tritt,
m. herkunft und form. tritt
ist verbalabstraktum zu treten,
seit dem mhd.; im ahd. und anderen westgm. sprachstufen nicht zu belegen, wogegen schritt
bereits ahd. vorhanden ist. mnd. trede, tret,
m., mndl. tret (tred, tert),
m., ndl. tred,
m.; daneben mndl. trede,
m. und f.; ndl. trede,
f. fries. trêd Dijkstra
friesch wb. 3, 310;
engl. tread
zum verb tread
ist erst frühneuengl. tridt
in den nordischen sprachen ist entlehnt von nhd. tritt Falk-Torp
etymol. wb. 1282.
die bildung von tritt
bereitet der erklärung schwierigkeiten, vgl. K. v. Bahder
verbalabstracta 30. Maxwell (
reimwortuntersuchungen im deutschen, diss. Heidelberg 1932,
s. 33
f.)
versucht das wort durch einflusz des reimwortes schritt
zu erklären. das nebeneinander der beiden wörter ist sehr eng (
s. unten einleitung zu I B 1
und den abschnitt I B 3),
so dasz eine gegenseitige beeinflussung nicht ausgeschlossen ist. es bleibt jedoch zu bedenken, dasz das enge, formelhafte nebeneinander beider wörter, im endreim sowohl wie als reimende formel tritt und schritt,
erst frühnhd. greifbar wird. im mhd. ist von einem nebeneinander beider wörter noch nichts zu bemerken (
s. unten I B 3).
eine formbeeinflussung würde erst dann recht glaubhaft, wenn tritt
gleich bei seinem auftreten deutlich im gefolge und in der begleitung von schritt
erschiene. das im allgemeinen stark flektierte wort hat vereinzelt schwache formen: wie ein hirt im treiben der heerde einen langsamen tritten hält J. D. Frisch
neuklingende harfe Davids (1719) 130;
ebda 856.
auch in heutigen maa., vgl. Fischer 2, 392; Friedli
Bärndütsch 1, 216.
in den heutigen maa. ist tritt
allgemein verbreitet, vor allem in redensartlichen wendungen (
s. unter gebrauch).
nd. und md. mit e
oder i: tred, trede, tröde, trê Doornkaat-
[] Koolman
ostfr. 3, 431
b; trede, trit
brem.-nieders. 5, 101; tredde Strodtmann
Osnabrück 251; tritt, dret Hofmann
niederhess. wb. 242
a; trett, tritt Waldbrühl
rhingscher klaaf 213; trett Hönig
Kölner ma. 182
b; trit, tret Follmann
dtsch.-lothr. 105
a; trìt, tret Martin-Lienhart 2, 768
a.
mit dehnung: tred Schmidt-Petersen
nordfries. 138
a; trēt Damköhler
Nordharz. 196
b. triəd Woeste
westf. ma. 274.
mit langem î: trît,
pl. trîde Bauer-Collitz 105
b; triit Müller-Fraureuth 2, 764; trît Nassl
Tepler ma. 7.
obd. tritt
und dritt.
bair. tret
in der sonderbedeutung '
fuszverletzung' (
s. tritt II 3 b) Schmeller-Fr. 1, 680.
bedeutung und gebrauch. tritt
ist, was die häufigkeit sowohl wie die mannigfaltigkeit des anwendungsbereiches angeht, grösztenteils nomen actionis zu treten
und bezeichnet als solches die tätigkeit des tretens (I).
gleich alt bezeugt, aber in geringerem umfang und mit einfacherer verwendungsmöglichkeit bedeutet tritt
konkret das, worauf man tritt, womit man tritt, was beim treten zurückbleibt (II). II. '
das treten, die tretbewegung des fuszes',
wie griff
die greifbewegung der hand. den beiden hauptbedeutungen von treten (I
und II)
entsprechend, ist tritt
das '
treten des fuszes ohne vorwärtsbewegen des körpers' (A)
und '
die gehbewegung des fuszes': '
schritt, das gehen, schreiten' (B). tritt
ist anschaulicher als schritt,
mit dem es in wechselwirkung steht (
s. unten I B 3). tritt
enthält deutlicher als schritt
die vorstellung einer bewegung des fuszes. damit hängt wohl auch zusammen, dasz tritt '
fusz'
und '
fuszsohle' (
s. II 2)
bedeuten kann, wogegen schritt
diese bedeutung nicht hat. gelegentlich begegnet tritt
in verbindung mit fusz
; bei schritt
wäre diese verbindung kaum möglich (
vgl. auch fusztritt,
das, besonders in älterer sprache, häufig für das einfache tritt
steht. s. teil 4, 1, 1053
f.): noch strauchlen meiner fusse trit Schede (Melissus)
psalmen 56, 5
ndr.; kurz nachher verhallte auch der tritt seiner füsze Tieck
schr. (1828) 4, 221; sie schreckt des eignen fuszes tritt Fr. Rückert
w. (1867-69) 3, 15. I@AA. tritt
als '
das treten',
im anschlusz an treten I,
die bewegung des fuszes von oben nach unten oder nach der seite, ohne vorwärtsbewegen des körpers. obschon die entsprechende bedeutung von treten, '
calcare, conculcare',
wohl die ausgangsbedeutung des verbs ist, ist tritt
in dieser anwendung wesentlich jünger und weniger ausgedehnt als tritt = '
schritt' (tritt I B).
nur vereinzelte belege vor dem 18.
jh. I@A@11)
das treten von oben nach unten, das aufsetzen des fuszes auf den boden, gelegentlich mit heftigkeit, '
aufstampfen',
bei menschen und tieren; zu den verschiedenen bedeutungen von treten I (
calcare, conculcare I A 1-4, I B).
die bewegung kann auch als eine einzelne aus der schreitbewegung herausgenommen sein (
wie bei treten I).
entscheidend ist, dasz das vorwärtsbewegen in dem sinnzusammenhang unwesentlich ist, und das hauptgewicht auf der anschauung des aufsetzens der füsze und des dadurch hervorgerufenen und bewirkten liegt: swâ man ûfen teppech trat, cardemôm, jeroffel, muscât, lac gebrochen undr ir füezen durh den luft süezen: sô daz mit triten wart gebert, sô was dâ sûr smac erwert Wolfram
Parzival 790, 5; wann sie gaben an einander ein haimliche losung und zaichen mit etlichen tritten auf der gassen
chroniken d. dt. städte 3, 133 (
Nürnberg 1488); (
da) gieng aus einer röhre, die sich durch den tritt öffnete, ihr ein wassersprung an den leib unter den rock Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 49; er springt gestiefelt auf, vom tritte bebt das zimmer J. Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 142; den göttern gleich ich nicht! zu tief ist es gefühlt; dem wurme gleich ich, der den staub durchwühlt; den, wie er sich im staube nährend lebt, des wandrers tritt vernichtet und begräbt Göthe I 14, 38
W. (
Faust I);
[] wenn einer dem andern zufällig auf die hühneraugen tritt und excusez! ausruft, so lächelt dieser wie verklärt und versichert: dein tritt, bruder, schmerzt nicht H. Heine 3, 132
Elster; o land, zu schön, als dasz dich fremder tritt verheere St. George
das neue reich 33; die flammen brenne unsre dörfer nieder, die saat zerstampfe ihrer rosse tritt, der neue lenz bringt neue saaten mit Schiller 13, 187
G.; als ... weidegras empfiehlt es sich nicht, weil ... der tritt des viehes ihm schadet v. Schlechtendal
flora v. Deutschland (1880ff.) 3, 270
Hallier; übertragen: nicht dasz die welt vom ehrnen trit vermessner willkühr bebe Fr. A. v. Stägemann
kriegsgesänge (1813) 73; so hat den erdball nie, um auf den thron zu steigen, mit seinem tritt ein mensch gestempelt als sein eigen Geibel
w. (1888) 8, 41
Cotta. als liebeszeichen (
vgl.treten auf den fusz I B 1 c
α): es ist genug der hände drükken, der füsse tritt, der augen nikken C. Stieler
geharnschte Venus 74
ndr. aus der kampfsphäre: tritt
von menschen oder pferden, durch den jemand verletzt oder getötet wird. der zusammenhang der stellen läszt auch die möglichkeit offen, wenn auch in geringem masze, dasz es sich bei einigen belegen um eine seitwärts gerichtete tretbewegung handelt (
vgl. unten I A 2): er het niht wunden niwan ein in sîn wange und daz sîn bein erswarzet was von einem tritt Ulrich von Lichtenstein 528, 25
Lachmann; jedoch machte er hoffnung, dasz derer keine tödtlich sein würde, wo nur die auf der brust empfangene tritte von pferden ... nicht inwendig schaden gethan hätten D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689f.) 2, 701
b; tritte von derben genagelten schmierstiefeln trafen ihn Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 2, 464.
besondere anwendung aus dem gebiete der technik: tritt
auf einen teil einer maschine, auf das trittbrett (
s. d.)
oder den tritt (
s. unten II 1 g);
vorzüglich in der weberei: 'tritt, treten,
die operation, wodurch der weber die kette teilt' Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 778; einem am weberstuhl sitzenden, wohlgebildeten mädchen stockte das schiffchen in der hand, das just durch den zettel durchfahren sollte, ebenso hielt sie den tritt an, stand auf und kam später, mit langsamer verlegenheit ihm die hand zu reichen Göthe I 25, 122
W.; so schauet mit bescheidnem blick der ewigen weberin meisterstück, wie ein tritt tausend fäden regt I 3, 92
W.; vgl. auch I 14, 90
W. (
Faust I, 1922
ff.).
mit angabe der richtung: tritt in, auf,
entsprechend dem intransitiven treten (I B),
selten: Esopus drit ein starcken drit auf die puen und schreyet Hans Sachs 20, 130
Götze; wir fanden eine leiter, die aber schon so alt und morsch war, dasz sie bei dem ersten tritt darauf würde zerbrochen sein J. J. Engel
schriften (1801) 1, 56; ein leichter, aber doch fester tritt auf den ganzen plattfusz Fr. L. Jahn
w. (1884) 2, 23; er erzählte nun wirklich die ganze wunderliche begebenheit von dem unglücklichen tritt in den apfelkorb an E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 1, 197
Griesebach. sehr häufig in präpositionaler fügung, vor allem mit unter: ewge berge zerstoben unter seinem (
gottes) tritt Herder 12, 71
Suphan; stürzet ein ihr wände, versink o schwelle unter der schrecklichen füsze tritt (
der furien) Schiller 14, 110
Gödecke; und unter ihrem tritt beugt sich die blume krumm nieder H. P. Sturz
schriften (1779) 2, 24; horcht, sagte Sanchez, das klingt so hohl unter den tritten, als ging ich über mein grab Eichendorff
sämtl. w. (1864) 3, 247; als die verwilderten männer gleichzeitig auf die schmale, unter
[] ihren tritten schwankende brücke stürzten, sich gegenseitig packten G. Keller
ges. w. 4, 102;
namentlich in dem bilde, dasz durch das auftreten, unter den tritten,
etwas aus dem boden hervorkommt, hervorsproszt, meist übertragen in dichterischer sprache. eigentlich: unter jedem tritte ein quellchen springt, wenn aus der spalte es zischt und singt A. v. Droste-Hülshoff 1, 68
Schwering; am ufer pflügte ein landmann mit milchweiszen ochsen und goldenem pfluge, unter deren tritten grosze kornblumen sproszten G. Keller
ges. w. 3, 103;
übertragen: dennoch sprossen auch unter dem tritte des alters noch blumen U. Hegner
ges. schr. (1828) 5, 136; sie (
die tänzerin) liebte das vergnügen über alles; immer aufgelegt es zu geben und zu nehmen, schien es unter ihren tritten aufzusprossen Wieland
Agathon (1766) 2, 201; der junge tag, ... wenn ihn die horen von den bergen führen, demanten perlen unter seinen tritten H. v. Kleist 2, 105
E. Schmidt; in diesen zusammenhang gehört auch: wo du dein haupt hinlegst, da umschatte dich der götter schutz; ja es müssen alle deine tritte zu rosen werden Ziegler
asiatische Banise (1689) 323.
anders: unter seinem festen, sichern tritt ertönte jedesmal die last, die er trug Musäus
volksmärchen 1, 50
Hempel. auch mit anderen präpositionen: quellen von wein und honig sprudelten von jedem seiner tritte auf Wieland
Agathon (1766) 1, 9; und junge blumen sprossen auf deinen tritten nach Dusch
verm. w. (1754) 25; von jedem tritt flog heiszer staub auf Sal. Geszner
w. (1778) 1, 23; hinter seinem tritt blieben funken, gleich den flammen des altars zurück Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 3.
in den gleichen poetischen anschauungsbereich gehörend, aber mit durativer bedeutung (I B 2): die myrte sproszt im tritte der wohlfahrt leicht hervor, doch um des elends hütte schieszt unkraut nur empor Novalis
schr. 1, 171
Minor. I@A@22)
bewegung des fuszes nach der seite, bei mensch und tier ('
ausschlagen'), '
fusztritt, stosz mit dem fusz',
mit dem nebensinn des heftigen, gewaltsamen, eigentlich und übertragen, zu treten I A 5,
mundartlich allgemein verbreitet: müsse sich von Bismarck sogar einen 'tritt' gefallen lassen, wenn er gerade in der stimmung sei, dergleichen auszuteilen D. v. Örtzen
erinnerungen aus meinem leben 94; '
stosz',
um etwas aufzusprengen: und geh, und drück, und tret und donnere, da ich der dirne tür verriegelt finde, gestemmt, mit macht, auf einen tritt, sie ein H. v. Kleist
w. 1, 375
E. Schmidt; ich sprengte ... die thüre mit einem tritt J. Gotthelf
ges. schr. (1855) 1, 167; aus furcht, sie (
die tür) würde bei dem zweiten tritt aufspringen Klinger
w. (1809) 4, 109;
geläufig ist die feste wendung: jemandem einen tritt geben, versetzen,
auch in übertragenem gebrauch, als '
jemanden verächtlich, schlecht behandeln, ihn verletzen',
zuweilen mit dem nebensinn: um ihn loszuwerden. nur vereinzelt ohne dativobjekt: weisz ich nichts mehr aus meinem kopf zu sagen, so brauchen sie (
die puppen) nur tüchtig sich zu schlagen, und weil mein Casperl trefflich tritte giebt, so schweigt kritik und ich bin stets beliebt A. v. Arnim 7, 329
Grimm; o gee hin huren kindt, oder ich gib dir einen solchen trit mit meinem fusz, darvon dir dein bauch zerbürsten soll
hertzog von Aymont (1535) z 3
a; der Sepper gab dem hunde einen tüchtigen tritt Auerbach
ges. schr. (1864) 1, 149; wenn er mich aber anstiesze, so wollte ich ihm tritte geben ärger als ein esel Göthe I 43, 343
W.; uneigentlich: fahre fort im sündenleben, wirst den vier winden noch tritte geben I 5, 124
W.; [] so ist er ihr überall nachgelaufen ... er ist gewest wie dem Herrnmüller sein spitz, und so einem musz man einen tritt geben, sonst hat man keine ruh vor dem vieh O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 153.
redensart: an tritt gebn, '
eine geliebte oder einen geliebten brutal verabschieden'
anthropophyteia 2, 12; den tritt geben '
den todesstosz versetzen',
vgl. Pestalozzi
w. 11, 533 (
anhang 3);
ähnlich: so steht es mit der schlacht ... Dagobert wird ihr eben den letzten tritt appliciren und nach einem geringen zappeln wird es dann wohl aus mit ihr sein Tieck
schriften (1828) 1, 386.
mit präpositionaler ergänzung: oder gibt im ein dritt inn die rippen S. Brant
narrenschiff 100, 27
Zarncke; sie wissen, ... dasz Candide einst eines fürsten favorit wurde, der die gewohnheit hatte, jedem, dem er gut wollte, einen tritt in den hintern oder hundert fuszsohlenpreller zu geben A. v. Knigge
roman meines lebens (1781) 1, 150; freilich muszt du gestiefelt sein, um allen den schurken die vielen tritte in den gefühllosen hintern geben zu können Tieck
schriften (1828) 5, 167; und gab ihm blos einen puff auf die nase, und damit gut, und dann noch einen tritt ins kreuz und liesz ihn laufen Immermann 1, 153
Hempel. — als ich seinem wahrsagenden esel, der nach mir geschlagen, einen tritt versetzte J. Kerner
bilderbuch (1849) 227; haben sie ihm keinen tritt auf die weichteile versetzt? W. Raabe
leute aus dem walde (1863) 1, 61;
uneigentlich: wenn im gemeinen leben einer den andern jetzt mit einem kratzfusze bewillkomte, und ihm gleich darauf einen tritt versetzte ... jeder weisz, wie ein solch betragen in gemeinem leben würd angesehen werden Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 153; es (
das volk) vergalt sodann dem neuesten wohltäter ... dadurch, dasz es dem früheren einen mäszigen tritt versetzte Th. Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 121; das kurze gespräch mit dem verwalter hatte meinem denkerstolz einen leisen tritt versetzt H. Hesse
diesseits (1907) 71.
mundartliche redensarten zur bezeichnung von etwas wertlosem: ich gäb dir nit emol e tritt derfür,
so wertlos ist das ding Martin-Lienhart 2, 768
a; der is nischt werth alsn tritt vorn a ... Brendicke
Berl. wortsch. 185
a. tritt
als '
mahnung',
studentisch, zu treten,
erinnern, mahnen' (I A 4 h): tritt
mahnung zur bezahlung von schulden Klosz
idioticon d. burschenspr. 44
Frommel; tritt
stud. akt des tretens (=
mahnens) 1813 Kluge
deutsche studentenspr. 131; einem einen (gelinden) tritt geben '
ihn mahnen' Albrecht
Leipz. ma. (1881) 225
b. I@BB. tritt
als bewegung der füsze beim gehen, '
der schritt, das schreiten, das gehen', '
gradus, gressus, passus, incessus',
im anschlusz an treten II.
wesentlich für diese bedeutungsreihe ist die vorstellung der vorwärtsbewegung. die entfaltung des wortes tritt
in dieser bedeutung läuft parallel mit der von schritt,
so dasz man in den meisten fällen eins für das andere setzen kann. in neuerer zeit besteht die neigung, schritt
zu bevorzugen. als ergänzung steht tritt
am häufigsten bei tun;
ferner bei verben der bewegung, mhd. häufig bei treten,
beispiele s. unter den einzelnen abschnitten von I B 1
und I B 2.
über feste verbale verbindungen vgl. I B 1 c, I B 2 a, I B 2 b
δ: passus dritt (15.
jh.), schritt Diefenbach 415
b;
gradus ein tritt Alberus (1540) x 1
a;
gradus ein tritt, schritt
nomenclator lat. germ. (1634) 135;
gressus ganck, schrit, trijt (15.
jh.) Diefenbach 269
c;
gressus gang oder tritt Zehner
nomencl. (1645) 254; tritt, schritt
un pas, demarche, gressus, gradus Widerhold (1669)
teutsch-frz. 342
b. I@B@11) tritt
als einzelne bewegung nach vorwärts, '
der schritt',
von tritt
als bezeichnung für '
das schreiten, das gehen' (
s. u. 2)
nicht immer streng zu trennen. I@B@1@aa)
zunächst der schritt beim gehen. selten mit angabe des zieles, da das ziel mehr zum '
schreiten'
als zum '
schritt'
gehört. eigentlich: sîn wîp, diu hûsvrou gein mir gie mit vrouwen vil ein stieg zetal. der kleider vielen manegen val abe der stieg her nâch dem trit Ulrich von Lichtenstein 279, 21
Lachmann; [] owe daz ich so manchen trit tu beide naht unde tak
kleinere mhd. erzählungen III 40, 58
Rosenhagen; dasz ich iu ze dienest ie sô mangen geilen trit getrat, dasz ist mînes heiles, mîner sêle ungewin Neithart 87, 27
Haupt-Wieszner; item wo der hirsch hingehet, so ist sein fahrt gleich als ob ir zwen sein, und ist doch nur einer, dann er schrenket mit den füszen und mit dem tritt ob einander Sebiz
feldbau (1579) 573; die braut bringt durch jeden trit, bräutgam, tausent segen mit S. Dach 746
lit. ver.; darnach von disem berge hoch gemeldter gott Neptunus zoch, gebrauchet sich gar schneller tritt Spreng
Ilias (1610) 168
a; auf einen fernern tritt erwarte rach und stich Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 11; doch unterbrach mir oft die schönheit meinen schritt, ich hinterhielt oft selbst beschämt den tritt, der schon begonnen war Brockes
irdisch. vergnügen (1721
ff.) 2, 66; und richte deiner ersten worte stammeln, das straucheln deiner ersten tritte entgegen auf der schwelle deinem vater, der glücklich, siegreich, balde wiederkehrt Göthe I 11, 17
W.; die guten eltern fürchteten bei jedem tritte in der groszen wasserfluth umzukommen Chph. v. Schmid
ges. schr. (1858-61) 4, 186; ein lockenpaar, das spielt an auf jeden tritt, den sie tut Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 19; tritte schütterten hinter mir, der geistliche war hereingekommen H. Carossa
eine kindheit (1922) 116.
besonders anschaulich beim bergsteigen: kaum dasz an den bedenklichsten stellen ... ich einige aufmerksamkeit dem tritt, dem handgriff schenkte H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 462; so erfordert die Trettachspitze ein umsichtiges auswählen der tritte
ebda 207; schmal allerdings sind diese bänder, nahe genug dem tritt, der auf ihnen eben vollen raum findet, der absturz nach der tiefe
ebda 32.
vereinzelte wendung auf dem tritte stehen '
nahe daran sein' (
zu vergleichen wäre 'auf dem sprung stehen',
das aber aktiv gemeint ist, '
bereit sein zu etwas'): wie sie (
die schiffbrüchigen) alle augenblicke auf dem tritte stehen, von den wellen überschwemmet zu werden Breitinger
critische dichtkunst (1740) 1, 441;
pedem revocare wider hindersich gon, den fusz wider hindersich ziehen, den tritt hindersich nemmen Frisius (1556) 1160
b; den tritt setzen, still ston
premere vestigia Maaler 408
d.
uneigentlich auf die bewegung, den fortgang des lebens übertragen. tritte
sind dann '
schritte, die man auf dem lebensweg zurücklegt',
in welchem bilde noch eine spürbare anschauung liegen kann; oder völlig entsinnlicht umschreibungen für das tätigsein, bewegtsein im leben. entwickelter ist diese verwendung bei tritt
als '
schreiten, gehen',
s. u. unter I B 2 a, b: der wenigste absatz ausser den gräntzen der tugend ist ein tritt in das gebiete der laster Lohenstein
Arminius (1689) 2, 138
b; nun soll diese abstrakte person als maschine handeln; ... so sehe ich ja jeden ihrer tritte voraus Herder 3, 103
Suphan; unter rosen, wie in dornengängen, leite jeden ihrer tritte himmelan Hölderlin
ges. dicht. 1, 39
Litzmann; besonders: der erste tritt (
mit dem etwas neues beginnt)
und der letzte tritt (
das sterben): so ein mensch doch erst getrittet in din vrüntschaft, so ist der erste trit dar nah, daz er sich bereite und bewegenlich setze uf liden H. Seuse 236, 13
Bihlmeyer; und der mensch nicht weis, wo er den ersten tritt setzen oder fuszen ... sol Luther 28, 192, 31
W.; was die kirche, was der hof nennt der grauen letzte stufen, ist für ihn der erste tritt, wozu gott ihn hat berufen Heräus
ged. u. inschr. (1721) 111; also haben wir auch ursache ... mit einer christlichen gratulation seinen ersten tritt in dieses amt zu begleiten Chr. Weise
polit. redner (1677) 823;
[] mein Jesus neigt sein haupt zur erden, welt, gute nacht! ich scheide mit: soll Jesus eine leiche werden, was scheu ich dann den letzten tritt? B. Schmolck
schr. (1740) 1, 142; wol dem, ... der diesen schweren tritt, von der zeitlichkeit in die ewigkeit selig vollbracht G. Ph. Harsdörffer
teutsche secretarius (1656
ff.) 2, 57.
als fortschreiten auf geistigem gebiet: nun aber zeigen alle tritte, die wir bisher zurückgelegt haben, dasz die gottheit uns dies alles durch wege und kanäle schaffte Herder 8, 193
Suphan. I@B@1@a@aα)
mit kennzeichnenden attributen, deren verbindung mit tritt
unter I B 2 b
noch deutlicher und fülliger entwickelt ist (
s. d.): und treten so grosse tritt, dasz unser volk ihn nicht konten folgen C. Löw
meer- oder seehanen buch (1598) 15; einen leisen, sanften tritt thun
M. Kramer 2 (1702) 1133
c; wenn der fürst in den hofsaal trat, so sprach die feinste ehrfurcht aus jedem sanften tritte, womit er den boden ... berührte J. Möser
sämtl. w. (1842
f.) 2, 352; fanget er dan an zugehen, auch die sprach nach und nach (blöd und lispelnd) zuverstehen: ist sein gang und seine bitt halbe wort und halbe tritt, schwach zu reden, schwach zu stehen Weckherlin
ged. 1, 492
lit. ver.; die träge langsamkeit, mit ihren abgezählten tritten, kömmt zu spät Gottsched
ged. (1751) 1, 329;
uneigentlich: Zacharias und Simeon müssen gar vil harter tritt unter Herode thun J. Matthesius
leychpredigten 1 (1569) 26
c; manchen sauren tritt thun
per praeceps vadere iter Dentzler (1716) 290
b; Petrus weisz ..., dasz vil saurer schwerer tritt dazu gehören, wenn man dem herrn Jesu sol treulich nachfolgen
V. Herberger
herzpostille (1700) 2, 56; aus diesen reden merkte ich wohl, dasz mir noch saure tritte bevorstanden Jung-Stilling
sämtl. schr. (1835) 4, 256.
aus dem bereich des wanderns, besonders des bergsteigens stammen festgewordene verbindungen wie sichere, unsichere, gewisse, feste tritte,
eigentlich und übertragen gebraucht, oft mit tun
verbunden. feste tr.: verhindern dasz man in sehr viel platze keinen vesten tritt thun könne
J. de Acosta America (1605) 39; nur die zuweilen ins gehänge herabreichenden strebepfeiler der wände gewährten bei ihrer übersteigung und umgehung einen etwas festeren tritt H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 95; eine menge von knechten breitete ihn (
den sand) geebnet und sorgfältig aus damit die streitrosse festen tritt fassen könnten, und sich freudig tummeln, ohne auf dem schlüpfrigen rasen zu gleiten Fouqué
zauberring (1812) 1, 183; das wort der zeugnisse macht, dasz wir ordentlich wandeln, dasz wir feste tritte thun Zinzendorff
Berliner reden (1738) 317;
in anderer verwendung: ein mensch im tollhause, der keinen festen tritt ... tun kann J. K. Lavater
physiognom. frgm. (1775) 1, 46.
sichere tr.: das pferd ..., denn für jene wildzerrissenen berghöhen hat es keinen sicheren tritt mehr Ritter
erdkunde (1822f.) 3, 851; das schlimmste war ein starker regen mit wind, der den boden schlüpfrig, und alle tritte unsicher machte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 72; der führer war vorhanden, die tritte auf den ausgeworfenen lavabröckchen unsicher Göthe I 31, 22
W.; bei den vier letzteren (
strophen) mag wohl einiges abweichen vom texte sich daher schreiben, dasz der übersetzer, um gewissen schwierigkeiten und dunklen stellen des originals aus dem wege zu gehen, einige unsichere tritte getan, wodurch die klarheit des ganzen etwas gefährdet ist IV 35, 109
W. in anderem sinne sichere tritte '
ungestörtes gehen'
s. unter I B 2 a
α.
gewisse tr. in älterer sprache: keinen gewissen tritt thun können
gradum firmare non posse, man kann keinen gewissen tritt auf den steinen thun
saxa vestigium subinde fallunt Steinbach (1734) 2, 848; der feine sand ... erlaubte ihm eben so wenig, einen gewissen tritt zu tun J. J. Schwabe
belustigungen (1741) 1, 444;
besondere anwendung [] beim gehen über das seil: halter, ist ein bleikugel, welche die in den händen tragen, die da dantzen oder auff dem seil gehen, damit sie gewisse tritt thun Heupoldus
dict. (1620) 200.
von falschen, ungewissen, bösen tritten
u. ähnl. spricht man, wenn der tritt
durch irgendeinen umstand fehlgeht, häufig übertragen für '
fehltritt und sünde',
seit dem 16.
jh.: saxa lubrica vestigium fallunt auf schlipfrigen steinen falsche tritt thun Schönsleder
promptuarium (1647) K k k 2
a; einen falschen, unebenen tritt thun
M. Kramer 2 (1702) 1133
c; ein falscher tritt liesz Melitta abermals zusammensinken Spielhagen
w. 1, 96; ... über einen schmalen steg, darüber wollt er eilig gehen; nun weisz ich nicht, wie ihm geschehen, ob er sich stiesz, sich übertrat, ob einen falschen tritt er tat Uhland
ged. (1898) 1, 330
E. Schmidt-Hartmann; nicht wahr, wenn man einen falschen tritt thut, und sich dabei verletzt, das nennt man ein übertreten Auerbach
auf der höhe (1871) 1, 10. — man kan nicht einen unebenen tritt thun
M. Kramer 2 (1702) 1133
c; ungewisser tritt, blinder tritt, da einer an einem dunklen und finstern ort gadt,
caeca vestigia J. Maaler (1561) 408
d; einen gefehlten tritt nur auf den übereisten zacken, und mich trägts hinunter ins Rauhkarl H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 505; ein wisbaum hett der arge dropff in seiner hand, hielt sich darmit, das er thet keinen bösen tritt Spreng
Äneis (1610) 59
a.
übertragen: schaut nicht auf Peters falschen tritt, als er verleuchnete, er sei des herrn gefehrte Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 221; seht ihn noch einmal an, dasz ihr mich nicht zu einem falschen tritt verleitet Göthe I 11, 245
W.; ein schriftstellerischer falscher tritt kann mir neue unbequemlichkeit bringen fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873ff.) 6, 6; mag auch leicht thun ein krommen tritt, so verschütt er sein freundschafft mit H. Sachs 9, 204
lit. ver.; und es mocht einer leicht ein krummen drit thun, er must in thurn und hart darzu gestrafft werden Montanus
schwankb. 270, 25
lit. ver.; errabunda vestigia irrige tritt J. Frisius (1556) 481
b. I@B@1@a@bβ)
in den gleichen sinnzusammenhang gehört: mir fehlt der tritt, in älterer sprache, '
ich trete daneben': ein baur ... stieg eins mals auff einen hohen dannbaum ... und es felet im aller oberst auff dem baum ein trit; felt über den baum abher Frey
gartengesellschafft 27, 25
lit. ver.; und im der dritt fält, ... und uff ein britt solt gedretten haben und aber darneben dratt Platter 154
Boos. ähnlich tritte straucheln, gleiten u. s. w., aus eigentlichem gebrauch kommend, meist übertragen in religiöser sphäre (
vgl. oben falscher tritt): kommet mir ein trunkener zu gesichte, ... dessen tritte ausgleiten, dasz die zuschauer jedesmal einen fall befürchten müssen
discourse d. mahlern (1721) 1, 5; arme sinken, tritte straucheln ists denn auch der pfad nach hause? Göthe I 3, 11
W.; übertragen: seine trit gleitten nicht
et non supplantabuntur gressus eius ps. 37, 31; ich aber hette schier gestrauchelt mit meinen füszen, mein tritt hette viel nahe geglitten
pene effusi sunt gressus mei ps. 73, 2;
vgl. noch ps. 17, 5; sein hertz nach gottes gsetzen tracht, dasz seine tritt nicht gleitten Burkhard Waldis
psalter (1553) 62
b (
ps. 37); es ist nicht sitt, das schlüpff seyn tritt, ob ihn der gotlos sicht und wil ihn töten P. Speratus
in Ph. Wackernagel
d. dtsche kirchenlied 3, 38; und die irren tritte wanken auf dem meer der leidenschaft Schiller 11, 32
Göd. [] I@B@1@a@gγ)
einzelne wendungen, die z. t. zu festen adverbiellen verbindungen geworden sind (
vgl. auch unter schritt und tritt I B 3).
bei jedem tritt, zunächst eigentlich und anschaulich (
vgl. auch die unter I B 1 a
angeführten belege),
dann abgeblaszt in der bedeutung '
immer, überall'
; der übergang zum adverbiellen gebrauch ist flieszend: ge miner rede als ebene mite, daz ich ir an iegelichem trite rume und reine ir straze noch an ir straze enlaze dekeiner slahte stoubelin Gottfrid
Tristan 4916
Ranke; wie schwirrt und schreit, wie knirrt und pfeifft der schnee bei jedem tritt Brockes
irdisches vergnügen (1721
ff.) 4, 394; sehr niedlich sieht es aus, wenn es (
das teichhuhn) ... im gehen ... bei jedem tritt mit dem schwanze wippt Naumann
naturgesch. d. vögel (1822ff.) 9, 601; erinnere dich bei jedem tritt, was Italien von dir erwartet Klinger 1, 8; adel findet man wenig (
in Chiozza), aber bei jedem tritt stöszt man auf fischer oder matrosen Schiller 4, 332
Göd.; die scheinwahrheiten, die er ihr bei jedem tritte aufopfern musz Lessing 7, 38
Lachmann-Munker. deutlicher ist die entwicklung zum formelhaften ausdruck bei alle tritte '
bei jedem tritt, jeden augenblick, immer',
bes. im 16.
u. 17.
jh. gebräuchlich, heute noch mundartlich: lapso schwancken, gehen alsz wenn einer alle tritt fallen wollte Calepinus
XI ling. (1598) 784
a; das tröst mich in meim hertzen, sie dencke auch mein im hertzen, wie denn von mir beschicht all tritt G. Forster
frische teutsche liedlein 176
ndr.; bei ihren büchsen zu warten, bleiben, und sich alle tritt dabei finden zu lassen Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) 81
a; es stinkt so ubel in deim bad, dasz mir all tritt onmacht zugaht J. Ayrer
dramen 5, 3137
lit. ver. in heutiger mundart: aelle tritt '
alle augenblicke, recht oft',
verbr. Fischer 2, 392.
auf den ersten tr. u. ähnl. in der bedeutung '
sofort': das er doch zuo dem ersten drit, so bald er unser münster sehe, mein gruosz der mutter gottes verjehe Murner
badenfahrt 35, 66
Martin; und wenn ein weib ohne wissen ihres mannes ausser hause gehet, so mag sie auff den ersten tritt wohl hals und bein brechen A. Olearius
persian. baumgarten (1696) 81; die schäfer verwunderten sich erstes tritts über den hellen tag der hölen S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferei (1645) 44.
mundartlich: des tritts (
schwäbisch) '
eben erst, soeben' Fischer 2, 392.
tritt für tritt '
schritt für schritt', '
gradatim' (
s. auch unter schritt 1 a,
teil 9, 1755);
den ausgangspunkt könnten fälle bilden wie: wie rauh und hart fällt tritt vor tritt! wie mühsam zehl ich jeden schritt! Gryphius
trauersp. 758
lit. ver.; formelhaft: und näherten sich beide herren botschaffter in dessen ... tritt für tritt der mittelsten säule zu
das verwirrte königreich Ungarn (1684) 161; ein einsames gemstier, das behutsam, tritt für tritt, an den engen felsenleisten herumkletterte H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 400; tritt für tritt, sprung für sprung
ebda 507.
ähnlich: passim, hin und här, von tritt zu tritt Frisius (1556) 955
a; von tritt zu tritt
passim, gradatim Maaler 408
d;
gradatim von einem tritt zu dem andern Calepinus
XI ling. (1598) 624
a. I@B@1@bb) tritt
als der schritt beim tanz: wenn du vor in tantzt in dem sal, artlich nach adelichen sitten, mit seuberlich schwanketen tritten, dergleich mit bucken und mit neigen thu auffs holdseligst dich erzeigen H. Sachs 11, 205
lit. ver.; [] wann er nun kumbt zum abentantz, ... er krümbt sich vast nach adels sit, sein gemessen trit thunt im selbs wolgefallen Forster
frische teutsche liedlein 142
ndr.; auch giengen sie nicht einfeltig, traurig, sondern ihre tritt theten sie tantzweis
buch der liebe (1587) 191
d; Ricciolella masz die schritte, setzte nach dem tact die tritte
moderne dichtercharaktere (1885) 220; zwar schien sie an nichts weniger zu denken, als an die tritte und wendungen des tanzes Storm
w. (1899) 2, 95;
in älterer sprache auch für den tanz; aus dem zusammenhang der folgenden stelle geht hervor, dasz gleichzeitig das beim tanz gesungene lied mitgemeint sein kann: mein gesellen haben geticht ain hüpschen stolzen tritt, der ist nach neuen hofsitt. ... ir sporn die klingen, ire lied, die si singen die machen manigs herze fro. si tritten nider und tritten hoch. ich wais wol, das kain ritter kan den neuen tritt den wir han
fastnachtsp. 448, 13
Keller; (
vgl. auch ebda 396, 31);
in verbindung mit treten: ich will auch hin nach zelten und will tretten ainen tritt nach meines alten vaters sitt
ebda 402, 21. I@B@1@cc)
in verbindung mit verben der bewegung (treten, weichen, fliehen, wanken
u. ä.),
gelegentlich auch mit tun,
gibt tritt
das masz der gehbewegung an. tritt
ist die entfernung zwischen den beiden füszen beim gehen. I@B@1@c@aα)
einen tritt: und swenn er schrîte (
schrie) Thabronit, sô trat er fürbaz einen trit Wolfram
Parzival 739, 26; all deine sterck hast du von mir: wenn ich ein tritt würd von dir gehn, köntst nit auff deinen füszen stehn Burkhard Waldis
Esopus 1, 200
Kurz; so offt er einen tritt fort schritte, holete er den athem wol siebenmal
grillenvertreiber (1605) 3.
buch 44; ist im umb der kälte willen ein tritt oder etliche zu thun erlaubt Kirchhof
milit. disciplina (1602) 144; kein künig oder fürst kan einen trit entfliehen, wenn ihn der tod begehet J. Rompler v. Löwenhalt 1.
gebüsch s. reimget. (1647) 138; fern von mir sei der gedanke, dasz ich einen tritt nur wanke G. Stephanie
singspiele (1792) 288, 10;
gesteigert: tritt darauff geschwinde mit dem rechten fusz einen guten trit zurück hinter den linken fusz H. v. Fleming
soldat (1726) 248.
hierher auch: Petrus nach ging in verrem dride
Petrus autem sequebatur eum a longe (
Matth. 26, 58)
bei Schönbach
aus altdtsch. hss. 6, 142.
uneigentlich: Paulus der fehret fort, und thut noch einen tritt, auff dasz er die ordnung, dardurch man zur gerechtigkeit und seligkeit kompt, anzeige Gretter
erklärung d. epistel Pauli a. d. Römer (1566) 655; wer aber sich für gott nur einen tritt bemüht B. Neukirch
ged. (1744) 195; worinnen ich aber nach gründlicher untersuchung dieser materie allerdings einen mäszigen tritt zurück thun werde Heinichen
generalbass (1728) 723.
deutlicher um einen tritt, in der verneinung stark formelhaft (
s. auch hierunter): ir knie kont sie gebiegen nitt noch sich uffrichten umb keyn dritt Wickram 7, 112
lit. ver.; nun hüt dich, das du nit umb ein tritt da dannen weichist J. Frisius (1556) 493
b; schau! wie auf dem beglasten bogen um einen tritt er vorwärts schreitet A. v. Droste-Hülshoff 2, 51
Cotta; das ergebnis einer bewegung bezeichnend: dann ob ja wol die astra umb einen tritt weiter hinder dem affectu stehen J. Kepler
opera omnia 1, 618.
[] I@B@1@c@bβ)
besonders häufig in der verneinung keinen tritt, nicht einen tr.,
mhd. nie (einen) tr., nie deheinen tr.
u. ä. mit bestimmtem inhalt und greifbarer anschauung '
keinen schritt, kein stück',
eigentlich und übertragen, dann unanschaulich und formelhaft '
nicht etwas, nichts',
endlich völlig ausgehöhlt als verstärkte verneinung '
garnicht, überhaupt nicht' (
vgl. franz. ne pas).
die übergänge in dieser stufenfolge sind flieszend, so dasz der grad, bis zu dem die erstarrung fortgeschritten ist, oft nur gefühlsmäszig bestimmt werden kann. in spätmhd. und frühnhd. zeit (
nur noch vereinzelte belege bis ins 18.
jh.),
in der solche umschreibenden, mehr stilistisch als inhaltlich empfundenen wendungen, auch als sinnentleerte reimformeln (
vgl. auch I B 2 b),
häufig sind. eigentlich: ich wär von hundert mannen nie geflohen ainen tritt Heinr. v. Neustadt
Apollon. v. Tyrland 12182
Singer; Wîgâlois der küene man von im nie einen trit geflôch Wirnt von Gravenberg
Wigalois 172, 11
Pfeiffer; er wolte fürbasser nicht einen tritt zu dem helden gan
Teuerdank 116, 74
Göd.; Noah ... thut nicht einen trit aus der archen on gottes wort Luther 24, 196, 23
W.; und het im gentzlich fürgenommen auss der mül keinen trit zu kommen, biss man das korn het gemacht zu mel H. Sachs 9, 450
lit. ver.; (
der teufel spricht:) es könnend geistlich noch weltlich nit me riten oder gon ein trit, diszer trabant (
d. hoffart) musz bi in sin
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 88
Bächtold; nun gang mir nit ein tritt da dannen
nusquam te vestigio moveris Maaler (1561) 408
d; ich ... bin also verschmachtet, dasz ich kein tritt mehr kan fort gehen
engl. comed. u. trag. (1624) l 2
b; 'ja', sprach der Eulenspiegel gleich, kein trit ich nicht von dannen weich, bisz ich bewere solche kunst J. Fischart
Eulenspiegel 152
Hauffen; als nun der ... commendeur sich rundaus erkläret, solcher gestalt nicht einen tritt fortzumarschiren B. Ph. v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 411; kommt mit zu meinem herren hin. ich komme keinen tritt mehr hin G. Stephanie
singsp. (1792) 206, 14;
uneigentlich: so koment etliche und sagent von also grossen vernünftigen über weselichen überformlichen dingen, recht als si über die himele sin geflogen, und si enkamen noch nie einen trit usser sin selber an bekentnisse irs eigenen nichtes J. Tauler
pred. 200, 8
Vetter; der was geheizen Gotfrit. der getrat nie deheinen trit uz manlîchem muote Stricker
Karl 502
Bartsch; nu was er also veste an gote, daz er nindert einen trit uz des gelouben gelit besite weich durch ir vorchte
d. alte passional 229, 40
Hahn; wen her nie trit sins (
gottes) gebotes ober trat noch obergienc Heinr. v. Hesler
apokalypse 12838
Helm; daz sin gedænke enkunden nie gewenken ainen trit von der der hertz als ein smit smeltzet saphyr in daz golt Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Östreich 12767
Regel; jedem ist gsetzt sein end darmit, darüber thut er keinen tritt H. Sachs 15, 21
lit. ver.; von diser regel weich kein trit Scheit
Grobianus 410
ndr.; so hatt Philippus ... ein solch stetes glück gehabt, dasz sichs nie kein tritt von ihm gewend J. Fischart
discours (1589) f 3
b.
mundartlich bis heute: keinen tritt
überhaupt nicht (
ne-pas) Schmeller-Fr. 1, 680; keinen tritt,
so viel als garnicht, franz. ne-pas Schöpf
tirol. wb. 758.
[] in gelegentlicher steigerung: ir gelimeten sinne dien kunden niender hin gewegen noch gebrucken noch gestegen halben vuoz noch halben trite, minne diun wære ie da mite Gotfrid
Tristan 11813
Ranke. eigenartige, vorstehendem gebrauch ähnliche anwendung bei Chr. Weise
etwa in dem sinne '
durch irgend etwas, durch nichts': dasz ich dir du hertzgen du keinen tritt zu leide thu
grün. jugend 102
ndr.; hab ich dich ja erzürnt durch irgend einen tritt
ebda 32. I@B@1@c@gγ)
mit dem vorigen zusammenhängend tritt
als längenmasz, schwankender und ungebräuchlicher als schritt,
sieh teil 9, 1757 (
auch im mnld., vgl. Verwijs-Verdam 8, 687):
gradus ein tritt, continet drithalben schuhe.
passus ein schritt, continet duos gressus Alberus (1540) x 1
a;
gradus ein gemeiner tritt haltet 2½ schuch J. Orsäus
nomenclator (1623) 144;
gradus, gressus ein gemeiner dritt oder gang Golius
onomasticon (1585) 102; etliche wöllen tritt brauchen, wie man gehet ist allwegen 2½ schuch, thun zwen ein schritt D. Speckle
architectura (1589) 14
a.
vereinzelt als ungefähres entfernungsmasz, wo schritt
geläufiger: damit (
mit dem spiesz) wissen sie so stark und gewis zu schiessen, das sie einen mann auf fünfzig tritte treffen können Dapper
Africa (1671) 33
a. I@B@1@c@dδ)
besondere anwendung in der sprache und musik. tritt
für '
versfusz'
von den puristen des 17.
jhs. gebraucht, gelegentlich auch später (18.
jh.),
heute ungebräuchlich: zweite stuffe, von den tritten und stuffen oder schritten der reimbände ins gemein Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 9; die lateiner nennen ihre reimmassen pedes, ..., wir werdens ... nicht unvernemlich nennen können reimmaas ... nach etzlicher beliebung künne man es auch nennen schritt oder tritt Schottel
teutsche vers- oder reimkunst (1656) 45 (
vgl. auch teutsche haubtsprache [1663] 834); (
beim verse kommt es an) auf die abgemessene anzahl der tritte und silben, die wir das zahlmasz heiszen J. Breitinger
dichtkunst (1740) 2, 438; spondäen, trochäen und jamben wird jedes naturgenie antreffen, daktylen — wird es nur in partizipien und wenig andern wörtern finden; und zu den übrigen vielsilbigen tritten sind unsre einsilbige wörter würklich zu unbestimmt, und prosaisch Herder 1, 207
Suphan. ähnlich werden entsprechende sinnabschnitte eines verses tritte
genannt, beim trittreim (
s. d.): trittreime von zweien tritten '
zweigliedrige trittreime' Schottel
haubtsprache (1663) 956.
in der musik '
tonschritt', '
stufe': wenn der basz, durch einen tritt zurück, den harten klang erweichet J. Mattheson
generalbaszschule (1735) 239; es (
das gegenthema) unterscheidet sich durch vier chromatische tritte sehr deutlich J. Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 435.
in diesen zusammenhang gehört auch der gelautstritt:
gradus remissi nidriger gelautstritt,
gradus intensi erhobener gelautstritt J. Orsäus
nomenclator (1623) 205. I@B@22) tritt
als fortdauernde bewegung '
das gehen, das schreiten',
in enger berührung mit tritt
als '
schritt' (I B 1),
weshalb beide bedeutungen gelegentlich ineinander übergehen. I@B@2@aa)
allgemein '
das gehen, schreiten',
die bewegung des gehens, wie lauf
zu laufen
und gang
zu gehen;
meist im plural. I@B@2@a@aα)
eigentlich: sô nû dîn trit kumt an den stap, daz dich daz alder binden wirt und dir aller gemach verbirt
gesamtabenteuer 2, 395
v. d. Hagen; gantz traurig und betäubt rein schlepp ich meine tritt Dietrich v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) a 3
b; o wie beseligst du mich ganz, nennst du mich einmal deinen Franz und fesselst mich an deine tritte Göthe I 13, 1; 261
W.; [] ein bächlein aber rauschte durchs feld, von des gieszbachs reiszenden fluten geschwellt, das hemmte der wanderer tritte Schiller 11, 384
Göd.; so lenke denn die alterschweren tritte nach jenem wohlbekannten kloster hin 14, 19
Göd.; kein fusz, schien es, hat seit seinem beginne diesen boden berührt, als etwa der leichte tritt eines rehes A. Stifter
sämtl. w. (1901) 1, 235;
sprichwörtlich im 16.
und 17.
jh. (
häufig): des herren tritt den acker tüngt, des herren aug das viehe verjüngt
grillenvertreiber (1670) 9.
in älterer sprache gelegentlich in diesem sinne die verbindung sichere tritte, '
ein gehen, das nicht von anderen belästigt, gehindert und gestört wird' (
das übliche sichere tritte
in anderem sinne s. oben B 1 a
α): kein mensch, frauen oder man, kein sichern trit nit mocht gethan, er wurt gefangen in den netzen, so thut der sathan dir zusetzen H. Sachs 1, 422
Keller; (
ein mann spricht:) gewisz, man möchte sich zuweilen gar noch schämen, nur einen sichern tritt auf freien markt zu tun, denn ihre (
der mädchen) lästerung läszt keinen menschen ruhn Chr. Fr. Henrici
ernst-scherzh. ged. (1727-37) 1, 127; (
Hutten) hatte in Deutschland, für das er alles unternahm, zuletzt keinen sichern tritt mehr Herder 16, 274
Suphan. vereinzelt auch die wege, die man geht (
häufiger beim übertragenen gebrauch s. unten β): itzt aber ists zeit, geh dein tritt, itzt glüet das eysn, so wölln wir schnittn Gilhusius
grammatica (1597) 45; und wurden die knecht gar schnell mit groszem volk belegert, und alle weg und tritte verhütet Äg. Tschudi
chron. Helveticum (1734) 2, 158.
redensartlich: im tritt erhalten werden
sagt man, wenn man viel wege tun musz, wenn man in bewegung gehalten wird dadurch, dasz man viele geschäfte besorgen musz; ähnlich in tritt kommen '
in gang kommen': damit idt wedderumb in den trede queme Schiller-Lübben 4, 608. — im tritt sein
in nd. und md. mundart und umgangssprache vom betrunkenen gesagt; weitverbreitet. gelegentlich auch im sinne von '
in guter laune sein': Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 1, 251.
ungewöhnlich: für die '
fähigkeit zu treten, gehen' (
wie gehör
zu hören): auch hatte si gentzlich nicht den notz (
nutzen) und tritt der fusse (
d. h. sie konnte nicht gehen)
Hedwigslegende (1504) a a 6
b;
für die möglichkeit zu gehen: das yliaster zu vier theil getheilt ist: in den luft ..., in das feur ..., in die erden, die alle frücht gibt, und den tritt des fusses Paracelsus
op. (1616) 2, 23
a Huser; so wirdet ein stigen bey dreizehethalben schuch hoch, darausz mach man auff einer achzehn stapfeln, will man aber ein senffteren drit haben, so teil man der stapfel dest mer ein A. Dürer
etl. underr. zur befest. (1527) b 4
b; ein runde stiegen, ..., von achtzehen staffelen, und ein jedliche staffel mach eins schuchs breit, so wird der dritt sanft
ders., nachlasz 191, 16
Lange-Fuhse. in älterer sprache gelegentlich perfektiv gebraucht, wo man heute zusammensetzungen, wie eintritt, zutritt, auftritt, das eintreten, auftreten
oder auch das kommen, das weggehen, weichen
gebrauchen würde, mit und ohne angabe des ausgangs- oder zielpunktes: der du (
Jesus) in deiner menschheit gantz, für uns des todes schmertzen, auff dich genommen, und damit, erworben einen freien tritt uns armen zu dem vater Ringwaldt
evangelia (1581) r 8
b; in der stund des tritts der sonnen in das zeichen virginis Paracelsus
op. (1616) 2, 555
Huser; von der sonnen frühen tritt bisz zur andern abendröthe C. Stieler
geharnschte Venus 12
ndr.; ihr seid der schreckliche Normann: was bringt mir euer tritt? G. Schwab
ged. (1838) 420;
[] weniger deutlich: lasz mich die stunde weihen, da ich deinen tritt, Alfadur, sah Gerstenberg
ged. eines skalden 360
lit. denkm.; und ob euch schon solcher grober tritt von der warheit solte gestattet werden, ... so musz ich euch doch fragen J. Adrian
send- und warnungsbrieff (1609) 15.
mit angabe des zieles (
zu treten II C) den tritt, die tritte irgendwohin tun, nehmen, setzen,
umständlich umschreibende ausdrucksweise für das einfachere irgendwohin gehen treten, schreiten: der geselle volgte mitte. diu vrouwe trat snelle trite hin zuo dem flure
gesamtabenteuer 3, 75
v. d. Hagen. da tet er die ellenden trit hin, und kom ingend und vand si da H. Seuse 71, 19
Bihlmeyer; als bald du tust ins haus ein trit, so sprich, ist hie kein becher nit? Scheit
Grobianus 2445
ndr.; endlich wird man nicht luft schöpfen, oder einen tritt ins land thun dürfen, wenn man nicht erst die symbolischen bücher unterschreibt Chr. Fr. Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 3, 31; genuge lute quamen unde sich des an namen daz si kerten iren trit in des gelouben gelit
passional 281, 33
Hahn; o du der huldgöttinen vierte, wende den klingenden leichten tritt her Herder 27, 82
Suphan. da wil ich meine tritt auf lauter wollust setzen, was süsz und lieblich ist, sol meinen leib ergetzen J. Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) 127; Bachus setzte dahin nie seine tritte. der stolze rühme sich nicht auch dieser erfindung Herder 27, 238
Suphan; setz auf die strasz ich meinen tritt, weicht da der hasz wohl? nein Rückert
w. (1867) 1, 54. wie er seinen tritt hatt hineingenommen, wundert sich die frau, dasz er war gekommen
Reinicke fuchs (1650) 207; du, des vaterlands erstather, zu dir nehm ich meinen tritt Morhof
unterricht v. d. dtsch. sprache (1682) 2, 26; ... da must du dann deinen tritt, und zwar unverzögerlich, vor des höchsten richtstuhl nehmen Neumark
musikal.-poet. lustwald (1657) 2, 61.
statt der tretenden person erscheint gelegentlich tritt
in bildlicher, poetischer umschreibung als subjekt zu verben der bewegung (
hinüberspielend nach I B 2 b): doch nie kein tritt sich nahet nit Fr. Spee
trutznachtigall (1649) 38; es nahen hieher selbst die frechen tritte Tieck
schr. (1828) 1, 67; wie federleicht fliegt dann ihr tritt
ebda 4, 318; oftmals, wenn dein tritt auf steilen höhen ... durch den cedernhain gewandelt ist Pfeffel
poet. vers. (1812) 1, 46; der tritt des königs ist es, der eiligst über die Franzgallerie schreitet Laube
ges. schr. (1875ff.) 2, 251; hör meine tritte nicht, wohin sie gehn Schiller 13, 44
Göd. I@B@2@a@bβ)
in uneigentlichem gebrauch '
das gehen, das schreiten, das wandeln, die wege, die einer geht oder wandelt'
; die tritte
eines menschen werden von anderen beobachtet, überwacht, geleitet u. s. w. häufig in der reimenden verbindung schritte und tritte (
s. unten I B 3): meinst du nicht, dasz er schon die wach auf dich verstärcke, und alle deine tritt aufs heimlichste bemercke? Gryphius
trauerspiele 88
lit. ver.; maszen er denn ... leute unterhielt, welche auf alle seine und seiner gemahlin tritte achtung geben muszten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1318
b; daher legte er auf alle ihre tritte knechtschafft
ebda 1, 222
b; vor des königes zorn, der mit den schrecken des todes seine tritte verfolgte, floh Moses Eschenburg
beispielsamml. zur theorie (1788
ff.) 1, 437.
[] es ist kein hornemann in dieser gantzen welt als der sein keusches weib für nebengängig helt, der alle tritte zehlt J. Rachel
satyr. ged. 34
ndr.; aber eben diese weite bekanntschaft war ein hundertaugiges lauern auf alle meine gänge, tritte, worte Schubart
leben u. gesinnungen 2, 13.
vor allem auf religiösem gebiet; '
das wandeln, die wege'
des menschen (
s. auch unten sp. 682): um dein (
Jesu) ehre zu vermehren schenk ich dir alle meine tritt Mittler
dtsche volksl. 788; der friede folge dir auf allen tritten nach Hoffmannswaldau
u. anderer Dtschen ged. 7, 219
Neukirch; sieh selber her, mit deinen augen, ob meine tritte vor dir taugen? B. Neukirch
ged. (1744) 100.
gott leitet die tritte
des menschen: dann daz liecht des herrn wirt im vor seinen tritten zünden
d. gantze bibel (
Zürich 1531) 290
a; des menschens hertz beraitt seinen wege, aber der her fuert des menschens trit Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey 263
Reithmeyer; ach eile dich mein gott, begleite meine tritt Dietr. v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) c 2
b; all meine schrit, all meine tritt seind herr bei dir gezehlet Fr. Spee
tugendbuch (1649) 157; er (
gott) stärcket ihren leib, befürdert ihre trit, des wegs sie nicht mehr fehlen Weckherlin
ged. 2, 165
lit. ver.; er nimmt deiner füsze tritt, o mein hertze, wol in acht P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 320; er, der ... gerecht ist, wird unsere tritte leiten, und uns sicher unsre reise vollenden lassen Gottschedin
briefe 3, 36
Runkel. I@B@2@bb) tritt
als die besondere, eigentümliche art des gehens, schreitens, '
der gang'
eines menschen. in diesem verstande ist tritt
ausdruck und kennzeichen einer persönlichkeit, entweder als der einer person eigentlich anhaftende '
gang',
oder auch als die gelegentlich durch besondere äuszere oder innere umstände hervorgerufene art zu gehen, im gegensatz zu I B 2 c
das, was man sieht. meist im singular (
der gebrauch von a
meist im plural): man kompt auch durch ander eusser anzeigen zum hertzen, als durch kleidung, trit, gang, gesicht, daher spricht man: ... der trit ist gelds werth Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 23
a; deszgleich der mensch mehr zeichen hat, dadurch das gwissen sich verreth ... , der tritt ist geltes werth ich sag, der gang tausent gülden vermag Eyering
prov. copia (1601) 1, 366; am tritt schon erkannte man den gedienten soldaten A. Hitler
mein kampf (1933) 308.
neben anderen eigenschaften als kennzeichen: dann solte roht haar, ... aufrechts unbewegliches gesicht, stäte bewegung des munds, starcke tapfere tritt ... allmal ein helden ... anzeigen Paracelsus
op. (1616) 1, 913
a Huser; schlank ist dein wuchs, und leicht lenket der tritt sich der gehenden Klopstock
oden 2, 123
Munker-P.; hier war alles, gang, tritt, auge, ganz katholisch, ganz klösterlich C.
F. Nicolai
reise durch Deutschl. u. Schweiz (1783) 2, 359; sieh das äuszre nur von beiden an, das angesicht, den ton, den blick, den tritt! Göthe I 10, 173
W. (
Tasso III 2);
stehende wendungen wie etwas geht seinen tritt
u. ähnl.: lasz all ding gon in synem tritt, und straff kein menschen nymmer nit Murner
narrenbeschw. 97
ndr.; und nun ging die unterhaltung in fragen und antworten ihren ebenen tritt Storm (1868) 2, 43; wy ghan jummer im olden drawende vor uns hen alse de ollen karrenpferde, de sik uth eren trede nicht driven laten Schiller-Lübben 4, 608.
häufig steht gang
verdeutlichend neben tritt: durch solche und andere verzärtlung werden die kinder also verzogen,
[] dasz sie kaum wissen, wie sie ihren gang und krausen tritt anstellen sollen Lorichius
instruction u. bericht (1618) 185; (
die tänze haben) vanität und hoffarth in gang und tritt gepflantzet Dannhawer
catechismusmilch (1657) 2, 425; drei dinge haben stolzen gang, und auch des vierten tritt fällt schön ins auge Herder 12, 191
Suphan; wenn man sein lebtag zwischen den gräbern herumsteigen musz, ... so kriegt man einen heimlichen gang und einen geringen tritt Watzlik
der alp (1923) 51.
übertragen: ihr (
der gottlosen) gang ist schlüpfrig, glatt ihr pfad, ihr trit ist ungewisse P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 364
b;
beim pferd terminologisch von einer bestimmten gangart, vgl. schritt
teil 9, 1758: da muszt sie der jung reuttersknab anführen und üben mit sprengen, dummelen ... springen ..., alles zugleich: item den pasz gahn, den mittelpasz, den trosz, den tritt, den schritt, den trab, den trott Fischart
Gargantua 203
ndr. I@B@2@b@aα)
die besondere art des ganges (
der eigenart des menschen oder der besonderen situation entsprechend)
wird durch adjektive gekennzeichnet, deren zahl so grosz ist, wie es möglichkeiten innerer und äuszerer haltung gibt. als geläufiger heben sich etwa heraus: fest, stark, leise, leicht (
vgl. auch die attribute oben unter I B 1 a
α und unten I B 2 b
δ): hoch ist sein schritt, fest sein tritt Göthe I 4, 361
W.; als eine riesenhafte figur, die treppe heraufsteigend, einen starken festen tritt mit dem besten willen kaum zu mäszigen im stande war I 25, 67
W. (
wanderjahre 3, 1); der edle greis, der noch mit festem tritte die schwere last von achtzig jahren trägt Wieland
sämtl. w. (1794
ff.) 23, 96
Göschen; seine stimme erweckte in ihm das bild eines langen, hagern übrigens aber gesunden mannes, mit länglichem gesicht ... und langsamen, säendem, gravitätischen tritt Lichtenberg
verm. schr. (1800f.) 3, 490; jarl Isold vor den könig schritt, hoch war sein helmbusch und keck sein tritt Strachwitz
ged. (1850) 46; schlaffe, tücksche züge künden, was verbarg der stolze tritt A. v. Droste-Hülshoff
w. 3, 48
Schwering; sie erschrak vor dem wankenden tritte und den glühenden wangen des herrn Dietrich Alexis
Roland (1840) 1, 393; den tritt kann sie (
die liebe) so leise lehren, die mutter solt auff kazzen schweeren C. Stieler
geharnschte Venus 87
ndr.; dort unten liegen ja ihre hütten, mit schnee wie mit wolle bedeckt; meist umstürmt von des lebens sorgen, und selten besucht vom leisen tritt der ruhe Schubart
leben u. gesinnungen 2, 102; es naht ihr leichter, schwebender tritt W. H. Riehl
culturgesch. nov. (1856) 94;
bildlich: jene stunden, wo wir den raschen tritt der zeit verwünscht, weil sie uns schied
Shakespeare 1, 238; doch alter mit dem schleichenden tritt, hat mich gepackt mit der faust
ebda 3, 325; die ihr den gang gottes in der natur, das kommen einer jeden pflanze in ihrem sanften tritt beschleicht v. Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 225.
vom gang der tiere: (
der ochse) bekomt auch (
nach dem schnitt) einen langsamen und stattlichen gang und tritt dann er zuvor hatte
neu-vermehrtes viehbüchlein 7; die kleinen pfützen des hofes knirschten eisig unter dem schüchternen tritt vorsichtigen geflügels Holtei
erz. schr. 5, 32.
besondere anwendung der spanische, schwäbische tritt
für eine bestimmte art zu gehen und sich zu benehmen: dasz man leute findet, unter mannes und weibespersonen, die ihre eigene sihung vor dem spiegel haben, hin und her tretten, hinder und fornen sich schauen, sich recken, lenken, biegen, den schwäbischen tritt, so zum gepränge gehöret, versuchen J. Westphal
hoffarts teuffel in theatr. diabol. (1587) 2, 28
b; endlich kömmt herr Urian angestochen,
[] mit so steiffen spanischen tritten, als ob er den Horribilicribrifax agiren wolte
kleideraffe (1685) 231; ein pferdehändler ..., der habe ein ungarisches pferdchen zu verkaufen, das stünde ihm wie angegossen. wenn er das zwischen die schenkel bekäme, das täte den spanischen tritt binnen heute und einer woche H. v. Hofmannsthal
Andreas (1933) 23. I@B@2@b@bβ)
feste verbale fügung: einen bestimmten tritt haben; die attribute sind gleich oder ähnlich den oben angeführten und denen unter I B 1 a
α u. I B 2 b
δ: einen harten, schweren tritt haben Kramer 2 (1702) 1133
c; lass nur einmal erbsen in dein vorzimmer streuen, männer, die haben einen festen tritt, wenn die darüber hingehen, regt sich keine
kinder- u. hausm. (1812) 1, 321; man hört ihre sohlen nicht aufklappen, so einen leichten tritt hat sie Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 98; sie hatte zierliche füsze und einen behenden tritt Storm
w. (1899) 1, 320;
von tieren: sie (
die pferde) hetten einen behenden tritt gleich wie die vögel sehr geschwind Spreng
Ilias (1610) 26
b; wiewol sölich thier (
elefant) ein besondern langsamen tritt hat Herold-Forer
Geszners thierbuch (1563) 75; eyn guter hengst soll dise art haben, ... einen katzen tritt oder gange Sebiz
feldbau (1579) 151.
vereinzelt auch: das thier progelaphus ... ist eins langsamen dritts wie ein schneck H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 68. I@B@2@b@gγ)
übertragen: der wandel eines menschen, die eigentümliche art zu sein, zu leben, sich zu benehmen (
vgl. auch den übertragenen gebrauch unter I B 2 a
β,
der diesem nahe verwandt ist): hôchfart lît an lôsen triten H. v. Trimberg
renner 477
Ehrismann; doch hondt sy (
die frauen) jetz ein andern trit, (
als Maria, da der engel zu ihr kam) das kein Maria folget nit, je schamprer jetz, je bessers ist, den frouwen jetz vil schamen brist Murner
narrenbeschw. 26, 41
Spanier; unde Hollant erhoff sick mit bosem gesichte, freveliken worden unde homodigem trede
chronik. der dt. städte 16, 355 (
Braunschweig, schichtbuch 1514); alle dein (
Christi) arbeit und ellend fusztrit setz für minen unnützlichen süntlichen trit
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 120
a; wenn er (
der einsame schriftsteller) ... an keine modelle, leisten, magisterklappen, kinderhauben, ... sich kehret, und um gottes willen am allerwenigsten an den allgemeinen tritt (
hinüberspielend nach trott) Zimmermann
einsamkeit 483
nat.-lit.; mich wundert, ob Rousseaus confessions wol so allgemein wären gelesen worden, wenn sie den deutschen tritt hätten?
ebda 458.
die besonderen lebenswege, die einer zu gehen hat: vor zeiten sprach man: forcht dir nit, wen du nur gast den rechten drit Murner
schelmenzunft 13
ndr.; damit er (
der mensch) sich nach jener ruh, die leng im hertzen sehnen thu, und teglich in dem harten tritt, den vater umb erlösung bitt Ringwaldt
christl. warnung (1588) E v
a; drum flieht sie (
die göttin Podagra) auch des armen harten tritt und liegt dem reichen nur so gern zu fusz Herder 26, 26
Suphan; im mhd. als reimwort völlig entsinnlicht '
die art und weise' (
vgl. auch oben die mhd. belege unter I B 1 c
β,
sp. 670
und unten I B 2 b
ζ,
sp. 678 trit des gelouben
u. s. w.): din hochgelobeter trisor sich durch sin selbes gute entsloz, do mit vreuden uzvloz gar an lobenlichen trit der gescheffede ummesmit oben, mitten, unden
passional 1, 15
Köpke. bei Herder
häufig tritt
für den gang (
innerlich)
und den rhythmus (
sinnlich)
der sprache oder der dichtung: die ... sätze, die einer ferneren entwickelung bedörfen, werden ... solche an ihrer zeit auch finden; daher ich dieser schrift, als einer vorläuferinn, in manchem nur
[] einen leicht andeutenden tritt gelassen habe Herder 19, 61
Suphan; unsere sprache hat wegen der consonanten etwas barbarisches an sich: und die französische wegen der öfteren elisionen, wegen der vielen unnützen wörter, ..., wegen der laufenden aussprache, keinen gewissen tritt
ebda 1, 187; mir ist von jenen (
den Skandinaviern) kein gedicht bekannt, wo sanfte empfindung ströme: ihr tritt ist ganz auf felsen und eis und gefrorner erde, und in absicht auf solche bearbeitung und kultur ist mir von ihnen kein stück bekannt, das sich mit den Ossianschen darin vergleichen lasse
ebda 5, 165; das Durandarte, Durandarte, o berlerma, o berlerma, rio verde, rio verde sind nicht ihre (
der nordischen völker) gewöhnlichen anklänge; wohl aber jamben zum horn, zur trommete, zur vollen starken harfe. der Percy aus Northumberland und dergleichen im männlichen tritt und takt sind ihre anklänge
ebda 24, 263.
diesem gebrauch nahestehend: praemoderor ein maasz fürschreiben oder die mensur oder tritt anzeigen Frisius (1556) 1042
a. I@B@2@b@dδ)
die eigentümliche, der schreitenden person als besonderes merkmal angehörende oder durch die situation bestimmte art und weise des tritts, '
des gehens, schreitens',
wird näher gekennzeichnet durch eine präpositionale fügung in verbindung mit verben meist der bewegung, seit dem 16.
jh. geläufig; die attribute stimmen naturgemäsz mit denen unter I B 1 a
α u. I B 2 b
α grösztenteils überein; im allgemeinen singular, pluralische fügungen bezeichnen mehr die einzelnen schritte als die gangart; eigentlich; bildlich bei besonderen subjekten; entsinnlicht die art und weise des verhaltens bezeichnend: du aber weich dem übel nit, geh immer fort mit starkem tritt Spreng
Äneis (1610) 108
b; von hebung senkt sich, und steigt zu hebung, der kretikus mit festem tritt J. H. Voss
zeitm. d. dtsch. sprache (1802) 155; mit weniger gemüth und schwerfälliger hand, aber mit sicherm tritte, haben zwei geistliche ... die alten stammregister durchgegangen L. Steub
wanderungen im bayr. geb. (1862) 90; ein dichter der so manches litt, fährt her, begafft von leuten, steigt aus und kommt mit stolzem tritt Göthe I 4, 165
W.; ein schatte wie eur vater erscheint vor ihnen, geht mit ernstem tritt langsam vorbei und stattlich
Shakespeare 3, 159 (
Hamlet); mit schweren dritten einher get er Th. Murner
narrenbeschw. 119
ndr.; man sah hernach das volk sich vor dem fürsten neigen, und diesen auf den thron mit schweren tritten steigen Bodmer
crit.-poet. schr. (1741) 1, 127; bis ihre stirnen schlaf, der sich dem tod vergleicht, mit dichter schwing und bleirnem tritt beschleicht
Shakespeare 1, 247; als ihr in lärm und wüster gier des lebens mit plumpem tritt und rohem finger ranntet St. George
d. siebente ring 6; wenn des todes fürchterliche stunde mit dumpfem, feierlichem tritte sich meiner lagerstätte naht Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 142; er schaute vor sich hin, nicht links nicht rechts, und ging an seinem stab mit raschem tritt Stolberg
ges. w. (1820
ff.) 4, 19; aber mit dem letzten schlage zwölf ... fing es an, in dem zimmer mit leisen abgemessenen tritten auf und ab zu wandeln E. T. A. Hoffmann 6, 110
Griesebach; wir irren, blinden gleich, mit ungewissem tritt Cronegk
schr. (1771) 1, 195; der alte kommt indess mit ungewissen tritten, an seines Röschen arm allmählich angeschritten Wieland (1794) 22, 280
Göschen; ich wär mit leisen tritten wol um feinslieb geschritten Mittler
volksl. 547; dich zu greifen ziehen sie aus mit netzen und stangen, aber mit leisem tritt schreitest du mitten hindurch Schiller 11, 171
Göd.; [] bis mich graukopf einst mit leisem tritte sanft der tod zum groszen abend ruft Seume
ged. (1804) 91; o holde nacht, du gehst mit leisem tritt auf schwarzem samt, der nur am tage grünet Mörike
sämtl. w. 2, 46
Krausz; hinüberspielend nach leise treten
in verächtlichem sinn (
vgl.treten II B 4
und leisetreter
u. s. w. teil 6, 719): da wolt ihr hinaus, lieben herren, ists nicht war: der heimliche ratschlag zu Mentz, da ich nicht bey sein kundt, der selbige leise tritt gieng auff dieser ban? Luther 30 II, 334
W.; wer seinem buch in der vorrede liebkoset, solt er auch diesen weg des selbstlobes mit noch so leisen tritten gehn, kann ... auf keine zunft kommen Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 67; mit leisen tritten schlich er (
Wallenstein) seinen bösen weg Schiller 12, 189
Göd.; nein, sie war und bleibt ein listig herz; sie wendet sich mit leisen klugen tritten nach der gunst Göthe I 10, 206
W. (
Tasso IV 3); so wandert er mit stillem tritt
Athenäum (1798) 2, 147; hier kommt das fräulein, sieh! mit leichtem tritt, der keine blume biegt Göthe I 9, 208
W.; die kunigin (
und ihre gesellschaft das) grüne gras mit senften tritten spacziren überschriten Arigo
decamerone 466, 8
lit. ver.; ich sehe es noch vor meinen alten augen, wie er mit schlankem tritt auf deinen urgroszvater zuging Storm
sämtl. schr. (1868) 4, 91; und, wenn ihr leichter schritt den rechten weg verliesz und mit verkchrtem tritt, verführt auf falscher bahn, begunnte hinzurennen Drollinger
ged. (1743) 111; kühne hoffnung und kleinmütige furcht eilten mit schmerzlichen tritten durch mein herz Cl. Brentano
Godwi (1801) 1, 138; vom ganzen walde bejauchzt, steigt jetzt mit segnenden der morgen von den gebirgen herab tritten Giseke
poet. w. (1767) 105. I@B@2@b@eε)
statt der präpositionalen fügung auch adverb. genetiv: immer fand ich sie unverändert freundlich, immer sicheren trittes fortgeschritten mit der zeit Laube
ges. schr. (1875
ff.) 1, 287; da näherte sich ihr leisen trittes ... eine im dunkel kaum erkennbare gestalt Holtei
erz. schr. 3, 23; er wandelte stillen trittes neben seinem Voss, ahnend, dasz man bald über seiner gruft sein lied lesen wird Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 41; nun, Hedewig, komm von der leiter züchtiges trittes herab, und küsse mich J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 249; um die zeit nahte sich Judas, in der priester versammlung zu gehn. vor ihm wandelten eilenden tritts, und Ithuriel her Satan Klopstock
Messias (1780) 99; den guten alten, der die steile treppe schwankenden tritts heruntereilend herabzustürzen drohte Göthe I 24, 153
W.; und behend entgegen mir den breiten sandweg, weichen trittes, schreitet er Mörike 1, 187
Göschen. I@B@2@b@zζ)
seltener ist attributiver genetiv bei tritt
zur inneren oder äuszeren kennzeichnung des gehens; im spätmhd. blümelnde formeln, entsinnlicht, zur umschreibung des grundwortes (
vgl. ähnl. ausgehöhlte formeln oben unter I B 1 c
β,
sp. 670
und I B 2 b
γ,
sp. 676),
eine bestimmte art und weise bezeichnend: daz er (
gott) noch bekerte Augustinum und lerte, wie er mit des gelouben trite uz aller valscheit zu im schrite und stunde in cristenlicher stat
passional 416, 27
Köpke; christenheit, ich mache sie daz sie zu dinen vuzen mit ungenomenen muzen und mit des gelouben triten komen und dich gnaden biten Heinrich v. Hesler
apokalypse 5689;
[] ir kumt da hin zu sture zumersten des gebetes trit, daz guter zungen gelit sprichet ane sunden rouch
passional 584, 35
Köpke; ir sult sprach er betouben alles ungelouben trit in rechter witze gelit vrolich pflanzen uwer leben
ebda 254, 4
Hahn; auch mit der jungfrau tritten ging er einher
Athenäum (1798) 3, 226; denn, vom locomotiv entführt in brausender eile, kennt sie die strasze nicht, auf der sie gekommen und die sie jetzt mit tritten des huhns zurück zu messen beschlossen Hebbel
w. 8, 330
Werner; wie sie sich ducken, scheuen blicks, im tritt der angst, dasz sie nicht ausgleiten in den lachen von blut Wilh. Weigand
d. renaissance (1904) 1, 60. I@B@2@cc) tritt '
das gehen, schreiten'
von menschen und tieren als gehörtes, erst seit dem 18.
jh. im sing. sich leicht berührend mit tritt
als '
gang',
wenn der tritt
in seinem rhythmus vom ohr als ein besonderer aufgenommen wird: die blinden in Genua kennen meinen tritt Schiller 3, 27
Göd.; der morgen kam; es scheuchten seine tritte den leisen schlaf, der mich gelind umpfing Göthe I 1, 3
W.; gegen das ende unseres aufenthalts weckte die dunkelheit in den leeren, einsamen, von unseren tritten widerhallenden gewölben, ... manches schaurige bild der vorzeit in seiner seele G. Forster
sämtl. schr. (1843) 3, 28; und leise will ich gehen, dasz dich nicht störe meiner tritte gang Th. Storm
ged. (1852) 26; der kies beim brunnen knirscht von harten tritten, das helle plätschern setzt auf einmal aus Carossa
ged. (1929) 95. tritte
ertönen, klingen, rauschen, schallen u. s. w.: ward nun in dem haus ein gehn und kommen auf und ab die stiegen, hin und wieder knarrten thüren, klapperten die tritte Göthe I 2, 100
W.; ich höre nun die leisen tritte rauschen, ich kenne nun den kreis, um den sie schlich
ebda I 10, 241
W. (
Tasso V 5); durch die zweige rauscht ein tritt A. v. Droste-Hülshoff
w. 3, 48
Schwering; auf leerer kanzel knackt ein tritt
w. (1879) 2, 134
Cotta; treten wir in tempelhallen, wo in düstrer einsamkeit dumpf die tritte widerschallen Uhland
ged. 1, 10
E. Schmidt-Hartmann; in der höhe ertönten tritte, welche von allen seiten widerhallten G. Keller
ges. w. 1, 124; da klang drauszen der tritt des andern und Ingo trat ein G. Freytag
ges. w. (1886
ff.) 8, 144.
so spricht man vom rauschen, schall u. s. w. der tritte: er (
der geist der alttestamentlichen schriften) ist ein natürlicher, freier, froher, kindlicher geist; er liebt solche hölen und knechtsuntersuchungen nicht. wenn sie nicht das rauschen seines tritts, als das kommen eines freundes, oder einer geliebten hören; sondern den tritt knechtisch ausmessen, austappen wollen, so werden sie ihn nicht kommen hören Herder 10, 146
Suphan; ich hör der tritte rauschen Pocci
lustiges komödienbüchl. 3 (1869) 229; er kömmt! ich hörs an deiner tritte klang Schiller 5, 100
Göd.; fast erschreckt vom düstern schweigen und des tritts verlornem schalle Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 20. tritte
werden gehört, vernommen u. s. w.: immer hofft ich deinen schritt zu hören, immer glaubt ich deinen tritt zu hören Göthe I 2, 99
W.; [] der greis mit ohr und aug die nacht durchbohrte, ob er den leisen tritt der zeiten hört Eichendorff
sämtl. w. (1864) 3, 584; doch musz ich immer in die ferne lauschen, ob ich deinen tritt nicht höre Bettine
d. Günderode (1840) 1, 43; keine menschenstimme, kein tritt, kein kindergeschrei, kein sensendengeln, nichts war zu hören H. Hesse
Narziss u. Goldmund (1930) 263; als sie wie wilde gänse fliehn, wenn sie des jägers leisen tritt erlauschen
Shakespeare 1, 230; alles war in ordnung, als die alte den tritt Marianens auf der treppe vernahm Göthe I 21, 4
W.; wenn aus dem wald, von stimmen oder tritten den schall mein lauschend ohr empfand
ebda I 5, 61
W.; mein ohr ... faszte ... der thiere fernen tritt im walde maler Müller
w. (1811) 1, 35; der späher, der Ägisthens tritten lauscht, gehorsam meinem wink!
M. Beer
sämtl. w. (1835) 18
Schenk. I@B@2@dd) tritt
als '
gleichschritt',
in der heeressprache, meist in festen formeln, auch auszerhalb des soldatischen bereichs und übertragen gebraucht. es verbinden sich in diesem begriff offenbar zwei verschiedene vorstellungen, von denen bald die eine, bald die andere das übergewicht haben kann: die einzelnen schritte sind regelmäszig, und: es haben alle marschierenden den gleichen tritt. wahrscheinlich enthält schon folgender frühe beleg die vorstellung des gleichen gehens: sus kam diu küneginne Isot daz vroliche morgenrot, und vuorte ir sunnen an ir hant, daz wunder von Irlant die liehten maget Isote; diu sleich ir morgenrote lise und stætecliche mite in einem spor, in einem trite Gottfrid
Tristan 10892
Ranke. es schnürt einem das herz ein, wenn man so einen haufen die gassen hinab marschiren sieht kerzengrad mit unverwandtem blick. ein tritt so viel ihrer sind Göthe I 8, 245
W.; schau diese richtung, diesen tritt (
der römischen legionen) Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 366; die officiere, welche seit jahren mit tritt und griff nur in ihren träumen zu thun gehabt hatten G. Freytag
ges. w. (1886
ff.) 13, 147; 'tritt
wird vielfach gleichbedeutend gebraucht mit gleichschritt
oder gleichtritt.
wenn man also sagt, eine truppe marschirt im tritt,
so heiszt das so viel als sie marschire im gleichschritt' W. Rüstow
militär. hwb. (1858) 2, 335.
ohne tritt: wird ihr (
der truppe) gestattet, den gleichtritt aufzugeben, so geschieht dies durch den ruf 'ohne tritt'
ebda 2, 335; der marsch wird ohne tritt und in bequemer ordnung ausgeführt
verordnung über d. ausbildg. d. truppen für den felddienst (1877) 53.
tritt halten: tritt halten
heiszt im gleichschritt bleiben Rüstow 2, 335; die soutientrupps vor den bataillonen brauchen nicht tritt zu halten Wilhelm I.
militär. schr. (1897) 1, 8.
dazu das tritthalten: ihr (
der Römer) soldatenschritt ist wohl nichts anders gewesen, als das tritthalten der gegenwärtigen infanterie v. Bülow
geist des neueren kriegssystems (1799) 221.
übertragen: Kleinknechts geist ist nicht feuervoll, hält aber festen und regelmäszigen tritt Schubart
ästhetik d. tonkunst 161. —
im sinne von '
so schnell gehen, laufen wie ein anderer' (
dafür auch: schritt halten mit jemandem): ich renne zu fusz hinein, und halte mit den rossen tritt Fouqué
altsächs. bildersaal (1818ff.) 2, 218.
tritt fassen: marschiert eine truppe nicht im tritt und soll in den gleichtritt fallen, so geschieht das auf das commando 'tritt gefaszt' Rüstow 2, 335.
aus dem tritt kommen: ich hörte so eben, dasz die Franzosen in der schlacht nicht aus dem schritt, die Preuszen jedoch nicht einmal aus dem tritt gekommen
[] seien. er wollte damit andeuten, wie vortrefflich unsere armee bei Jena und Auerstädt exercirt habe Immermann 18, 16
Hempel. falscher tritt: wenn einer beim marschieren aus dem tritt
gekommen ist, so hat er falschen tritt: und thut man auf der parade nur einen falschen tritt, so kommt der adjutante: schmeiszt den kerl aus dem glied Mittler
dtsche volksl. 876.
hierher gehört auch die reimende formel schritt und tritt;
belege dazu s. unter I B 3. I@B@33)
tritt und schritt. häufig erscheint schritt
als synonymer ausdruck neben tritt.
die ursache dafür liegt einmal in der engen inhaltlichen berührung (
vgl. die einleitung zu I B),
dann in dem gleichklang beider wörter (
über die möglichkeit einer lautlichen beeinflussung von tritt
durch schritt
s. unter herkunft und form).
das nebeneinander von tritt
und schritt
erstreckt sich über den ganzen bedeutungsbereich von tritt I B,
während gang
neben tritt
nur einen kleinen bezirk umfaszt (I B 2 b).
die durch die inhaltliche und vor allem lautliche ähnlichkeit hervorgerufene häufigkeit bewirkt, dasz die verbindung tritt und schritt (
anders als tritt und gang)
zur festen formel erstarrt: auf schritt und tritt, im gleichen schritt und tritt. tritt
und schritt
erscheinen entweder im endreim, oder als reimende wörter hintereinander, meist in der folge schritt: tritt,
bei Göthe
fast ausschlieszlich tritt und schritt.
auffällig ist, dasz die verbindung schritt: tritt,
sowohl im endreim wie als reimformel, erst seit dem frühnhd. geläufig wird; vor dem 17.
jh. kaum zu belegen. tritt
und schritt
im endreim (
weitere beispiele s. in den vorstehenden abschnitten): der knab nachfolget meinen schritten, langsam mit ungeleichen tritten Spreng
Äneis (1610) 39
b; die anmuth bildet jeden tritt: die munterkeit heiszt gang und schritt des thones eindruck schön beleben Hagedorn
vers. ein. ged. 19
Sauer; er lenkt den zügel, mit behendem tritt trägt ihn des leichten schimmels rascher schritt zum forste und den harrenden gesellen A. v. Droste-Hülshoff 3, 59
Schwering. tritt
und schritt
als häufung und doppelung nebeneinander. zu tritt I B 1: als ob er wäre mit kindes volk umb und umbgeben, könte keinen schritt oder tritt thun ohne gefahr lebens Moscherosch
insomnis cura parentum 15
ndr.; wenn einem früh morgens zum ersten schrit und trit aus dem hause ein priester, ein alt weib ... begegnet J. Prätorius
glückstopf (1669) 219; convention herrscht in allem, im ton der stimme, in der kleidung und geberde, in jedem schritt und tritt Herder 18, 54
Suphan; den feinden dichte finsternisse! und tritt und schritt ins ungewisse Göthe I 15, 276 (
Faust II)
W.; sah ich die starren, enggestuften felsbänke und zackenrippen wieder sich lösen, ... und war endlich der steten sorge um den nächsten schritt und tritt überhoben H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 175; gerade um sie herum ... lag immer das übrige deutsche wesen als ihr gegensatz, nämlich wie ein weicher, mooriger, unsicherer grund, auf dem jeder schritt und tritt des auslands 'eindruck' machte Nietzsche
w. 6, 531 (
wille zur macht 791)
Bäumler. zu I B 2: thu als ein junger herr in stellung, tritt und schritt
samml. von schausp. (1764) 1, 36;
besonders übertragen, zu I B 2 a
β: (
die mutter) gab sowohl bei tag und nacht auf meine schritte und tritte acht Kortum
jobsiade (1799) 1, 161; tritt und schritt musz ich wissen von meinen lieben, denn ich bilde mir ein, dasz euch von mir das all auch so werth ist; also danke, danke für die schildrung dein und deines lebens Göthe IV 2, 248
W. (
an Auguste v. Stolberg 1775); hier (
in der heimat) haben unsere schritte und tritte festen halt, die auf fremder erde leichter ausgleiten J. Grimm
kl. schr. 5, 480; schreibe mir jeden schritt und tritt von den
[] menschen, die mit dir sprechen Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 168;
religiös (
s. auch oben sp. 674): gott wird all deine tritt und schritt auf deinen wegen segnen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 403
a; alle tritt und schritt in gottes nam Fischer-Tümpel 1, 36; helfer, hilf mir, ach ich bitte heilige mir tritt und schritte Mittler
dtsche volksl. (1865) 767; begleite meinen tritt und schritt ich gehe aus, ich gehe ein, so lasz den segen bei mir sein Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 229. bei jedem (auf jedem) tritt und schritt, bei (auf) allen tritten und schritten,
übergang zur festen formel in der bedeutung '
immer', '
überall' (
s. oben I B 1 a
γ): denn da bei jedem tritt und schritt der zunder zu dem donner lieget Triller
poet. betracht. (1750) 1, 381; da der hohe rath zuvor bei jedem schritt und tritt unbehauene steine ... gefunden hatte v. Hippel
kreuz- u. querzüge (1793
f.) 1, 395; wie gelähmt ist der vormund durch die obervormundschaft bei jedem schritt und tritt, den er beabsichtigt Ihering
geist d. röm. rechts (1852
ff.) 2, 270; allwo ihm dreihundert römische soldaten ... bei allen schritt und tritten nachfolgeten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1626
b; liebe begleitete ihn auf allen schritten und tritten J.
M. Miller
pred. fürs landvolk (1776
ff.) 2, 272; und so muszt ich bis jetzt auf allen tritten und schritten schelten hören das volk Göthe I 1, 234
W.; wozu brauchen wir denn eine aufseherin auf jeden unsrer schritte und tritte? Ayrenhoff
w. (1814) 4, 137; auf jedem schritt und tritt schleichen sie ihm nach Kotzebue
sämtl. dram. w. (1828) 18, 82.
deutlich zum folgenden weist hinüber: sie passen mir zu arg im dorfe auf schritt und tritt W. Raabe
Horacker (1876) 40.
auf schritt und tritt, formelhaft, '
überall, immer'
; geläufig erst im 19.
jh.: deren bezaubernde erscheinung dich auf schritt und tritt umschwebt Holtei
erzähl. schr. 2, 164; und wo sie gehn und wo sie stehn, geht nun auf schritt und tritt lebendig, aber ungesehn der auferstandne mit Gerok
auf einsamen gängen20 151; werden wir auf schritt und tritt an Schleiermachers leben Jesu erinnert D.
F. Strausz
ges. schr. 3, 29 (
leben Jesu); begleitet meinen herrn auf schritt und tritt und bleibt ihm stets im rücken Hebbel
w. 4, 141
Werner; man musz die erstickende luft jener unseligen tage der heiligen allianz selber geatmet, man musz die gewaltigen der zeit auf schritt und tritt ihres nichtigen daseins verfolgt haben Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 336; da haben seit generationen wirte drauf gesessen, die ihre sache verstehen, das sieht man auf schritt und tritt W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 268; war es die gewiszheit, auf schritt und tritt belauert zu werden E. G. Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 183; begründet in meinem studium, das mich auf schritt und tritt auf diese metropole der deutschen kunst hinwies A. Hitler
mein kampf (1933) 138.
vereinzelt in der bedeutung '
unmittelbar, sofort' (
vgl. etwa auf dem fusze folgen): der mir, ..., auf schritt und tritt bis vor die stubentür gefolgt war
br. von u. an Herwegh 172
M. Herwegh; wobei man den der desertationslust verdächtigen soldaten auf den straszen und den wirtshäusern fast auf schritt und tritt folgen muszte Fr. Meinecke
generalf. v. Boyen 1, 17.
auch auf tritt und schritt: also folgen sieg und lorbern uns gewisz auf tritt und schritt Chr. O. v. Schönaich
Heinr. d. vogler (1757) 140; wie in diesen gegenden sich auf tritt und schritt noch die spuren der alten Römerzeit verraten Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 2, 17; wenn man dies auf tritt und schritt
[] nacherzählen und nachträumen will W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 287; dasselbe ... mitleid, das jetzt auf tritt und schritt mit ihr geht Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 213.
vereinzelt: und wenn sie lacht, lacht jeder mit und möcht ihr folgen schritt und tritt Pichler
marksteine (1890) 87.
soldatisch: (
vgl. oben I B 2 d) wodurch die zugordnung erhalten werden mag, geschieht durch vielerlei mittel ... dasz man im marschiren im schrit und trit gleichheit halte W. Dilich
kriegsbuch (1607) 254; so geht es fort in tritt und schritt wohl nach dem trommelschlag Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 3, 187; wir geben ihm das ehrengeleit ... aber im schritt und tritt um ihn her, wer soldat gewesen P. Dörfler
um das kommende geschlecht (1932) 326; er ging an meiner seite in gleichem schritt und tritt Uhland
ged. 1, 184
E. Schm.-Hartmann; das dazu vielleicht mehr heller sinn, nachdenken und freudigkeit gehörten, als heute mit hunderttausend andern in reih und glied in gleichem schritt und tritt zu marschiren W. Raabe
Horacker (1876) 133; es war immer derselbe monotone silbenfall, wie wenn die einzelnen worte soldaten ... wären, die in gleichmäszigem schritt und tritt vorbeimarschirten Spielhagen
w. 2, 339. nun gilt es zu marschieren in festem schritt und tritt Storm
w. (1899) 1, 102. I@B@44)
tritt und trott, reimende formel wie tritt und schritt,
nur vereinzelt: hört, hört ihr herdsäu, wie die hinder posaun so schön zum hauffen aufplaset, zu jedem ock und tritt und trott ein fürtzlein, horcha Fischart
Garg. 212
ndr.; nun halt an mit tritt und trott tripp und trapp um unsern pott Bürger
w. 1, 303
Bohtz. IIII.
verdinglicht bedeutet tritt,
in engem anschlusz an die tretbewegung, das worauf man tritt, womit man tritt, was als folge des trittes zurückbleibt. II@11)
das, worauf man tritt. II@1@aa)
etwas, worauf man treten kann, um sicher und ohne gefahr zu stehen und zu gehen: wir müssen dencken auff ein weg, ob schon erscheint kein trit noch steg W. Spangenberg
bei O. Dähnhardt
gr. dramen 2, 13
lit. ver.; ein junges mädchen ... kam auf ein brett zu stehen, das man dem hochwürdigen herrn, der feuchtigkeit wegen, unter die füsze gelegt hatte, ... mädle gang weg von dem tritt! der tritt iss net vor di do Kerner
bilderbuch (1849) 25; er befestigte ... ein stück von der zähen pisangrinde an beide füsze. es war just so lang, dasz es rings um den stamm reichte, und diente ihm (
beim hinaufklettern) als ein tritt oder fester punkt G. Forster
sämtl. schr. (1843) 1, 284; neben dem absatz, der für die nächste sekunde dem fusze bestimmt war, und hart neben dem tritte schosz jäh das gehänge zur tiefe H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 79; je enger der tritt, je freier der umkreis
ebda 537; da mit seltener ausnahme sichere tritte in reichlicher auswahl geboten waren
ebda 556. II@1@bb)
schemel, fuszbank, um die füsze darauf zu setzen: scamnum eine banck ein tritt Rheyer
thesaurus (1668) 3, 1314; dann wird er eines tritts oder schemels gewahr Harsdörffer
teutsche secretarius (1656) 2, 580; den augenblick erhube sich der bogen, der erst ein tritt der füsze gottes war: mit diesem ward der tempel zugezogen, da hüllte sich die heilge wächter schaar Zinzendorff
kl. schr. (1740) 22; der erdpol ist sein (
gottes) niedriger tritt: himmel seid ihr sein stuhl, und durchs unendliche reicht sein haupt Herder 29, 272
Suphan; tritt
am tisch (
vgl. tischtritte
scabelli da tavola M. Kramer 2 [1702] 1133
c):
[] und seht, wie die kaz auf dem tritte des tisches schnurrt, und das pfötchen sich leckt J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 276. II@1@cc)
etwas über dem boden erhöhtes, '
stufe'. tritt
am fenster, ein erhöhter platz vor dem fenster (
in manchen gegenden sagt man dafür auch thron): tritt '
dasjenige worauf man tritt. so führt z. b. eine kleine erhöhung am fenster über den fuszboden diesen namen' Voigtel
wb. (1793) 3, 424
a; wo wir kinder auch wieder eingeladen waren und alle auf dem groszen tritt, der im fenster steht, saszen K. Förster
biogr. u. literar. skizzen 351; in der schönen wohnung, ..., saszen Dorette und Lorette am fenster auf einem tritt K. Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 3, 87; am offenen fenster zu sitzen, wo Lene für einen tritt gesorgt hatte Fontane
ges. w. I 5, 247;
ähnlich am ofen: sobald er nur aus der schule kam, wurden schiefertafel und lineal auf den tritt hinter den ofen gestellt Auerbach
ges. schr. (1864) 1, 226.
vgl. ferner: der um das schwarze brett herumgehende tritt ist manchmal ganz mit jungen musensöhnen besetzt J. U. Fr. Ulrich
bemerkungen eines reisenden (1779) 1, 38. tritt,
stufen des aufgangs zu einem hause Damköhler
Nordharzer wb. 196
b;
vgl. auch stufe vor einer hausthüre Schmeller-Fr. 1, 680.
stufe, staffel einer treppe oder leiter, vgl. gradus ein seigel, tritt, oder staffel J. Frisius (1556) 607
b;
grad ein tritt, staffel an einer stiegen Heupold
dict. (1620) 194;
gradus treppe (tritt oder staffel) Zehner
nomencl. (1645) 396;
gradus die stuffe, ein tritt Spanutius (1720) 263; der tritt
so viel wie trittstufe Schönermark-Stüber
hochbaulex. 849: er lag ain kleine weil darnider, zehant stund er auff wieder und pelaib auff dem sechsten drit Heinr. v. Neustadt
Apollonius v. Tyrland 12821
Singer; vgl. ebda 8214; das ... die taufsteine ... an eim gelegenen ehrlichen ort, und ein tritt oder zween in die höhe gesetzt werden sollen
kirchenordn. Julii hertzogen zu Braunschweig u. Lüneburg (1569) 56; an einer ecken dieses hofes war ein hültzene stiegen, mit schönen und grossen staffeln oder tritten Niclas Nicolai
schiffart und reisz in die Türkei (1572) 4
a; wie ein blinder, der ... mit seinem stabe, alle und jede tritte berühret Butschky
Pathmos (1677) 272; und im übermuth baute er eine treppe ... aus seinen käsen und die käse legte er aus mit butter und wusch die tritte sauber mit milch Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 77; eine jener steinernen schneckenstiegen, deren tritte uns jetzt, ..., so hoch und beschwerlich vorkommen G. Keller
ges. w. 6, 41; emsig wurde tritt um tritt in die glatte ... fläche gestoszen H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 325;
dialektisch wird das demin. trittel (
s. d.)
zur bezeichnung der treppenstufe gebraucht, vgl. Lexer
kärntn. 71.
stufe an altar und thron: nur ein frommer schauer darf der altäre tritt besteigen Chr. O. v. Schönaich
Heinr. d. vogler (1757) 95; dieser sasz auf einem erhabenen thron, und zu seiner seite ... die kaiserin Agrippina: bei der ihre beide stieftöchter ... auf dem untersten tritte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 809.
hierher auch das kreuz als erhöhung: daz manic groze tugent moste sin an uns, solde wir komen dar in und die gnade verdienen mite die Crist uns an sins cruces trite brachte von suzem willen Heinr. v. Hesler
apokatypse 8684
Helm. tritt
als eine mehrzahl von stufen, '
treppe', '
stiege',
seltener (
auch bei treppe
beide bedeutungen, aber die letztere überwiegend. s. unter treppe): 'tritt
heiszet man eigentlich eine kleine erhöhung über den ordentlichen boden, darauf man mit den füszen zu treten pfleget, um etwas aus der höhe herunterzulangen, und bestehet dieser in 2, 3
oder mehr stufen'
allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 546; tritt,
staffelei, um aufwärts zu treten oder zu steigen Sartorius
ma. d. st. Würzburg 127; Scapin (steigt auf einen tritt mit stufen) Göthe I 12, 135
W.; da sahe ich auf dem tritt zur oberstuben eine dirne stehen Storm
sämtl. schr. (1868) 12, 27;
[] auf dem Eichsfeld bedeutet štaintret, tretštain '
steintreppe',
vgl. Hentrich 64.
vereinzelt bedeutet tritt
stufe im übertragenen sinne, '
rang': (
Homer, Pindar u. s. w.) die bei ausschmükkung ihrer vorgenommenen händel auf den trit gerahten, der in der sprache der höhest Schottel
haubtsprache (1663) 1257; de pawes baven de papen, de keiser baven vorsten unde knappen ... ein iewelik na syneme trede Schiller-Lübben 4, 608. II@1@dd) tritt
am wagen '
trittbrett' (
s. trittbrett 3): zum himel, rück doch besser rahn, das ich den tritt erreichen kan Ringwaldt
christl. warnung (1588) k 7
a; als der wagen hielt, und der bediente die thüre aufmachte, und den tritt herunterzog Fr. A. Schulze
historien (1809) 2, 31; sie liegt im wagen, fest eingeschlafen, antwortete der kutscher, der vom bocke gestiegen war, den tritt herabzulassen Spielhagen 1, 454; der erste versuch miszlang, der mann kam zurück, wies auf einen kleinen tritt und zeigte wie man die füsze zu setzen habe, um über das grosze rad, über ein riesenrad hinweg auf den wagensitz zu gelangen K. B. v. Mechow
vorsommer (1933) 92; auszen sind (
bei den neuen durchgangswagen) unterhalb der fenster griffe und tritte angebracht
tägl. rundschau (1901)
nr. 317, 3.
teil, 2
a;
als platz für die bedienten: karossen rasseln jetzt heran, und miethlakayen springen von den tritten Schiller 6, 30
Göd. II@1@ee)
als unterer teil des '
steigbügels', (
medicinischer fachausdruck für einen knochen im ohr): er wird eingeteilt in den kopf, die schenkel und den tritt Sömmerring
vom baue d. menschl. körpers (1839
ff.) 5, 842,
vgl. trittband. II@1@ff)
überhaupt nennt man tritt
eine vorrichtung, die dazu dient, irgendwohin zu reichen oder zu gelangen: unten tragen sie (
die sprunggestelle) einen tritt (knagge), um das auflegen der schnur zu ermöglichen Kregenow u. Samel
gerätekunde (1905) 83; er schwang sich in sattels mitte, der grabstein diente zum tritte L. Uhland
ged. 1, 25
E. Schm.-Hartmann. II@1@gg) tritt
als '
trittbrett'
an maschinen. am häufigsten beim webstuhl (
vgl. auch trittbrett 4): mit dreyerley farb oder mit dreyen tritten oder schämlen gwäben, als trilch Frisius (1556) 1330
b; tritte
am weberstuhl M. Kramer 2 (1702) 1133
c; der weberstuhl aber mit seiner zubehör (
bestehet) aus den kamm, galgen, tritt, gewicht der rollen Marperger
beschreib. des hanffs u. flachs (1710) 187; tritt '
jeder im untern gestell eines handwirkstuhles liegende fusztritthebel' Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 7, 727; es wird ... zur herstellung des fünfbündigen köpers ein webstuhl mit fünf tritten gebraucht Karmarsch-Heeren (1876
ff.) 10, 463.
an sonstigen maschinen: tritt
an einer drehbank, schleifstein M. Kramer 2 (1702) 1133
c; welche (
schleifmaschine) ... mit einem groszen rade und langem tritte ... gebaut war Lose
schattenrisse (1783) 3, 139;
chorda, nervus, insubulum, insile der bogen, die senne und der tritt einer drechselbank Pomey (1720) 846;
bei der orgel: es ist nun die unterlage zu machen, auf welcher die tritte oder hebel ihren stützpunkt haben G. Töpfer
orgelbaukunst (1855) 769; wird der fusz an dem tritte weggenommen, so steigt das stück g ... in die höhe
ebda 509. tritt '
heiszt bei den radlern ein pedal, worauf der stämper den fusz setzt' Blumhof (1817) 4, 374.
verkürzt für tritteisen (
s. dieses): hilfft ein nachbar dem andern seine fallen, tridte, und schneisen anordnen und fertigen Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 253. II@22)
das, womit man tritt, '
fusz, fuszsohle', '
bein'
; im einzelnen falle ist nicht immer mit sicherheit zu entscheiden, ob es sich um '
schritt', '
spur'
oder um '
fusz'
handelt. bei tieren: der elephas ... wenn er einen menschen erspüret, ... dritt ... nit uff das erdtreich da der mensch gegangen, sondern reiszt den dritt usz dem boden H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 42; (
die elephanten) seind ... mit auffgehebten dritten (
libratis vestigiis) gegangen
[] ebda 41;
in der jägersprache: griffe, krallen oder fänge bei raubvögeln, tritte bei kurzbeinigem, ständer bei langbeinigem geflügel Bornemann
humor. jagdged. (1855) 190; 'tritte
nennt man an einigen orten die beine des hühnerartigen wildes, der tauben und der singgögel' Hartig
lex. f. jäger (1861) 551.
seltener vom menschen: Wildhelm die buochstaben in irm hertzen guldin sin geveltzet, da von schin get durch alle triwe lit von der schaitel an den trit Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Öst. 12780; so neigt euch dann vor ihr, beküsset ihren tritt S. v. Birken
lorbeerhayn (1657) 91; fünf dunkelgraue docken strichen um seine tritte Göthe I 37, 75
W.; laszt mir solange ruh, ihr unterirdschen die nach dem blut ihr, das von meinen tritten hernieder träufelnd meinen pfad bezeichnet, wie loszgelassne hunde spürend hetzt
ebda I 10, 27
W. '
schuh' (
vgl. trittchen
und trittling): in der Schweiz heiszen die schuhe tritt oder trittling Imme
soldatensprache 113. II@33)
das, was als folge und wirkung des trittes zurückbleibt. II@3@aa)
fuszspur, spur, fährte. eigentlich. die spur, die der tritt des menschen oder der tiere (
fährte)
im boden hinterläszt: vestigium fuszstapff, tritt Frischlin
nomencl. (1591) 279; man sahe im tempel die tritte (fusztritte) der männer, weiber und kinder Kramer 2 (1702) 1133
c; da sahen sye die tritt die sant Michahel getretten het in den stain
der heiligen leben in dem winterteil (1471) 1
a; er ist da gangen hin und wieder, dasz seh ich an sein tritten wol J. Ayrer
dramen 49
lit. ver.; durch die allee wo alle deine tritte in den kies geprägt ... waren Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 3;
redensart jemandem auf dem tritt folgen
u. ähnlich, '
jemandem auf dem fusz folgen' (
s. unter fusz
teil 4, 1, 983):
vestigia alicuius comitare einsi tritt nachgon, eim nachvolgen Frisius (1556) 255
b;
legere vestigia einsi tritt nahvolgen, eim auff dem fusz nachgon
ebda 162
a;
persequi aliquem vestigiis ipsius einsi fuszpfad gerad nachgon, gerad in seine tritt trätten ... einem auf den fusz nahfaren
ebda 1370
a; einem auf dem tritt folgen
sequi alicuius vestigia Steinbach (1734) 2, 848; geh hin und nimm das essen mit, ... ich will dir volgen auff dem tritt
N. Frischlin
dtsche dichtungen 99
lit. ver.; übertragen, vor allem in dem sinne '
jemandes beispiel folgen', '
in jemandes fuszstapfen treten' (
s. unter treten II C 1 b): swer ûf der wâren minne trit wil eben setzen sînen fuoz, daz er benamen hœren muoz sagen unde singen von herzeclichen dingen Konrad v. Würzb.
herzmœre 10
E. Schröder; du folgtest bald wie ein lamm, wie eine braut dem bräutigam, und tratst in seine tritte Angelus Silesius
seelenlust 183
ndr.; mensch wiltu ewiglich beim lämlein gottes stehn, so mustu schon allhier in seinen tritten gehn
cherub. wandersmann 27
ndr.; und jeder tritt soll uns heilig sein, wo sie (
die philosophie) gewandelt Herder 17, 249
Suphan; Abt trat, mit mehrerer kühnheit, aber nicht mit mehrerem glück in Lessings tritte
ebda 15, 496; die später bewundernden enkel reitzen, die bahn der ehre in euern tritten zu laufen Wieland
w. (1794) 16, 70
Göschen; so laufen wir nach dem, was vor uns flieht, und achten nicht des weges, den wir treten, und sehen neben uns der ahnherrn tritte und ihres erdenlebens spuren kaum Göthe I 10, 31.
von tieren, '
fuszspur', '
fährte': bei den tritten schmöcken oder gespüren, dem gespor nach empfinden Frisius (1556) 910
a; hirschfahrt oder tritt Pomey (1720) 43; eine fehrte ist eine spuhr oder tritt, da ein wildt thier im erdboden
[] getretten, dasz man es erkennen kan J. Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. (1682) 1, 11; tritt, über dieses vorzügliche unterscheidungszeichen der hirschfährte siehe beitritt, blenden-, kreuz- und schlosztritt Behlen
forst- u. jagdkunde 6, 91; swie kleine er (
der hirsch) machte sine trit, sinen wolten (
die hunde) nicht vermissen
kl. mhd. erzählungen 3, 192
Rosenhagen; steubeten und spüreten unerschrocken alle tritt und spuren ausz, das wild wer inns holtz oder herausz gangen Fischart
Gargantua 361
ndr.; so ein pfärdt getretten hat ein tritt eins wolfen (
auf die spur eines wolfes getreten ist), so erstarret oder erstaunet er (
der hengst) und ein muterpfärdt entwirfft Herold-Forer
thierbuch (1563) 137; die falten und runtzeln zwischen den klawen und fersen sollen sich im tritt sehen lassen
new. jägerbuch (1590) 66
a; aus den tritten oder der spur urtheilet man von dem wildpret Harsdörffer
frauenzimmergesprächsp. (1641) 5, 148; die fehrte derer luxe ist formiret wie der tritt von einer katze Döbel
jägerpractica (1754) 1, 34; noch war der tritt des rosses im felsen zu sehen A. v. Arnim 7, 168
Grimm; jäger verliert wohl fährte flüchtig niedern wildes, nicht die tritte des schönsten rehs im tann Fouqué
held d. nordens (1810) 3, 73; zierlich ist des vogels tritt im schnee Mörike
w. 1, 33
Göschen. bildlich als '
spuren', '
folgen einer handlung',
vereinzelt: nichts denn ein rechtloser meerräuber, welcher an allen seeküsten ... jederzeit die tritte seiner rauberei hinterlassen Krämer (1681)
leben und tapffere thaten (1681) 64. II@3@bb)
fuszverletzung beim pferde als folge eines trittes: wann sich ein gaul getretten hat, so nimm ein gebähetes rockenbrot ... und binde es ... über den tritt Tabernämontanus
kräuterbuch (1687) 596; hat sich ein pferd an einem stumpf gestochen, so mach ihm den tritt sauber Seuter
hippiatria (1599) 342; die salb ist auch gut zu den hornklufften, tritten und sohlenziehen
ebda 371; wann sich ein rosz selbs getretten hette: so schneid den tritt auff Seuter
ebda 344; welches rosz den tritt hat, dem soll man ein wenig mit werck darauffbinden
M. Böhme
roszartzney (1618) 55; eine köstliche salbe zum tritt vor schadhafftige pferde J. Walther
pferde- und viehzucht (1658) 117 (
s. unten trittsalbe); ob ein rosz einen nagel oder dorn im fusze hat, oder tritte, oder sonst von was sachen der fusz voll eiter wäre, so nim
schles. wirthschafftsbuch (1712) 438;
mundartlich: (
das pferd) dat sik myt deme vote uth der aderen tredt ... so karve den tredt ut unde schudde der yn stotten swevel. deme (
pferd, das vernagelt ist) schal man utbrennen alze eyneme trede Schiller-Lübben
mnd. wb. 4. 608;
vgl. Schmeller-Fr. 1, 680; Fischer 2, 392. IIIIII.
zusammensetzungen. III@11)
in gröszerem umfange begegnen zusammensetzungen mit tritt
als erstem bestandteil erst seit dem 19.
jh., meist aus dem gebiete der technik. mhd. ist tritstuol (
s. trittstuhl);
aus dem 16.
und 17.
jh. vereinzelte formen: trittblech (1682), -brett, -holz (1587), trittkolben (1605), trittlein (1543), trittreim, trittsalbe (
s. diese unten an alphabetischer stelle).
der zweite bestandteil ist in den weitaus meisten fällen ein substantiv. adjektiv als zweiter bestandteil in trittartig (
s. d.)
und trittfest (
s. d.).
der bedeutung nach schlieszen sich die zusammensetzungen sowohl an tritt '
das treten', '
die tretbewegung von oben nach unten' (I A 1)
wie an tritt II (
konkretisierungen)
an. zusammensetzungen mit tritt I B, '
schritt',
sind nicht nachzuweisen. zu tritt I A 1
gehören z. b. trittbank, -bewegung, -bohle, -fest, -hebel, -reim, -spur, -stufe (
s. diese an alphabet. stelle).
eine reihe von zusammensetzungen aus dem gebiet der maschinen läszt sich ebenso mit tritt I A 1
in beziehung bringen wie mit tritt II 1 g '
trittbrett',
da beide bedeutungen sich sehr eng berühren. ein tritthammer
z. b. kann aufgefaszt werden als ein durch '
treten'
oder durch ein '
trittbrett' (tritt II 1 g)
bewegter hammer. vgl. weiter tritteisen,
[] -gebläse, -leiter, -mühle, -rad, -stuhl
u. a. zu tritt II 1 c '
stufe'
gehören trittartig, -oberkante, -ofen;
zu tritt II 3 b trittsalbe (
s. diese).
neben einer reihe von zusammensetzungen mit tritt
stehen solche mit tret(e)
von treten: tret-, trittbrett; tret-, trittbrief; tret-, tritteisen; tret-, trittmühle; tret-, trittrad; tret-, trittstuhl; tret-, trittvogel; tret-, trittvorrichtung.
in der bedeutung gehen beide formen teils zusammen, teils auseinander; vgl. die einzelnen wörter an alphabet. stelle. III@22)
eine besondere gruppe bilden die aus dem gebiet der maschinen, bes. aus der weberei, stammenden zusammensetzungen, die meist der neueren zeit angehören, z. b.