schnippen,
verb. eine schnelle kurze bewegung ausführen. besonders vom knipsen oder schnellen mit den fingern oder einem raschen schnitt mit der schere. auszerhalb des westgermanischen ist das wort nicht bekannt; es steht wol im ablaut zu schnappen,
vgl. daselbst. engl. snip (
mit der schere abschneiden),
vgl. Skeat 568
b,
holl. snippen, snipperen,
resecare, secare, incidere Kilian,
auch von dem schneidenden schmerze, den kälte, wind, wunden verursachen, vgl. Oudemans 6, 390
und Franck 919.
ahd. mhd. sniphen,
s. schnipfen.
dagegen begegnet ein md. snippen
in gänzlich anderer bedeutung, nämlich für schwatzen, plaudern, zanken, in verbindung mit snappen (
vgl. das.): sie enkan niht dan snippen und snappen. were ich bi er, ich sluge sie uff die kappen.
Alsfeld. passionssp. 4536; mit spæhen worten glanz einʒ snipt und snappet aber einʒ und ist noch wort noch wîse ganz.
meisterl. 97, 54;
nd. snippen,
zischeln, belegt 1462,
s. Weigand 2, 620;
vgl. dazu mhd. snippensnap,
bez. snipfensnapf
mhd. wb. 2, 2, 448
a. Lexer
handwb. 2, 1037. Grimm
gramm. 3, 304: du bist ein leije, snippen snap! diu liet wil ich hie schrîben.
minnes. 2, 12
b Hagen; er speht, er breht, er snip und snappe! Konr. v. Haslau
jüngling 592 (
zeitschrift f. deutsches alterthum 8, 568).
in der nhd. schriftsprache als schnippen,
ebenso in md. und nd. mundarten; das schnipfen
der oberd. dialekte siehe besonders. mitteld. (
hess.-fränk.)
auch schneppen Schm. 2, 577. Kehrein 1, 361. Pfister 263, schnäppen Schmidt 199,
s. daselbst. 11)
mit den fingern knipsen, schnellen, vgl. schnippchen 1: schnippen,
digitis micare. einen auf die nase schnippen, dasz es blutet,
nasum alicujus talitrô vulnerare. einem vor dem gesichte hermschnippen,
in conspectu alicujus digitis concrepare Stieler 1893,
auch schon bei Kramer 2, 632
b;
crepare digitis Wachter 1453;
vgl. Bernd 272: ich musz sie absolut haben! die rechte hand schreibt: absolut; und die linke schnippt mit den fingern dazu: es ist also mein ernst. Lessing 12, 153; der oberamtmann schnippte wie ein knabe, der unvermuthet erfährt, dasz keine schule heute sei, mit den fingern. Immermann 3, 207
Hempel; drauszen auf der treppe schnippte er mit den fingern. Ludwig 2, 367; aber Laura war nirgend zu finden, denn sie lauschte hinter der gardine und schnippte, als sie die blumen im knopfloch sah, mit den fingern über den gelungenen scherz. Freytag
handschr. 2, 192;
knabe lenker ... (immerfort umherschnippend) Göthe 41, 45 (
Faust II, 1,
s. schnippchen 1),
mit accusativ der wirkung: kleinode schnippt er wie im traum. 46.
selten in dem übertragenen sinne von ein schnippchen schlagen: den philistern allzumal wohlgemuth zu schnippen. Göthe 1, 140. 22)
so auch transitiv, mit einer solchen bewegung etwas fortschnellen Adelung; brotkügelchen auf jemand schnippen. Bernd 272. Jecht 98
a;
überhaupt schnell schleudern Hertel
sprachsch. 218: wenn er nur jetzt käme, da schnippte ich ihn mit meinem finger in die ecke. Arnim
kronenw. 1, 370; hei, wie die buben johlen, und mit den fingern schnippen die funken-girandolen! A. v. Droste-Hülshoff 1, 109;
freier: drauf nahm er (
gott) einen butzen (
klumpen) und macht ein männlein draus. er schnippt ihn in die höhe, blies ihn ein bissel
an. wunderh. 2, 258
Boxberger. 33)
auch mit der schere schnippen Campe;
von einem kurzen raschen schnitt, auch von einem schnitte in die luft, wobei es dann auf das knipsende geräusch geht, vgl. schnippern: dasz sie (
Philine) ... an langer silberner kette eine mäszig grosze englische scheere trug, mit der sie manchmal, gleichsam als wollte sie ihrem gespräch einigen nachdruck geben, in die luft schnitt und schnippte. Göthe 23, 204. 44)
daher ferner mit der schere in ganz kleine stückchen schneiden oder kleine theilchen abschneiden, doch sind in diesem sinne die weiterbildungen schnippeln
und schnippern
üblicher, s. daselbst. Adelung;
als technischer ausdruck: beschnippen, sagen die tuchmacher, wann sie die groben und offtmahl kotigen spitzen von der wolle, woraus die guten tücher werden sollen, abschneiden,
lanae partes inutiles forfice demere ut puriores panni inde texantur Frisch 2, 215
c;
so noch bei Hertel
sprachsch. 218. Liesenberg 199 (
wo nur diese bedeutung angegeben ist). Bernd 273. 55)
als ausdruck einer schnellen, elastischen bewegung, besonders vom elastischen zurückfahren angespannter oder festgehaltener und dann plötzlich losgelassener dinge, ähnlich wie schnappen: ein bret schnippt in die höhe. Adelung; und nicht lange, so schnippte der kleine ring mit groszer schnellkraft an die nase des herrn von Milzwurm. Tieck
novellenkr. 4, 408.
übertragen: ain fragzeichen, das setzt und braucht man wa fragrede seind, und ist auch nach der stymm art unnd gleichnus geformiert also.?. dz ain lini oder virgula über sich schnipt, wie sich die stymm in ainer frag am ende erhebt und über sich schwingt. Ickelsamer
teutsche gramm. s. 48
neudr. —
mit der hand wohin fahren (?): biszweilen schnipte er in den schiebsack (
die tasche), biszweilen sagte er dem hauszknecht etwas in das ohr. Weise
erzn. s. 90
neudr. vgl. auch 7,
b. 66)
daran schlieszen sich einige kunstausdrücke der jägersprache. 6@aa)
den schwanz auf- und nieder bewegen, wie es besonders feldhühner thun Jacobsson 4, 28
a. Behlen 5, 540
f. Kehrein
weidmannsspr. 262. Hartig
lehrb. f. jäger5 (1832), 78. 6@bb)
bezeichnung eines tones, den die (
schwarz)
amsel von sich gibt, wenn sie ein wildes thier erblickt Adelung. Jacobsson 4, 28
a: wenn ihnen (
den schwarzamseln) vom wildpret, füchsen oder hasen, was in die augen oder zu nahe kommt, besonders zur abends-zeit, so schreyen und schnippen sie ohne aufhören. Döbel 1, 55
b; '
bei allen drosselarten die eigenthümlichen warnungstöne bei annäherung irgend einer gefahr' Kehrein
weidmannsspr. 262. Behlen 5, 540. 77)
weitere mundartliche besonderheiten. 7@aa)
ungarisch, auszer seinem beruf in holz arbeiten Schröer 203
b.
wol zu 4. 7@bb)
altenburg., zappelnd in die höhe springen Hertel
sprachsch. 218.
zu 5,
vgl. schnippeln. 7@cc)
hessisch, sich schnippen
für schnüppen,
sich schneuzen Vilmar 363. 7@dd)
in Esthland, kurz angebunden sein Sallmann 48,
vergl. schnippisch.