schmiegen,
verb. eng und geschmeidig an etwas drücken, ducken. II.
form und verwandtschaft. I@11) schmiegen
ist ein gemeingermanisches wort, das über das germanische hinausreicht, mindestens [] in die zeit der slawo - deutschen spracheinheit, wenn die gewöhnliche zusammenstellung mit lit. smùkti
gleiten, kirchenslav. smykati s
und smucati
repere, smycati
trahere Fick
3 2, 503. 3, 357
zu recht besteht; man müszte in diesem falle ein indogerman. * sméukô =
german. smiuhan
und daraus mit aufgabe des grammatischen wechsels smiugan
annehmen. das ältere h
will Noreen
urgerman. lautl. 207
in ahd. mûhhôn
heimlich auflauern, mûhhilâri '
meuchler',
mhd. miuchel-
heimlich, vermûchen
verstecken, mocken
versteckt liegen, wiederfinden (?).
vereinzeltes smiehen
s. 2.
in der 4.
aufl. 1, 576
dagegen setzt Fick
als wurzel smugh-
an und vergleicht griech. μύχος,
ohne die andere ableitung ganz aufzugeben. innerhalb des germanischen gehören zu schmiegen
zahlreiche ableitungen, vgl. schmuck, schmücken, schmucken, schmuggeln,
engl. smock
unterrock (
vgl. Skeat 567
a;
ebenso isl. smokkr,
ahd. smoccho Graff 6, 819). Grimm
kl. schrift. 3, 310
will auch ags. sméagan
nachdenken, und altn. smeygja
hierher ziehen; doch gibt Paul
für ersteres in den beitr. 6, 93,
anm. 4
eine andere erklärung. vergl. zum ganzen Grimm
gramm. 2, 24. Kluge
5 331
a. I@22)
german. smiugan
ist im goth. unbezeugt, altn. smjúga,
sich durch eine enge öffnung drängen Fritzner
2 3, 448
b,
schwed. smuga
schleichen, dän. dafür smøge,
das eigentlich causativ ist, vgl. altn. smeygja Fritzner
2 3, 446,
schwed. smöga
schmiegen, einfädeln, ags. smûgan
kriechen Bosworth-Toller 890
a,
in mittelengl. zeit ausgestorben, fries. in insmuge,
das hineinkriechen Richthofen 853
a.
dem nd. ist das wort überhaupt fremd, doch findet es sich holländisch als smuigen
in der bedeutung '
heimlich essen, naschen',
vgl. Franck 911.
ahd. *smiogan
unbelegt Graff 6, 819,
mhd. smiegen Lexer
handwb. 2, 1011
mit den nebenformen smiugen (
wol fortsetzung des altoberd. smiugan): si müesten sich smiugen (: urliugen) vor ir einem zaller frist. Ottokar
reimchron. 80395,
und ebenso 97507,
s. II, 1 (
dagegen smiegen 23135, : biegen 8706), smiehen (
vgl. 1): das kan er im denn wol verziehen und ettwas in das scheff smiehen.
d. teuf. netz 11562.
im nhd. begegnen zwei nebenformen: I@2@aa) schmügen,
so z. b. bei H. Sachs (
fastn. sp. 4, 84. 88. 5, 28
neudruck), Ayrer (2351, 6
Keller), Logau (1, 33. 2, 102. 3, 215),
s. die belege. I@2@bb) schmeigen
bei Steinbach 2, 465:
präs. ich schmeige,
flecto, imperf. ich schmieg, (ich habe) geschmiegen.
dazu der schmeig,
inflexio; die schmeige
retractio (
s. oben schmiege), schmeigig,
adj. flexilis, das geschmeige
flexura, geschmeigig,
adj. flexilis (
vgl. schmeidig, geschmeidig).
daselbst daneben auch ich schmiege,
flecto, geschmieget; die schmiege.
ebenda. belege für schmeigen
aus d. litt. des 15.—16.
jahrh., s. sp. 988.
da es ablautend flectiert, so haben wir darin vielleicht eine alte parallelbildung anzuerkennen, die sich zu schmiegen
verhält, wie schleifen
zu schliefen (
vgl. dieses, sp. 680). I@33)
die flexion ist in der älteren sprache durchgehends stark: altn. smjúga - smaug
oder smó-smugu-smoginn;
ags. smûgansméag - smugon - smogen;
mhd. smiegen - smouc(smôc, smôg)smugen-gesmogen.
ebenso im älteren nhd. noch Cramer 2, 608
b gibt an, schmiegen
flectiere wie biegen.
dagegen nach Adelung
ist schmiegen
regelmäszig, die starke flexion auf das oberd. beschränkt. die einzelnen formen sind: I@3@aa)
in der 2. 3.
ind. und präs. zeigt das älteste nhd. noch vocalwechsel: so schmeugt er sich, und weichet den stoltzen unnd trotzigen leuten. Mathesius
hochzeitpred. 54
b;
so bei H. Sachs er schmeugt,
s. Shumway
d. ablaut. verb. bei H. Sachs s. 54;
doch findet sich einmal schon bei ihm die form er schmiegt: und (
das einhorn) sich in jren (
der jungfrau) geren (
schosz) schmucket als ein lemblein, schmieget und ducket, leget sein haubet in jr schosz. H. Sachs 4, 2, 115
c.
auch der imperativ schmig
schon im 16.
jahrh., s. unten II, 1.
im 17.—18.
jahrh. durchweg du schmiegst, er schmiegt, schmieg(e). I@3@bb)
im prät. sind im 16.
jahrh. die starken formen allein herrschend, zeigen aber doppelte bildung, dadurch dasz der mhd. wechsel von ou
bez. ô
im sing. und u
im plur. nach verschiedenen seiten ausgeglichen ist, doch überwiegen die u-
formen. so finden sich im sing. neben einander schmog: so schmog er sich zu jhr hinein. H. Sachs 1, 161
b; (
ich) schmog mich also inn stillem lauschen. 367
c.
und schmug (
vgl. Mathesius 61
b, II, 2,
a): das litt der todt als und sich schmug. 2, 4, 100
d; darvor die burgerschafft sich schmug. 4, 2, 78
c; darhinder schmug sich der schneidr zam. 5, 381
b;
[] der pfaff sich in der rewssen schmeg (: schleg).
fab. u. schwänke 1,
s. 320, 57
neudr.; und (
der hund) schmeg sich zu den fuesen sein.
s. 551, 157.
ebenso im plural schmugen: im krais sich hin und wider schmegen.
s. 465, 137; köng und fürsten sich vor jm schmugen, sich unter sein gehorsam bugen.
werke 4, 2, 105
c; die münch da von der frawen flugen und in die winkel sie sich schmugen.
qu. bei Schm. 2, 546.
und schmogen: do in ein winkel wir uns schmogen (: gezogen).
fastn. sp. 274, 19; und schmogen sich hin ein die ecken. H. Sachs
fab. u. schw. 1,
s. 232, 13
neudr. I@3@cc)
im part. hält sich die alte form geschmogen
im 16.—17.
jahrh. durchweg, so bei H. Sachs
ausnahmslos, s. Shumway
s. 55 (
die seltene nebenform geschmugen
z. b. bei Seb. Franck,
s. II, 4,
d).
dagegen in der classischen litteratursprache des 18.—19.
jh. ebenso regelmäszig geschmiegt.
die ganz vereinzelte form geschmocht: was sie bei obgehörts churfürsten zeiten in ihr haus zu Wormbs het geschmocht, das ward ir alles wider genommen.
Zimm. chron. 3, 336, 3
ist von Barack
im glossar zu schmiegen
gestellt, sie kann indes keinenfalls direct dazu gehören, höchstens zu einer causativen ableitung davon. I@44)
mundartlich hat sich schmiegen
nur auf oberd. gebiete erhalten, doch ist auch hier meist die ableitung schmucken
üblicher. bair. sich schmiegen - schmieget
und schmug-geschmiegt
und geschmogen Schm. 2, 545,
kärntn. schmiegn-schmieget-gschmogn Lexer 222,
vgl. schwäb. schmögen Birlinger 399
c.
das part. geschmogen
auch schweizerisch als adjectiv, s. II, 3. IIII.
bedeutung. II@11)
transitiv selten, hauptsächlich in der älteren sprache, mit verschiedenen sinnesnuancen; in einen engen raum, eine dicht anschlieszende umhüllung drücken: ich hete in mîne hant gesmogen daʒ kinne und ein mîn wange. Walther v.
d. Vogelweide 8, 7; sô sint im die elenbogen in zwên gugelzipf gesmogen. Seifr. Helbling 1, 230;
einschlieszen, verstecken: mîn swert muoʒ ich in einen winkel smiegen.
minnes. 3, 354
a Hagen; und was der winder ... in die mauer tieffer lauer (
schlupfwinkel) hêt gesmogen. Osw. v. Wolkenstein 63, 3, 14.
ähnlich noch nhd. seinen körper schmiegen,
ganz gleich dem gewöhnlichen sich schmiegen: einen erdfall .., in dessen nicht allzu wohl verwahrte höle ich meinen zerstauchten cörper schmiegte.
Felsenburg 2, 389; Vrenchen ... schmiegte seinen schlanken zitternden leib an ihn. Keller 4, 149.
sonst in der heutigen sprache nur noch seine arme um etwas schmiegen (
vgl. 2,
c): die kecken kraftvollen arme dicht um ihre knie geschmiegt. Wieland 21, 308 (
Klelia 6, 130).
oft überwiegt der begriff des (
heimlichen)
wohinschaffens, vgl. die unter I, 2
und 3,
c angeführten stellen aus des teufels netz und der Zimm. chron.: der hat vil groʒe roube dem tievil von der helle enzogen und in daʒ himilrich gesmogen. Hugo v. Langenstein
Martina 53, 50.
mit präpositionen den zagel în smiegen,
einziehen, zwischen die beine ziehen: die zagel habents (
die hunde) în gesmogen.
wolf u. sin sun 943 (Grimm
Reinhart 325). zesamene smiegen,
zusammendrücken, einschrumpfen machen oder krümmen: daʒ alter mengem hat gebogen sinen ruggen und gesmogen zesamen unde sinu lider.
Martina 264, 50.
ähnlich die achseln schmiegen, einschmiegen,
stringere, piegare le spalle ò ristringersi nelle spalle per humiltà Cramer 2, 609
a; die äste zusammen schmiegen,
ramos arcte comprimere Steinbach 2, 465; zu schmiegen
verengern: und so du acht leng in die höh gemessen hast, so schmig den probirofen ein wenig zu, also das er oben ins gefier sieben leng weit bleibt. Erker
beschreib. aller fürnemsten mineral. erzt u. bergwerksarten (
Frankf. a. M. 1580) 6
a. —
mhd. smiugen
bildlich, '
verkleinern, knickern' (?
nach Seemüllers
glossar): ân zadel und âne smiugen, swes man durft hât, gap man dar allen rât. Ottokar
reimchron. 97507.
[] II@22)
gewöhnlich reflexiv sich schmiegen. II@2@aa) sich wohinein schmiegen,
um sich zu verstecken oder zu schützen, so besonders: sich in eine ecke schmiegen,
in angulum quempiam occultare se, sidere ad abdita latibula Stieler 1253; Isaac .. schmug sich mit seinem hauszgesind inn ein winckelein. Mathesius
hochzeitspred. 61
b; daʒ tie lewin von imo vluhin, in einin winchil sich smugin. Kraus
deutsche ged. des 12. jh. s. 9, 68; vorn schreiber mus sich biegen offt mancher stoltzer heldt. und in ein winckel schmiegen.
Ambr. liederb. 245, 39 (Uhland
volksl. nr. 263, 5); ich will mich allda in die eckn schmügen und darinnen versteckn. Ayrer 2351, 6
Keller; sprichwörtlich: wann list, trug platz hat und das liegen, musz sich d' warheit in winckel schmiegen. Kirchhof
wendunm. 1, 159
Österley (1, 127).
andere verbindungen: si smouc sich an daʒ bette sâ
n. Parz. 194, 4; ich (
Diogenes) wil mich auch an diesem ort widerumb in mein putten schmü
gen. H. Sachs
fastn. sp. 4, 88, 321
neudruck; vergl.: die spin sprach: 'in ains pawren has wil ich mich in ain winckel schmüecken ... das ich mich hab so lang geschmogen in der stat, das thet mich noch dawren'.
fab. u. schwänke 84, 76
neudruck; da Isaac von seinen untrewen feldnachbarn wol umbgetriben ... ward, hab er bösen leuten gewichen, und sich auff ein örtlein geschmogen. Mathesius
hochzeitspred. 46
a; sich in eine decke, in seine gewänder schmiegen,
dicht einhüllen: denn das bette ist so enge, das nichts ubrigs ist, und die decke so kurtz, das man sich drein schmigen mus.
Jes. 28, 20;
dativisch: sich in einem bette der kälte wegen schmiegen,
rannicchiarsi nel letto u. s. w. Cramer 2, 609
a.
auch sich schmiegen
allein, sich verstecken, um unbemerkt zu bleiben; so im bilde: sô wart ich ir recht als ain fuchs in ainem hag mit stiller lauss, gugk aus der stauden, smeug dich luchs. Osw. v. Wolkenstein 71, 1, 8;
oder um sich vor frost und wind zu schützen: vor frost schmeugt sich menschen und viech und helt sich jnnen trawrigklich. H. Sachs 1, 374
c. II@2@bb) sich an einen schmiegen,
zum ausdrucke der zärtlichkeit oder eine stütze suchend: liebleich er sich an dich smog, do er deine prüstlein sog.
quelle bei Schmeller 2, 546; entpflückt das mädchen dich (
ein veilchen) dem rasen, die brust mit dir zu schmücken, o, dann schmiege dich an ihr herz. Hölty 80
Halm; mich an deine seite zu schmiegen das war ein süszes, ein holdes glück! Göthe 12, 243; wie göttlich süsz ist das vergnügen an's herz des gatten sich zu schmiegen. Schiller 3, 165; ach, wär es mir beschieden ... mich fest an sie zu schmiegen. Lenau 1, 41
Koch; sich an etwas schmiegen: und do de diu eselin sach, do smôck und raip si sich an die mûri. Grieshaber
pred. 2, 130; also flüsternd sprach der bote, scheu sich schmiegend an die föhre. Lenau 2, 477
Koch (
Ziska IV). sich zu jemandes füszen schmiegen
u. ähnl.: und zürne nicht auf deinen knecht, der sich an deinen füssen schmieget. Günther 77; während wir weinen und flehn und, schmeichelnden hündchen gleich, zu ihren füszen uns schmiegen. Wieland 5, 63 (
Am. 14, 3); und (
die königin) sieht, mit stolzem, weiblichem vergnügen, der schwäne fürsten ihrem knie sich schmiegen. Göthe 41, 108 (
Faust II, 2); doch Thetis schmiegte sich fest ihm an die umschlungenen knie'. Voss
Odyss. 1, 512; in jemandes arme: Vrenchen zitterte leis bei diesem letzten worte und schmiegte sich tiefer in Salis arme. Keller 4, 117; und es kam ein kind und schmiegte flehend sich in deinen arm. Lenau 2, 60
Koch. bildlich: von Proteûs, dem der Nil sich schmoge zu den füszen, hat Menelaus selbst ein almos bitten müssen. Scherffer
ged. 203; die schmeicheley schmiegt sich vergebens künstlich an dein ohr. Göthe 9, 105 (
Tasso 1, 1);
[] an diesen starken schmiegten sich wollüstig alle meine weiblichen schwächen. Schiller
Fiesko 3, 3. — sich zu einem schmiegen: sich zuschmiegen zu einem im bette,
accostarsi strettamente ad uno in letto, Ruth schmoge sich zu Boaz. Cramer 2, 609
a; dô ich .. lac in der wagen (
wiege) .. ein slange sich zu mir smouc. Albr. v. Halberstadt
s. ccxxviii
Bartsch; freier, zu einem seine zuflucht nehmen, sich zu ihm halten: Venus, zu dir wil ich mich schmiegen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 16, 102
neudruck. II@2@cc) sich um etwas schmiegen,
vgl. seine arme um etwas schmiegen (
s. 1): mit freuden entsprang dem lager die fürstin, fest um die alte geschmiegt. Voss
Odyss. 23, 33; sich um seinen nacken schmiegend. Grillparzer
4 6, 146 (
traum e. l. 2);
von ranken: weinranken winden und schmiegen sich innig um stamm und ast. Gaudy 19, 29;
von gewändern u. ä.: ich sollte wissen .. in welcher weise sich der frauen gewand um den zarten leib schmiegt. Scheffel
Ekkeh. 136.
bildlich: dies gesichtchen .. war eins von jenen durchsichtigen, die nur wie ein florschleier um eine höhere geistige schönheit sich schmiegen. Ludwig 2, 401. II@2@dd)
seltenere verbindungen im eigentlichen gebrauche sich unter, hinter, durch, über etwas schmiegen: do slæich ich uof gedingen unt smauc mich hinder ein tur.
d. urstende 109, 82; dasz unter jederman Pertunda fein sich schmügen und jetzo da, jetzt dort wil willig unten liegen, das thut sie dannenher; sie hat zur zeit gehört wie schönheit um so viel durch demut wird vermehrt. Logau 1, 33, 16; unter ihn (
den schild) schmiegt' er sich ganz, dasz der wurfspiesz über ihn hinflog. Voss
Od. 13, 408; zwischen rohr und gesümpf, uns unter die rüstungen schmiegend, lagen wir. 14, 474; und wie's der erste strahl im zimmer dämmern macht, sieht Lutz sie durch die teppichwand sich schmiegen. Wieland 18, 119; so het er sich daher, so fast er gemöcht, under das dach geschmogen. Lindener
rastbüchl. 33; ich schmiegte mich quer über in die ecke des wagens. Thümmel
reise 7, 170.
ohne nähere bestimmung, nur als ausdruck des weichen, geschmeidigen: die hand musz seyn gekrümmt, geleckt eh man sie krieget, nicht anders, als wenn sich das weisse kätzgen schmieget. Rachel
sat. ged. 118; ein mägdlein mag man schrecken, das sich im bade schmiegt. Uhland
ged. (1864) 359. II@2@ee)
mit verblassung der ursprünglichen bedeutung sich auf, zu etwas schmiegen,
sich langsam hinaufschieben: wann ich dan auf wil gen ein stiegen, so thu ich mich auf ein staffel schmiegen.
fastn. sp. 564, 9 (
als ausdruck der faulheit).
ähnlich in freier übertragung: und aus den untersten bezirken schmiegt sich herauf lebend'ge spur. Göthe 41, 19 (
Faust II, 1); dasz mein ruhm sich zum Orion schmiegte. Schiller 1, 261. II@2@ff)
häufig in übertragener verwendung, sich fügen, nachgeben, sich in
oder unter ein joch
u. ähnl. schmiegen: schmiegt tändelnd euch in seine (
Hymens) rosenbande! Gotter 1, 82; ich soll das werkzeug seyn, das seine ränke stützt; .. und in ein lasterband sich vor altären schmieget? 2, 61; Knebel ist am unwilligsten sich ins dramatische joch zu schmiegen. Göthe
br. 4, 218
Weim. ausg. (
an Ch. v. Stein den 11.
mai 1780); denn konnten wohl männer wie Friedrich Barbarossa .. unter das joch des papstes sich schmiegen? Klinger 1, 324; schmiegt sich unser herz wohl unter das urtheil unsers onkels? 377; da sie merkten, dasz die letzten anstrengungen ihrer kunst nur den triumf ihrer gegnerin zu zieren dienten: so schmiegten sie sich endlich unter ihr schicksal. Wieland 6, 281.
dafür dativisch (
in poetischer redeweise): er focht .. für die freiheit seines vaterlandes, wanderte, als dieses dem türkischen joche sich wieder schmiegen muszte, nach Bessarabien. Göthe 46, 333; mit schweigen dulde die kränkungen alle, dem trotz der männer dich schmiegend. Voss
Od. 13, 310; verwehrt ihr, meinem willen euch zu schmiegen. Chamisso
Salas y Gomez 4;
[] sich nach jemandes launen schmiegen: aber sie hatte sich zugleich nach allen seinen launen geschmiegt, hatte seinem geschmacke sklavisch gehuldigt. Schiller 3, 574; an jeder, welche sich zu seinem willen schmieget, wird die verrathne zucht auf diese art gerüget. Wieland 17, 103 (
Idris 2, 58).
andere verbindungen: wenn sie (
menschliche kunst) der natur gewalt thut und sie nöthigt nicht nach ihren zwecken zu verfahren, sondern sich in die unsrigen zu schmiegen. Kant 2, 479; keines (
kein philosophisches lehrgebäude) schmiegt und biegt sich mit minderm zwange nach der veränderlichkeit unserer natur. Thümmel 7, 98; seine (
Franz Moors) untreue seele schlüpft geschmeidig in alle masken, und schmiegt sich in alle formen. Schiller 2, 364. II@2@gg) sich schmiegen
auch sonst übertragen mit mannigfacher nuancierung, als ausdruck der unterwürfigkeit: so schmeügst du dich, als ain hund, den man usz der kuchin schlecht. Cl. Hätzlerin 2, 60, 98; und wil, das yederman sich schmig und yhm unter den füssen lig. H. Sachs
fab. u. schw. 21, 43
neudr.; sich fügen, jemand zu willen sein: der ander elendt in der welt ist, so ein weib geht uber feldt ... im wirtshausz musz sie sich auch schmigen, ein jeder narr wil bey yr liegen. 46, 11; dasz das verdienst, unfähig sich zu schmiegen, ... sein ziel erst spät erreicht. Gotter 1, 167.
so vom heuchler: und wie alle heuchler im schrecken sich biegen und schmiegen und krümmen, so krümmte und schmiegte sich damals auch Kriecher. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 1, 106;
die verbindung mit biegen
ist überhaupt sehr beliebt: sich vor jedermann schmiegen, unterschmiegen, schmiegen und biegen müssen. Cramer 2, 609
a; sich bey ieden ums brot schmiegen und biegen,
submissum omnibus panem quaerere Steinbach 2, 465.
im bilde: ich war bisher aufgewachsen wie ein gras, mich biegend und schmiegend, wie jedes lüftchen der lebensregungen und der laune es wollte. Keller 1, 130. — sich schmiegen
als ausdruck der furcht: all creatur mit forcht sich schmiegen. H. Sachs 5, 80
c; wie sich die frösch auch müssen schmigen, inn forchten auch verborgen ligen!
fab. u. schw. 20, 35
neudr.; wem nicht frau und kinder zur seite bange sich schmiegen! Göthe 40, 248;
so gern in verbindung mit dem synonymen ausdruck sich ducken: Isaac, der sich auch ducken und schmiegen muste inn der welt. Mathesius
hochzeitspred. 56
b;
im bilde: denn der neid ein nachtvogel ist, der nur heymlich und dückisch fleugt, bey dem tag sich ducket und schmeugt. H. Sachs 1, 295
c.
besonders sich vor einem schmiegen,
ducken, aus furcht oder unterwürfigkeit: dô muoste von Paʒʒou der wolf vor dem lewen von Salzpurc sich smiegen und diu knie gegen im biegen, wand er sîn rehter herre ist. Ottokar
reimchron. 8706; hab mich alzeit vor jm geschmogen, von seinr beywonung mich abzogen. H. Sachs 3, 1, 94
c; und meinen feynden anzusiegen, das sie sich vor mir müssen schmiegen. 166
c; die andern vier erbeiten hart, ... vor könig, adel und burger sich schmü
gen. fastn. sp. 5, 28, 368
neudruck; (
wir) vergessen unser selbst, beginnen uns zu schmiegen vor einer die nicht grosz nach unsern künsten fragt. Opitz 2, 64. sich schmiegen müssen
als bezeichnung groszen elends: ich armer bettler musz mich schmiegen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 120, 200
neudr.; mein Diogene, aber dich ehrt niemandt, du must dich hie schmiegen, in deiner putten ellendt liegen. 4, 84, 199; wie muste sich doch schmiegen der vater Abraham. P. Gerhardt
s. 284, 24
Gödeke. sich schmiegen
von einem, der den kürzeren zieht, nachgeben musz: hie darff ich mich allein nit schmiegn, weil es bey dir auch ist der sitt. H. Sachs
fastn. sp. 1, 62, 285
neudr. (
wettstreit zwischen spieler und trinker);
[] sich einschränken, den verhältnissen anpassen: das er denn nit hat abgelassen von solchem bracht, und sich geschmogen und fein sitlichen abgezogen und dest ringer gehalten hausz! 4, 146, 250;
vgl. auch: muos nuon in gflickten hosen danczen, ... mich schmiegen wie ein nasser dachs. 7, 48, 329. II@2@hh)
selten von dingen gesagt: die verhältnisse, die sonst sich freundlich in einander schmiegten, schienen sich nunmehr anzufeinden. Göthe 22, 53. II@33)
zuweilen wird auch schmiegen
allein intransitiv im sinne von sich schmiegen
gebraucht: so pald und ich ain drit drein (
ins bett) tätt und het mein klaider abgezogen und plos under die deck geschmogen.
fastn. sp. 332, 24;
besonders häufig im infinitiv, neben synonymen ausdrücken: darein (
in die kammer) liesz ich jn lauffn und schmiegen. H. Sachs
fastn. sp. 4, 73, 205
neudr.; er treibt philosophey, die auff die kunst zu lügen gibt regel und gesetz, die schicken, schmügen, biegen um zu gefallen lehrt. Logau 3, 215; das auff seinen befelch und willen, alle knie inn himel, erd, und hellen sich biegen, und für disem leibhafftigen gott, alle creaturen, sampt allem unglück schmiegen .. sollen. Mathesius
pred. über den 130.
psalm X 1
b; ich habe dich hundertmal in der kirche und auf der strasze mit meinen augen vor dem vogt bucken und schmiegen gesehen, wie ein hund. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 95.
leichter und dem heutigen sprachgefühl weniger widerstrebend ist die ellipse des sich,
wenn der infinitiv substantiviert erscheint: bürger: sind füchse zum schleichen und schmügen, vortheln, berücken, finantzen und lü
gen. Logau 2, 102, 14; das bücken und schmiegen vor einem menschen scheint in jedem fall eines menschen unwürdig zu sein. Kant 5, 270; dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen, diesz jasagen, streicheln und schmeicheln. Göthe 19, 167.
sonst findet sich in neuerer sprache nur das part. präs. zuweilen ohne sich,
besonders in adjectivischer verwendung: wie einer mit einer kraftvollen, vermögenden seele im staube liegt, ein anderer mit einem schwachen, eitlen, schmiegenden geiste, über ihn hinausschreitet! Klinger 1, 61.
auffälliger ist: bleibe doch in Neckarbuchten schmiegend. Göthe 47, 174. II@44)
besondere beachtung verdient das part. perf. II@4@aa) geschmogen
bez. geschmiegt
in verbalem sinne, geduckt, versteckt, zusammengekauert: sô der lewe lît gesmogen durch vorhte vor der katzen. Heinr. v.
d. Türlin
krone 3820; so sitz dann hinderm disch geschmogen. Scheidt
Grobianus 3057; keinen davon nun kann ich umher schaun oder bemerken, sondern hinab sind alle geschmiegt, wie die hund' um den löwen. Voss
Il. 5, 476; allda stieg ich ans land, wo gebüsch war laubiger waldung, lag dann drunter geschmiegt.
Odyssee 14, 354.
vgl. auch: dîn ougen sint dir în gesmogen. Heinr. v. Freiberg
Trist. 5105. geschmogen sitzen,
im gegensatz zu aufrecht sitzen: sitzt ûf geriht und niht gesmogen.
zeitschr. für d. alterth. 7, 176, 56; laen dich nit an, sitz fein geschmogen.
meisterl. fol. 23,
nr. 212;
dagegen umgekehrt bei H. Sachs: sitz auffgerichtet fein geschmogen. 1, 430
b;
entsprechend in der '
verkerten tischzucht': so leg dich auff mit beyden elbogen leyn dich an, und sey nit geschmogen. 4, 3, 96
a. II@4@bb)
häufig ist die verbindung in sich geschmiegt,
auch oft übertragen: so steht sie (
Venus) da, halb abgewandt, (wie zu Florenz) und deckt mit einer hand, erröthend, in sich selbst geschmieget, die holde brust. Wieland 10, 178; noch lag sie, als er kam, schön in sich selbst geschmiegt. 23, 42 (
Oberon 7, 64); in stunden, da du nichts auszer dir hast, das dich erfreuen oder lieblich beschäftigen könnte, kannst du, in dich selbst geschmieget, dich mit deinen eignen gedanken besprechen.
suppl. 3, 184; dabei war das ganze gebilde so mädchenhaft in sich selbst geschmiegt! Ludwig 2, 401; es scheint fast, als habe er (
Göthe) unter natur eben nur das pflanzenmäszige
[] will sagen, das stille wachsen verstanden, das in sich geschmiegte, gebundne. 5, 345. II@4@cc)
von kleidern, eng anliegend: der truog ein joppen,wol gesmogen.
minnes. 3, 299
b Hagen. II@4@dd)
im oberd. wird geschmogen
als adj. gebraucht im sinne von '
schmächtig, kümmerlich, knapp, klein' Stalder 2, 336. Schm. 2, 546;
nürnbergisch es geht ihm geschmogen, er sieht geschmogen aus
ebenda. so auch zuweilen in der ältern schriftsprache: sunst die weisse des hars .. ein geschmognere masz des leibs .. haben sie (
die alten und die kinder) gemeyn. Seb. Franck
moriae encom. 9
a; o da wirt der glaub klein und geschmugen.
sprichw. 2, 111
a; so nider, klein, geschmugen und zeniete müssend wir werden.
ebenda. dagegen heiszt gschmogn
in Kärnthen: geschmeidig Lexer 222. II@55)
technisches. II@5@aa)
bei den maurern eine wand
oder eine mauer schmiegen,
in einem schiefen winkel fortführen Adelung; schmiegen eine maur,
retrahere murum Frisch 2, 208
c. b)
mit einer schmiege (
s. das. 2)
messen Bobrik 607
a.