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glefe

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glefe f.

Bd. 7, Sp. 7928
glefe, gläfe, f. , 'lanze, lanzenträger'. herkunft und form. afrz. glaive, glave 'speer, schwert', prov. glavi, glazi 'schwert, lanze' (vgl. auch glai 'schwertlilie', s. u. 2glefe und gleie), aus lat. gladius, s. Diez etymol. wb. 598, Meyer-Lübke 3773, Gamillscheg 471, vgl. auch mlat. glavea, glavia, glavium, glavius du Cange 4, 77a. seit etwa 1200 in mhd. glævîn, glevie, gleve, mnd. gleve, glavie, glevinge, mnl. glavie, glaye, (m)engl. glaive; entlehnung aus dem nd. liegt vor in anord. glefja, glafel (dieses durch kreuzung mit glael aus gladiolus, s. Frank Fischer lehnwörter d. altwestnord. 69), n., norw. glaven, glavind, schwed. glaven, glav (aschwed. auch glævia), vgl. Torp nynorsk etym. ordb. 162, Falk-Torp 326 und Hellquist svensk etym. ordb. 190. auch im lit. erscheint das wort, als kalavìjas 'schwert', im polnischen als glewja, glawja 'lanze', s. Brückner slownik etymologiczny 142. aus dem deutschen übernommen wurde es ebenfalls im wendischen: obsorb. lebija, vgl. Bielfeldt dt. lehnw. 184. schon im mhd. erscheinen zahlreiche formvarianten, häufig erweiterung mit -n (wohl aus den obliquen casus) und mit der fremdwortendung -îe und -în, -îne: glave, gleve, glefe, gleive; gleven, glefen; glavîn, glævîn, glevîn, glævîne, glevîne, glavîe, glavî, glevîe, glævei (Parzival 232, 3 [variante]), mischbildungen glavenîe, glevenîe, glefnie (1391 cod. dipl. Pruss. 4, 124), glefenei, kontraktionen: glê, glên, glêne, gleen, glehen, metathese gelve (Diefenbach nov. gl. 200b, anf. d. 15. jh.), anlautsvariante clavine Parzival 232, 3 (variante), cleve (1381) dt. reichstagsakten 1, 321, 14 Weizsäcker, vgl. Suolahti d. franz. einflusz 1 (1929) 98; [] Lexer mhd. hdwb. 1, 1030. glavier Haimonskinder 106 Pfaff (neben glavir ebda und glavie ebda 120) ist in anlehnung an wörter wie zimier, musenier gebildet. im verlauf des 15. jh. gewinnt die form glefe, gläfe in der schriftsprache des hd. gebiets das übergewicht, auch in der schreibung gleffe Dietrich u. s. ges. im Dresdener heldenbuch bei Suolahti d. frz. einflusz 2 (1933) 121, Jelinek mhd. wb. 325, dt. städtechron. 4, 236 (Augsb. mitte d. 15. jh.) sowie unten 1. die nebenformen verschwinden nicht ganz; auszer den genannten vgl. noch glafen (15. jh. md.) Diefenbach gl. 317, glaffe (1428 cod. dipl. Siles. 6, 51; 1456 quellensamml. zur bad. landesgesch. 1, 260 Mone), gleyne (15. jh. md.) Diefenbach gl. 317, gley (1551) weisth. 2, 658, gleye (mit gleyen Ambraser hs. 16. jh.) Biterolf 6531 Jänicke, gleige (1490 Berncastel) weisth. 4, 754. daneben behält gläne, glän, glene, glen, kontrahiert aus glävene (< glävine, glevine), selbständige, im 16. jh. bevorzugte geltung, s. oben sp. 7595, dazu glan (15. jh.) bei H. Grotefend quell. z. Frankf. gesch. 1, 221; Stieler 661 (s. u.), glenne (1444 bei Frauenholz entwicklungsgesch. d. deutsch. heerwesens [1935] 2, 2, 154; Hans Sachs 8, 291 lit. ver., ebda reittglennen 182). vereinzelt bleiben gliene (um 1550) bei Seb. Fischer chron. von Ulmischen sachen 198 Veesenmeyer und glaun (aus glavîn kontrahiert) für hasta, hastile, spiculum, cornus bei Er. Alberus (1540) gg 1b., zu diesem vgl. unten gluninck; sowie mit einer glemmen (1596) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 973 und sein glemern (acc. sing.) bei Hans Sachs 2, 277 lit. ver. auf nd. gebiet erhält sich bis zum aussterben des wortes eine fülle von formen: neben gleve, glevie, gleffie, glave, gelave, glavie, gleive, gleie, geleie, galeye (gemma gemm. 1507) stehen noch mit übergangslaut glevige (< glevîe), glevege und daraus durch suffixvermischung (A. Lasch mnd. gramm. 147) glevinge, glevink, s. Schiller-Lübben 2, 119, auch glavinyge (1336) Göttinger urkdb. 1, 129, glifenye (1437 Danzig) in: dt. rechtswb. 4, 937, vereinzelt auch ein dem aus glavîn kontrahierten glaun (s. o.) entsprechendes gluninck bei M. Dresser sächs. chron. (1596) 51 (neben gleving ebda 112); demin. gleveke lancea (15. jh. nd.) Diefenbach gl. 317a. das genus ist, gegenüber prov. glavi, m., afrz. glaive, m., im deutschen femin. gelegentlich erscheint glen als neutrum: das glen Wickram 3, 235 Bolte; mit aufrechtem glen (1477) bei Ildefons v. Arx gesch. d. kantons St. Gallen 2 (1811) 603 anm. b. dazu s. die belege des 16. jh. und aus lebender ma. im schweiz. id. 2, 630. vereinzelt in spätester bezeugung auch als m.: den glan einlegen hastam adaptare, lanceam applicare Stieler stammb. (1691) 661. bedeutung und gebrauch. das wort ist im deutschen mit der formgruppe glæve seit dem frühen 13. jh. bezeugt, gewinnt so im 14. und 15. jh. seine gröszte verbreitung, verschwindet aber schon bis zur mitte des 16. jh. aus den quellen. der letzte echte beleg (v. j. 1547) bei Hortleder v. rechtmäszigkeit (1645) 797 (s. u. 1). als veraltetes, aus älteren historischen quellen beigebrachtes und der erklärung bedürftiges wort erscheint glefe wieder im späten 17. jh. (s. u.glefner, glefenbürger), häufiger seit dem 18. jh., in wörterbüchern, archäologischen werken und historisch referierenden quellen, vgl. Jac. Wencker disquisitio de gleven-burgeris (bericht von den glevenburgern) in seiner dissertatio de pfalburgeris (1698) 3, 3 ff., des weiteren z. b. Wachter gloss. germ. (1737) 593, Frisch t.-lat. (1741) 1, 354 f., brem.-nds. wb. 2 (1767) 514, Adelung vers. 2 (1775) 703, Campe 2 (1808) 394b, Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 316; 3, 309 u. s. w.in den jüngeren, aus glevîne, glevene kontrahierten formen glene, glen, glän u. ä. lebt das wort länger, sehr kräftig noch im 16. jh., in gelegentlicher bezeugung noch bis ins späte 17. jh. (s. oben herkunft und form sowie gläne sp. 7595 und hier unten nachtragsbelege dazu). während im prov. die bedeutung 'schwert' als die ursprüngliche, 'lanze' als jüngere übertragung zu gelten hat (s. Levy prov. suppl. wb. 4, 133), ist afrz. glaive vornehmlich 'wurfspiesz' oder 'speer', erst in späterer, meist poetischer [] anwendung 'schwert' (s. Diez etymol. wb. 598, Godefroy dict. 4, 286; 9, 701). die von M. Jähns entwicklungsgesch. d. alten trutzwaffen (1899) 106; 260 f. (vgl. auch Boeheim waffenkunde [1890] 342 ff.) für glefe als ursprünglich angesetzte bedeutung 'stabschwert', als eine art stangenmesser für hieb und stich, tritt in der deutschen bezeugung nirgends eindeutig hervor. die deutsche entlehnung beschränkt sich durchaus auf die bezeichnung einer speer- oder spieszwaffe, die auch als übersetzung und glosse für lat. hasta und lancea dient: die swert sol man zu sechen (pflugscharen) slagen, zu houwen die glevînen (concident .. hastas suas in ligones Micha 4, 3) erlösung 1510 Bartsch; slichtet de glevinge polite lanceas Halberst. bibel (1522) Jer. 46, 4; verschmidend ... euwere räbmässer, sichlen und sägeysen zuo glefen (lanceas) Züricher bibel (1531) Joel 4, 10 (dafür 1667: spiessen). in hd., nd., ndl. vocc. des 15. und frühen 16. jh. häufig für lancea, s. Diefenbach gl. 317a, n. gl. 227b, für hasta gl. 273b, n. gl. 200b. vgl. ferner: gläf oder lanz lancea voc. v. 1419 bei Schmeller-Fr. bair. 1, 971; amentanum i. hasta gleven (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 29c. glefe synonym zu spiesz und speer: gläven oder spiesz lancea voc. v. 1445 bei Schmeller-Fr. 1, 971; ein gleffen adder spehr (1522) Egranus pred. 113 Buchwald. 11) lanze, speer, spiesz. zufrühest als ritterlanze, schwerer speer des rittermäszig gewappneten, in der höfischen epik seit Wolfram, Herbort v. Fritzlar und Wirnt v. Gravenberg als frühester deutscher bezeugungsschicht, aber auch später noch häufig kennzeichnend als ritterliche waffe: er (Gawan) zôhez (das pferd) unde truoc den schilt unt eine glævîne Wolfram Parzival 531, 7; er nam eine glevien in die hant und umbe sich sin swert Herbort v. Fritzlar liet v. Troie 18375 Fr.; sîn schilt zam ze halse wol und sîn glævîn, als sie sol. er vuorte zwên behage sporn. wart ie man mit wâfen geborn, des het man wol an ime gesworn Heinrich v. d. Türlin krone 10531; an synes swerdes knoff hey heynck den goden helm mit golde berant. ein glauye nam hei in de hant Karlmeinet 62, 51 Keller; rottecht sie riten die vrien, ufgeriht ir glavenien buch d. Makkab. 8336 Helm; gi scholden mek (den markgrafen) up ein ros hebben gesat mit upgerichter glevien und mit gold und sulver begeiten laten, so hedde gi mek recht beschattet (Magdeburg 14. jh.) städtechron. 7, 158; die mit den langen gleflen und mit dem beingewand (d. i. die edlen ritter) die fluchent (flohen) allesam Justinger Berner chron. 134 Studer; der rütter der nimt es offentlich, der schreiber heimlich; der rütter mit der glenen, der schreiber mit der federn Keisersberg narrensch. (1520) 162a; dise ... rytter yeder fiert auff seiner glienen, ain rottenn cardinal hut dem babst for (um1 550) Seb. Fischer chron. v. Ulmischen sachen 198 Veesenmeyer. so oft als die im turnier und im ritterlichen ernstkampf gebrauchte waffe: zer tjost er sich bereite. dô sazter die glævîn vorn ûf des satels vilzelîn Wolfram Parzival 537, 5; uf ritters schilt engentzet wirt von im manic glavie Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 579 R.; do er quam gegen im also, sine glevenien scharf meisterlich er underwarf nach ritterlicher saze passional 161, 1 Köpke; do waz under den bürgern einre, hies Markes von Eckeforsheim ein edelkneht, der reit zuom ersten an gegen den fienden mit einre glevene (1362) städtechron. 8, 323; als nun die zwen manlichen helden eynander ... so ... ritterlichen troffen hatten, beyde wider zuo end der schrancken [] geritten waren, mit anderen speren und glenen versehen wurden, von newem zuosamen ritten Wickram w. 1, 34 B.; sein glemern (der ritter) in drey stück zu-brach, kein ritterspil zu treiben mehr, zu erwerben rhum, preisz und ehr. aller kurtzweil thet er sich ab Hans Sachs 2, 277 lit. ver.; in vollem lauf mit einer glemmen zum schirm zu stechen (Amberg 1596) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 973. mit scharfen glefen rennen, reiten für ein mit scharfen waffen geführtes turnier: herzoch Wilhelm van Guilche rant mit eime van Nassauwe, ind allit mit scharpen geleien (Köln 15. jh.) städtechron. 14, 867; in demselben jar ranten zwelf mit scharpfen glefen zu Nuremberg auf dem marck (Nürnberg um 1430) städtechron. 1, 391; also ritten sie gen ainander mit scharpfen glenen (Augsburg um 1450) städtechron. 5, 98; vgl. 97; anno 1467 an der vasznacht stach hertzog Sigmund von Osterrich mit jungher Walther von Hallwyl uff dem münsterplatz mit scharpffen glAenen, und ritten weydlich zusammen Basler chron. 5, 439 Bernoulli. auch sonst in der verbindung scharfe glefe: sin ros in do furte vf Polidamam, sin scharfe glevie im quam mitten an den schenkel Herbort v. Fritzlar liet v. Troie 14708 Fr.; donoch brohte man fier scharpfe glefen und satzete im eine vornen an sin herze und die ander an den rücken predigtmärlein 26 Pfeiffer. verbale verbindungen lassen den gebrauch der glefe als einer stich- und stoszwaffe deutlich erkennen, namentlich mit der glefe (durch) stechen u. ä.: die glävie er sîgen lie, daz sîn der wurm niht ensach. durch sîn herze er im stach den schaft unz an die hant gar Wirnt v. Gravenberg Wigalois 132 Pf.; die glevenie er nider sluc nach ritterlicher saze und stach in voller maze durch den wurm al inmitten passional 256, 94 Köpke; der den phalczgraven mit eyner gleven durchstach Wig. Gerstenberg chron. 91 Diemar; er ... stach durch den wurm mit der glefen d. summer teil d. heyl. leben (1472) 15; ferner: iz ward mit grôzem vlîzen zwô starke glaven ûf in gesenket Ulrich v. d. Türlin Willehalm 51, 23 Singer; als er in von dem orse swanc mit der glavîen, diu was lanc Heinrich v. d. Türlin krone 18977; du bist ein geistliche person, so bin ich ein weltlicher ritter. es zimpt mir nit, zu kempffen mitter. wolt dich baldt legen mit der glennen Hans Sachs 8, 291 lit. ver.; kam der alte Titus zu mir mit eil rennen, vnd stosset mich mit sein glene so grawsam von meinem pferde schausp. engl. comöd. 22 Cr. seit dem 14. jh. erscheint die glefe (und glene) auch als waffe in der hand des berittenen oder zu fusz kämpfenden söldners oder des bewaffneten bürgers. oft als eine leichtere waffe, auch, wie schon der afrz. glaive, als wurfspiesz: so scole we on senden sesteyn man mid glevien unde vere scutten (1351) urkdb. d. stadt Halberstadt 1, 381; vif und tvintich man mit helmen unde vif unde tvintich man mit gleiven (1357) urkdb. z. gesch. d. herz. v. Braunschweig 3, nr. 26 Sud.; es kost die vart, die unser soldner zwelf mit glefen verzerten ... 277 guld(en) (z. jahre 1384, Nürnberg) städtechron. 1, 186; Hinrik van Langelge hadde dar vere mit glavien mede (Braunschweig 1382) städtechron. 6, 76; (verzeichnis der reichsstände, die zum Römerzug mit leistungen herangezogen werden) marggraven Hessen von Hoch berg umb xxx mit gleven und viiiC gulden zu solde (1401) Frankfurts reichskorresp. 1, 88 Janssen. oft in der aufzählung von waffen und kampfmitteln: swer anders wapen, arborst oder glavinygen furet, den mak man ufhalden vor eynen schuldigen man (1336) Göttinger urkdb. 1, 129; [] du salt haben in dîme her harte manigerleie wer, swert, grellen, glavenîen (md. 14. jh.) bei Lexer nachtr. 213; doetslaghe, wunderdinghe myt swerden, myt mesten, mit gleuien scholen richten der stad warzagen santmanne (Schleswig-Holstein 1400) in: dtsches rechtswb. 4, 937; se hebben ere weer, als hellebairden, speite, und glavien in de porten gestecken Münstersche chroniken d. mittelalters 2, 431 Cornelius; so hebbe wij dem radde weddere toleffert de werre, pollexen (streitäxte) ende gleffien endi kallikputte (kalktöpfe) (1459) Lübeckisches urkdb. 9, 696; vier fuszknecht, derselbigen jeder sol haben hinder- und fordertheil, ein kragen, peckelhauben und wer da wil auch armschin. darzu einen sebel oder guten zweyschneidigen scharschaun, eine lange büchsen, einen schweinspiesz, gleffen oder trischl (beleg v. j. 1547) bei Hortleder v. rechtmäszigkeit ... d. teutsch. kriegs kaiser Karls V. wider d. schmalkald. bünde (1645) 797. in gewissen verbalverbindungen deutlich als wurfspiesz kenntlich: dat gerichte geit ... vort an den santbergh lynrecht in den Ryn, asso verre ... (man) scheysin mach mit eynre gelaiuen (14. jh. Köln) weisth. 2, 744; in der fluht schos im Pensania noch eine glefen in den rücken (Straszburg 1400) städtechron. 8, 304; Saul der hielte die glefen (lanceam) vnd lies sie (et misit eam) erste dtsche bibel 5, 80 Kurr.; da schosz er jn zu rucke noch glenen (raptas fugientibus ingerit hastas in tergum) Murner Vergil (1559) g 5b. nicht selten diente die glefe im sinne von 'speerlänge' als maszbestimmung: daz wazzer ist, als wir sahen, nachen gantzer glefen tief Suchenwirt 4, 183 Prim.; das selbe wasser ... ist kuome anderhalben glenen wyt (15. jh.) in: zs. f. dtsch. alt. 26, 351; in dem jare ... 1402 ... erscheine ein sterne an dem himel, daz man schatzte, er were einer halben glenen lang Basler chron. 5, 134 Bernoulli; all (brunnen) ... eyner glen lang uffgefuret Breidenbach d. heyl. reyszen gen Jherusalem (1486) 40b. so auch in rechtsformeln: eine rechte köningestrate, die sall men entrumen so wit, dat ein ritter heme ride mit sinem vullen harnische und vöre eine gelaue vür sick twers up dem perde, die sall sien 16 voet lanck (Schwelm) weisth. 3, 28; er soll ihn an den galgen zu todt henken, dem erdreich entflöhnen, dem luft empfehlen, so hoch, dasz ein reiter mit aufrechtem glen unten durch reiten könne (formel eines todesurteils beim hängen, 1477) bei Ildefons v. Arx gesch. d. kantons St. Gallen 2 (1811) 603 anm. b; vier freyer wege, iederen so weith, daz ein reutterman eine gley von sechszehen fuszen quersz vor ime, ohn verhinderung von hecken vnd beumen, fuhren magh (1551 bei Königswinter) weisth. 2, 658. im folgenden vielleicht im sinne von 'lanzenwurfweite': (in einem geleit) gab uns jedem 6 diener zu und drabten wir zu beiden seiten ein glan lang vor dem haufen her (15. jh.) bei H. Grotefend quell. z. Frankfurter gesch. 1, 221. 22) seltener, aber schon in der frühesten bezeugungsschicht bezeichnet glefe auch die metallene lanzenspitze, das speereisen, im unterschied vom schaft, wie glefeneisen (s. d.), vgl. auch Schulz f. leben2 2, 25: unt ein scharpfe glævin, dar inne al niwe was der schaft Wolfram Parzival 443, 24; er furt eine lanzen groz rorine, golt varwer stahel uz India was die glevie gezieret mit rubine jüngerer Titurel 1284, 4; vgl. 919, 2; spiess on glevi qu. v. 1504/32 bei Staub-Tobler 2, 607. vgl. auch: ein swarzer recke geriten her, der vuort ein ungewonez sper, daz was ein glavîe breit, diu ze beiden sîten sneit Heinrich v. d. Türlin krone 18965; vgl. 19129. 33) 'lanzenreiter', wie bei spiesz (s. dort I 2 i, teil 10, 1, 2448), speer u. ähnl. steht die waffe für den ritter oder söldner zu pferde, der sie trägt. dabei werden meist die knechte, [] die seine begleitung bilden, mitverstanden (manchmal auch ausdrücklich gezählt), so dasz glefe zur bezeichnung für die kleinste einheit des spätmittelalterlichen lehnsheeres wird. es ist zu beachten, dasz glefe in diesem sinne nie als taktische gruppe gefaszt wird, sondern nur zur angabe der stärke eines trupps dient und daher meist mit zahlen oder mengenadjektiven verbunden erscheint. zum sachlichen vgl. Eugen v. Frauenholz entwicklungsgesch. d. deutsch. heerwesens (1935) 1, 86; 89; 104; 112; 120: do was auch mit vernunst der grave von der Mark, von dem Berge, und der stark grave wert von Clefen mit maniger starken glefen Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 16902 Regel; doe quamen dem buschof van Coelne vil gleven uis sinen steden (Köln 14./15. jh.) städtechron. 13, 53; unde hilt me dan seshondert gleven von rittern unde knechten me dan jar unde dag zu degelicheme krige, di he kostlichen vursolde Tilman Elhen Limb. chron. 63 Wyss; so ... wollen wir (Joh. v. Ysenburg) yn (der stadt Friedberg) eynen unsern erbern diener schicken mit eyner gleyven, der bii yn sin sal fiertzehen tage odir solanghe sie dez bedorffen (1392) urk.-buch Friedberg 1, 430 Foltz; und der (aufständischen) heren wart also vele, dat se wol seshundert glevien hadden (um 1400, Magdeb.) städtechron. 7, 291; wann ir warent nit mer dann 4000 und by 30 gleven die der herzog hatt (1531) Fridolin Sicher chron. bei Staub-Tobler 2, 607. auf die begleiter des lanzenreiters und die meist zwischen 3 und 5 mann schwankende stärke der einheit wird oft bezug genommen: sollen wir in ... beholfen sin mit glefen erber wol erzúgeter lúte, do ie die glefe 3 pferde haben sol und ein gewoffenten kneht (1405) dtsche reichstagsakten 5, 736; ir ichlicher sal habin tzwen mit glevien und eyner islichen glevien drie pherd und twene gewapent gerechent (1428) Lübecker urk.-buch 7, 119; teyn dusent glevien, veer peerde to ener glevien gerekent (1468) Lübecker chron. 2, 312 Grautoff; wy hadden vii glevegen unser knechte, unde de knechte de dar to horen (qu. v. 1412) in: pomm. geschichtsdenkm. 4, 58 Pyl. die glefe als einheit berittener kämpfer wird dem fuszsoldaten gegenübergestellt: mit 15 hundert glefen und drissig tusent fuosgengern (14. jh.) städtechron. 8, 467; in demselben jar hat der bischuf wal 600 geleien und vil voesgenger (14./15. jh. Köln) städtechron. 13, 107; die Switzer ... ersluogent des herzogen volkes anderhalp hundert glefen und fünfhundert fuosgenger (1400 Straszb.) ebda 9, 820; darnach ... erhub sich hertzog Leupolt von Osterreich mit vil herren, auff 700 gleven und vil fuszvolcks (um 1490 Nürnberg) ebda 3, 291. anderseits steht die glefe als einheit der lanzenreiter im gegensatz zu den (armbrust) schützen: do samelte kunig Friderich aber ein gros her uf 22 hundert glefen und uf vier tusent schützen (um 1400 Straszb.) städtechron. 8, 467; darczu heten wir von soldnern, ritter und knecht anderhalb hundert glefnen, di auch mit zugen, und bey 150 schuczen zu rossen (um 1400 Nürnberg) ebda 1, 41; item 3024 m(ark) haben wir ... ken Slochaw gesant, dy soldener zu entrichten ... of 263 glefenyen und 283 obrige schoczen (1399-1409) Marienburger treszlerb. 564 Joachim; darnach ... zugen die von Nuremberg mit 150 gleven, 150 schutzen zu rosz und 4000 mannen zu fussen fur die stad Hilpoltstein (um 1490 Nürnberg) städtechron. 3, 292.
20203 Zeichen · 536 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glêfe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Die Glêfe , plur. die -n, oder der Glêfen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nunmehr veraltetes Wort, welches ehedem seh…

  2. modern
    Dialekt
    Glefef.

    Pfälzisches Wb.

     Glefe f. : ' Lanze, Speer, Spieß ', vgl. PfWB Gläner . a. 1573: die gleuen anschlagen vnngeuerlich, als wollten sie fe…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glefe

9 Bildungen · 9 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

glefe‑ als Erstglied (9 von 9)

glefenbürger

DWB

glefe·n·buerger

glefenbürger , m. , der zur stadtverteidigung herangezogene vollbürger, vgl. spieszbürger teil 10, 1, 2455 und 'glevenbürger cives hastati s…

glefendienst

DWB

glefe·n·dienst

glefendienst , m. , zu 1 glefe 3: sullen uns dieselben ... dienen mit zweien glefnein, doch also, das wir oder unsere nachkomen in ... umb a…

glefeneisen

DWB

glefe·neisen

glefeneisen , n. , ' lanzenspitze, speereisen ', s. oben 1 glefe 2: des manger must enphinden, der pfeyl- und gläfen-eysen slant, daz er mit…

glefener

DWB

glefe·ner

glefner , glefener , m. , s. auch gläner sp. 7595. 1 1) lanzenreiter, der mehrere berittene knechte bei sich hatte, im gegensatz zum gewöhnl…

glefenführer

DWB

glefe·n·fuehrer

glefenführer , m. , ' lanzenträger ': soventich ryders unde twehundert glevyenvorers ( vulgata: lancearios ) Lübecker bib. (1494) ap.-gesch.…

glefenfutter

DWB

glefe·n·futter

glefenfutter , n. , ' lanzenfutteral ': item 12 sol. vor 4 speer- und glefenyefuter zu machen unserm homeyster ( um 1400) Marienb. treszlerb…

glefenrecht

DWB

glefe·n·recht

glefenrecht , n. , zu 1 glefe 3: unschädlich den diensten, die er ... mit einer glaffen, als glaffenrecht ist, ... zu leisten hat (1428) cod…

glefenstab

DWB

glefe·n·stab

glefenstab , m. : glevenstäbe sind stäbe, oben mit halben lilien (gleven) besetzt ebda.