schmeichen,
verb. palpare, adulari, ahd. smeichan (
belegt -en),
adulor, assentior Graff 6, 823,
mhd. smeichen Lexer
mhd. hdwb. 2, 1005,
alts. smêken,
adulari Graff
a. a. o.,
mnd. smêken, smeiken Schiller-Lübben 4, 260
b,
nnd. smêken Richey 226.
brem. wörterb. 4, 860. ten Doornkaat Koolman 3, 225
b,
mndl. smeecken,
blandiri, palpare, palpari, adulari, assentari, blanditias dicere: delinire Kilian,
nndl. smeeken,
flehen, schwed. smeka.
verwandt scheinen ahd. smehhar, smechar,
elegans, delicatus Graff 6, 825,
mhd. smëcker,
schlank, schmal, schmächtig Lexer
mhd. handwb. 2, 1004,
ags. smicer,
fair, fine, beautiful, elegant Bosworth-Toller 889
a,
engl. smicker,
liebäugeln, dän. smigre,
schwed. smickra,
schmeicheln, vgl. Franck
etym. woordenb. 905.
verglichen werden auszerdem die ferner stehenden engl. smile,
sanskr. smêras,
lächelnd, sanskritwurzel smi,
lachen, lett. smët,
lachen, altslov. směja, smijati s,
lachen, die man auf die gleiche wurzel zurückführt. Kluge
etym. wb.5 330
a.
als grundbegriff des worts darf vielleicht der des schmiegsam glatten angenommen werden. — schmeichen
ist durch das abgeleitete schmeicheln (
s. dieses)
verdrängt worden, dauert jedoch im früheren nhd. noch fort: zudutteln, smaichen, federclauben,
palpare. voc. von 1482 qq 1
a, schmaichen,
adulari Dief. 14
c (
von 1515)
und später (
s. die belege unten),
doch in allgemeiner anwendung kaum über das 16.
jahrh. hinaus. in einer besonderen bedeutung, deren zusammenhang mit den übrigen nicht mehr gefühlt wurde, kennt es noch später die sprache der handwerker (
s. 1),
und auch die heutige gaunersprache hat es bewahrt, die schmaichen, schmeichen
neben schmeicheln, schmecheln
im sinne von '
schön thun, kosen, lachen'
gebraucht. Avé-Lallemant 4, 601.
eine nebenform smechen,
blandiri Dief. 76
b, schmächen (
s. unten 3,
a)
beruht, wenn der stammvocal als lang anzusetzen ist, wol auf nd. oder md. einflusz; im entgegengesetzten falle erklärt sie sich durch annahme einer andern ablautstufe (ë-i : ai). 11)
der vermutete grundbegriff des '
schmiegsam glatten'
tritt deutlich hervor in dem gebrauche des worts in der sprache der weber, die damit das glätten der kettenfäden durch bestreichen mit einem bestimmten, schmeiche (
s. dieses 1)
genannten brei bezeichnen. Adelung. Jacobsson 4, 3
a. 22)
als '
sich schmiegsam bewegen'
erscheint sich schmeichen
in wendungen gleich der folgenden: der hund schmaicht sich seinem herrn zu.
quelle bei Schm.
2 2, 542.
von da aus entwickelt zu der bedeutung blandiri: der smaicht sich mir zu,
blanditur. quelle ebenda. 33)
die gleiche entwicklung zeigt das wort im sonstigen gebrauche. 3@aa)
vom anschmiegenden liebkosen, schönthun, wie es thieren, besonders hunden, eigen ist: so das klain unsuber tier (
den hund) myn herr so lieb hatt, und das gancz husgesind umb so klain schmaichend dienst, wie lieb würde er mich (
den esel) dann haben, wann ich im ouch schmaichet und gegen im mich liebet. Steinhöwel
Esop 101
Österley; freier mit dem schwanz schmeichen,
wedelnd schönthun: daʒ hündlin schmächet (
ausg. von 1555: schmeichet) im mit dem schwancz. 51; (
ein löwe) gieng uber das feld zuo ainem hirten, hinkend uf den dryen füszen, und ward im schmaichen mit dem schwancz und sich gegen dem hirten güteglich erzö
gen. 139. 3@bb)
von personen, zunächst auch vom liebkosen durch sanfte berührung, anschmiegen, streicheln, wie es die folgenden stellen erkennen lassen: do enpfieng in sein hausfraw und smaycht im.
gesta Roman. 161
Keller; ain esel sach, wie ain klaines hündlin von ainem herren erzogen, sich täglich liebet gegen dem herren, darumb es der herre straichet und gab im syner spys, und alles husgesind schmaichet im. Steinhöwel
Esop 101. 3@cc)
dann weiter im allgemeinen sinne von '
schönthun, sich einem durch liebes- oder beifallsbezeugungen, lobeserhebungen angenehm zu machen suchen',
meist mit dem beisinne des trügerischen, heuchlerischen, verächtlichen. 3@c@aα)
absolut: o man gedenk wer du denn bist, wie grosz die untrewe des weybes ist und hüte dich daʒ du von keinem schmeychenden weyb betrogen werdest.
spiegel menschl. behaltnusse (1492) 7
a; ein dink ich wol gemerket hân, daʒ manegem hêrren ein valschhaft man vil lieber ist, der smeichen kan, denne einer, der guotes und êren in gan. H. v. Trimberg
renner 772; die varnden smeichent und machent manigen man ze dunkel guot.
minnes. 3, 22
b Hagen; wann wer die sein, die geren smaichen, die wellent die leut nur alzeit laichen und machen in mit falscher red freuntschaft. Vintler
blum. der tugent 2386; wer dir won mit smaichen pei, da soltu chain güetichait zue haben, wann er smaicht allzeit umb dein schaden. 2437. 3@c@bβ)
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: der selbe lôsære, der ist mir zallen zîten glîchsende an der sîten und alleʒ smeichende bî und giht, wie lieb ich ime sî. G. v. Straszburg
Trist. 13959; dâ bî lâ dir verboten sîn liegen unde smeichen. des pflegent die muotes weichen: dâ mit soltu niht werben. Ulr. v. Lichtenstein 148, 31; liegen triegen smeichensei dir smêhe.
jüng. Titurel 1858, 3; swie swach er von geburte sî, wont im liegen und triegen bî, smeichen unde lôsen, rûnen und liepkôsen, er wirt zuo dem rât geschriben. Ottokar
reimchron. 40268
Seemüller; mit schmaichen und mit süszigkait bringt man manche frau in groszes lait. hüt euch, ir frauen, vor schmeichlers wort!
fastn. sp. 650, 15
Keller. 3@c@gγ) einem schmeichen: die leichtfertigen frawen schmeichen den jünglingen. Steinhöwel
Esop (1555)
register a 4
b; der lôser habe im sînen list, er liege und triege und smeiche, swem er welle.
minnes. 2, 152
b Hagen; wann wer die leut wil alweg laichen, der wänt alweg, man wel im smaichen. Vintler
blum. d. tugent 3727. 3@c@dδ)
seltener mit acc. der person: der pöse freunt, der smaicht sein freunt in valschait. 2458. 3@c@eε)
auch mit einem schmeichen: (
im bilde) vrou Werlt, ir altet unde bôset, ir smeichet mit uns unde lôset.
minnes. 3, 438
a Hagen; nu hört, wie wol er schmaichen kan mit seiner künigin wol gethan!
fastn. sp. 658, 24
Keller. 3@c@zζ) mit worten schmeichen: (
vom thier in der fabel) die schlang gunt im mit worten schmeichen. Waldis
Esop 2, 98, 21
Kurz. 3@c@hη)
statt der person erscheint die zunge,
die die schmeichlerischen worte spricht, als subject: sie (
die zunge) liuget, triuget, smeichet, manigen mort sie stiftet.
minnes. 3, 86
b Hagen; knierûnen, spotten, smeichen,lugelôsen, mein swern, vluoch bejagen, daʒ kan diu bœse zunge unt dan noch mêre. Reinmar v. Zweter 94, 6
Roethe; deine zung hat so süsz geschmaicht mit worten hüpsch und suptil, das ich mich dir ergeben wil. Hätzlerin 2, 76, 72. 3@c@thθ)
weiter mit begriffen, die die schmeichlerische gesinnung bezeichnen, als subjecten verbunden: diz riet im der unguote mit smeichendem muote. R. v. Ems
Barl. 287, 22; die valsch lieb kan schmaichen. Hätzlerin 2, 73, 104. 3@c@iι) schmeichende worte,
schmeichlerische, schmeichendes lob: alsô spricht auch sant Paulus zuo den Korinten (1, 13) 'diu lieb ist gedultig und senftig, si tregt alleu dinch und wirt doch nicht zeprochen noch wirt mit smaichendem lob erwaicht'. Megenberg 439, 4; ain tragende hüntin bat mit senften schmaichenden worten demütiglich ainen hund, das er ir vergündet in synem hüslin ze welffen. Steinhöwel
Esop 90
Österley; darum schuof der affen herr umb das schmaichend lob, im und den synen unwarlich gegeben, das er solte rychlichen begabet werden umb syn liebkallen, und het sie doch alle gelaichet. 181; darusz ist ze merken, daʒ den bösen menschen nit ze trüwen ist, und ob sie sich wol früntlich erzaigen und schmaichende wort gebent, so tragend sie doch das gifft in dem herczen und begerent zeschedigen. 186. 44)
im allgemeineren sinne von trügen: ich han is gut urkunde von gelerden und och von leigin, daʒ ich ane smeichin in duʒsen sage di warheit.
Tundalus 36
Kraus; 'wiltu mir's niht gelouben', sprach der schrîbære 'daʒ ist mir gar unmære, daʒ sprich ich âne smeichen'.
gesammtabent. 3, 116, 203. 55)
aber auch vom ernstgemeinten lobe, absolut, lobende, preisende worte sprechen (
oder beten? vgl. 6): dô si gesâhn daʒ wunder, daʒ dûhtes alle besunder ein vil grôʒeʒ zeichen und begunden alle smeichen.
quelle in Haupts
zeitschr. 6, 517, 484. 66)
in die bedeutung '
bitten, flehen'
übergehend, besonders nd., vgl. nndl. smeeken,
flehen: altyd als men is in noden, salmen smeken und bidden gode.
quelle bei Schiller-Lübben 6, 264
b. 77)
wie '
scherzen, spotten': ich wold mîn crullil (
löckchen) streichin und in lôsim smeichin dî andiren kalin leichin.
N. v. Jeroschin 18921
Strehlke. vgl. auch das unter dem formalen erwähnte schmaichen, schmeichen
der heutigen gaunersprache. 88)
transitiv, in verbindung mit dar,
schmeichelnd darbieten, eingeben: (
im bilde) mancher der würt vergyfften sich der gyfft dar schmeycht dem Römschen rich. Brant
narrensch. 99, 150
Zarncke. 99)
ganz abseits von der sonstigen bedeutungsentfaltung scheint der reflexive gebrauch in folgender stelle zu stehen, wo vielleicht '
sich fügen, passen, sich vergleichen'
gemeint ist, eine verwendung, die sich an den begriff des schmiegens (
s. das formale)
anknüpfen läszt: der rif mit seinem zeichen verderbt mengs blümli zart, kan sich dem klaffer schmeichen mit ungetrewer art. Uhland
volksl.2 84 (
nr. 54), 5. 1010)
dasselbe gilt für schmeichen
im sinne von '
schmutzen',
das vorliegt im mansfeldischen schmeichflîje,
schmeiszfliege, beschmeichen, jeschmeich,
geschmeisz. Jecht 97
a,
ebenso in dem oben unter schmeich 4
belegten raupenschmeich.
auch die oben theil 1, 445
unter anschmeichen
und 1582
unter beschmeichen
angeführten stellen müssen wol so erklärt werden. liegt hier wirklich dasselbe wort vor, so ist für die erklärung wol ebenfalls unmittelbar von dem grundbegriff auszugehen (
s. das formale).