staffieren,
verb. mit dem nötigen zubehör versehen, ausrüsten, ausschmücken. lehnwort aus altfranz. estoffer =
neufranz. étoffer,
span. estofar,
vgl. Diez
4 307
und Stieler 2175. Wachter 1579. Adelung. Kinderling 149. Weigand 2, 791. Kluge
6 24
b.
das wort scheint zunächst ins nl. eingedrungen zu sein, wo es als stofféren
schon mnl. vorkommt, vgl.: stofféren,
munire, communire, instruere, ornare, adornare, concinnare, suppeditare. Kilian 2, 641
b.
von da hat es den weg über das mnd. genommen, wo es im 15.
jahrh. aufkommt, ebenfalls in der form stofferen,
s. Schiller-Lübben 4, 424
und unten die belege; doch daneben auch staffeeren
in den Lübecker reformations-acten (1529—31),
s. 370
b,
und staf(f)eren
bei Lauremberg,
s. unten. im nhd. ist staffieren
seit der ersten hälfte des 16.
jahrh. (
bei H. Sachs
u. a.)
nachzuweisen; von wörterbüchern hat es zuerst Hulsius
aufgenommen. (
über hd. stoffieren
s. das.)
die form bietet sonst keine abweichungen, abgesehen von der nicht seltnen, aber bedeutungslosen schreibung stafieren.
im part. perf. findet sich neben überwiegendem staffiert
im 16.,
zuweilen auch noch im 17.
jahrh. (
bei Dhuez, Kramer), gestaffiert,
und zwar begegnet beides bei demselben autor (H. Sachs, Fischart)
und in derselben quelle (
Zimm. chron.)
unterschiedslos neben einander, s. die belege. —
heute ist das einfache staffieren
weniger gebräuchlich und wird in gewöhnlicher rede meistens durch die zusammensetzung ausstaffieren ersetzt, die sich allerdings in der gebrauchssphäre nicht ganz damit deckt, s. theil 1, 981
f., dazu: ausstafiren,
adornare, apparare. ein kleid ausstafiren,
vestem taeniolis vel lemniscis describere, variare, praesuere. Stieler 2175; ausstaffiren,
exornare, mit der nöthigen zugehör und kleidung versehen. Frisch 2, 315
b; wenn dir auch erlaubt würde noch zehn geschichten zu deinen fünfen zusammenzusuchen und sie ... mit so viel erdichteten umständen auszustaffieren als du lust hättest. Wieland
Luc. 4, 50; er ist einer von denen, die die natur ... mit allen heissen leidenschaften ausstaffirt hat. Klinger 3, 37; das goldne feld ward vortrefflich ausstaffirt. Göthe 34, 24; (
wir) fürchten hinter diesen launen diesem ausstaffirten schmerz ... leerheit oder schlechtes herz. 1, 158.
s. ferner Lessing
unter 6.
dafür in eigentlichem sinne auch herausstaffieren, s. theil 4, 2, 1046: Marder hochzeitlich herausstaffiert. Kotzebue
dramat. sp. 2, 338; der daus! wie
thät sich freuen das publikum der neuen, herausstaffierten schönen! Overbeck
verm. ged. 27.
s. auch Schaller
unter 2,
c. weniger gebräuchlich ist aufstaffieren, s. th. 1, 744: aufstaffiren,
ornatum superinducere. eine güldene borte aufstafiren. Stieler 2175;
im sinne von staffieren (4,
b): von einem dritten geist ward ihm der huth entführet, den die geschickte hand französisch auffstaffiret. Zachariä 71 (
renomm. 4, 182).
kaum üblich sind be-, ver- et durchstaffiren,
idem (
ac ausst.). Stieler 2175. —
mundartlich ist staffieren
heute auch im hochd. üblich, doch gewöhnlich nur in der zusammensetzung mit aus-
und in der bedeutung '(
mit kleidung)
ausrüsten',
was deutlich die herkunft aus der schriftsprache erkennen läszt. so schweiz. us-štaffiere Hunziker 249. Seiler
Basler mundart 304
b,
els. stäffiere(n), us st. Martin-Lienhart 2, 575
b,
in Wien ausstaffir'n Hügel 154
b,
ebenso tirol. Schöpf 696
f., kärnt. staffieren Unger - Khull 568
a,
in Handschuhsheim áuštaffian Lenz 8
b,
köln. stafeere Hönig 150
a.
auch die nd. mundarten zeigen schriftsprachlichen einflusz. stofferen (up, uut st.)
kennt nur noch das alte brem. wb. 4, 1041,
doch ist auch da schon staveren
als das gewöhnliche bezeichnet; so nur mit a
in den nördlichen mundarten: holst. staffeeren (
malen; gegennähen). Schütze 4, 182,
altmärk. staffêren, ûtst. Danneil 208
a,
mecklenb. staffiren, utst. Mi 85
b,
ostfries. (ût)stafêren ten Doornkaat Koolman 3, 285
b.
aus dem deutschen stammt ung. staféroz Lumtzer-Melich
d. ortsn. u. lehnw. (1900) 242.
bedeutung: staffieren, rüsten, gerüst machen,
pourvoir, apprester. ubel staffiert, o.
mal pourveu. wol staffiert. Hulsius 305
b; staffiren
parare, apprester. Schottel 1420; staffiren,
antic. e meglio stoffiren [
da stoff,
materia donde si fà qualche cosa, voc. antica e bella, mà hoggidì fiamenga per disgratia. ...]
guarnire (
guernire),
parare, ornare etc. it. fornire, provedere etc. Kramer
dict. 2, 902
c; staffirt, stoffirt,
guarnito (
guernito),
assettato, fornito, provisto etc. v. versehen. 903
a; stoffiren,
quod tamen fere efferunt: staffiren, gestaffiret,
exornare, parare. nonnulli derivant à steif,
quasi sit steif
et schön machen:
sed est ab hoc antiquissimo vocab. stoff,
quasi sit splendorem rei affundere variis ornamentis et coloribus textilium. Stieler 2175; staffiren,
lat. instruere, ornare, instructum ornatumque dimittere. Apin.
gloss. 509;
parare, exornare, instruere. Frisch 2, 315
b. 11)
dem 16.
jahrh. eigenthümlich ist die anwendung auf kriegerische rüstungen; vom heerführer oder herrscher, mit heeresmacht und gefolge ausstatten: war ist es wol, das ein fürst und herr mit reisigen knechten und fuszvolk oder landsknechten müsze stafiert und gerüst sein. Pape
bettel u. garteteufel (1586) U 8
b; auch ist dir's ẹr' ángrif zù tuon mit streiten, uont kryg fụrend wol staffîrt einhær reiten. Melissus
ps. 45, 5; ich halts ein grosse notturfft sein, eur majestat begeb sich hinein mit einem zimlichen kriegsheer, dasz, wenn sie greiffen zu der wehr, eur majestat staffiret wern, abzuwenden des reichs beschwern. Ayrer 438, 2
Keller; kompt Pipinus wol staffirt. 1350, 9 (
vgl. v. 3
f.).
freier: und mit solchem wolgeputzten hoffgesind staffirt, hat unsere glidergöttin den grösten theil der menschen inn jren gewalt gebracht. Fischart
podagr. trostbüchl. C 7
b. —
von dem kriegsvolk selbst, reflexiv, sich zum kampfe rüsten, in schlachtordnung stellen (?): dismal aber khamen sie 5 tag for unns zum wasser, ... zu bekriegen die Machurades; stafirten sich in 2000 mann starckh. Ulr. Schmidel
reisen 41, 6
Langmantel; ähnlich: auch so machten sie die schlachtordnung geviert, hinden und vornen mit schützen, auff das, wa man sie wolt angreyffen, das sie gefaszt und gestaffiert waren. Schumann
nachtbüchl. 349, 21
Bolte (2,
nr. 51, 3). —
vom einzelnen, rüsten, s. 2,
a; eine burg oder stadt mit proviant versehen, s. 3,
a. 22)
sonst mit persönlichem object, einen staffieren,
verschieden nuanciert. 2@aa)
an 1
anschlieszend, mit rüstung, waffen versehen, rüsten: 17 fähnlein knechte aus der Schweiz, welche ... mit ihren vergoldeten rüstungen und röhren, sowohl in wehren mit silber beschlagen, staffiret und geputzt waren. Schweinichen 1, 175; jtem ein jeder herr oder juncker, so sechs pferd oder darüber hat, soll darunder einen knecht mit einem langen rohr gestaffirt haben, der zu rosz damit umbgehn ... kundt.
reutterbest. zu Speyer (1570) 23; als er nun in die tausent gerüster pferde, und uber die tausent wolgestaffierter landszknechte, beyeinander gebracht. Hamelmann
Oldenb. chron. (1599) 82; die unbewehrten zu staffirn. Kirchhof
discipl. milit. 29; zum treizechenten solle mann auch jährlichen oder in zweien jahren ainmall die musterung mit den burgern fürnemben und besichtigen, wie sie mit rüstungen gestaffiert sei.
steir. taid. 122, 37 (
nach 1618); marschalck, wer warn die drey in grün, gestaffiert adelich und schün, die sich so ritterlicher zier heudt bey uns hielten im thurnier? H. Sachs 13, 177, 5
Keller-Götze; nun Spartacus mit frefler hand gewunn etlich stätt in dem land, darinn vil kriegsrüstung bekamen, wurden wol gestaffirt allsammen. 20 355, 31.
vgl. auch die bildliche verwendung: da ein potentat schöne zeugheuser und viel artelerey hat, von geschütz, harnisch, wehr und waffen, das macht herrn auch lustig, welche nicht allein mit gesetzen staffiert und gerüstet, sonder auch mit wehr unnd waffen sollen gezieret sein. Mathesius
Sar. 2
b.
mit verschobener beziehung von der rüstung selbst gesagt: zu diesem auch gut vleisz ankehr, das deine rüstung und gewehr fein hurtig, reinlich, wach und frey an allem ort stafiret sey. Ringwaldt
l. warh. 18. 2@bb)
doch ebenso auch in bezug auf kleidung und schmuck, was natürlich davon sich nicht streng sondern läszt: bien pourveu d'habits mit kleidern wohl gestaffiert. Duez
le vray guidon (1657)
s. 419; wie er domals mit klaidern staffirt, do wer vil von zu schreiben.
Zimm. chron.2 3, 437, 31;
in weiterm sinne: der war ain hofman, mit feinen klaidern, guldin kettinen, pferdten und anderm apparat staffirt. 2, 257, 4.
so auch: die falckner ritten wol gerist mit steubern und was sunst nodt ist, zuom federspil warens staffiert falcken und blofüsz wol geziert. Wickram
der irr reit. bilg. 21
a. 2@cc)
so gewöhnlich ohne nähern zusatz. activisch, von den schneidern (
ungewöhnlich): wat nu eindrechtiglig ein ehrbahr schnider raeth van nie bestemmet hefft, und under sick beslaten, up wat maneer he wil dit jahr stafferen laten de andern volcker all. Lauremberg
schertzged. 1, 212.
gewöhnlich reflexiv: se garnir sich versehen oder staffieren. Duez
le vray guidon (1657)
s. 263; ihm etwas gelt zu schicken, sich darmit ein wenig zu staffieren, dasz er nicht so bettlerisch vor ihr augen keme. Kirchhof
wendunm. 2, 499
Österley (3, 225); in gleichen auch ein ehrsame bürgerschafft unnd landsassen, sich jhren könig, fürsten oder herren zugefallen, wol heraus staffieren und butzen, wenn er etwa ein öffentlichen einzug halten wil: also sollen auch und vielmehr wir christen uns rüsten und staffirn, mit allen sachen, gegen den letzten, ehrlichen, herrlichen und maiestetischen advent unsers erbherrens. Schaller
theol. heroldt (1604) 516.
oder im part.: er ist statlich staffiret,
pretiosissima veste indutus est. Stieler 2175; der keyser geht ein mit dem hoffgsind und knaben, wol staffirt. H. Sachs 20, 101, 14
Keller-Götze; da seit wol gestaffieret ir. 11, 228, 10; mit ringen pferden, darauff reitt sein adl und herren, wol staffiert, in sammet und ketten geziert. 16, 431, 4.
so noch in bildlichem gebrauche: was sind sie, diese koryphä'n moderner dithyramben, als Kotzebues im domino, staffirt in lahme jamben? Platen 260 (
verh. gabel 2). 2@dd)
in der ältern sprache auch von der natürlichen ausstattung des menschen. im allgemeinen, in bezug auf die körperliche verfassung, gesundheit und stärke: man findet menschen, die also schwach, plöd und so ubel gestaffiert sint, oder sonst ausz zärtlichkeit, jhrer so wol zu schonen wissen, das sie nimmer auff kein pferd sich zuschwingen pflegen. Fischart
ehezuchtb. A 5
b; von grad und leibs sterk wol staffiert. Schade
sat. u. pasqu. 1, 101, 46.
in bezug auf einzelne glieder, obscön: solchs zuverhüten, hat die h. römische kirch zwen hebammen stül ausz porphyrstein lassen hauen: da man von unten auff zugreiffen pflegt, ob der neugekoren papst auch mit allem hauszgeräht zur kleinen nächtlichen hauszarbeit gestaffiert sei. Fischart
bienenk. 210
a; es hett der Herman Boss .. für dise herzogin gefüegt, der konte kisslingstain usser ainer wandt brunzen, also war er under der gurtel gstaffiert.
Zimm. chron.2 1, 458, 22; nun undter anderm die fraw ihn fragen ward, sie hette wol gesehen, das er zwen hett, und ob sonst mehr leüt weren, die also wol gestaffiert weren. Montanus 103, 30
Bolte (
wegkürzer c. 39).
ungewöhnlich von gliedern selbst gesagt: die hände marmelweisz, die brüste wohl staffiert. Rachel
sat. ged. s. 88 (7, 327).
freier, von fähigkeiten: die drey frawen singen ein gsatz in der eygen zucht weysz, wo sie aber zu dem gsang nit gestaffiert sind, so mag Maria die reimen sprechen. Seb. Wildt
tragödien (1566) B 3
a.
ganz ins geistige gewendet: tugend, herr, mit der uns gott staffiret. A. Gryphius 1, 490 (
best. mutter 2, 24). 2@ee)
in neuerer sprache gewöhnlich allgemeiner von besitz und geldmitteln: einen mit geld und wexelbriefen staffiren,
fornire, provedere uno di danari e di lettere di cambio. Kramer
dict. 2, 903
a (
ebenso bei Adelung).
besonders im part.: wol staffirt seyn mit geld
etc. esser ben guarnito, fornito di (
à)
danari. ebenda, auch allein er ist wol staffirt. nicht wol (übel) staffirt seyn.
ebenda; sprichwörtlich: wer wol staffirt an gut und geld, denselben man für edel helt. Eyering 3, 541. 2@ff)
speciell wird staffieren
von der ausstattung einer braut mit kleidung, wäsche u. s. w. gesagt: eine braut ausstaffieren,
mit den nötigen kleidungsstücken versehen. Adelung. (
in diesem sinne auch magy. staféroz Lumtzer-Melich 242.)
bei Kramer
noch in anderm sinne: eine braut staffiren,
addobbiare, abbigliare, ornare una sposa. v. butzen. zieren.
dict. 2, 903
a (
s. oben b),
doch vgl.: mit leinzeug
etc. wol staffirt seyn,
esser ben fornito à panni lini, met. esser ben cazzuto, membruto. ebenda. 33)
mit sächlichem object. 3@aa)
eine stadt, festung oder burg mit proviant und munition versehen: mit proviand wohl staffirt seyn. Fronsperger
von kriegs-rüst. 95
a bei Frisch 2, 315
b. Adelung; wiewol nun Reichenberg zu der zeit nichts besetzt, ... darzu mit ander notturft und munition nit staffirt.
Zimm. chron.2 2, 208, 28.
schiffe verproviantieren: (
wir haben die) schieff wiederumb mit profant versehen unnd gestaffirtt. Ulr. Schmidel
reise 22, 22
Langmantel; so verschuff auch unnser hauptman mit denn schieffleiten, das sie die schieff allennthalben staffireten, zuverpringen diesse reis. 48, 8. 3@bb)
in der ältern sprache auch sonst von der versorgung eines raumes, behälters u. s. w. mit dem hineingehörigen vorrat, zu dessen aufbewahrung er bestimmt ist: die silberkammer (
schatzkammer) gnugsam staffirt. Kirchhof
discipl. milit. 7; zwantzig, dreissig und mehr schilling, nachdem die geldkiste staffiret war.
Jan Perus 98. — mit dieser und dergleichen arzneien eine jede feldapotheken solle staffiret sein. Minderer
kriegsmedicin (
Augsb. 1634) 20. — dasz die r. kirch den binen gleich ist, welche auff allerlei blumen sitzen, und ausz jeder disz nemmen, das jnen nutz ist, darmit jren binenkorb mit lieblichem honig zustaffieren. Fischart
bienenk. 51
a.
auch: ein tisch ganz wol gezieret mit speisz und tranck staffieret. Rulich
kauffm. (1595)
s. 211. 3@cc) ein zimmer staffiren,
guarnire, parare, ammobiliare una camera (
stanza). Kramer
dict. 2, 903
b; ein staffirtes zimmer.
ebenda; ein zimmer staffieren, '
es mit den nöthigen meublen versehen'. Adelung.
so auch nd.: da müt de bruet dat hüs, de brögam vor de heren mit aller tobehör de dönse hübsch staferen.
Köstbooksbüdel (1676) 176
bei Lappenberg
Lauremb. s. 111.
aber auch vom ausmalen eines zimmers: einm jedern steit idt frie, in wat maneer und maten he wil syn cabinet stoffern und putzen laten: off em de malerknecht darin affmahlen schal einen frantzöschen sot, edr einen danschen gal
u. s. w. Lauremberg
schertzged. 3, 44.
in folgender stelle nicht zu entscheiden: ein hus ick köpen würd vor gottsgeldt twe ducaten, dat sülve müst ick den prechtig stafferen laten. 1, 96.
vgl. auch: es stand viel köstlicher hausrath herum an den wänden, und diese waren sammt dem estrich, ganz mit teppichen staffirt. Mörike
erzähl. 124. 3@dd)
so früher auch von den einzelnen möbeln: einen sessel
etc. staffiren,
parare una sedia etc. Kramer
dict. 2, 903
a; ein bett staffiren,
guarnire, parare un letto. ebenda, lectum sternere. Stieler 2175. 44)
dies leitet über zu der in neuerer zeit üblich gewordenen anwendung auf die verzierung, besetzung, garnitur von kleidungsstücken. 4@aa) ein kleid
etc. staffiren,
guarnire, fregiare un vestito. v. ausstaffiren. Kramer
dict. 2, 903
a; '
von kleidungsstücken, sie mit dem nöthigen putzwerk und andern zubehör versehen. ein kleid staffieren,
es mit tressen, borten, schleiffen u. s. f. ausputzen.' Adelung.
daneben in anderem sinne: 'staffiren, (
schneider)
wenn das oberzeug mit dem unterfutter an ihren kanten dergestalt mit vorder- oder nebenstichen zusammengenähet wird, dasz sowohl ober- als unterzeug eingelegt wird, und beydes gleich vorstehet'. Jacobsson 4, 246
a,
so auch Campe
erg.-wb. beide bedeutungen kennt das brem. wb. 4, 1041 (stofferen): '
bey den schneidern bedeutet es zweierley: einmahl, ein kleid mit einem stoffe
von anderer art oder farbe besetzen: ferner auch, am saum der kleider von gewissen, dünnen stoffen,
die leicht ausfasern, sowol das überzeug als das futter umschlagen, und also zusammen fest nähen'. (
holst. staffeeren '
gegennähen' Schütze 4, 182.) 4@bb)
besonders einen hut, eine haube
etc. staffiren,
guarnire, parare, assettare un cappello, una cuffia etc. Kramer
dict. 2, 903
a; staffiren, hat man ehmahls von den hüten gebraucht, da man sonderlich die parete noch mit feinen tuch oder seiden-zeug überzogen, davon ist an einigen orten noch gebräuchlich
hut-staffirer, qui pileos exornat, der unterfutter darein nehet, dem äussersten rand einfäszt, den breiten rand aufstülpet, über sich hefftet, knöpfe darauf setzet, u.
d. g. Frisch 2, 315
b,
danach Adelung ('
das futter hinein setzen, die tresse herum nähen u. s. f.')
und Campe
erg.-wb. ausführlich darüber Jacobsson 2, 297
b f. die gebrauchsweise ist noch nicht veraltet, denn noch Karmarsch-Heeren
3 4, 442
erklärt: '
schliesslich wird mit wenigen stichen, die den filz nicht durchdringen dürfen, ein stoff-futter in den hutkopf eingenäht, das schweissleder am innenrand befestigt, die hutkrempe umsäumt (
mit band oder schnur)
und das hutband äusserlich umgenäht. diese operationen führen den collectivnamen staffiren.' (
die teufel) namen das hütlein zugeschnitten, sprachen: 'liebs hütlein, sei zufrieden! wir wollen dich so schOen zubutzen ... drumb nemmen billich wir die müh, dasz wir dich schOen staffieren hie'. Fischart
dicht. 2, 262
Kurz (
Jesuiterhütl. 784). (so
auch magy. staféroz
die letzte arbeit an einem hute verrichten. Lumtzer-Melich 242.
für die besetzung der frauenhüte mit blumen, schleifen u. s. w. sagt man garnieren). 4@cc)
auch schuhe staffieren,
sie mit band einfassen und mit getolltem band, schleifen, rosetten und andern zieraten aus band besetzen. Krünitz 158, 460. 4@dd)
vereinzeltes: selb'gen tags ward ausgebälgt Atta Troll und ward versteigert seine haut.für hundert franken hat ein kürschner sie erstanden. wunderschön staffierte dieser und verbrämte sie mit scharlach. Heine 2, 417
Elster (
A. Tr. 25). 4@ee)
mit umkehrung der beziehung: sammet auf einen kragen staffiren,
patagium holoserico instruere. Stieler 2175. (
dafür sonst aufstaffieren,
s. oben d. einl.) 4@ff)
in bildlichem gebrauche (
wortspielend?): als wär' es schon genug, ein leeres buch zu schmieren, und ieden mode-reim mit frantzen zu staffiren. Günther 739. 55)
jetzt ist staffieren
hauptsächlich als malerwort in gebrauch von der ausstattung eines gemäldes, landschaftsbildes mit figuren; so erst seit ende des 18.
jahrh. bezeugt: '
bei den mahlern heiszt staffiren,
alle zu der darzustellenden handlung erfoderlichen figuren anbringen, und gehörig vertheilen. man hat bevölkern
dafür eingeführt; so wie auch die Franzosen ihr peupler
dafür gebrauchen.' Campe
erg.-wb.; ein staffirtes oder bevölkertes gemälde. Jacobsson 4, 246
a.
vgl. Krünitz 168, 460
f. mag er die weiden mit grasendem rindvieh staffiren, oder den engen, um felsen sich windenden bergpfad mit beladenen saumpferden und maulthieren, er zeichnet alle gleich gut und geistreich; immer am schicklichen ort, und nicht in zu groszer fülle angebracht zieren und beleben sie diese bilder, ohne ihre ruhige einsamkeit zu stören. Göthe 22, 138; so schön und gründuftig und einladend er dergleichen stellen auch colorirt, so sinnig hat er doch unterlassen hier mit weidenden heerden zu staffiren, denn diese gegenden geben nur futter den gemsen. 139; die wohlgezeichneten figuren in den eigenthümlichen landestrachten, womit das bild reichlich und zweckmäszig staffirt ist. 44, 179.
vgl.staffage. —
in folgender stelle für malen schlechtweg: nun fand er gelegenheit einmal, zu malen eine wand im saal; mit emsigen zügen er staffirt, was öfters in der welt passirt. Göthe 2, 199 (
künstlers fug u. recht).
so von wandmalerei schon in der unter 3,
c angezogenen stelle aus Lauremberg (
schertzged. 3, 44).
auch Schütze 4, 182
kennt nd. staffeeren
in der bedeutung '
malen'.
vgl. ferner staffiermalerei. —
anders gewendet und ganz ungewöhnlich von der herstellung eines körperhaften bildes: Ralf übernahm's, um dreymahl acht zechinen ein lebensgrosses bild der heiligen Kathrinen, mit einem wachsgesicht, ein krönchen auf dem rand des scheitelhaars, und schwert und palmen in der hand, kurz, im kostum, — aus pappe, silberschaum und knistergold, gar stattlich zu staffieren. das bild war hohl. Wieland 21, 292 (
Klelia 5, 410). 66)
daran schlieszen freiere gebrauchsweisen, ins geistige gewendet; eine erzählung, rede ausschmücken, auch seine worte kunstreich, klug setzen: sus konde Reynke de word stofferen.
Reinke de vos 5551; so staffirte Reineke klug erzählung und worte. Göthe 40, 186 (
Rein. fuchs 10). reime staffieren,
verse womit ausschmücken, s. Günther
unter 4,
f.; kunstgerecht machen (
? in anlehnung an das folgende): du kompst und wilt poetisieren und kanst kein reimen noch staffieren. Fischart
dicht. 1, 174
Kurz (
Domin. leben 1644).
so besonders in der verbindung eine lüge staffiren, guarnire, colorire, cioè ornare, abbellire, acconciare (
dar la concia ad)
una bugia. ved. schmucken. Kramer
dict. 2, 903
a; eine lüge wohl staffiren,
mendacio fucum addere. Frisch 2, 315
b;
nd. ene lŏgen stofferen '
eine lüge erdenken, und mit umständen ausschmücken, dasz sie wahrscheinlich wird.' dat is ene uutstoffeerde löge,
eine ausstudierte lüge. brem. wb. 4, 1041.
vgl.stofféren de logenen.
farcire, centones, mendacia gloriosa consarcinare, adornare: mendaciis fucum addere: concinnare mendacia, lenociniis perpolire mendacia: affingere: splendide mentiri. Kilian.
zunächst mit weiterm zusatz, wobei die grundbedeutung deutlich zu erkennen ist: mit warheit wird die lüg staffiert und mit honig das gifft geschmiert. B. Waldis
Esop 1, 79, 29; doch das man nicht die lgen spr, so komen meine mnch herfr und wOellen bOes mit bOesem zieren, ein lgn mit der andern staffieren. Fischart
Domin. leben 2192 (
dicht. 1, 188
Kurz).
dann auch absolut, wobei staffieren
mehr in die bedeutung '
ausdenken, vorbringen'
übergeht: uber disz hat die h. kirch zugelassen und geordnet, dasz man biszweylen wol eyn lugen wider die ketzer staffiern mOeg.
bienenk. 190
b.
dafür auch: was wollen sie denn also mit ihrem vorwurfe ... mit vorbedacht gemachter plane, lügen
auszustaffiren, die man lügen zu seyn weisz? Lessing 10, 49. 77)
im mnd. bedeutet dann stofferen
überhaupt '
etwas anstiften, anzetteln, abkarten'
u. ähnl.: de boverye stofferen kan is wolkomen,
technam concinnans populo gratissimus omni. Tunnicius 687; itlike de hiir ok weren hulpen dyt also stofferen.
d. städtechron. 16, 250 (
schichtsp. 4779). 88)
andre freiere verwendungen gehen von der gewöhnlichen bedeutung '
ausrüsten, zurecht machen'
aus, doch ist die genaue nuance nicht immer sicher zu erkennen: so mote wij ... unsen willen bereit unde bequeme maken; wi moten unsen willen so uthreiden unde stofferen, dat he gode to bode sta, dat is dat he bereit und untfencklick sy der godliken gracien unde ghenade. Veghe 169, 37; staffir deinen leib so gut als du kannst. Minderer
kriegsmedicin (1634)
s. 35; vor haben wir nur welsch parlirt, nun seind wir auch auff teutsch staffirt. Fischart
dicht. 1, 185
Kurz (
Domin. leben 2092);
folgende stelle scheint einen fehler zu enthalten: doch letzlich, wie er (
papst Paul III.) hat gesprt, dasz es das bapstumb was staffiert, welchs drfftig ist der kunden heut, ... so hat er jn recht zu drauff geben und zugelassen auffzunemmen in orden, so viel sie bekemen. 83 (
nachtrab 3182).