schuppose,
f.,
ein alemannisches wort der älteren sprache, seit dem 12.
jahrh. belegt, das ein kleineres landmasz, etwa ¼
oder ⅓
hube, oder ein grundstück von dieser grösze bezeichnet, s. Lexer
handwb. 2, 824
f. anz. für schweiz. gesch., 5.
jahrg., s. 22—25 ('
zwölf jucherten .. machen eine schuppose
aus'
s. 24,
vgl. unten).
die formen zeigen überaus grosze verschiedenheiten und schwankungen. J. Grimm
stellt in der zeitschr. f. deutsches alterth. 8, 394
f. (=
kl. schr. 7, 301)
folgende (
mit jahreszahlen)
zusammen: scovpoza 1169, scopoza 1185, scuopoza 1191, schuopoza 1215, scoposa 1228, scaupoza 1228, scopoze 1255, schupuza 1261, scopoza 1271, schuopuoze 1273, scopoza 1276, schopoza 1282, schuoposa 1284, scoppoza 1290, schupoza 1295, scuoposa 1298, scopata, scoposa; Lexer
handwb. 2, 824
f. gibt scuopoʒa 1169, schuopoʒa 1255, scoppoʒa 1290, schuopoʒe 1294, schuchbuʒe.
die ältesten belege stehen in lat. urkunden: ii quartalia tritici de bonis dictis schuopotz; duas scoposas sitas in villa
N. quelle bei Schm. 2, 353; Salicae terrae et mansorum et scopoza.
urkunde von 1185
s. ebenda; mansum unum, seu quatuor scoposas allodii nostri.
Aarberger urk. v. 1282,
s. anz. für schweiz. gesch. 5, 24; causa super decem lunaribus sive scoposis sitis in banno ville de Ergesingen.
urkunde von 1264
s. ebenda; unum feudum, teutonice schoposan.
urbar von 1398
s. ebenda. weitere belege bei Scherz-Oberlin 1444 (schupuza 1261, schuchbose, -bosse, -buze). 1453 (scaupota, schopoza, schopposa, tschupesse). Du Cange 7, 352
c. —
belege aus deutschen quellen: so sol ieklich schuopposse, du in den hof hoeret, geben ein huon. Grimm
weisth. 1, 1 (
ende des 13.
jh.); und ist denn demselben der der gröst ist in der hub oder schüppis das recht behalten zu den andern zinsern. 53 (1461); es ist ouch zü wissen, daz zu einer hub gehört iiij füder holtzrechtz und zü ainer schüposs zway fuder holtzrecht. 107; die die huben unnd schuppossenn hannd. 149; man soll auch dem gotteshaus geben von 20 schupposen, die da heissen der vierling schupposen, von ieglicher 1 mütt kernen. 174; und die dorflüt geben ze erschatz dem tütschen herrn von einer ieglichen kornschupposs, die sy von inen hand, fünf schilling Basler pfenning, .. und ein pfeningschuposs git als vil zuo erschatz als vil si zinsen git. 321 (1415);
s. ferner 261 (schuppessen 1475), 292 (schupussen 1330,
in späterer abschr.), 304 (schuppos, -en), 315 (schuppossen 1417), 316. 324 (schuppos), 325 (schupes), 326, 8 (schupposs), 328, 26 (schuppossen), 4, 276 (schuopis, 14.
jh.), 293, 15 (schuepissen,
anfang des 15.
jh.), 332, 4
ff. (schuppes,
plur. schuppossen), 343 (schuopossz), 400 (8 schuppesz, 9 schuppz,
vom jahre 1456), 415 (schuopassen 1502
bez. 1572), 422 (schuppis, -issen 447), 424 (schuoposz 1296), 429
f. (schuoppas 1444), 5, 53 (schupessen), 59, 8 (schupposz 1413), 66, 45 (schupusz,
anfang des 15.
jahrh.), 69, 3 (schuopossen, 14.
jh.?), 89, 13 (schuopozzen 1343), 96
f. (schuppos), 171, 26
f. (schuoppis, -issen 15.
jh.); zehenden, weiden, schuppesen, hub.
urk. von 1396
bei Schmid 481 (
als 'schupflehen,
fallgüter'
erklärt); und uf die selben zit gabent ouch der vil genant herr Bernhart von Stretlingen und sin elicher gemachel frow Adelheit einem kilchherrn daselbs ein iren schuoposzen.
Stretlinger chron. 124, 9
Bächtold; so doch ein yeckliche schupposa söllti han xij jucherten, da hört in zu fyer schupposen xlviij jucherten.
Diesbacher urbar von 1475,
s. anz. für schweiz. geschichte 5, 23; de schultheise sol die ochsen, die da horent zu den pflugen, nicht bruchen zu anderm nuze dekeime, es ensi danne ze ernen sine schuchbuze.
quelle bei Scherz-Oberlin 1444; ze Ruti liegent sechs schuppossen, die horent eigentlich gegen Schenis. 1453.
s. noch Schm. 2, 353
und die daselbst angezogenen stellen. —
auch als ortsname: in Kunegeshoven .. agrum situm an der schoechpoezen.
quelle bei Scherz-Oberlin 1428; super unum agrum in der schuchbossen bi dem nuwen closter.
ebenda 1444;
ein ort in (
bei?)
Straszburg hiesz noch zu Oberlins zeiten so: schuchbusz gegen Kronenburg und dem Weissenthurm zwischen der galgengasse und dem schelmengaeszlein gelegen. (
urk. von 1570)
s. 1445. —
die erklärung ist sehr schwierig und keiner der bis jetzt vorgebrachten versuche ist überzeugend. während Scherz-Oberlin
es 1446
für entlehnt hält, stellt er es 1453
zu schupfen, schupflehen,
ebenso Schmid 481. J. Grimm
leitet es in einem briefe an Laszberg vom 15.
märz 1829
ab von schoppe (schuppen),
casa, tugurium, das auch ins mittellat. eingedrungen ist als schoppa,
franz. eschoppe;
später (
zeitschr. für d. alterth. 8, 394—6 =
kl. schr. 7, 301—3)
bringt er es mit schuochbüeʒer,
ahd. scuohbuoʒo
caligarius, schuhflicker, in zusammenhang und erklärt es als '
schuhfleck, schuhlappe',
im gegensatz zu huoba,
dem ganzen schuh. Wackernagel
kl. schr. 3, 322
findet ebenfalls schuh
darin, sieht aber in dem zweiten theile romanisches bota,
stiefel, sodasz eine art tautologischer zusammensetzung vorläge; diese erklärung ist von Lexer
handwb. 2, 825
acceptiert. endlich erinnert Schmeller 2, 352 (
und ebenso Bader
in Mones
zeitschr. 1, 351
ff.)
an schweiz. schaub-bôszen,
in unaufgebundenen garben bedreschen. während letztere erklärung an dem fast vollständigen mangel von schreibungen mit ou
scheitert, stehen auch der ableitung von schuh,
von sachlichen bedenken abgesehen, lautliche schwierigkeiten entgegen; gerade in den ältesten belegen erscheint der erste theil meist als sco-,
mit o
und ohne das schlieszende h,
das wir gerade im alemannischen ungern vermissen; schuch-
erscheint verhältnismäszig sehr selten und durchweg erst in jüngerer zeit, stellt also eher eine volksetymologische anlehnung vor. andrerseits wäre bei annahme einer entlehnung das anfangs überwiegende z
auffällig. —
dazu auch die zusammensetzung schuppesgut, n.: schuepussenguiter,
bona emphyteutica. Scherz-Oberlin 1453; anno 1095. hat er demselbigen gottshause im dorf Hahhaltingen, ein mansum oder schupes-gut vergabet.
quelle bei Frisch 2, 234
a.