schwenden,
verb. schwinden machen, zerstören, wald ausreuten, verschwenden. causativbildung zu schwinden,
nur im hd. nachweisbar; ahd. suentan, suenden Graff 6, 885;
mhd. swenden (
vereinzelt swinden,
prät. swante, swande,
vereinzelt swende) Lexer
handwb. 2, 1359.
nachtr. 373. Scherz-Oberlin 1463. 1608. 11)
im mhd. ist swenden
überaus gewöhnlich und zeigt eine reiche entfaltung des sinnes und gebrauches. 1@aa)
mit persönlichem object (
nicht häufig): dâ slindet fleisc mîn suert, uuande iʒ die fleisclîchen suendit. Graff
Diut. 3, 135; und sach sie starke strîtin, des hers in beidin endin daʒ volc vaste swendin.
Athis u. Proph. B 114; Hector ze strîte sich dâ wac ... er kunde liute swenden alsam diu sunne tuot den snê.
troj. krieg 31585;
vgl. auch: fone harto starchen fienden lôsta er mih (
d. ecclesia), uuanda fone dero âhtungo uuuôchs ich, mit dero siê mih suenden uuolton. Notker
psalm. 17, 18; siê furefiêngen mih in diên zîten dero âhtungo, daʒ siê mih suantin. 19.
milder, angreifen, aufreiben, entkräften: dârnâh giench sie rasten.iâ hete sie daʒ vasten ein teil geswendet.
fundgrub. 2, 155, 18;
so reflexiv: wan der sich grimmet und iʒʒet umbe daʒ, daʒ er niht wol gebeʒʒeren kan noch enmac, der swendet sich selben âne nutz.
d. mystiker 1, 354, 33.
in anderm sinne: ê sich der hof swante (
auseinandergieng). Heinr. v.
d. Türlin
crone 23375. 1@bb)
etwas zerstören, besonders durch feuer: dô nâmen hî dî kêre Littouwin wol sechstûsint in daʒ herzoctûm zu Dobrîn, ... und swentten, swaʒ vorzern mochte des vûres glûte. Nic. v. Jeroschin 21237.
so holz, bäume schwenden: daʒ viwær swæntet daʒ holz unt macht iʒ ze ashen. Leyser
pred. 21, 3; nû sie iʒ in thaʒ uuentent,then gruanan boum sus suuentent, mit thes crûces fiure,sus brennent inan hiare. Otfrid 4, 26, 49;
aber auch vom umhauen mit der axt: ist thiu akus jû giwezzit,zi theru uuurzelûn gisezzit, ... nist boum nihein in uuorolti,nist er fruma beranti, suntar siu nan suenteinti fiur ana uuente. 1, 23, 54. 1@cc) sper swenden,
verbrauchen, im kampfe verschieszen: dit ist ein zeichen, iʒ wert ên man, der spere durch minne swinden kan. Berthold v. Holle
Crane 952,
vgl. 2088; wie vert dein puel zu schimpf in rittereichem gelimpf, do man die sper swenden sol? Suchenwirt 28, 149.
daher häufig mit poetischer übertreibung den walt swenden: sitz eben, swende alsô den walt als dir von arte sî geslaht.
Winsbeke 20, 5; hei was er waldes swandeund ritter schaden lêrte.
der jüngere Titurel 907; aldâ wart mit craft geswendet der walt.
Ludw. kreuzf. 7198;
reflexiv: ob sich der walt nû swende ... von tjost ûf dem plâne. Wolfram
Willeh. 378, 1.
daher Swendenwalt (
imperativische wortbildung gleichbedeutend mit waltswende)
als eigenname Lexer
handwb. 2, 1359: sîn lîp was in die tjost gestalt: er moht wol heiʒen Swende'nwalt. Ulr. v. Lichtenstein 209, 6,
vgl. 476, 20. 1@dd) spîse swenden,
verzehren: daʒ er der spîse swande vil.
Parz. 165, 29; er ist ze arbeite enwiht, und swendet niuwan daʒ brôt. Konr. v. Fuszesbrunnen
kindh. Jesu 1663. 1@ee) golt, schatz swenden,
verzehren (
von den schaben): durch daʒ lege dînen schatz, dâ des diebes widersatz in müge niemer ûʒ gegraben und dâ in swenden niht die schaben.
Barl. u. Jos. 104, 30;
ähnlich: wand ir schatz was dort begraben, dâ in weder rost noch schaben, noch die vîende swenden.
pass. 625, 55
Köpke. vernichten: ze schatzen ûfwert in den himel, dâr enswendent rost noch schimel.
Heinr. u. Kunig. 2484.
vgl. auch: des swende got der vürsten guot!
Dietrichs flucht 7970.
gewöhnlich vom eigenthümer gesagt, ihn verzehren, aufbrauchen, ausgeben, vertheilen, häufig mit tadelndem nebensinne, vergeuden, verschleudern (
vgl. 2),
so sehr häufig: her nerôchte nicht zô lebine mit sicheinis scazzis ubersite (
miszbrauch?) ... her swante in nacht unde tac.
Rother 3738; dô sprach diu küneginne:'her künec, ich het des rât daʒ iwer kameræremir wil mîner wât lâʒen niht beliben:er swendet gar mîn golt'.
Nib. 486, 3; dort swenden hort, hie hûfen.
Barl. u. Jos. 115, 34; der edel sol sîn hôchgemuot, durch got, durch êre swenden guot. Ulrich v. Lichtenstein 531, 14; hoffart der swendet grosses guot. Muscatblüt 88, 38.
so auch: mit hendenswendenkan si wol vil witzeclicherîche wât. Konrad v. Würzburg
Engelh. 82. 1@ff)
etwas vernichten, mit sächlichem subject: si kunden liute swenden alsam diu sunne tuot daʒ î
s. troj. krieg 35365 (
vgl. a); nû hât rîfe und ouch der snê geswendet al des lieben meien blüete.
minnes. 1, 348
b Hagen. so auch: zorn, sorge unde widermuote swendet die craft unde den lip.
Meinauer naturl. 7
Wackern. (297
a); eʒ (
das alter) swendet alle sîne kraft.
Barl. u. Jos. 33, 9. 1@gg) arznei schwendet geschwüre, krankheiten
u. ähnl.: den bladen, daʒ reuma, den sweiʒ swenden
s. mhd. wb. 2, 2, 800
a (
arzneib. des 12.
jahrh.); daʒ holz alôê ... swendet die viuht unde die chrancheit des hirnes.
s. ebenda; iʒ brichet und swendet daʒ gesuchte .. und swendet und vertribet die bose fuchtikeit daʒ die nider siget von dem magen.
medicin. vorschrift des 14.
jahrh. bei Leyser
pred. s. 161; eʒ (
das kraut, die rote kornblume) entsleuʒt auch und swentet die herten apostem. Megenberg 411, 16; diu raut ... ist dem milz guot und swendet die unkäuschen fäuhten. 418, 9; man ... swendet drüse mit nühter speicheln. Hugo v. Trimberg
renner 5884;
so noch im ältern nhd.: wisse dz es (
die arznei) schwendet alle seuche an dez heubt und die gepresten die in der zungen sind. Ortolff v. Bayrland (1477) 23
b. 1@hh) den âtem swenden,
verschwenden: sweiga, mein Hans Vintlär, du macht es doch nicht erwenten. warumb wildu denn dein atem swenten? Hans Vintler
pluem. der tugent 5763. daʒ leben,
verbringen (
meist unnütz oder elend): wie ich muoʒ tougen swenden sô jæmerlîchen mîniu jâr! Konrad v. Würzburg
Engelh. 2194; sol ich ungesungen swenden mîniu jâr mit trûren, âne hôhen muot?
minnes. 1, 305
b Hagen. 1@ii)
sehr häufig (einem) leit, sorge swenden: (
got) gebe uns sælekeit, daʒ wir die sorge swenden. Walther v. der Vogelweide 122, 21; welt ir, erst trûrens gar erlôst: ir swendet im wol senede clage. Ulr. v. Lichtenstein 125, 3; er chan mir swenden ungemach. Suchenwirt 28, 142; und helfet den armen, das sye gnesen, und helfet swenden eres kummers not. Mone
altd. schausp. s. 100, 2945.
ebenso vröide: daʒ sol mir freude swenden und mich ûf êren pfenden.
Parz. 416, 15; dû swendest wîplich lachen. 160, 30; ein ander sache swande sîn freude. Ottokar
reimchron. 73890. êre
und ähnliches: daʒ die den armen tâten leit, dâ mit si swanden werdikeit. Ulrich v. Lichtenstein 530, 26; dem ouch sîn grôʒiu hôhvart geswendet und genidert wart.
Barl. u. Jos. 60, 40. 1@kk) sünde swenden: daʒ viwær swæntet daʒ holz ... also swænt daʒ guot werch die sunden. Leyser
pred. 21, 3; muinche leben sol sin nach engeln, brennende und swendende die suinde.
quelle bei Scherz-Oberlin 1608; guoter gloube unt reiniu werc diu swendent den sünden berc.
Vridanc 35, 23; sîn ('
des toufes') reiniu kraft ist alsô grôʒ. daʒ er die sünde swendet.
Barl. u. Jos. 81, 11; wann leyden swennt der sünden gall. Oswald v. Wolkenstein 111, 3, 17.
ähnlich auch: wand die (ruwe) mac also vuerec sîn, daʒ si drâte langen pîn hievon der sêle swendet.
pass. 583, 65
Köpke. das gegentheil: er (
Leviatan) kêret an uns grôʒen strît, wie er uns swende zaller zît guotiu werc und reiniu wort.
Barl. u. Jos. 79, 4. 22)
im nhd. ist diese so mannigfache verwendung fast vollständig aufgegeben, nur vereinzelte spuren finden sich noch im 16.
jahrh., vgl. z. b.: denn so feer wir der warheit in disem artikel recht ins angesicht sehend, so ist es us um alle zängg der üsserlichen dingen halb, und das papsttum erst recht geschwendet und verderbt. Zwingli 2, 2, 97.
nur zwei speziellere gebrauchsweisen haben sich länger gehalten. 2@aa)
die ältere schriftsprache verwendet noch oft schwenden,
wo wir jetzt die zusammensetzung verschwenden
gebrauchen (
vgl. 1,
e): schwenden, verschwenden,
prodigere Schottel 1413; schwenden,
et verschwenden,
à schwinden,
prodigere, consumere, per luxuriam dilapidare, effundere, et profundere Stieler 1982; ich schwände,
dissipo Steinbach 2, 554; Kramer
diction. 2, 714
a und Wachter 1489
bemerken ausdrücklich, es sei nur noch das compositum gebräuchlich. in der litteratur findet sich nur ein sprichwörtlicher reimvers: viel schwenden und viel zehren schulden und armuth gebähren. Lehmann 1, 938; vil schwenden, vil zehren, thut schuld und armuth mehren. Sutor
latinum chaos (1716) 677. 2@bb)
eine andre bedeutung hat das oberdeutsche bis heute bewahrt, vgl. dazu 1,
b. so zunächst österr. einen baum schwentn,
anbrennen oder entrinden, verstümmeln, anbohren, damit er verdorre Höfer 3, 128. Schöpf 661. Lexer 229. Frommann 6, 206: es soll auch iemands kain perhaften pam auf der gemain nicht abhacken oder swenden.
tirol. weisth. 1, 186, 16; item es sollt auch niemand in diesen vor angezeigten paan-wäldern rinten oder schwenten bei der paan von einem ieden baum 1 gulden. 3, 156, 27. —
noch häufiger vom ausreuten eines gehölzes, besonders durch abbrennen, s. Adelung
und Jacobsson 7, 308
a.
so schweiz. schwändten, '
waldung, gebüsche, hecken auslichten, besonders die samenloden des nadelholzes abtreiben' (
und zwar durch einschnitte oder gehau, geschieden vom rüten
durch abbrennen) Stalder 2, 359, schwente
durchforsten Hunziker 235;
schwäb. schwenden
felder ausreuten Schmid 486 (
daher der hat den wald âgschwendet,
mehr zugesetzt als er sollte Birlinger 406
b);
bair. schwentn '
vom wegschaffen hinderlicher bäume, holzanflüge, gesträuche, indem man sie durch anhauen, anbohren, abschälen u. dergl. erst abstehen und verdorren macht, und dann wegräumt oder verbrennt; schwenden,
den jungen nachwuchs ausrotten, aber nur bis hiffelmäszig' Schm. 2, 636;
so auch tirol. kärntn. Lexer 229. Frommann 6, 206; schwenten und schwaibern '
jungen holzwuchs ausreuten um weide zu gewinnen' Schöpf 661.
merkwürdigerweise findet sich diese verwendung auch in Estland: schwenden
vom roden eines landstücks, dazu die schwende,
rodung, schwendeland Sallmann 48
a.
von ältern wörterbüchern verzeichnet sie nur Frisch 2, 247
c: schwenden .. ist das simplex selten mehr gebräuchlich, als in
Wehn. Obs. Pract. vom harzen, schwenden und baumschlägen,
sylvas caedere, picem eliciendo perdere et raras reddere. belege aus der litteratur: wo schwarzwäld stehen, .. in denselben wälden soll sich niemand unterstehen zu schwenden noch zu reiten und kain stamstecken abzumaissen.
Salzb. taid. 193, 32; item wer schwarzwäld schwendt ohne erlaubnus, wasz der darumb schuldig ist? 234, 21; es sollen auch in dem gepirg und hölzer dem föderspill niemant zu nachent schlagen, ästen und schwenden.
tirol. weisth. 1, 18, 9; mer ist geret börden, das die von Mutters den gesüch der waid wol raumen und schwenten mügent nach ihrer nötdurft. 252, 44; ingleichen sollen sie zur erweiterung der viehweide nicht schwenden. 4, 334, 19; damit in den wälden und hölzern, ... das holz nit verwüest, geschwändt und abgeödt werde.
steir. taidinge 73, 23; item es soll auch kainer hinfüro das nuz holz schwenden alsz biszher beschechen ist. 81, 29; so soll auch an den klain schossen oder stämbling gar kein asst bisz er erwachsz abgeschlagen, noch auch kein stam geschwend werden. 417, 21; die jungen und gewachsigen stämblein .., da sie gar zu dick wehren, hinwek hacken oder schwenden. 449, 13; wenn ich dich haben könnte, ich wollte mit dir in die wildnis, wo ich nichts als schwenden und reuten müszte. Gotthelf
Uli der knecht s. 395
Vetter; —
sträucher, unkraut, moos ausrotten: es solle auch kainer kain mos ohne vorwissen der dorfmaister weitern oder schwenten.
tirol. weisth. 3, 57, 34; das sie sich mit tauglichen arbeitern oder knechten auf die albmen, wan inen zum schwenden angesagt wierdt, jeder auf drei tag verseche.
steir. taidinge 15, 41; von wegen des schwenten: wer in der almb schwentet, soll herunten auch geschwentet werden. 425, 6
f.; weilen der Hochenturner ... gemain gerechtigkeiten also verwaxen, dasz an tailsz orten weder menschen noch vich durchgehen mag, alsz wirdt ... auferlegt ... an bequemben orten zu schwenten, weeg und steig zu erweitern. 441, 24. —
daher auch einen boden schwenten,
das hinderliche gehölz wegschaffen Schöpf 661; geschwendetes land,
das durch das abbrennen von wald gewonnen ist: um 1762 fing man an, den mais unmittelbar auf das geschwendete land zu pflanzen, ohne es vorher aufzureiszen und zu pflü
gen. quelle bei Campe. 33)
ganz vereinzelt begegnen in mundarten noch andere, nicht verwandte gebrauchsweisen. 3@aa)
schwäbisch schwenden
neben schwanen, schweinen
vom holze, wenn es sich vor trockenheit krümmt und verkürzt, sowie von menschlichen gliedern, die vertrocknen und dadurch dünner werden. Schmid 486 (
s. schwinden
und schweinen). 3@bb)
österr. schwendn
schelten, schimpfen. Castelli 253.