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schmiegen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schmiegen verb.

Bd. 15, Sp. 1068
schmiegen, verb. eng und geschmeidig an etwas drücken, ducken. II. form und verwandtschaft. I@11) schmiegen ist ein gemeingermanisches wort, das über das germanische hinausreicht, mindestens [] in die zeit der slawo - deutschen spracheinheit, wenn die gewöhnliche zusammenstellung mit lit. smùkti gleiten, kirchenslav. smykati s und smucati repere, smycati trahere Fick3 2, 503. 3, 357 zu recht besteht; man müszte in diesem falle ein indogerman. * sméukô = german. smiuhan und daraus mit aufgabe des grammatischen wechsels smiugan annehmen. das ältere h will Noreen urgerman. lautl. 207 in ahd. mûhhôn heimlich auflauern, mûhhilâri 'meuchler', mhd. miuchel- heimlich, vermûchen verstecken, mocken versteckt liegen, wiederfinden (?). vereinzeltes smiehen s. 2. in der 4. aufl. 1, 576 dagegen setzt Fick als wurzel smugh- an und vergleicht griech. μύχος, ohne die andere ableitung ganz aufzugeben. innerhalb des germanischen gehören zu schmiegen zahlreiche ableitungen, vgl. schmuck, schmücken, schmucken, schmuggeln, engl. smock unterrock (vgl. Skeat 567a; ebenso isl. smokkr, ahd. smoccho Graff 6, 819). Grimm kl. schrift. 3, 310 will auch ags. sméagan nachdenken, und altn. smeygja hierher ziehen; doch gibt Paul für ersteres in den beitr. 6, 93, anm. 4 eine andere erklärung. vergl. zum ganzen Grimm gramm. 2, 24. Kluge5 331a. I@22) german. smiugan ist im goth. unbezeugt, altn. smjúga, sich durch eine enge öffnung drängen Fritzner2 3, 448b, schwed. smuga schleichen,n. dafür smøge, das eigentlich causativ ist, vgl. altn. smeygja Fritzner2 3, 446, schwed. smöga schmiegen, einfädeln, ags. smûgan kriechen Bosworth-Toller 890a, in mittelengl. zeit ausgestorben, fries. in insmuge, das hineinkriechen Richthofen 853a. dem nd. ist das wort überhaupt fremd, doch findet es sich holländisch als smuigen in der bedeutung 'heimlich essen, naschen', vgl. Franck 911. ahd. *smiogan unbelegt Graff 6, 819, mhd. smiegen Lexer handwb. 2, 1011 mit den nebenformen smiugen (wol fortsetzung des altoberd. smiugan): si müesten sich smiugen (: urliugen) vor ir einem zaller frist. Ottokar reimchron. 80395, und ebenso 97507, s. II, 1 (dagegen smiegen 23135, : biegen 8706), smiehen (vgl. 1): das kan er im denn wol verziehen und ettwas in das scheff smiehen. d. teuf. netz 11562. im nhd. begegnen zwei nebenformen: I@2@aa) schmügen, so z. b. bei H. Sachs (fastn. sp. 4, 84. 88. 5, 28 neudruck), Ayrer (2351, 6 Keller), Logau (1, 33. 2, 102. 3, 215), s. die belege. I@2@bb) schmeigen bei Steinbach 2, 465: präs. ich schmeige, flecto, imperf. ich schmieg, (ich habe) geschmiegen. dazu der schmeig, inflexio; die schmeige retractio (s. oben schmiege), schmeigig, adj. flexilis, das geschmeige flexura, geschmeigig, adj. flexilis (vgl. schmeidig, geschmeidig). daselbst daneben auch ich schmiege, flecto, geschmieget; die schmiege. ebenda. belege für schmeigen aus d. litt. des 15.—16. jahrh., s. sp. 988. da es ablautend flectiert, so haben wir darin vielleicht eine alte parallelbildung anzuerkennen, die sich zu schmiegen verhält, wie schleifen zu schliefen (vgl. dieses, sp. 680). I@33) die flexion ist in der älteren sprache durchgehends stark: altn. smjúga - smaug oder smó-smugu-smoginn; ags. smûgansméag - smugon - smogen; mhd. smiegen - smouc(smôc, smôg)smugen-gesmogen. ebenso im älteren nhd. noch Cramer 2, 608b gibt an, schmiegen flectiere wie biegen. dagegen nach Adelung ist schmiegen regelmäszig, die starke flexion auf das oberd. beschränkt. die einzelnen formen sind: I@3@aa) in der 2. 3. ind. und präs. zeigt das älteste nhd. noch vocalwechsel: so schmeugt er sich, und weichet den stoltzen unnd trotzigen leuten. Mathesius hochzeitpred. 54b; so bei H. Sachs er schmeugt, s. Shumway d. ablaut. verb. bei H. Sachs s. 54; doch findet sich einmal schon bei ihm die form er schmiegt: und (das einhorn) sich in jren (der jungfrau) geren (schosz) schmucket als ein lemblein, schmieget und ducket, leget sein haubet in jr schosz. H. Sachs 4, 2, 115c. auch der imperativ schmig schon im 16. jahrh., s. unten II, 1. im 17.—18. jahrh. durchweg du schmiegst, er schmiegt, schmieg(e). I@3@bb) im prät. sind im 16. jahrh. die starken formen allein herrschend, zeigen aber doppelte bildung, dadurch dasz der mhd. wechsel von ou bez. ô im sing. und u im plur. nach verschiedenen seiten ausgeglichen ist, doch überwiegen die u-formen. so finden sich im sing. neben einander schmog: so schmog er sich zu jhr hinein. H. Sachs 1, 161b; (ich) schmog mich also inn stillem lauschen. 367c. und schmug (vgl. Mathesius 61b, II, 2, a): das litt der todt als und sich schmug. 2, 4, 100d; darvor die burgerschafft sich schmug. 4, 2, 78c; darhinder schmug sich der schneidr zam. 5, 381b; [] der pfaff sich in der rewssen schmeg (: schleg). fab. u. schwänke 1, s. 320, 57 neudr.; und (der hund) schmeg sich zu den fuesen sein. s. 551, 157. ebenso im plural schmugen: im krais sich hin und wider schmegen. s. 465, 137; köng und fürsten sich vor jm schmugen, sich unter sein gehorsam bugen. werke 4, 2, 105c; die münch da von der frawen flugen und in die winkel sie sich schmugen. qu. bei Schm. 2, 546. und schmogen: do in ein winkel wir uns schmogen (: gezogen). fastn. sp. 274, 19; und schmogen sich hin ein die ecken. H. Sachs fab. u. schw. 1, s. 232, 13 neudr. I@3@cc) im part. hält sich die alte form geschmogen im 16.—17. jahrh. durchweg, so bei H. Sachs ausnahmslos, s. Shumway s. 55 (die seltene nebenform geschmugen z. b. bei Seb. Franck, s. II, 4, d). dagegen in der classischen litteratursprache des 18.—19. jh. ebenso regelmäszig geschmiegt. die ganz vereinzelte form geschmocht: was sie bei obgehörts churfürsten zeiten in ihr haus zu Wormbs het geschmocht, das ward ir alles wider genommen. Zimm. chron. 3, 336, 3 ist von Barack im glossar zu schmiegen gestellt, sie kann indes keinenfalls direct dazu gehören, höchstens zu einer causativen ableitung davon. I@44) mundartlich hat sich schmiegen nur auf oberd. gebiete erhalten, doch ist auch hier meist die ableitung schmucken üblicher. bair. sich schmiegen - schmieget und schmug-geschmiegt und geschmogen Schm. 2, 545, kärntn. schmiegn-schmieget-gschmogn Lexer 222, vgl. schwäb. schmögen Birlinger 399c. das part. geschmogen auch schweizerisch als adjectiv, s. II, 3. IIII. bedeutung. II@11) transitiv selten, hauptsächlich in der älteren sprache, mit verschiedenen sinnesnuancen; in einen engen raum, eine dicht anschlieszende umhüllung drücken: ich hete in mîne hant gesmogen daʒ kinne und ein mîn wange. Walther v. d. Vogelweide 8, 7; sô sint im die elenbogen in zwên gugelzipf gesmogen. Seifr. Helbling 1, 230; einschlieszen, verstecken: mîn swert muoʒ ich in einen winkel smiegen. minnes. 3, 354a Hagen; und was der winder ... in die mauer tieffer lauer (schlupfwinkel) hêt gesmogen. Osw. v. Wolkenstein 63, 3, 14. ähnlich noch nhd. seinen körper schmiegen, ganz gleich dem gewöhnlichen sich schmiegen: einen erdfall .., in dessen nicht allzu wohl verwahrte höle ich meinen zerstauchten cörper schmiegte. Felsenburg 2, 389; Vrenchen ... schmiegte seinen schlanken zitternden leib an ihn. Keller 4, 149. sonst in der heutigen sprache nur noch seine arme um etwas schmiegen (vgl. 2, c): die kecken kraftvollen arme dicht um ihre knie geschmiegt. Wieland 21, 308 (Klelia 6, 130). oft überwiegt der begriff des (heimlichen) wohinschaffens, vgl. die unter I, 2 und 3, c angeführten stellen aus des teufels netz und der Zimm. chron.: der hat vil groʒe roube dem tievil von der helle enzogen und in daʒ himilrich gesmogen. Hugo v. Langenstein Martina 53, 50. mit präpositionen den zagel în smiegen, einziehen, zwischen die beine ziehen: die zagel habents (die hunde) în gesmogen. wolf u. sin sun 943 (Grimm Reinhart 325). zesamene smiegen, zusammendrücken, einschrumpfen machen oder krümmen: daʒ alter mengem hat gebogen sinen ruggen und gesmogen zesamen unde sinu lider. Martina 264, 50. ähnlich die achseln schmiegen, einschmiegen, stringere, piegare le spalle ò ristringersi nelle spalle per humiltà Cramer 2, 609a; die äste zusammen schmiegen, ramos arcte comprimere Steinbach 2, 465; zu schmiegen verengern: und so du acht leng in die höh gemessen hast, so schmig den probirofen ein wenig zu, also das er oben ins gefier sieben leng weit bleibt. Erker beschreib. aller fürnemsten mineral. erzt u. bergwerksarten (Frankf. a. M. 1580) 6a. — mhd. smiugen bildlich, 'verkleinern, knickern' (? nach Seemüllers glossar): ân zadel und âne smiugen, swes man durft hât, gap man dar allen rât. Ottokar reimchron. 97507. [] II@22) gewöhnlich reflexiv sich schmiegen. II@2@aa) sich wohinein schmiegen, um sich zu verstecken oder zu schützen, so besonders: sich in eine ecke schmiegen, in angulum quempiam occultare se, sidere ad abdita latibula Stieler 1253; Isaac .. schmug sich mit seinem hauszgesind inn ein winckelein. Mathesius hochzeitspred. 61b; daʒ tie lewin von imo vluhin, in einin winchil sich smugin. Kraus deutsche ged. des 12. jh. s. 9, 68; vorn schreiber mus sich biegen offt mancher stoltzer heldt. und in ein winckel schmiegen. Ambr. liederb. 245, 39 (Uhland volksl. nr. 263, 5); ich will mich allda in die eckn schmügen und darinnen versteckn. Ayrer 2351, 6 Keller; sprichwörtlich: wann list, trug platz hat und das liegen, musz sich d' warheit in winckel schmiegen. Kirchhof wendunm. 1, 159 Österley (1, 127). andere verbindungen: si smouc sich an daʒ bette sân. Parz. 194, 4; ich (Diogenes) wil mich auch an diesem ort widerumb in mein putten schmügen. H. Sachs fastn. sp. 4, 88, 321 neudruck; vergl.: die spin sprach: 'in ains pawren has wil ich mich in ain winckel schmüecken ... das ich mich hab so lang geschmogen in der stat, das thet mich noch dawren'. fab. u. schwänke 84, 76 neudruck; da Isaac von seinen untrewen feldnachbarn wol umbgetriben ... ward, hab er bösen leuten gewichen, und sich auff ein örtlein geschmogen. Mathesius hochzeitspred. 46a; sich in eine decke, in seine gewänder schmiegen, dicht einhüllen: denn das bette ist so enge, das nichts ubrigs ist, und die decke so kurtz, das man sich drein schmigen mus. Jes. 28, 20; dativisch: sich in einem bette der kälte wegen schmiegen, rannicchiarsi nel letto u. s. w. Cramer 2, 609a. auch sich schmiegen allein, sich verstecken, um unbemerkt zu bleiben; so im bilde: sô wart ich ir recht als ain fuchs in ainem hag mit stiller lauss, gugk aus der stauden, smeug dich luchs. Osw. v. Wolkenstein 71, 1, 8; oder um sich vor frost und wind zu schützen: vor frost schmeugt sich menschen und viech und helt sich jnnen trawrigklich. H. Sachs 1, 374c. II@2@bb) sich an einen schmiegen, zum ausdrucke der zärtlichkeit oder eine stütze suchend: liebleich er sich an dich smog, do er deine prüstlein sog. quelle bei Schmeller 2, 546; entpflückt das mädchen dich (ein veilchen) dem rasen, die brust mit dir zu schmücken, o, dann schmiege dich an ihr herz. Hölty 80 Halm; mich an deine seite zu schmiegen das war ein süszes, ein holdes glück! Göthe 12, 243; wie göttlich süsz ist das vergnügen an's herz des gatten sich zu schmiegen. Schiller 3, 165; ach, wär es mir beschieden ... mich fest an sie zu schmiegen. Lenau 1, 41 Koch; sich an etwas schmiegen: und do de diu eselin sach, do smôck und raip si sich an die mûri. Grieshaber pred. 2, 130; also flüsternd sprach der bote, scheu sich schmiegend an die föhre. Lenau 2, 477 Koch (Ziska IV). sich zu jemandes füszen schmiegen u. ähnl.: und zürne nicht auf deinen knecht, der sich an deinen füssen schmieget. Günther 77; während wir weinen und flehn und, schmeichelnden hündchen gleich, zu ihren füszen uns schmiegen. Wieland 5, 63 (Am. 14, 3); und (die königin) sieht, mit stolzem, weiblichem vergnügen, der schwäne fürsten ihrem knie sich schmiegen. Göthe 41, 108 (Faust II, 2); doch Thetis schmiegte sich fest ihm an die umschlungenen knie'. Voss Odyss. 1, 512; in jemandes arme: Vrenchen zitterte leis bei diesem letzten worte und schmiegte sich tiefer in Salis arme. Keller 4, 117; und es kam ein kind und schmiegte flehend sich in deinen arm. Lenau 2, 60 Koch. bildlich: von Proteûs, dem der Nil sich schmoge zu den füszen, hat Menelaus selbst ein almos bitten müssen. Scherffer ged. 203; die schmeicheley schmiegt sich vergebens künstlich an dein ohr. Göthe 9, 105 (Tasso 1, 1); [] an diesen starken schmiegten sich wollüstig alle meine weiblichen schwächen. Schiller Fiesko 3, 3. — sich zu einem schmiegen: sich zuschmiegen zu einem im bette, accostarsi strettamente ad uno in letto, Ruth schmoge sich zu Boaz. Cramer 2, 609a; dô ich .. lac in der wagen (wiege) .. ein slange sich zu mir smouc. Albr. v. Halberstadt s. ccxxviii Bartsch; freier, zu einem seine zuflucht nehmen, sich zu ihm halten: Venus, zu dir wil ich mich schmiegen. H. Sachs fastn. sp. 1, 16, 102 neudruck. II@2@cc) sich um etwas schmiegen, vgl. seine arme um etwas schmiegen (s. 1): mit freuden entsprang dem lager die fürstin, fest um die alte geschmiegt. Voss Odyss. 23, 33; sich um seinen nacken schmiegend. Grillparzer4 6, 146 (traum e. l. 2); von ranken: weinranken winden und schmiegen sich innig um stamm und ast. Gaudy 19, 29; von gewändern u. ä.: ich sollte wissen .. in welcher weise sich der frauen gewand um den zarten leib schmiegt. Scheffel Ekkeh. 136. bildlich: dies gesichtchen .. war eins von jenen durchsichtigen, die nur wie ein florschleier um eine höhere geistige schönheit sich schmiegen. Ludwig 2, 401. II@2@dd) seltenere verbindungen im eigentlichen gebrauche sich unter, hinter, durch, über etwas schmiegen: do slæich ich uof gedingen unt smauc mich hinder ein tur. d. urstende 109, 82; dasz unter jederman Pertunda fein sich schmügen und jetzo da, jetzt dort wil willig unten liegen, das thut sie dannenher; sie hat zur zeit gehört wie schönheit um so viel durch demut wird vermehrt. Logau 1, 33, 16; unter ihn (den schild) schmiegt' er sich ganz, dasz der wurfspiesz über ihn hinflog. Voss Od. 13, 408; zwischen rohr und gesümpf, uns unter die rüstungen schmiegend, lagen wir. 14, 474; und wie's der erste strahl im zimmer dämmern macht, sieht Lutz sie durch die teppichwand sich schmiegen. Wieland 18, 119; so het er sich daher, so fast er gemöcht, under das dach geschmogen. Lindener rastbüchl. 33; ich schmiegte mich quer über in die ecke des wagens. Thümmel reise 7, 170. ohne nähere bestimmung, nur als ausdruck des weichen, geschmeidigen: die hand musz seyn gekrümmt, geleckt eh man sie krieget, nicht anders, als wenn sich das weisse kätzgen schmieget. Rachel sat. ged. 118; ein mägdlein mag man schrecken, das sich im bade schmiegt. Uhland ged. (1864) 359. II@2@ee) mit verblassung der ursprünglichen bedeutung sich auf, zu etwas schmiegen, sich langsam hinaufschieben: wann ich dan auf wil gen ein stiegen, so thu ich mich auf ein staffel schmiegen. fastn. sp. 564, 9 (als ausdruck der faulheit). ähnlich in freier übertragung: und aus den untersten bezirken schmiegt sich herauf lebend'ge spur. Göthe 41, 19 (Faust II, 1); dasz mein ruhm sich zum Orion schmiegte. Schiller 1, 261. II@2@ff) häufig in übertragener verwendung, sich fügen, nachgeben, sich in oder unter ein joch u. ähnl. schmiegen: schmiegt tändelnd euch in seine (Hymens) rosenbande! Gotter 1, 82; ich soll das werkzeug seyn, das seine ränke stützt; .. und in ein lasterband sich vor altären schmieget? 2, 61; Knebel ist am unwilligsten sich ins dramatische joch zu schmiegen. Göthe br. 4, 218 Weim. ausg. (an Ch. v. Stein den 11. mai 1780); denn konnten wohl männer wie Friedrich Barbarossa .. unter das joch des papstes sich schmiegen? Klinger 1, 324; schmiegt sich unser herz wohl unter das urtheil unsers onkels? 377; da sie merkten, dasz die letzten anstrengungen ihrer kunst nur den triumf ihrer gegnerin zu zieren dienten: so schmiegten sie sich endlich unter ihr schicksal. Wieland 6, 281. dafür dativisch (in poetischer redeweise): er focht .. für die freiheit seines vaterlandes, wanderte, als dieses dem türkischen joche sich wieder schmiegen muszte, nach Bessarabien. Göthe 46, 333; mit schweigen dulde die kränkungen alle, dem trotz der männer dich schmiegend. Voss Od. 13, 310; verwehrt ihr, meinem willen euch zu schmiegen. Chamisso Salas y Gomez 4; [] sich nach jemandes launen schmiegen: aber sie hatte sich zugleich nach allen seinen launen geschmiegt, hatte seinem geschmacke sklavisch gehuldigt. Schiller 3, 574; an jeder, welche sich zu seinem willen schmieget, wird die verrathne zucht auf diese art gerüget. Wieland 17, 103 (Idris 2, 58). andere verbindungen: wenn sie (menschliche kunst) der natur gewalt thut und sie nöthigt nicht nach ihren zwecken zu verfahren, sondern sich in die unsrigen zu schmiegen. Kant 2, 479; keines (kein philosophisches lehrgebäude) schmiegt und biegt sich mit minderm zwange nach der veränderlichkeit unserer natur. Thümmel 7, 98; seine (Franz Moors) untreue seele schlüpft geschmeidig in alle masken, und schmiegt sich in alle formen. Schiller 2, 364. II@2@gg) sich schmiegen auch sonst übertragen mit mannigfacher nuancierung, als ausdruck der unterwürfigkeit: so schmeügst du dich, als ain hund, den man usz der kuchin schlecht. Cl. Hätzlerin 2, 60, 98; und wil, das yederman sich schmig und yhm unter den füssen lig. H. Sachs fab. u. schw. 21, 43 neudr.; sich fügen, jemand zu willen sein: der ander elendt in der welt ist, so ein weib geht uber feldt ... im wirtshausz musz sie sich auch schmigen, ein jeder narr wil bey yr liegen. 46, 11; dasz das verdienst, unfähig sich zu schmiegen, ... sein ziel erst spät erreicht. Gotter 1, 167. so vom heuchler: und wie alle heuchler im schrecken sich biegen und schmiegen und krümmen, so krümmte und schmiegte sich damals auch Kriecher. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 106; die verbindung mit biegen ist überhaupt sehr beliebt: sich vor jedermann schmiegen, unterschmiegen, schmiegen und biegen müssen. Cramer 2, 609a; sich bey ieden ums brot schmiegen und biegen, submissum omnibus panem quaerere Steinbach 2, 465. im bilde: ich war bisher aufgewachsen wie ein gras, mich biegend und schmiegend, wie jedes lüftchen der lebensregungen und der laune es wollte. Keller 1, 130. — sich schmiegen als ausdruck der furcht: all creatur mit forcht sich schmiegen. H. Sachs 5, 80c; wie sich die frösch auch müssen schmigen, inn forchten auch verborgen ligen! fab. u. schw. 20, 35 neudr.; wem nicht frau und kinder zur seite bange sich schmiegen! Göthe 40, 248; so gern in verbindung mit dem synonymen ausdruck sich ducken: Isaac, der sich auch ducken und schmiegen muste inn der welt. Mathesius hochzeitspred. 56b; im bilde: denn der neid ein nachtvogel ist, der nur heymlich und dückisch fleugt, bey dem tag sich ducket und schmeugt. H. Sachs 1, 295c. besonders sich vor einem schmiegen, ducken, aus furcht oder unterwürfigkeit: dô muoste von Paʒʒou der wolf vor dem lewen von Salzpurc sich smiegen und diu knie gegen im biegen, wand er sîn rehter herre ist. Ottokar reimchron. 8706; hab mich alzeit vor jm geschmogen, von seinr beywonung mich abzogen. H. Sachs 3, 1, 94c; und meinen feynden anzusiegen, das sie sich vor mir müssen schmiegen. 166c; die andern vier erbeiten hart, ... vor könig, adel und burger sich schmügen. fastn. sp. 5, 28, 368 neudruck; (wir) vergessen unser selbst, beginnen uns zu schmiegen vor einer die nicht grosz nach unsern künsten fragt. Opitz 2, 64. sich schmiegen müssen als bezeichnung groszen elends: ich armer bettler musz mich schmiegen. H. Sachs fastn. sp. 1, 120, 200 neudr.; mein Diogene, aber dich ehrt niemandt, du must dich hie schmiegen, in deiner putten ellendt liegen. 4, 84, 199; wie muste sich doch schmiegen der vater Abraham. P. Gerhardt s. 284, 24 Gödeke. sich schmiegen von einem, der den kürzeren zieht, nachgeben musz: hie darff ich mich allein nit schmiegn, weil es bey dir auch ist der sitt. H. Sachs fastn. sp. 1, 62, 285 neudr. (wettstreit zwischen spieler und trinker); [] sich einschränken, den verhältnissen anpassen: das er denn nit hat abgelassen von solchem bracht, und sich geschmogen und fein sitlichen abgezogen und dest ringer gehalten hausz! 4, 146, 250; vgl. auch: muos nuon in gflickten hosen danczen, ... mich schmiegen wie ein nasser dachs. 7, 48, 329. II@2@hh) selten von dingen gesagt: die verhältnisse, die sonst sich freundlich in einander schmiegten, schienen sich nunmehr anzufeinden. Göthe 22, 53. II@33) zuweilen wird auch schmiegen allein intransitiv im sinne von sich schmiegen gebraucht: so pald und ich ain drit drein (ins bett) tätt und het mein klaider abgezogen und plos under die deck geschmogen. fastn. sp. 332, 24; besonders häufig im infinitiv, neben synonymen ausdrücken: darein (in die kammer) liesz ich jn lauffn und schmiegen. H. Sachs fastn. sp. 4, 73, 205 neudr.; er treibt philosophey, die auff die kunst zu lügen gibt regel und gesetz, die schicken, schmügen, biegen um zu gefallen lehrt. Logau 3, 215; das auff seinen befelch und willen, alle knie inn himel, erd, und hellen sich biegen, und für disem leibhafftigen gott, alle creaturen, sampt allem unglück schmiegen .. sollen. Mathesius pred. über den 130. psalm X 1b; ich habe dich hundertmal in der kirche und auf der strasze mit meinen augen vor dem vogt bucken und schmiegen gesehen, wie ein hund. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 95. leichter und dem heutigen sprachgefühl weniger widerstrebend ist die ellipse des sich, wenn der infinitiv substantiviert erscheint: bürger: sind füchse zum schleichen und schmügen, vortheln, berücken, finantzen und lügen. Logau 2, 102, 14; das bücken und schmiegen vor einem menschen scheint in jedem fall eines menschen unwürdig zu sein. Kant 5, 270; dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen, diesz jasagen, streicheln und schmeicheln. Göthe 19, 167. sonst findet sich in neuerer sprache nur das part. präs. zuweilen ohne sich, besonders in adjectivischer verwendung: wie einer mit einer kraftvollen, vermögenden seele im staube liegt, ein anderer mit einem schwachen, eitlen, schmiegenden geiste, über ihn hinausschreitet! Klinger 1, 61. auffälliger ist: bleibe doch in Neckarbuchten schmiegend. Göthe 47, 174. II@44) besondere beachtung verdient das part. perf. II@4@aa) geschmogen bez. geschmiegt in verbalem sinne, geduckt, versteckt, zusammengekauert: sô der lewe lît gesmogen durch vorhte vor der katzen. Heinr. v. d. Türlin krone 3820; so sitz dann hinderm disch geschmogen. Scheidt Grobianus 3057; keinen davon nun kann ich umher schaun oder bemerken, sondern hinab sind alle geschmiegt, wie die hund' um den löwen. Voss Il. 5, 476; allda stieg ich ans land, wo gebüsch war laubiger waldung, lag dann drunter geschmiegt. Odyssee 14, 354. vgl. auch: dîn ougen sint dir în gesmogen. Heinr. v. Freiberg Trist. 5105. geschmogen sitzen, im gegensatz zu aufrecht sitzen: sitzt ûf geriht und niht gesmogen. zeitschr. für d. alterth. 7, 176, 56; laen dich nit an, sitz fein geschmogen. meisterl. fol. 23, nr. 212; dagegen umgekehrt bei H. Sachs: sitz auffgerichtet fein geschmogen. 1, 430b; entsprechend in der 'verkerten tischzucht': so leg dich auff mit beyden elbogen leyn dich an, und sey nit geschmogen. 4, 3, 96a. II@4@bb) häufig ist die verbindung in sich geschmiegt, auch oft übertragen: so steht sie (Venus) da, halb abgewandt, (wie zu Florenz) und deckt mit einer hand, erröthend, in sich selbst geschmieget, die holde brust. Wieland 10, 178; noch lag sie, als er kam, schön in sich selbst geschmiegt. 23, 42 (Oberon 7, 64); in stunden, da du nichts auszer dir hast, das dich erfreuen oder lieblich beschäftigen könnte, kannst du, in dich selbst geschmieget, dich mit deinen eignen gedanken besprechen. suppl. 3, 184; dabei war das ganze gebilde so mädchenhaft in sich selbst geschmiegt! Ludwig 2, 401; es scheint fast, als habe er (Göthe) unter natur eben nur das pflanzenmäszige [] will sagen, das stille wachsen verstanden, das in sich geschmiegte, gebundne. 5, 345. II@4@cc) von kleidern, eng anliegend: der truog ein joppen,wol gesmogen. minnes. 3, 299b Hagen. II@4@dd) im oberd. wird geschmogen als adj. gebraucht im sinne von 'schmächtig, kümmerlich, knapp, klein' Stalder 2, 336. Schm. 2, 546; nürnbergisch es geht ihm geschmogen, er sieht geschmogen aus ebenda. so auch zuweilen in der ältern schriftsprache: sunst die weisse des hars .. ein geschmognere masz des leibs .. haben sie (die alten und die kinder) gemeyn. Seb. Franck moriae encom. 9a; o da wirt der glaub klein und geschmugen. sprichw. 2, 111a; so nider, klein, geschmugen und zeniete müssend wir werden. ebenda. dagegen heiszt gschmogn in Kärnthen: geschmeidig Lexer 222. II@55) technisches. II@5@aa) bei den maurern eine wand oder eine mauer schmiegen, in einem schiefen winkel fortführen Adelung; schmiegen eine maur, retrahere murum Frisch 2, 208c. b) mit einer schmiege (s. das. 2) messen Bobrik 607a.
24823 Zeichen · 578 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmiegen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schmiegen , verb. reg. act. welches eigentlich mit biegen gleichbedeutend ist, aber doch eine größere Geschmeidigkeit an…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schmiegen

    Goethe-Wörterbuch

    schmiegen rd 40 Archivbelege, überwiegend in literar Werken; mehrheitlich refl gebraucht (dabei subst Inf u PartPräs auc…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schmiegen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schmiegen , s. Schiften .

  4. modern
    Dialekt
    schmiegenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schmiegen schw. : 1. 'sich an etwas oder jemanden sanft anlehnen', schmiege (šmīgə) [ RO-Als PS-Geisbg LA-Wollmh BZ-Dern…

  5. Sprichwörter
    Schmiegen

    Wander (Sprichwörter)

    Schmiegen 1. Ich will mich nicht weiter schmiegen; denn wer sich grün macht, den fressen die Ziegen. 2. Wer sich zu sehr…

  6. Spezial
    schmiegen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    schmiegen, sich sich an j-n ~ - льнуть; ластиться к кому-л.; прильнуть к кому-л.; прижиматься / прижаться к кому-л. sich…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmiegen

27 Bildungen · 1 Erstglied · 25 Zweitglied · 1 Ableitungen

schmiegen‑ als Erstglied (1 von 1)

schmiegen als Zweitglied (25 von 25)

Únterschmiegen

Campe

Únterschmiegen , v. rec . sich unterschmiegen, ich schmiege mich unter, ungeschmiegt, unterzuschmiegen , sich unter etwas schmiegen, D. Unte…

anschmiegen

DWB

anschmiegen , arcte jungere, insinuare, zumal von eng anschlieszendem kleide: wie sie im schwung der weiszen hand anschmiegt dem leibe hell …

durchschmiegen

DWB

durch·schmiegen

durchschmiegen , reflexiv, sich durchschmiegen mühsam durchwinden, durchhelfen. wer zeuge seiner ( des herzogs Alba ) klugheit war, wie er d…

einschmiegen

DWB

ein·schmiegen

einschmiegen , incurvare, insinuare, schw. insmyga, dän. indsmyge, mhd. în smiegen, von einem pferde: ëʒ enwas niender în gesmogen. Trist. 1…

heranschmiegen

GWB

heran·schmiegen

heranschmiegen ‘sich um jdn h.’ für: jdn umschleichen; von gezähmten Raubkatzen (mBez auf Dan 6,1) Aus den Gruben, hier im Graben | Hör’ ich…

heraufschmiegen

GWB

herauf·schmiegen

heraufschmiegen ‘sich h.’ iSv von dort unten nach hier oben kriechen, bildhaft mBez auf (angenommene) Ausstrahlung unterirdischer (Erz-)Lage…

hinanschmiegen

GWB

hinan·schmiegen

hinanschmiegen refl: sich eng an etw anschmiegen [ Zwischenkieferknochen ] schmiegt sich an die alveole [ Zahnhöhle ] des vordern Schneideza…

hineinschmiegen

GWB

hinein·schmiegen

hineinschmiegen [ Weg nach Münster/Schweiz ] an Wänden und in der Tiefe [ der Felsen ] schmiegen sich ausgewitterte Klüfte hinein GWB 19,224…

hinschmiegen

DWB

hin·schmiegen

hinschmiegen , verb. : sanft hingeschmiegt auf seidne frühlingsrasen. Hölty 200 Halm; und tieger schmiegen sich zu ihren ( der schönheit ) f…

ineinanderschmiegen

GWB

ineinander·schmiegen

ineinanderschmiegen refl, von Beziehungen zwischen einander nahestehenden Personen, iSv einer allseitigen Harmonie entsprechen die Verhältni…

nachschmiegen

DWB

nach·schmiegen

nachschmiegen , verb. reflexiv mit dativ, sich nach einem schmiegen, ihm nachgeben: dasz sie sich in allen krümmungen .. seiner laune geschi…

Niederschmiegen

Campe

nieder·schmiegen

○ Niederschmiegen , v. rec . Sich niederschmiegen , sich niederwärts, an den Boden schmiegen. »— und wer sich nicht geduldig im Staube niede…

Uberschmiegen

Campe

uber·schmiegen

Uberschmiegen , v. rec . sich überschmiegen, übergeschmiegt, überzuschmiegen , sich über etwas schmiegen, anschmiegend sich über etwas legen…

Umhérschmiegen

Campe

umher·schmiegen

○ Umhérschmiegen , v. trs . u. rec . um etwas herum schmiegen. Denn ich betäubte den Sinn des Ägis erschütternden Gottes Sanft umhergeschmie…

Umschmiegen

Campe

Umschmiegen , v. trs . D. Umschmiegen. D. — ung. 1. Úmschmiegen, ich schmiege um, umgeschmieget, umzuschmiegen , um etwas schmiegen. Sich um…

unterschmiegen

DWB

unter·schmiegen

unterschmiegen , trennbares v. ; vgl. mhd. undersmücken. zu schmiegen II 1: so wil ich mich auch unterschmiegen ( niederducken ) fastnachtsp…

verschmiegen

DWB

ver·schmiegen

verschmiegen , verb. zusammenziehen, verbergen. mhd. versmiegen, starkes zeitwort, versmiuge, versmouc, versmugen. das wort ist nhd. selten …

zusammenschmiegen

DWB

zusammen·schmiegen

-schmiegen , v. : sehet von ferne der sterne blankblinkende flammen fügen und schmiegen den himmel und erden zusammen Harsdörfer gesprächsp.…

zuschmiegen

DWB

zuschmiegen , v. , wie anschmiegen, s. th. 1, 445: sich z. zu einem ins bette Kramer 609 a . ungefähr wie zuschmieren: so du acht leng in di…

Ableitungen von schmiegen (1 von 1)

verschmiegen

DWB

verschmiegen , verb. zusammenziehen, verbergen. mhd. versmiegen, starkes zeitwort, versmiuge, versmouc, versmugen. das wort ist nhd. selten …