zwiebel,
m. und f. ,
cepa. herkunft und form. lehnwort aus dem romanischen, spez. dem italien., vgl. Frings
Germ. Romana (1932) 92; Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 1, 198.
lat. cēpula (
in den glossen cepulla, cepolla, cipulla, cibulla, cibula,
s. thes. l. lat. 3, 846), caepul(l)a;
ital. cipolla,
provenc. cebolla,
span. cebolla,
port. cebola. cepulla
ist demin. zu lat. cepe (
indekl. und n.), cepa,
f. (
in den glossen auch cipa, civa, cyba
bei Goetz
corp. gloss. lat. 1, 200),
das noch nicht befriedigend erklärt ist, wohl entlehnung aus unbekannter quelle, östliches handelswort? verglichen wird κάπια. τά σκόροδα.
Κερυνῆται Hesych;
ein griech. *κήπη ist nicht bezeugt, s. Ernout-Meillet
dict. étym.2 176; Walde-Hofmann
lat. etym. wb. 1, 201.
seit den ahd. glossen in vielfältig wechselnden formen belegt (
s. unten). ci-
wird durch -w-
erweitert, vielleicht in anlehnung an zusammensetzungen mit zwi-
durch frühe volksetymolog. umdeutung des fremdworts als ein compositum aus zwi-
und bolle,
m. und f., '
runder körper',
die dann zugleich den gebrauch auch als masc. (
s. u.)
gegenüber dem roman. femin. nach sich gezogen haben könnte, s. bei Marzell
a. a. o.; Lessiak
z. gesch. d. dt. kons. (1933) 206
anm. 1,
sowie oben s. v. ziebel teil 15, 891
f. -b-
im anlaut der zweiten silbe ist wahrscheinlich aus einer romanischen dialektform eingeführt; mit mehrfacher entlehnung und kreuzung musz gerechnet werden; die verbreitung der -p-, -b-
und -f-
formen läszt im wesentlichen drei wortgeographisch abzugrenzende hauptgebiete heraustreten (
s. u.),
im ostmd. kolonialgebiet durchkreuzen und überlagern sich die verschiedenen formen besonders bunt, vgl. Moser in:
Paul-Braunes beitr. 37 (1912) 137; Lessiak
a. a. o. 206
ff.; Marzell 1, 199;
über die verteilung gegenüber lauch
und ünne
in den Rheinlanden vgl. Aubin-Frings-Müller
kulturström. u. kulturprov. (1926) 32.
für das nd. und nl. sind die -p(p)-
formen ohne die -w-
erweiterung bezeichnend, vgl. mnd. sipele Schiller-Lübben 4, 215; cypolle, sipolle, sypolle
Gothaer mnd. arzneibuch 229
Norrbom, nd. zip(p)el
und ziepel (
z. b. Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 760;
ostfries. Stürenburg 338
a;
auch nordthür.: M. Schultze
id. d. nordthür. ma. 47);
westf. ssîpel, zîpel Woeste-Nörrenberg 237, 330;
mnl. cipel, sipel (chibolle); zipolla
auch für St. Gallen verzeichnet, vgl. Wartmann St. Gallischer volksbot. (1874) 9;
ndl. siepel;
vom nd. in die nordischen sprachen (
die daneben laukr, løg '
lauch'
haben)
entlehnt, vgl. altdän. cipul (13.
jh.; neudän. svibel
vom nhd. entlehnt, s. Falk-Torp 2, 1215),
mschwed. sipul (15.
jh.),
daher finnisch sipuli;
näheres s. unter ziebel (
teil 15,
sp. 891)
und bei Lessiak
a. a. o. 206. zwipel
und zwippel
begegnen insbesondere in angrenzenden md. gebieten, z. t. in konkurrenz mit zwibel-
und zwifel-
formen: czwippeln
Marienb. ämterbuch 23
Zies.; czwypollen (1422
Danzig)
s. u. 1; zwippel Luther 7, 559
W.; zwippelsaft Mathesius
Sarepta (1571) 144;
schles. tswipl Jungandreas
schles. zeitwortbild. 104;
nordböhm. zwippel Frz. Tschernich
dtsche volksn. d. pflanz. (1897) 10;
an der Rhön zwüppel Schmeller-Fr. 2, 1174; zwippoln
ahd. gloss. 3, 536, 43 (
Wien. hs. d. 13.
jh.); 537, 51 (
Wien. hs. d. 13.
jh.)
u. ö.; zwipolle 3, 551, 26 (
München. u. Innsbr. hss. d. 14.
jh.)
weist Lessiak
a. a. o. 208
ins nordoberfrk., ostmd., ostfrk. sprachgebiet; vgl. noch czwippolle, zwippull (14.
jh. md.) Diefenbach
gloss. 113
b.
die alemann. maa. haben zi-
im anlaut und -b-,
vgl. ziebel;
vereinzelt steht hier: ascalonia ein gattung zwybels Frisius
dict. (1556) 124
a. zwiefel
zeigt das bair.-österr.: bair. zwiuolle
ahd. gloss. 3, 579, 9 (
Wien. hs. d. 12.
jh.); 4, 214, 17 (
Vorauer hs. d. 12.
jh.); zwifullen
bei Diemer
dtsche ged. aus d. 11./12.
jh. aus d. Vorauer hs. 43; Pinicianus
prompt. (
Augsb. 1521)
bei Diefenbach
gloss. 113
b; zwifel Aventin
bayr. chron. 1, 732
Lexer; zwiflacker (17.
jh.)
österr. weist. 5, 124; zwifelfisch (17.
jh.) Schmeller-Fr.
bair. 2, 1174; zwiffel J. J. Schwabe
tintenfäszl (
Kufstein 1745) a 6
a; zwifl, zwiffel Stranitzky
lust. reyszbeschr. 23
Werner; zwiefel Nestroy
ges. w. (1890) 2, 82; zwifel Schmeller-Fr.
bair. 2, 1174; Hügel
Wien 201
b; Schöpf
tirol. 834; Lexer
kärnt. 268; zwiefel Stieler
ged. 1, 33
Reclam; tswīvols Tschinkel
Gottschee 112; zwiefel
auch im ostschwäb., s. Seutter
hippiatria (
Augsb. 1588) 17; Fischer 6, 1446;
im thür. Hertel 267;
s. Heinse
Ardinghello (1794) 2, 173; Regel
Ruhla 292;
im obersächs., vgl. Müller-Fraureuth 2, 720;
ferner Wenisch
wortschatz der nordwestb. ma. 98
a; zwifl Schiepek
Egerl. ma. 289;
im ostfränk., vgl. mit zwifelen
städtechron. 2, 316 (
Nürnberg 15.
jh.); zwyffel
voc. theut. (
Nürnberg 1482) qq 6
b; Hans Sachs 21, 169
K.-G.; C. Huberinus
hauszucht (
Nürnberg 1553) 132
b;
unterfränk. Ruckert 200;
mainfränk. zwiefeln (1772) Göthe IV 2, 38; Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 459.
vereinzelt im ostpr., s. Frischbier 2, 495.
bemerkenswert die form zwifal,
seit den ahd. gloss.: czwisal (
d. i. czwifal) 3, 108, 48 (
München. hs. d. 15.
jh.); zwival Konr. v. Megenberg
buch d. nat. 256; 388; 418
Pf.; zwifal (1429), czwyfal (15.
jh.)
bei Schmeller-Fr.
bair. 2, 1174; zwifal (15.
jh. md. u. obd.) Diefenbach
gloss. 113
b; czwifal(l) (1432)
nov. gloss. 85
a;
s. auch zwifalgarten (1414)
sp. 1136, czwiffalsupp (1429)
unten sp. 1140. zwiebel, zwiewel
herrscht im nördlichen Schwaben, im westl. und nördl. Ostfranken und Rheinfranken bis in die Pfalz (
z. t. neben zibel),
im moselfränkischen und in teilen des ripuarischen, sowie im siebenbürgischen (
vgl. Lessiak 207):
in ahd. gloss. (
nach Lessiak
a. a. o. aus dem ost-und südrheinfrk.) zvibolla 3, 228, 43 (
München. hs. d. 12.
jh.); 3, 108, 47 (
München. hs. d. 13.
jh.); zwibollo 3, 228, 44 (
Regensburg. hs. d. 12.
jh.); zwibolle 3, 551, 27 (
Regensburg. hs. d. 14.
jh.); zwibolle Hugo v. Trimberg
renner 9834
Ehr.; zwibel (1434)
archiv Schwarzenberg in Mittelfranken bei Lexer
mhd. 3, 1212; zwibel
und zwebel
in md. vocc. des 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 113
b;
nomencl. rer. domestic. (
Nürnberg 1530)
ebda. seit dem 16.
jh. wird zwibel, zwiebel
die schriftsprachliche form, bei Luther: zwibeln 33, 41
W.; 4. Mos. 11, 5 (
neben zwibbel 37, 434
W. und zwippel
s. o. sowie vereinzelt zuppel 7, 559, 12
W.).
die formen mit -w-
erstrecken sich in einem breiten streifen über das nordschwäb., fast das ganze westmd. und das obersächs., vgl. Fischart
Gargantua 48
ndr.; Niebergall
dram. w. (1894) 253; Fischer
schwäb. 6, 1446; Autenrieth
pfälz. 157; J. Nieszen
rhein. volksbotan. (1936) 176; Schön
Saarbrücken 236; Christa
Trier 226; Crecelius
oberhess. 940; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 720.
siebenbürgisch: zwaibel
M. Schuster
pflanzenn. in: korr.-bl. d. ver. f. siebenbürg. landeskde 26 (1903) 28; zwibbel, zwiwwel Kisch
vgl. wb. d. Nösner u. moselfrk. ma. 255
b.
rundung des -i-
zu -ü-
begegnet häufiger im alemann.: zübellen (
Schwarzwald 13.
jh.)
dtsche pred. d. 13.
jh. 2 (1846) 123
Grieshaber; der zwúbel Österreicher
Columella 2, 259
lit. ver.; zübel Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 53
c; zübeln Fries
spiegel d. arznei (1518) 40
a; zübeln Ziegler
büchl. v. d. leib (1525) a 2
a; zübel
Zimmer. chron. 2, 604
B.; zwüblen Münster
cosmogr. (1550) 213; H. Salat 34
Bächtold; züblen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 18
b;
vgl. Stucki
Jaun 116;
sonst z. b. zubullo
ahd. gloss. 3, 487, 7 (
Wiener hs. d. 11.
jh.); die guten zwüfel Lindener
katzipori 67
lit. ver.; zwüppel
an der Rhön Schmeller-Fr. 2, 1174.
vereinzelt bleiben zwobel (1468) Joh. Wolff
beichtbüchlein 8
Batt.; zwobeln
hortus sanitatis german. (
Mainz 1485) 103; zwobel (
voc. rer. 15.
jh. md.) Diefenbach
gloss. 113
b und zwufel (
beleg v. j. 1528)
württ. vierteljahrsh. n. f. 12, 144.
das geschlecht schwankt seit alters zwischen masc. und fem., sogar beim gleichen verfasser, vgl. z. b. Konrad v. Megenberg: von dem zwival
buch d. nat. 388
Pf., aber ebda der zwival smack 418, Lohenstein: versetzung des zwiebel
lebenslauff a 6
a und eine verfaulte zwibel
Arminius (1689) 2, 430
b.
auch in nd. wie hd. mundarten stehen beide geschlechter nebeneinander, vgl. Mensing
schlesw.-holst. 5, 760, Martin-Lienhart
elsäss. 2, 890
a,
sowie die zwifel
fem. Loritza
id. Viennense (1847) 150
b gegen der zwiefl
masc. Hügel
Wien (1873) 201
b und Jakob
Wien 323
a,
vgl. ferner das schwanken in Nürnberg (
s. u. die belege)
und das gegeneinander von siebenbürg. masc. gegenüber moselfränk. fem. Kisch
vgl. wb. (1905) 255
b.
die grammatiker u. lexikogr. der hochsprache schwanken noch bis zu beginn des 19.
jh. in der ansetzung des geschlechts. zwiebel
als fem. buchen: Schottel
haubtspr. (
Braunschweig 1663) 1450; Stieler
stammb. (
Nürnberg 1691) 2661; Ludwig
teutschengl. (
Leipzig 1716) 2666; Steinbach (
Breslau 1734) 2, 1131; Adelung 5 (
Leipzig 1786) 470
f.; Campe 5 (
Braunschweig 1811) 969;
als masc. Kramer
teutsch-ital. 2 (
Nürnberg 1702) 1494
c und der von Adelung
abhängige H. Braun
wb. (
München 1793) 320
b.
die belege lassen bis zum 19.
jh. von einem überwiegen des fem. in Norddeutschland, des masc. in Süddeutschland sprechen. aus dieser unsicherheit des grammatischen geschlechts erklärt sich wohl vereinzeltes neutr.: dises zwobel
hortus sanitatis (1487).
das femin. ist seit beginn der überlieferung im obd. und md. belegt: zwibolla (
hs. München 12.
jh.)
ahd. gl. 3, 108, 47
St.-S., vgl. cibolla, cibola (
Einsiedeln 12.
jh., Trier, Prag, Darmstadt 13.
jh.)
ebda; zvibolla (
München 12.
jh.)
ebda 3, 228, 47,
vgl. zibolla (
Wien 13.
jh.)
ebda; Konrad v. Megenberg
s. o.; der lauch, die zwifel
erste dtsche bibel 4, 43
Kurr.; der auszwachsenden zwibel eine Dürer
tageb. 71
L.; von der zwybel Eppendorf
Plinius (
Straszburg 1543) 92; die zwiefel Mathesius
Sarepta (1571) 35
a; mit einer zwybeln Kirchhof
wendunmuth 1, 146
Ö.; eine vielhäutige zwifel Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 267; eine zwiebel Schupp
schr. (1663) 57; Lohenstein
a. a. o.; eine zwibel Brockes
ird. vergn. (1721) 4, 169; 4, 372; J. Möser
s. w. 1, 445
Abeken; aus ihrer zwiebel Gellert
s. schr. (1839) 7, 18; eine ägyptische zwiefel Heinse
s. w. 7, 198
Schüdd.; manche zwiebel Göthe I 40, 269
W.; IV 14, 31; wie eine zwiebel Wieland
s. w. (1853) 10, 200; von einer getrockneten zwiebel Voss
Odyssee 354
B. mit dem beginn des 19.
jh. hat sich das fem. hochsprachlich überall durchgesetzt. in den mundarten (
in seinen verschiedenen formen)
als fem. verzeichnet, fürs nd. bei Frischbier
preusz. wb. 2, 495
a; Bernd
Posen (1820) 366; Mensing
schlesw.-holst. 5, 760; Schambach
Göttingen 308; Woeste
westf. 237; 330,
fürs md. bei Rother
schles. sprichw. 282
a; Albrecht
Leipzig 243; Jecht
Mansfeld 128; Hertel
Thür. 267; Ruckert
unterfränk. 200; Hofmann
niederhess. 273; Crecelius
oberhess. 940; Bauer-Collitz
waldeck. 106; Christa
Trier 226; Autenrieth
pfälz. 157; Schön
Saarbrücken 236; Follmann
lothr. 559,
sogar im obd., s. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 890
a (
mit zahlreichen masc. ausnahmen); Lenz
Handschuhsheim 80
b; Meisinger
Rappenau 216
b; Stalder
schweiz. 2, 470; Hunziker
Aargau 308.
nur im schwäb. und im bair.-österr. scheint das fem. der mundart fremd (
abgesehen von der angabe bei Loritza
Wien 150
b,
s. o.).
das masc., gleichfalls seit beginn der überlieferung bezeugt, ist am geläufigsten im obd., doch auch im md. nicht selten: zubullo (
Wien. hs. 11.
jh.)
ahd. gloss. 3, 487, 7; zwibollo (
Regensburg. hs. 12.
jh.)
ebda 3, 228, 44; den suren zwifullen (
Vorauer hs.) Diemer
dtsche ged. aus d. 11./12.
jh. 43; nim den zwibollen (
md. 12./13.
jh.)
arzneibuch 43
Haupt; Konrad v. Megenberg
s. o.; grintiger zwifal (
anrede, 15.
jh. kärnt.)
Erlauer sp. 48
Kummer; einen weiszen zwibeln zerschneiden Mynsinger (
Ulm)
v. d. falken 41
lit. ver.; der zwúbel, ob er ... Österreicher
Columella 2, 259
lit. ver.; den zwifel Aventin
bair. chron. 1, 732
Lexer; mit einem zwibel
schöne, weise klugr. (
Frankf. 1548) 139
b; ein gattung zwybels Frisius
dict. (
Zürich 1556) 124
a; ein geschelten zwifel Seutter
roszarznei (
Augsburg 1599) 103; den zwibel (
Frankf. 1618) Sandrub
hist.-poet. kurzweil 46
ndr.; vom zwiebel Hohberg
georg. cur. 1 (
Nürnberg 1682) 488; Lohenstein
s. o.; der zwiffel preszte mir ... Stranitzky
lust. reysz-beschreib. 23
Werner; so tieff in der schuld, alsz der zwiffel in häuten J. J. Schwabe
tintenfäszl (
Kufstein 1745) a 6
a; ohne frischen zwiebel Schubart
leben u. gesinn. (1791) 1, 150; auf den herben zwiebel Schiller 12, 35
G.; ein zwiebel, von dem ...
ebda 11, 104.
seit dem 19.
jh. begegnet das masc. nur noch in stark mundartgebundener obd. literatur: einen dicken zwiebel ('
Stuttgarter hutzelmännlein') Mörike
ges. schr. (1905) 2, 89; ein Memminger zwiefel L. Aurbacher
volksbüchl. (1835) 208; tua 'n zwiefel raus K. Stieler
ged. 1, 33
Reclam; der zwiebel K. Meisl
theatral. quodlibet (1820) 2, 125; der zwiefel Nestroy
ges. w. (1890) 2, 82.
die mundartenwbb. belegen das masc. als lebendig nur fürs obd. gebiet: bair.-österr. Schmeller-Fr. 2, 1174 (
vgl. Pritzel-Jessen
volksn. d. pflanzen 240); Hügel
Wien 201
b; Jakob
Wien 233
a; Schöpf
tirol. 834; Lexer
kärnt. 268; Schröer
Gottschee 239; Kisch
Nösner wörter 164;
alemann. Fischer
schwäb. 6, 1446 ('
masc. ist noch heute fest selbst in der halbma.')
und für zahlreiche orte Martin-Lienhart
elsäss. 2, 890
a.
über vereinzeltes zwiebel
als masc. im Lauenburgischen s. o. Mensing;
für das Egerland Schiepeck 289.
bedeutung und gebrauch. 11)
eigentlich. 1@aa)
im engeren sinne die pflanze allium cepa: zufrühest in der form zubullo
cepe (11.
jh.)
ahd. gl. 3, 487, 7
belegt; als zwibolla, zwibolle
cepa (12.
jh.)
ebda 3, 108, 47;
cepe zuiuolle
ebda 3, 579, 9;
cepe cwiuolle
ebda 4, 214, 17; in der stadt Ascalon ... davon man noch 'aschlach' den zwifel nent Aventin
bair. chron. 1, 732
Lexer. die pflanze im gemüsegarten: pharren oder czwival oder knoblauch (1243)
stadtrechte von Brünn 373
Röszler; noch von zwifel noch von lauch (14.
jh.)
Altprager stadtrecht 33
Röszler; auch magst auffziehen gleicher weis teglich auff deinen tisch zu speis mangolt, kolkraut, zwiffel, knoblach H. Sachs 21, 169
K.-G.; am S. Johannistage sollen sich die bauern in zwiebelbeeten herum weltzen, so werden die zwiebeln grosz wachsen J. G. Schmidt
rockenphil. (1706) 1, 213; der kohl und die gelben möhren standen sehr schön und die petersilie und zwiebeln nicht minder gut J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 389; hier (
in dem garten) war von kohl und zwiebeln, von wurzeln und andern guten vegetabilien die fülle Göthe I 33, 107
W.; ich habe mich nach zwiefeln erkundigt
ders. IV 2, 38.
die zwiebelknolle im wirtschaftsleben: ir knobelouch und czwypollen, in welche stat sy komen und nemlich czu Danczik ... vorkowffen (
v. j. 1422)
akten d. ständetage Ost- u. Westpreuszens 1, 388
Toeppen; ain pfund zwibel (
galt) zehen Binger heller Seb. Franck
chron. Germ. (
nov. 1538) 253
b; das obst verzehend man unter dem baum, die zwiebeln im haus (
v. j. 1720)
bad. weist. 1, 1, 317
Brinkmann; und den fuhrleuten und schiffknechten käs, zwiebeln und dürres obst verkaufen wirst Petrasch
s. lustsp. (1765) 2, 75; in der truhen, wo der zwiefel liegt Nestroy
ges. w. (1890) 2, 82.
als würzende beigabe zu speisen, besonders auch im zerschnittenen zustande: da azze wir mit willen den suoren zvifullen und gesotenez rintfleisce Diemer
dtsche ged. aus d. 11./12.
jh. 43; daz in kein hunger nie tet wê und süezer spîse heten den vollen, do geluste si louches und zwibollen Hugo v. Trimberg
renner 9834
Ehrism.; aber das flaisch geröst mit öl und mit zwival ist gar guot in der vasten Konr. v. Megenberg
buch d. natur 256
Pf.; item 12 schilling vor zwippoln und knopeloch
Marienburger treszlerb. 39
Joachim; murreten, das sie nicht bei den fleischtöpffen, bei den zwibeln undt knoblauch in Egipto geblieben weren Luther 33, 41
W.; dieser herr achte sich gewürtzter speisen weng, liesz ihm seine essen gemeinlich mit saffran, senff, zwibel, kümmel ... vnd andern dergleichen einheimischen kräutern zubereiten Zinkgref
apophthegm. (1628) 182; disemnach sie für eine der grösten thorheiten hielten ..., knobloch und zwibeln mit weyrauch zu räuchern Lohenstein
Arminius (1689) 1, 89; esze ger(n) zwibel Liselotte v.
d. Pfalz
br. 1707 -15, 361
Holland; ein mit zwiebeln und knoblauch gefüllter burgunder
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 174; kartoffelsalat mit viel zwiebeln und knoblauch Göthe IV 23, 328
W.; er gehörte der guten alten zeit an, wo die rede nach zwiebeln und knoblauch duftete Mommsen
röm. gesch. 3 (1856) 590; alles reichgewürzt ..., auf dem salat kleine zwiebeln Fontane
ges. w. I 1, 415.
zwiebeln als einfachstes nahrungsmittel: die schieffknechte, die gewöhnlichenn nichtts anders als zwiebelnn und knoblauch essenn (1491)
bei Röhricht
pilgerreisen 188; nachdem sie ... etwas brot mit zwiebeln zu sich genommen Happel
akad. rom. (1690) 324; in Frankreich sind eine zwiebel und drei kastanien eine herrliche mahlzeit J. Möser
s. w. 1, 445
Abeken; als volkstümliches heilmittel: wiltu di warczen vertriben ... nim den zwibollen vn welle sie mit ole ... vn mische daz mit salze und lege ûf die warzen
arzneibuch 43
Haupt; ein frauw heilet ein mann mit einer zwybeln Kirchhof
wendunmuth 1, 146
Ö.; lasz auch die baderisch zeichen fahren, die sie können, auff aschlauch, zwibeln, diese ding all sind nicht artzney Paracelsus
op. (1616) 1, 153
H.; zwiebeln ... auf aposteme gelegt, zeitigen sie solche
M. R. Buck
med. volksglaube (1865) 41.
im orient als gegenstand der religiösen verehrung: gnuoge betten alle stund an die katzen und an die hunt ... zwibollen unde knobelouch
Laubacher Barlaam 11342
Perd.; das feuer, sonn, mond, lufft ... zwiboln und knobloch ... für gott anbeten D. Schaller
theol. heroldt (1604) 501; das land, das crocodile nähret, die katzen heilig hält und zwiebeln göttlich ehret D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 3, 406; wollt lieber eine zwiebel anbeten, bis mir die thrän in die augen träten, als öffnen meines herzens schrein einem schnitzbildlein, querhölzelein Göthe I 16, 82
W. 1@bb)
im weiteren sinne die wurzelknolle aller zwiebelgewächse unter der erde (
bulbus),
vgl. auch zwiebelknolle
und blumenzwiebel, tulpenzwiebel: der wirth hat mir der auszwachsenden zwibel eine geschenckt Dürer
tagebuch 71
Leitschuh; Florentinus sagt, man könne auch rote gilgen machen, so man eyn wenig zinober in die zwibel thut
M. Herr
feldb. (1551) 140
a; eine zwiebel von einer schönen tulipan Schupp
schr. (1663) 57; alle weiszen lilien ... herfürsprieszen aus einem zwiefel, welcher eine gestalt hat eines herzens Abr. a
s. Clara
w. 1, 59
Str.; als ich nemlich betrachtet, was massen die königs-cronen, tulipanen, narcissen, hyacinten und andere blumenzwiblen ihrer schönen zierde gäntzlich beraubt waren Grimmelshausen 2, 517
K.; die zwiebeln der tulipanen gäben ... niedliche speisen ab Lohenstein
Arminius (1689) 2, 304
b; und ein reicher tulpenfreund, herr von einem groszen garten, giebt die schönste zwiebel drinn nicht für tausend gülden hin Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 357; diese blume zieht ihren nahrungssaft in geheimen röhren des stengels aus ihrer zwiebel an sich Gellert
s. schr. (1839) 7, 18; der zierliche topf nimmt manchen strauch, manche zwiebel auf, um in winterhafter häuslichkeit den sommer zu heucheln Göthe I 40, 269
W.; die stengelblätter, die aus gewissen zwiebeln hervordringen, (
sind) an ihren spitzen schon vollkommen grün
ders. II 5, 2, 158; woher sie die zwiebel zu dieser tulpe erhalten A. v. Arnim
s. w. (1853) 15, 212; wenn wir die ... zwiebeln und knollen ... unberücksichtigt lassen, so ist die gestalt der wurzeln ... sehr schlicht Roszmäszler
der wald (1863) 119.
in der wissenschaftlichen botanik: zwiebel ist ... ein unterirdischer sprosz, dessen achse scheibenförmig abgeflacht ist und dessen fleischig angeschwollene blätter ('zwiebelschuppen') mit reservestoffen angefüllt sind Strassburger
lehrb. d. bot. (
151921) 156. 22)
übertragen; von runden, zwiebelförmigen gegenständen, besonders von der groszen, bauchigen taschenuhr: ... zog er eine silberne uhr heraus, die, ihrem umfang nach, wenigstens vier gehäuse haben muszte ... er löste auch wirklich drei kasten von horn, kupfer und silber von seiner zwiebel, wie er die uhr nannte, ab
F. W. Hackländer
wachtstubenabenteuer (1845) 1, 43; und ich trage meine redliche zwiebel an dieser ... schnur Fr. Th. Vischer
auch einer (1879) 1, 22; der westentasche, in welcher er die uhr trug ... eine weitbauchige zwiebel Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 141; (
die bauern) schätzten die stunden ... so genau ein, dasz sie niemals voll absichtlich auf ihre zwiebel schauen J.
M. Bauer
die notthafften (1931) 51;
so auch mundartlich, vgl. z. b. Schranka
Wiener dial.-lex. 196; Autenrieth
pfälz. 157; Ruckert
unterfrk. 200; Christa
Trierer ma. 226; Albrecht
Leipz. 243
b; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 720; Flemes
Calenberg 20, 381.
sonstige übertragungen: die aortenanschwellung oder zwiebel des herzcanales Sömmerring
menschl. körper (1839) 7, 249; die sächsische zwiebel, eine gute speisekartoffel v. Schwerz
prakt. ackerbau (1882) 517; mit thürmen von einer riesenhaften goldenen zwiebel gekrönt
beleg v. j. 1859,
vgl. zwiebelturm. 33)
bildlicher, sprichwörtlicher, redensartlicher gebrauch. die zahlreichen häute der zwiebel sind ausgangspunkt für eine reihe von bildern: sintemal ich bey euch so tieff in der schuld stecke alsz der zwiffel in häuten J. J. Schwabe
tintenfäszl (1745) a 6
a; ist denn die wahrheit ein zwiebel, von dem man die häute nur abschält? Schiller 11, 104
G.; das ist ein land wie eine zwiebel, nichts als schaalen G. Büchner
nachgel. schr. (1850) 176.
sprichwörtlich: gedoppelter als eine zwiebel P. Winckler 2000
gutte gedancken (1685) f 1
a; eine zwiebel hat sieben häute, ein weib neun Binder
sprichwörterschatz 222.
ironisch: so ist ein gotloser falsch, listig, betrüglich und ist einfeltig wie ein Memminger zwiffel C. Huberinus
spiegel d. hauszucht (1553) 132
b; einfältig wie ein Lorer zwibel, hat neun heut K. Scheit
Grobianus 26
ndr.; du bist einfältig wie ein zwiebel Lehman
floril. polit. (1662) 1, 185.
andere redensarten gehen von dem scharfen, beiszenden, tränenerregenden geruch der zwiebeln aus: zwibollen, louch habent bœsen rouch Hugo v. Trimberg
renner 9842
Ehrism.; zwibeln schelen ohn augenthränen ist nicht jederman gegeben Petri
d. Teutschen weiszheit (1605) 2, Ooo 2
b; (
ich) hab meinen unglückseeligen stand zu beweinen ang'fangen, der zwiffel preszte mir tausend thränen aus denen augen Stranitzky
lust. reyszbeschr. 23
Werner; man lieszt nun keine leichengedichte mehr, die ohne frischen zwiebel an der nase keinem menschen wasser in die augen bringen Schubart
leben u. gesinn. 1, 150; auf das unrecht, da folgt das übel wie die thrän auf den herben zwiebel Schiller 12, 35
G. daher zwiebeln riechen, essen, schälen '
weinen'
: lolio victitant er hat zwibeln gessen. er sihet eben als hab jm ein katz die augen gesogen Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 111
a; wann andre leut thun frölich sein, sicht er, als ob er stets wöll grein, er sicht, als ob er zwibeln schell Eyering
prov. (1601) 2, 201; o, mir sind auch gar oft die augen übergangen, und täglich ist mirs noch, als röch ich zwiebeln Göthe I 9, 107
W.; nun hat der junge auch wieder (
beim abschied) an der zwiebel gerochen W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 192.
die wertlosigkeit der zwiebel kommt in folgenden wendungen zum ausdruck: do hett er dannoch als vil gefangen (
Griechen), das man xxx Kriechen umb ein zwivel gab H. Schiltberger
reisebuch 111
lit. ver.; zu solcher toller honsprach ... antworte er gar nichts, gleych als ob si yn ein pfifferling ader zwibbel genant hetten Mich. Risch
paraphr. Erasmi (1524) y 3
b.
in redensartlicher verwendung. zwiebeln für knoblauch '
es ist eins wie das andere': es gehet jnen, wie man spricht: zwibbeln tragen sie hin, knoblauch bringen sie wider; jnn jrem ungewissen wahn lauffen sie hin, jnn dem selben komen sie widder Luther 37, 434
W.; ebda 47, 392; haben knoblach getragen ausz, bringen zwiefel wider zu hausz H. Sachs 9, 217
K.; vgl. 10, 33; das heiszt von knobloch gefragt werden unnd von zwibeln antworten Jac. Andreae 33
predigten (1576) 1, 211; nach dem alten sprichwort, zwiebel hingetragen und knoblauch wiedergebracht Scheräus
sprachenschule (1619) 176; das ist zwiebeln für knoblauch, sagt man wohl in Köln von einer nicht sonderlich einträglichen spekulation Simrock
dtsche märchen (1864) 321; nix für zwiebel, was knobla
uch sind
nichts für übel, was nicht böse gemeint war Fischer
schwäb. 6, 1447. liegen wie eine zwiebel: ich schlah der rotzigen pauren vier umb ir kopf und umb ihr stifel, das sie vor mir ligen als die zwifel
fastnachtsp. 195
Keller. von dem hinhocken beim stecken der zwiebel: eine zwiebel setzen
hinfallen, nach poln. cebul sadzić Frischbier
pr. wb. 2, 495
a.