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krapfen

mhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krapfen m.

Bd. 11, Sp. 2063
krapfe, krapfen, m. ein festgebäck. II. Form und verwandtschaft. I@aa) ahd. chrapho artocrea, rapheola, mhd. krapfe; auch mlat. craphus, crafus. Wackernagel im gloss. 2. ausg. setzt krâpfe an, so vom vorigen es unterscheidend; allerdings wird ahd. auch krâpfo geschrieben (Graff 4, 598), aber beim vorigen ebenso, sodasz beide in doppelform mit kurzem und langem vocal bestanden habengen. I@bb) überhaupt scheinen beide urspr. ein wort; denn auch formen mit o kommen bei beiden vor, schweiz. gibt es selbst chrämpfli n. krapfkuchen Tobler 118b, wie krampf gleich krapfe haken. mlat. hiesz raffius ein haken, harpago, und das gebäck rapheola, beide klingen nahe an krapf, kräpfel (davon it. raviólo ein eiergebäck, auch schwäb. raffiolen gefüllte krapfen in die suppe Schmid 422). I@cc) niederrh. gibt es aber ein adj. krapp hart gebacken (Aach. mundart 126), das. im 15. jh. krampf kruste Dief. 504a, die vielleicht damit zusammenhängen, vgl. bair. krappen beim brechen tönen wie ein derb gebackner 'küchel', fisch u. dgl. das gebäck heiszt auch crustula und wird kruspelig gebacken, ist von der fülle abgesehen wesentlich braune kruste (franz. crêpe f. pfannkuchen ist wol crispa). merkwürdig bair. krapsen krapfen Schm. 2, 394. I@dd) bemerkenswert ist sein auftreten in Schweden, mundartlich: krópp m. und króppa f., auch krpa, kröpa f., gekochte mehlklöszchen, in die suppe zu thun, s. Rietz 357b (auch eine art blutwurst). wäre das nur deutscher einflusz? IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) eigentlich. II@1@aa) das gebäck spielte eine grosze rolle in alter zeit, hauptsächlich als fastengebäck (was es z. b. in Sachsen als pfannkuchen heute noch ist), wie noch jetzt hauptsächlich in kath. landen. daher ist in den fastnachtspielen viel davon die rede: pacht die vasnachtkrapfen. fastn. sp. 52, 15; in der vasten, wenn wir die krapfen verdeuen, so wirt es uns villeicht vil gereuen. 608, 14; man sagt, sie kan gut suppen machen und auch gut pletz und krapfen pachen. 91, 7; ich waisz nit, wie uns ist geschehen, das wir hering und zwifel sehen (nun nach dem ende der fasnacht) und uns die krapfen sein entwichen. 628, 8; ich künt euch sulzen und krapfen geben. 628, 21; und sein ir vil sulzen und krapfen überpliben. 629, 20. 624, 11; ich thar nu nimer nach den krapfen gan und musz sein ein geistlicher man. 629, 28, das bezieht sich auf das zu fastnacht übliche krapfen holen bei freunden und nachbarn, s. Zarncke zu Brant s. 465a. II@1@bb) sie wurden und werden in fett oder öl gesotten: artocapus, ein krapf, est panis pistus in oleo. Diefenb. wb. von 1470 sp. 40. daher das zischen und singen der siedenden krapfen in der pfanne als zug häuslicher behaglichkeit: ein Trühendingær phanne mit krapfen selten dâ erschrei. Parz. 184, 25; weder krapfe noch daʒ smalz von den werden mannen selten lûte in der pfannen. herz. Ernst bei Haupt 7, 260; wann ich hör lieber krapfen bachen, denn büchsen oder armbrust krachen. H. Sachs 5, 221a. II@1@cc) sie wurden und werden gern mit fülle versehen, daher schon mhd. eine redensart: ze allen zîten vol als ein krapfe Berthold 103, 39 von einem 'vollen bruder'. das buch von guoter spîse § 58 ff. (vgl. unter kräpflein) gibt mehrere recepte: sô dû wilt einen vastenkrapfen machen .., sie handeln von der fülle, die sehr künstlich bereitet wird, mit äpfeln, nüssen, weinbeeren, mandelmilch, selbst hechtdärmen; auch mit fleisch und käse Hätzl. 71b, wie noch schweiz., artocreas heiszt eben speise aus brot und fleisch (s. Dief. 52a, daher auch vleischbrod Dief. n. gl. 36a). in Tirol bäckt man sie vielmehr im herbste, am feste aller heiligen oder zum kirchtag (um ostern küchel), besonders mit honig, mohn und kastanienfülle (zeitschr. f. myth. 1, 288, Schöpf 340); vielerlei bair. arten von krapfen s. Schm. 2, 393, östr. Castelli 149, schweiz. Stald. 1, 129, els. Fromm. 4, 473. II@1@dd) die alten vocab. geben sie als crepida crappfe Dief. 156c, artocopus, artocreas, frixa, pastellus craph, krapf 51c. 52a. 248a. 415c, kölnisch crap 248a (wie noch siebenb. krappen pl. Fromm. 4, 283), auch nd. krappe carbonella Dief. nov. gl. 75a. noch einige belege: da will ich euch gut krapfen bachen. Ayrer singsp. 162b; für mich krapfen, für dich heu. Abele 4, 501; ich bin das mel, ir seit der krapf. fastn. sp. 717, 20; der pasteten koch machet auch .. anderes gebackenes, als torten, fladen, kuchen, krapfen, sträublein u. dgl. Abr. a S. Clara etw. f. alle 1711 2, 390. s. auch kräpfel, kräppel und kröpfel. II@22) übertragen. II@2@aa) voller krapfen (s. schon mhd. unter 1, c): dasz ein redlich mann trunkenheit gar billich fleucht und alle volle krapfen scheucht (meidet). H. Sachs bei Göz ausw. 1, 151. wie volle brüder, von den gefüllten fasnachtkrapfen, die als bild der schlemmerei dienten, vgl. Helbling 2, 10; iʒ und trink nach deinem willen, du solt dich als ein crapfen füllen. Zarnckes d. Cato s. 148. II@2@bb) gutwillige krapfen verächtlich von soldaten scheint zu krapf zu gehören, s. dort 2. II@2@cc) obsc. für testiculus (im munde einer frau): wan .. er sein bogen hat gespant und im sein krapfen seind ermant. Kellers erzähl. aus altd. hss. 181, 5.
5209 Zeichen · 153 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    krapfenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    krapfen swv. umbekrapfen, zu krapfe 1.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    krapfenm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    krapfe , krapfen , m. ein festgebäck. I I. Form und verwandtschaft. I@a a) ahd. chrapho artocrea, rapheola, mhd. krapfe;…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Krapfen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Krapfen , ein namentlich in Süddeutschland und Österreich verbreitetes Gebäck aus Weizenmehl, Butter, Ei und Milch, auch…

  4. modern
    Dialekt
    Krapf(en)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Krapf(e n ) [Krópf Mü. ; Krûpf Geisp. ; Kràpf Str. ; Krópfə Sulzern Heidolsh. ; Krôpfə Bf. ; Kryopfə M. ; Kràpfə Lobs. B…

  5. Sprichwörter
    Krapfen

    Wander (Sprichwörter)

    Krapfen Et falen nichen Krape 1 vum Himmel erouf. ( Siebenbürg.-sächs. ) – Schuster, 460. Krapfen oder Kräpfl, kleine in…

  6. Spezial
    Krapfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Krap|fen m. (-s,-) 1 (kleiner rundlicher Krapfen) canifl (-i) m. 2 (kleiner Krapfen, gefüllt mit Mohn, wildem Spinat, Rü…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krapfen

19 Bildungen · 15 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

krapfen‑ als Erstglied (15 von 15)

krapfenbacher

Lexer

krapfen·bacher

krapfen-bacher stm. krapfenbäcker Beh. 312, 6, artocopus Dfg. 52 a . krapfen becker, pastillarius ib. 415 c , krapfen beck Voc. 1482.

krapfenbachære

KöblerMhd

krapfenbachære , st. M. nhd. Krapfenbäcker Q.: Beh, Urk (1325-1350), Voc E.: s. krapfe (1), bachen W.: s. nhd. Krapfenbäcker, M., Krapfenbäc…

krapfenbäcker

DWB

krapfen·baecker

krapfenbäcker , m. pastillarius, krapfenbecker Dief. 415 c , artocopus, krapfenpacher 52 a , Behaim Wiener 312, 6 .

Krapfengenist

PfWB

krapfen·genist

Krapfen-genist n. : Deutung der Gewährsperson: 'dünnes Leseholz, wie es die Raben zum Nestbau verwenden', Krappegenischt [ BZ-Dernb ]; wohl …

krapfenmal

DWB

krapfen·mal

krapfenmal , n. auswuchs am pferdehufe: todtenblüe in huefen, so man auch staingallen und krapfenmal nennet. Seuter rossarznei 396 , steinga…

Krapfenrecht

PfWB

krapfen·recht

Krapfen-recht n. : 'das Recht, die im Wald hervorstehenden Äste bis 8 cm Durchmesser abzuhauen', -recht [ KL-W'lein ]; vgl. Krapfen 2 a, Kra…

Krapfenstiel

PfWB

krapfen·stiel

Krapfen-stiel m. : 'Stiel des Krapfens 1 a', Krappesteel [ KL-Stelzbg ]. Südhess. III 1770 . —

Krapfenzinken

PfWB

krapfen·zinken

Krapfen-zinken Pl. : 'Zinken des Krapfens 1 a', -zinke [ KL-Stelzbg ]. Südhess. III 1770/71 .

krapfen als Zweitglied (4 von 4)

käsekrapfen

DWB

kaese·krapfen

käsekrapfen , m. quarkkrapfen, werden öfter mit den käsefladen erwähnt ( meist nur krapfen) in dem käsfladenkrieg bei Fischart, käskrapfen G…

mandelkrapfen

DWB

mandel·krapfen

mandelkrapfen , m. krapfen mit mandeln. Jacobsson 3, 13 a ; dim. mandelkräpflein. öcon. lex. 1505; mandelkräpfchen. frauenz.-lex. 2029.

schlickkrapfen

DWB

schlick·krapfen

schlickkrapfen , m., schlickkräpfchen . -lein , n. ein gebäck, das eine farce enthält, erst in wasser gekocht und dann in schmalz gebacken w…

umbekrapfen

Lexer

umbe·krapfen

umbe-krapfen swv. umfassen. hilf mir durch dîne werdekeit Cunnewâren hulde umbkrapfen breit Parz. 207,2 ( das richtige steht wol in der 1. a…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „krapfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/krapfen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „krapfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/krapfen/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „krapfen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/krapfen/dwb.
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