sprung,
m. saltus, zu springen
gehörig, mhd. sprunc,
gen. sprunges Lexer
mhd. handwb. 2, 1121,
ahd. sprung,
als i-
stamm im plural mit umlaut, der ahd. noch fehlt. Graff 6, 398,
gelegentlich auch mhd. und selbst frühnhd. fastn. sp. 426, 8 (
s. unten [] 1,
a, α),
in älterer sprache im plural wol mit i
statt mit ü
geschrieben. P. Gerhard 232, 13
Gödeke (
s. 1,
a, ε).
Simpl. 4, 206, 14
Kurz (
s. 1,
a, δ). Wiedemann
gefangensch. juli 68 (
s. 1,
a, α).
Plesse 1, 60 (
s. unten 1,
a, κ),
in heutigen md. mundarten auch sprong. Müller-Weitz
Aachener mundart 232, spronk Schmidt
westerw. idiot. 229, sprnk Spiesz
henneb. idiot. 239;
mnd. sprunk Schiller-Lübben 4, 348
a,
nnd. sprung Schambach 206
b, sprung, sprunk,
plur. sprünge Dähnert 454
b. Schütze 4, 178, sprung,
plur. sprungen ten Doornkaat Koolman 3, 290
b;
mndl. nndl. sprong.
vgl. schwed. sprng,
n. sprung, schweiz. sprunggen,
m. holzsplitter, glasscherbe. Stalder 2, 387. 11)
nach springen 1. 1@aa)
verbal. 1@a@aα)
von personen in eigentlicher anwendung: sie tæt nâch vröuden einen sprunc, der mannes herze tæte vrô, embor über ir âmîs hô.
krone 23715; man seit noch von dem sprunge, den si zuo der swester tet an daʒ waʒʒer in daʒ terret (
schiff). Ottokar 4724
Seemüller; der wîn, der mich dâ mâchet junc, dem wil ich springen einen sprunc.
weinschwelg 242; der mîn uuine verit al in sprungen an den bergon. Williram 35, 1
Seemüller; ich hab gefelet, ich will den sprung verbessern.
Garg. 230
b; dem sprung (
über einen graben) hatt ich leib und leben zu danken. Schiller
räuber schausp. 1, 2; der gesetzlose sprung der freude wird zum tanz.
schriften 10, 380; da ward es mir fast leicht und fröhlich zu muthe, und hätte ich wohl mögen einen sprung thun. Brentano 4, 5; diese (
eine frau) that einen sprung (
vor verwunderung). Keller 4, 131; nun hielten sie sich gegenseitig fest und drehten sich langsam zum thore hinein, nur zuweilen einen sprung versuchend, um einer dem andern zu entkommen. 263; wo ein breites rinnsal den gang hinderte, wiederholte er den sprung nach rückwärts, um seinem gefährten muth zu machen. Freytag 8, 6.
beim tanzen: ich will zu den pauren keren und will si neue sprunge leren.
fastn. sp. 426, 8
Keller; mit sprüngen ligstu in allen ob. 585, 20; die weiszen schleier flattern, die schwarzen stolen wehn, die kerzenflämmchen flattern, wie sie im sprung sich drehn. Uhland (1864) 401; wenn die alte mutter mit am tantze umbhero schrolt, und schüttet die alten runtzeln ab, unnd musz alle sprünge sorge haben, sie verzettelt einen zaan. Mathesius
katechismus 116; denn die musick ist gleichsam die seele des tantzes, welche alle springe regieret. Wiedemann
gefangensch. juli 68; die sonst im trauerspiel so ernsten Franzosen, denen Noverre die tragischen Horazier Corneille's als einen pantomimischen tanz gegeben; folglich in sprüngen. J. Paul
Katzenb. 2 (52), 60; (
sie) begannen aufs neue (
beim schwerttanz) im kreise gegen einander zu springen, jetzt sprünge und schwertschläge schnell wie der blitz. Freytag 8, 33; die mädchen des hofes klagen, dasz unsere sprünge ihnen die knöchel renken. 87; es par sprüng tue,
ein tänzchen machen. Hunziker
aarg. wb. 249; sprung '
beim tanzen, wenn man sich mäszig in die freie luft erhebt, mit beiden beinen zugleich oder nur mit einem bein (
caprioles, entrechats)'. Jacobsson 7, 415
b; die sieben sprüng,
eine art tanzes, der sich abwechselnd im ¾
und
takt bewegt, bair. Schm.
2 2, 703,
auch kölnisch. 704; sprung
auch geradezu für tanz. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a;
vielleicht mit versteckter anspielung auf μ: alsz ob ich (
ein alter) iung gericht zum sprung künt den weiblein hofieren. Forster
t. liedl. 1, 34
neudr.; Casca, ist an jahren alt, ist am willen aber jung; weigert keinem keinen kusz, scheut nimmer keinen sprung. Logau 2, 213, 14;
so sicher einen sprung mit einer thun,
ballare con una, met. usare carnalmente con essa. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 890
c.
bei körperlichen übungen, kunststücken: nehmen sie einen luftspringer. von den wenigsten sprüngen kann er seinen schülern den eigentlichen mechanismus zeigen. Lessing 12, 66; sterben ist etwas mehr als harlequins sprung. Schiller
räuber schauspiel 2, 3; als Theodulf in mächtigem schwunge den schwersten stein geworfen und den weitesten sprung gethan. Freytag 8, 26; der fremde neigte das haupt ein wenig und that denselben
[] sprung (
über rosse) so sicher, dasz das feld vom beifall wiederhallte. 29; das fest wurde gefeiert durch wettlauf der rosse, durch wettkampf der männer in sprung, gerwurf, steinwurf und steinstoszen, den alten turnspielen der Indogermanen. 17, 85. sprung
durch das johannisfeuer: ich sprang freudig die erste durch das feuer, und risz, wie üblich, im sprung eins der röslein ab, welche an rothen wollfäden von dem groszen grünen kranz über jedem der feuer niederhingen. Brentano 4, 131;
eigenartig: komm führe mich in mein bleichzelt, sonst stehe ich dir für nichts gut, denn mir ist, als stecke mir noch ein sprung in den füszen. 132.
im kampf: sie (
die alten Deutschen) rückten dem gegner dicht auf den leib, schmetterten schwere wurfwaffen auf seinen schild und fuhren in mächtigem sprunge nach, das schwert in die feindliche brust stoszend. Freytag 17, 52.
als kommando im heutigen deutschen heere beim infanterieangriff: sprung! auf, marsch, marsch!
und dementsprechend: wir wollen noch zwei, drei sprünge machen und dann zum sturm vorgehen; nicht zu lange sprünge machen.
es handelt sich dabei um ein rasches laufen über kleinere geländestrecken, das jedesmal durch plötzliches hinkauern oder hinlegen beendet wird. sprünge
beim laufen in sonstiger anwendung: der knabe flog wie ein junger hirsch in groszen sprüngen dem herrenhofe zu. Freytag 8, 11. sprung
mundartlich wie schnelllauf. Hunziker 249.
bisweilen vom reiter, vgl. β. 1@a@bβ)
in gleicher art von thieren, so von pferden: sîn marh gienc in sprungen.
Rolandslied 272, 33; diu doch von sprungen niht belibn, ir ors mit sporen si bêde tribn ûʒem walap in die rabbî
n. Parz. 37, 21; mînem gedanken wart nie baʒ danne sô ich z'orse gesaʒ ... und mich daʒ ors von sprunge truoc.
Greg. 1426; eʒ saʒ der milte hôchgemuot ûf ein ros snel unde guot: daʒ fuor in sprungen durch di stat. Lichtenstein 172, 3; hei lumpengesindel, gieb mir platz, hinüber, mein rosz, hinaus; hei, schenkeldruck und sprung und satz, ade, philisterhaus! Strachwitz 103; sprünge der pferde auf der reitschul. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 891
a; er ... sucht den abgrund, in welchem er bey der schlacht sein leben verloren, mit sammt seinem pferde, wenn es noch einen einzigen sprung gethan hätte. Lessing 2, 520; die königin lachte und trieb ihr rosz wieder in wilden sprüngen umher. Freytag 8, 136;
ähnlich: hier hatte er sein thier (
maulthier) so heftig gestachelt, dasz es in erschreckten sprüngen vorwärts setzte. C.
F. Meyer
Jenatsch (1900) 58.
von hier aus bildlich: tumbiu Werlt, ziuch dînen zoum, wart umbe, sich. wilt du lân loufen dinen muot, sîn sprunc der vellet dich. Walther 37, 25.
bisweilen auf den reiter übertragen. Abraham a S. Clara 2 (1689), 45,
s.λ.
von anderen thieren: das gewild nimpt ein sprung über den schweynspiesz ausz,
fera saltu fertur super venabula. Maaler 382
c; hasen, welche sich von den nachlaufenden hunden zu retten, selzame sprünge thun. Frisch 2, 311
a; es (
das hündlein) ... that auch für allerhand alte weiber, was unsere neumodischen hundestutzer nicht gern thun, seinen wohlgemeinten toleranten sprung (
durch den reif). Brentano 4, 418; der lauf besteht nur aus einer reihe von paszartigen sprüngen. Brehm
thierl. 2, 19; in jähem sprunge fährt das ungethüm auf Arthur los. Vischer
auch einer 1, 237; darauf trat auch der fürst mit Ingo heraus und freute sich an den lustigen sprüngen des affen. Freytag 8, 69; seine (
des hasen) list ist sonderbar, dasz von spür- und andern hunden deren nasen ihm fatal, seine spur nicht sey gefunden, macht er hin und wieder sprünge, eh' er sich ins lager legt. Brockes 9 (1750), 252; (
ein eichhörnchen) das sprünge macht wie Pantalon. Novalis 1, 183
Meiszner. weidmännisch der lux thut weite sprünge. Döbel
jäger-pract. 1, 34
b; sprünge thun,
vom luchs, sätze machen um seinen raub zu fangen. Kehrein
weidmannsspr. 279.
vom leoparden heiszt es: der lêpart ist ein snelleʒ tier, waʒ er niht begrîfen schier mac mit wîten sprüngen drin, nâch dem lât er sîn loufen sî
n. renner 19224;
[] Christus wird darum mit dem leoparden verglichen: dû, reine crêatiure (
Maria), gebære uns den vil zarten erwelten lêbarten, des drîvalteclîcher sprunc daʒ wilde tier, alt unde iunc, mac ergâhen, sô man giht. swaʒ er mit drîn springen niht gevâhet, des tuot er sich abe: dâ von ich in gelîchet habe zuo dinem snellen kinde.
goldne schmiede 750.
in einem anderen vergleiche: schneller als der sprung des hirsches und flug des falken eilt der zorn dieses weibes. Freytag 8, 174.
bildlich: hirt der Marvinge, wann erwartest du den sprung (
der wölfin, d. h. den angriff der königin) gegen deine hürden? 183.
von vögeln, in freierem gebrauch: de hadde vangen twei duven junge, dar se to ereme ersten sprunge ût ereme neste vlegen wolden.
Reinke de vos 3544.
auch von fuszlosen thieren, so von fischen: (
im frühling) da die fische sprünge springen. Logau 1, 151, 50; ihren tiefen entschlüpften die fische, vom laurenden reiher oft erspäht, ihr zappelnder sprung verbreitete kreise. Stolberg 1, 380.
vgl.bocksprung. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a, pferd-, roszsprung. 891
b, hasen-, hirsch-, katzen-, karpfensprung. 891
c und den unter μ erwähnten besonderen gebrauch. 1@a@gγ)
rein sinnlich weiter von gegenständen, die durch eine kraft getrieben sich hüpfend fortbewegen: sprung des ballens im ballenspiel,
balzo che fa la balla, quando si giuoca. Hulsius (1618) 236
b; sprünge des ballens, des steins auf der erden. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 891
a; wo wir knaben uns übten, die meisten sprünge der flachen steine im wasser hervorzubringen. Göthe 16, 111; das felshaupt löste sich und sank in sprüngen hinab von der höhe in das thal, immer wilder die sätze und schneller der sprung. Freytag 8, 164.
von würfeln, bildlich: setzen wir darum unser leben auf den sprung eines würfels? Schiller
räuber trauersp. 4, 13.
auch von gegenständen, die sich ruckweise hin und her bewegen: der kapellmeister ... drehte seinen schlanken körper, bald beifällig, bald ärgerlich winkend, von einem instrument zum andern, wobei sein zöpfchen hinter seinem rücken die lustigsten sprünge machte. Herm. Kurz 2, 145;
im bilde: da gehet sein gauckelsack in sprüngen. Luther 3, 463
b. 1@a@dδ)
zur bezeichnung der bewegung von schachfiguren, besonders über mehrere felder des schachbretts weg: diu künigin nâch ir êrsten vart dar nâch haltet ir sunderart, sô sol sî solich sprünge lân und niur von veld zu velde gâ
n. Heinr. v. Beringen
schachged. 10128; wiʒʒet ouch, daʒ der alten vart blîbt alleweg in einer art, als er zem êrsten sprunge gât. 10258; wann du ihn (
einen kalender) aber nur einmal ohne aufmerksamkeit liesest, so gehet dirs wie einem angehenden schachspieler, der wunder meinet, was er könne, wann er das erste spiel die stein, ihre art, gäng und spring hat kennen lernen.
Simpl. 4, 206, 14
Kurz. 1@a@eε)
verblassend in der anwendung vom herzen, die gewisz ursprünglich rein sinnlich sein starkes schlagen bezeichnet: lieb wenn mir daʒ hail beschicht, daʒ dich in fröden und min gesicht, so stat min hertz in sprüngen ho und kan dann nit wan wesen fro.
lieders. 1, 55, 26; mein herze geht in springen und kann nicht traurig sein, ist voller freud und singen, sieht lauter sonnenschein. P. Gerhardt 232, 113
Gödeke. anscheinend mit umdeutung in eine fortbewegung: swenn eʒ (
das herz) diu ougen sante dar, seht, sô brâhtens im diu mære, daʒ eʒ fuor in sprüngen gar. Walther 99, 19; herze, dirst ze gâch. volgest dû den ougen nâch dâs ein schœne wîp ersehen, sô verst in den sprüngen brehen unde gedenkest 'heya, het ich disen goldes grif'. Neidhart 100, 34.
dann auch: mîn sin was hôch in springen.
minnes. 2, 14
a Hagen. 1@a@zζ)
für den gang, rhythmus von versen: doch musz man in trochaischen versen ... zu zeiten nachsehen und die aussprach etwas glimpflicher lenken nach dem sprung derselben versen. Spee
trutznacht. lxiv
Balke. [] 1@a@hη)
in allgemeiner bildlicher anwendung sonst meist zur bezeichnung eines jähen übergangs mit auslassung von zwischenstufen: das ist ein grosser sprung, von eines grossen königes saal und hofe in ein hirten haus komen. Luther 16, 37, 15
Weim. ausg.; so redet ein Franzose! und welcher sprung von dem Franzosen auf den Deutschen. Lessing 6, 214; in zwey besondern, von einander gänzlich abgesetzten (
musik-) stücken musz der sprung, z. e. aus dem ruhigen in das stürmische, aus dem zärtlichen in das grausame, notwendig sehr merklich seyn, und alle das beleidigende haben, was in der natur jeder plötzliche übergang aus einem äuszersten in das andere, aus der finsternisz in das licht, aus der kälte in die hitze, zu haben pflegt. 7, 121; das hat der nehmliche mann geschrieben? wie soll die nachwelt ... einen so plötzlichen sprung von weisz auf schwarz sich erklären? 10, 129; dasz sie (
die Syrakusaner) den Athenern auch an lebhaftigkeit, feuer, wankelmuth, leichtsinn, und raschen sprüngen von einem äussersten zum andern, den vorzug streitig machen könnten. Wieland 33, 354; was für ein unermeszlicher sprung von der oberfläche des leibes zum innern der seele! Lichtenberg 4, 9; hätten wir einen sinn, die innere beschaffenheit der körper zu erkennen, so wäre jener sprung noch immer gewagt.
ebenda; der sprung vom schiffsmeister zum lieutenant oder capitain ist äuszerst schwer und selten. 147; poesie, die uns älteste geschichte in fabelhaften bildern überliefert, nach und nach sodann ins klare hervortritt und ... ohne sprung die vergangenheit an die gegenwart heranführt. Göthe 6, 45; noch einige neue steinerne aber ganz schlichte häuser finden sich auch; das übrige ist alles von altem schlag, doch wird sich das gasthaus der sonne durch einen sprung (
in der bauart), wenn es fertig ist, auszeichnen. 43, 72 (
vgl.: dasz der neuerbaute gasthof auf einmal über alle stufen der architektur wegsprang. 74); allein zuletzt, da er auf die Newtonische lehre übergehen will, geschieht es durch einen sprung, wie denn ja die lehre selbst durch einen sprung in die physik gekommen. 54, 141; nie, nie wärt ihr gestorben! es wär ein sprung gewesen, wie man von einem gedanken auf einen andern und schönern hüpft. Schiller
räuber schausp. 2, 2; von dem vergoldeten saum der berge können wir uns nicht ohne einen sprung auf die blühende und duftende wiese versetzen; und dieser sprung wird dadurch noch fühlbarer, dass wir auch einen andern sinn ins spiel setzen müssen.
schriften 10, 248; plötzlich lief der Engländer zu den spielern und forderte — die sprünge und läufer seiner ideen in musik gesetzt zu sehen — von ihnen das beste adagio. J. Paul
Hesp. 3, 233; dass, ohne gewaltsamen sprung, eigenschaften des menschlichen gemüths auf das thier, und thierische äusserungen auf den menschen übertragen werden dürfen. J. Grimm
Reinh. fuchs vorrede ii; ihre vor dem schreckbild scheuende einbildungskraft erging sich in den abenteuerlichsten sprüngen. C.
F. Meyer
Jenatsch 84; nach einer kurzen, in sprüngen geführten unterhaltung. Fontane
vor dem sturm 4, 115; der glaube wagt diesen kühnen sprung. Smend
alttest. religionsgesch. 453; verzeih den sprung von dieser frage auf eine grille, die mir just durchs köpfchen fliegt. Gotter 1, 289; der sprung vom könig bis zur erdenscholle ist ein leichter kleiderwechsel nur. Schiller 1, 181; von der bettlerhütte, bis zu dem tron ist für den glücklichen, der sie gesehen hat, der sprung nicht schwer.
dom Karlos 1, 5; lasz die wilden sprünge, komm zur sache! Grabbe 2, 254. sprung im (
logischen) schlieszen, beweisen: ein sprung (saltus) im schlieszen oder beweisen ist die verbindung einer prämisse mit der conclusion, so dasz die andere prämisse ausgelassen wird. ein solcher sprung ist rechtmäszig (legitimus), wenn jeder die fehlende prämisse leicht hinzudenken kann; unrechtmäszig (illegitimus) aber, wenn die subsumtion nicht klar ist. Kant 1, 471; so viel überseh ich auch, dasz wir etwas recht zu wissen, und von grund aus zu verstehn, keine sprünge machen müssen. Günther 859.
vgl.gedankensprung
und franz. saut
in solcher anwendung. Singer
zeitschr. f. d. wortforschung 3, 234
b.
man sagt die natur thut, macht keinen sprung (
entsprechend dem vielleicht älteren lat. natura non facit saltus. Linné
philosophia botanica 77): die natur tut keinen sprung. Christian Wolff
bei Paul Piur
studien z. sprachl. würdigung Ch. Wolffs (1903) 58. Adelung; die
[] natur nimmt den kürzesten weg (lex parsimoniae); sie thut gleichwohl keinen sprung, weder in der folge ihrer veränderungen, noch der zusammenstellung specifisch verschiedener formen (lex continui in natura). Kant 7, 21; denn die natur thut keinen sprung. Brockes 1 (1739), 355; zwar machte die natur auch diessmal keinen sprung. Wieland 18, 175 (
Perv. 3, 34);
vgl.: in der natur der seele gibt's keinen sprung. Herder
z. rel. u. theol. 15, 22; nichts in der natur geht sprungweise, und so ist auch aus dem zustande der barbarischen mythologie zur ersten heitern philosophie kein sprung gewesen.
derselbe bei Campe; die weltregierung handelt überall so im groszen, dasz sie sogar das langsame gesetz der stätigkeit durch wunder des sprungs unterbricht; z. b. durch december voll winterblüten und sommermonate mit schnee. J. Paul
herbstblum. 3, 29.
als technischer ausdruck in der musik für alle intervalle, die mehr als eine sekunde von einander entfernt sind. Adelung. sprung
wie laune, übermütiger, unüberlegter streich, mit anschlusz an den sinnlichen gebrauch von thieren: (
ein junger herr) ist zornig, doch nicht lange; oft scherzhaft, selten klug; voll sprünge, wie sein gaul. Hagedorn 1, 120.
landschaftlich allgemein in solcher anwendung, so in Cöln. Hönig 150
a.
ähnlich, sprünge
wie ausflüchte: dieser wollte sein gewöhnliches kopfweh, jener die kolik haben, der könig aber kannte wohl ihre entschuldigungen und sprünge. W. v. Wolzogen
denkwürdigkeiten a. d. leb. d. marsch. Vieilleville bei Schiller 1097.
in anderer bildlicher verwendung: das leben, besonders das sittliche, hat flug, dann sprung, dann schritt, endlich stand. J. Paul
Lev. 1, 26. 1@a@thθ)
mit adjectivischen zusätzen, groszer, weiter sprung,
saltus ingens, immensus. Stieler 2105
u. ähnlich: kein grössern graben noch gruben wird man finden, als die höll ist, massen selbige etliche teutsche meil brait und tieff soll seyn, braucht demnach ein zimblichen sprung, wann jemand über solchen abgrund sicher zu kommen verlangt. Abraham a S. Clara
Judas 2 (1689), 45; einen hohen sprung thun,
spiccare un salto sublime, un salto in aria. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 890
c; sein (
des luchses, subjectiver gen.) fang geschicht, wie gedacht, mit beschleichen und weiten sprüngen. Döbel
jäger-pract. 1, 33
b; er selbst ordnete die pferde anders ... und wagte den mächtigen sprung. Freytag 8, 29; manchen sah ich springen und schwingen auf weichem rasen, der hoher sprünge in der feldschlacht vergiszt. 34; der waldriese (
ein auerochse) arbeitete sich empor bis zum hochwald, in weiten sprüngen folgte ihm speerlos Ingo, sein messer schwingend. 98; unerträglich wurde endlich den feinden an der steile zu haften, in groszen sprüngen flohen sie zurück. 197; wenn man es (
ein pferd) ... in langen sprüngen laufen lassen kann. Moltke 6, 270; swie wîter sprunge er pflægefür des sales want, doch ergâht in vor der stiegeder alte Hildebrant.
Nib. 2211, 1; iedoch in diser leide tet der vrische degen junc zu dienste Îsôten einen sprunc sô und alsô wîten, daʒ bî keinen zîten nieman sô wîten sprunc gesach. Heinr. v. Freiberg 5522; dô die zwêne küene man zuo dem strîte sprungen, ir halsberge erklungen, ir sprunge wâren wîte.
Laurin 1575; der hohen sprüng scholtu nicht sparn.
fastn. sp. 585, 10
Keller; deine groszen hunde, die holen mich (
ein mädchen) nicht, ... sie wissen meine hohe weite sprünge noch nicht.
wunderh. 1, 77
Boxberger; meine weiten sprüng, die waren ungemessen. 143; schon setzt er (
der löwe) an zu weitem sprung. Kind 4, 20;
sprichwörtlich: der ein grossen sprung wil thun, gehet zuvor hinder sich. Egenolf
sprichw. 237
a; wer einen groszen sprung thun will, geht erst rückwärts. Simrock 462, 9786.
vgl. auch grosze, weite sprünge machen
unter κ.
mit angabe einer bestimmten entfernung bei weit: ist es (
das wild) ihnen (
den luchsen) nun nahe genung; so springen sie in der furie drauf zu, können wohl 10 bis 12 schritte weite sprünge thun. Döbel
jäger-pract. 1, 34
b.
andere verbindungen: geschwinder sprung,
volans, abruptus saltus. Stieler 2105, rascher, schneller sprung,
sprichwörtlich: schnelle sprünge gerathen selten. Simrock 462, 9787.
ähnlich: ein übereilter sprung tritt meistens übel auf. Stoppe
bei Steinbach 2, 646.
[] gefährlicher sprung,
salto pericoloso, salto mortale. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 890
c. Adelung, halsbrechender, kühner sprung: durch einen halsbrechenden sprung sich in die stadt machen. Steinbach 2, 646; Nero (
ein hund) fuhr in kühnem sprunge aus dem hause. Freytag 6, 98. hübscher, gerader sprung,
in älterer sprache: wan ein kind gefallen ist und im val geletzt, weint und hült, so spricht die amm: o wie ist das so ein hübscher, so ein gerader, redlicher sprung gewesen. Keisersberg
an bischof Albrecht 10
a. fröhlicher sprung,
beim tanz: du hilfest danczen und singen: ich wel mit der springen manchen frolichen sprungk.
Alsf. passionssp. 1787
Grein; freier: hätte der frost des alters, oder der bleierne gram den frölichen sprung deiner (
lebens-)geister gestellt. Schiller
Fiesko 3, 1.
eigenartig stählerner sprung: als, aus dem seitengäszchen rasch herauslenkend, ein hagerer cavalier an ihm vorüberschosz und mit einem stählernen sprung auf der brücke stand. C.
F. Meyer
Jenatsch 101. wunderliche sprünge,
assultus varii. Stieler 2105, wunderliche, seltsame sprünge,
salti, met. attioni, imprese etc. strane, stravaganti. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 891
a: allerley seltsame sprünge machen. Adelung. krumme sprünge,
von thieren: daʒ pfert sich ûfleinte, als eʒ der ubele vient twanc. manigen krummen sprunc eʒ spranc.
passional 209, 66
Köpke; im bette kommt ein floch und hupft mir gar zu hoch und macht so krumme sprünge.
Fuchsmundi 58.
auch bildlich, krumme sprünge, krummsprünge,
corvette, corbette, salti torti è traversi, it. attegiamenti, posture, gambate, scambietti, met. truffarie, busbaccherie, inganni, malitie. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 891
a.
vgl. einem viel krumme sprünge machen
unter κ. 1@a@iι)
mit adverbialen zusätzen: mit in
und acc.: item 2 guldîn darumb ze springen ainen sprung in die wîte.
quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1121; der sprung in die weite und höhe ist aus den beiden abgehandelten arten zusammengesetzt. Jahn 2, 1, 34
Euler; der sprung in den Rhein schied mich von meinen mannen. Freytag 8, 72; damals erschien mir der letzte sprung in die schar der feinde als das beste glück. 186;
in freier gebrauchten wendungen: Simplicius thut den ersten sprung in die welt, mit schlechtem glück.
Simpl. 1, 114
Keller; würden wir mit unserm beitritt nichts anders wie einen sprung ins finstre thun. Bismarck
an Gerlach 208; das bedeutet für uns einen sprung ins dunkle.
mit anderen zusätzen: sprung von einem zum anderen,
insultura. Dasypodius (
vielleicht bildlich gemeint, vgl. η); ein sprung vor sich und hinter sich. Kramer
deutsch-it. dict. 2 (1702), 890
c; einen sprung zum fenster hinaus wagen.
ebenda, hinunter wagen. Adelung; erst wenn der reigen sich mit dem tief herabgebrannten balken geendigt, beginnt der eigentliche sprung über das (
johannis-)feuer, allzeit paarweise. Leoprechting
aus dem Lechrain 183; meint der fremde mit dem sprung über die rosse sich hineinzuschwingen in den erbhof meines herrn. Freytag 8, 76; dann trieb er sein rosz zum sprunge durch das hofthor. 108; sprung von der stelle,
als turnerische übung; die letzte wahl steht auch dem schwächsten offen, ein sprung von dieser brücke macht mich frei. Schiller
Tell 1, 2; mancher seine qual zu kürzen zog den sprung zur tiefe vor, wo zerschellt in jähen stürzen bald sich sein gebein verlor. Scheffel
gaudeamus 150. 1@a@kκ)
als object in häufigeren verbalen verbindungen. einen sprung springen: sîn ors vil kleiner sprunge spranc. Lichtenstein 208, 23; ich wel thun, was ich sail und springen aber einen sprung (
tanzen).
Alsf. passionssp. 1898
Grein; vgl. auch Logau 1, 151, 50 (
von fischen, s. β);
mit adverbialem zusatz: ik sprank dar na mannigen sprunk.
Reinke de vos 6236;
in verbindung mit treten,
auf tanzen gehend: do begunde er springen unde treten manegen sprunc seltsænen.
weinschwelg 236.
auch sonst mhd. als object bei treten,
in gleichem sinne: dâ würd im manec vrischer trunc, und træt ouch manegen vrischen sprunc. Helbling 5, 73.
[] als object bei nehmen: Gringuljet (
ein pferd) nam bezîte sînen sprunc so wîte daʒ Gâwân vallen gar vermeit.
Parz. 611, 14; diu Âventiure ime des giht, daʒ er vor dem degen junc nam manegen snellen sprunc.
krone 21483; ein(en) sprung nehmen,
vom wild. Maaler 382
c (
s.β)
und noch schweiz. e sprung në,
einen sprung thun. Hunziker 249,
in der schriftsprache nicht mehr üblich (
vgl. jedoch einen anlauf nehmen),
bildlich: dô was al sîn vreude ouch blint, die von im ê nam wîten sprunc.
passional 254, 67
Köpke. einen sprung thun. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 890
c. Frisch 2, 310
c. Adelung: seht an mîne sîten junc, diu tuot manigen geilen sprunc.
minnes. 2, 118
b Hagen; bildlich: die natur thut (macht) keinen sprung.
vgl.η; mit adverbialen zusätzen, angabe der richtung wohin: bisz er (
der hase) ins lager einen sprung thut. Fleming
t. jäger 1 (1719), 104
b; da sah er an der offenen thüre ... eine grosze lauernde katze, die auch sogleich einen heftigen sprung herein that. Brentano 5, 37; und hui! that er hinab (
der stier zum meeresufer), kein weilchen zu verlieren, den sprung mit allen vieren. Bürger 22
b;
freier einen sprung thun an einen ort,
una scorsa in ò verso un luogo. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a: ich habe nur einen sprung nach Paris gethan, und musz schon heute abend wieder — nach meiner garnison zurückreisen. Schiller
neffe als onkel 1, 6;
mit angabe der richtung woher, bildlich: das wäre ja kein vollkommener gewalt, wan man ... sich nicht etwas mehr erlustiren und frölich machen, und nicht je zumahlen einen sprung ausz den schrancken thun dörffte. Philander 1, 584;
mit doppelter richtungsangabe, bildlich: ûʒ dem leben in den tôt tet vil maneger einen sprunc. Stricker
Daniel 5170
bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1121; es ist ein sicher gewisser sprung zu thun von diesem leben ynn ihenes. Luther 19, 161, 12
Weim. ausg.; plötzlich that er einen sprung, aus dem mütterlichen romane und aus allen rührungen in seinen eigenen. J. Paul
leben Fibels 62.
mit bezeichnenden beiwörtern (
vgl.θ),
bildlich: einen grossen sprung thun,
un' impresa pericolosissima. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 891
a; he hett enen goden sprung daan,
er ist von einem niederen amte zu einem hohen gestiegen. Dähnert 454
b;
pluralisch, negativ: er kan keine grosze sprünge tuhn,
parum virium habet, praestabit, efficiet. Stieler 2105; keine grosse (hohe) sprünge thun können,
esser debole, povero etc. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 890
c.
heute hier und auch sonst lieber mit machen
verbunden: mit ihren bekannten, denen sie mit ihren höflichkeiten so zusetzen, dasz sie ihren antheil an der allgemeinen unterhaltung gar nicht nehmen können, sondern nur immer, zum vergnügen der gesellschaft, sprünge und männerchen machen müssen. Lessing 7, 417; ich sah etwas ganz allerliebstes, nämlich ein kleiner harlekin kroch aus einem ei und machte die zierlichsten sprünge. Brentano 5, 15;
mit angabe der richtung: (
der Hallore) machte den sprung auf Männike's schienbeine herunter. J. Paul
Katzenb. 2, 4;
freier: machen s' an sprung zu mir,
kommen sie auf einen augenblick zu mir. Hügel
Wiener dial. 154
a;
bildlich einen sprung machen,
in seiner laufbahn plötzlich ein stück vorwärts kommen, einen sprung, sprünge machen,
in seinem gedankengange, u. ähnl. vgl. η, sprüng machen,
etwas gegen die ordnung, erwartung vornehmen. Schm.
2 2, 704,
chicanen, ausflüchte machen. Schmidt
westerw. idiot. 229,
auch sonst volksmäszig: wir (
verlobte) hätten einander lange genommen, wenn mein vater nicht solche sprünge machte (
der junge mann ist ihm nicht reich genug). Weisze
kom. op. 3 (1777), 177;
mit dativ der person jemanden viele sprünge machen,
ihm viel zu schaffen machen. Adelung,
wobei die vorstellung eines störrischen thiers zu grunde liegen kann oder der gedanke, dasz die durch den dativischen zusatz bezeichnete person viel springen, laufen musz. Borchardt-Wustmann 449, 1123,
auch nd.: de maket mi vele sprünge,
er will sich nicht bequemen. Dähnert 454
b,
hier wol im ersteren sinne aufzufassen, ebenso: er macht mir viel krumme sprünge,
omni re me lacessit, acerrime oppugnat me. Stieler 2105. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 891
a (
vgl.θ),
dagegen wol im letzteren: [] einem sprünge machen und pfähle stecken bey jemand,
ihm hindernisse bereiten, ihn verläumden. Schm.
2 2, 704.
negativ kein sprüng maache,
mit seinem einkommen nicht weit kommen, nicht ausreichen. Hönig
Kölner mundart 150
a,
gewöhnlich mit attributiven zusätzen: mach' ned viel sprüng, sonst kannst bedeln gehn. Hügel
Wiener dial. 154
a,
mit adjectiven, sinnlicher anwendung nahe: Selbitz ... das hätte dir übel gerathen können.
Georg. so denk' ich auch hinten drein. ein reitersmann der das voraus denkt, wird keine weiten sprünge machen. Göthe 8, 69; er macht keine groszen sprüng mehr,
lebt nicht mehr lange (
Pfalz). Klein
prozinzial-wb. 2, 164. Schmidt
westerw. idiot. 229;
blasser: eine besatzung, meint er, die dem bürger auf dem nacken lastet, verbiete ihm durch ihre schwere, grosze sprünge zu machen. Göthe 8, 227; keine groszen sprünge machen können,
nichts wichtiges aus mangel an hülfskräften unternehmen können. Adelung,
keinen groszen aufwand machen können. Spiesz
henneb. idiot. 239,
so allgemein üblich; mit näherer instrumentaler bestimmung: da mein geld vorrath auf die neige gieng, dasz (
ich) also keine grosse springe mehr damit machen, noch mich etwa anderwerts logiren und leben konte.
Plesse 1, 60.
ebenso keine weiten sprünge machen,
aus mangel an mitteln nichts groszes unternehmen können. Borchardt-Wustmann
sprichwörtliche redensarten 450, 1123.
vgl. schweiz.: er macht keni grósse sprüng,
kommt nicht vorwärts. Hunziker 249,
bringt es zu nichts. Seiler 275
b;
nd. hê hed sîn hôgste (grôtste) sprungen mâkt. ten Doornkaat Koolman 3, 290
b. sprünge schneiden,
in älterer sprache: solche sprünge (
bocksprünge, capriolen) schneiden oder machen,
spiccare capriole, fare scambietti, scambiettare colle gambe. Kramer
deutsch-it. dict. 2 (1702), 891
a. sprung
als object bei wagen, einen sprung
ò den sprung wagen
ò thun,
fare un salto ò il salto met. un' impresa perigliosa, it. una frappata pieni di rischio. 890
c: mich dünkt, du hast wohl schon früher weite sprünge auf blutiger haide gewagt. Freytag 8, 6;
bildlich: darum wünsche der vater, dasz Brandolf sich entschlieszen könnte, den sprung zu wagen (
das wagnis zu unternehmen, zu heiraten). Keller 7, 163; mit riesenmut hätt' ich den sprung (
von der bettlerhütte zum throne) gewagt, mit riesenkraft vollendet. Schiller
dom Karlos 1, 5. 1@a@lλ)
in adverbialen fügungen. im sprung,
subsultim. Maaler 382
c: im sprunge durchbrach er die wachen des Römers. Freytag 8, 40; er ist im sprung g'si,
mitten im lauf. Hunziker
aarg. wb. 249;
freier im sprung,
in der eile. ebenda, bildlich: das sind aber dinge, die man nicht im sprunge machen kann, wenigstens nicht ohne grosze stösze. Bismarck
ged. u. erinn. 1, 131;
in anderem sinne: bald jr ein hund scheisst auff das grab, nimbt er von jr seel wegn ein junge, mit der er lebt frölich im sprunge. H. Sachs 2 (1591), 4, 71
a; in sprunge,
in älterer sprache: under im gie in sprunge sîn ors, daʒ was behende.
krone 7445; er (
Hektor) îlte ûf einem orse dar, daʒ was unmâʒen snel erkant: eʒ schein noch swerzer, denne ein brant und gienc in sprunge sam ein tier (
wildes thier). Konrad v. Würzburg
troj. krieg 3793;
zusammengezogen ensprunge: er reit ein ravît daʒ was rôt, daʒ gie ensprunge schône.
Wigalois 394; daʒ ors, dâ er ûf reit, eʒ was wert maneger marc, schœne snel unde starc. eʒ gieng ensprunge sam ein tier.
Eracl. 4731.
vgl. in sprungsweys,
saltim. Maaler 382
c. in einem (
betont) sprunge: dasz einer, nahmens Hormyrius, seinem pferdt etliche wort in das ohr geredt, gleich darauff die sporn angesetzt, und in einem sprung von dem geschlosz Wissegrad, bisz über den grossen flusz Moldau hinüber gelangt. Abraham a S. Clara
Judas 2 (1689), 45; Hann, immer noch von ihrer treu im herzen überzeugt, läuft brennend, wie ein ächter enthusiast, in einem sprung bis zum palast. Wieland 18, 291 (
Hann. u. Gülp. 187);
bildlich: was dir bey jahren lang mit grosser müh gelang, dasselbe glükket ihm vielleicht in einem sprung. Rachel 50
neudr. im ersten sprung: da er stund in vollem streit, ja dem Reink' im ersten sprung, bald zwo junge tauben fung.
Rein. fuchs (1650) 239.
[] vgl.: was der pardel (das panterthier) im dritten sprung nicht erwischet (erhaschet) das lässet er fahren (gehen). Comenius
sprachenth. übers. v. Docemius (1657) 195. in sprüngen: den heleden vil jungin giengen die ros in sprungin.
Rother 2642; ime gînc daʒ marc in sprungen baʒ dan eime jungin. 4964;
mhd. zusammengezogen ensprungen: Erec niht beiten wolde, wan er grôʒer liste wielt. den zoum er zuo ime hielt und lie sîn ros ensprungen varn.
Lanzelot 2989;
mit attributiven zusätzen: man gicht was nit erspringe der leobart in sprüngen dryn uff sines robes gewin das setzt er uff und lat davon.
lieders. 2, 203, 91
Laszberg; wer ... fest gleubte, das Christus sein bruder were, der würde (
vor freude) in eitel sprüngen daher gehen. Luther 28, 458, 32
Weim. ausg.; wenn man ... bedechte .., das ... gott ym hymel sey, der solchs haben wil .., kund man ynn eitel sprüngen hinlauffen und solch geringe werck ... lieber thuen, denn kein andere. 29, 567, 37; in vollen sprüngen dahineilen,
in älterer sprache auch entsprechend singularisch: im vollen sprunge laufen. Steinbach 2, 646; er (
der hirsch) lief im vollen sprung.
Rein. fuchs (1650) 332;
bildlich: wie sicher sind wir doch, als wann wir friede hetten! wir gehn in vollem sprung und unser heil an ketten. Logau 3, 164, 56. in sprung,
accusativisch: er sperrt ihm (
einem pferde) den gaum auf und setzt' ihn in sprung. Rückert
Firdosi 1, 286.
vgl. frühnhd. in, an die sprüng(e) bringen, in die sprüng kommen
unten. für in
mit dat. erscheint mhd. hier auch an
mit dat.: daʒ ros an manegen sprungen spranc. Berthold v. Holle
Crane 1479. mit sprunge,
mhd.: der stein was gevallenzwelf klafter dan: den wurf brach mit sprungediu maget wol getâ
n. Nib. 436, 2. mit einem sprung,
à salto, di salto ò in un salto. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a: über deine gartenhecken spräng' ich, hops! mit einem sprung. Göckingk
lieder zw. lieb. 54.
frei, vielleicht mit anspielung auf μ: mit tausend schritten macht's die frau; doch, wie sie auch sich eilen kann, mit éinem sprunge macht's der mann. Göthe 12, 208.
in technischer sprache mit einem sprunge weben,
eine art zu weben, wobei man einen schaft zuerst und den andern zugehörigen kurz darauf in die höhe springen läszt. Jacobsson 4, 239
b. mit sprüngen,
subsultim. Maaler 382
c: eʒ (
das rosz) gienc mit sprungen sunder twâl under im vor sîner schar.
Willeh. 368, 26; mit grossen (weiten) sprüngen,
à gran salti. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 891
a;
auch so mit voll
verbunden (
vgl. oben in vollen sprüngen), mit vollen sprüngen,
assultim ingrediens, cum tripudio. Stieler 2105,
freier: erwecke mich vom schlaff der sünden, und regiere mich durch deinen heiligen geist, dasz ich mit freuden komme, und mit vollen sprüngen zu deinem abendmahl eingehe. Martin Möller
erkl. d. evang. (1729) 526
b.
frühnhd. zu sprung(e),
mhd. ze sprunge,
wie im sprunge, in sprüngen: her Wîgalois der küene man lie sîn ros ze sprunge gân engegen der meide wolgetâ
n. Wigalois 2465;
im bilde: denn sie wollen auch nicht in die helle zu jrem verderb draben, sondern zu sprung hinein rennen. Mathesius
Sar. 11
a.
entsprechend: gâhes zeime sprunge spranc er ûf den esterich.
Flore 5833.
mhd. ze sprunge stân,
zum sprunge bereit stehn, kauern, sein, von einem thier: (
der löwe, im wappen) het sich ûf diu bein gesmogen, reht sam er stüende ze sprunge.
krone 10555;
freier, von personen: ich stân dicke ze sprunge als ich welle dar sô si mir sô suoʒe vor gestêt.
minnes. frühl. 117, 30;
rein bildlich, mit anderem adverbialen zusatz: dem glîcht der biderbe edele junge. der stêt ûf guoten dienst ze sprunge.
jüngling 234;
[] auch vuoʒ
erscheint als subject: eʒ (
das glück) widemet sich in keiner stat, im stât der vuo ze sprunge. Frauenlob
spr. 119, 19.
mnd. begegnet: se (
die jungfrau) stunt up eren ersten sprunk (
war reif für den eintritt in die welt, stand in der ersten jugendblüte).
mnd. ged. 1, 3
bei Schiller-Lübben 4, 348.
nhd. auf dem sprung stehen,
stare sul salto ò su i salti cioè in procinto, pronto, fullo scocco. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 890
c, er steht auf dem sprunge,
in procinctu est. Steinbach 2, 646, auf den (
so!) sprung stehen,
in procinctu esse abeundi sive fuga evadendi; in praecipitio esse, parum abesse a casu, periculo. Frisch 2, 311
a, auf dem sprunge stehen,
im begriffe stehen. Adelung.
vgl. Spiesz
henneb. idiot. 239,
nach Frisch
a. a. o. von thieren, besonders hasen, hergenommen, die vor menschen fliehen, und in der that anscheinend zunächst nähe des entfliehens, weggehens, verschwindens bezeichnend: gott gabe den edlen frieden wieder, den er genommen hatte; allein, man sehe ob er nicht auch schon bey diesen jetzigen zeiten uns bereits zimlich wieder den rucken kehret, und auff dem sprung stehet?
Simpl. 1 (1685), 1, 4,
s. 17; sie (
freier) stehen auff den sprung und treten immer ab, weil immer andre kommen. Fleming 666;
noch landschaftlich so ohne zusatz, sinnlich: A. wollen sie schon fortgehen?
B. ja, ich stehe schon lange auf dem sprunge;
unsinnlich: du stehst auf'n sprung,
auf dem punkt entlassen zu werden. Hügel
Wiener dial. 154
a.
in allgemeinerem sinne, bereitschaft zu einer handlung bezeichnend: jeder hielt sein instrument bereit ohne zu spielen; ... mit antheil bemerkte man, wie sie gleichsam auf dem sprunge standen. Göthe 22, 157; in Stettin sind katholisch geworden: Burchard, ... Seydl ... mehrere candidaten der theologie sollen in Berlin auf dem sprunge stehen. Brentano 9, 36.
durch einen mit und
angeknüpften zweiten verbalen ausdruck ergänzt, der ursprünglichen bedeutung nahe: weil sie, ohne das, stündlich aufm sprunge stehen und zum aufbruch sich fertig halten musten. Chemnitz
schwed. krieg 4, 1, 45
a.
in neuerer zeit meist durch einen inf. mit zu
ergänzt: auf dem sprung stehen zu fallen. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 891
a (
heute kaum noch so, sondern in der regel nur, wo wirkliches handeln gemeint ist); auf dem sprung stehen, etwas zu thun,
star' in procinto di far qualche cosa. ebenda, auf weggehen, abreisen bezogen: ich ... stehe auf dem sprunge, auch von hier weiter zu gehen. Lessing 12, 428; demungeachtet stand ich zeither immer auf dem sprung, die reise nach Hamburg anzutreten. Eva König
bei demselben 13, 451; so eben, l. B. (
oie), steh ich auf dem sprunge nach Aschersleben ... abzureisen. Bürger
br. 1, 259 (
vom 2.
december 1775)
Strodtmann; ähnlich: einigen das leben zu fristen, die auf dem sprunge standen, durch ihre grausamkeit, in die elysischen felder vertrieben zu werden. Göthe 14, 28.
allgemeiner: dass ich einigemal auf dem sprunge gestanden habe mich zu verlieben.
br. 2, 137, 14 (
vom 31.
december 1773,
an Betty Jacobi)
Weim. ausg.; man hat in erfahrung gebracht, dasz sie auf dem sprung stünden, sich mit diesem herrn zu schlagen. Schiller
neffe als onkel 3, 2.
seltener ergänzt durch für
mit acc.: der für das beste der leidenden menschheit immer auf dem sprunge stehende leibchirurg und aderlaszschnepper rief die seele der ... Eilegia durch eine ... blutenlassung wieder aus der innern tiefe ihres herrlichen gemüths auf ihr edles antlitz zurück. Brentano 5, 146.
mit neutralem subject: alles steht auf dem sprung. Lehmann 196; dat steid up de sprung. ten Doornkaat Koolman 3, 290
b.
entsprechend auch auf dem sprung sitzen,
bereitschaft zum fortgehen bezeichnend, ohne zusatz: nu wäre es ja ein ungleichs, das sie ihm möchten urlaub geben, wenn sie wollten, und er also immerdar muste unstät und auf dem sprung sitzen. Luther
br. 5, 62; ich sitze bis elf auf dem sprunge. Moltke 6, 197;
ebenso nd. he sitt upp den sprung,
er sitzt zum aufspringen und weggehen bereit. Schütze 4, 178. auf dem sprung sein: der kranke, der gantmäszige is af'm sprung, absprung. Schm.
2 2, 704;
mit inf. und zu: die kriegsleut aber, die in Nanse lagen, waren schon auffm sprung mit hertzog Carol sprach zu halten, sich zu ergeben. Kirchhof
wendunm. 3, 54
Österley; ich war eben auf dem sprung, mich beym magistrat anzugeben, dasz die kanaille mir meinen namen so verhunzen soll. Schiller
räuber schausp. 2, 3; aber zugleich hinterbringen mir meine spionen, dasz der oberschenk von Bok auf dem sprunge sei, um die lady zu werben.
kab. u. liebe 3, 2; ich will von morgen an immer auf dem sprung seyn, abzureisen.
[] derselbe an Göthe 515.
bei unpersönlichem subject, mit anlehnung an 3,
a: das verlebte jahr wird jung. die gelehrten vögel singen: wald und feld ist auff den sprung (
will blühen). Fleming 377. einen auf einen sprung besuchen, auf einen sprung zu einem kommen,
eilig, auf kurze zeit, dafür auch mit einfachem acc.: vielleicht, wenns nicht zu spät wird, komm ich auf dem rückweg noch einen sprung herein. Ludwig 3 (1890), 470.
anders auf einen (
betont) sprung
wie: mit einem sprunge: (
ich) spräng' alsbald über deine gartenhecken, wär' am haus' auf einen sprung. Göckingk
lieder zw. lieb. 55. auf
mit acc. erscheint heute auch durchweg in einer besonderen gruppe bildlich gebrauchter wendungen, die z. th. einflusz der unter b, β erwähnten bedeutung zeigen. frühnhd. begegnen einige entsprechende verbindungen mit anderen präpositionen. einen in, an die sprünge bringen,
in bewegung bringen, antreiben, deutlich an das antreiben des reitpferds anknüpfend: ach was lassen sich die leut mit des gemeinen pöfels geschrey spören (
mit sporen antreiben) unnd inn die sprünge bringen. Mathesius
hist. v. Jes. Chr. 1 (1569), 85
b; zwölff darisch gülden schenck ich dir das wir jn an die sprüng bringen. H. Sachs 3 (1561), 2, 66
d; wie, wenn ir euch gegn im erzeiget, samb werd ir im in lieb geneiget, ob ir den alten brecht int sprüng, das im durch den list miszgelüng ...? 12, 249, 10
Keller-Götze; später einen auf die sprünge bringen,
metter' uno sù i salti, met. farlo fare ò parlare ciò che si vuole. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a,
ansam fare faciendi vel conandi aliquid. Frisch 2, 311
a: drumb brachte er den wirth besser auf die sprünge, und erfuhr ... die person. Weise
erzn. 60
neudr.; daher ich ihn bitten müsse, vorsichtig zu seyn und nicht zum nachtheil des publicums und der schriftsteller einen dummkopf, der das geld dazu hätte, auf die sprünge zu bringen. Göckingk
an Bürger 26.
juli 1776
bei Strodtmann
br. von und an Bürger 1, 332;
in singularischer anwendung veraltet, einen auf den sprung bringen,
alicui ad aliquid ansam dare. Steinbach 2, 646,
ebenso mit einem attributiven zusatz: ich selbst nam in der brunst mein laster nicht in acht bisz mich mein eigen sinn auf neue sprünge bracht. A. Gryphius (1698) 1, 194, 68. einem auf die sprünge helfen. Gottsched
sprachk. 545
b, jemanden auf die sprünge helfen,
ihm die nötigen kunstgriffe, die art und weise des verfahrens angeben. Adelung,
ihm den leitfaden an die hand geben, ihn (
beim erzählen etc.)
auf den rechten weg bringen. quelle von 1795
bei Kluge
studentenspr. 127
b,
mit attributivem zusatz: wen mir dasz wieder fährt (
dasz ich schlechtes deutsch schreibe), bitte ich eüch, liebe Louise, corrigirt mich und helfft mir wider auf die rechte sprüng! den so mag ich nicht reden. Elisabeth Charlotte 3, 124
Holland. frühnhd. in die sprüng(e) kommen,
in zug: es wil etwan einer, damit er nit unhöflich geacht werd, den hohen und adels personen wilfaren, damit kompt er in die sprüng. Wickram
kunst zu tr. vorred; das man gleich alle teller und platten vor euch hat müssen wegraumen, unnd darnach wann man inn die sprüng kommen, die mutwilligste geschirr herfür gesuchet.
Garg. 19
a.
später auch bei kommen
in bildlicher anwendung mit auf
und acc. verbunden: tritt vor, der du mich willst ob solcher that besprechen! wer ists mit dem ich ie auf solche sprünge kam? A. Gryphius (1698) 1, 447, 185; er ist auf närrische sprünge kommen,
ad vana et toties irrisa revolutus est. Steinbach 2, 646.
früher häufig, heute unüblich auf vorige sprünge kommen,
ad ingenium venire. Steinbach 2, 646, auf seine alte sprünge kommen,
ad ingenium redire. Frisch 2, 311
a, wieder auf seine alten sprünge kommen,
auf seine vorige art und weise zu handeln. Adelung: doch bin ich nicht etwa wieder auf meine alten sprünge gekommen? Lessing 12, 65;
ebenso nd. he kümmt up de olle sprünge,
er wird so wieder, wie er gewesen ist. Dähnert 454
b.
das könnte an b, β angeschlossen werden, ebenso auf die sprünge eines andern kommen,
rationes alicujus detegere, vestigia certa jam videre. Frisch 2, 311
a, einem auf (hinter) die sprünge kommen,
scopire le gambate etc. cioè gl'inganni, le furberie, le menate, le pratiche di uno. Kramer
[] deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a, jemanden auf die sprünge
oder hinter die sprünge kommen,
hinter seine schliche kommen, seine ränke, kunstgriffe entdecken. Adelung: vermag man denn einem taschenspieler so leicht auf die sprünge zu kommen, von dem wir doch wissen, dasz er uns zum besten hat? Göthe 15, 133; und sie solt lieber sehn, wie sie ihre sach könnt verdunkeln (verstecken), als dasz sie den leuten selber auf ihre sprüng hilft kommen. Ludwig 2 (1890), 176;
auf eine innere eigenschaft einer person bezogen: überliesz es meiner intelligenz, seiner groszmut gleichsam auf die sprünge zu kommen. Gaudy
erz. 44.
anders luxemb.: e' geet op de' spröngen,
ist heiratslustig. Gangler 428. sprungs
wie im sprunge: sie rannten sprungs. Hedio
Com. 23;
in neuerer sprache noch so in verbindung mit einem adj.: aus der schwanken krone (
eines baums) springet hohen sprungs die amazone. Keller 10, 221. 1@a@mμ)
in besonderem sinne handlung des befruchtens bei thieren. Adelung,
zumal groszen, so hengsten: den hengst zum sprung lassen,
lasciar salire lo stallone, ammetterlo al salto, alla monta. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 890
c. Adelung; dasz er (
der hengst) seine sprünge thue.
öcon. lex. 243. 1@bb)
in anderer anwendung. 1@b@aα)
als bezeichnung einer entfernung, entwickelt von wendungen wie: der lewe lief nâch dem schuʒʒewan drîer sprünge lanc.
Nib. 879, 3.
dann es ist noch ein guter sprung hin,
un gran camino, buon pezzo di strada. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 891
a; es ist nur ein sprung bis dahin,
eine kurze entfernung. Adelung.
heute gewöhnlich das ist nur ein katzensprung.
vgl. dies oben theil 5, 301. 1@b@bβ)
spur, fährte, wechsel eines wildes: so legt man auch die teller-eisen auf den sprung (
der marder). Döbel
jäger-pract. 2, 156
b;
vgl. die folgenden bildlichen wendungen: müssen derhalben noch zur zeit unserer seligkeit mit furcht und zittern warnemen, und uns alle stund und augenblick fallens und strauchelns besorgen, dasz uns etwa der teuffel ausz den sprüngen unsers glaubens, und zu fall bringe. Schaller
theol. herold (1604) 370; nun steht's mit meinem Faust am rechten sprunge (
geht es nach wunsch mit ihm). Lenau 2, 118
Koch; auch einem auf die sprünge kommen
und ähnliche verbindungen unter a, λ. hasensprung,
die fährte eines flüchtigen hasen, auch ein merkzeichen, das in gestalt einer hasenfährte in einen baum gehauen wird. Heppe
wolred. jäger 159
b. 1@b@gγ) sprünge werden des hasen füsse genennet. Fleming
t. jäger 1 (1749), 110.
öcon. lex. (1744) 2, 787. Eggers
kriegslex. 2 (1757), 962, sprünge,
weidm. die hinterläufe der hasen. Campe. Behlen 5, 664. Kehrein
weidmannsspr. 279: seine (
des hasen) lange hinterbein', welche man sonst sprünge nennt. Brockes 9 (1750), 251.
vgl.: der hasz hat läuff und nicht füsz. der hasz hat zwen sprüng. Sebiz
feldbau (1579) 568;
auch hasensprung 3
oben theil 4, 2, 542. 1@b@dδ) sprung,
astragalus. quelle von 1677
bei Hyrtl
kunstw. d. anat. 145, '
ein bein unten am fusse, talus, astragalus'. Steinbach 2, 646, '
ein bein des vorderfuszes an dem menschlichen und thierischen körper, welches ... das springen erleichtert und befördert, talus, astragalus, hasensprung.' Adelung, hasen-sprung,
astragalus leporis. Frisch 2, 311
a, '
das krumme beinlein in des hasen hintern läuften.' Heppe
wolred. jäger 159
b,
auch nd. hasensprung,
knochen am hinterlaufe des hasen. ten Doornkaat Koolman 3, 290
b: die so genannten hasen-sprünge (
osso picculo, wie die Italiäner sie nennen,) waren im letzten gelancke. Fleming
t. jäger 1 (1719), 136
b.
vgl.hasensprung 2
oben th. 4, 2, 542. 1@b@eε)
weidmännisch auch als bezeichnung mehrerer familienweise vereinigter rehe. Behlen 5, 664. Kehrein 1, 386 (
wol: die zusammen laufen): ebenso wird der rehstand gerühmt. im Sellingsloh und in der Hoyaerweide sind sprünge von 6—8 stück gesehen worden.
hannov. tagesnachr. 1899
nr. 109. 1@b@zζ)
stange im vogelbauer (
worauf der vogel springt): der bauer (
der nachtigall) musz lang sein und sie musz inwendig drei sprünge haben. Coler
hausb. (1640) 477. 1@b@hη) sprung, sprang,
die bei der sprungfischerei (
s. d.)
gebrauchte angel. Adelung. 1@cc)
verbal und concret in beziehung auf plötzliche, starke veränderung der richtung bei sich erstreckendem, so bergmännisch das [] absetzen eines flöszes oder ganges von seiner richtung. Jacobsson 4, 239
a,
verwerfung, hebung oder senkung einer verworfenen lagerstätte jenseits des durchsetzenden ganges oder der kluft, durch welche die verwerfung bewirkt wird. Veith
bergwb. 456: sprung ins hangende, liegende. 457; in sprüngen liegen.
ebenda; mit anlehnung an 4,
b: man nennt derartige veränderungen (
der gebirgsmassen) daher auch verschiebungen, auch verwerfungen, und die spalten, welche mit solchen verschiebungen im causalnexus stehen, rücken, klüfte, sprünge, gänge. Oken 1, 570;
wol von hier aus bildlich: da die gedichte der alten, und wilden völker so sehr aus unmittelbarer gegenwart, aus unmittelbarer begeisterung der sinne, und der einbildungskraft entstehen, und doch so viel würfe, so viel sprünge haben. Herder 5, 185
Suphan. in der baukunst heiszt sprung
ein den kranz der säule bedeckender theil, saillie de la corniche. nautisch ist sprung, spring
der auflauf, die erhöhung des vorder- und hinterschiffs im vergleich zum mittelschiff, so dasz dies der niedrigste theil des schiffs ist, die erhebung des decks nach vorn und hinten zu. Gödel
seemannsspr. 455.
ähnlich schweiz. sprung,
jäher hügel. Spreng
bei Seiler 276
a.
vielleicht gehört hierher auch sprung
als bezeichnung der vordersten oder kürzesten seite eines stagsegels, die gegen den mast befestigt ist. Bobrik
naut. wb. 654
b. 22)
nach springen 2. 2@aa)
verbal. vom pulsieren des bluts: ich habs immer gelesen, dasz unser wesen nichts ist als sprung des geblüts, und mit dem lezten blutstropfen zerrinnt auch geist und gedanke. Schiller
räuber schausp. 5, 1; nicht der sprung des blutes macht das leben aus. Immermann 3, 79 (
Münchh. 5, 9)
Boxberger. von kochendem wasser: dat water kaakt in vullen sprüngen. Schütze 4, 178 (
eigentlich wol das aufsteigen und zerplatzen der blasen bezeichnend).
vom quellen: auch lobet gott, ihr brünnlein klar, ihr bächlein krumm gebogen, in stetem sprung das ganze jahr, in stetem gang erzogen. Spee
trutznacht. 120, 203
Balke. 2@bb)
quelle: daʒ waʒʒer niender ist sô guot, sô dâ eʒ ûʒ von sprunge gât.
minnes. 2, 230
b Hagen; de sprunk, boven der hugen mollenn.
weisth. 3, 94 (
Westfalen); sprung, quelle desz bronnen,
la source d'une fontaine. Hulsius (1616) 305
a; nachdem wir erst unsre weinflaschen an den frischesten platz gestellt, gerade wo der sprung hervorstrudelte. Heinse
Ardingh. 1 (1787), 102;
in der heutigen schriftsprache nicht üblich, doch noch landschaftlich, so rheinfränk. mfränk. sprung, sprong,
quelle. Frommanns
zeitschr. 3, 272, 14. Müller - Weitz 232 (
Aachen). Hönig 150
a (
Cöln),
götting. seltener neben spring (
vgl. dies oben). Schambach 206
b.
bair. der Regensprung,
ursprung des regenflusses). Schm.
2 2, 704.
bildlich: ir (
guter frauen) schîn durchliuhtet elliu lant: dâ von ist mir vil unbekant ir schînes sprunc, ir schînes ort. Lichtenstein 1, 19; die (
eine art der liebe) nimpt von drein sachen sprung. Vintler
blum. d. tug. 521.
vgl.ursprung
unten. 2@cc)
mhd. von sprunge varn
als ausdruck für den eintritt des jungen menschen in das volle leben und für beginnen, anheben scheint an diese verwendung anzuknüpfen. vgl. minnes. 2, 230
b Hagen oben unter b: sô getâne ræte weckent sêr die fursten junge, sô si varent von sprunge, ûf urliuges gier. Ottokar 23037
Seemüller; ich bin ein ritter junge und var dar von sprunge und sol mich noch freuden saten. 62196;
entsprechend auch: mîn herze alrêrst von sprunge vert und ist reht als ein vogel vrî. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 14526; sîn schilt alrêrst von sprungevert in sîner niuwen ritterschefte.
jüng. Tit. 2053, 2; von sprunge alrêrst vert dîn nam: den soltu machen bekennelîch.
Dietrichs flucht 3238.
ebenso von sprunge gên: sî giht eʒ gê von sprunge und sî ein anegenge.
v. d. übl. weibe 162
Haupt. von sprunge vliegen: dô ir lop von sprunge vlouc, gar aller tugende man im jach.
minnes. 1, 205
a Hagen. [] vgl. auch: alsô lebt wir her von sprunge mit freude unt wünneclîchem spil, des hete wir zallen zîten vil.
warnung 3042. 33)
nach springen 3. 3@aa)
das sprieszen oder blühen, im bilde: ei welch ein vlüʒʒic, zinsic bach die bluomen mîn durchviuhtet, daʒ si stânt nâch wunsche in sprunge. Frauenlob
L. 1, 12, 24;
rein bildlich: die (
Agathe) was schône unde junc und het wol ir vollen sprunc in der tugende rîcheit.
passional 176, 8
Köpke. 3@bb)
im anschlusz daran local, mnd.: een spronc ...
etiam (
est)
locus silvester ubi arbores saliunt in altum crescendo plus quam in aliis locis. Schiller-Lübben 4, 348
a. 44)
nach springen 5. 4@aa)
verbal, das zerspringen: war der saite sprung eine antwort auf die frage, die ich eben — — grausen füllt die brust! Müllner
schuld 1, 1. 4@bb)
durch zerspringen entstandener risz, schianta, crepatura. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 890
c,
ebenso später allgemein üblich. Adelung,
auch mundartlich Hunziker
Aarg. wb. 249. Schmidt
westerw. idiot. 229. Hönig
köln. mundart 150
a: das glas, der krug hat einen sprung. Kramer 2, 891
a; das glas hat einen sprung. Adelung; sprünge bekommen. Campe; mein bisheriges loch (
logis) liegt dicht neben der wand mit dem sprunge. Immermann 2, 115 (
Münchh. 3, 10)
Boxberger; die sprünge und wandrisse hier herum müszten mich sehr täuschen, oder es gelingt mir, einen theil des mauerwerks auf mich und euch zu stürzen. 3, 149 (
Münchh. 6, 7); vasen ... welche sprünge und risse bekommen haben. Moltke 6, 100; mei' fenster had an sprung. Hügel
Wiener dial. 154
a; freilich zeigst du (
eine schale) manchen sprung. Geibel 8, 29;
in technischer sprache ein bruch im holze, der quer hineingeht. Jacobsson 4, 239
a.
auch bildlich: herzen und glocken bekommen so leicht sprünge bei starkem bewegen. J. Paul
Katzenb. 2, 65. sprung
bei den webern die gespaltene öffnung der kette oder des aufzugs zu einem stück zeug, das gewebt werden soll, fach, gelese. Jacobsson 1, 630
a. 55)
in Aschaffenburg der reps. Schm.
2 2, 704.