wandlaus,
f. ,
die wanze, cimex. das wort ist auf das deutsche beschränkt: ahd., mhd. wantlûs Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 371, 18. 375, 40. 3, 36, 11. 53, 31. 83, 33. 202, 48. 271, 5. 366, 27. 444, 70. 452, 3. 32. 453, 10. 675, 27. 684, 61. 721, 22. 4, 135, 57. 183, 66. 199, 10. 213, 59. 355, 40;
carmina Burana 176 (97, 33)
Schmeller; Diefenbach
gl. 119
b,
nov. gl. 90
a cimex; mnd. wantlûs Schiller-Lübben 5, 595;
auch ndl. wandluis,
daneben die ähnlich gebildeten weegluis
und walluis (
vgl. dän. væggeluus,
schwed. väglus
und engl. walllouse). 11)
in den glossaren des 15.
jahrh. ist cimex schon theilweise statt durch wandlaus
durch die kurzformen wentel (
s.wändel)
und wanze
wiedergegeben. in den meisten gegenden ist wandlaus
jetzt verdrängt, doch hat es sich im westlichen Mitteldeutschland erhalten: im Elsasz steht zwar nur vereinzelt wantlys
neben wendel Martin-Lienhart 2, 834,
doch herrscht wandlaus (wanze
ist nur als schriftsprachliche form bekannt)
in Lothringen Follmann 530 (wandlus; wendel
nur an der elsässischen grenze)
; Pfalz Autenrieth 150;
Hessen Crecelius 893, Vilmar 441;
Nassau Kehrein 430, Schmidt 320;
Luxemburg wb. 474;
am Mittel- und Niederrhein Wegeler 757 (wandlūs), Leihener 131 (wanklūs), Hönig
2 199.
auch nd. hat sich wandlūs
erhalten Bauer-Collitz 180 (17.
jh.); Woeste 315; ten Doornkaat - Koolman 3, 507; Schütze 4, 336; Dähnert 537.
bei autoren aus diesen gegenden findet sich ebenfalls wandlaus
im 16., 17.
jahrh.: cimex, wandtlausz Alberus
dict. ll 1
b;
cimex, ein wandtlausz, wentel, qualster, wantz, stinckt übel Xx 2
a; rauhe, breite, stachelechte klettlein ... jedes insonderheit anzuosehen wie die wandtleusz Bock
kreuterbuch (1595) 311
b; wandlaus Zeiller
ep. 3, 328; baumöhl ist der wandläuse tod Böckler
neue kriegs-schule 979; floh, läusz, mucken und wandläusz sind beschwerlich Lehman 97, 64 (
daneben hat Lehman wendel); ich verbiete etwas von eingelegter, fürnirter und sonst theurer schreiner-arbeit machen zu lassen, das viel kostet, es ist nur eine wohnung der wandleuse, ein kurtzweil der mäuse
Simpl. 1684, 3, 166; wandlaus
bei Elisabeth Charlotte v. Orleans
s. unten; noch bei Börne: ihr ... wachsbilder, wandläuse, wanzen, wasserköpfe, wichte (
schimpfnamen)
ges. schr. (1829—34) 12, 209. 22)
aber auch in gegenden, wo wentel (wendel)
oder wanze
die landesübliche form ist, wird wandlaus,
offenbar noch als grundwort empfunden, früher oft gesetzt, meist in verbindung oder wechselnd mit einem der andern worte. 2@aa) wentel, wandlaus,
cimex Dasypodius 456
d;
cimex, wantlausz, wentel Golius
onomast. 305; wandtlausz,
cimice Hulsius 272 (
daneben auch wentel); weil wandleusz in seiner bettladen ihm antheten so grossen schaden. Fröreisen
argum. zu Aristophanes nubes 181,
Dähnhardt griech. dramen 2, 254 (
daneben bei Fröreisen wendel); so stinken wir (
die flöhe) wie wantläus nicht, dern man sich schämt, wann man sie richt. Fischart
dicht. 2, 10, 281 (
flöhhaz) (
daneben hat Fischart wendel,
vgl. auch wandslaus);
vgl. auch wändel
oben sp. 1558. 2@bb)
besonders steht wandlaus
neben und im wechsel mit wanze,
das schon vom 16.
jahrh. an als schriftsprachliche form von Baiern und dem östlichen Mitteldeutschland aus weiter vordringt: culex, mugk, wantz, wantlausz Diefenbach
gl. 161
e; wantze, wandlausz,
cimex Emmelius
nomencl. 150;
cimex, wantz, wandlausz Frischlin
nomencl. (1594) 126; wanzen, wantlaus, wäntel,
cimex, κορίς Fischart
onomasticon 61; bethleusz, wandleusz, wantzen,
cimex Henisch 342, 22; zu nachts sitzen auff irem haupt nachtewlen, schwalbn und fledermeusz, die katzen, ratzen und wandleusz. H. Sachs 15, 232, 10
Keller (H. Sachs
hat auch wanze); so man roszhar über die thürschwell des hausz odder gemachs henckt, so mögen kein wantzen oder wandtleisz hinein kommen Ryff
thierbuch Alberti magni E 1
b; sieben wandtläusz oder wantzen, in hole bonen verschlossen, sindt gut wider das quartanfiber
Dioscorides durch Uffenbach u. Danz (1610) 450;
cimices, wantzen, wantzeln, wenteln oder wantleuse Coler
hausbuch 3 (1617), 203; mein gott was werd ich mit den (
Exodus 8
erwähnten) wand-läusen anfangen, was soll das vor ein wantzen concept seyn Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 335; die haus-wantzen oder wand-läuse halten sich in den bett-stollen, wänden und getäfel Jablonski (1721) 846
b.
die groszen wörterbücher des 17., 18.
jahrh. führen fast alle noch wandlaus
neben wanze
an (
bei wanze
öfter verweis auf wandlaus): wandlaus
sive wanzke,
cimex Stieler 1092; wanze, wanzke, wentel,
et wandlaus,
cimex 2430; wandlaus, wantze,
cimice Krämer 1208
b; wandlaus, wantze,
punaise Rädlein 1028
a; wandlaus oder wantze,
wall-louse, bug, punaise Ludwig 2380; wandlaus, wantze,
wandluis (
walluis),
wegluis Kramer (1719) 259
a; wandlaus,
cimex Steinbach 1, 1001; wandlaus, wanze,
punaise Rondeau; wandlaus,
cimex Frisch 588
b (
daneben wanze 2, 422
c); Adelung
verweist noch von wandlaus
auf wanze
und bemerkt hier '
auch oft die wandlaus'.
noch Campe
führt wandlaus
als veraltetes wort an und auch spätere bezeichnen es als landschaftlich;
vgl.: unsere vorfahren nannten diese hausgenossen wandläuse, wir sagen: wanzen v. Holtei
erzähl. schr. 25, 210.
es kommt auch in naturwissenschaftlichen werken vor: cimex lectularius, bettwanze, wandlaus, bettwandler, hauswanze Nemnich 2, 1042;
acanthia lectularia L., bettwanze, hauswanze, wandlaus Leunis
zoologie3 2, 454. 33)
redensarten: so bissig wie eine wandlaus Kehrein 430; wie eine wandlaus, welche zugleich beist und stinket Nigrinus
lesterungen d. 1.
centurie L 3
b bei Crecelius 893. — so krittlich wie eine wandlaus Schmidt 320; ich schreib eüch jetzt, ob ich zwar heütte schon so gritlich bin, wie eine wantlausz undt deszen leyder nur gar zu viel ursach habe Elisabeth Charlotte v. Orleans
briefe 1, 21
Holland (1682); wen ich dan von sachen höre, so ich nicht recht begreiffen kan ... den werde ich bludtsleunisch und kritlich wie eine wandtlausz 239 (1701);
in Groningen 'n wandloes (
grille) ien kopp hebben Molema 465. — so wacker as ne wandlūs dä et krüz tebroken het Woeste 315.