stoff,
m. ,
textum, materia, materies. II.
zur geschichte des wortes: I@11.
das im nhd. erst verhältniszmäszig spät (17.
jahrh.)
bezeugte wort wurde entlehnt aus dem italienischen stoffo (
neben dem fem. stoffa,
ebenso portug. estofo
und estofa,
dagegen span. nur estofa,
franz. étoffe).
die weitere etymolog. erklärung des wortes ist schwierig: zweifelnd hat man auf die herleitung von lat. stuppa '
werg, heede',
griech. στύππη hingewiesen (
aus dem dazugehörigen verb. lat. stuppare,
ital. stoppare, (
franz. étouper)
flieszt unten stopfen
verb., wodurch aber diese etymologische erklärung unseres wortes nicht annehmbarer wird);
anderseits wird sich die gemeinromanische verschiebung des p
nur aus frühem durchgang durch das germanische (
etwa das langobardische, dazu handelsgeschichtliche stützen im folgenden)
erklären, so ähnlich auch Diez 307;
vgl. auch hierzu die viel weiter zurückreichende spiegelung des wortes in verbalen bildungen besonders in englischen quellen (
im folgenden unter 3).
erwähnung verdient noch mittellat. stoffia: et si contingeret quod conveniretur in aliqua summa pecuniae, dicta summa converteretur in stoffias, gallice etoffes, ad sustinenda vestimenta et ornamenta dicti monasterii
statuta antiqua monast. Sangerm. bei du Cange 7, 603
a und innerhalb des german. das selbständig entlehnte engl. stuff,
sowie als entlehnung aus dem deutschen dän. stof (silkestof = seidenstoff,
dann auch in der bildlichen verwendung entsprechend unter ii 3). I@22)
die entlehnung des wortes in das deutsche erfolgte aber auf dem umwege über das niederländische stoffe, stof Kilian (
vgl. auch unten ii 2,
wo Schottel
diesen weg ausdrücklich bezeugt);
wie unter i 3
wahrscheinlich gemacht wird, nahm unser wort als ein ausdruck der handwerker- und noch mehr der kaufmannssprache seinen ausgang von der engen bedeutung '
gewirk, gewebe, zeug, insbesondere von seide',
und so hat denn die geschichte unseres wortes zum hintergrunde eine bedeutende wirtschaftliche erscheinung des mittelalters, nämlich die wanderung der seidenfabrication von Byzanz (
wohin Justinian 552
die seidenzucht aus dem Orient gebracht hatte)
über Sizilien (
hier sich aus muhamedanischem quell neu erfrischend)
und nach jahrhunderte langer station in Norditalien über die Alpen nach Frankreich und besonders nach Flandern (
im 15.
jahrhundert).
dieser zug nach Flandern aber wurde wieder bedingt durch den vorsprung, welchen die alten weberstädte dieser gegend schon im frühen mittelalter durch handwerksmäszigen betrieb der wollenweberei (
die leinenweberei ist dagegen viel länger dem eigentlichen hausfleisz vorbehalten geblieben)
sich gewonnen hatte, dank seinen der schafzucht günstigen, salzreichen, graszwüchsigen küsten, dazu in der nachbarschaft Englands mit seinem im mittelalter berühmten wollenreichthum (
vgl. Al. Schulte
geschichte des mittelalterlichen handels und verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien 1, 71).
auch das hierher gehörige verb. staffieren
scheint als mnl. stofferen
aus altfranz. estoffer (
nfranz. étoffer),
span. estofar
seinen weg über Flandern genommen zu haben (
vgl. th. 10, 2
sp. 530
und unten stoffieren,
verb.). I@33)
unser wort bezeichnet zunächst als ein ausdruck des textilgewerbes und des kaufmännischen verkehrs das seidengewebe, so schon nahegelegt durch die romanische ursprungsgruppe (
vgl. auch die besondere entwicklung, die span. estofa '
stickerei in erhabener arbeit'
genommen hat)
und durch die geschichte des schon früher verfolgbaren staffieren (
vgl. th. 10, 2
sp. 530),
welches ursprünglich das behängen und auslegen von wohnräumen mit kostbaren tuchen bezeichnet (
und zuletzt in der staffage
des malers endet, th. 10, 2
sp. 514);
doch auch hier liegt naturgemäsz, wie a. a. o. durch die belege ausgeführt ist, die reichere entwicklung zu der allgemeinen bedeutung '
ausstatten'
dem worte von vornherein einbeschlossen und spiegelt sich in ihren möglichkeiten in mittellat. wortbildungen (
in englischen quellen),
welche von unserer wortsippe nicht getrennt werden dürfen: servitium unius currus stoffati (
hier gewisz zunächst noch der mit kostbaren polstern und decken ausgestattete wagen gemeint) per unum diem du Cange 7, 619
c,
vgl. auch: cum tribus navibus bene stoffatis
ebenda; und wenn dieselbe quelle auch naves de viris armatis ad plenum stuffatas
erwähnt, so scheint auch hier das geschaute bild des wohlbemannten schiffes das fortspinnen des sprachlichen gedankens veranlaszt zu haben. (
vgl. noch bei demselben Henricus de Knyghton
die bemerkung et nobiliter instuffavit (naves) de viris armatis et albalistis,
dazu subst. venit cum 10 navibus de Flandria omni stoffura, quae ad guerram pertinet, bene refertis
und völlig ausmündend in die allgemeinere verwendung (
entsprechend unten ii 2
ff.): ad hanc insulam victualibus universaliter abundantem, tamen abundanti vino, oleo, melle, frumento, brasio, piscibus salsis, carnibus et terrestri carbone instuffatam, regem volentem adnavigare, ventus contrarius prohibuit
engl. quelle ebenda. für die geschichte unseres wortes im neuhochdeutschen ohne belang aber ist die frage, ob der kaufmännische terminus stoff
sich wieder erst aus einer allgemeineren bedeutung zusammengezogen habe (
mit rücksicht auf das sehr conservativen eindruck machende langobard.-norditalienische stoffo
aber kaum zu bejahen). I@44)
die erweiterung der wortbedeutung geht wohl auf seinen gebrauch in der malerei zurück, zunächst auch wieder auf dem hier besonders günstigen holländischen boden. es ist möglich, dasz insbesondere die musterzeichnung für seidenstoffe den anlasz gab, vgl. stoff mit lebendigen blumen, eine art von seidenstoff, worein die blumen von allerhand arten mit ihrer natürlichen couleur und schattirung, wie sie in den gärten wachsen, gewürcket seynd Amaranthes 1908;
auch: blumichter stoff
textile floribus distinctum Stieler 2175,
ja sogar schäferscenen und dergl. werden als muster verwandt (
zu erinnern bleibt auch an den entwurf für die kunstvollen seidengobelins, weniger an modeindustrien wie die folgende: modebilder seynd allerhand in kupfer gestochene, mit bunten farben illuminirte oder mit stoff oder brocard ausgelegte dames nach allerhand moden galant eingekleidet, so das frauenzimmer in ihre stuben oder cammern zu setzen, und selbige damit auszuzieren pfleget Amaranthes 1275).
vgl. auch als entsprechend die malerausdrücke wie staffieren (
th. 10, 2
sp. 535
unter 5)
und staffage (
sp. 514
unter 1),
doch unser wort hat hier die gröszere tiefe, vielleicht im hinblick auf '
die eigne selbständige kraft und groszartige sprache des rhythmus der falte'
in der germanischen kunst (
gegenüber der antike so zuletzt hervorgehoben von L. Curtius
die antike kunst (1914) 7): der künstler steht entzückt im schauen, entwirft mit Rubens hand und kraft anständge ritter, hehre frauen und aller stoffe farb und saft Göthe 4, 246
Weim. I@55)
die form staff (
wenn nicht druckfehler)
überliefert Harsdörffer: der staff oder materia des zipperleins ist eine schleumigte feuchtigkeit
teutscher secretarius i
Uuu 2
a; stofft, stufft
bei Rädlein.
als neutr.: das stoff,
doch daneben masc. sammet ist ein schöner stoff
pannus holosericus elegantissima est textura (
und auch sonst) Stieler 2174 —
einen plur. stoffen
hat Kramer,
so wollene, seidene, halbseidene, gestreifte, kreponirte stoffen
robbe, drappi di lana, di seta, meza-seta, rigati, creponati dict. 2 (1702), 982
b und darnach die meisten stoffen
bei Hübner
handlungslex. (1790)
neben dem gewöhnlichen stoff;
vgl. auch Zimmermann
unter ii 1 c —
in älterer schreibung häufig mit einem f: Miltons materie ist heilig zu nennen, weil sie von heiligen personen handelt ..., und der erste stof dazu zuerst von heiligen scribenten erzehlet worden Bodmer
abhandlung von dem wunderbaren (1740) 49; wie viel hier stof zur ausschmückung und verschönerung vorräthig wäre, sieht jeder leicht A. G. Meissner
skizzen 1, 102; der stof dazu war in ihm da Herder 13, 236 (
s. auch die belege bei Voss, Hippel, Klinger, Schubart): ich habe keinen stof zum lachen, und soll ein sinngedichte machen! doch wahrlich, stofs genug zum lachen, ich soll ein sinngedichte machen Lessing 1, 29; so wenig eine wahrheit, die im mark des stofes von kurzsichtigen lang unbemerket steckt Mastalier
gedichte 91, 14;
auch Jacob Grimm
schreibt stof (
s. drei belege unten). ii.
bedeutung: I@11)
im eigentlichen sinne I@1@aa)
mehr oder weniger deutlich noch der kostbare (
seidene) stoff: alle, die mit ihr umgegangen sind, haben sich mehr von spitzen und stoffen mit ihr unterhalten, als von ernsthaften sachen Rabener
werke 5, 165; der stoff zu ihrer kleidung konnte kaum hell und leuchtend genug seyn Cramer
nordischer aufseher 1, 204; man webet zu Yezt stoffe, deren zoll auf vier und zwanzig unzen silber zu stehen kommt A. v. Haller
Usong 201; aber wer kommt so geputzt daher? parbleu, was für ein stoff! sie ist schön gekrauset! was für ein geschmuck? Petrasch
lustspiele 1, 470; purpur und seide weisz ist stoff ihres gewandes Brentano 2, 569; es pflegt der Tyrer muschelsaft vor keiner fluten macht zu weichen, noch auch durch sonn' und luft zu bleichen, bis selbst der stoff wird hingerafft Weichmann
poesie der Niedersachsen 2, 57; der gieng von gold und stoff, der von geschmeide schwer Schwabe
belustigungen 1, 293; die kaufmannsbude knarrt, der ladenjunge trug viel stoffe, die zur schau er auseinander schlug Löwen
schriften 3, 42; der kaufmann mit puzwerk und stoffen, was eitele mädgen nur hoffen, trat näher Göthe 37, 43
Weim.; was macht man da (
in der kirche) mit stof und uhr, mit schmink' und demantringen? Voss 4, 44 (
wie lange soll die brunnenzeit); miss Luna, welche sich ein festkleid machen wollte, bat eine grazie sich von Cytheren aus, dasz sie des stoffes wahl und schnitt besorgen sollte Pfeffel
poet. versuche 6, 31; die teppiche, die stoffe, die gemälde, mit vorsicht tragt sie, dasz sich nichts beschädige Tieck
schriften 3, 217;
als gegensätzlich zu tuch (
s. unten): der eine gab ihm tuche, der andere stoffe, der dritte machte ihm schöne kleider
sammlung von schauspielen 3, 10 (
probe der zärtlichkeit).
zu zeug (
s. unten): die guten maler aus der römischen schule ahmten, wie Reynolds richtig anmerkt, keinen stoff, keine zeuge nach Sturz
schriften 1, 53;
gleichbegrifflich neben seide (
th. 10, 1
sp. 174): o hättest du sie (
die scheere) doch an stoffen oder seiden, zum höchsten auch gebraucht, die nägel zu beschneiden Dusch
vermischte werke 204. I@1@bb)
in der sphäre der gewandschneiderei (
wohl zunächst zur besonderen empfehlung einer waare)
überhaupt auf zeuge und tuche aller art ausgedehnt: die vorräthe zu kleidern ... in stoffen aller art Göthe 25, 266
Weim. (
wie auch im älteren beschränkten gebrauch: stoff zum kleyde Weise
politischer redner (1677) 167); ihre kleider ziemten ihr, sie umhüllten jedes glied, ohne es zu zwängen, und die reichlichen falten des stoffes wiederholten wie ein tausenfaches echo, die reizenden bewegungen der göttlichen Göthe 21, 42
Weim.; bey der menge stoffe ..., die mir letzthin vorgelegt wurden La Roche
fräulein von Sternheim 1, 91; jedes haus flimmert im sonntagsschmucke der prächtigen waaren und stoffe, die alle verführerisch ausgelegt sind Laube 4, 4; die mutter hatte dem braunen mädchen stoffe gebracht, um es recht schön zu kleiden Stifter 5, 1, 337; ich habe oft gehört, dasz ritter die farben ihrer damen trugen; dasz diese aber so weit gingen, den stoff der kleidung vorzuschreiben, davon habe ich in romanen nie etwas gelesen Bismarck
briefe an seine braut 38; sei es übergrosze einfachheit, sei es ... eine an geiz grenzende sparsamkeit, sie (
die baronin) bevorzugte stoffe, die sich ... mehr durch dauerbarkeit, als durch irgend glänzende eigenschaften empfahlen Spielhagen 1, 29 —
aus gleichem stoff (
bildlich): auch Herder kam auf seinem riesengange zum hügel Oetingers, und funkelt lange mit augenbliz den mantel an; doch wandelt' er mit kühnen schritten bald wieder fort auf seiner bahn, und dacht': mein mantel ist aus gleichem stoff geschnitten (
mit beziehung auf den mantel des Elias) Schubart
gedichte 2, 182;
auch: die jacke gleichen stoffes und gleicher farbe Immermann 3, 19 — in unsern modernen anzügen dagegen ist der ganze stoff fertig und nach den formen der gliedmaszen zugeschnitten Hegel
werke 10, 1, 212; der stoff (
dieses gewandes) hält sich eben nicht Raabe
Horacker 160.
deutlich: der stoff ist wolle Nicolai
reise durch Deutschland 10, 61; bäs ist ein ... baumwollenzeug ... von der besten qualität dieser stoffe Ritter
erdkunde 2, 411; der stoff, den man dabei (
als zeuggeld) verwandte, war der grobe ... fries, ein dickes wollenzeug Luschin von Ebengreuth
münzkunde 135. I@1@cc)
mit einer adjectivischen bestimmung, die oft auch helleres licht auf den gegenstand wirft: im gegensatz zu seidenen stoffen (Gottsched
deutsche schaubühne 2, 88; die verfertigung der seidenen stoffen Zimmermann
von dem nationalstolze 61; die einfuhr verarbeiteter seidener stoffe J. v. Müller
werke 3, 185; in reichen falten hängen schwerseidene stoffe um die hohen ... fensterbogen Holtei
erz. schr. 5, 210; ob gleich ein seidner stoff den mann von auszen zieret
mediz. maulaffe 2
b;
dagegen: leinene, wollene stoffe (
auch leinenstoff
und unten wollenstoff
fuszen auf dem adjectiv): auf dem webstuhle, dem uralten besitz der Indogermanen, webten die frauen in unterirdischem raume ... leinene und wollene stoffe Freytag 17, 68 —
mehr zur seide beziehung hat der reiche stoff ( v. König
gedichte 30; Schiller 14, 79
u. ä.: beide ruderer waren in gleichfarbige, reiche stoffe gehüllt Gaudy
werke 13, 21;
auch: oder ist es vielleicht zufall, ... dasz eben heute der reichste stoff sie bekleiden musz Schiller 3, 458;
vgl.aus dieser gegend (
Korea), die für den seidenbau schon zu kalt ist, wenn gleich die rohe chinesische seide dort zu reichen stoffen verarbeitet wird Forster
schriften 4, 95.
auch: Crispina ein kleid von einem künstlichen stoff ... angelegt hatte Anton Ulrich von Braunschweig
Octavia 4, 423; sie ruhte, halb liegend, auf einem ruhebett von köstlichen stoffen Eichendorff 3, 139; waffenrock und pferdedecke haben häufig dieselbe farbe, der bunte und kostbare stoff ist durch eingesetzte bilder und embleme verziert Freytag 18, 19; das zelt aus prächtigen stoffen O. Ludwig 3, 404; denn nach dem bazar sollt ihr mich anjezt begleiten, wo die mohren zum verkauf ausstellen, was das morgenland erzeugt an edlem stoff und feinem kunstgebild Schiller 14, 46; (
im gegensatz dazu: er kann unedlen stoff, der nur den knecht bezeichnet an seinem leib nicht dulden Göthe 10, 189
Weim.) alles nothwendige fand sich, und zwar aus den feinsten stoffen und von der zierlichsten arbeit 24, 314
Weim. (
schon mehr hinüberleitend zu dem erweiterten gebrauch:) das aus feinerem stoffe gefertigte lendentuch Ratzel
völkerkunde 2, 145; was soll die pracht mir jener feinen stoffe, die nur zur hülle meiner hülle dienen! U. Hegner
schriften 5, 182;
besonders zu erwähnen bleibt noch: geschenke, ... die aus juwelen, geschnittenen steinen und gestickten stoffen bestanden Göthe 23, 286
Weim.; (
wahrscheinlich noch aus seide:) zwei stück goldnen stoff G. Stephanie
d. J.
lustspiele 131; die wände waren mit alten seidengewändern, gewirkten stoffen und teppichen aller art behangen Keller 1, 59;
auch: der glänzende stoff (
bildlich:) allein Gottfried (
von Straszburg) und Wolfram (
von Eschenbach) überdichteten, was ihnen zukam, und webten aus der roh eingeführten seide glänzenden stoff Scherer
kl. schr. 1, 34.
zugleich zum folgenden überleitend: in glänzenden weiszen stoff gekleidete bürger Klinger
werke 6, 193.
doch die farbe läszt den oben berührten unterschied unbestimmt: eine gantze garniture um eine bett von liecht violetten stoff mit gelben blumen
Casseler zeitung 1731
s. 96
c; es war ein orangenfarbner stoff Bettine
die Günderode 2, 67; trotz ihrer armuth waren sie alle sauber gekleidet, in hellen, durchsichtigen stoffen Storm 2, 147; ein mäszig groszes, mit einem lederfarbnen stoff austapeziertes zimmer Fontane i 5, 158; vor dem fenster stand ein tisch mit grünem stoff bis zum fuszboden behangen Seidel
Leberecht Hühnchen 64; sie gieng blau gekleidet. dein wolgestaltner leib, die sittsame geberden der zarten glieder pracht und ihre treffligkeit, gehn, Leonore, gantz in blauen stoff verkleidt; warum? dieweil du bist ein himmel auf der erden Hoffmannswaldau
gedichte 2, 129.
auch: teurer stoff, billiger stoff; die tracht der männer ... ist aus den wohlfeilsten stoffen zusammengesetzt Steub
drei sommer in Tirol 1, 197.
mit bezug auf die herkunft chinesischer, englischer stoff
usw.: die ausflucht, dasz die holländischen stoffe wohlfeiler sein Möser 1, 118; die küchenjungen wissen auch mit verbundenen augen zu sagen, was frantzösischer zindel und was griechische stoffe sind Lichtenberg
aphorismen 2, 78;
mit bezug auf die technik noch der durchbrochene stoff (étoffe à jour),
wenn mehrere kettenfäden mit einander zur kreuzung gebracht werden, wodurch offene fächer im gewebe entstehen —
völlig in der erweiterten gebrauchssphäre liegt: ein grober stoff Bodmer
sammlung critisch-poetischer schriften 1, 73;
auch: Hildegard ... säumte ein groszes ... damasttischtuch ein und jammerte gar sehr, weil ihr über dem dicken stoffe eine nähnadel um die andere zerbrach Holtei
erz. schr. 4, 7. I@22)
materia, materiale (
über das verhältnisz zum vorigen vgl. die einleitung);
auch hier gilt herkunft aus dem niederl.: stoffe, stof
materia, materies, id ex quo aliquid fit Kilian;
entsprechend bei Schottel: stoff ist vollauf, bring nur den former zu den sachen
teutsche haubtsprache 1011 (
die entlehnung wird ausdrücklich bemerkt 1026);
in die augen springt hier schon der deutliche gegensatz zur form (
s. im folgenden und form 2
th. 3
sp. 1898). I@2@aa)
als werkmaterial: eine mittelmäszige scheere, ein gutes messer, und leder zu zwey paar pantoffeln. sie sind alle von gutem stoffe Göthe iv 1, 163
Weim.; auf der krystallenen platte des tisches stand waschbecken und kanne von gleichem stoffe Brentano 5, 102; kein stoff war in den ältesten zeiten in gröszerer menge vorhanden, als das holz Bernhardt
geschichte des waldeigentums 1, 5; die lieferung einer nicht vertretbaren beweglichen sache, die aus einem von dem unternehmer zu beschaffenden stoffe herzustellen ist
handelsgesetzbuch 406, 2. —