steft,
m. ,
nebenform zu stift (
s. unten);
daneben in der form der steften Schmeller; Unger-Khull 572
a und als fem. die stefte,
so kärnthisch bei Lexer 240
und steirisch bei Unger-Khull 572
a,
letzteres wohl unter dem einflusz von spitze.
über eine mögliche verwandtschaft zu dem in niederdeutscher form sich darbietenden steppen
verb. s. dort und unter stift.
besonders charakteristisch ist für unsere wortform die bedeutung unter 1
a. 11)
nagel aus eisendraht, heftnadel u. ä.: in denn die steften in den lip stechin Suso 40, 18; truog ain yekliche ain sack mit eisinen steften Schaidenreisser
Odyssea (1537) 88
a; hefften es mit einem stefften an dem andern biss inn die mitte dess holtz Xylander
Polybius (1574) 335
a;
geradezu nähnadelartig: darnach mach ein eysnen langen steft, der zuo forderst am spitz ein nadelör hab Dürer
underweysung der messung Q 2
b. —
bildlich: denn ich thar auch wol darauff schweren, das dieser spruch Christi 'das ist mein leib' ynn yhrem hertzen steckt wie ein ewiger stefft, des sie nirgend mügen los werden Luther 23, 89
Weim.; darümb erstlich an dem stand zu reformiren anzufahen ist, oder der stefft wirdt auss den hertzen nit kommen 19, 441
Weim. 1@aa)
insbesondere die metallene zunge einer schnalle u. s. w., oft kostbar und kunstvoll gearbeitet (
für diese bedeutung setzt auch unten die weiterbildung stefzen
besonders ein): steft an einem rincken
ardiglione, puntale, ago di fibbia Kramer
dict. 2 (1702), 927
a; steft an einem riemen, riemensteft
ferretto, puntale, puntaruolo, ago die stringa ebenda, wie im folgenden der nestelstift (
s. th. 7
sp. 629,
s. auch nestelnadel
ebenda): ein steft am nestel Lehmann
exil. melanch. 409; die nadel oder stefft aines nestels Braunschweig
chirurg. 47
a;
Gampel Dötsch: mein Steffel, warbey kennst du ihn? (
den rock)
Steffel Löll: ey, bey der nestl, die hat kein stefft Hans Sachs 17, 107, 14
Keller-Götze. ein schwert er gleichfalls hencken thet von seiner achsel lang herunder, daran das hültzin hefft besunder gewaltig schön gezieret war, mit stefften weisz von silber klar Spreng
Ilias (1610) 221
a.
vgl. auch: die nadel oder stefft eines mantels einem kind in das aug geschlagen wart Braunschweig
chirurg. 54
b; o liebe muter, ich wein nit, das er hinweg ist, ich klag den guoten mantel mit den silberin stefften, den er antregt, das ich in auch nit verzert hab Pauli
schimpf u. ernst 21. 1@bb) steft
bezeichnet bei dem nagel nur die spitze, nicht zugleich den kopf: (
Ulenspiegel) nimpt den rumpf, darinn die huofnegel liegen, und schüttet die huofnegel darus, und howet in die köpf ab, und die köpf zusamen, und die steft auch also
Ulenspiegel 60 (
vgl. Fischart
Eulenspiegel 5471
Hauffen); stefft, kleine spitzen von hufnägeln, welche die hufschmidte nach aufgeschlagenen eisen abzwicken Frisch 2, 326
a; steft
viereckiger nagel ohne kopf Follmann 494
b;
vgl. auch Schmellers
erläuterung: der nagel besteht aus dem steften und dem kopf.
dem entspricht, wenn in der älteren sprache (
steirisch)
die lanzenspitze mit steft
bezeichnet wird: einen schaft vil swæren habten sie, dâ was ein steft oben von golde angescheft
krone 14687; des muosten vliegen schenkel und gar unz an die enkel sporn in diu ors heften und die stefte von den scheften sich von den stichen biegen 15487. 1@cc)
sonstige bedeutungen. der spitzige holzspan ist gemeint: von stund an zoge ich unden aus seinem fusz einen groszen steften oder spreiszen Kirchhof
wendunmuth 1, 316.
schreib- und zeichenstift: ich hab herr Wolff von Rogendorff mit dem stefft conterfeit Dürer
tagebuch 63; ich hab mit dem kohln conterfet der Köpffingrin schwester zu Ach; noch einmal mit dem stefft 65; wie man ... mit silbern stefften auff die hültzern weissen plancketen
[] oder tefelein ... zu schreiben pfleget Mathesius
Sarepta 103
b; zu solcher tafelbezeichnung haben sie einen spitzigen stefft gebraucht Harsdörffer
teutscher secretarius 1,
a 7
a;
vgl. steft (bleystefft)
bacilli, quae fiunt e plumbagine ad scribendum ligno subtili tecta Frisch 2, 326
a.
der zeiger im felde einer sonnenuhr: steft in einer sonnenuhr
stilo di quadrante ò horologio di sole Kramer
dict. 2 (1702), 927
a. 22)
im steirischen bezeichnet als eine übertragung des vorigen das fem. stefte,
bez. das masc. steften
den federkielrest, welcher beim rupfen in der haut stecken bleibt, sowie auch die borstige bartstoppel Unger-Khull 572
a.