schwach,
adj. ,
mhd. swach
mhd. wb. 2, 2, 779
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1330,
mnd. swack Schiller-Lübben 4, 481
b,
ebenso neund. (
zum theil mit langer silbe gesprochen),
vgl. brem. wb. 4, 1108. Dähnert 476
b. Schütze 4, 231. Danneil 217
a. Mi 90
a. Schambach 220
a. Woeste 264
a. ten Doornkaat Koolman 3, 370
a,
nld. swack,
debilis, imbecillis, infirmus Kilian,
jetzt zwak.
im ahd. ist das wort nicht belegt, es fehlt den übrigen germanischen sprachen. J. Grimm
stellte das wort zusammen mit ahd. suehhan,
olere, fragrare, foetere, mhd. swecher,
foetidus, alts. swek,
geruch, ags. sväc,
odor. zeitschr. f. deutsches alterthum 6, 5 (
kl. schriften 7, 199).
gramm. 2, 27,
vgl. Graff 6, 863. J. Grimm
meint (
kl. schrift. 6, 318.
gr. 2, 80), schwach
habe zunächst die bedeutung von inodorus, insipidus gehabt (
ebenso Weigand
4 2, 656. Schade
altd. wb.2 2, 900
b,
das sich auflösende, verwesende Schm. 2, 623).
besser ist eine verschlimmerung des begriffes zu '
stinkend'
für schwach
anzunehmen (
so im mhd. wb. a. a. o., vergl. noch mhd. swecher),
die spurweise im mhd. noch nachzuwirken scheint: (
das schwein) wüelet doch mit unde grebt in den swachen fûlen mist. K. v. Würzburg
Parthenopier 8473.
von hier aus läszt sich der übergang zur bedeutung '
erbärmlich, elend, social niedrig stehend'
begreifen. anders leitet Kluge
etym. wb.5 339
b das wort ab, vgl. auch Franck
etym. woordenb. 1226. Noreen
urgerm. lautl. 88, 102;
die bedeutung von '
niedrig, elend, schlecht'
tritt in neuerer sprache völlig zurück vor der vorstellung '
kraftlos, das zu erwartende masz nicht ausfüllend, nicht wirkend'
u. ähnl.; Dasypodius
glossiert schwach, unfest,
infirmus, imbecillus, debilus, languidus, invalidus, enervus, elumbis, mancus, effoetus, defoetus, semivirus; schwach, kleiner krefften,
tenuis viribus, infirmus Maaler 364
c; schwach, was die gehörige stärke nicht hat. Frisch 2, 239
a.
im Aargau ist nach Hunziker 234
der begriff von schwach
enger als im schriftdeutschen (
beschränkt auf: entkräftet von kranken personen, gering an alkoholgehalt, unmerklich von geruch, kraftlos im physischen und moralischen sinne);
baslerisch im sinne von unkundig, nachlässig: er isch schwach inn alle bigäbehaite. Seiler 266
a;
in anderen mundarten tritt besonders die bedeutung '
durch krankheit entkräftet, schwer darniederliegend'
hervor, vgl. Spiesz 229; seer swakk,
tödlich krank Dähnert 476
b. 11)
in älterer sprache, social niedrig stehend, arm, dürftig, elend, gering, schlecht; von personen: daʒ ûʒ frömden ellende ein sô swacher man wære komen.
Servat. 753; diu swacheste drunder,swaʒ ir diu gebôt, daʒ muose si leisten.
Gudrun 1010 (
vgl. Erec 8289); daʒ dehein wîp sô swach den gürtel in ir hant genam.
Wigalois 139, 13; nu enwas dâ nieman sô swach (
so niedriger geburt).
Amis 703; man hât des swachen mannes kint für den edelen hôchgeborn.
Meier Helmbrecht 500; er diuhte sicher si ze swach unde lîhte gar ze nider.
Engelhard 1954; ûʒ einem swachen knehte hât ir gemachet einen voget. 3530.
im gegensatz zu rîche (
vgl. Scherz-Oberlin 1605): du machest rîche in kurzer vrist einen alsô swachen man.
Iwein 3551; jâ müget ir michel gerner sîn in vremde ein rîchiu künegîn dann in der künde arm unde swach.
Trist. 292, 1; ich enbin nie sô swach, mîn vater sî ein künic rîche.
Flore 4100;
[] freier: daʒ dritte gesläht ist vil swah (
tertium monachorum genus deterrimum est); aller niderist und swachist (
omnibus inferior et vilior); ob du sunderst daʒ edel von dem swachen.
quelle bei Schm. 2, 622; wie swach ein yeglicher wær, er möcht doch mit frmchait zuo einer sOelichen er chomen.
gesta Rom. 23
Keller. der esel wird bei Boner
im gegensatze zum löwen und zum rosz als swach,
als ein unedles thier bezeichnet. edelst. 14, 16. 51, 9. 15.
auf unpersönliches bezogen, niedrig, elend, dürftig; swacher name,
niedriger, dürftiger stand: daʒ er mich aber enterbet und nimt mir guot und êre, sô muoʒ ich iemer mêre unwert und swaches namen sî
n. Tristan 39, 3. leben: davon sich nicht gelîchen mag dîn swacheʒ leben und daʒ mî
n. Boner
edelst. 41, 15 (
die fliege spricht zur ameise);
irdisches im verhältnisse zum himmlischen: aus diesem schwachen leben in die ewige kirchen. Melanchthon
vorr. zum 7.
theil von Luthers
schriften; weil mich die gestirne dulden in der schwachen unter-welt.
geh. Venus 11
neudruck; haus und gerät, gewand, speise u. s. w.: daʒ was niht ein palas, eʒ was ein swachiu herberge bî einem velse an einem berge. L. v. Regensburg
s. Franc. leben 279; do lieszen sie das hoch adel (
das Jesuskind) ligen in dem schwachen stadel.
quelle bei Schmeller 2, 622; manege maget guot, die mit strûbendem hâreunde in swachen kleiden hin ze hove giengen.
Gudrun 1299, 3; mir ist lieber, kumt sî her (
schön geputzt) danne ob er sî dâ heime in swacher wæte vinde. Neithart 37, 18; ich mir bereiten bat ûʒsetzen nepfe und swachiu kleit. U. v. Lichtenstein
frauendienst 329, 19; si kunden swacher niht gesî
n. 22; uff erden soltu nymant versuochen in swachem gewant. Muskatblut 86, 23; der swechest balc wær wol ze lobe (
der geringste pelz war immer noch kostbar genug).
Parz. 231, 6; do sach er an dem bette wie er nicht enhette, den ein swarz swacheʒ tuch.
pass. 144, 39
Köpke; daʒ nâch sô werder spîse guot in mich kein swachiu trahte gê.
herzemœre 497; du vichtes vruo und spâte, wie dich got berâte der swachen spîse, der du lebest. Boner
edelstein 41, 9; swer swach korn under guoteʒ schütet.
quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1330; swacher lîp,
unansehnliche gestalt: (
der frosch spricht:) got hêr, waʒ sol ich dir dar umbe danken, daʒ du mir hâst ein als swachen lîp gegeben? Boner
edelst. 46, 7.
in entsprechender anwendung wird in älterer sprache das adv. viel gebraucht: si bat, daʒ man sie legete swach uf aschen an die erden.
pass. 338, 76
Köpke; vgl. mhd. wb. 2, 2, 780
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1331.
verschärft zu schimpflich, kläglich und auf tod, lebensende bezogen: ich wil nâch swachem tôde streben, und wil für wâr niht langer leben. U. v. Lichtenstein
frauendienst 366, 27; Îsôt die küniginne, swie die in sîner minne bran und in ir minne her Tristan, eʒ nam doch swacheʒ ende. H. v. Freiberg
Tristan 6854; er wart durch zouberlîchiu dinc erhenket an ein criuce dô: mit dirre marter und alsô nam er ein swacheʒ ende. K. v. Würzburg
Silvester 2499; oder eʒ ginge ir an ir leben mit eime tode harte swach.
pass. 27, 79
Köpke; bei der übertragung auf das sittliche gebiet ist der unterschied gegen den gebrauch der neueren sprache zu beachten, die von der vorstellung des kraftlosen ausgeht; von personen: muoter, ûʒ iuwerm munde sô sint alle manne swach. Neidhart liii, 7; swaʒ ir swaches gesindes hât, daʒ zuo den unêren phlît. L. von Regensburg
tochter Syon 3824;
[] di snode an di furstinne, di freche an di geduldegen, di swache an di unschuldegen sturmete alse sere.
Elisabeth 5098; sanc ich hiure niht von guoten wîben, sô singe aber ich nu von den swachen.
minnes. 2, 262
a Hagen; hier ergibt sich leicht die beziehung auf geschlechtliche unreinheit: nym der swachen frawen war,
agnosce meretricem. quelle bei Schm. 2, 623.
auf unpersönliches bezogen: wen spricht, eʒ sî nicht halbs verlorn, wan allʒ, daʒ man ze dienste tuot dem argen: wan sîn swacher muot alle zît ûf bôsheit stât. Boner
edelst. 11, 58;
milder: er wære in swachem muote (
zeigte verächtliche, thörichte gesinnung),der ir (
der schönen frauen) deheiner wære gram.
Nib. 533, 4; sin: ein swach sin half dir unde riet: von schildes ambet man dich schiet und sagte dich gar rehtlô
s. Parz. 524, 23. ding: und wart des swachen dinges gezigen (
des diebstahls).
quelle bei Schm. 2, 623; gewonheit: eʒ ist ein bœs gewonheit swach, dâ mit mans tiuvels willen tuot. Teichner 211
Karajan; gehässig: swacher wort und gespottes. 48; swacher gruoʒ,
üble begrüszung, gezeigte miszachtung, kalter grusz; nach dem zusammenhange ergibt sich die schärfere oder mildere meinung: leget, mîne vriunde,die schilde für den fuoʒ, und geltet, ob iu iemenbiete swachen gruoʒ, mit tiefen verchwunden.
Nib. 1796, 2; der bœse dicke dulten muoʒ unwirde unde swachen gruoʒ. Freid. 89, 10 (
vergl. Haupt
zu minnesangs frühling 80, 22);
die verschlimmerte bedeutung des wortes liegt auch in wendungen vor wie die folgende: man hôhgemâc, an friunden kranc, daʒ ist ein swacher habedanc. Walther 79, 18. 22)
entkräftet, kraftlos, elend. krankheit, besondere körperliche zustände: schwach seyn, kranck seyn,
estre malade Hulsius
dict. (1616) 291
b; schwach, kranck, unpäszlich
ebenda; schwach,
aegrotus, languidus Schottel 1411;
die neuere sprache faszt schwach
wesentlich als begleitzustand, als zeichen, wirkung der krankheit, die ältere braucht es bisweilen völlig im sinne von krank: wen spricht, daʒ überig gemach gesunde liute machet swach. Boner
edelst. 48, 150; soll man die armen schwachen durch einen starken trunk noch duppelt schwächer machen. Fleming 1, 144, 15
Lappenberg; Laurencius de Compagnia was immer schwach.
d. städtechr. 15, 122, 10; herzog Hainrich, nachdem er swach was, blib zu Regensburg. Aventin
chron. 2, 273, 23; und ich Daniel ward schwach, und lag etliche tage kranck.
Dan. 8, 27; ruffet den schwachen umb gesundheit an, bittet den todten umbs leben.
weish. Sal. 13, 18; sein gemachel were im schwach.
d. städtechron. 25, 385, 28;
besondere wendung: et is nu en swakke tied,
ungesunde zeit, witterung, es gibt viele kranke. Schütze 4, 231.
ohnmächtig (
vgl. cimbr. wb. 225
b): ob ich etwo schwach wurd, das mir der stab entfiel.
Salzburger taid. 182, 20;
nach starkem aderlasz: rhu, weyl du bist so vol schwachs. H. Sachs 17, 64, 25
Keller-Götze. ähnlich in neuerer sprache von plötzlichen zufällen: mir wird schwach, mir ists, wirds schwach im magen; den pferden wars so schwach im magen. Uhland
ged. (1864) 329.
verwundung: swie mir sî daʒ leben swach.
Barl. u. Jos. 13, 12:
verbunden mit krank
und andern sinnverwandten ausdrücken: an leib und seel bald abgemerglet, schwach. Weckherlin
ged. (1648) 245; das röszlein war so krank und schwach: er zog es nur am zaume nach. Uhland
ged. (1864) 324.
verschlimmerte zustände bei krankheit: es steht schwach mit ihm; der kranke wird schwächer und schwächer;
nd. 'tis swack wark mit em.
brem. wb. 4, 1108,
vergl. Dähnert 476
b;
pullus formicans, ein schwacher pulsz. Corvinus
fons latin. (1660) 275
b; der puls geht schwach
u. ähnl. athmen: mein odem ist schwach, und meine tage sind abgekürtzt, das grab ist da.
Hiob 17, 1; das schwach geynen, wenn einer von kranckheit das maul kaum mag aufbringen zegeynen,
hiatus aeger. Maaler 364
c.
[] ermüdung: schwach von arbeit,
labore fractus Stieler 1948; die streitenden soldaten werden schwach, ..
viribus debilitantur et franguntur Steinbach 2, 530; meine knie sind schwach von fasten.
ps. 109, 24.
allgemein zur bezeichnung, dasz das erforderliche masz von kraft und gesundheit nicht vorhanden ist: er hat einen schwachen athem (
als anlage); eine schwache brust, schwache lunge, schwache augen (
aber nicht ohren, nase) haben
und ähnl.; languenti esse stomacho, einen schwachen magen haben. Corvinus
fons latin. (1660) 715
a; schwacher leib,
corpus infirmum, debilitatum, effoetum; schwache natur,
valetudo debilis Stieler 1948; schwach genaturet,
imbecillis, fragilis natura 38; arme und schwache gesundheit. Maaler 364
c; schwache gesundheit, schwaches gesicht. Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 692
b; von schwachen gliedmaszen seyn,
infirmis esse membris Steinbach 2, 530; ein schwaches gehör,
aures hebetes. ebenda; der blinde, der die finsternisz, die ihn umwölkte, kaum zerrisz, wagt nicht an hellen sommertagen sein schwaches, blinzendes gesicht verwegen in das volle licht. Gotter 1, 229 (1787); denn stark und schwach war sein gesicht; wie war es stark und schwach? schwach war es vor den nachbarsfraun, wo er vorüber bog, stark aber feinde zu erschaun, wo er zum kampfe zog. Rückert (1882) 4, 89; die groszmutter sah mir, so weit ihre schwachen augen reichten, etwas wehmütig nach. Keller
werke 1, 200.
die wendung auf schwachen füszen stehen
wird gern in übertragenem sinne gebraucht (
unter einwirkung von Daniel cap. 2): die religion, der stat stehet auf schwachen füszen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b.
im eigentlichen sinne dagegen schwach auf den beinen sein. (
Simson spricht:) so würde ich schwach, und were wie ein ander mensch.
richter 16, 7; macht aus ewren pflugscharen schwerter, und aus ewren sicheln spiesze. der schwache spreche, ich bin starck.
Joel 3, 15; der schwächeste musz das creutz tragen. Henisch 622, 29; das schwach ist auch beysamen starck. Franck
sprichw. (1541) 1, 63
b; wer schwach ist, der lasse sich mit keinem starcken ein. Kramer
deutsch-ital. dict. 2, 692
c; darin, ihr götter, macht ihr schwache stark.
Shakesp. Julius Cäsar 1, 3.
in verbindung mit sinnesgleichen oder ähnlichen adjectiven: die schwachen und armen ligen allzeit unten, die reichen und starcken oben. Petri (1605) 2, R 3
b; schwach, matt, unkräfftig. Hulsius
dict. (1616) 291
b; schwach unnd blöd,
debilis, imbecillis Maaler 364
c; schwache und blöde gesundheit. Comenius
sprachenthür übers. von Docemius 293 (1658); wer schwach und blöd geboren, den kan kein medicin starck und lebhafft machen.
quelle bei Wander
sprichw.-lex. 4, 409; unbehülflich, schwach und duldend wie ein kind am mutterbusen. Grillparzer
4 3, 17 (
ahnfrau 1).
gegenüber einer aufgabe: ich bin dem ze schwach das ichs trage. Maaler 364
c; du bist dem dinge zu schwach. Steinbach 2, 530; und wenn ich, freund, der schwere der bürde, die die ehre vom staate auf sich nahm. zu schwach, zu kraftlos wäre. Göckingk (1781) 2, 106; die krafft der treger ist zu schwach, und des staubs ist zu viel.
Nehem. 4, 10;
die eigne kraft wird gegenüber einer aufgabe herabgesetzt: mein arm ist zu schwach, euch zu schützen; ach, wie ist mein arm so schwach! was ich hebe, was ich trage, was ich schneide, was ich schlage, jeder knappe thut es nach. W. Müller
ged. 1, 13 (1837); in gottes nahmen denn! gieb her den kahn, ich wills mit meiner schwachen kraft versuchen. Schiller
Wilh. Tell 1, 1.
im plural völlig verblaszt: so weit es in meinen schwachen kräften steht, will ich dir helfen.
alter und kindheit heiszen schwach
im verhältnis zur kraft und gesundheit der reifen jahre: ein schwaches kind miszhandeln; ein schwaches kind
dagegen auch im gegensatze zu anderen kindern, ein in der ausbildung des körperlichen organismus zurückgebliebenes; er ist schwach von alter,
senectute languescit, confectus est. Stieler 1948; das schwache alter,
l'età cadente, caduca, rotta Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b; schwach und alt wird ungestalt. Wander
sprichw.-lex. 4, 408;
[] ich hab dir nahrung und kleider gegeben, und dein schwaches alter in allen geschäften geschonet. Schiller
räub. 4, 2
schauspiel; dem alter nah, und schwach an kräften, entschlägt sich Sanktulus der welt. Ludwig 1, 8; rennt dem scheuen glücke nach! freunde, rennt euch alt und schwach! 65.
die frauen sind das schwache
oder schwächere geschlecht;
oft wird die bezeichnung im uneigentlichen sinne besonders mit beziehung auf die charaktereigenschaften der frauen gebraucht: ein schwaches weibsbild, das schwache frauenvolck. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b; belogene lügner! von einem schwachen weib überlistet. Schiller
kab. u. liebe 2, 1; das schwache geschlecht, sowie es gewöhnlich genannt wird, zeigte sich tapfer und mächtig, und gegenwärtigen geistes. Göthe 40, 294.
in besonderer anwendung beim wilde, noch nicht ausgewachsen: schwacher bock, schwache sauen
u. ähnl. im verhältnis zu andern thiergattungen: die eimmeisen ein schwach volck ... caninichen ein schwach volck.
spr. Sal. 30, 25. 26. 33)
in freierer anwendung; den mangel an actionsfähigkeit, das unvermögen gegenüber den umständen und verhältnissen, den machtmitteln anderer u. s. w.: dasz obrigkeiten seyn, ist männiglichen angelegen, damit nicht der mächtigere den schwachen unterdrücke. Comenius
sprachenth. übers v. Docemius (1657) 673; ich bin die schwache, sie die mächt'ge — wohl, sie brauche die gewalt, sie tödte mich. Schiller
M. Stuart 1, 7; in diesem zarten punkt, den ich jetzt eurer treu preisz geben soll, bin ich der schwächste mann an diesem hof. 2, 8; und ob er schwach ist, dir schaden zu thun.
Sir. 19, 25; zum teil ein starck, und zum teil ein schwach reich.
Dan. 2, 42.
im wirtschaftlichen sinne, unbemittelt: datô sî öck to schwach,
das geht über mein vermögen. Frischbier 2, 326
a; es steht schwach mit ihm,
er ist dem bankrott nahe. menschliche hülflosigkeit, gebrechlichkeit bezeichnend besonders im verhältnis zur göttlichen macht: und bleibet in tieffer demut und befilcht sich in gottes hut, weyl er sich befindt voller schwachs. H. Sachs 15, 350, 14
Keller-Götze; ich geschweig desz letzten abscheiden, ein leiden sonst ob allem leiden, das seel und leibe macht vil schwachs. 21, 290, 17; so stärcket seine hand den leib und geist der schwachen. Weckherlin (1648) 246; fahr im fried! ich kans nicht wenden, bin zu schwach desz herren händen. Logau 1, 183, 69; ich bin dein (
gottes) knecht, und deiner magd son, ein schwacher mensch und kurtzes lebens.
weish. Sal. 9, 5; wir seynd schwache menschen, schwache creaturen. Kramer
deutsch-ital. dict. 2, 692
c.
übertragen auf die willensthätigkeit, das sittliche gebiet, unfähigkeit versuchungen zu widerstehen, anlage, die eine ernstere probe nicht besteht: der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach.
Matth. 26, 41; wenn jr aber also sündiget an den brüdern, und schlahet jr schwaches gewissen, so sündiget jr an Christo.
1 Cor. 8, 12; ein schwach, blöd gewissen, ist ein grosze kranckheit. Henisch 422, 41 (
die verbindung wird von Campe
für ungewöhnlich erklärt); schwache treue,
fides sublesta Stieler 1949; schwacher augenblick, schwache stunde,
augenblick, stunde, da man besonders geneigt ist, versuchungen zu unterliegen: in einem schwachen augenblicke liesz ich mich bereden; jeder mensch hat seine schwachen stunden
u. ä.; bedenke, dasz dem besten die schwache stunde schlagen kann, dasz diese schwache stunde sich selbst nur zu bitter straft. Ludwig 2, 598; Elisabeth! sie haben in schwachen stunden (
stunden weicher hingabe) mich gesehen. Schiller
don Carlos 4, 9.
ohne strenge, ohne energie: ein schwacher vater, schwach gegen seine umgebung
u. ähnl.; eine schwache regierung,
die keinen festen willen zeigt, ein schwaches regiment führen. ein schwach unnd arbeitsälig regiment, umb wölches es vast übel stadt,
aegrota res publica Maaler 364
c;
studium languidum, schwacher fleisz. Corvinus
fons lat. (1660) 348
b; schwach gemüt,
animus impotens, infirmus Stieler 1948; dasz er zu einem sehr schwachen herzen einen noch schwächern kopf (
vgl. weiter unten) gehabt haben müsse. Wieland 6, 204; sobald unser
[] herz weich ist, ist es schwach. Göthe
briefe 1, 236
Weim. ausgabe; ach, welch ein schwaches ding das herz des weibes ist!
Shakesp. Jul. Cäsar 2, 4.
religiöses leben, der festigkeit und freudigkeit des glaubens gegenübergestellt, oft in der bibel mit beziehung auf bestimmte satzungen: den schwachen im glauben nemet auff, und verwirret die gewissen nicht.
Röm. 14, 1; einer gleubet, er möge allerley essen, welcher aber schwach ist, der isset kraut. 14, 2 (
hiernach mit scherzhafter verdrehung des sinnes: die zwak is, ete moeskruiden. Wander
sprichw.-lex. 4, 408); es ist viel besser, du essest kein fleisch, und trinckest keinen wein, oder das, dar an sich dein bruder stöszet, oder ergert oder schwach wird. 14, 21; den schwachen bin ich worden als ein schwacher, auff das ich die schwachen gewinne.
1 Cor. 9, 22; meine krafft ist in den schwachen mechtig.
2 Cor. 12, 9; tröstet die kleinmütigen, traget die schwachen.
1 Thess. 5, 14; schwacher glaube,
fede debole Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b;
im sinne von aberglauben: keins swachen glouben er phlac.
Erec 8123.
verstandesleben, phantasie, geistige, künstlerische production, gedächtnis u. s. w.: die schwache (begreiffung). Comenius
sprachenthür übers. von Docemius (1657) 357; schwach gedächtnüsz,
memoria hebes, sive labilis Stieler 1948; schwaches hirn, schwache vernunft Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 692
b; sein verstand wird schwach,
mentis acies hebescit Frisch 2, 239
a; ein schwacher kopf, schwach von begriffen, ein schwaches verständnis, die phantasie ist zu schwach
u. ä.; wie ich mich dann solches auszführlich gnugsam darzuthun zu schwach befinde. Kirchhof
discipl. milit. 2; selbst Pope war dem kühnen schwung zu schwach. Gotter 3, lxx; klar und überzeugend, wie mir däucht, dem schwachen kopf, wie dem verständigsten. Schiller 6, 141 (
Phöniz. 2, 4);
in besonderer wendung: die feder, der pinsel ist zu schwach, dies darzustellen;
bezogen auf die äuszerungen und schöpfungen des geistes: das kommt schwach heraus,
o plumbeum pugionem Stieler 1949; ein schwaches buch, das ist schwaches zeug, schwache darlegung, eine recht schwache dichtung, schwaches stück
u. s. w.: die sogenannten texte der sonntägigen kirchenmusiken .. waren freilich sehr schwach. Göthe 24, 226.
ebenso in beziehung auf die bildenden künste und die musik: ein schwaches gemälde, relief, lied; schwache komposition, linien-, pinsel-, stimmführung
u. s. w. 44)
weitere ausbildung des begriffes; besondere anwendung. 4@aa)
unwirksam in sinnlicher und unsinnlicher bedeutung: schwacher grund, beweis, trost, hülfe
u. ähnl., schwaches werkzeug,
besonders in übertragenem sinne: gebt dem weibischen, als dem schwechsten werckzeuge, seine ehre.
1 Petri 3, 7;
gering: einen schwachen eindruck machen, das stück hatte nur einen schwachen erfolg, schwaches lob: das niedergedrückte weib willigte mit schwacher hoffnung eines glücklichen erfolges in diesen vorschlag. Musäus
volksmärchen 1, 35
Hempel; liebesleben: du guter jüngling, halt mich nicht für hart, weil ich nur schwach erwiedre deine meinung. Grillparzer
4 6, 53.
nd. swaken lân krîgen,
geringen lohn bekommen; de verdeinst is te swak. Schambach 220
a; (
er) nehme von mir als schwaches andenken. J. Paul
flegelj. 1, 16;
im mhd. mit negierender wirkung: ich muoʒ verdienen swachen haʒ: ich wil die hêrren lêren daʒ, wies iegeslîchen rât wol mügen erkennen. Walther 83, 27; er vant dar inne swachen rât, weder strô noch bettewât.
Gregor 2867; sin leit was ime nu worden swach, er stunt uf vroliche.
pass. 226, 41
Hahn; mundartlich: ja aber schwach,
keineswegs Hügel 145
b. 4@bb)
dünn, biegsam, gebrechlich, leicht zerreiszend: gebrechlich, schwach,
fragilis Henisch 1395, 12; schwach, nicht dick,
tenuis Frisch 2, 239
a; ein schwacher stängel,
gracilis caulis, ein schwacher faden,
tenue filum Steinbach 2, 530 (
im bilde: sein leben, schicksal hängt an einem schwachen faden); schwaches reis, reif, rohr
u. ähnl.: wer on verdienst, will han den lon und uff eym schwachen ror will ston. Brant
narrenschiff 57; bewegt's euch nicht, wenn dieses erdballs veste wankt, wie ein schwaches rohr?
Shakesp. Julius Cäsar 1, 3; wer eilig will ein mächtig feuer machen, nimmt schwaches stroh zuerst.
ebenda; [] schwache äste, sind die, so nach den fruchtästen stehen, aber nicht so viel saft als diese haben, daher sie schwächer, und an der spitze des holzes schwarz werden. Jacobsson 7, 283
a. schwaches bret,
dünnes bret; schwaches hölzernes kreuz (
im gegensatz zu einem eisernen). Göthe 17, 202; schwacher bart,
dünner bart; schwache leiber,
corpora gracilia Steinbach 2, 530; er erwischt in bei der mitte da er am schwechsten was. Uhland
volksl.2 252; er nahm sie in der mitten, da sie am schwächsten was.
wunderhorn 1, 70
Boxberger; zwar meiner ersten klag ursach war eine schönheit zart und schwach. Weckherlin
vorr. zu den psalmen. schwacher spalt, risz, ritz
u. ähnl.: wenn ich in ein dunkles zimmer allerlei farben bringe, und durch einen schwachen riz auf eine derselben .. licht einlasze. Schiller 1, 88.
zerbrechlich: das schwache gefäsz,
vaso fragile Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b. 4@cc)
von getränken, gehaltlos, dünn: schwache weyn,
vina languidiora Maaler 364
d; swakk beer,
gemeines hausbier Dähnert 476
b; (
wein) gefror und ward schwach.
d. städtechr. 3, 97, 27; schwache bouillon, schwacher arzneitrank
u. ä. in chemischem sinne: eine schwache lösung. 4@dd)
die zahlmäszig bestimmte grösze nicht erreichend, nicht vollzählig, in bezug auf die menge nicht zureichend: kleine,
sive schwache meile,
milliare exiguum, arctum Stieler 1219. ein schwaches capital,
capital debole cioè piccolo Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 692
b; die vorstellung war schwach besucht, ein schwach besetztes orchester; sie waren schwach beysammen,
pauci aderant Steinbach 2, 530.
militärische stärkeverhältnisse: ein schwaches bataillon,
das die volle zahl nicht erreicht; allgemeiner: der könich war am volcke schwächer, gegen den feynd zu schwach seyn, eine schwache flotte. Steinbach
a. a. o.; schwache besatzung, artillerie
u. s. w.; dann weil diese one waffen und an zahl dem feindt zu schwach. Fronsperger
kriegsb. 3, 137
a; ein einz'ger ritter nur, hört ich erzählen, hab' eine schwache mannschaft aufgebracht. Schiller
jungfrau von Orl., prolog 3. 4@ee)
befestigungen: schwacher ort,
ungenügend befestigter Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b; schwache erdwerke; die stadt ist nur schwach befestigt. 4@ff)
von einem einzelnen, wenig dauer oder widerstand versprechenden gebäude: ein schwaches gebäude,
imbecille aedificium Steinbach 2, 530;
von bautheilen: schwaches gewölbe
und ähnliches. 4@gg)
die vielgebrauchte verbindung schwache seite
bezieht sich ursprünglich auf militärische verhältnisse: die schwache seite der festung ist die fluszseite, ist nach norden. die schwache seite (
auch stelle, punct) der aufstellung ist die linke flanke.
gewöhnlich in übertragener anwendung von charakteristischen mängeln: diese leztern betrachtungen griffen Jaffier bei seiner schwachen seite
an. Schiller 4, 169; sie verstand .. mit groszer vorsicht aufzupassen, wo des andern schwache seite seyn möchte. Göthe 18, 169; alle dilettanten greifen die kunst von der schwachen seite an (vom schwachen ende). 44, 268.
ähnliche wendungen: wissen, wo einer schwach, am schwächsten ist. Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 692
c; hierin ist er schwach. Adelung; ihr glaubtet mich beym schwachen theil zu fassen. Wieland 10, 186 (
urtheil des Paris). damit ist es schwach bestellt
u. ähnl. 4@hh)
vom ton, geräusch, im gegensatz zu laut: mit einer schwachen stimme,
con una voce debole Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 692
b; die geige hat einen schwachen ton, nur schwache töne dringen zu mir herüber; der ritter mit trauriger und schwacher stimm antwurt gab.
Galmy (1540) 70
a; er .. hat eine schwache, leise stimme. Hebel 2, 171; in überirdischer höhle, von krausen büschen gezeugt, sitzt zwischen blumen der geishirt, bläst auf der hellen schallmey, hält ein, und höret die lieder hier laut in buchen ertönen, dort schwach, und endlich verloren. E. v. Kleist 2, 26; schwaches lauts antwortetest du, gaultummler Patroklos. Voss
Ilias 16, 842.
freier: lobt' ich tausend jahr, reine weiberschaar, eurer schönheit blüthe, eures herzens güte, wäre doch mein sang, nur ein schwacher klang. Hölty 148
Halm. [] von licht, farbe, zeichnung, umrisz: schwaches licht, ein schwacher lichtstrahl, schwacher schimmer, schwach erhellt
u. ähnl.: so weit ich bei'm schwachen mondlicht darüber klar werden konnte. Hebbel 9, 28. etwas erscheint nur in schwachen umrissen,
nicht scharf abgegrenzt; ein schwaches abbild,
das den gegenstand nur undeutlich wiedergibt; auch freier: er ist nur ein schwaches abbild seiner einstigen kraft. schwaches grün, roth,
ein mattes; schwache reste einstiger färbung sind sichtbar.
von wind und wasser: ein schwacher luftzug, ein schwacher nordost; schwache strömung
u. ähnl.: 'ein quell flieszt nebenbei über steine herab', erklärte Ilse. 'jetzt ist er schwach, aber im frühjahr strömt vieles wasser von dem berge zusammen'. Freytag
handschr. 1, 101. 4@ii) schwache kammern (
artillerie),
die im boden spitzig und enge, oben aber weiter sind. Jacobsson 7, 283
b; schwacher schrot,
eine art des beileisens. 2, 167
a.