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stoff

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stoff m.

Bd. 19, Sp. 140
stoff, m. , textum, materia, materies. II. zur geschichte des wortes: I@11. das im nhd. erst verhältniszmäszig spät (17. jahrh.) bezeugte wort wurde entlehnt aus dem italienischen stoffo (neben dem fem. stoffa, ebenso portug. estofo und estofa, dagegen span. nur estofa, franz. étoffe). die weitere etymolog. erklärung des wortes ist schwierig: zweifelnd hat man auf die herleitung von lat. stuppa 'werg, heede', griech. στύππη hingewiesen (aus dem dazugehörigen verb. lat. stuppare, ital. stoppare, (franz. étouper) flieszt unten stopfen verb., wodurch aber diese etymologische erklärung unseres wortes nicht annehmbarer wird); anderseits wird sich die gemeinromanische verschiebung des p nur aus frühem durchgang durch das germanische (etwa das langobardische, dazu handelsgeschichtliche stützen im folgenden) erklären, so ähnlich auch Diez 307; vgl. auch hierzu die viel weiter zurückreichende spiegelung des wortes in verbalen bildungen besonders in englischen quellen (im folgenden unter 3). erwähnung verdient noch mittellat. stoffia: et si contingeret quod conveniretur in aliqua summa pecuniae, dicta summa converteretur in stoffias, gallice etoffes, ad sustinenda vestimenta et ornamenta dicti monasterii statuta antiqua monast. Sangerm. bei du Cange 7, 603a und innerhalb des german. das selbständig entlehnte engl. stuff, sowie als entlehnung aus dem deutschenn. stof (silkestof = seidenstoff, dann auch in der bildlichen verwendung entsprechend unter ii 3). I@22) die entlehnung des wortes in das deutsche erfolgte aber auf dem umwege über das niederländische stoffe, stof Kilian (vgl. auch unten ii 2, wo Schottel diesen weg ausdrücklich bezeugt); wie unter i 3 wahrscheinlich gemacht wird, nahm unser wort als ein ausdruck der handwerker- und noch mehr der kaufmannssprache seinen ausgang von der engen bedeutung 'gewirk, gewebe, zeug, insbesondere von seide', und so hat denn die geschichte unseres wortes zum hintergrunde eine bedeutende wirtschaftliche erscheinung des mittelalters, nämlich die wanderung der seidenfabrication von Byzanz (wohin Justinian 552 die seidenzucht aus dem Orient gebracht hatte) über Sizilien (hier sich aus muhamedanischem quell neu erfrischend) und nach jahrhunderte langer station in Norditalien über die Alpen nach Frankreich und besonders nach Flandern (im 15. jahrhundert). dieser zug nach Flandern aber wurde wieder bedingt durch den vorsprung, welchen die alten weberstädte dieser gegend schon im frühen mittelalter durch handwerksmäszigen betrieb der wollenweberei (die leinenweberei ist dagegen viel länger dem eigentlichen hausfleisz vorbehalten geblieben) sich gewonnen hatte, dank seinen der schafzucht günstigen, salzreichen, graszwüchsigen küsten, dazu in der nachbarschaft Englands mit seinem im mittelalter berühmten wollenreichthum (vgl. Al. Schulte geschichte des mittelalterlichen handels und verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien 1, 71). auch das hierher gehörige verb. staffieren scheint als mnl. stofferen aus altfranz. estoffer (nfranz. étoffer), span. estofar seinen weg über Flandern genommen zu haben (vgl. th. 10, 2 sp. 530 und unten stoffieren, verb.). I@33) unser wort bezeichnet zunächst als ein ausdruck des textilgewerbes und des kaufmännischen verkehrs das seidengewebe, so schon nahegelegt durch die romanische ursprungsgruppe (vgl. auch die besondere entwicklung, die span. estofa 'stickerei in erhabener arbeit' genommen hat) und durch die geschichte des schon früher verfolgbaren staffieren (vgl. th. 10, 2 sp. 530), welches ursprünglich das behängen und auslegen von wohnräumen mit kostbaren tuchen bezeichnet (und zuletzt in der staffage des malers endet, th. 10, 2 sp. 514); doch auch hier liegt naturgemäsz, wie a. a. o. durch die belege ausgeführt ist, die reichere entwicklung zu der allgemeinen bedeutung 'ausstatten' dem worte von vornherein einbeschlossen und spiegelt sich in ihren möglichkeiten in mittellat. wortbildungen (in englischen quellen), welche von unserer wortsippe nicht getrennt werden dürfen: servitium unius currus stoffati (hier gewisz zunächst noch der mit kostbaren polstern und decken ausgestattete wagen gemeint) per unum diem du Cange 7, 619c, vgl. auch: cum tribus navibus bene stoffatis ebenda; und wenn dieselbe quelle auch naves de viris armatis ad plenum stuffatas erwähnt, so scheint auch hier das geschaute bild des wohlbemannten schiffes das fortspinnen des sprachlichen gedankens veranlaszt zu haben. (vgl. noch bei demselben Henricus de Knyghton die bemerkung et nobiliter instuffavit (naves) de viris armatis et albalistis, dazu subst. venit cum 10 navibus de Flandria omni stoffura, quae ad guerram pertinet, bene refertis und völlig ausmündend in die allgemeinere verwendung (entsprechend unten ii 2 ff.): ad hanc insulam victualibus universaliter abundantem, tamen abundanti vino, oleo, melle, frumento, brasio, piscibus salsis, carnibus et terrestri carbone instuffatam, regem volentem adnavigare, ventus contrarius prohibuit engl. quelle ebenda. für die geschichte unseres wortes im neuhochdeutschen ohne belang aber ist die frage, ob der kaufmännische terminus stoff sich wieder erst aus einer allgemeineren bedeutung zusammengezogen habe (mit rücksicht auf das sehr conservativen eindruck machende langobard.-norditalienische stoffo aber kaum zu bejahen). I@44) die erweiterung der wortbedeutung geht wohl auf seinen gebrauch in der malerei zurück, zunächst auch wieder auf dem hier besonders günstigen holländischen boden. es ist möglich, dasz insbesondere die musterzeichnung für seidenstoffe den anlasz gab, vgl. stoff mit lebendigen blumen, eine art von seidenstoff, worein die blumen von allerhand arten mit ihrer natürlichen couleur und schattirung, wie sie in den gärten wachsen, gewürcket seynd Amaranthes 1908; auch: blumichter stoff textile floribus distinctum Stieler 2175, ja sogar schäferscenen und dergl. werden als muster verwandt (zu erinnern bleibt auch an den entwurf für die kunstvollen seidengobelins, weniger an modeindustrien wie die folgende: modebilder seynd allerhand in kupfer gestochene, mit bunten farben illuminirte oder mit stoff oder brocard ausgelegte dames nach allerhand moden galant eingekleidet, so das frauenzimmer in ihre stuben oder cammern zu setzen, und selbige damit auszuzieren pfleget Amaranthes 1275). vgl. auch als entsprechend die malerausdrücke wie staffieren (th. 10, 2 sp. 535 unter 5) und staffage (sp. 514 unter 1), doch unser wort hat hier die gröszere tiefe, vielleicht im hinblick auf 'die eigne selbständige kraft und groszartige sprache des rhythmus der falte' in der germanischen kunst (gegenüber der antike so zuletzt hervorgehoben von L. Curtius die antike kunst (1914) 7): der künstler steht entzückt im schauen, entwirft mit Rubens hand und kraft anständge ritter, hehre frauen und aller stoffe farb und saft Göthe 4, 246 Weim. I@55) die form staff (wenn nicht druckfehler) überliefert Harsdörffer: der staff oder materia des zipperleins ist eine schleumigte feuchtigkeit teutscher secretarius i Uuu 2a; stofft, stufft bei Rädlein. als neutr.: das stoff, doch daneben masc. sammet ist ein schöner stoff pannus holosericus elegantissima est textura (und auch sonst) Stieler 2174 — einen plur. stoffen hat Kramer, so wollene, seidene, halbseidene, gestreifte, kreponirte stoffen robbe, drappi di lana, di seta, meza-seta, rigati, creponati dict. 2 (1702), 982b und darnach die meisten stoffen bei Hübner handlungslex. (1790) neben dem gewöhnlichen stoff; vgl. auch Zimmermann unter ii 1 c — in älterer schreibung häufig mit einem f: Miltons materie ist heilig zu nennen, weil sie von heiligen personen handelt ..., und der erste stof dazu zuerst von heiligen scribenten erzehlet worden Bodmer abhandlung von dem wunderbaren (1740) 49; wie viel hier stof zur ausschmückung und verschönerung vorräthig wäre, sieht jeder leicht A. G. Meissner skizzen 1, 102; der stof dazu war in ihm da Herder 13, 236 (s. auch die belege bei Voss, Hippel, Klinger, Schubart): ich habe keinen stof zum lachen, und soll ein sinngedichte machen! doch wahrlich, stofs genug zum lachen, ich soll ein sinngedichte machen Lessing 1, 29; so wenig eine wahrheit, die im mark des stofes von kurzsichtigen lang unbemerket steckt Mastalier gedichte 91, 14; auch Jacob Grimm schreibt stof (s. drei belege unten). ii. bedeutung: I@11) im eigentlichen sinne I@1@aa) mehr oder weniger deutlich noch der kostbare (seidene) stoff: alle, die mit ihr umgegangen sind, haben sich mehr von spitzen und stoffen mit ihr unterhalten, als von ernsthaften sachen Rabener werke 5, 165; der stoff zu ihrer kleidung konnte kaum hell und leuchtend genug seyn Cramer nordischer aufseher 1, 204; man webet zu Yezt stoffe, deren zoll auf vier und zwanzig unzen silber zu stehen kommt A. v. Haller Usong 201; aber wer kommt so geputzt daher? parbleu, was für ein stoff! sie ist schön gekrauset! was für ein geschmuck? Petrasch lustspiele 1, 470; purpur und seide weisz ist stoff ihres gewandes Brentano 2, 569; es pflegt der Tyrer muschelsaft vor keiner fluten macht zu weichen, noch auch durch sonn' und luft zu bleichen, bis selbst der stoff wird hingerafft Weichmann poesie der Niedersachsen 2, 57; der gieng von gold und stoff, der von geschmeide schwer Schwabe belustigungen 1, 293; die kaufmannsbude knarrt, der ladenjunge trug viel stoffe, die zur schau er auseinander schlug Löwen schriften 3, 42; der kaufmann mit puzwerk und stoffen, was eitele mädgen nur hoffen, trat näher Göthe 37, 43 Weim.; was macht man da (in der kirche) mit stof und uhr, mit schmink' und demantringen? Voss 4, 44 (wie lange soll die brunnenzeit); miss Luna, welche sich ein festkleid machen wollte, bat eine grazie sich von Cytheren aus, dasz sie des stoffes wahl und schnitt besorgen sollte Pfeffel poet. versuche 6, 31; die teppiche, die stoffe, die gemälde, mit vorsicht tragt sie, dasz sich nichts beschädige Tieck schriften 3, 217; als gegensätzlich zu tuch (s. unten): der eine gab ihm tuche, der andere stoffe, der dritte machte ihm schöne kleider sammlung von schauspielen 3, 10 (probe der zärtlichkeit). zu zeug (s. unten): die guten maler aus der römischen schule ahmten, wie Reynolds richtig anmerkt, keinen stoff, keine zeuge nach Sturz schriften 1, 53; gleichbegrifflich neben seide (th. 10, 1 sp. 174): o hättest du sie (die scheere) doch an stoffen oder seiden, zum höchsten auch gebraucht, die nägel zu beschneiden Dusch vermischte werke 204. I@1@bb) in der sphäre der gewandschneiderei (wohl zunächst zur besonderen empfehlung einer waare) überhaupt auf zeuge und tuche aller art ausgedehnt: die vorräthe zu kleidern ... in stoffen aller art Göthe 25, 266 Weim. (wie auch im älteren beschränkten gebrauch: stoff zum kleyde Weise politischer redner (1677) 167); ihre kleider ziemten ihr, sie umhüllten jedes glied, ohne es zu zwängen, und die reichlichen falten des stoffes wiederholten wie ein tausenfaches echo, die reizenden bewegungen der göttlichen Göthe 21, 42 Weim.; bey der menge stoffe ..., die mir letzthin vorgelegt wurden La Roche fräulein von Sternheim 1, 91; jedes haus flimmert im sonntagsschmucke der prächtigen waaren und stoffe, die alle verführerisch ausgelegt sind Laube 4, 4; die mutter hatte dem braunen mädchen stoffe gebracht, um es recht schön zu kleiden Stifter 5, 1, 337; ich habe oft gehört, dasz ritter die farben ihrer damen trugen; dasz diese aber so weit gingen, den stoff der kleidung vorzuschreiben, davon habe ich in romanen nie etwas gelesen Bismarck briefe an seine braut 38; sei es übergrosze einfachheit, sei es ... eine an geiz grenzende sparsamkeit, sie (die baronin) bevorzugte stoffe, die sich ... mehr durch dauerbarkeit, als durch irgend glänzende eigenschaften empfahlen Spielhagen 1, 29 —aus gleichem stoff (bildlich): auch Herder kam auf seinem riesengange zum hügel Oetingers, und funkelt lange mit augenbliz den mantel an; doch wandelt' er mit kühnen schritten bald wieder fort auf seiner bahn, und dacht': mein mantel ist aus gleichem stoff geschnitten (mit beziehung auf den mantel des Elias) Schubart gedichte 2, 182; auch: die jacke gleichen stoffes und gleicher farbe Immermann 3, 19 — in unsern modernen anzügen dagegen ist der ganze stoff fertig und nach den formen der gliedmaszen zugeschnitten Hegel werke 10, 1, 212; der stoff (dieses gewandes) hält sich eben nicht Raabe Horacker 160. deutlich: der stoff ist wolle Nicolai reise durch Deutschland 10, 61; bäs ist ein ... baumwollenzeug ... von der besten qualität dieser stoffe Ritter erdkunde 2, 411; der stoff, den man dabei (als zeuggeld) verwandte, war der grobe ... fries, ein dickes wollenzeug Luschin von Ebengreuth münzkunde 135. I@1@cc) mit einer adjectivischen bestimmung, die oft auch helleres licht auf den gegenstand wirft: im gegensatz zu seidenen stoffen (Gottsched deutsche schaubühne 2, 88; die verfertigung der seidenen stoffen Zimmermann von dem nationalstolze 61; die einfuhr verarbeiteter seidener stoffe J. v. Müller werke 3, 185; in reichen falten hängen schwerseidene stoffe um die hohen ... fensterbogen Holtei erz. schr. 5, 210; ob gleich ein seidner stoff den mann von auszen zieret mediz. maulaffe 2b; dagegen: leinene, wollene stoffe (auch leinenstoff und unten wollenstoff fuszen auf dem adjectiv): auf dem webstuhle, dem uralten besitz der Indogermanen, webten die frauen in unterirdischem raume ... leinene und wollene stoffe Freytag 17, 68 — mehr zur seide beziehung hat der reiche stoff ( v. König gedichte 30; Schiller 14, 79 u. ä.: beide ruderer waren in gleichfarbige, reiche stoffe gehüllt Gaudy werke 13, 21; auch: oder ist es vielleicht zufall, ... dasz eben heute der reichste stoff sie bekleiden musz Schiller 3, 458; vgl.aus dieser gegend (Korea), die für den seidenbau schon zu kalt ist, wenn gleich die rohe chinesische seide dort zu reichen stoffen verarbeitet wird Forster schriften 4, 95. auch: Crispina ein kleid von einem künstlichen stoff ... angelegt hatte Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 4, 423; sie ruhte, halb liegend, auf einem ruhebett von köstlichen stoffen Eichendorff 3, 139; waffenrock und pferdedecke haben häufig dieselbe farbe, der bunte und kostbare stoff ist durch eingesetzte bilder und embleme verziert Freytag 18, 19; das zelt aus prächtigen stoffen O. Ludwig 3, 404; denn nach dem bazar sollt ihr mich anjezt begleiten, wo die mohren zum verkauf ausstellen, was das morgenland erzeugt an edlem stoff und feinem kunstgebild Schiller 14, 46; (im gegensatz dazu: er kann unedlen stoff, der nur den knecht bezeichnet an seinem leib nicht dulden Göthe 10, 189 Weim.) alles nothwendige fand sich, und zwar aus den feinsten stoffen und von der zierlichsten arbeit 24, 314 Weim. (schon mehr hinüberleitend zu dem erweiterten gebrauch:) das aus feinerem stoffe gefertigte lendentuch Ratzel völkerkunde 2, 145; was soll die pracht mir jener feinen stoffe, die nur zur hülle meiner hülle dienen! U. Hegner schriften 5, 182; besonders zu erwähnen bleibt noch: geschenke, ... die aus juwelen, geschnittenen steinen und gestickten stoffen bestanden Göthe 23, 286 Weim.; (wahrscheinlich noch aus seide:) zwei stück goldnen stoff G. Stephanie d. J. lustspiele 131; die wände waren mit alten seidengewändern, gewirkten stoffen und teppichen aller art behangen Keller 1, 59; auch: der glänzende stoff (bildlich:) allein Gottfried (von Straszburg) und Wolfram (von Eschenbach) überdichteten, was ihnen zukam, und webten aus der roh eingeführten seide glänzenden stoff Scherer kl. schr. 1, 34. zugleich zum folgenden überleitend: in glänzenden weiszen stoff gekleidete bürger Klinger werke 6, 193. doch die farbe läszt den oben berührten unterschied unbestimmt: eine gantze garniture um eine bett von liecht violetten stoff mit gelben blumen Casseler zeitung 1731 s. 96c; es war ein orangenfarbner stoff Bettine die Günderode 2, 67; trotz ihrer armuth waren sie alle sauber gekleidet, in hellen, durchsichtigen stoffen Storm 2, 147; ein mäszig groszes, mit einem lederfarbnen stoff austapeziertes zimmer Fontane i 5, 158; vor dem fenster stand ein tisch mit grünem stoff bis zum fuszboden behangen Seidel Leberecht Hühnchen 64; sie gieng blau gekleidet. dein wolgestaltner leib, die sittsame geberden der zarten glieder pracht und ihre treffligkeit, gehn, Leonore, gantz in blauen stoff verkleidt; warum? dieweil du bist ein himmel auf der erden Hoffmannswaldau gedichte 2, 129. auch: teurer stoff, billiger stoff; die tracht der männer ... ist aus den wohlfeilsten stoffen zusammengesetzt Steub drei sommer in Tirol 1, 197. mit bezug auf die herkunft chinesischer, englischer stoff usw.: die ausflucht, dasz die holländischen stoffe wohlfeiler sein Möser 1, 118; die küchenjungen wissen auch mit verbundenen augen zu sagen, was frantzösischer zindel und was griechische stoffe sind Lichtenberg aphorismen 2, 78; mit bezug auf die technik noch der durchbrochene stoff (étoffe à jour), wenn mehrere kettenfäden mit einander zur kreuzung gebracht werden, wodurch offene fächer im gewebe entstehenvöllig in der erweiterten gebrauchssphäre liegt: ein grober stoff Bodmer sammlung critisch-poetischer schriften 1, 73; auch: Hildegard ... säumte ein groszes ... damasttischtuch ein und jammerte gar sehr, weil ihr über dem dicken stoffe eine nähnadel um die andere zerbrach Holtei erz. schr. 4, 7. I@22) materia, materiale (über das verhältnisz zum vorigen vgl. die einleitung); auch hier gilt herkunft aus dem niederl.: stoffe, stof materia, materies, id ex quo aliquid fit Kilian; entsprechend bei Schottel: stoff ist vollauf, bring nur den former zu den sachen teutsche haubtsprache 1011 (die entlehnung wird ausdrücklich bemerkt 1026); in die augen springt hier schon der deutliche gegensatz zur form (s. im folgenden und form 2 th. 3 sp. 1898). I@2@aa) als werkmaterial: eine mittelmäszige scheere, ein gutes messer, und leder zu zwey paar pantoffeln. sie sind alle von gutem stoffe Göthe iv 1, 163 Weim.; auf der krystallenen platte des tisches stand waschbecken und kanne von gleichem stoffe Brentano 5, 102; kein stoff war in den ältesten zeiten in gröszerer menge vorhanden, als das holz Bernhardt geschichte des waldeigentums 1, 5; die lieferung einer nicht vertretbaren beweglichen sache, die aus einem von dem unternehmer zu beschaffenden stoffe herzustellen ist handelsgesetzbuch 406, 2. —
18416 Zeichen · 189 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stoff

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    stoff s. stouf;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stoff

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Stoff , des -es, plur. die -e. 1. Ein gewirkter Zeug, welcher vielfärbige Blumen durch das Broschieren erhalten hat;…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stoff

    Goethe-Wörterbuch

    Stoff [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stoff

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Stoff , soviel als Materie; Ursache; Gewebe.

  5. modern
    Dialekt
    stoff

    Schweizerisches Idiotikon · +5 Parallelbelege

    stoff Band 10, Spalte 1455 stoff -ö- 10,1455

  6. Sprichwörter
    Stoff

    Wander (Sprichwörter)

    Stoff 1. Den Stoff nimm nach der Leist, die Tochter nach der Mutter allermeist. Auch türkisch Cahier, 2612 . 2. Der muss…

  7. Spezial
    Stoffm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Stoff , m материал , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoff

295 Bildungen · 279 Erstglied · 11 Zweitglied · 5 Ableitungen

stoff‑ als Erstglied (30 von 279)

Stoff I

Idiotikon

Stoff I Band 10, Spalte 1454 Stoff I 10,1454

Stoff II N

Idiotikon

Stoff II N. Band 10, Spalte 1455 Stoff II N. 10,1455

Stoffdrache

SHW

Stoff-drache Band 5, Spalte 1453-1454

Stofffahne

SHW

Stoff-fahne Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffhose

SHW

Stoff-hose Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffkappe

SHW

Stoff-kappe Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffkleid

SHW

Stoff-kleid Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffknopf

SHW

Stoff-knopf Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffkragen

SHW

Stoff-kragen Band 5, Spalte 1455-1456

Stofflappen

SHW

Stoff-lappen Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffmantel

SHW

Stoff-mantel Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffschuh

SHW

Stoff-schuh Band 5, Spalte 1455-1456

Stoffweste

SHW

Stoff-weste Band 5, Spalte 1455-1456

stoffabfall

DWB

stoff·abfall

stoffabfall , m. , was bei der verarbeitung eines ( zeug )— stoffes als gewöhnlich unbrauchbar abfällt: beschlagnahme und bestandserhebung v…

stoffähnlich

DWB

stoff·aehnlich

stoffähnlich , adj. ähnlich dem stoff ( unter II 1), so stoffähnlicher papierkragen. von ähnlichem stoff ( besonders unter II 3); dazu stoff…

Stoffärmel

PfWB

stoff·aermel

Stoff-ärmel m. : 'Armteil eines Kleidungsstückes', Stoffäʳmel [ RO-Schweisw NW-Wachh ]. —

stoffame

KöblerMnd

stoff·ame

stoffame , Sb. nhd. geschnitztes Geländer, Brustwehr, Holzbrüstung Hw.: s. stoffācie E.: s. stoffēren L.: MndHwb 3, 493 (stoffamen), Lü 381b…

stoffanbeterei

DWB

stoffanbeterei , f. , in hinblick auf die naturforschung ( vgl. stoff II 2 b sp. 145): es läuft dabei freilich manchmal auf stoffanbeterei, …

stoffanhäufen

DWB

stoff·anhaeufen

stoffanhäufen , n. subst. infinit: wie unten stoffanhäufung; dazu stoffanhäufend, adj., so von dem stoffanhäufenden sammelfleisze A. v. Humb…

stoffanhäufung

DWB

stoff·anhaeufung

stoffanhäufung , f. , zum vorigen: die gelehrsamkeit des sechzehnten und siebzehnten jahrhunderts bestand in einer oft staunen erregenden st…

stoffansatz

DWB

stoff·ansatz

stoffansatz , m. , im pflanzenbau von der zunahme der nährstoffe usw.: eine zu starke wasseraufnahme befördert aber wohl den stoffumsatz im …

stoffarm

DWB

stof·farm

stoffarm , adj. , arm an stoff: in der landwirthschaft stoffarmer boden, arm an pflanzennährstoffen; besonders aber entsprechend stoff II 3 …

stoffarmut

DWB

stoff·armut

stoffarmut , f. , zu dem vorigen: jene stoffarmuth unserer alten schulen Strausz werke 1, 85 .

stoffart

DWB

stof·fart

stoffart , f. , besondere art eines stoffes, so: je nach der vorhandenen stoffart kann man die schuszfäden zum stopfen verwenden Dillmont we…

stoffartig

DWB

stoff·artig

stoffartig , adj. , von der art des stoffs, nach der besonderen art des stoffs, das schwergewicht im stoffe findend usw. 1 1) entsprechend d…

stoff als Zweitglied (11 von 11)

Baumwulle(n)stoff

Idiotikon

Baumwulle(n)stoff Band 10, Spalte 1455 Baumwulle(n)stoff 10,1455

Bierstoff

Adelung

bier·stoff

Der Bierstoff , des -es, plur. die -e, in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, ein Stoff, nach welchem das Bier verschenket wird, …

goldstoff

DWB

gold·stoff

goldstoff , m. , ' im gegensatz zu brokatstoff ein gewebe, dessen grund ganz aus gold- und silbergespinst besteht ' nach Bott hdwb. d. kaufm…

grundstoff

DWB

grund·stoff

grundstoff , m. 1 1) die einfachen als untheilbar gedachten substanzen eines körpers, urstoff, element, vgl. comp.-typ. 5 p; bei Adelung 2, …

Hose(n)stoff

Idiotikon

Hose(n)stoff Band 10, Spalte 1455 Hose(n)stoff 10,1455

Hǟs(s)stoff

Idiotikon

Hǟs(s)stoff Band 10, Spalte 1455 Hǟs(s)stoff 10,1455

silberstoff

DWB

silber·stoff

silberstoff , m. aus silberfäden gemachtes oder damit durchwirktes zeug, nach Adelung ein zeug, dessen grund aus silberfäden besteht, worauf…

urstoff

DWB

urstoff , m. , stoff II 2 b mit ur- C 4 c; zunächst von Harsdörffer für materia prima gebraucht und dann in der bed. stark erweitert. Adelun…

Ableitungen von stoff (5 von 5)

Stoffe

Meyers

Stoffe , gewebte oder gewirkte Zeuge für Damen- und Herrenbekleidung, zu Möbel, Gardinen etc., s. Gewebe , S. 777.

unstofflich

DWB

unstofflich , adj. , gth. v. stofflich. Campes verdeutschung für immateriell nach nl. onstoffelijk ( wb. 5, 189 a ; im verd. wb. ist 1813 na…

urstoff

DWB

urstoff , m. , stoff II 2 b mit ur- C 4 c; zunächst von Harsdörffer für materia prima gebraucht und dann in der bed. stark erweitert. Adelun…

Urstoffe

Herder

Urstoffe , soviel als Elemente.

urstofflich

DWB

-stofflich , -keit Campe ; élementaire Mozin , Sachs-Villatte : urstoffliches dasein Spengler untergang des abendlandes 1, 275 .