goldschmied,
m. ,
daneben bis ins 19.
jh. goldschmid(t),
vgl. s. v. schmied.
in älterer zeit begegnet auch unorganisches u
als stammvokal des ersten compositionsgliedes (
vgl. entsprechend gult
u. ä. für gold
oben sp. 679): gultsmede (
Köln anf. 14.
jhs. u. 1448)
in: zs. f. dt. alt. 71, 118. 11)
aurifex, aurifaber; handwerker, der gold zu schmuck und kostbarem gerät verarbeitet, wobei er sich neben dem schmieden in prägnanter bedeutung (
s. u. schmieden)
auch anderer techniken, z. b. der älteren des gieszens, bedient (
vgl. Hoops
reallex. d. germ. altertumskunde 2, 268).
ob das compositum schon urgerm. anzusetzen ist, läszt sich anhand der belege ags. goldsmith (
ca. 1000)
bei Bosworth-Toller 485
a,
aisl. gullsmiðr (13.
jh.)
bei Cleasby-Vigfusson 220
b nicht mit sicherheit ausmachen. im überlieferten got. bot die übersetzungsvorlage für ein *gullasmiþa
keine handhabe, doch vgl. aizasmiþa (
erzschmied)
got. bibel 2. Tim. 4, 14.
im dt. seit dem 9.
jh. bezeugt: aurifex coldsmid (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 473, 11
St.-S.; vgl. noch 1, 559, 47; 1, 621, 6
u. ö. 1@aa)
allgemein mit beziehung auf das handwerkliche: sô dede imi got, alsô dir goltsmid duot. sor wirkin willit eine nuschin (
spange) guot, diz golt siudit her in eimi viure, mit wêhim (
zierlichem) werki duot her si tiure, mit wierin (
verzierung aus golddraht) alsô cleinin. wole slîft her die goltsteine mit manigir slahti gigerwa (
mancherlei bearbeitung) gewinnit er in die variwa. alsô sleif got seint Annin mit arbeidin manigin
Annolied 649
Roediger; wir sîn wæhe goltsmide, und varn durch diu lant nâch unserm site
Oswald 2203
Ettmüller; (
die stegreife waren) breite goltreife, gebildet nâch zwein trachen. sî kunde wol gemachen des goltsmides hant Hartmann v. Aue
Erec 7672
H.; die andern liute, die zuo dem andern kôre (
d. i. zu dem fünften innerhalb der zehnchörigen ständegliederung) gehœrent, daz sint alle die mit îsenînen wâfen arbeitent unde wirkent: ... daz sint goltsmide, pfennincsmide und ander smide unde zimberliute oder îsensmide unde swelherleie sie smiden künnen Berthold v. Regensburg 1, 147, 10
Pf.; der chaiser dar nach dratt seinen goltsmiden gepot das sy in den ern (
fuszboden) sein zwô schon sewll guldein gussen von ratem gold Seifrit
Alexander 8096
G.; er (
der jude mit den drei ringen) fand ein sin in diesen sachen, lies haimlich ein goltschmid zwen ring noch machen Hans Sachs
fabeln und schwänke 4, 2
Götze; man hatt gar gutte goltschmidt in Englandt, aber die meisten seindt refugirte Frantzoszen Elisabeth Charlotte v. Orleans
briefe (1716—1718) 206
Holland; der dortige rector ... und subrector hatten sich über einen benachbarten goldschmid beklaget, dasz er ... mit seinen ... hämmern sie ... incommodire Chr. Thomasius
ernsthaffte gedancken (1720) 3, 357; und gleich hinter dem grauschwarzen katzenmännchen erblicke ich die lichte erscheinung der silberschmiede in himmelblauem und rosenrotem gewande mit weiszem überwurf, und die goldschmiede, hochrot gekleidet mit schwarzdamastenem, reich mit gold gesticktem mantel G. Keller 5, 201
Fränkel. gern im anschlusz an apostelgesch. 19, 24: nicht wie jener Demetrius goldschmid zu Epheso, dem mehr anseinem gewinn als gottes ehr gelegen gewest Dannhawer
catechismus-milch (1657) 2, 103;
vgl. noch Göthe I 2, 195
W.; Fr. Creuzer
symbolik u. mythologie (1810) 2, 16;
F. G. Welcker
alte denkmäler (1849) 3, 318
anm. von hier aus vereinzelt in übertragenem gebrauch: ich bin nun einmal einer der ephesischen goldschmiede, der sein ganzes leben im anschauen und anstaunen ... des wunderwürdigen tempels der göttin ... zugebracht hat Göthe IV 23, 7
W. in verschiedenartigem vergleich: unser herre gott ist ein guter goldschmidt, er kan aus einem gülden mehr denn hundert tausent schmiden Luther 19, 311
W.; wenn alles ist wie in den tagen des glückes, blank, wie aus dem gusse des goldschmiedes kommend A. Stifter
s. w. 1 (1904) 217.
unter betonung des gegensatzes zum grobschmied (
s. d.): potztausend wie viel hämmerchen pochten in meinem kopf, lauter goldschmied, und der grosze hammer in meiner brust das war ein grobschmied Bettine
die Günderode 1, 66. 1@bb) goldschmied
kann als umfassende bezeichnung der verschiedenen spezialberufe der goldverarbeitung dienen, so in den wbb. des 16. u. 17. jhs., vgl.: caelator ein auszstAecher, eigentlich heiszt es der tribne oder erhebte arbeit macht, goldschmid Frisius
dict. (1556) 171
b;
vascularius goldschmid, der silbere und guldine geschirr machet
ebda 1347
b;
vascularius, qui vasa conficit aurea et argentea ein goldschmid, der sylberne oder güldene geschirr machet.
sunt enim inter aurifices vascularii, caelatores, inauratores, et bractearii ... Calepinus
dict. ling. sept. (1579) 1600
b;
vgl. auch: weil zuvor vom tau geredet worden, schickt sich hier fein das gleichniss von den goldschmieden genommen, welche die gefäsze mit bunten farben ... einschmeltzen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 86. 1@cc)
wie goldarbeiter (
s. d.), goldmacher (
s. d.)
und auch schmied (
s. d.)
gelegentlich in prägnantem gebrauch für goldschmied
stehen, so kann anderseits goldschmied
in erweiterter anwendung den silberschmied
bezeichnen, sofern beide berufe vom gleichen handwerker ausgeübt werden: Herlint wolde dannen gan der herre bat sie dar bestan unde heiz die goltsmide sin zwen scho (
schuhe) silverin ilinde giezin
könig Rother 2032
de Vries; erstlich liesz der e. v. abt Conradt ain silberin Mariabild machen ... durch Jorgen Selden goldschmid (1531) Knebel
chronik v. Kaisheim 402
lit. ver.; Chrysander, der berühmte goldschmid ... hat sie ... von puren 16 löthigen silber gegossen Stoppe
Parnasz (1735) 496. 1@dd) goldschmied
kann auch den edelsteinschleifer (
vgl. oben den beleg aus dem Annoliede)
und von da aus schlieszlich den händler mit juwelen und schmuck bezeichnen, gehörte doch ohnehin das fassen der edelsteine zum handwerk des goldschmieds: den (
stein) hiez er uf einen hut einen goltsmit machen schone und schuf mit dem lone daz er vil richlich stunt, so kunege steine in golde tunt (13.
jh.)
mhd. erz. nr. 157, 75
Rosenhagen; in einer stat warend zwen goldschmidt, fast künstlich edel gestein in gold ... zuuersetzen J. Pauli
schimpf u. ernst 411
Österley; ein goldschmit, welcher einen schweren unnd groszen handel fuort mit edlem gestein und den allerkostlichen orientischen berlin Wickram
w. 2, 158, 7
Bolte. doch bleibt daneben die doppelbenennung: Bezaleel der künstliche goldschmid und steinschneider (
vgl. exodus 31) Mathesius
Sarepta (1571) 9
a; am 21. april feiert der goldschmied und steinschneider Martin Seitz seinen 55. geburtstag
gold und silber, jahrg. 1950,
heft 3, 20
a; es ist höchst erquicklich anzusehen, wenn ein so alter goldschmid und juwelenhändler ächte waare gewissenhaft und freudig taxiert Göthe IV 29, 158
W.; da du nun eigentlich goldschmied und juwelier bist
derselbe I 43, 305
W. vgl. hierzu auch: der handwerkliche goldschmied ist auszerdem in allen grosz- und mittelstädten ansässig, z. t. auch in kleinstädten, aber meist als sog. ladengoldschmied (reparaturgoldschmied, goldwarenhändler, berufsbezeichnung dann vielfach 'juwelier'), oft in verbindung mit dem handel mit uhren
handbuch der berufe (1927) 1, 2, 589. 1@ee)
in soziologischer hinsicht wird die ohnehin seit alters hohe soziale einstufung des goldschmieds (
vgl. Hoops
reallex. der germ. altertumskde 2, 267)
durch diese entwicklung vom handwerker zum händler noch begünstigt: anno 1362 wurden goldschmid, tuochscherer und faszbinder oder küffer zuo burgern gemacht, vormals constoffeler (
privilegierte bürger), unnd ward ein gesatz gemacht, wer vom handwercks geschlecht zuo Straszburg geporen würdt, der solt ewig er und sein gschlecht zuo den handwercken dienen und ob er so mächtig wurd, das er eins grafen tochter, land und leüt uberkAeme Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 286
a; des erstens ritter, edel lt, burger, die ir gelt und gut hand, kaufflete, gwandschnyder, wechsler, goldschmid und saltz-lte, die sol man nAemen (
nennen) constavel, und sol man von inen setzen erber lt in den rat, und sollend einen burgermeister wartend sin, und der stadt panner (
vor 1572) Tschudi
chron. Helv. (1734) 342; ich bin kein goldschmid (=
ich bin arm)
schöne weise klugreden (1548) 25
a; kündt ich mit den pflegern der bruoderschafft zuo Wormbs als wol als mit ihme naher kommen, ich wolt kein goldtschmidt dafür sein (=
ich wollte mit keinem goldschmied tauschen) Frey
gartenges. 47, 28
Bolte; der reiche war ein goldschmied und bös von herzen br. Grimm
kinder u. hausmärchen 1, 278
Reclam. vgl. noch: '
die zusammenstellung kaiser, könig, goldschmied
im kinderspiel zeigt die hohe achtung vor diesem gewerbe' Fischer
schwäb. 3, 743.
hinzu kommt die hochschätzung des goldschmieds
als kunsthandwerkers: durch eine glückliche vereinigung des schönen mit dem tüchtigen und schicklichen werden auch werke der mechanischen künste zu werken des geschmacks; und der goldschmidt, der juwelierer, und so gar handwerker von der niedrigsten classe können sich dadurch bis zum rang des künstlers erheben Sulzer
theorie der schön. künste 2, 251; das umfassende können, das der goldschmied im sinne des künstlers und kunsthandwerkers vor der industrialisierung des gewerbes allgemein besitzen muszte, wird gegenwärtig in der regel nur noch von solchen goldschmieden erworben, die auf grund besonderer künstlerischer befähigung und neigung den beruf wählen
handbuch der berufe (1927) 1, 2, 589. 1@ff)
im volkslied scheint der goldschmied in echter funktion nur als ring- und geschmeideschmied zu stehen: ach goldschmied, lieber goldschmied mein, schmied meinem schatz ein ringelein! Erk-Böhme
dt. liederhort (1893) 2, 396; dat flog sick hin, dat flog sick her, dat flog vor ein goldschmiedes dör >(
gemeint ist die nachtigall als liebesboti, die einen ring für die geliebte bestellen soll)
ebda 2, 226.
darüber hinaus erscheint er gewöhnlich nur als variante anderer figuren: gut'n tag, gut'n tag, herr goldschmied mein! beschlagen sie mir mein pferdelein!
ebda 1, 32;
vgl. 1, 258.
neben goldschmied
begegnet auch des goldschmieds töchterlein
im volkslied: wi (
wir brautwerber) willen eines goltschmedes dochterlin han ... des goltschmedes dochter krige gi nicht Uhland
volksl. (1881) 235; bist du des goldschmieds töchterlein, bin ich des bauren sohn, ja sohn Erk-Böhme
dt. liederhort (1893) 2, 306;
vgl. 1, 32.
bedeutsam für die romantische typisierung scheint erst Uhland
s volksliedhafte ballade 'des goldschmieds töchterlein'
geworden zu sein, vgl. ged. 1, 174
Erich Schmidt, dazu noch: goldschmidts töchterlein hatte es allen angetan Gaudy
s. w. (1844) 6, 65; es ... schüttelt sich unser historisches gefühl vor der unnatur, mit welcher ein schwächlicher seitenzweig der romantischen schule vor einiger zeit in dichtung und bildwerk das alte bürgerthum als ein mattherziges stilleben von zahmen biderben handwerksmeistern und blondhaarigen goldschmiedstöchterlein darzustellen sich beflisz W. H. Riehl
naturgesch. d. dt. volkes (1851) 2, 202;
dazu folgende scherzhafte anzeige: des goldschmieds tochter ... wünscht briefwechsel mit an leib und seele gesundem goldschmied
deutsche goldschmiedezeitung (1950)
nr. 10, 295
d.
selten erscheinen im volkslied goldschmiedssohn, goldschmiedsjunge (
zu diesem vgl. unter g): und das vernahm ein junger knab, von wunder ein goldschmiedssohn, ein ringlein thät er ir machen von silber und rothem gold Erk-Böhme
dt. liederhort (1893) 1, 418; wer hat denn dieses lied erdacht? drei goldschmiedsjungen die habens gesungen zur guten nacht
ebda 2, 368. 1@gg)
die euphemistische redensart wie goldschmieds junge
oder bub (
d. i. lehrjunge) denken, sagen
u. ä. für '
rutsch mir den buckel runter'
u. gröbere varianten ist von der mitte des 17.
bis zur mitte des 18.
jhs. literarisch reich bezeugt und bis heute in der volkssprache lebendig. die genitivverbindung scheint älter als der frühest greifbare beleg der redensart, vgl.: er verschüttet (
damit) den pfeffer gantz, wie des goldschmids bub zu Nürnberg (1621)
bei Müller-Fraureuth
obersächs. 430
a; süszer denn honig redt die zung, das herz denkt wie jens goldschmids jung
satyra (1628),
d. i. nr. 7
im mischband 4° XII 95
der landesbibliothek Weimar; sie aber würdigte ihn hingegen keines anblicks, sondern gedachte vielleicht wie des goldschmieds jung Grimmelshausen
simpl. schr. 2, 194
Tittmann; wohl dem! der so, wie goldschmieds junge, denckt und eher sich nicht zu der liebe lenckt, als bisz er nach vollbrachten jugend-jahren sich kan in ehren mit der liebsten paaren Benjamin Neukirch
in: Hoffmannswaldaus u. anderer Deutschen ged. (1697) 1, 388; und wenn gleich offtermals derselbe lose zahler wie goltschmiedts-junge lacht, und alles schuldig bleibt Chr. Fr. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 325; du bitterer dod ... to dyn thorn (
zorn) segg ick: legge dy! ick denk as goldschmids junge (1734)
bei Aloysia Rettler
niederdt. lit. i. zeitalt. d. barock 183; der hofbauer schweigt mäuselstill, denkt ihm sein theil wie der goldschmiedsbub Abr. a
s. Clara
wunderw. gantz neu ausgeh. narrennest (1751) 89;
vereinzelt lexikalisch: gedencken wie des goldschmieds jung
vulg.: verba alicujus et mandata apud se contemnere, eines worte und befehl bey sich verachten Frisch (1741) 1, 360
c; sie denkt ihren teil wie's goldschmids jung Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 355;
vgl. noch: an dem orte, wo goldschmidts junge wollte geküszt sein Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 430
a.
die herkunft der redensart ist ungeklärt, vgl. Bolte in:
zs. f. dt. wortf. 11, 302
f., wo weitere belege seit der mitte des 17.
jhs.; wohl als volkstümlicher deutungsversuch: gelt, du denkst wie guldschmieds junge: hätt ich guld, do macht ich mr a ringla Rother
schles. sprichw. 346
a. 22)
als bezeichnung von tieren. 2@aa)
für verschiedene insekten: 'goldfliege ...
ein name, welchem man an einigen orten dem blattkäfer, chrysomela Linn., gibt, wegen seiner hohen wie gold glänzenden farben, um deren willen er an andern orten goldschmid
genannt wird' Adelung
vers. 2, 743; se (
die liebende) flog der rum as goldsmid mank de swölken (
schwalben) Klaus Groth
quickborn 52
Krumm; goldsmidt
bezeichnung für die libelle, bes. für die grosze wasserjungfer libellula grandis (
vor allem in Schlesw. u. Dtm.; aber auch sonst) Mensing
schlesw.-holst. 2, 422; goldschmett
käfer Frederking
plattd. dorfwb. 45; goldschmied
der gold(
lauf)
käfer, carabus (
auratus) ...
syn. für goldkäfer, goldvogel Fischer
schwäb. 3, 743;
s. auch oben goldarbeiter 2.
diese übertragung auf ein insekt ist bereits für das aisl. bezeugt: gull-smiðr. ...
a gold beetle, lady-bird Cleasby-Vigfusson 220
b (
lady-bird =
marienkäfer, der im rhein. mit dem diminut. goldsmitΧe
bezeichnet wird, vgl. rhein. wb. 2, 1300).
im engl. seit 1449: goldsmith ...
short for goldsmith-beetle (
cotalpa lanigera)
having wing- covers of golden lustre; also cetonia aurata or other species Murray 4, 282
b. 2@bb)
vereinzelt für die goldammer, vgl. rhein. wb. 2, 1300. 33)
als bezeichnung des ringfingers rheinisch im kinderreim bezeugt, vgl. rhein. wb. 2, 1300. 44)
zusammensetzungen. für einen groszen teil der goldschmied -
composita ist verschiedene bildung gebräuchlich gewesen: goldschmied-, goldschmieds-, goldschmiede-;
jüngerem sprachgebrauch entspricht gewöhnlich die mit fugenvokal. für die folgende alphabetische einordnung wird aus praktischen gründen jedoch durchweg die form goldschmied-
angesetzt, auch wenn sie nicht belegt ist.