wonnemonat,
m. ,
wonnemond, bei Fischart (
s. u. 1) wonnenmonat, '
mai'.
ahd. winnimanoth, wunnimanoth
in Einharts
vita Caroli Magni c. 29
und darnach ahd. gl. 3, 64, 45 (12.
jh.); 205, 18 (wine manoth 12.
jh.).
die ältere form ist winnemanoth,
zu winni
pastum, weide, ein wort, das schon im 9.
jh. nur mehr in der rechtsformel winni enti weido
und unserem komp. gebraucht und auch hier früh durch wunni
ersetzt wurde, s. o. wonne C.
die aufnahme von winnimanoth
in die monatsliste Karls d. Gr. setzt vielleicht einen älteren wortgebrauch fort, hat sich aber gegen mai
aus lat. Majus nicht behaupten können. mhd. meie
bleibt sowohl in der literatursprache wie im landschaftlichen gebrauche üblich, s. o. teil. 6,
sp. 1469
s. v. mai
und Weinhold dtsche monatsnamen (1869) 6.
die mhd. wbb. bringen keinen beleg für wunnemânôt,
und wo der name seit dem 16.
jh. verwendet wird, ist er gelehrte neuerung aus der monatsliste Karls d. Gr. die alte bedeutung '
weidemonat'
scheint vergessen, das erste kompositionsglied wird in der bedeutung '
freude, lust'
gefaszt, was als eindeutschung für mai
von der sache her gut zu passen schien: maius, der may, a frondibus Carolus Magnus den wonnemonat,
id est mensem amoenitatis olim nuncupavit Bas. Faber (1587) 476
a; wonne-, wunnemonat
mese di allegrezza cioè maggio Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1393
a; wunnemonat, wonnemonat ...
sic a Car. M. dictus teste Eginhardo ... vulgo ducunt a wunne, wonne
delectatio, quod tunc omnia rident Scherz-Oberlin 2067.
noch Campe 5, 773: 'wonnemonat,
weil ... dieser monat ... wonne
bringt'.
zur nebenform -mond
s. o. mond
teil 6,
sp. 2484; 2498; 2502. 11)
mensis Majus: im maiestatetischen maien, wonnemonat, bonenmonat, eselmonat Fischart in:
P. Gengenbach 420
G.; may oder wunemonat Harsdörffer
poet. trichter (1647) 1, 94;
maius der wunnemonat, wonnemonat, weidmonat, sommermonat Schottel
haubtspr. (1663) 264 (
s. ob. s. v. weidemonat); Wittenberg den 19. des wonnemahndes im 1641 jahre Ph. Zesen
vermehrter Helikon (1656) 3, l 7
a.
im 18.
jh. ersetzen Boie
und Wieland 1781
in ihren monatsschriften '
dtsch. museum'
und '
teutsch. Merkur'
den üblichen fremdnamen durch wonnemonat, -mond,
auch Göthe
datiert in diesem jahre spontan einen brief '
d. 1 sten wonnemond 81' (IV 5, 119
W.)
für sonst von ihm stets gebrauchtes 'mai'. Voss
polemisiert im maistück d. '
dtsch. museums'
heftig gegen den gebrauch von wonnemonat,
und Boie
und Wieland
kehren schon im folgenden jahre in ihren monatsschriften zur üblichen benennung mai
zurück, s. Weinhold
a. a. o. 10.,
vgl. noch Goekingk
ged. 3 (1782) 200; Schubart
in: D. Fr. Strausz
ges. schr. 9, 168; Jean Paul
w. 1, 384
H.; Schiller
br. 5, 375
Jonas. im 19.
jh. wird das wort im zuge der eindeutschungsbestrebungen häufiger verwendet (
vgl.wonnemonat für mai
innerhalb der versuche, '
deutsche'
monatsnamen einzubürgern),
ohne aber auch jetzt mit mai
ernstlich konkurrieren zu können, das in der amts- und geschäftssprache ausschlieszlich gilt. dabei wird die wohl als poetischer empfundene form wonnemond
bevorzugt: du starbst am 7. mai, welcher dieszmal für jeden, der dich kannte, kein wonnemondt ist Grabbe
w. 4, 306
Bl.; zur zeit der kirschblüth oder auch späterhin zu anfang des wonnemonds Gaudy
s. w. (1844) 3, 83; 19, 68; und wann der wonnemond regiert im lande, wirst du erfüllung auf den fluren finden W. Müller
ged. 56
Hatfield; winterstürme wichen dem wonnemond R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 16.
von hier aus, unter anderen klimatischen voraussetzungen, in der übertragung auf andere monate: april, in diesem italienischen wonnemonat Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 349; october ist hier (
in Italien) der wonnemond
qu. a. d. j. 1892. 22)
übertragen für '
zeit der blüte, der schönheit, der freude': sie lebte im wonnemond des brautstandes und die ganze welt erschien ihr in heiterm lichte
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries (1868) 2, 50;
im pl.: es wird uns allen sanft thun, wenn ich diese acht wonnewochen oder zwei wonnemonate weitläuftig beschreibe Jean Paul
w. 1, 368
H.; Tieck
schr. 2 (1828) 349.