schnippchen,
n. 11)
talitrum Steinbach 2, 476,
crepitus digitorum Wachter 1453,
die bewegung und das knipsende geräusch, wenn man den mittelfinger gegen den daumen stemmt und dann los schnellt. diminutiv zu schnipp (2),
vergl. Weigand 2, 619. Kluge
5 333
b.
fast nur in der verbindung ein schnippchen schlagen,
wofür auch schnippen: hier seht mich nur ein schnippchen schlagen, schon glänzt's und glitzert's um den wagen. da springt eine perlenschnur hervor. (immerfort umherschnippend). Göthe 41, 45 (
Faust II, 1);
vgl. dazu paralipom. 104: schnippchen als geschencke. verwandlung derselben (
Weim. ausgabe 15, II,
s. 192).
in dichterischer übertragung von dingen: in der luft wehte die eidgenössische schützenfahne in sonniger einsamkeit .. bald schlug sie anmutige schnippchen über das volk hin. Keller 6, 312.
zum ausdruck der lustigkeit, so thür. schnippche schlô Kleemann 20
a: er (
ein alter trunkener silen) stützet sich mit dem linken arme, und zum zeichen der fröhlichkeit, schläget er mit der erhobenen rechten hand ein schnippchen. Winckelmann 5, 142.
zur andeutung der geringschätzung: ich schlage nicht ein schnipchen darum
als erklärung von: es ist keinen (finger-)schnalz wert,
ne crepitu quidem digiti dignum. Eiselein 553;
dieselbe phrase übersetzt Eyering 3, 59: ich geb nit ein schnipgin drumb (
ebenso s. 60,
s. 79: ich wolt nit ein knipgin drumb geben).
vgl.: dein auszgeblasene hoffertig wörter thu ich nit — schlegt ein schnippichen — so viel achten.
engl. comöd. 1, Ee 3
b.
daher stammt wol die jetzt übliche gebrauchsweise als ausdruck des spottes: schnippchen schlagen,
claquer les doigts pour se moquer de qn., pour braver ou défier qn. Rondeau;
vgl. Borchart
2 422, 1055: der greis sah ebenfalls auf den beschauer und schlug dazu spöttisch mutwillig ein schnippchen mit der einen hand, während die andere sich gegen den tisch stemmte. Keller 2, 148; dann und wann schlug Trull' ein schnippchen, doch er that, als säh' er's nicht. Gotter 1, 51; ein schnippchen schlägst du doch im sack, der du so ruhig scheinest. Göthe 4, 364; das autorlein aber schlägt, mit dem lohn im sacke, sein schnippchen — und schleicht davon. Blumauer
ged. 1, 193.
so besonders bildlich einem ein schnippchen schlagen,
sich über ihn lustig machen, oder auch ihm einen streich spielen, ihn hintergehen: einem ein schnippchen schlagen,
aliquem nauci habere, in minimis ponere, teruncii facere. Stieler 1894;
mansfeldisch ä schnippchen schlôn,
einem eine nase drehen Jecht 98
a: ich müszte wenig von ihnen gelernt haben, wenn ich nicht der ganzen hölle ein schnippchen schlagen wollte. Lessing 1, 398 (
freigeist 1, 5); ich vergasz wirklich, dasz ich in einem tollhause war, schlug ihm ein schnippchen zu. Thümmel
reise 9, 33; ein einziger unserer akade[mi]schen mitbürger hielt sich für reich und unabhängig genug, der öffentlichen meinung ein schnippchen zu schlagen. Göthe 25, 60; aber, heiszt es weiter, was konnte sie auch von einem sohne besseres erwarten, der ihr, als er sie noch sehr jung in Brüssel besuchte, hinter dem rücken ein schnippchen schlug? Schiller 7, 326
anm.; gegen diese reizung war unser gott vater durch ein in seiner narrheit selbst liegendes mittel gesichert; er glaubte nie, dasz der widerspruch ernstlich gemeint sei. die schnippchen, die man gegen seinen papiernen Olymp herauf schlug, hielt er für eigen gestaltete dämpfe des weyhrauchs. Fichte
Nicolais leben 62; exempel hat man, dasz missethäter, denen ein fürchterlicher tod bevorstand, dem lauernden henker noch im gefängnisz ein schnippchen schlugen, indem sie sich mit ihrem halstuch die kehle zuschnürten. Hebbel
2 2, 57; er nähete sogleich seine schimmernden goldstücke .. in lange, wurstartige beutel, legte dieselben in einen koffer .. und schlug seinen helfershelfern, welche auch ihren anteil zu erschnappen gehofft hatten, ein schnippchen. Keller 1, 77; nichts seltnes dazumal, als alles gold und weiber stahl, und schnippchen schlug in deine wage, Justitia! Schmidt
kom. erzähl. 72; fort! schlagen sie der sklaverey ein schnippchen! Gotter 1, 193.
vergl. auch klipplein 2,
theil 5, 1209. —
dafür ein schnippchen machen: es gebärdet' auch wohl einer sich aufgeklärt, machte dem himmel ein schnippchen. Hölderlin 2, 45
Köstlin; Ruckstuhl machte dem offizier ein schnippchen ums andere unter die nase, und Spörri streckte ihm die zunge heraus. Keller 6, 303;
selten sind andere verbindungen: die klärsten beweise ihrer unschuld schickte ich mit einem schnippchen in die luft. Thümmel
reise 3, 207; ich warf ihm ein schnippchen nach. 6, 38; 'wie hätte ich es wagen dürfen', fährt er mit einem tiefen bücklinge, aber auch zugleich mit einem schnippchen in der tasche, gegen den marquis fort. Lessing 7, 187 (
dramat. 41); sie kann, so oft es ihr gefällt, ein schnippchen ihm versetzen, drum trägt er auch vor aller welt zwey hörner zum entsetzen. Blumauer
ged. 1, 107; bat ich lang' das schöne störrige Adamsrippchen, mir zu einem kusz einmal zu leihn ihr lippchen. als ich wiederholentlich gebeten hatte, gab sie erstlich statt des kusses mir ein schnippchen. Rückert (1882) 5, 283. 22)
deminutiv zu schnipp
bez. schnipf,
abgeschnittenes stück Hertel
sprachsch. 218.
in diesem sinne gewöhnlich schnippelchen,
s. daselbst. 33)
nassauisch für ein geschwätziges mädchen, s. schnipp 6,
b. Kehrein 1, 361.
vergl. niederd. snippke
naseweises mädchen Dähnert 438
b.