glefe,
gläfe,
f. , '
lanze, lanzenträger'.
herkunft und form. afrz. glaive, glave '
speer, schwert',
prov. glavi, glazi '
schwert, lanze' (
vgl. auch glai '
schwertlilie',
s. u. 2glefe
und gleie),
aus lat. gladius,
s. Diez
etymol. wb. 598, Meyer-Lübke 3773, Gamillscheg 471,
vgl. auch mlat. glavea, glavia, glavium, glavius du Cange 4, 77
a.
seit etwa 1200
in mhd. glævîn, glevie, gleve,
mnd. gleve, glavie, glevinge,
mnl. glavie, glaye, (
m)
engl. glaive;
entlehnung aus dem nd. liegt vor in anord. glefja, glafel (
dieses durch kreuzung mit glael
aus gladiolus,
s. Frank Fischer
lehnwörter d. altwestnord. 69),
dän., norw. glaven, glavind,
schwed. glaven, glav (
aschwed. auch glævia),
vgl. Torp
nynorsk etym. ordb. 162, Falk-Torp 326
und Hellquist
svensk etym. ordb. 190.
auch im lit. erscheint das wort, als kalavìjas '
schwert',
im polnischen als glewja, glawja '
lanze',
s. Brückner
slownik etymologiczny 142.
aus dem deutschen übernommen wurde es ebenfalls im wendischen: obsorb. lebija,
vgl. Bielfeldt
dt. lehnw. 184.
schon im mhd. erscheinen zahlreiche formvarianten, häufig erweiterung mit -n (
wohl aus den obliquen casus)
und mit der fremdwortendung -îe
und -în, -îne: glave, gleve, glefe, gleive; gleven, glefen; glavîn, glævîn, glevîn, glævîne, glevîne, glavîe, glavî, glevîe, glævei (
Parzival 232, 3 [
variante]),
mischbildungen glavenîe, glevenîe, glefnie (1391
cod. dipl. Pruss. 4, 124), glefenei,
kontraktionen: glê, glên, glêne, gleen, glehen,
metathese gelve (Diefenbach
nov. gl. 200
b,
anf. d. 15.
jh.),
anlautsvariante clavine
Parzival 232, 3 (
variante), cleve (1381)
dt. reichstagsakten 1, 321, 14
Weizsäcker, vgl. Suolahti
d. franz. einflusz 1 (1929) 98;
[] Lexer
mhd. hdwb. 1, 1030. glavier
Haimonskinder 106
Pfaff (
neben glavir
ebda und glavie
ebda 120)
ist in anlehnung an wörter wie zimier, musenier
gebildet. im verlauf des 15.
jh. gewinnt die form glefe, gläfe in der schriftsprache des hd. gebiets das übergewicht, auch in der schreibung gleffe
Dietrich u. s. ges. im Dresdener heldenbuch bei Suolahti
d. frz. einflusz 2 (1933) 121, Jelinek
mhd. wb. 325,
dt. städtechron. 4, 236 (
Augsb. mitte d. 15.
jh.)
sowie unten 1.
die nebenformen verschwinden nicht ganz; auszer den genannten vgl. noch glafen (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 317, glaffe (1428
cod. dipl. Siles. 6, 51; 1456
quellensamml. zur bad. landesgesch. 1, 260
Mone), gleyne (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 317, gley (1551)
weisth. 2, 658, gleye (mit gleyen
Ambraser hs. 16.
jh.)
Biterolf 6531
Jänicke, gleige (1490
Berncastel)
weisth. 4, 754.
daneben behält gläne, glän, glene, glen, kontrahiert aus glävene (< glävine, glevine),
selbständige, im 16.
jh. bevorzugte geltung, s. oben sp. 7595,
dazu glan (15.
jh.)
bei H. Grotefend
quell. z. Frankf. gesch. 1, 221; Stieler 661 (
s. u.), glenne (1444
bei Frauenholz
entwicklungsgesch. d. deutsch. heerwesens [1935] 2, 2, 154; Hans Sachs 8, 291
lit. ver., ebda reittglennen 182).
vereinzelt bleiben gliene (
um 1550)
bei Seb. Fischer
chron. von Ulmischen sachen 198
Veesenmeyer und glaun (
aus glavîn
kontrahiert)
für hasta, hastile, spiculum, cornus bei Er. Alberus (1540) gg 1
b.,
zu diesem vgl. unten gluninck;
sowie mit einer
glemmen (1596)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 973
und sein glemern (
acc. sing.)
bei Hans Sachs 2, 277
lit. ver. auf nd. gebiet erhält sich bis zum aussterben des wortes eine fülle von formen: neben gleve, glevie, gleffie, glave, gelave, glavie, gleive, gleie, geleie, galeye (
gemma gemm. 1507)
stehen noch mit übergangslaut glevige (< glevîe), glevege
und daraus durch suffixvermischung (A. Lasch
mnd. gramm. 147) glevinge, glevink,
s. Schiller-Lübben 2, 119,
auch glavinyge (1336)
Göttinger urkdb. 1, 129, glifenye (1437
Danzig)
in: dt. rechtswb. 4, 937,
vereinzelt auch ein dem aus glavîn
kontrahierten glaun (
s. o.)
entsprechendes gluninck
bei M. Dresser
sächs. chron. (1596) 51 (
neben gleving
ebda 112);
demin. gleveke
lancea (15.
jh. nd.) Diefenbach
gl. 317
a.
das genus ist, gegenüber prov. glavi,
m., afrz. glaive,
m., im deutschen femin. gelegentlich erscheint glen
als neutrum: das glen Wickram 3, 235
Bolte; mit aufrechtem glen (1477)
bei Ildefons v. Arx
gesch. d. kantons St. Gallen 2 (1811) 603
anm. b.
dazu s. die belege des 16.
jh. und aus lebender ma. im schweiz. id. 2, 630.
vereinzelt in spätester bezeugung auch als m.: den glan einlegen
hastam adaptare, lanceam applicare Stieler
stammb. (1691) 661.
bedeutung und gebrauch. das wort ist im deutschen mit der formgruppe glæve
seit dem frühen 13.
jh. bezeugt, gewinnt so im 14.
und 15.
jh. seine gröszte verbreitung, verschwindet aber schon bis zur mitte des 16.
jh. aus den quellen. der letzte echte beleg (
v. j. 1547)
bei Hortleder
v. rechtmäszigkeit (1645) 797 (
s. u. 1).
als veraltetes, aus älteren historischen quellen beigebrachtes und der erklärung bedürftiges wort erscheint glefe
wieder im späten 17.
jh. (
s. u.glefner, glefenbürger),
häufiger seit dem 18.
jh., in wörterbüchern, archäologischen werken und historisch referierenden quellen, vgl. Jac. Wencker
disquisitio de gleven-burgeris (
bericht von den glevenburgern)
in seiner dissertatio de pfalburgeris (1698) 3, 3
ff., des weiteren z. b. Wachter
gloss. germ. (1737) 593, Frisch
t.-lat. (1741) 1, 354
f., brem.-nds. wb. 2 (1767) 514, Adelung
vers. 2 (1775) 703, Campe 2 (1808) 394
b, Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 316; 3, 309
u. s. w. —
in den jüngeren, aus glevîne, glevene
kontrahierten formen glene, glen, glän
u. ä. lebt das wort länger, sehr kräftig noch im 16.
jh., in gelegentlicher bezeugung noch bis ins späte 17.
jh. (
s. oben herkunft und form sowie gläne
sp. 7595
und hier unten nachtragsbelege dazu).
während im prov. die bedeutung '
schwert'
als die ursprüngliche, '
lanze'
als jüngere übertragung zu gelten hat (
s. Levy
prov. suppl. wb. 4, 133),
ist afrz. glaive
vornehmlich '
wurfspiesz'
oder '
speer',
erst in späterer, meist poetischer [] anwendung '
schwert' (
s. Diez
etymol. wb. 598, Godefroy
dict. 4, 286; 9, 701).
die von M. Jähns
entwicklungsgesch. d. alten trutzwaffen (1899) 106; 260
f. (
vgl. auch Boeheim
waffenkunde [1890] 342
ff.)
für glefe
als ursprünglich angesetzte bedeutung '
stabschwert',
als eine art stangenmesser für hieb und stich, tritt in der deutschen bezeugung nirgends eindeutig hervor. die deutsche entlehnung beschränkt sich durchaus auf die bezeichnung einer speer- oder spieszwaffe, die auch als übersetzung und glosse für lat. hasta und lancea dient: die swert sol man zu sechen (
pflugscharen) slagen, zu houwen die glevînen (
concident .. hastas suas in ligones Micha 4, 3)
erlösung 1510
Bartsch; slichtet de glevinge
polite lanceas Halberst. bibel (1522)
Jer. 46, 4; verschmidend ... euwere räbmässer, sichlen und sägeysen zuo glefen (
lanceas)
Züricher bibel (1531)
Joel 4, 10 (
dafür 1667: spiessen).
in hd., nd., ndl. vocc. des 15.
und frühen 16.
jh. häufig für lancea, s. Diefenbach
gl. 317
a,
n. gl. 227
b,
für hasta gl. 273
b,
n. gl. 200
b.
vgl. ferner: gläf oder lanz
lancea voc. v. 1419
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 971;
amentanum i. hasta gleven (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 29
c. glefe
synonym zu spiesz
und speer: gläven oder spiesz
lancea voc. v. 1445
bei Schmeller-Fr. 1, 971; ein gleffen adder spehr (1522) Egranus
pred. 113
Buchwald. 11)
lanze, speer, spiesz. zufrühest als ritterlanze, schwerer speer des rittermäszig gewappneten, in der höfischen epik seit Wolfram, Herbort v. Fritzlar
und Wirnt v. Gravenberg
als frühester deutscher bezeugungsschicht, aber auch später noch häufig kennzeichnend als ritterliche waffe: er (
Gawan) zôhez (
das pferd) unde truoc den schilt unt eine glævîne Wolfram
Parzival 531, 7; er nam eine glevien in die hant und umbe sich sin swert Herbort v. Fritzlar
liet v. Troie 18375
Fr.; sîn schilt zam ze halse wol und sîn glævîn, als sie sol. er vuorte zwên behage sporn. wart ie man mit wâfen geborn, des het man wol an ime gesworn Heinrich v.
d. Türlin
krone 10531; an synes swerdes knoff hey heynck den goden helm
mit golde berant. ein glauye nam hei in de hant
Karlmeinet 62, 51
Keller; rottecht sie riten die vrien, ufgeriht ir glavenien
buch d. Makkab. 8336
Helm; gi scholden mek (
den markgrafen) up ein ros hebben gesat mit upgerichter glevien und mit gold und sulver begeiten laten, so hedde gi mek recht beschattet (
Magdeburg 14.
jh.)
städtechron. 7, 158; die mit den langen gleflen und mit dem beingewand (
d. i. die edlen ritter) die fluchent (
flohen) allesam Justinger
Berner chron. 134
Studer; der rütter der nimt es offentlich, der schreiber heimlich; der rütter mit der glenen, der schreiber mit der federn Keisersberg
narrensch. (1520) 162
a; dise ... rytter yeder fiert auff seiner glienen, ain rottenn cardinal hut dem babst for (
um1 550) Seb. Fischer
chron. v. Ulmischen sachen 198
Veesenmeyer. so oft als die im turnier und im ritterlichen ernstkampf gebrauchte waffe: zer tjost er sich bereite. dô sazter die glævîn vorn ûf des satels vilzelîn Wolfram
Parzival 537, 5; uf ritters schilt engentzet wirt von im manic glavie Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 579
R.; do er quam gegen im also, sine glevenien scharf meisterlich er underwarf nach ritterlicher saze
passional 161, 1
Köpke; do waz under den bürgern einre, hies Markes von Eckeforsheim ein edelkneht, der reit zuom ersten an gegen den fienden mit einre glevene (1362)
städtechron. 8, 323; als nun die zwen manlichen helden eynander ... so ... ritterlichen troffen hatten, beyde wider zuo end der schrancken
[] geritten waren, mit anderen speren und glenen versehen wurden, von newem zuosamen ritten Wickram
w. 1, 34
B.; sein glemern (
der ritter) in drey stück zu-brach, kein ritterspil zu treiben mehr, zu erwerben rhum, preisz und ehr. aller kurtzweil thet er sich ab Hans Sachs 2, 277
lit. ver.; in vollem lauf mit einer glemmen zum schirm zu stechen (
Amberg 1596)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 973. mit scharfen glefen rennen, reiten
für ein mit scharfen waffen geführtes turnier: herzoch Wilhelm van Guilche rant mit eime van Nassauwe, ind allit mit scharpen geleien (
Köln 15.
jh.)
städtechron. 14, 867; in demselben jar ranten zwelf mit scharpfen glefen zu Nuremberg auf dem marck (
Nürnberg um 1430)
städtechron. 1, 391; also ritten sie gen ainander mit scharpfen glenen (
Augsburg um 1450)
städtechron. 5, 98;
vgl. 97; anno 1467 an der vasznacht stach hertzog Sigmund von Osterrich mit jungher Walther von Hallwyl uff dem münsterplatz mit scharpffen glAenen, und ritten weydlich zusammen
Basler chron. 5, 439
Bernoulli. auch sonst in der verbindung scharfe glefe: sin ros in do furte vf Polidamam, sin scharfe glevie im quam mitten an den schenkel Herbort v. Fritzlar
liet v. Troie 14708
Fr.; donoch brohte man fier scharpfe glefen und satzete im eine vornen an sin herze und die ander an den rücken
predigtmärlein 26
Pfeiffer. verbale verbindungen lassen den gebrauch der glefe
als einer stich- und stoszwaffe deutlich erkennen, namentlich mit der glefe (durch) stechen
u. ä.: die glävie er sîgen lie, daz sîn der wurm niht ensach. durch sîn herze er im stach den schaft unz an die hant gar Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 132
Pf.; die glevenie er nider sluc nach ritterlicher saze und stach in voller maze durch den wurm al inmitten
passional 256, 94
Köpke; der den phalczgraven mit eyner gleven durchstach Wig. Gerstenberg
chron. 91
Diemar; er ... stach durch den wurm mit der glefen
d. summer teil d. heyl. leben (1472) 15;
ferner: iz ward mit grôzem vlîzen zwô starke glaven ûf in gesenket Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 51, 23
Singer; als er in von dem orse swanc mit der glavîen, diu was lanc Heinrich v.
d. Türlin
krone 18977; du bist ein geistliche person, so bin ich ein weltlicher ritter. es zimpt mir nit, zu kempffen mitter. wolt dich baldt legen mit der glennen Hans Sachs 8, 291
lit. ver.; kam der alte Titus zu mir mit eil rennen, vnd stosset mich mit sein glene so grawsam von meinem pferde
schausp. engl. comöd. 22
Cr. seit dem 14.
jh. erscheint die glefe (
und glene)
auch als waffe in der hand des berittenen oder zu fusz kämpfenden söldners oder des bewaffneten bürgers. oft als eine leichtere waffe, auch, wie schon der afrz. glaive,
als wurfspiesz: so scole we on senden sesteyn man mid glevien unde vere scutten (1351)
urkdb. d. stadt Halberstadt 1, 381; vif und tvintich man mit helmen unde vif unde tvintich man mit gleiven (1357)
urkdb. z. gesch. d. herz. v. Braunschweig 3,
nr. 26
Sud.; es kost die vart, die unser soldner zwelf mit glefen verzerten ... 277 guld(en) (
z. jahre 1384,
Nürnberg)
städtechron. 1, 186; Hinrik van Langelge hadde dar vere mit glavien mede (
Braunschweig 1382)
städtechron. 6, 76; (
verzeichnis der reichsstände, die zum Römerzug mit leistungen herangezogen werden) marggraven Hessen von Hoch berg umb xxx mit gleven und viii
C gulden zu solde (1401)
Frankfurts reichskorresp. 1, 88
Janssen. oft in der aufzählung von waffen und kampfmitteln: swer anders wapen, arborst oder glavinygen furet, den mak man ufhalden vor eynen schuldigen man (1336)
Göttinger urkdb. 1, 129;
[] du salt haben in dîme her harte manigerleie wer, swert, grellen, glavenîen (
md. 14. jh.)
bei Lexer
nachtr. 213; doetslaghe, wunderdinghe myt swerden, myt mesten, mit gleuien scholen richten der stad warzagen santmanne (
Schleswig-Holstein 1400)
in: dtsches rechtswb. 4, 937; se hebben ere weer, als hellebairden, speite, und glavien in de porten gestecken
Münstersche chroniken d. mittelalters 2, 431
Cornelius; so hebbe wij dem radde weddere toleffert de werre, pollexen (
streitäxte) ende gleffien endi kallikputte (
kalktöpfe) (1459)
Lübeckisches urkdb. 9, 696; vier fuszknecht, derselbigen jeder sol haben hinder- und fordertheil, ein kragen, peckelhauben und wer da wil auch armschin. darzu einen sebel oder guten zweyschneidigen scharschaun, eine lange büchsen, einen schweinspiesz, gleffen oder trischl (
beleg v. j. 1547)
bei Hortleder
v. rechtmäszigkeit ... d. teutsch. kriegs kaiser Karls V. wider d. schmalkald. bünde (1645) 797.
in gewissen verbalverbindungen deutlich als wurfspiesz kenntlich: dat gerichte geit ... vort an den santbergh lynrecht in den Ryn, asso verre ... (
man) scheysin mach mit eynre gelaiuen (14.
jh. Köln)
weisth. 2, 744; in der fluht schos im Pensania noch eine glefen in den rücken (
Straszburg 1400)
städtechron. 8, 304; Saul der hielte die glefen (
lanceam) vnd lies sie (
et misit eam)
erste dtsche bibel 5, 80
Kurr.; da schosz er jn zu rucke noch glenen (
raptas fugientibus ingerit hastas in tergum) Murner
Vergil (1559)
g 5
b.
nicht selten diente die glefe
im sinne von '
speerlänge'
als maszbestimmung: daz wazzer ist, als wir sahen, nachen gantzer glefen tief Suchenwirt 4, 183
Prim.; das selbe wasser ... ist kuome anderhalben glenen wyt (15.
jh.)
in: zs. f. dtsch. alt. 26, 351; in dem jare ... 1402 ... erscheine ein sterne an dem himel, daz man schatzte, er were einer halben glenen lang
Basler chron. 5, 134
Bernoulli; all (
brunnen) ... eyner glen lang uffgefuret Breidenbach
d. heyl. reyszen gen Jherusalem (1486) 40
b.
so auch in rechtsformeln: eine rechte köningestrate, die sall men entrumen so wit, dat ein ritter heme ride mit sinem vullen harnische und vöre eine gelaue vür sick twers up dem perde, die sall sien 16 voet lanck (
Schwelm)
weisth. 3, 28; er soll ihn an den galgen zu todt henken, dem erdreich entflöhnen, dem luft empfehlen, so hoch, dasz ein reiter mit aufrechtem glen unten durch reiten könne (
formel eines todesurteils beim hängen, 1477)
bei Ildefons v. Arx
gesch. d. kantons St. Gallen 2 (1811) 603
anm. b; vier freyer wege, iederen so weith, daz ein reutterman eine gley von sechszehen fuszen quersz vor ime, ohn verhinderung von hecken vnd beumen, fuhren magh (1551
bei Königswinter)
weisth. 2, 658.
im folgenden vielleicht im sinne von '
lanzenwurfweite': (
in einem geleit) gab uns jedem 6 diener zu und drabten wir zu beiden seiten ein glan lang vor dem haufen her (15.
jh.)
bei H. Grotefend
quell. z. Frankfurter gesch. 1, 221. 22)
seltener, aber schon in der frühesten bezeugungsschicht bezeichnet glefe
auch die metallene lanzenspitze, das speereisen, im unterschied vom schaft, wie glefeneisen (
s. d.),
vgl. auch Schulz
höf. leben2 2, 25: unt ein scharpfe glævin, dar inne al niwe was der schaft Wolfram
Parzival 443, 24; er furt eine lanzen groz rorine, golt varwer stahel uz India was die glevie gezieret mit rubine
jüngerer Titurel 1284, 4;
vgl. 919, 2; spiess on glevi
qu. v. 1504/32
bei Staub-Tobler 2, 607.
vgl. auch: ein swarzer recke geriten her, der vuort ein ungewonez sper, daz was ein glavîe breit, diu ze beiden sîten sneit Heinrich v.
d. Türlin
krone 18965;
vgl. 19129. 33) '
lanzenreiter',
wie bei spiesz (
s. dort I 2 i,
teil 10, 1, 2448), speer
u. ähnl. steht die waffe für den ritter oder söldner zu pferde, der sie trägt. dabei werden meist die knechte, [] die seine begleitung bilden, mitverstanden (
manchmal auch ausdrücklich gezählt),
so dasz glefe
zur bezeichnung für die kleinste einheit des spätmittelalterlichen lehnsheeres wird. es ist zu beachten, dasz glefe
in diesem sinne nie als taktische gruppe gefaszt wird, sondern nur zur angabe der stärke eines trupps dient und daher meist mit zahlen oder mengenadjektiven verbunden erscheint. zum sachlichen vgl. Eugen v. Frauenholz
entwicklungsgesch. d. deutsch. heerwesens (1935) 1, 86; 89; 104; 112; 120: do was auch mit vernunst der grave von der Mark, von dem Berge, und der stark grave wert von Clefen mit maniger starken glefen Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 16902
Regel; doe quamen dem buschof van Coelne vil gleven uis sinen steden (
Köln 14./15.
jh.)
städtechron. 13, 53; unde hilt me dan seshondert gleven von rittern unde knechten me dan jar unde dag zu degelicheme krige, di he kostlichen vursolde Tilman Elhen
Limb. chron. 63
Wyss; so ... wollen wir (
Joh. v. Ysenburg) yn (
der stadt Friedberg) eynen unsern erbern diener schicken mit eyner gleyven, der bii yn sin sal fiertzehen tage odir solanghe sie dez bedorffen (1392)
urk.-buch Friedberg 1, 430
Foltz; und der (
aufständischen) heren wart also vele, dat se wol seshundert glevien hadden (
um 1400,
Magdeb.)
städtechron. 7, 291; wann ir warent nit mer dann 4000 und by 30 gleven die der herzog hatt (1531) Fridolin Sicher
chron. bei Staub-Tobler 2, 607.
auf die begleiter des lanzenreiters und die meist zwischen 3
und 5
mann schwankende stärke der einheit wird oft bezug genommen: sollen wir in ... beholfen sin mit glefen erber wol erzúgeter lúte, do ie die glefe 3 pferde haben sol und ein gewoffenten kneht (1405)
dtsche reichstagsakten 5, 736; ir ichlicher sal habin tzwen mit glevien und eyner islichen glevien drie pherd und twene gewapent gerechent (1428)
Lübecker urk.-buch 7, 119; teyn dusent glevien, veer peerde to ener glevien gerekent (1468)
Lübecker chron. 2, 312
Grautoff; wy hadden vii glevegen unser knechte, unde de knechte de dar to horen (
qu. v. 1412)
in: pomm. geschichtsdenkm. 4, 58
Pyl. die glefe
als einheit berittener kämpfer wird dem fuszsoldaten gegenübergestellt: mit 15 hundert glefen und drissig tusent fuosgengern (14.
jh.)
städtechron. 8, 467; in demselben jar hat der bischuf wal 600 geleien und vil voesgenger (14./15.
jh. Köln)
städtechron. 13, 107; die Switzer ... ersluogent des herzogen volkes anderhalp hundert glefen und fünfhundert fuosgenger (1400
Straszb.)
ebda 9, 820; darnach ... erhub sich hertzog Leupolt von Osterreich mit vil herren, auff 700 gleven und vil fuszvolcks (
um 1490
Nürnberg)
ebda 3, 291.
anderseits steht die glefe
als einheit der lanzenreiter im gegensatz zu den (
armbrust)
schützen: do samelte kunig Friderich aber ein gros her uf 22 hundert glefen und uf vier tusent schützen (
um 1400
Straszb.)
städtechron. 8, 467; darczu heten wir von soldnern, ritter und knecht anderhalb hundert glefnen, di auch mit zugen, und bey 150 schuczen zu rossen (
um 1400
Nürnberg)
ebda 1, 41; item 3024 m(ark) haben wir ... ken Slochaw gesant, dy soldener zu entrichten ... of 263 glefenyen und 283 obrige schoczen (1399-1409)
Marienburger treszlerb. 564
Joachim; darnach ... zugen die von Nuremberg mit 150 gleven, 150 schutzen zu rosz und 4000 mannen zu fussen fur die stad Hilpoltstein (
um 1490
Nürnberg)
städtechron. 3, 292.