auslaut; desgl. gezierde bei Breidenbach und andern zeugnissen 15. jahrh., in den Straszburger chroniken (dtsch. städtechron. 8, 406; 9, 722) im gegensatz zu Nürnberger belegen; im Straszburger Terenz 81c; bei Nicolaus v. Landau, Matthias v. Kemnat, Sebast. Franck, Aventin (1, 57); Carbach 205b; Dasypodius, Wiederhold; aus späterer zeit vgl. gezierde bei Schottel, Zeiller. 1@d@a@2@bb)) apokope ist (s. o.) in der bibelübersetzung fortschreitend beobachtet, desgl. in schwäbischen, alemannischen denkmälern v. 15. auf 16. jahrh., aber auch in Nürnberger chron. und bei Hans Sachs. 1@d@a@2@b@aα)) am dental wird die media auch im auslaut gern festgehalten: gezierd bei Mentel und Koberger; in städtechron. 2, 263 (gezird); bei Geiler, Eberlin; Maaler (181c); Fischart, Wimpheling, Henisch. 1@d@a@2@b@bβ)) die tenuis ist andererseits auch von der participialform her (vgl. Diefenbach 401a) begünstigt; vgl. getziert Matth. v. Kemnat chron. 2, 87; gezirt Hans Sachs 23, 490; geziert Elsb. Stagel; Nicl. v. Wyle s. 21 (sonst gezierd); Ertinger 66; städtechr. 22, 256; Mayr epit ..., Fabritius. 1@d@a@2@b@gγ)) weniger häufig ist die zusammenstellung beider schriftzeichen: kirchengezierdt Maaler 244a; gezierdt Simon Rot, Wiederhold; gezierdt im plur. Augsb. ordnung. 1@d@bβ) das genus weist in den fällen, in denen es festzustellen ist (vgl. auch zum plural), überwiegend auf das fem. 1@d@b@11)) als fem. ist das subst. vor allem im dativ sing. zu erkennen: in der gezierde Heinr. v. Neustadt, gottes zukunft 7532; Stricker 6504; Rud. v. Ems Willehalm 5779; tugendebuch s. Germania 17, 54; Kemnat 2, 5; dtsch. städtechron. 8, 406; Carbach 205b; an aller gezird dtsch. städtechron. 2, 336; desgl. Friedrich v. Schwaben 6022; Koberger Esther 2, 13. aus anderen casusformen vgl. legten ab ire gezierd Augsb.-Züricher bibel 2 Mos. 33, 5 (ir gezierd Koberger); daʒ die gezierd von ir selber so weltlich und so bübsch ist gemacht Geiler brös. 96d (ebenda neutr. s. u.). 1@d@b@22)) als neutrum ist festgestellt: mit vil gezierdes ummesweif pass. Köpke 1, 21; dazu vgl. aller der gezierde, diu ... wârn gemacht Ottokar 47883 (var. gezierden); sin koniglicheʒ gezirde (var. gezeuge) thüringische fortsetzung der sächs. weltchron. 295; das gezierde ... das mittelste gezierd Koberger 3 könige 6, 6, ebenso schon Mentel (für tabulatum); das semlich gezierd bruchen würd todsünd Geiler brös. 96d (ebenda fem.); mit kostlichem gezierd Eberlin 1, 155. 1@d@gγ) die bestimmung des genus ist auch hier erschwert durch die unsicherheit in bezug auf den numerus, vgl. er zarte sînen wâpenroc und alle die gezierde sîn. Konrad v. Würzburg Partonop. 6281; desgl. Wigalois 7283; dtsch. städtechron. 9, 722 u. a. so lange im fem. die schwache form des plural noch nicht ganz durchgedrungen ist, läszt sich nicht immer mit sicherheit entscheiden, ob fem. singular oder ob der plural vorliegt. 1@d@g@11)) für den plural ist die form gezierde anzusprechen in sîne gezierde St. Galler glaube; desgl. Ulmer decameron 8; Harsdörffer; der gezierde (s. o.) Ottokar 47883; desgl. buch der liebe 21, 1; also sein vil gezierd die miszbrucht werden Geiler brösamlin 96d. dazu vgl. gezierde Wyle 77, 32; gezierd, gezierdt in den Augsburger verordnungen; ja selbst im dativ plur. erscheint gezierd bei Wimpheling. 1@d@g@22)) die form gezierden 1@d@g@2@aa)) im dativ plural: gicieridon Bamberger glaube; gezierdin alemannischer glaube; gezierden väterbuch v. 5; Stolle thüring. chron. 203; Folz, meisterlieder 11, 77; (Straszburg) dtsch. städtechron. 9, 722; 8, 54; (Nürnberg) 2, 337; A. v. Eybe 20; Faustbuch 64 neudr., Murner instituta, Augsburger polizeiordn. v. 1582 2a; (1668) A 1a. 1@d@g@2@bb)) im gen. plural: gezierden (var.) Ottokar 47883; Augsburger polizeiordnung v. 1582 s. 2a. 1@d@g@2@cc)) nom. oder acc. plur.: gezierden ztsch. d. a. 8, 330; Hug rhetorica 8a; Gargantua 101; fraglich A. v. Eybe 20; Achatius Sleidan 14b. 22) gebrauchsformen und betätigungsgebiete. 2@aa) eine abstracte bedeutung mit zusammenfassender kraft ist in der ältesten verwendung zum ausdruck gebraucht: schmuck und glanz des irdischen lebens, bezogen auf pracht und reichtum der äuszeren natur. bei diesem vorstellungsinhalt, der im anschlusz an bibelstellen und unter dem einflusz lateinischer prägungen dargeboten wird, ist es schwer, der deutschen grundauffassung auf die spur zu kommen und den anschlusz an auszerdeutsche zeugnisse für unser subst. zu gewinnen vgl. oben sp. 7098. von bedeutung in dieser richtung ist die wiedergabe des lateinischen ornatus in: himel und erde wurden vollebracht und alle ir gezierde Mentel 1 Mos. 2, 1 (omnis ornatus eo rum; cieritha St. Pauler glossen Steinmeyer-Sievers 1, 311; gezierd Koberger; Augsb. bibel; Eck; Dietenberger; himel und erden mit jrem gantzen heer Luther, desgl. Züricher bibel). als nue himel und erden mit iren gezierden volbracht worden sein Albr. v. Eybe 20a. 2@a@aα) die ältesten entsprechenden verwendungen lehnen sich an eine andere bibelstelle an, die diese weltfreuden mit dem teufel in engere verbindung setzt: do nam in der viant uof einen hohen berc unt zeiget im elliu diu riche der werlde unt alle ir ere unt ir gezierde unt sprach ... elliu dirre werlt riche unt ir ere unt ir gezierde diu gib ich dir, ob du mich ane betist predigten der Wiener handschr. (13. jahrh.) fundgruben 1, 101 (vgl.: omnia regna mundi et gloriam eorum ... erdrichu inti iro diurida Tatian 15, 5; vgl. guallichi Otfrid 2, 4, 83; alle di reich der welt und ir wunniclich cod. Tepl. Matth. 4, 8; glori Augsb. bibel). 2@a@a@11)) daran knüpfen die abschwörungsformeln der christlichen kirche an, deren deutsche fassung unser subst. schon im 9. jahrh. in diesem zusammenhang gezogen und bis zum 19. jahrh. festgehalten hat, im wirksamen gegensatz zu der beliebtheit, der die sippe im germanischen heidenthum für die bedeutung von splendor und gloria sich erfreute s. o. sp. 7098. das deutsche wort entspricht hier sowol dem lat. cultibus (diabolo et operibus et cultibus ejus) als auch dem volleren pompis (vgl. das altnordische hans verkum ok vaelum s. Massmann Göttinger gelehrte anzeigen 1839 s. 56), in beiden fällen also einem pluralbegriff, wie auch der pluralgebrauch gerade in diesen wendungen wurzelt. 2@a@a@1@aa)) da ist es bemerkenswerth, dasz in den ältesten zeugnissen für den lat. plur. auf der einen seite das einfache wort im plural, auf der andern die präfigierte form im singular eintritt, die grenze zwischen einfachem und präfigiertem subst. also vielfach im zusammenhang mit der wahl des numerus zu laufen scheint. 2@a@a@1@a@aα)) ih intsago mih demo tiufeli unde allen sînen werchen und allen sînen zierden Wessobrunner glaube und beichte s. Müllenhoff u. Scherer denkm. 13, 292; vgl. auch 310. 313 (zur lat. formel vgl. abnuncio diabolo et omnibus operibus ejus et omnibus pompis ebenda 23, 452); das gleiche spec. eccl. 4 Keller; predigt der Wiener handschr. (13. jahrh.) s. fundgruben 1, 105. 2@a@a@1@a@bβ)) ich iwidersage dem tiefle und allin sînin werchin unde allir sînir gezierde 3. St. Galler beichte s. denkm. 13, 306: 'jâ', sprach der keiser âne spot, 'ich wil gerne in minin tagen dem argen tiufel widersagen und aller der gezierde sîn'. Konr. v. Würzburg Silvester 1774 W. Grimm. so du widersagst dem teuffel und aller seiner gezierd oder gespenst, ain sOelcher mensch der wrt gegleichet dem häszlin Geiler has im pfeffer (1502) a 2a. fraglich in bezug auf den numerus ist: ih fersâche den tiuvel unt elliu sînu werc unt alle sîne gezierde 2. St. Galler glaube und beichte s. denkm. 13, 306. 2@a@a@1@bb)) freilich ist der plural auch in der präfigierten form früh belegt: ich firsago demo tiuvale, allen sînen werchan und allen sînen gicieridon Bamberger glaube s. denkmäler 13, 298; desgl. (gezierden) alemannischer glaube ebenda 307; sprechet nach mir: ich widersage dem tieuel unde allen sinen gecierden unde allen sinen gespensten predigt der Wiener handschr. 13. jahrh. s. fundgruben 1, 111; dazu vgl. noch die neue nachbildung: und dem teufel versagt habt und allen seinen werken und allen seinen gezierden Scheffel Ekkehard 121. 2@a@bβ) auszerhalb dieser formel ist die beziehung des subst. auf den teufel wenig beobachtet (die mit wertlichen und mit tievellichen zierden bevangen sint altdtsch. physiologus s. dtsch. sprachdenkm. 12. jahrh. s. 81 Karajan; desgl. fundgruben 105, 26). dagegen ist die verbindung von gezierde und welt — wohl in anknüpfung an die gleiche bibelstelleauch sonst viel gepflegt: daʒ wir dirre werlde nit volgen ir gezierde sîn erbolgen. genesis u. exodus 45, 15 Diemer; vgl. (der werlde zirde vorbirt) H. v. Hesler apokalypse 2602 Helm und im gegensatz dazu: di begunden harte ringen, wi si den abgot mahten geminnen. wertlîch gezierde begunde in harte lieben, si netâten gotes nehaine war. kaiserchronik 13091 (var.: zirde); gOetlich minne ... won si hatte ir als vil daʒ si alle die frOede dirre welt versmahet, als da stat geschriben: 'daʒ riche der welte und alle ir gezierde hab ich versmahet durch minen herren Jhesum Christum' sog. St. Georgener prediger 49 Rieder; vgl. daʒ rîch dirre werlt und alle gezierde dirre werlt han ich versmaeht predigten 13. jahrh. s. fundgruben 1, 120; si hat och in grosser rainikait ir leben vertriben und die welt mit aller ir geziert gantzlich verschmach Elsbet Stagel leben d. schwestern zu Tösz 102 Vetter; ich hab einen guoten streit gestritten, und mag denn wol mit frewden singen regnum mundi et omnem ornatum seculi contempsi; das reich der welt und alle gezierd dieser welt hab ich verschmAecht Geiler von d. ausgang der Juden (1510) K 1a. 2@a@gγ) auch der gedanke an das vergängliche in der herrlichkeit der welt führt in mehreren zeugnissen für unser subst. auf bibelstellen zurück: 2@a@g@11)) sprichet her Salomon 'eʒ ist ein uppigiu vrOede und ain unstätiu gezierde, dú wunne dirr welt' St. Georgener prediger 280; daʒ ist diu welt und alliu ir gezierde und ir gespenst 140. vgl. prediger Salomo 1, 14; nim war die welt und alle ir gezierd freud so bald verswindet und zerstübet als ein rouch Geiler v. Keisersberg christenlich bilger (Augspurg 1514) s. 148b. 2@a@g@22)) so der sunn wirt geborn mit hitz und macht durr daʒ hew: und sein bluom die viel; und die gezierd irr gestallt verdarb. also fault auch der reich in seinen wegen Mentel Jakob 1, 11 (et decor ejus deperiit, gezierde cod. Tepl.; sein schOene gestalt Luther; hüpsche gestalt Züricher bibel; Eck; Dietenberger); vgl. auch Jesaia 40, 6. 2@a@g@33)) und gein der ewegen gezirde ist unstede gezirde unreine und unlusteg (omne decorum) Nicolaus v. Landau 117 Zuchhold; 'wol dir lieber herre, daʒ dû uns sô maniger hande gezierde und êre unde wirdekeit und wollust hie in disem jâmertale gîst' Berthold 1, 396; daʒ ist diu werltleich ritterschaft, diu lebt auf dem land des werltleichen wesens ... daʒ ist des schatzes und des zinses diser werltleicher gezierd Konrad v. Megenberg 211 2@a@dδ) aber auch ohne alle nebengedanken wird die schönheit der welt erfaszt und gepriesen. 2@a@d@11)) als eine schöpfung gottes vgl. oben sp. 7108: er hieʒ si (die stern) schînen mit gezierde. genes. u. exodus 3, 13 Diemer; din gotelicheʒ kunden, deme nie witze gebrast, geschuf himel und erdenlast mit vil gezierdes ummesweif des firmamentes witen reif in loufender sinewelle. pass. 1, 21 Koepke; desgl. 438, 40; 670, 88; Adonay, des gewaldes got, des groʒer krefte gebot die gescheffede lieʒ werden, beide himels und der erden mit ir gezierden manicvalt. väterbuch v. 5 Reiszenberger; och waʒ da mit bezeichent wol deʒ himilis gezeirde und Orion. Rud. v. Ems weltchron. 12030 Ehrismann. 2@a@d@22)) als obe ein kint ... die wîle eʒ in sîner muoter lîbe ist besloʒʒen ... solte sagen von aller der wirde unde von aller der gezierde die diu werlt hât, von der liehten sunnen, von den liehten sternen Berthold v. Regensburg 1, 389; ein mensche ... enhede nie gesehen sunne noch mane noch ertriche, und der ime danne segete von der sunnen clarheide und von des ertriches gezirde, er enmohte eʒ nit gleuben Nicolaus v. Landau 71 Zuchhold. 2@a@d@33)) dâ sprungen bluomen unde gras vil wünneclichen inne, und wuohsen nâch gewinne dâ vîgen unde mandelrîs, als ein irdesch paradîs. beschoenet stuont diʒ einlant. swem ie (diu?) gezierde wart bekant, der möhte eʒ balde gesten. Konrad v. Würzburg Engelhart 5237 Haupt; (vgl. die prîse ich unde geste Burkart v. Hohenfels m. s. 1, 89b); ob allen gezirden die ie hercz besan noch kunst nie offenbarte so recht schon allʒ der mone, gancz auszerwellt allʒ die clar sun ... unser frauen himmelfart s. Folz meisterlieder 11, 77 Mayer. 2@a@d@44)) dô huob er ûf unde tranc einen trunc, der für die andern gie ... ich wil in loben immer für buhurdieren und für tanz krône, tschapel unde kranz pfelle, samît unde scharlât swaʒ gezierde disiu werlt hât, die naem ich niht für den wîn. weinschwelg 48 s. Germania 3, 212b. 2@bb) wenn schon im vorhergehenden aus dem collectivbegriff, der sinnliche erscheinungen umfaszt, die stärkere beziehung auf eine einzelheit und damit der übergang vom abstracten begriff zur sachbedeutung hervorzugehen schien, so hat sich diese entwicklung greifbar im rahmen des bauwesens vollzogen, wo das subst. erst langsam, dann immer reger eingang fand. auf heimische bauten ist freilich in älteren belegen wenig bezug genommen, selbst vom kirchenbau wird gesagt: hievor machte men die kirchen vaste mit holtzwerke und mit slehten steinen, und men hette nüt not umb kostsper steine noch umb grosse gezierde Königshofen s. dtsche. städtechron. 9, 722 (s. u.). wenn auch nicht für alle fälle gültig, stimmt dieser satz doch zu der thatsache, dasz das subst. anfangs nur der schilderung von bauten dient, die durch geschichtserzählung oder romanstoffe von auswärts her bekannt werden. sachverständiges eingehen auf einzelheiten ist hier weniger gegeben, und so ist auch die sachbedeutung hier nicht so leicht zu fassen. 2@b@aα) das subst. in der schilderung ausländischer kunst. 2@b@a@11)) allgemeine und abstracte verwendung: der burge ... burgetor ... sint edeler denne elliu diu gezierde diu die Juden îe gewunnen ... noch Salemonis gezierde u sin templum ... mac niht gebenmaʒʒet werden unser herren hûse spec. eccles. 161 Keller; ouch hân ich an die liehten want mîner ougen weide vil gewant und hân mich obene an daʒ gôʒ an daʒ gewelbe und an daʒ slôʒ mit blicken vil gefliʒʒen, miner ougen vil versliʒʒen an der gezierde dar obe, diu so gestirnet ist mit lobe. Gottfried Tristan 17135; in die burch er do gie. baʒ gezierde gesach er nie ... daʒ diu mure innen gar gegen im von rotem golde schein und daʒ vil manech edel stein gegen dem andern glaste. Wigalois 7272; vgl. auch (der gezierde gemach) Stricker Daniel 6504 (var. geziere); einen wunneclichen palas daran so viel gezierde was, daʒ man es für richeit jach. Rudolf v. Ems Barlaam 23, 10; uff welches hohe was die burg oder der thurn Davids do hin gesetzt umb wegen gezirde und beschirmunge der stat v. Breidenbach reyszen gen Jerusalem (1486) 64a; das gleiche bei S. Franck weltb. 176a; der gott des reichtumbs rümet sich ... ziere ich die tempel, durch mich werden die stette hübsch ... ich hilff ... vil mit gezierde Frölich Joh. Stobai scharpfsinnige sprüche (1551) s. 446 (91 spruchr.). 2@b@a@22)) hier schon (vgl. auch oben Wigalois 7272) ist für das schmückende am bauwerk die vorstellung einer äuszeren zuthat nahe liegend, sie mag auch durch die verwendung des subst. innerhalb des menschlichen leibes- und kleiderschmucks (s. u.) in der besonderen richtung auf die kostbare hülle, die einen kern von schlichterem stoff umkleidet, weiter getrieben worden sein. so gewinnt der architectonische gegensatz zwischen tragenden und schmückenden dienstleistungen einflusz auf die bedeutungsentwicklung und begünstigt den übergang zur sachbedeutung: vil schier in aber do erschaein. ein guldeine moure. diu was also wunnechlich. daʒ eʒ waere ummugelich. mit sagen oder mit singen. iemer fur zebringen. menschlicher stimme. daʒ uber al wertliche sinne. mit gezierde diu dar an leit. eʒ was von phelle unt mit sameit. gistriut unt behangen. Tnugdalus s. 62, 18; der ander ietweder schrin was niht wan einvalt hulzin die man gezierde gar erlieʒ. Rudolf v. Ems Barlaam 47, 17; die lade von gezierde kluoc, dar inn' er daʒ herze truoc und der frouwen vingerlîn. Konrad v. Würzburg herzemaere 369 Lambel. 2@b@bβ) die berührung der begriffe bauschmuck und kleiderschmuck ist besonders enge bei der beziehung auf das kirchenwesen. in der zusammensetzung kirchengezierde (vgl. th. 5 sp. 803), in der die vollform sich am längsten der abstreifung des praefixes widersetzt (vgl. kirchenzierde sp. 815) und gegen die concurrenzformen (kirchenzier, -zierat ebenda s. auch oben sp. 7106f. bei gezier) in der wiedergabe des lat. ornatus besonders erfolgreich ist, werden nicht nur bestandtheile des bauwerks selbst, sondern auch die zum kirchendienst erforderlichen gebrauchsgegenstände, wie kelche, monstranzen u. a., ebenso aber die gewänder der geistlichen umfaszt. und auch in engerer beziehung auf das bauwerk ist vielfach die bekleidung und schmückung der statuen nach menschlicher art für den gebrauch maszgebendin allen richtungen anhaltspunkte für die herausarbeitung der sachbedeutung, die sich aber durch den zusammenhang nicht immer sicherstellen läszt. 2@b@b@11)) allgemeine, abstracte bedeutung: 2@b@b@1@aa)) ein verbalsubstantiv (thätigkeit und zustand) erschlieszen: der priesterlichen kleidung hat er für die bischöff, mit dem geschmuck, so bisz auff die füsz hienge ... von goldt und edlen gestein, tausent gemacht ... und ist gar in keinem ding karg gewesen, sondern bei des tempels gezierd hat er ein reilichs gemüt gehabt C. Hedio (1553) verdeutschung des Josephus (von den alten geschichten 7 buch) s. 142a; das Breslau keiner andern statt weichen mag, man seche gleich an die schöne fortifi die herligkeit der gebai oder geziert unnd pracht der kierchen F. F. Ertinger reisebeschr. durch Österreich (1682) 66 E. Tietze. 2@b@b@1@bb)) ähnlich wohl auch das folgende, wenn gleich collectivbegriff nicht ausgeschlossen: ich sag iu, an dem palast süln sîn diu venster verglast, mit gezierd ... Jansen Enikel 12873; vgl. auch Rud. v. Ems weltchron. 27909; von der wite und grösse und gezierde des tempels losse ich under wegen zuo sagende Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 271; ein kirche oder ein münster: das bawete er mit so grossen kosten und gezierden 8, 271. 2@b@b@1@cc)) die verbindung mit dem collectiven 'gebäu' legt die collectivbedeutung besonders nahe, ohne sie ganz sicherzustellen: wollen das alles das alda sannt Wolffgangen ... gevalle und gegeben werd ... an sein notturftige gebew und gezierde uszgeben und angelegt werden solle ... so wollen wir ... an sein pflaster im münster und an ander sein gezierde und nottürft eine zimliche stewr geben Ellwanger urk. 1473 s. Würtemb. vierteljahrsh. n. f. 17, 179 (gebew und gezierde hier noch zweimal); dann alle sOelche gezirde und schOene gepewe ligen Ulmer decameron 8; zu den gebuwen und gezierd der kirchen Wimpheling Teutschland (1648) C 1b. 2@b@b@22)) sicherstellung des collectivbegriffes mit der herausarbeitung der sachbedeutung. 2@b@b@2@aa)) allgemeinste fassung: die schoenen tempel grôʒ wurden gemachet blôʒ aller der gezierde, diu zêren und ze wirde wâren gemachet unsern goten. Ottokar 47883; desgl. Rud. v. Ems weltchron. 33924 u. a.; mit kirchen burnen ... kirchen heiligen gezierden schenden s. ztsch. d. a. 8, 330; verbranten ... daʒ wirdig gotzhuus zu Puchswabach und beraubten auch daʒ an aller gezirde dtsch. städtechron. 2, 336; vgl. auch gotʒzier 23, 494 u. a. 2@b@b@2@bb)) besondere beziehung auf den kirchenschatz: 2@b@b@2@b@aα)) die capellen, die wir in den êren Christi Jesu von grunt erpauet, auch mit nothurftiger gab und geistlicher gezierde reichlich fursehen haben Aventin (chronik v. Altenoting) 1, 57 (im lat. text: dotaque opportuna et ecclesiastico ornatu). 2@b@b@2@b@bβ)) er schuldiget in auch, daʒ er guldineu chranz und rauchvaz und chelih und edliu tuch und heilige gezierde der chirchen lieʒ berauben sächs. weltchron. (1. bair. forts.) 323 Weiland; vil wirdiger gotzheuser mit allen ornaten und gezirden der kirchen Nürnberger chron. s. dtsch. städtechron. 2, 337; vgl.: dat sie ... in den ... kerken gemeinlich alle gemelte und bilden unses heren Jhesu Cristi und alle gades hilligen, ock altaria und geczyrte der kercken ... vorstoret zeugenvernehmung in Greifswald 1529 s. balt. studien 18, 180; wo wer hinkommen alle die kOestlichkeit aller kirchen und altar ... silbere stuck und seidenwad, casufeln und andere dergleichen kleinot und gezird Fischart bienenkorb 7; vgl. die buchungen sp. 7106; vgl. donarium quod in sacrum usum confertur, ανάθημα, kirchengezierdt oder geschenk, belg. kerkencierat Junius nomenclator (1577) 228b s. u. th. 5 sp. 803; vgl. auch: und versteckten ire kirchengetzirde, brieff und kleinat M. v. Kemnat chronik Friedrich I. s. 53; von kirchen gezierd. man soll weit kirchen buwen und starck, alle sundere kostlicheit soll von der kirchen ab sein. on den kelch ... soll kein silber noch gold in der kirchen sein. kein edelgestein, kein mäsz gewand ... allein für zwen pfaffen, soll gmein tuoch gebraucht werden Eberlin v. Günzburg (10. bundsgenosz) 1, 118; vgl. gottesdienst und kirchenzierd 2, 74; kirchenzierde Frölich Stobai scharpfsinnige sprüche (1551) 446. 2@b@b@2@b@gγ)) beraubten gotzheuser, es wer an püchern, kelchen oder anderer gezird Nürnberger chron. s. dtsch. städtechron. 2, 263; verbrantent die glocken und die orgele und ander gezierde gar vil Closener s. dtsch. städtechron. 8, 94; er zoch abe den heiligen ire kleider und gezierde die von golde und edelm gesteine gemaht worent, und sprach, die cleider und güldin cronen und andere gezierde gebent den bilden zuo winter nit warm, so werent sü in zuo sumerzit zuo swere Königshofen ebenda 394. 2@b@b@2@cc)) engere beziehung auf einzelheiten am bauwerk selbst: Karle ... buwete ... zuo Oche unser frowen münster mit grosser wunderlicher gezierde von golde, silber und von edelme gesteine, und det sülen und marmelsteine holen zuo Rome Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 406; ving men das münster ... ane zuo machende mit eime tieffen starken fundamente und mit kostpern steinen und gezierden 9, 722; ein soldan auch vor zitten schon in disser kirchen so kOestlich ornat suolen, taffelen unnd ander gezirde, gebot alles solichs abgehebet werden und hin weg in Babiloniam gefrt werden Breidenbach reiszen (1486) 61. 2@b@gγ) noch deutlicher kommen die gegensätze zwischen abstractem begriff und sachbedeutung in der beziehung auf einheimisches weltliches bauwesen zum ausdruck, wo sich das subst. als kunstausdruck der bausprache nachweisen läszt. 2@b@g@11)) die abstracte verwendung bringt ein nomen actionis zum ausdruck: disser den hoff in unser statt gor schön new renoviret hatt ... ist ietzt ein adenlîcher sitz mitt schenen gmach von stub und kammern kan von einr durch die andern wadern, ist rings umbaut der gantze platz, gibt ein gezierd der gmainen statt schen guldin knöpf stehn oben drauff uff iedem eckh baw, sicht hipsch auss. J. Fizion cronica (von) ... Reutlingen s. 67 Bacmeister; vgl. auch (s. o.) gezirde der stat Breidenbach 64a; inn des gipffeln zwo burg als gar von vil steinwerk gebuwet sint, das sie von getziert der heuser den, die darinn wonhafftig seint, zu einem wollust ... gesein mogen Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs 7. 2@b@g@22)) ansätze zur festen beziehung auf bestimmte gebilde liegen vor in: 2@b@g@2@aa)) ūnd das rathusz was an den wenden alle umme her wol behenget mit fele gulden stucken unnd kostlichen geczirden Stolle thüring. chron. 203; so hat diese statt (Wien) ... die gassen mit harten steinen, die häuser mit lustigen gemechen und stuben, weit an stallungen, und sonst mit allerlei gezierden volksbuch v. dr. Faust 64 Braune; dass solliches alles in rechter waggeräde und jedes glid derselben an sein rechte böhörliche stadt gericht werden, auch zu jederm underschidlichen gaden und gezierden imer ander und andere maszbretter, lehre zollungen, fürreissens und abmerken E. Holl schreiben an den Augsburger inspect. des fortificationswesens (1607) s. zeitschr. hist. ver. Schwaben 23, 64; es sOellen auch die zwo camern im schlosz gegen dem burggraben mit jren betstatten gwandcasten und gezierden wie die uf hut stöt bliben unverendert heiratsvertrag in H. Gesslers rhetoric g 3a (1493) desgl. (1506) 39a. 2@b@g@2@bb)) wer mocht nu erzelen die wunderlich grosse des gebuwes, besunderlich der einen burge, so der einick, der auch der koniglich sale heist, von uffenthaltung der seulen, von getzird der benne, von schinbarlichkeit der uberbalken mit so grosser hubschkeit gebuwet ist Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. 8; dise Cherubim sind kein bilder gesin, sunder ein gfreus unnd gezierd am krantzgwerck der arch L. Hätzer acta (1523) d 4b. 2@b@g@33)) dieser bautechnische begriff einer äuszeren zierrat, die dem grundstoff aufgelegt wird, kommt in späteren zeugnissen noch deutlicher zum ausdruck. da unsere vollform aber um diese zeit bereits zurücktritt, so ist er an stammverwandte bildungen und an formen ohne praefix geknüpft: in gleichen massen müssen die trefflichen zierden der bilder dem gebäue zustimmen L. S. Sturm Goldmanns civil-baukunst (1699) 48. alle zierathen sollen ein absehen haben, auff den zweck eines gebäues, dahero nehmen die erfahrne baumeister die zierden ausz der sache selber ebenda; vgl. auch faciaten und bauzierdten E. Holl s. zeitschr. hist. ver. Schwaben 23, 64; der austailung und zierden sollicher gebeu 66; vgl.gebeu und gezierde oben sp. 7112. desgleichen aus der zeit der aufkommenden stuckarbeit: si (die bildhauer) gaben fur, sehs bilder seien vor drei wochen in der kirch als gänzlich ausgemacht gestanden und drei zum brennen völlig verfertigt, so doch heutigen tags ... noch kaines also beschehen, weil jene ire zierd und vollendung nicht bekumen ... dannenhero solten die bildhauer, wann sie in der kunst für erfahren wolten gehalten sein, auch die zierd der statuen, darzue die grosse gefahr im setzen formieren, abnemen, brennen ... bedacht haben Augsburger bildhaueracten 1583 s. zeitschr. hist. ver. Schwaben 23, 6 (bilder von stuckwerk ... mit zierrathen geschmückt); solchem nach sollen erstlich die bildhauer alle stuccator- und freie handarbeit, als da sind bilder, statuen, wappen, schild, franzen, teppich, früchte, laub - blumen, bandel- und schneidwerk, krause arbeit, allerhand historien, emblemata mit laubwerk, oder auf andre art zierlich ausgearbeitet, in summa alle und jede zierarbeit ... zu machen berechtigt sein, jedoch alles auf den von den maurern vorhero gemachten grund oder wurf, da hingegen die maurermeister alle quadratur und glatte arbeit ... berechtigt sein sollen Augsburger vergleich von 1725 s. ebenda 23, 61. 2@cc) gebrauchsgegenstände, die in den rahmen des kunstgewerbes fallen, bilden das hauptgebiet der sachbedeutung: ausrüstung, waffen und fahrende habe; leibesschmuck und kleidung: und so buwent sú grosse húser ... so sint es denne die silberin trinckevas und denne die gezierde, und sint denne die kleider und die gerihte, und wellent in allen disen dingen lust haben Tauler predigten 127 Vetter; vil reichtumb vil kleinot und gezierde Albr. v. Eybe 45b; vgl. auch Fischart bienenkorb 7; ob tantzen sünde si und ob an liplicher gezierde sünde lige. ob daʒ sünde si das sich der mensch mit zieret. ob der frowen ubrige gezierde müge sin ane sünde ... ob die werkmeister die hübsche ding machent und hübsche gezierde damit sünde begangen der tugende buch (1382 in Luzern geschrieben) inhaltverzeichnisz s. Germania 17, 54. kennzeichnend ist, wie sich in der engeren beziehung auf die welt und das irdische treiben die sachbedeutung gegenüber den oben besprochenen, vom abstracten begriff getragenen belegen abgrenzt: got der negert weder silbirs noch goldes noch keiner slachte gezirde on dirre werlde wane ... des reinen herzin altdtsch. predigten 1, 232 Schönbach; swaʒ si konde irdenken von gesmide und von gezirde dirre werlde 282. fraglich ist die sachbedeutung in: stat macht diebe, das ist war. übrig gezierde schadet gar. Boner 324, 2. eine verbalhandlung andererseits ist anzunehmen in: geberd, da durch ein anders gezogen und gereitzt würt zuo der sünd ... in übriger gezierd der kleidung durch, unordenliche anblick und hübschen gangk Geiler v. Keisersberg dreyeckecht spiegel C c 6b (in 'das irrig schaf'); gerade ... heisset auch ... geräthe ... gaben, die den weibern über ihre mitgabe gegeben werden, zu ihrem schmuck und gezierde, dienstlich und gebräuchlich Zeiller epistol, schatzkammer (1683) 347 epistel. 2@c@aα) fahrende habe und ausrüstung. 2@c@a@11)) bî einer wîle giengen schenken für mit gezierd von Azagouc, dar an grôz rîcheit niemen trouc die truogen junchêrren în. daʒ muosen tiure näphe sîn von edelem gesteine. Wolfram Parzival 84, 21; Demetrius der gottlose goldschmid oder silberarbeiter ... der verleget die andern goldschmide, und liesz der abgöttin Diana silberne heuszlein unnd allerlei gezierde machen Mathesius hochzeitpredigen s. 185 Loesche. 2@c@a@22)) wand er ersach dô bi dem tage in der barken ein gezelt ... ouch lag an dem schiffe gnuoc rîcheite, des nam er dô war. si wâren beide erwünschet gar und an gezierde wunderlich. Konrad Partonop. 769; dô wart ûf ein schoeneʒ velt manic hêrlich gezelt mit grôʒem vlîʒe geslagen ... daʒ der künec Artûs noch dehein manne nie gesach der gezierde gemach. Stricker Daniel v. blühenden tal 6504 (var. geziere); swaʒ sie in deheinem lande von gereite und von gewande gezierde haeten gesehen. 6829. sin gezelt rîchemuost wesen dâ bereit, und ander sîn gezierde, als eʒ uns ist geseit. Wolfdieterich B 38; dem hertzogen ist sein legerstatt gantz abgewonnen und darinn genomen, was da gewesen ist von aller geziert (Augsburg) dtsch. städtechron. 22, 256; denn sein zelt, deszgleichen der stul, darauff er sasz, war alles so köstlich mit güldenen thüchern umbhenckt unnd geziert, also, dasz allein der geschmuck und zierde desz gezelts und wohnung desz soldans ... ein gantzes fürstenthumb kaum hette bezahlen können. und als Florens die köstlichen gezierde ersahe, verwundert er sich dessen gar sehr buch der liebe (Frankf. 1587) 21a; vgl. aber: als in des trones zirde daʒ lamb entsloʒ daʒ virde sloʒ. Hesler apokalypse 11443 Helm. 2@c@a@33)) so vil was der gezierde. ze jungest er erzwierde ainen helm silber wiz. Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Oesterreich 3900 Regel; kam ein ritter geritten über das filde, stolzlich her gewalopiert in kostlicher gezierd. Friedrich v. Schwaben 6022 Jellinek; die Crichen und ir zirde, wer die Troyrde weren und wie getan, daʒ lere ich als ich gelernt han. nu solde ich sprechen furbaz ... die Crichen und die Troyre mit wie getaner gezirde und mit wie getaner gebere ir iegelich zu strite were. Herbort v. Fritzlar troj. krieg 2894. ouch bat er si legen allen iren fliʒ daran, daʒ sich zierte ie der man mit aller der gezierde, dâvon prîs und wirde an rittern wirt gemêret. Ottokar 19668; der kúng ist ingefarn zu Calys ... ist ime da engegen gefarn der grAeve von Wermeler, hauptman ze Calys, mit der allerhubschesten gezierde und geselleschaft Basler chroniken 5, 162; zogetent die mit Sigemunde dem künige von Ungern in die heidenschaft mit grosser herschaft und gezierden und gte Königshofen s. dtsch. städtechron. 9, 855; desgl. 844. 2@c@a@44)) zur besonderen beziehung auf den pferdeschmuck und zur gleichung falerae, gezierde (s. o.) vgl. auch: zierplatten, zum teil aus gold und mit edelsteinen geschmückt ... sind uns durch ... gräberfunde erhalten und werden oft erwähnt ... am kopf angebracht ... und an den riemenkreuzungen der brust Althof Walth. poesis 2, 125; vgl.(faleras) ornamenta equorum, zieri Tegernseer glossen des 11. jahrh. Steinmeyer-Sievers 2, 754. an den stegereifen was ouch diu gezierde grôz daz sie des sateles genôz wol in ir ahte wren ... Flore 2846; auch hat man einen haidnischen Herculem erfunden an sant Jörgen. item ein haidnischen Hypolitum, desz pfärd si mit kostlichem gezierd umbhencken und thuond im grosse eer an Eberlin v. Günzburg 1, 155 Enders; der erste offerirt dem könig ... ein sehr schön neapolitanisch pferd, von farben und anderm nicht wackerer zu malen, mit aller gezierd, nemlich sattel, zaum und allem andern, von sammat, silber und golt, auffs lustigs geschmückt Kirchhof wendunmuth (2, 40), 77 Oesterley. (vgl. aber: uberflussiger unkost inn pferdt gezeugen Mainzer polizeiordnung v. 1548 12b). 2@c@bβ) vor allem aber in bezug auf den schmuck am menschlichen körper und die kostbarkeit der kleidung hebt sich im bedeutungsinhalt des subst. die sachbedeutung heraus. ausgesprochene nomina actionis sind hier wenig beobachtet: waz ob si an ir kleiden golt unde silber hat, daʒ durch gezierde an ir stat. pass. 393 Köpke; alle sein geschmück geben und kleineter so zuo manlicher gezierd und gebruch dienend Gessler rhetoric (1493) g 5b. (1506) s. 41b. 2@c@b@11)) das alles auff das kostelicheste mit kostlichem gewand und mit kostlicher gezierd U. v. Richental chron. d. Konstanzer konzils 42a; sach den burger ston gar in kostbern kleidern, und under anderen gezierden schetzet er des burgers eser (cucufam), wie der mit siden genejet waʒ und edelstein darin gewürket Closener s. dtsch. städtechr. 8, 54; ich will die oder jhen gezierd ablegen, was sol es mir als sampt Geiler has im pfeffer c 3b; hirnach set all so verzaichnet pur ein warhaft abcontrafactur des ieʒ dürckischen kaisers frei ... sampt seinem dürckischen hoffgsind ... wie sie mit namen sind genant und mit ir klaidung und gewant ... wie sie gent mit gezirt und wat auff dem lande und in der stat. Hans Sachs (dürckischen kaiser hoffgesind) 23, 490 Goetze u. Kelle. bemerkenswerth für den gebrauch des subst. wie für dessen abgrenzung gegen die bedeutungs- und stammverwandten sind die städtischen kleiderordnungen, die sich namentlich in Augsburg zeitlich verfolgen lassen: 2@c@b@1@aa)) die formen wechseln schon in den titeln: aines ersamen rahts der statt Augspurg der gezierd und kleidungen halben auffgerichte policeyordnung 1582 Augspurg (vgl. polizeyordnung die geziere und kleidungen betreffend oben sp. 7102); eines ehrsamen hochweisen raths desz heil. reichs statt Augspurg ernewerte zierd- und kleider-ordnung Augsb. 1668; — erneuerte policey — zierd- kleider- hochzeit- kindtauf- und leichordnung Augsburg 1683. 2@c@b@1@bb)) abgrenzung im texte: 2@c@b@1@b@aα)) wie es hin fürder ... allhie, der kleidung und gezierdt halben gehalten werden solle Augsb. ordnung von 1582 s. 2a; vgl. dagegen: von zierd und kleidern dern von der kauffleut stuben 3a; desgl. (1668) A 2a; (1683) 78; eine höhere oder köstlichere zierd- und kleidung, weder dise ordnung zuläszt Augsb. ordnung von 1668 A 2b; desgl. B 1a; vgl. dazu: von ringen, guldinen ketten, kleinoten und dergleichen eusserlicher zierd und hoffart Ryff traumbuch Artemid. (2, cap. 5) 78 (dagegen nomen actionis in: das harte gold und alle seidene kleider und andere, zur zier zu gebrauchen Augsburger ordnung von 1582 s. 4a); vgl.: bei verlierung des klaids oder klainots Mainzer ordnung v. 1587 s. 13a (gegen: unordnung und köstlichkait der kleider 9a). 2@c@b@1@b@bβ)) ob wol ein ersamer raht ... liebers nicht gesehen, dann das sich desselben burgerschafft und angehörige, in kleidungen und gezierden, ein jeder seinem standt gemesz erzaigt ... hette ... so hat er doch ein zeit her im werck erfaren, dasz die kostlichheit der kleider und gezierden bei vilen sehr uber hand genommen Augsburger polizeyordnung v. 1582 s. 2a; wie wol ein ehrs. rath ... bereit vor vilen jahren ein sonderbare zierd- und kleiderordnung auffgericht ... so hat doch derselb seithero mit nit geringem miszfallen ... erfahren müssen, dasz in denen biszherigen newen veränderungen, der übermässige pracht und köstlichkeit in kleidern und gezierden bei vilen ... ohne schew also überhand genommen Augsburger ordnung v. 1668 A 1a. vgl. dagegen: wegen der leibskleidungen und zierathen Augsburger ordnung von 1683 s. 80; desgl. 85; die leibskleider und deroselben ausziehrungen 89; perlen, pugglen ... guldene ketten und andere kleinater Augsb. ordnung v. 1582 s. 3b; kleider, geschmuck und kleinoter Mainzer ordnung v. 1548; desgl. (1587) 9b; vgl. auch 12b. 13b. 2@c@b@22)) einzelheiten sind vielfach in der vollform, noch häufiger in formen ohne praefix gekennzeichnet: zuo den Cakokiern, welche plawe steinlin in den leffzen tragen, inmassen fast alle nackende völcker ihr geziert von gold, silber, oder edlem gestein zu tragen im brauch haben Jo. Mayr beschreib. was sich in ... hundert jahren zugetragen (1604) 83a. für den kopfschmuck vgl. die sachbedeutung in: diu magt truoc ein schapel daʒ was weitin, unde gel, rot, brun, unde wiz ... daʒ war guot ougenweide. in allem sinem leide die gezierde er gerne sach. Wigalois 7283; gesmîde gulden, edel gar von werke, von gesteine, gurtel, vingerl vurspan reine, houbtgezîrde, gût gesloufe, swî tûre man daʒ solde koufe, und ab iʒ tûsent marc solt stên, daʒ du disz icht lâzes ingên. alten weibes list 267 s. md. gedichte 92 Bartsch; dazu vgl. (s. u.) Konrad v. Würzburg Alexius 232; buch der liebe 289d. vgl. dagegen: sin hOebet was gezierde vol, sein stirne schOen, sin ougen clar. Boner edelstein 38, 4 s. Benecke 111. genau so 56, 8 s. 183; die zierungen des hauptes (der Lucretia) waren auch wunderbar Nicl. v. Wyle translatz. 22 (ir har was ... zierlich geflochten ebenda); dazu vgl. die vielfachen zusammensetzungen: houbetgezierde md. ged. 4, 267 Bartsch; vgl. betreffend die hauptzierrathen (perrucken) Augsb. kleiderordnung von 1683 s. 80 hauptzier theil 4, 2 sp. 639; hauptzierde sp. 640; hauptschmuck sp. 628; kopfschmuck theil 5, sp. 1779; kopfzierat sp. 1782 u. a. vgl. auch ohrgezierde theil 7, sp. 1263; s. oben sp. 7106; vgl. achselzierde theil 1, sp. 164; zierungen, die allein zieren und keinen nutz bringen, seind ... das har krausz machen ... zuo dem andern zier on nutz ... halszband ... (monilia) spenglin ..., spangen ... an den stirnen ... zuo dem 5. (armille) armgezierd Geiler (vom kauffmanschatz) brös. 1, 95d; vgl. auch zum frauenschmuck sp. 7118. 2@c@b@33)) schmuck und kostbare kleider können auch mit einem bestimmten amt, einer würde verknüpft sein. 2@c@b@3@aa)) so der ornat der geistlichen (vgl. oben zu kirchengezierde): 'sin gewant, daʒ er treit und ouch die hohe krone, die von im gibt so schone verren blic und iren schin mac one hochvart nicht gesin!' ... du bist geergert an dem man, daʒ er treit erlichen an die gezierde al offenbar ... an alle dirre zîerheit die nu ist an in geleit; er ist wol demutec dran. pass. Köpke 128, 14; also jm die gantze stat entgegen gienge ... die priester auch mit jren gezierde und schmucke, als er ... einzoge Carbach übers. des Livius 205b. 2@c@b@3@bb)) ebenso der herrscherschmuck, im besondern die reichskleinodien: unde der konig quam cume von dan nackit ... unde sin koniglicheʒ gezierde daʒ er vel mit ime dar brocht hatte, daʒ verbrante alzuomale (var. gezeuge) sächs. weltchron. (Thüring. forts.) 295; do erschrag der keiser und sas abe sime rosse und zoch abe sine keiserliche gezierde Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 392; es sölle der von Meintz die kron, scepter, und andere gezierd desz reichsz keines wegs von den von Nürnberg begAeren Achacius verdeutsch. der chronik des Sleidan (1557) 108b; er liesz im auch zwo kronen, ein scheiden, ein glden ketten, ein scepter und andere ding dergleichen gezierden aus lauterem golde machen Kirchhof wendunmut 463a; cron ... königs gezierdt Simon Rot E 7b. zu den öffentlich rechtlichen wirkungen, die hievon ausgehen s. sp. 7119. 2@c@gγ) am häufigsten wird das subst. auf schmuck und kleidung der frauen bezogen, wo es auch am frühesten belegt ist, vgl. oben (zu mundus muliebris) sp. 7104; vgl. einis wibis erbe, daʒ wir rade heiʒin, daz sint ir bette und ir cussin ... tuoch daʒ nach wiplichin cleiderin gesniten ... is, unde allerhande wiplich gezierde, sie si geworcht von golde odir von gezierde des silveris Görlitzer landr. cap. 41, 6 Homeyer; die zierungen die vor gezelt seind, die mögen gebrucht werden, das es tod sünd wirt ... deszgleich ist es mit den schleiern ringen und andern gezierden, die wol und ubel gebrucht mögen werden Geiler (von kauffmanschatz) brösamlin (1517) s. 96c; uff ein mal kam er uber ein trog, der lag vol frawen gezierd, hauben, krentz, gelbschleierlein, halszmentelin und der gleichen ... da sprach der tüffel ... damit gewinnen wir vil selen, es sein unsere gewer ... darumb so hüten sich die weiber mit irer hürischen geschminckten und gezierden Pauli schimpf u. ernst 67; dazu vgl. von stammes- und bedeutungsverwandten: nu hoert von der frawen zier Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Oesterreich 13774; von kleidern, geschmuck, mannlicher und weiblicher zierd W. Ryff traumbuch Artemidori (2, cap. 3) 76 (de vestitu & mundo omnis generis virili ac muliebri); solcherlei kostbare kleidung und weiberschmuck, ist von den alten mundus muliebris ... genennet worden Butschky Pathmos. (no. 222) 297; zierraht des frauen-zimmers 221 u. ähnl. 2@c@g@11)) dâ vor in allen wîlen gefüllet zwelef schrîn des aller besten goldes daʒ inder mohte sîn, heten die ir magede: daʒ fuorten si von dan, und gezierde vil der vrouwen, daʒ si zer verte solten hân. Nibel. 1220, 4 Lachmann (nach A; anders in C); man kôs daʒ an ir gezirde daʒ sie wîp heten in wirde. Ulrich v. Eschenbach Alexandreis 3664; min wolgelehrter bischoff predigt auff eine zeit, daselbst waren gar viel frauwen ... bekleidet und wol gezieret mit frembden und neuwen trachten, darumb er anhub ... wie bei Noe zeiten durch die hoffart, unzimliche gezierden und schAendtliche sitten der welt ... die sindflut komme ... mit solchen worten ... machet er sie so schamrot, dasz ... etliche ir unzimlich gezierde hinlegeten, und sich darnach ... demütiglich bekleideten buch der liebe 289b ff. beschlos si ire guldin und purpursche klaider und aller der froiden gezierde und gebrucht sich füro allain wulliner klaider Nicl. v. Wyle translat. 77, 32; 2@c@g@22)) dar nâch sô gap er schône ein vingerlîn der süezen dar und ein gezierde liehtgevar daʒ si nach dem lantsite bedecken solte ir houbet mite. Konrad v. Würzburg Alexius 232 Henczynski; vurspan unde vingerlin, des sach man sere vil da sin, wand si was der gezierde rîch. passional Köpke 541, 57; auff solche hochzeit kam eine hübsche, schöne wolgezierete jungfrauw, ... ir gezierde desz haupts den andern nicht gleichet, also fraget sie der frommen frauwen eine, wie man den thurn hiesse, den sie auff ihrem haupt trge buch der liebe 289d; 2@c@g@33)) dagegen aber Ludwig von Schellenberg ... vatter sie mit becleidung geschmick gebend und irr zimliche gezierde auch nach seinen eren uszrusten sol sampt der betstatt ouch bereit nach iren gezimm heiratsvertragsformel bei Gessler rhetorik (1493) g 4b; zu solcher mahelschaft mit jrer becleidung, kleinet und gezierd g 3b u. a.; vgl. auch: undt allent dat darinnen (in kisten u. schrän- ken) befonden tho öhrer fruwliken gezierde undt öhr sust behörig brief d. bischofs v. Hildesheim 1517 s. Lüntzel, stiftsf. 13 anm.; Schiller-Lübben 6, 262. 2@dd) übertragungen der sachbedeutung lassen sich von allgemeinen abstracten verwendungen, wie sie namentlich aus der vorstellung eines nomen actionis zum verbum zieren immer wieder begünstigt werden, um so weniger trennen und abgrenzen, je mehr die beziehung auf eines der obgenannten gebiete abgestreift ist. 2@d@aα) einzelne gruppen der übertragung führen deutlich auf die sachbedeutung zurück. 2@d@a@11)) wie die kostbarkeit der kleidung an sich schon ständisch gegliedert ist (s. oben die kleiderordnungen), so knüpfen sich im besondern an die herrscherbefugnisse bestimmte formen des schmucks (s. oben sp. 7117). von hier aus entwickelt sich unter zurückdrängung des decorativen kerns ein lehensrechtlicher und staatsrechtlicher zug im bedeutungsgehalt des subst.eine entwicklung, wie sie auch bei den bedeutungsverwandten kleinod beobachtet ist: daʒ wir ... haben gegeben Chuonrât der unsers bruoders sun ist ... unser cleinôde von unserm helme ... als wir sie in des rîches dienst und in unsers gotshûses urlougen ... ân alle ansprâche haben gerüeret sehs und drîzek jâr urk. des bischofs v. Brixen v. 1286 s. theil 5 sp. 1126; vgl. auch unter geziert sp. 7134. 37. 2@d@a@1@aa)) wir Ruodolf ... herzog ze Österreich ... bekennen ... daʒ wir in unsrer stat ze Zovingen gelihen haben unser lehen in fürstlichem getzirde mit huote, mentiln und andrer zirde, die einem herzogen angehören mochten, und wir daʒ wiʒʒen, daʒ wir ze Swaben und ze Elsaʒʒen nicht herzog sein ... geloben ouch mit disem brief ... nicht zu gebrauchen in den landen ze Swaben ... sulcher fürstlicher zirde huot, mentiln oder ander zirde, die einen herzogen angehören mochten urkunde Rudolphs des IV. herzogs v. Oesterreich (1361) s. Huber gesch. Rud. s. 216. das ir also den ersten anefang keiserlicher rechten erlerneten, nit von den alten fahlen, sunder von keiserlichen gezierden begereten Murner instituten ... keiserlichen rechtens (1520) b 1b (sed ab imperiali splendore, van der keiserlike doerluchticheit Antwerpener übers. v. 1544); und sol der erwelet kaiser zum ersten der churfürsten alle iro privilegien und was zuo iren wirden, gezierden, freiheiten und immuniteten gehört, bestätigen Achatius übers. der chronik des Sleidan 14b; nach verbrachtem göttlichen dienst zeucht er ab die bewrischen kleider, legt an die fürstliche gezierd S. Münster (von der fürstl. krönung) cosmograph. (1672) 980; dieweil sie den namen des geschlechts jhrer vorfaren, den guten leumund, die ehrlich ersigte wafezeichen, gezierden, freiheiten und stammlehen, nit mit ehren führen und erhalten Fischart Gargantua (128) 101 neudruck. von da ab führt der begriff des substantivs bis zur bloszen titulatur und höflichkeitsbezeugung weiter: den frawen schreibt man die gezierden jrer vätter oder gemahelen Hug rhetorica und formulare teutsch (Tübingen 1540). vgl. auch: dise ere und gezierde wirt dir umb die selben gab Straszburger Terenz (1499) 81a (hic pro illo munere tibi honos et habitus Eunuch 5, 7; solche ehr Boltz [1539] 57a; ebenso Cöthener ausg. v. 1620; Hamburger v. 1670; ehr ... tranckgeld ausg. v. 1632: lohn Donner). 2@d@a@1@bb)) zum gebrauch innerhalb des geistlichen rechtes vgl.: geistliches gewandes einfeltigkeit thut wunder in der christenheit, denn es verbergent sich manche leutte, das man sie kaum nit kennet heutte. manch mönch wirt ein mönch knappe, dann orden wil haben platte und kappe. wer aber der selen fürsehen wil der achtet der zweier gezierde nit viel. Hugo v. Trimberg, renner (v. klosterleuten) s. 22a des druckes von 1549; vgl. v. 3748 Ehrismann. 2@d@a@22)) vielfach sind es auch attribute der heiligen, die in dieser weise gekennzeichnet oder gedeutet sind: unde rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsô habent alle heiligen ir gezierde und ir schônheit von gote Berthold v. Regensburg 1, 390; ir gezierde unde die êre unde ouch die schoende 391; ich loben dich du brinende fackel der grossen gezird so du in himel und in erd an si (Maria) gelet hast, du erwaltest si dir ze einer gespons und du umschetwetest si altdtsch. heiliggeistgrüsze Holder s. Alemannia 4, 96; die 7. frog ist von den kronen und den gezierd der seligen menschen ... werden die seligen menschen ouch gekrOent sin so si also dantzen, es ist gewonheit so man dantzt, das man ouch krentzlin uff hab. Ich ... sprich das do sind drierlei gezierd der lieben heiligen. daʒ erst gezierd ist ein güldene kron und ist nüt anders dan die weselich freud ... welche seligkeit stot in der cloren anschouwung gottes Geiler christl. bilger 223d; das ander gezierd der lieben heiligen ist das krönlin ... ein besundere freudt ... von den wercken die ein mensch gethon hat, die do an inen haben besundre ubertrefflicheit des sigs ... durch welche freud wirt uszwendig an dem lib erschinen ein zierd (vgl. gezierdt ... die man ... heiligen uber den kopff mahlet, ein diadem Simon Rot E 2a) 224a; daʒ drit gezierd im himmelrich ist daʒ palm meylin der marter ... das in der herr begobt mit dem zeichen siner heilgen fünff wunden ... also hast du die sibende frog, ob ouch in dem himmelschen danz gezierd und krentzlin sigen 224b. das gleiche schiff der penitenz (1514) 117b ff. (palm meyrlin wohl nicht nach theil 7 sp. 1418 [palm maie] auf die palme zu beziehen, sondern auf palama = die flache hand, auf der die wundenmale erscheinen vgl. Jes. 49, 16). 2@d@a@33)) verwandt damit sind auch übertragungen des geistlichen stils, in denen gewisse eigenschaften oder formen der bethätigung als schmuckstücke an einem gottgefälligen wesen gepriesen werden. sie berühren sich wohl mit den weiter unten angezogenen belegen für ausgesprochen abstracte verwendung, unterscheiden sich doch darin, dasz die bildwirkung noch nicht ganz erloschen scheint: do geschuof er als Lucifern, und gab deme me schOenheit und wirdekait denn kaim andern engele ... daʒ im die anderen engel alle ze gezierde warent geben St. Georgener prediger 106 Rieder: spiritale gaudium heiʒet der vierde der ist der andern gezierde, daʒ ist geistliche fröude. Lampr. v. Regensburg tochter Syon 3783; ir hertz ist gebluomet mit der gezierde der tugend sogen. St. Georgener prediger 48 Rieder; an unsers herren willen, an sim leben und an sinen tugenden ist der sel gezierde 28; was s. Paulus uʒschinende an geistlicher gezirde Nicolaus v. Landau sermone 38 Zuchchold; sullen wir merken an disen worten eine gabe eweger gezirde und eine herluochtunge gotlicher gnaden 64. vgl. dagegen das nomen actionis in: dass sie die edelen geschrifften lernen, zu gezierd jrer selen, zu uffwachung der tugenden Wimpheling Teutschland C 4b. 2@d@a@44)) die von lat. vorbild getragene beziehung auf die ausschmückung von schrift und rede läszt sich als übertragung des zur bausprache oben beigebrachten gebrauches rechtfertigen. jedenfalls legt manche der bildlichen verwendungen auch eine rein sinnliche auffassung nahe; vgl.: es sagent etlich: 'ya solt das nit ein schone geziert yn der schrifft sein, vil bb, dd ... und ander anzug ... das soll mich keiner uberreden Hans Fabritius büchlein gleichstimmender wörter s. 8 John Meier; gegen: wurdt er durch eigen erfarung wol mercken, daʒ die gantz selb geschrifft also vermüschet ist und ungeordenet, daʒ alles daʒ do ist, on rechte satzung, on rechte ordenung, on alle gezirde Breidenbach (1486) 73a; so forcht ich fast ... das ich mit meiner magern und ungespeisten rede und auch von armut der auslegung und der getzirde seinem lobe abgebrochen und gemindert haben werde geachtet M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. (quellen z. bair. u. deutsch. gesch. 2) 5; wohin nun ein sinnreicher geist seine gedanken und einfälle lenket ... unsere teutsche sprache beut das geschmükke und gezierde da, aufs manigfaltigste unsere erfindungen einzukleiden Schottel 796; vgl. dagegen zierheit (im briefe) Melanchthon sendtbrief (1524) 1; alles geschmucks der rede 1b; es giebt auch die verdoppelung der mitlautenden (consonanten) eine sonderliche zierde und liebligkeit in der sprache Ludwig II. v. Anhalt s. der fruchtbring. gesellsch. ertzschrein s. 324 u. a.; zierlichkeit 48 u. a., vgl. sp. 7102. 2@d@bβ) an die vorstellung des einzelnen schmuckstückes lassen sich andere arten der übertragung anknüpfen, vgl.: so ein gezierd teutsches landes, und ein kron des richs wird es billig geheissen, deren kein ander stat ... sich gedürst underston zu vergleichen Wimpheling Teutschland E 2b. 2@d@b@11)) die übertragungen des subst. auf personen: uns ist gegeben von Syon ein bilde der gezierde, daʒ ist gottes sun sog. St. Georgener prediger 71 Rieder. 2@d@b@1@aa)) gegrüssest siest du, ein gezierd und ein schönheit der iunckfrowen (an Maria) d. ew. wiszheit betbüchlein (1518) 84b; das war liecht seiner heiligen gotthait, in der er dich verklert hat ze einer gezierd seiner ewigen ere Margarethe Ebner an Heinrich v. Nördlingen 281 Strauch. 2@d@b@1@bb)) got grüsz euch, lieben frauen, ain getzierd unsers geschlechts A. v. Eyb (Philogenia) 2, 149 Herrmann; under denen leuht für die andern mit sunderm schine Lucretia ... vermechelt dem uberrichen mane Menelao der unwirdig was, daʒ im ain solich gezierd haimant in sinem huse dienen sölt Nicl. v. Wyle translat. 22. 2@d@b@1@cc)) dweile nu der gottliche Friederich ein getzierde des deutschen landes mit allerlei tugent und furstenlichkeit die vorrigen ... uberwunden haben wirt geachtet M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 5; desgl. 11; hie under disem stuol er lit den er ob dreissig iaren hadt regiert wol in predigers stadt er was ein gezierd der geistliheit ein spiegel aller miltigkeit. Sebast. Brant begrebnisz doctor Johannis Keisersperg s. Zarncke narrensch. 154b; vgl. auch zu Kaisersbergs emeis 66a 2@d@b@22)) ähnlich werden auch eigenschaften, die der personificierung nahe kommen, als schmuckstück gekennzeichnet: die minne ist ain gezierde aller tugend, und swaʒ der mensch tuot, hat er der minne nit, so ist alles unnütz sog. St. Georgener prediger 46; von der lieb, die da ist ein muter und gezierd aller tugenden Geiler v. Keisersberg seelenparad. vorr. 3a; und was sie hinzuo tuon sollen, das sind die gezierd der tugenden dreyeckecht spiegel Aa 2b; fünf gezierd (var. gezier) Renner v. 977. 2@d@gγ) strittig, ob übertragen oder sinnlich aufzufassen 2@d@g@11)) ist der collectivgebrauch in: sie schriet im sein gefieder ... 'nun fleug nun fleug, guot vögelein!' 'wie kan ich fliegen? du hast mir abgeschrotten al mein gezierde.' 'die brunnen, die da flieszen' s. Uhland volkslieder (1844) 1, 79; ein guldîniu krône ûf iuwer houbet schône, pfelle unde samît dâ grôʒ gezierde an lît. warnung 1432 (vgl. oben sp. 7114). 2@d@g@22)) die präpositionalverbindungen (vgl. sp. 7115; s. unten); sine zwelf juncherren wert namen och bi im da swert mit rilicher gezierde. Rudolf v. Ems Willehalm 5779 Junk; so wirt deʒ himels freude gantz. sich hebet freuden groʒer schal, gesang, getone uber al. die vier und zweintzig herren alt, schon an geleit und wol gestalt und in schoner zirde vil. (ieglicher hat sin seiten spil), die sieht man vorher dringen, die seiten vil geklingen. in der gezirde kmpt Adam und Eva in dem selben ram: sie empfahent wol die geste. Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 7532 Singer. 2@d@dδ) als ausgesprochenes abstractum erweist sich das subst. in der kennzeichnung einer eigenschaft, der schönheit (zur collectivbedeutung s. sp. 7108). 2@d@d@11)) diser Katherinam wundersam gezierd und schöne der gestalt alda ouch erschien doch minder dan Lucrecia Niclas v. Wyle translationen 24 (fraglich ob gleiche auffassung auch s. 21 oder ob hier gezierde = kleiderschmuck?); meiner sel, wann sie dein wirdiger ist, den ich, und du mer lustes und reinikeit, gezierd und wolgefallens in jr findest, den in mir Heinrich v. Nördlingen an Margarete Ebner 8. brief s. Heumann, opuscula 361; das sibent laster, weliches sich auch dargibt als ob es ein tugendt wär, das ist überflusz der gezierd; dasselb würt genant reinigkeit Geiler v. Keisersberg seelenparad. vorr. 3a. 2@d@d@22)) swaʒ des firmamentes rant mit gezierde in im treit, daʒ vant alleʒ er bereit und mohteʒ vollenlich gesên. sterne, mande, sunnenbrên. pass. Köpke 438, 40; o mein seel, gott den herren lob, der mit gezierd hoch leuchtet! Adam Reuszner psalm. 104; do was ir reiner lip begraben und mit gezierde bestat also daʒ sis ze sehen waren fro. Wigalois 9230; ähnl. (mit gezierde) 790; ei welch ein selec frouwe, die in solicher schouwe mit also hoher wirde in solicher gezierde ... so wirdeclich erhohet ist. Elisabeth 9890; so lang ... sein capell (musikkapelle) ... mit 30 personen in guter gezierd und wesenlichem stand underhalten würde Tübinger urk. 129 (1522) s. H. Fischer 3, 644.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gezierdestf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    gezierde stf. zierde. alle gezierde dirre welt (omnem ornatum seculi) fundgr. 1. 120,2. 101, 33. 35. ich widersage dem t…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gezierdef.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gezierde , f. , auch n., verstärktes zierde ( s. d. ), dem es anfangs nur zögernd zur seite tritt. schon in der mittelho…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gezierde

9 Bildungen · 0 Erstglied · 8 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gezierde

ge- + zierde

gezierde leitet sich vom Lemma zierde ab mit Präfix ge-.

gezierde als Zweitglied (8 von 8)

altergezierde

MWB

alter·gezierde

altergezierde stF. oder stN. ‘Altartuch’ auch ist daz symonei, daz man [...] chauft oder verchauft daz guͦt, daz zu geistleichen dingen geor…

brustgezierde

MWB

brust·gezierde

brustgezierde stF. ‘Brustschmuck’ daz rationâle [liturgischer Schulter- oder Brustschmuck des Bischofs (LexMA 7,460)] ist ein brustgezierde …

halsgezierde

DWB

hals·gezierde

halsgezierde , n. halsschmuck: halszgezierd, halszband, das man an den halsz henkt, monile Maaler 208 a .

übergezierde

KöblerMhd

übergezierde , st. F. Vw.: s. übergezierede*

Ableitungen von gezierde (1 von 1)

ungezierde

DWB

ungezierde , f. , gth. v. gezierde, inhonestas; Riederer (1493) j 2 b ; Zwengel formularb. (1568) 10 b . veraltet. vgl. unzier , -de. —