stosz,
m. ,
pulsus, ictus —
damnum, plaga —
strues, acerva. zu unten stoszen,
verb. gebildet (
s. dort weiteres zur wortgeschichte)
: ahd. (stôʒ
mit dem plural stôʒa
und stôʒi),
mhd. stôʒ (
plur. stôʒe
und stœʒe);
der unumgelautete plural hat sich auch im frühen nhd. noch bisweilen erhalten, so alle stosze, angriffe und schaden Diefenbach-Wülcker 867. —
mndd. erscheint unser wort als stôt
[] (
ndl. stoot),
fries.-nd. mit umlaut auch im singular, ostfries. stöt ten Doornkaat Koolman 3, 330
a,
westfries. stiet,
wang. stait (
ohne umlaut stôt,
nur als terminus techn. vom '
kleidersaum'
und der '
schuhspitze' [
s. unten II, 1,
a, f.],
sehr wahrscheinlich unter einflusz hochdeutscher handwerkersprache),
entsprechend afries. stêt. —
im nordgerm. entsprechend schwed. stöt,
dän. stöd (
anord. steytr). —
aus dem gebiet obd. mundarten noch anzuführen: bayr. stosz (stous) Schmeller
2 2, 788,
plur. stœsz (stess, steisz, stoiss)
ebenda; elsäss. plur. štês
und daneben štesər (
in uf štésər) Martin-Lienhart 2, 616
a f. bedeutung: II.
pulsus, ictus; percussio; collisio, concussio. I@11)
eigentlich: I@1@aa)
schnelle und heftige bewegung eines körpers in der richtung auf einen andern (
mit mannigfacher wirkung): Penelope ... steckt den (
schlüssel) in das geschlosz, thet ainen stosz; von stund an gieng die grosz festbewarte eiserne thür auf Schaidenraisser
Odyssea 88
a; der geringste stosz wird es fallen machen Adelung; ist es nicht seelenspeise für den Deutschen, zu sehen, wie hier bei dem kraftvollen stosze des landsmannes die französische masse auseinander fliegt? Lichtenberg
erklärung 2, 135; es war stille, nur dasz ein gedämpfter ruf der wachen, oder das klirren und der stosz einer waffe die ruhe zuweilen unterbrach Stifter 5, 1, 358; er (
der in sein haus geflüchtete mann) gedâhte 'tuot er (
Iwein) einen stôʒ, diu tür vert ûʒ dem angen, und ist um mich ergangen' Hartmann
Iwein 3296; (
ermahnung an den bezecht heimkommenden grobianer): und thuo so manchen stosz daran (
an die thür), dasz sie das schlosz nimm halten kan
Grobianus 3930; deiner knechtschaft eisenmauer sprenget weder ruck noch stosz E.
M. Arndt
werke 5, 92; packt mich, kriegt nach manch hartem stosz mich richtig von der stange los Mörike 1, 158; einem einen stosz geben Kramer 2 (1702), 988
a; (
dasz) ich ... einem hie, dem anderen da einen stosz gab Moscherosch
gesichte 1, 11; Anselmo giebt Francesco unvermuthet einen stosz, um sich loszureiszen Gerstenberg
Ugolino 254 (
nat.-lit.); erster will ihn abwehren, zweiter gibt ihm einen stosz, dasz er umstürzt Göthe 39, 207
Weim. (21, 10
Weim.); ein böser bube hat ihm (
dem kinde) einen stosz gegeben, der üble folgen haben könnte Klinger
werke 8, 41; und (
ich) fall auf einen stosz so leichtlich nicht zurücke Chr. Weise
überflüssige gedanken 101
neudr. — einen stosz mit dem fusze (
u. s. w.) geben ( Adelung); beim drittenmale gab Katherine mit ihrem fusze dem tische schnell einen stosz und der unterhöhlte berg stürzte jammervoll zusammen G. Keller 1, 245;
vgl.: krieg und hunger, kriegs genosz, sind zwey ungezogne brüder, die durch ihres fuszes stosz treten, was nur stehet, nieder Logau 125, 539; billardiren, die kugel mit einem stosze zweymal berühren, geschiehet gemeiniglich, wann der anfang des stoszes zu schwach oder zu furchtsam ist. ein solcher stosz aber ist verloren Sperander (1727) 71
b; das billard wurde leer, und ich versuchte mit einigen stöszen dessen richtigkeit Heinse 6, 179; niemand wundert sich, wenn eine kugel, bey dem schwächsten stosze, bis an den rand einer polirten fläche (
läuft)
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 2, 10.
im gedränge u. s. w.: denn freilich mag ich gern die menge sehen, wenn sich der strom nach unsrer bude drängt, und mit gewaltig wiederholten wehen sich durch die enge gnadenpforte zwängt, bei hellem tage, schon vor vieren, mit stöszen sich bis an die casse ficht und, wie in hungersnoth um brot an bäckerthüren, um ein billet sich fast die hälse bricht Göthe 14, 10
Weim. (
Faust I);
vgl.: in das feste sucht zu dringen ungewaltsam, ohne stosz 16, 348
Weim. (
Epimenides erwachen);
[] das sind aber dinge, die man nicht im sprunge erreichen kann, wenigstens nicht ohne grosze stösze, die man doch zu vermeiden anlasz hat Bismarck
gedanken u. erinnerungen 1, 152.
aus der masse der belege noch hervorzuheben stosz
entsprechend organisierter thiere (Sebiz
feldbau [1579] 227): dieser stosz wird um so kräftiger sein, der stier um so eher den raubthieren widerstehen, je stärker und härter die stoszende stirne ist Strausz
schr. 6, 126; die barriere, welche unter dem stosz der hörner des stieres erbebt Moltke
schr. 1, 215; und wie der ochs war underwegen, thet im ein rauher bock begegnen, sein hörner im entgegen hielt, und mit dem stosz recht auf ihn zielt Burkard Waldis
Esopus 1, 85 (
vom löwen und ochsen); der junge stier, den sonst die hirten, den sonst die nymphen scherzhaft liebten, wenn er mit kühn gewagten stöszen am harten stamme hoher eichen den muth versucht Cronegk
schr. (1766) 2, 344 (
der sommer); (
im anschlusz hieran)
im belagerungskampf der stosz
des sturmwidders u. s. w.: an dem ende ward die mawer mit gewelbten schantzen undergraben, an dem andern ward sie mit dem bock oder zygenhaupt zerstoszen, also ward eyn thurm mit viel stöszen umbgeworfen Carbach
Livius (1551) 267; das verwundert den hauptmann sehr, und lis mit einem bock, eim groszen, drey gewältiger stösz anstoszen an der statt auszen an das thor Hans Sachs 16, 383
Keller-Götze; eine starke mawer feld nicht nider mit einem stos von eim sturmwider A. Lobwasser
Calumnia (1583) F 2;
deshalb: wo sie auch irgenwo schaden thun wolten, lieszen sie von der mauer stroh und wollsäcke in den stosz fallen, um selbten zu schwächen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 647
a.
auch im seekampf der stosz
mit dem schiffsschnabel (Xylander
Polybius [1574] 487): zu stosz (und angriff) heraussegeln (Mommsen
röm. geschichte 1, 492). I@1@a@aα)
mit weiterer richtungsbestimmung: ein stosz in die rippen Kramer 2 (1702), 988
a (
vgl. 2, 363
c);
s. rippenstosz (
th. 8
sp. 1036). — dasz er ihm etliche gute stösz mit dem fusz in die seiten hett geben mögen Bastel v.
d. Sohle
Don Kichotte 18;
vgl. seitenstosz (
th. 10, 1
sp. 398); und dann einen stosz unters kinn und verwünschungen und drohungen Fontane I 6, 11 (kinnstosz Kramer 2 (1702), 988
a). — gemächtstosz Kramer
a. a. o.; halt, ich will dir ein ruck und stosz in die feigen geben Lindener
Katzipori 116; in folge von stöszen auf den unterleib Sömmerring
vom baue des menschlichen körpers 5, 127. — stösze auf die brust, in die seiten und an die stirne
discourse der Mahlern 1, 7; ihm etliche stösze mit dem ellenbogen auf das herz (
geben) Hafner
lustsp. 1, 42; Carl schlenkerte immer unter dem tische mit den füszen und versetzte mir stösze auf das schienbein Castelli
w. 10, 10; rückenstosz (
th. 8
sp. 1365)
vgl.: hê gaf hum'n stöt in de rügge ten Doornkaat Koolman 3, 330
a; gab einem zur linken in den schoos mit seinem hintern einen derben stosz Göthe 16, 113
Weim. I@1@a@bβ)
zur ermunterung; um aufmerksamkeit zu erregen u. s. w.: so mögen die einzelnen denn nach und nach aus dem schlaraffentraum, in dem sie bisher so hingedusselt, sich durch wiederholte stösze aufschütteln lassen Göthe IV 23, 14
Weim.; als er auf einmal durch einen stosz, den ihm jemand neben ihm gab, aus seiner schwärmerey aufgeweckt wurde Miller
Siegwart 2, 515; der sprecher erhielt von seinem nachbar einen stosz mit dem ellenbogen Storm 4, 159;
vgl. elsäss.: gib ihm e stosz, dasz er ufwacht! Martin-Lienhart 2, 616
a; bei uns ein handdruck, ein stosz mit'm knie ist unsre ganze poesie Lenz
ged. 172
Weinhold; ein guter zuruf seines ... reiters muntert (
ein treues, aber ermattetes pferd) mehr auf, als alle stösze in seine seiten J.
V. Andreä
bei Herder 16, 143;
[] das wilde, schäumende rosz, gejagt von der sporen scharfem stosz Lenau 95
Barthel. I@1@a@gγ)
mit folgeerscheinung: ich kriegte aber mitten auf der stiegen einen solchen stosz, dasz ich wieder zuruck hinunter burtzelte und liegen bliebe
Simpl. 2, 382
Keller; (
menschen, die) täglich mit einem stosz in den hintern den teufel über den zaun schleudern Zimmermann
über die einsamkeit 2, 174;
vgl. (
bildlich:) schweig still! jedes deiner worte ist ein stosz, der mich aus einem abgrund in den andern hinabstürzt Jung-Stilling
schr. 6, 237; — ich will ihm, wenn er über den steg geht, einen stosz geben, dasz er in den abgrund hinunterstürze Chr. v. Schmid
ges. schr. 2, 78; da gab ihr (
der hexe) Gretel einen stosz, dasz sie weit (
in den backofen) hineinfuhr, machte die eiserne thür zu und schob den riegel vor
kinder- und hausmärchen 15; (
ich) wäre gleicher weise hinabgefallen, wenn er mir nicht einen stosz gegeben hätte, durch den ich die noch wenigen schritte vorwärtstaumelte Stifter 2, 178. I@1@a@dδ)
zum zerkleinern: darnach so der tiegel ist gleich worden, sol er das kolgestübe einsprützen und abermals dasselbige mit stöszen puchen Agricola - Bech
bergwerckbuch 440; (
wie) der hanf im schneidebrett durch heftige stösze und klopfen von seiner alten hülse befreit werden müsse Lenz
ges. schr. 1, 72 (
hofmeister 5, 9). I@1@a@eε)
mit reflex. inhalt (
entsprechend unten sich stoszen an): es thut niemand wehe, wann sich einer stöszt, als der den stosz gethan Lehmann
florileg. 2, 538;
vgl. noch: da begegnet ihm ein stosz under einem thor an einer hufft Stumpf
Schwytzerchron. 363
b; tod der frau und stosz am ellenbogen thut gleich weh Düringsfeld
sprichwörter 1, 203
a; redet, ihr gläser, mit zitterndem klingen! ... sagt, durch treugemeinte stösze, dasz, uns aus uns selbst zu bringen, keine lust von solcher grösze, als bey Hymens tafel sey Weichmann
poesie der Niedersachsen 5, 161. I@1@a@zζ)
physikalisch-makrokosmisch: den gesetzen des stoszes gemäsz Lichtenberg
erklärung 2, 135 (Ritter
erdkunde 1, 15); die bewegungen der kräfte im stosz, im druck, im reiben ... unter allgemeine gesetze gebracht und berechnet Herder 18, 406; oder er wird ewig niemals in thätigkeit kommen, gleichwie die maschine ohne den stosz von auszen träg und ruhig bleibt Schiller 1, 151; im stosz zweier körper auf einander sind beide als sich bewegend anzusehen Hegel
w. 7, 1, 75; nun findet ihr aber, dasz ein körper dem andern bewegung mitteilen kann, ... ohne durch stosz auf ihn zu wirken Schelling
w. 1/2, 27; schwere, gleichgewicht der massen, stosz und mittheilung der bewegung Lotze
mikrokosmus 1, 5; (
bildlich:) alle kräfte ... wirkten mit vereinigtem stosz auf diesen punkt zusammen Justi
Winckelmann 1, 186. —
insbesondere: wenn geruchtheile durch ihren stosz den gedanken hervorbringen könnten, oder der gedanke die bewegung wäre, so müszte umgekehrt der gedanke die geruchtheilchen wieder stoszen können Lichtenberg
verm. schr. 3, 113; nach diesen (
hypothesen) sollte der stosz des materiellen lichtes den äther in schwingungen setzen A. v. Humboldt
kosmos 3, 33 (
vgl.stosz und schwingung
ansichten der natur 1, 224); es erkaltet schon die leiche, ... und er legt metallne scheiben ihr auf zunge, brust und schoosz, um ihr blut zurückzutreiben durch geheimer kräfte stosz Brentano 3, 403; die bewegung der planeten ... von dem göttlichen, unmittelbar wirkenden willen, oder einem ihnen in der schöpfung gegebenen ersten stosze (
herleiten)
neuer büchersaal d. schön. wissensch. 3, 323 (
vgl. Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 16); weil ihre (
der atome) masse in vielfachen wandlungen durch das all von stöszen getroffen, von ewigkeit her getrieben wird Lange
materialismus 44;
vgl.: den bekannten 'ersten stosz' der materialistischen philosophie bekommen Gutzkow
werke 12, 92; mit allmächtigem stosz hoch aus dem pole, dann auszustoszen die welt Schiller 1, 41.
bei einer elektrischen entladung einen förmlichen stosz (
bekommen) Lichtenberg
briefe 2, 10;
vgl.: (
der donner)
[] ist ein stosz, als der ein quecksilber in ein silber güsse, und das knallt Paracelsus
opera 2, 90
c; die schwächste reibung, ein stosz bringt das knallquecksilber, das knallsilber zum explodieren Liebig
chem. briefe 139. —
mehr unten 1,
d entspricht erdbebenstosz (erdstosz): der grosze stosz im erdbeben Riobamba A. v. Humboldt
kosmos 1, 214; (
es) veranstaltete die natur auch ein kleines erdbeben in drei reprisen. der erste stosz war der stärkste Moltke
ges. schr. 4, 93 (Ritter
erdkunde 3, 87); bei jedem stosze, der rüttet, hallend im wankenden schacht, denkt sie: verschüttet, verschüttet, verschüttet ist mein knapp in der erde nacht! Brentano 2, 59; doch als die erde schütterte, da prüfte ich auch den stosz dort, wo ich mich verkroch Rückert
werke 1, 3; und bricht entzwei die alte welt, vom stosz zusammengedrückt: Strachwitz
gedichte 11.
übertragen auf entsprechende erscheinungen im leben der völker: (
die vier welttheile in einer solchen politischen lage,) dasz ein stosz, der in einem derselben angebracht wird, meistens auch in dem andern empfunden wird
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 432; eben diese allgemeine staatensympathie, welche den stosz in Böhmen dem halben Europa mittheilte, bewacht jetzt den frieden Schiller 8, 5; bei den stöszen, welche die zerstörung (
des Gotenreiches) ... veranlaszt haben E.
M. Arndt
w. 1, 83; nu bückt's euch, Franzosen, nu kömmt die lawin, der stosz kömmt von Moskau über Preuszen und Wien Brentano 2, 30 (
Tiroler wetter). I@1@bb)
mit einer spitzen waffe und in der absicht, in den körper einzudringen und ihn zu verwunden: (
ehrgeiz war der anlasz,) dasz er ein gewehr ergriff, und sich dasselbe in den wanst stiesz, von welchem stosze er neben dem feuer zu boden fiel
der wohlgeplagte priester (1695) 156; ich weisz es doch wohl, was dich reuet; nicht dasz du den stosz thun wollen, sondern dasz du ihn nicht thun können Lessing 2, 296 (
Sara Sampson 2, 7); Morts schwert öffnet im stosze dem tod die weisze brust maler Müller 1, 371; dasz er oft dieser ewig prickelnden qual den gewaltsamen stosz vorziehen würde, der ihn diesem und jedem andern irdischen schmerze auf immer entzieht E. Th. A. Hoffmann
w. 1, 29; don Johann streckte einen arm aus, um den stosz abzuwenden Ranke
w. 40/41, 490; das wasser, welches auf den stosz des speers aus seiner seiten flosz, das sey mein bad Ang. Silesius
heilige seelenlust 81; da kam ein jud und höllenbrand, ein speer führt er in seiner hand, gab damit Jesu einen stosz Mittler
volkslieder 342; so könnt ihr leicht mit ein paar kleinen griffen euch eine nicht gestumpfte klinge wählen, und ihn mit einem wohl geführten stosz für euren vater lohnen
Shakespeare 3, 317 (
Hamlet 4, 7); starr blickt er hin, da senkt mit starkem stosz in ihre reine brust das schwert die rache A. v. Droste-Hülshoff 2, 245 (mit raschem stosz Heine 2, 100
Elster); so oft auf mund und busenblösze der herzog ihr die lippen drückt, — der priester zählt, so viele stösze hat schon der dolch auf ihn gezückt Lenau 527
Barthel; jetzt führ eine lanze ich stark und grosz — juchhe! mit eisen gespitzt, den Franzosen zum stosz — juchhe! Ditfurth
einhundert hist. volksl. des preuszischen heeres (1869) 81;
vgl. (
bildlich): wie so gar manchen unglücksfällen pflegt uns das schicksal auszustellen! wir tragen stets zu jedem stosz die seite blosz Triller
poet. betrachtungen 1, 331; ein stosz durch und durch,
una trafitta Kramer 2 (1702), 988
a; die liebhaberin ... fängt den tödtlichen stosz
[] seines dolches mit ihrer brust auf
neuestes aus d. anmuth. gelehrsamkeit 5, 56; kaum hat er sich den tödtlichen stosz beygebracht, so ... Lessing 7, 73; dasz sie sein schwert ... aus der scheide risz, und dem Anchialus einen tödtlichen stosz damit versetzte Bürger 267
Bohtz; (
die knie beugen,) um die tödtlichen stösze zu empfangen Schleiermacher
w. II 4, 16; dennoch hätte eine feste hand wohl immer noch vermocht, tödtliche stösze mit diesem stahle zu führen Holtei
erz. schr. 3, 150;
vgl.: einen stosz! einen todesstosz! Schiller 2, 200 (
räuber 5, 2). —
insbesondere als subject zum zwecke syntaktischer steigerung: (
wenn) der stosz nicht so gestreckt ... gewest wäre, würde ihm Jubil damit sein licht ausgelescht haben Lohenstein
Arminius 2, 448
a; der stosz traf auf die höhe der linken schulter und beschädigte den knochen Göthe 43, 147
Weim.; ob ich gleich dachte, er wäre schwer verwundet, weil der stosz ein gewaltig geräusch in den kleidern machte, und er vor schrecken zur erde fiel 43, 48
Weim.; ich aber meine, dasz eure reisigen meinen arm gefühlt haben; fragt nach, wenn es euch gefällt, ob die stösze nur halb waren und in mönchsweise gegeben, oder nach art eines ehrlichen kriegers G. Freytag 9, 48; allein gefährlich war sie (
die lage) nichts destoweniger; denn mit dem geräusch der gleitenden klingen wurde das gefecht belebter und rascher, so dasz schon wegen der notwehr die stösze zahlreicher und fester wurden G. Keller 2, 248; recht unter diesem arm traf des Mercutio's leben ein falscher stosz von Tybalt Göthe 9, 219
Weim.; darauf und dran! die schäfte splittern, dumpf durch das treffen kracht der stosz Strachwitz
gedichte 201; der stosz glitt ab Pfeffel
pros. vers. 2, 134; Anaxagoras ist wie ein nüchterner unter trunkenen erschienen, aber auch sein stosz geht noch ziemlich ins blaue hinein Hegel
w. 13, 381; der stosz ging fehl, der mantel fing ihn auf, und Shrewsbury entwaffnete den mörder Schiller 12, 511 (
Maria Stuart 3, 8); in dem briefe, den ich hier trug, blieb der stosz Müllner
dram. w. 7, 97. I@1@b@aα)
im kunstmäszigen fechten: ein kampf von zween ist, wann sich zween balgen, da der eine den hieb oder stosz thut und anbringet, der ander fanget ihn auf und schlägt ihn aus Comenius
janua iv (1644) 308; ihr sollt zusammen in rapieren fechten, und wer dem andern die ersten zwey stösze anbringen wird, der soll ein weisz neapolitanisch pferd gewonnen haben
schausp. engl. comöd. 182, 14
Creizenach; dasz sie (
die Engländer) eben so geschwind waren, einen streich, stosz oder wurf anzubringen, als einem auszuweichen J. Bodmer
von dem wunderbaren 68; die stösze so anbringen, dasz sie nicht leicht parirt werden können Georges
deutsch-lat. wb. auch: den stosz beibringen (Heinse
w. 4, 147);
sonst: einem einen stosz geben mit dem fleuret (rappier) Kramer 2 (1702), 988
a; (
er) hatte nur einen einzigen stosz mit seinem schwerte gegen den sohn Hermanns gethan Ayrenhoff
w. 1, 328; fast jeder stosz, den ich führte, traf, und sein rapier flog zuletzt in den winkel H. v. Kleist 4, 140; (
das auge,) nach welchem die umstrahlte figur den stosz offenbar führt Welcker
alte denkmäler 2, 106 (C.
F. Meyer
Jenatsch 1, 29); wie zum stosze führen (Storm 1, 76);
ungefährlicher: wer dem andern ... die meisten stösze auf den rock zeichnet, soll für den überwinder gehalten (
werden) Göthe 21, 225
Weim. — einen stosz ausnehmen, auspariren Kramer 2 (1702), 988
a (Frisch 2, 340
c); ich hatte ihm kaum einen stosz auspariret Chr. Reuter
Schelmuffsky 26 (
neudr. vollst. ausg.); den stosz parieren,
vgl. Lichtenberg
erklärung 3, 79; H. v. Kleist 4, 140; (
er) zieht sein schwert; als Mannsfeld naht, verhaut er ihm den stosz und haut, und haut den schedel durch, dasz er zur erden schosz Stolberg 1, 72; (
ein zweikampf im schauspiel) wo der eine durch zwey oder drey stösze eines rappiers ermordet wird, dessen spitze ... so rund ist, dasz man in keiner stunde damit
[] jemanden entleiben würde?
neuestes aus der anmuth. gelehrs. 3, 221; ein falscher stosz,
una punta falsa Kramer 2 (1702), 988
a; stösze und finten wechselten sich H. v. Kleist 4, 141; auf finten (was ihm kein fechter der welt nachmacht) ging er gar nicht einmal ein ... und wenn meine stösze nicht ernsthaft gemeint waren, so rührte er sich nicht
ebenda; der könig, herr, hat gewettet, dasz Laertes in zwölf stöszen von beiden seiten nicht über drey vor euch voraushaben soll
Shakespeare 3, 348 (
Hamlet 5, 2); ein reiner (
sauberer) stosz,
vgl. Fleming
teutscher soldat 23, 4; nach gethanem stosz (im fechten) musz man zurückspringen Kramer 2 (1702), 894
c. — sich
auf den stosz balgen, mit jemand auf den stosz fechten,
battersi, cimentarsi, duellare di stocco, di punta contro ad uno 988
a; sich auf den stosz mit einem schlagen,
punctim pugnare Frisch 2, 340
c ( Adelung); auch auf stosz paukte man dort (
in Würzburg) Laube
schr. 1, 60,
im gegensatz zum hieb (
th. 4, 2
sp. 1306)
und so in formelhafter zusammenfassung auf den
hieb und auf den
stosz Adelung; auf den hieb und auf den stosz ... herausfodern Weise
erznarren 170
ndr.; er ficht auf stosz und hieb Müllner
dram. w. 6, 194; ein meister des schwerts auf hieb und stosz Fr. L. Jahn
w. 2, 5; (
mit obsc. beisinn:) (
die kriegerische Turna) hat ob andern sachen auch das federfechten lieb, zwar man spricht, sie gehe lieber auf den stosz als auf den hieb Grob
dichter. versuchg. (1678) 88 (2, 121) (
s. federfechten,
th. 3
sp. 1399); der bräutgamb steht nun blosz, und fordert seine liebe braut, mit fleisch und bein, mit haar und haut, aufn hieb und auf den stosz Chr. Weise
überflüssige gedanken 151
neudr. auch sonst: ich bin schwert und zither und darf die luft verwunden mit sang und klang, hieb und stosz E. Th. A. Hoffmann 9, 195; kein andrer war, wie ich, im stosz und hiebe schnell Zachariä
poet. schr. 1, 18; und sagt ich, wie nimmer müde er hieb und stosz gesellt, ihr wiszt ja, wies der Deutsche genüber dem Franzmann hält A. Grün
der letzte ritter 115.
im loseren nebeneinander: (
die frage,) ob er nicht darumb einen degen mit einem groszen kreutz oder maulkorb trage, damit die faust gegen den stosz und hieb möge verwahret seyn? Moscherosch
gesichte 2, 244; diese (
die augen) müssen heiter und ruhig sehen, nicht nur vor stosz und hieb. sondern auch vor knechts- und fuszdiensten gesichert seyn Herder 23, 553; der herausgeforderte that den ersten hieb oder stosz Gerstenberg
schlesw. lit. br. 255 (
lit.-denkm.); hier und dort im hui, hieb und stosz zugleich! maler Müller
werke 1, 365; kein hieb und stosz ging daneben
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries 1, 333; schild, rüstung sind zerfetzt durch hieb und stosz Gries
Bojardo (
verl. Roland) 1, 86. (
bildlich und)
im plural: welcher direktor darf sich rühmen, den unaufhörlichen gutgezielten stöszen und hieben seiner helden und heldinnen entgangen zu sein! E. Th. A. Hoffmann
w. 4, 12. —
weniger häufig: die Römer ihrer breiten schilde und zum
stosz und hau geschickter degen halber für den Deutschen ... einen groszen vortheil hatten Lohenstein
Arminius 1, 810
b (
s.hau
th. 4, 2
sp. 562
unter 2). — damit er sich auf alle fäll, streich und stösz verwahren mag Dannhawer
catechismusmilch 2, 416; so eilt er muthig, wie gefahr auch droht, das ungethüm, dem keins an stärke gleich, den drachen zu bestehen im kampf auf stosz und streich G. Schwetschke
ausgew. schr. 1, 154.
auch: der halb zu pferd, und halb zu fusz, halb auf den stosz, halb auf den schusz, im leben mit den feinden stritte Chr. Warnecke
poet. versuch (1704) 117.
tautologisch: durch einen mörderlichen
stich und
stosz Dannhawer
catechismusmilch 8, 5;
[] sie mögen leiden stich und stosz, han sie gut harnisch und gut rosz Fronsperger
kriegsbuch 1, 187
a. solch ding geht auch gar plötzlich los und giebt euch einen stich und stosz Tieck
schr. 1, 192;
vgl. (
bildlich): aber 'mit dem eigentlich sehr naiv' wird doch zugleich gegen den ungläubig fragenden 'laien' ein stich oder stosz geführt, der mich zwingt, den spiesz zum stich umzukehren R. Hildebrand
gedanken 177. —
ihre schnelle folge: leuchtend fuhren die klingen durcheinander, blitzschnell folgte
stosz auf stosz E. Th. A. Hoffmann
w. 11, 92; die wuth that stosz auf stosz Lenz
ged. 14
Weinhold. der
erste stosz,
welcher in vortheil setzt: (
bildlich) im anfange des dramas fordert der charakter ... das schicksal heraus, er thut den ersten stosz, von da an musz er sich wehren O. Ludwig 5, 417; lasz glauben sich und leben so begegnen, wie zwei verzweiflungsvoller menschen wut, wo jeder fällt und stirbt beim ersten stosz
Shakespeare 1, 43 (
Johann 3, 1). der
letzte stosz,
welcher die entscheidung giebt, vgl.: damit ins künftige bey ihr die lust vollkommen, hat sich den letzten stosz das glücke vorgenommen Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 104 (
das personif. glück als siegreicher fechter); dasz er zwene von denenselbigen gleichsam
auf einen stosz erleget
polit. maulaffe 250. I@1@b@bβ)
harmloser, doch dabei nicht immer ungefährlich, der stosz
im turniermäszigen kampf: (
als) der Polack die stechstangen zum stosz gefaszt hett Götz v. Berlichingen 12 (Schweinichen
denkw. 20); sie gaben eynander gar harte stösz auf ire schilt
hertzog Aimon l 4
a; sie ritten gar lustig und freudig zusammen und gaben einander gar harte stösz
buch der liebe 328
d; das stechen war hübsch und gab grosze stösze an einander 344
d; ich von stärcke des stoszes und groszem schmertzen den sattel zu raumen gezwungen wardt
theatr. amoris 89; Vardanes ihm zuvor kame und etliche tödliche stösze auf ihn führte, dasz er darüber gleich den geist aufgabe Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 1, 863; (
einen feind) mit einem fatalen stosze zu boden (
legen)
insel Felsenburg 24; im vorbeygehen, kann man sich vorstellen, was es für stösze gegeben hat, wenn (
beim turnier) vier centner andere vier centner aus dem sattel hoben A. G. Kästner
verm. schr. 2, 161;
vgl. kriegstanz mit lanze und schwert, wo sie die stösze mit dem schilde abwehren; wen der stosz trifft, hat verloren Ritter
erdkunde 1, 662; der stosz (
bei der ritterlichen tjost) wurde wirksamer, aber schwieriger, je höher er gerichtet war G. Freytag 18, 21; und wie er eintritt in die schranken hoch schwebend auf dem weiszen rosz, ists als ob er nur mit gedanken, nicht fechte mit der lanze stosz Rückert
werke 3, 24. I@1@b@gγ)
besonders noch der herzstosz (
th. 4, 2
sp. 1261),
welcher das leben am meisten gefährdet: einem einen stosz ins hertz geben,
adigere gladium in pectus alicujus Frisch 2, 340
c; der stosz ging durch das herz Adelung;
vgl.: ja mir reichte sie (
die einsamkeit) den blinkenden dolch, und oft hob ich den arm, um mit einem wütenden stosze die qualen meines herzens zu enden Schubart
leben 2, 153; er wendete mit eigner lebensgefahr einen stosz von mir ab, der nach meinem herzen zielte Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 212; weit besser wärs, dem herzen den letzten stosz zu geben Göthe 12, 169
Weim. (
scherz, list u. rache 4).
mannigfach bildlich: beyde völker suchten ... das herz des feindes mit ihren stöszen zu erreichen Niebuhr
röm. gesch. 3, 228; jetzt noch, wo ich dir's beschreibe, fühl ich den stosz, den mirs damals ins herz gethan! Holtei
erz. schr. 10, 15;
vgl.: ein jeder hieb und stosz wird mir das herz zerspalten Gottsched
schaubühne 4, 33; der erste stosz, den Hans ans herz erhielt, war die nachricht, dasz ... Hippel
lebensläufe 3, 1, 285; nach einem
[] engen und ängstlichen formular sollen
se (
die ängstlichen gemüther) jetzt stösze an ihrem herzen, jetzt zerknirschungen und traurigkeiten ... fühlen Herder 20, 16. I@1@b@dδ)
stosz und gegenstosz (
th. 4, 1, 2
sp. 2269)
auch begründet durch den gebrauch unter 1,
a: in der moralischen welt, wie in der physischen, sind stosz und gegenstosz gleich L. Meister
neue schweiz. spaziergänge (1790) 139; (
wo forderungen und rechte) über einander herstürzen ... mit stosz und gegenstosz Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 244; freiheit und tyrannei, stosz und gegenstosz, vor und rückwärts kommen hier nicht mehr in betracht Gutzkow
w. 8, 187 (Schopenhauer
w. 1, 63); wie gewaltig war hier (
in dem gegensatz der patricier und plebejer) der stosz und der gegenstosz, von welcher dauer der kampf! Jhering
geist des röm. rechts 1, 311; entstellt von scham und unwillen über den empfangenen stosz und gegenstosz G. Keller 6, 21. I@1@b@eε)
beim rädern eines verbrechers, mit den scharfen spitzen des rades: (
man) radprecht in, gab im 5 stösz auf füsz und hend und 4 stösz hinten auf den hals oder das genick
städtechron. 10, 348,
vgl.radstosz (
th. 8
sp. 54)
und unten die wendung einen auf das rad stoszen. I@1@cc)
durch erschütterung: quassus Corvinus
fons latin. (1646) 683
a;
vgl.: '
wird ein körper durch irgend eine kraft bewegt und trifft plötzlich auf ein hindernisz, welches seine bewegung hemmt, so nennt man die wirkung einen stosz' Helfft
landbaukunst 349; dann die püchssen ... laufen auch von dem herten stosz nit so weyt hindersich A. Dürer
underricht zu befestigung der stett (1527) F 2
a;
vgl.: (
der mensch) kann die bande nicht lösen, die ihn mit allen übrigen seiner mitgeschöpfe verbinden, den erschütternden stosz nicht aufhalten, den seine handlungen der ganzen masse mittheilen W. v. Humboldt
schr. 2, 7; (
so gerichtet wider das hölzerne trojanische pferd:) also sprach er, und seinen spiesz mit aller macht und kräften stiesz tief in den holen bauch sehr grosz, das pferd erzittert ab dem stosz Spreng
Ilias (1610) 23
a.
im übergang zum folgenden: hinunter in der erde schosz, weg aus des lichtes reichen, der schmerzen wut und wilder stosz ist froher abfahrt zeichen Novalis 1, 53
Minor. besonders der wagen auf holpriger fahrbahn: das ängstet mich recht, insonderheit wegen des accident, so i. l. bey madame de Schosburg begegnet mit dem harten stosz von der kutschen Liselotte 4, 114; bei einem stosze des wagens (herausstürzen) Bahrdt
gesch. s. lebens 3, 15; (
Utrecht und Haag,) solche schöne örter ..., dasz ich mich damals schon reichlich für die vielen stösze (
der postkutsche) und unbequemlichkeiten in Westphalen belohnt hielt Lichtenberg
briefe 1, 9; denn sie wissen, dasz ich in einer landkutsche von Berlin abreiste ... und durfte nie, als bei den heftigen stöszen des wagens, nach meinem kopf fühlen, ob ich ihn noch hätte Lessing 12, 35; lassen sie fleiszig nachsehn, ob keine linse am wagen fehlt, damit ihnen nicht plötzlich ein rad abläuft, und sie einen gewaltigen stosz bekommen Tieck 7, 55; ungeachtet ich aber durch die harten stösze, die es hier gab, in dem wagen hin und hergeschleudert wurde E. Th. A. Hoffmann 5, 17; jetzt vermehren sich die stösze des wagens Holtei
erz. schr. 18, 205; die gefahr des umwerfens war ... nicht gering, und man empfing stösze, dasz man mit dem kopf gegen die decke fuhr Moltke
schr. 1, 210; da gingen die pferde mit uns durch. der kutscher war eingeschlafen und fiel bei dem ersten heftigen stosz vom bock Bauernfeld
schr. 1, 98;
denn kein wagen fährt so ruhig, dasz er nicht manchmal einen stosz gäbe Düringsfeld
sprichwörter 1, 272
b; der achse wird mancher stosz versetzt, sie rührt sich nicht — und bricht zuletzt Göthe 3, 324
Weim.; der räder erz zermalmte ihres vaters schenkel, sie flog von des hohen sitzes stosz empor, und rief: 'der weg zum thron ist dennoch sanft!' Stolberg 5, 161;
[] und mit mächtigem stosz wird der reiszende wagen dringen gegen die thore des himmels, dasz die riegel zerspringen Brentano 6, 69;
auch: das schiff erhielt heftige stösze H. Steffens
was ich erlebte 3, 129; in diesem augenblick bekam der nachen einen so gewaltigen stosz, dasz beide insassen von ihren sitzen und fast in die fluthen stürzten Moltke
schr. 1, 80 (
vgl. Peschel
völkerkunde 385); durch meinen nachen fuhr schütternd ein stosz Scheffel
w. 3, 50; jetzt krachte und schütterte ein zweiter stosz — angeprallt an verborgenem fels barsten des nachens planken
ebenda. hierher auch die bildliche einkleidung: wir fahren auf den wellen unserer heirathsepopeen unter mancherlei stöszen den Styx hinunter Herder 24, 287. I@1@c@aα)
erschütterung der erde, s. auch oben erdstosz 1,
a, ζ;
hierher: der von den stöszen der vorigen erde noch blutende mensch sollte unter den blumen zuheilen für den künftigen himmel Jean Paul
unsichtb. loge 3, 89. I@1@c@bβ)
bei errichtung des kreuzes auf Golgatha: (
die Juden) schlugen ihn (
Jesum) ans kreutz, sampt den schechern gantz nackt un blos, theten ihm im aufheben eynen harten stos, Michael Weisze
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 258. I@1@dd)
die entwicklung von anstosz (
th. 1
sp. 486): ein groszes corpus, ja ein haupt ohn augen (
ist) nicht nur cyclopisch und monstros, sondern auch viel irrthumben, stöszen und fällen unterworfen Dannhawer
catechismusmilch 1, 204; an eine solche (
bank) stiesz Fritz Nettenmair mit dem bein und nahm den stosz als eine aufforderung, sich zu setzen O. Ludwig 1, 280; mit flisz en (
den engeln) gott von der (
Jesus) gebot, dasz sie dich in eren henden heben; din fusz keines stoisz kan beseben, gescheen magk der nummer leit
Alsfelder passionspiel 36; er (
gott) lässet uns auf händen tragen, dasz uns kein stosz den fusz verletzt Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 262. I@22)
schlag, streich, hieb (
ein nebeneinander der bedeutung wie in anderer richtung z. b. schmeiszen '
werfen'
und '
schlagen',
th. 9
sp. 999): schlagen ... das ist schmeiszen oder stösze geben Harsdörffer
teutscher secretarius 1, Kkk 7
a (Gueintz
rechtschr. 124);
tel menace qui est battu, mancher drewet, der stösze kriegt Duez (1657) 241; es regnet stösze über ihn,
venne sopra di lui una pioggia di bastonate, un nunolo di mazzate Kramer 2 (1702), 299
b; stösze bekommen,
schläge Adelung; bekömstu noch vom vater stösze, darfstu mirs nicht klagen
engl. comedien u. trag. (1624) Dd 1
a; wan ihn ein armer umb einen pfenning bate, liesze er ihn mit stöszen vortweisen Moscherosch
gesichte 2, 168; ich kriegte stösze, weil ich die ohren nit besser aufgetan
Simpl. 2, 27
Keller; eymacht doch fort; ich kriege darnach stösze von dem schulmeister Schoch
studentenleben (1657) F 5; wenn man sie (
die frau) auf dieselbe (
stockfischhaut) schlüge, so dulten sie die stösz, als wie ein stockfisch
ollapotrida 168, 9; wo ein andrer ... seine pferde aus dem stall schleppt, ihnen stöse gibt, ... Miller
predigten fürs landvolk 1, 2; land den lugner nit stil stan, ziechent in bim har und bart, schlachent in mit stoszen hart Mone
schausp. 2, 309 (
passion); er lasse mich doch gehn. der vater gibt mir stösz Rachel
satyr. gedichte 135; weil aber der bauer nichts zu zahlen hatte, gesegnete der goldschmid ihm die mahlzeit mit wackern stöszen
gepflückte fincken (1665) 32; da nun gehörter maszen der meister und sein knecht von Siegfrieden wacker stösze empfangen
volksbuch v. geh. Siegfried 63
neudr.; dichte, derbe, gute stösze einem geben Kramer 2 (1702), 988
b; der scheider kriegt zu zeiten die gröbsten stösze,
al separatore toccano talvolta i più sodi colpi 2, 485
b;
hierher wohl auch: indessen stoszen ihm etliche reuter auf, ... mit groszem geräusche und getümmel, diese salbeten den edelmann mit stöszen dergestalt, dasz er halb todt vom pferd fiele Widmann
Faust 161.
[] I@2@aa)
auch in begrifflicher nähe von boszen (
th. 2
sp. 268): (
Lucifer:) wer ist der, der do boʒet, und an die dore stoʒet? ich bin gewesen uf dusent jar in dirre helle vürste vorwar, daʒ ich gehorte keinen stoʒ an dise dore so rehte groʒ Mone
schausp. 1, 125 (
leben Jesu). I@2@bb) schlag und stosz
zweifelhaft als tautologische verbindung: sovil imselbs ainer eyteln ere zuogezogen und in wollust gewesen ist, alsvil schleg und stOesz sollen ime zuogefegt werden Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey 522; (
als) in eynem mörscher ... schleg und stösz, müsen sie entpfahen
Terenz (1499) 47
b glosse; (
sie) ergriffen den papst bei den haaren und schleppten ihn unter stöszen, schlägen und fusztritten zum gefängnisz Fr. Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 1, 302; die mönche ertheilen ihm spöttisch mit lauter schlägen und stöszen die weihe Jacob Grimm
Reinhart Fuchs lxxv; mit rauffen, stöszen und schlegen solt ir in heint bebegen. das all sein synn und gemüet morgen wurd lasz und müet
altdeutsche passionssp. aus Tirol 72
Wackernell; ihre kraft, wie schwach sie scheinet, ist dennoch unendlich grosz, da sie felsen selbst entsteinet ohne schlag und ohne stosz Brockes
ird. vergnügen 2, 235;
wahrscheinlich: es ist besser ein kind mit guten worten ... als mit allzu harter zucht, schlägen und stöszen zu lehren Olearius
pers. baumgarten 7, 24; auf einem stuol begunden in die juden krönen, mit schlegen und stöszen seer zerhönen Gengenbach 541;
begrifflich unterschieden: dem helden jedoch ist nicht unbewuszt, dasz er weder mit stosz noch schlag das ungeheuer erlegen werde Göthe 49, 121
Weim.; vgl.: daʒ im stôʒ noch slach niht gewerren ne mach
Milst. genes. 6, 24
Diemer. auch: mit slegen oder mit stœʒen bruder Berthold 130, 3; schall und krach folgen dem schlag oder stosz unmittelbar Jacob Grimm
kl. schr. 2, 411. — als es stösze und prügel setzte, gedachte ein jedweder der letzte zu sein
F. v. Troilo
oriental. reisebeschr. (1676) 415; ihr habt auch mein tage nichts anders im kopfe als von prügeln und stöszen Gottsched
schaubühne 6, 291. I@33)
wunde, verletzung, beschädigung, durch stosz
veranlaszt: (
wohl erfahren,) mancherley wunden, beinbrüche, verrenkungen, stösze, fälle und der gleichen zu heilen Fleming
teutscher soldat 180; ihre verwundungen bestunden damahls in stöszen und zerquetschungen, in streichen, so man ihnen mit der kolbe gab 195.
vgl.: wissen, was für artzenei und mittel zu gebrauchen stehn zu ihren fällen, stöszen Sebiz
feldbau 39; ob nun wol Bönninghausen ... die reuter zu wenden ... vermahnet, wolten sie doch nicht daran, und wandten also mit guten stöszen, die sie von der wacht empfangen, unverrichteter sache umb Chemnitz
schwedischer krieg 2, 268; und es setzt stösze von beiden seiten (
bei dem ringkampf) Scherer
litteraturgesch. 213; der herr sprach: Petre, lasz jetzt sein, den vollen baurn lasz ihren wein, es möcht dir sonst wol ubel gelingen, möchst für den wein stösz da von bringen Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 129
ndr.; der eine (
soldat) kriegt stösz, der andre geld, wie es gefällt Mittler
volkslieder 72.
besonders stösze erleiden: Speckbacher, ihr anführer, ... hatte jedoch im handgemenge so schwere stösze erlitten, dasz er zeitlebens daran kränkelte L. Steub
drei sommer in Tirol 1, 108; da lied ich herte stösz und trück, bisz mir eins brochen wurd der rück Hans Sachs 5, 198
Keller; wer im gedränge steht, der leidet manchen stosz Grob
dichter. versuchgabe 12;
entsprechend: ich fürchte keinen stosz, ich scheue keinen schusz Fleming
gedichte 1, 114;
[] was macht ein kerl sich aus 'nem kleinen stosz! Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 283; wegen empfangener
wunden und stösze gantz matt
Simpl. 37
Kögel; in liebe gibts auch stosz und wunden viel, die zu heilen oft seyn nimmermehre Voigtländer
oden u. lieder (1642) 53.
gegensätzlich: da dan die parteyen starck aufeinander giengen, und bald dieser, bald jener theil beute oder stösze davon trugen Chemnitz
schwedischer krieg 1, 186; nachdem mahl nun nicht allein einige zahlung nicht erfolget, sondern auch an statt der beute ihnen stösze überall angeboten werden wollen, ist ihnen die lust (
vergangen) 2, 57. I@44)
in erweitertem gebrauch (
von stoszartigen bewegungen): I@4@aa) stosz
des schwimmers, welcher die wellen zertheilt: in langen stöszen schwamm sie auf das kind zu G. Freytag
soll u. haben 1, 351;
auch: der kahn that einen stosz, glitt in die weichen fluthen hinaus Stifter 3, 312. I@4@bb)
stosz des hobels u. ä.: (
der schreiner) führte schon mit dem doppelhobel die letzten stösze über die bretter G. Keller 2, 80; die ältesten hobelmaschinen ahmen die stösze des handhobels nach Bücher
arbeit und rhythmus2 380;
auch die striche und stösze von der feilen Wolff
vernünftige gedancken von gott 34;
auf diesem handwerkerlichen begriff ruht wohl die sächs. ra.: ich musz e paar vernimftge steesze mit sie reden
quelle bei Müller-Fraureuth 2, 570
a (
? oder vom fechten: noch einige gänge mit ihm thun)
und das sprichwort: wer holtz hat, kan stösze machen Winckler
gedancken (1685) J 4
a.
doch vgl. hierzu unten (III) holzstosz;
danach in dem sinne '
wer die mittel hat, kann gut bauen —
hat gut reden'
u. s. w. —
in einem pumpwerk. der stosz mit dem pumpenstiefel (Jean Paul
flegeljahre 1, 10). I@4@cc)
das herabschieszen eines raubvogels auf seine beute; vgl. für das alter des ausdrucks die bezeichnung stosz
für die schwanzfedern der stoszvögel (
unter II): die (
falkenarten) habend ein gleiche art im flug und im stosz Heuslin-Gesner
vogelb. 2, 153; sie (
die sturmvögel) schossen einmal nach dem andern mit gewaltiger schnellkraft aus der luft auf die oberfläche des wassers herab und und holten stosz für stosz einen fisch weg G. Forster
schr. 2, 341 (
vgl. Naumann
vögel 6, 249); dann kam der augenblick, dasz der falk ein paar grosze stösze tat H. Hesse
diesseits 23; so hatte sie mit einem grimmen stosz der vögel prinz, der adler, schnell ereilet Drollinger
ged. 140; bald schieszt er (
der adler) schnell herab, wenn er den drachen findet, der sich auf seinen stosz in seinen schnabel windet Pietsch
geb. schr. 5; es schosz aus ferner höhe ein habicht auf das huhn herab; und, dasz man oft den spott sogleich bestrafet sehe, bekräftigte der stosz, den er dem spötter gab Hagedorn
poet. werke 2, 233; (
vergleichend:) wer in den luftgefilden des falken stosz nach einem reiger sah, der sah noch nicht genug, um Hermanns schnellen flug und des angriffs stosz sich einzubilden Ayrenhoff
w. 1, 280. I@4@dd) stosz
des athems in die trompete u. s. w.: (
der lehrling musz) mit einem stosz nur einen langen jagdhüft mit dem rundel herauszubringen suchen Heppe
lehrprinz 224;
besonders der dadurch geweckte schall (
s.hornstosz th. 4, 2
sp. 1832
und unten trompetenstosz);
sein kurz abgebrochenes wesen malt am besten ein stosz in die trompete,
trombettata, trombata Walther
music. lex. (1732) 619;
vgl. Kramer 2 (1702), 1148
b; (
im gegensatz zum blasen auf der trompete
u. s. w. beim vortrag eines musikstücks): der stosz ins posthorn ... an dem ersten deutschen dorfe ... ist mir doch erquickend durch mark und bein gedrungen, als ich aus Italien zurückkehrte Heinse
w. 5, 333; nur ein stosz in die trompete wird ertönen Klinger
w. 6, 15; (
ägyptische derwische,) die mit einem stosz in ihr horn ihr almosen fordern Jean Paul
grönländ. prozesse 1, 5;
[] und dürstest du vielleicht einmal nach kriegesthaten, so bringt ein stosz ins horn dir tapfere soldaten Raimund
w. 1, 11.
und dann auch losgelöst '
das stoszweise gegebene signal',
so bei den jägern der stosz,
ein kurzes signal mit dem hifthorn Adelung;
vgl. '
der lehrpursch musz sich fleiszig üben, um die stösze auf den hörnern immer reiner und hurtiger herauszubringen Heppe
jagdlust 1, 33; in der wuth gab er einen gewaltigen stosz mit seinem horn Ritter
erdkunde 2, 158; da begann Salomon zu blasen, und siehe, auf den dritten stosz brach Morolf mit vielen gewaffneten aus dem walde hervor Simrock
volksbücher 1, 53; itzt fährst du mit deinem stab darein (
in den ameisenhaufen) ... alles hat der eine stosz verstört; also und nicht anders fuhr der stosz aus Romeias horn aufjagend ins stille kloster Scheffel
w. 1, 117; es tönt der stosz, und ach der freiheit letzter erschrockener schatte schwindet Herder 27, 252.
entsprechendes adj. spiegelt den begriff: das instrument begleitete den declamator ... entweder mit kurzen stöszen oder ganzen musikalischen sätzen Schubart
ästhetik der tonkunst 13; sobald er aber gefunden ist, (
gebt) drei kurze stösze, die fortgesetzt werden, bis alles versammelt ist Auerbach
schr. 15, 60; liegt es (
das thier, eine schildkröte) schlieszlich auf dem rücken am schiffsboden, so verkündigen laute stösze des muschelhornes die frohe kunde Ratzel
völkerkunde 2, 254; da schallt mit scharfem stosze das wächterhorn vom thurm, wohlauf, wohlauf, ihr schläfer! das horn verkündet sturm Uhland
ged. 1, 282;
ähnlich: mit lautem und straffem stosz der stimme (
kommandieren) Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 80. I@4@ee)
des windes (
s. unten windstosz): der dritte stosz (
des windes) aber, so bald darauf folgete, gab dem schiffe seinen rest Olearius
orient. reisebeschreibung 93; eim wolerbauten festen schlosz gibt der wind manchen harten stosz Kirchhof
wendunmuth 2, 51; ihr alten bäum und ihr noch jungen pflantzen, ringsumb verwahrt vor aller winde stosz S. Dach
im Königsb. dichterkr. 213
neudr.; gleichwie der cederbaum, der, wenn er frucht getragen, des abends durch den stosz der winde niederfällt Hoffmannswaldau 1, 141; die luft sausete und brausete von den rauhen stöszen der winde E. Franciscus
trauersaal (1669) 2, 1001; mit solchen ungewarnten stöszen (
des windes) Bode
Yoricks empfinds. reise 2, 109; (
in der besorgnisz,) dasz ein oder das andere fenster den fürchterl chen stöszen des windes nicht zu widerstehen vermocht habe Pückler
briefw. 2, 296; die ersten stösze des windes fuhren heulend um das haus G. Freytag 6, 95 (
verl. handschr.); ein schleier ihr gesicht umflosz, sie seufzte, wie der winde stosz in winterlichen zweigen Uhland
ged. 2, 248.
besonders als vorboten des gewitters, sonst auch gewitterbö (
th. 4, 1, 3
sp. 6407): endlich kam der erste stosz des gewitterwindes Stifter 5, 1, 80; das rauschen der bäume, die sich den stöszen des gewitterwindes beugten Herm. Schmid
gesch. aus Bayern 334; (
bildlich:) den sturm der revolution (
spüren), der aus Frankreich heraufdrohte und der mit seinem ersten stosz das gewitter, das dumpf über dem engen vaterlande brütete, entfesseln konnte Spielhagen 2, 330. I@4@e@aα)
vereinzelt luftstosz (
th. 6
sp. 1263): in den scharfen stöszen der luft, die durch das offene fenster drang, flackerte die wachsfackel G. Freytag 8, 143; das land war grasbedeckt und blosz, weit. wild, und offen rings dem stosz der luft, die wölbend es umflosz mit einem dach von düsterm grau Freiligrath
dicht. 5, 173. I@4@e@bβ)
in stöszen, stoszweise: wenn in stöszen oder in wirbelungen der sturm ausgebrauset hat Herder 22, 50; der wind blies in unregelmäszigen stöszen G. Freytag 4, 13; der wind wehte in klagenden stöszen durch die öden gassen Spielhagen 2, 408; auf dem meere
[] über das jetzt in pfeifenden stöszen der wind saust 12, 129.
nun mannigfach sich begrifflich erweiternd: (
auf der gasse,) wo in stöszen der regen vom herbstwinde vorbeigetrieben wurde Storm 6, 53; in stöszen trieb der sturm die (
regen)schauer über das land Raabe
hungerpastor 2, 333; ich sah die blassen nachtwolken in groszen stöszen wie erschreckte vögel durch den himmel flattern H. Hesse
Peter Camenzind 136;
auch: in unzählbaren sich überhastenden stöszen fauchte der dampf aus dem schwarzen maschinenschlote G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 45; (
bildlich:) die auswanderung war in verschiedenen groszen stöszen erfolgt Dahlmann
franz. revolution 414. —
vereinzelt mit: der winde tosender wirbel durchstürmt mit pfeifenden stöszen die felder Bode
Montaigne 5, 514; hör mich, du wildnisz, grasbewachsne, grosze, durch die der sturmwind fährt mit jähem stosze Freiligrath
dicht. 5, 12. I@4@e@gγ)
begrifflich isoliert: mit einem male gabs einen unheimlichen stosz uns zu häupten ... wir wuszten nun, dasz der nordwester doch gekommen sei Fontane I 4, 78; bei einer der windungen des weges bekam ich plötzlich einen stosz, der mich fast zu boden geworfen hätte. auf geierfittichen war jetzt der föhn über das joch herabgeschossen Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 72 (
vgl. dazu oben 4,
c).
in der alten erklärung: '
wind, ein ungestümer stosz,
welchen die widerprellenden dünste ... in der luft thun' Zinck 3221; ein stosz um das gewölbe streicht, und heulend singt er überm dache das todtenlied dem grabgemache A. v. Droste-Hülshoff 2, 43.
und so in der allitterierenden wendung sturm und stosz: kein unglück nimmt mir meinen muth, ich will bey glück — und unglückswellen, bey sturm und stosz, bey sonnenschein beständig, unbeweglich seyn Zäunemännin
poet. rosen (1738) 296; das arm schiff ... von dem grausamen mere der groszen stösze und stürme nicht mer erleyden mochte
Arigo 106
Keller (
doch vgl. auch im folgenden wasserstosz). I@4@e@dδ) und durch dieses wegziehen (
der zunge vorn vom gaumen) geschieht der stosz vom aufgehaltenen winde J. J. Quantz
anweisung die flöte zu spielen (1789) 63. I@4@e@eε)
bildlich (
hierher?): eben an diese derbheiten, an diese stösze des zorns und gröblichen witze hatte ich schon bisher den tröstlichen gedanken geknüpft, a. e. könne nicht der verzweiflung, nicht dem wahnsinn verfallen Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 74. I@4@ff)
des wassers (
s.wasserstosz
th. 13
sp. 2518): diese leichten brücken halten indesz den stärksten stosz des wassers sehr gut aus Nicolai
reise 2, 433; bevorab wann sie (
die wellen) weiters noch anlaufen an den felsen hoch, empfahen viel der grimmen stösz, so gibt es gar ein stark getösz Spreng
Ilias (1610) 48
a; dennoch das sichre schiff in stolzer ruhe schwimmet, so lang der wellen stosz den anker nicht entführt Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 47; er sah die wellen mit brausen von der felsenwand in weiszem schaum hinunterprellen, und wie der schaum bey jedem stosz schnell in den ocean zerflosz Pfeffel
poet. versuche 3, 7; mich dünkt, ich und der könig sollten uns so schreckbar treffen wie die elemente von feur und wasser, wenn ihr lauter stosz des himmels wolkge wangen jäh zerreiszt
Shakespeare 5, 229 (
Richard II III, 3);
vgl.: gleich dem wechselnden stosze kämpfender wellen, bricht der tausch der gedanken den gelehrten schaum, und reinigt den trägen sumpf des grübelnden philosophen Herder 18, 386. — (
eine quelle,) die ihre wellen mit zärtlichen mütterlichen stöszen in den bach der jugend murmelt Heinse
w. 3, 166; wie wenn ... das gestaute wasser erst heftiger und in stöszen gesprudelt kommt O. Ludwig 5, 133 (
vgl. oben e, β). — (
technisch)
[] das arbeitsvermögen des wassers: der stosz der wassersäule auf einen quadratfusz (
angegeben)
allgem. deutsche bibl. 53/86
anh. 572.
vgl.: vom stosze des wassers 13, 76; der stosz (
wie sonst oberschlächtig der fall,
th. 3
sp. 1271) des wassers treibt eine mühle;
auch: druck, stosz, fall des wassers Göthe III 8, 217
Weim. I@4@gg) eisstosz (
s. die besondere bedeutungsentwicklung unter II): die schollen rollten, stosz auf stosz, an beiden enden hier und dort, zerborsten und zertrümmert, schosz ein pfeiler nach dem andern fort Bürger 36
b Bohtz. I@4@hh)
stoszende bewegung in einem körper, so: I@4@h@aα)
als herzstosz (
th. 4
sp. 1261): da konnte es (
das mädchen) auch nicht mehr sprechen, seine lippen bebten, sein herz hob sich krampfhaft in kurzen stöszen Stifter 5, 1, 341; sunst vil manigen stosz tett allda mein hertz; von senlichem schmertz chert ich mich umb dick Hätzlerin
liederbuch 127; auf seinen busen legt ich meine hand und fühlte, wie der herzschlag kam und schwand, in stöszen bald, dann wieder träg und lasz A. v. Droste-Hülshoff 2, 99 (
des arztes vermächtnisz);
vgl.: dem Sabin gabs einen gelinden stosz innerhalb des brustfleckes Rosegger
weltgift 395. —
das hinübergleiten in ein bild aus dem kreise von 1: ach des grymmen todes stösze ringent mit dem armen hertzen
der ewigen wiszheit betbüchlin 53
b. —
hierher auch: ein als schrittmesser dienendes uhrwerk gibt in der minute 75 leise stösze Jul. v. Vosz
gesch. m. milit. laufbahn 257. I@4@h@bβ)
von krankheitserscheinungen u. ä.: wie unverdaute speisen aus dem magen gehn, mit zuckenden stöszen Ramler
einl. in die schönen wissensch. 3, 365; das täglich feber sie da hett, das kam all tag mit einem stosz Scheit
frölich heimfart C 4
b; zuweilen gab ihm das mühsam unterdrückte lachen doch einen stosz O. Ludwig 2, 19 (
vgl. dazu unten die ra.: einen stöszt der bock
unter stoszen,
verb. I 1,
c, β). I@4@ii)
metrisch-rhythmisch: im aufhüpfenden gang eines verses, besonders wenn des pentameters abschnitt den stosz vermehrt (
fürchterlich nun sank Roms macht) J. H. Vosz
zeitmessung 124; (
scháue die stíllen gewässer), wo die länge nur durch den stosz des taktes sich hebt 151.
vgl.: werden auch meine cadenzen zierlich klingen? ... und wie sollten sich denn die stösze ausnehmen? Gottsched
schaubühne 1, 81; (
stärker angelehnt an 1:) dazwischen drängen kurze stösze der leidenschaft und zerbrechen den bau einzelner verse G. Freytag 14, 284. —
musikalisch: man könne weder einen ton an den andern ziehen, noch einen ton von dem andern durch einen stosz absondern Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen 1, 2. I@55)
kriegerische unternehmung; angriffsbewegung u. s. w. (
s. auch unten vorstosz): was solls, dasz ich grosz dienst erzell: alt schlachten und reisen gen Appenzell, am stosz gen Sant Gallen ouch darzu, das Ergöw was willig spat und fru Tschudi
chron. helvet. 2, 29. I@5@aa)
im engeren sinne militärischer technik: die würkung des militärischen stoszes
vgl. allgem. deutsche bibl. 13/24
anh. 1365; hat der angreifer über bedeutende reserven zu gebieten, so wird es gut sein, die frischen kräfte stosz auf stosz ... heranzuführen kaiser Wilhelm I.
militär. schr. 2, 223; ein kräftiger stosz mit frischen truppen Häusser
deutsche gesch. 3, 70; ihr (
der truppen Sullas) gewaltiger stosz vom berge Tifata herab, zersprengte den in der ebene aufgestellten feind im ersten anlauf Mommsen
röm. gesch. 2, 322; kraftvoller stosz der bewährten angriffstruppen warf den ... feind aus Iresti und drängte ihn über die höhen ... gegen das Susitatal zurück Ludendorff
am 30.
aug. 1917; die infanterie fing
[] den gewaltigen stosz auf und warf den feind ... wieder zurück
am 17.
aug. 1917; jeder stosz (
des verzweifelt angreifenden feindes) brach an der front unserer tapferen truppen zusammen
am 11.
aug. 1917 (
vgl. auch am 31.
juli 1917); sein (
des eindringenden feindes) schnell genährter stosz wurde in einer ... riegelstellung zum stehen gebracht
am 25.
juli 1917. —
als besondere fälle noch flankenstosz: heftige flankenstösze gegen den flügel der angriffsgruppe (
abschlagen)
Wiener kriegspressequartier in der deutschen ztg. vom 11.
aug. 1917
abds.; gegenstosz (
th. 4, 1, 2
sp. 2269): bei Hulluch ... wurde der feind durch feuer und im gegenstosz zurückgetrieben Ludendorff
am 29.
juli 1917;
auch der feuerstosz,
angriffswirkung auf eine bestimmte stelle durch zusammengefasztes artilleriefeuer: in Flandern lag starkes störungsfeuer, durchsetzt mit einzelnen heltigen feuerstöszen, auf dem kampffelde
am 7.
oct. 1917;
und als einleitung von nachfolgenden infanterieunternehmungen: nach feuerstöszen drangen vielfach feindliche erkundungsabteilungen gegen unsere linien vor
am 10.
sept. 1917.
in diesem bedeutungskreise auch und sich stärker an die fechtersprache anlehnend der (
vergebliche) luftstosz: angriff starker englischer kräfte zum luftstosz (
geworden) 29.
juli 1917. —
immer mehr zu b
hinüberführend: mit heiligem eifer forderte er (
Suworow) die preuszischen generäle auf, sich an dem letzten, entscheidenden stosze zu beteiligen Meinecke
generalf. v. Boyen 1, 49; Pappenheim, ihr müszt gleich wieder aufsitzen und euch mit Pienzenau vereinigen, um Haydeck zu stärken. der hat den ersten stosz zu erwarten, wenns was giebt! Hebbel I 3, 223; wenn das preuszische heer, das sich an der schlesischen grenze versammelte, den stosz ins herz der österreichischen macht wagte, ... Treitschke
deutsche gesch. 1, 109. I@5@bb)
in mannigfach erweitertem gebrauch: mittel, einem solchen gesammelten stosze zu widerstehen Laube 14, 212; und schon im oktober ... übten die kriegerischen ereignisse der zeit den ersten stosz auf Dresden Kügelgen
jugenderinnerungen 23; vielleicht gehört ihre (
der Jazygen) einwanderung mit zu den stöszen, unter denen um die zeit der actischen schlacht das Dakerreich ... zusammenbrach Mommsen
röm. gesch. 5, 197; der kampf war jahre lang mit den waffen in der hand geführt worden, in groszen, immer wiederholten stöszen von nord und süden Nitzsch
deutsche studien 45; das deutsche reich hatte den nächsten stosz des französischen angriffs abzuwehren Häusser
deutsche gesch. 1, 29; vor dem stosze der gebirgsklane zitterte London Fontane I 1, 205; wo vor dem stosz der morgenländischen macht die grundfesten ... gebebt haben Justi
Winckelmann 1, 160; (
Kimbern und Teutonen,) welche gegen das alternde Rom den ersten erschreckenden stosz führen Bernhardt
waldeigentum 1, 8.
sogar: man hoffte, einen höchst erfolgreichen politischen stosz gegen Julian zu führen Hertzberg
röm. kaiserreich 761;
und schon auf rein geistigem gebiete: eyn mechtiger stosz widder die juden und stercke unsers christlichen glaubens Luther 19, 193
Weim. I@66) '
streit, treffen, handgemenge'
; deutlicher unten zusammenstosz,
collisio (
u. s. w.)
und das entsprechende gestösze,
n. (
th. 4, 1, 2
sp. 4243);
zunächst noch ganz sinnlich '
mit den waffen in der hand': ze Ragatz vor dem dorfe da was der gröszte stosz; ir fromen eidgenossen, üwer fröude die was grosz
bibl. ält. schriftw. der Schweiz I 5, 37 (
vgl. Tschudi
chron. helv. 2, 464). I@6@aa)
zwist, zank, streit: hie hedde ouch getzwat stoesz mit der stat, dat hie viant wurde
städtechron. 12, 322;
noch Augsburg. der stusz Schmeller
2 2, 791
und der reichthum paarte sich mit dem ehrgeiz, die armuth mit dem neid. es entstanden parteiungen und stösze Zschokke
ausgew. schr. 4, 195; hielt Ars sein masz, Lex wehr lind, Mars nicht zu bösz, zwischen Ars Lex Mars gebs nicht so stösz Voigtländer
oden u. lieder (1642) 112.
als hintergrund für diesen immer mehr verblassenden gebrauch (
neben dem allgemeinen gedanken '
collisio')
der streit vor gericht (
um einen privaten, nicht öffentlichen rechtsanspruch durchzusetzen),
durchaus ein kampf der [] in festen formen sich bewegenden rede, dem in alter zeit noch leicht ein wirklicher kampf mit den waffen folgen konnte, wie aus der bestimmung von den 360
dietmarsischen eideshelfern bei mordklage (Dahlmann
Neocorus 2, 546)
und der vorschrift, dasz die mitschwörenden im hemde und ohne waffen vor gericht erscheinen sollen (
rechtsalterth.4 2, 499
f.)
noch herausleuchtet; vgl. auch unten: ungestoszen recht sprechen,
vom richter, der über dem streit der parteien steht und in der ausübung seines amtes keinerlei kränkung erfahren darf. I@6@a@aα) einen stosz gewinnen, haben:
der fall, das deheiner mit dem andren stösz gewunne
weisth. 1, 177 (
Berner urbar 15.
jahrh.); wir habend ein stosz mit einandern, darumb bin ich har kummen, mich mit üch zu versnen Tschudi
chron. helvet. 1, 168
b;
vgl.: dann sy hand mit einandren ein stosz Rud. Manuel
weinspiel 2040
neudr. auch: (
es) stund die sach in stöszen Tschudi
chron. helvet. 1, 638
a; und ward derselbig stosz deszmalen uffgeschoben 1, 610. um etwas: als ouch dieselben herren und Heimo von Gruenenberg einen stos hand umb ein frowen (
d. h. einen rechtsstreit, unter welches hofrecht sie gehöre)
weisth. 1, 180;
vgl.: da wolt im unser graf dreuhundert cronen umb geben, so wil er nur (
nicht weniger als) dreuhundert und zwaintzig cronen haben und ist der stosz umb 20 cronen
Fortunatus 37
neudr. I@6@a@bβ)
in verbindung mit dem localen begriff auf,
in hinblick auf die hochgelegene örtlichkeit des gerichts, die gerichtslaube, den gerichtshügel: auf den stosz gehen,
ire in rem praesentem Aler (1721) 2, 1844
b; derhalb schicktend die eidgnossen ire botten uff den stosz, aber si mochten den span nit zerlegen Simler 84
a; darum der aidgenossen boten uf die stosz rittend, und als man die besechen und unser brief verhört, ward erkant, ... J. v. Watt 2, 296. —
dagegen das begrifflich hierhergehörende aufstosz (
th. 1
sp. 751)
eine blosze verstärkung von stosz
in dem sinne von '
feindlich auf einander stoszen': als unser gn. h. herzog Ludwig in vergangener fasznacht einen aufstosz mit dem von Stauff im schlosz zu München auf dem tanzhaus gehabt
landtag v. 1516
s. 335,
dazu Schmeller
2 2, 790;
vgl. auch noch: wo ouch stösze uff lüffend, welcher der geswornen des gerichtes darzu kumpt, der sol die stösze zerlegen mit bett und gebott, mit vollem gewalt als der ammann, und der amman nit da wär. were aber, dasz stösz oder krieg uff giengent, da ein ammann und die geswornen des gerichts daby wärend; mant der amman da die geswornen, da sond si im behulfen sin by demselben eid
urk. v. j. 1436 (
geschichtsfreund 7, 144). I@6@a@gγ)
wohl als rechtlicher anspruch: ob hinfur sein kunigkl. wirde zu den vorgenannten aydgenossen irer lande halben, zuspruch oder stosz gewünnen, dasz dann sein k. mt. die bemelten aydtgenossen zu recht und austrag furvordern muge
urk. zur gesch. Maximilians 305. I@6@a@dδ)
der einzelne streitpunct u. ä.: nymbstu aber eyn weyb und wirst ehlich, so ist das der erste stosz: wo willtu nu dich, deyn weyb und kind erneren? Luther 12, 106
Weim.; vgl. schon: nu lit aber ein verborgne stosz hier inne, der mengen menschen stöszig machet Suso 95
Bihlmeyer. I@6@a@eε)
merkwürdig mit personalem begriffsinhalt: wan zwen miteinander ze stoszen werden, das in ain richter verpeut, das sie miteinander on recht nicht ze schaffen wellen haben, welher dann dasselb gebot bricht mit bewärten sachen ...
österr. weisth. 4, 360,
d. h. '
widersacher in einem rechtsstreit werden'. I@6@bb)
in mehr oder weniger tautologischer verbindung, so neben span (
th. 10, 1
sp. 1867): spän und stösz,
controversias (
habere) Frisius 617
a (
vgl. 423
b); den richteren anzeigen, warum der span und stosz seye,
controversiam constituere Maaler 378
b; ain usztrag zwischen dem haws Oesterreich, seinen undertannen und zugehörigen ains, und gemainen aidtgenossen, iren undertannen und zugehörigen anders tails, umb alle spen und stosz
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 378; als nun abt Gero ... 4 jar lang mit den grafen von Lentzburg ... in stösz und spänen gestanden Tschudi
chron. helvet. 1, 51. —
neben krieg (
als '
zwist',
th. 5
sp. 2216
unter II 1, d,
und insbesondere [] als '
rechtsstreit' II 2): krieg und stösz mit ainandren (
haben) Richental
chron. 115; von der stösz und krieg wegen, die ufgestanden warn zwischen der herzogen von Pairn und der von Augspurg
städtechron. 4, 40;
auch oben die schweiz. urk. von 1436 (
unter 6
a, β). —
neben miszhell,
m. (
th. 6
sp. 2298): wir hand auch die nachgeschriebene drei gesatzt über alle die stösz und miszhelle, die wir miteinander gewinnendt Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 2, 74,
und miszhellung (
sp. 2300): das dehain stosz oder miszhellung ufstünden zwüschen den Costenz und den frömden Richental
chron. 33; were ouch, dasz khain gegen dem andern miszhellung oder stösz gewonne, ward luter uszgedingt, wie man sich darin halten solte J. v. Watt 1, 517. —
neben irrung (
th. 4, 2
sp. 2177): ir wellet meinem sun, dem Andre, in seinen sachen allso hilfleich sein, in wen er ein stosz oder irrung hab, es sei mit gelt oder andern sachen Steinhausen
privatbr. 2, 139. —
neben zwietracht: auch ob zwischen egenanten herren und uns stosze oder zwitracht geschech, da gott vor sey, so ...
lehnsurkunden Schlesiens 2, 392 (
j. 1407). —
dreitheilig: zwiträcht, stosz und miszhellung zwischen (
dem erzbischof von Salzburg und dem dechant zu Berchtesgaden) Lori
baier. bergrecht 51 (
j. 1458). I@77)
in dem sinne von verstosz (
th. 12, 1
sp. 1781
unter 4),
und entsprechend der reichen ausprägung in der verbalen fügung einen aus einem besitz (von sich
u. s. w.) stoszen (
s. unten): der stosz Luciferi ist nicht, dasz er aus seim reych gestoszen sey in ein anders reych der sphAer Paracelsus
opera 2, 113
a. I@88)
in reicher bildlicher verwendung. I@8@aa)
möglichkeiten im bereich von 1,
b (
besonders der fechtkunst)
als bildgrundlage; so verbergen sich fechterausdrücke: das thut abermal einen groszen stos und bezaubert die leut trefflich Luther 32, 509
Weim.; ein groszer stosz contra papatum 11, 213
Weim.; dasz er bei der gasterei den feisten suppen und gebratnen gansen gute stösze geben möchte Kirchhof
wendunmuth (1603) 7, 136 (
d. h. sich ihnen gegenüber als guter fechter zeigen, was tüchtiges im essen leisten, wie sonst er haut bei tisch eine gute klinge
u. ä.)
und so dem sini stösz kenne
n mir,
uns kann er nichts vormachen Martin-Lienhart 2, 616
b; der letzte stosz, mit dem hr. Klotz gegen die römische kunst ausfällt, ist besonders merkwürdig Lessing 8, 57; (
ein band comödien) vom zahn der zeit und der mäuse so behandelt, als sie kaum neuerlich der zahn der critick hätte behandeln können, und wenn selbst Klotz einen stosz auf sie gewagt hätte Lichtenberg
br. 1, 104. —
daneben aus dem kreis von 1,
a: dieser stosz (
die nachricht von der ankunft der englischen macht) musz mich entweder auf immer ruhig setzen oder jetzt gleich zu boden schlagen H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 141 (
Macbeth 5, 5); dein reich ist nur ein zusammengestückelter körper, dessen fugen von einem kühnen stosz auseinander springen Schiller 4, 92; so kann die blose form, wenn auch innerlich schon alles vernagt und wurmstichig geworden, noch eine gute zeit ihr reich hinhalten, bis der stosz kommt, von dem sie zusammenfällt Wilhelm Grimm
an Bang, 25.
apr. 1817 (
bezieh. zu Hessen 1, 34).
daneben vgl. noch den stosz,
welcher ein schiff in seenoth bringt, und den heimtückisch geführten, welcher den sturz eines menschen verursacht. I@8@a@aα) einem einen stosz geben,
ihm beibringen und so seine widerstandskraft schwächen; ihn in merklichen nachtheil setzen; und so von jedweder minderung der macht, des ansehens, einflusses, der gesundheit u. s. w.: ich mein. das sei ein stosz geben omni huic, quod nos selegimus Luther 11, 115
Weim.; ista paupertate hat er ein stos geben omni pompae 29, 670
Weim.; welcher (
der teufel) kan die kunst, das kein artikel des glaubens so gering ist, dem er nicht könne einen stosz geben, wenn er mit dem menschen zu masze und zu werck kompt 6, 72
b; wer das äuszerliche zu eiferig sucht, musz der innerlichen tugend einen stosz geben Chr. Weise
drey kl. leute 237; die neuentdeckte welt gab dem handel einen stosz Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 92; meiner liebe hat er schon einen stosz gegeben: denn ohne ihn wäre das niedliche bischen, die Corally mein C. F Weisze
lustspiele 3, 27; diese künste bringen ihrer kutscher-freigeisterei
[] auf lange einen stosz bei, und helfen zu ihrer bekehrung Tieck
schr. 4, 272; die glückliche wendung der groszen amerikanischen umwälzung wird der continentalen feigheit ... wohl einen stosz ... geben A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 248; es muszte zwischen ihnen beiden irgend etwas vorgefallen sein, was dem verhältnisz einen stosz gab Herm. Grimm
Michelangelo 1, 152; denn die gesatzten zinsen grosz, die thun ihm alle jahr ein stosz Ringwald
lauter warheit 38; und ob biszweil ein unfall grosz, ein christen hoch betrübet, so gibts ihm für der welt ein stosz ... aber für Christi angesicht ists köstlich ...
handbüchlin C 2
b; wann er (
Paris) führ in der höllen grund, so wer mein hertz zu diser stund vil kümernusz und sorgen losz, die mir oft geben manchen stosz Spreng
Ilias (1610) 77
b; zu dem wettlaufen auserkohren, bistu o Nestor gar verloren, dann deine schenckel sind kraftlosz, das alter gibt dir manchen stosz 329
b; ihr meine töchter habt gehört, wes ich mich drinnen hab beschwert, dasz nemblich meinem alter grosz die sorg und müh geb einen stosz Gilhusius
grammatica 2, 1, 37.
im nebeneinander mit entsprechenden begriffen: bedeut, das nachred hart verwund den negsten durch sein falschen mund, gibt im hart stich, zwick, stösz und brüch Hans Sachs 3, 396
Keller. der reale hintergrund tritt deutlicher heraus: und jeder wollte blosz den andern überleben, um noch im sarg ihm einen stosz zu geben Gellert
schr. 1, 147.
vgl.: überlassen sie mir die antwort! einen stosz sollen sie ihm versetzen, aber nicht durch leidenschaft, sondern durch ruhe Göthe
zu Heinr. Voss (
gespräche 8, 288). I@8@a@a@aaαα)
mit adject. bestimmung: das wird ihm und seiner reputation einen groszen (gewaltigen) stosz geben Kramer 2 (1702), 988
a; diesz gab i.
f. gnaden, weil es durch alle lande erschollen, einen groszen stosz Schweinichen 117
Österley; das gibt ... Dennemarck einen groszen stosz, dasz sie nicht leichtlich jemand in krieg- oder friedenszeiten zu hohen ämptern employren, er sey dann ein edelmann oder landkind Schupp
schr. 36; welches bald einen groszen stosz in unser beider freundschaft verursacht hätte Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 2, 455 (dem christenthum Chr. Starke
synopsis 2, 119); dieses mag seinem guten namen den gröszten stosz gegeben haben Arnold
kirchen- u. ketzerhist. 148
a ( Adelung); die herren tatend tröuwen, ir übermuot was grosz, Glarner lagend zwit zerströuwet, bracht inen ein groszen stosz R. v. Liliencron
hist. volksl. 1, 149 (
schlacht bei Näfels 1388); wo das alszo were (
mit Zwinglis behauptung), hett der gut man (
Zwingli) ihm und mir einen herten stosz geben Carlstadt
erklerung (1525) B 1
b (
vgl. Luther 18, 460
Weim.); der tod seiner frauen hat ihm einen harten stosz geben Kramer 2 (1702), 988
a; wodurch (
durch meinen vorschlag) allen geheimen verbindungen ein harter stosz versetzt wird Göthe IV 9, 101
Weim.; was wir seit einem jahre erlebt haben, das hat uns schwer gedrückt, und unsrer gesundheit einen harten stosz gegeben Knigge
roman meines lebens 4, 39; das gibt meiner autorität einen starken stosz Bäuerle
kom. theater 2, 76; dem rufe jemandes einen heftigen stosz versetzen (Laube
schr. 3, 214);
auch: die abschaffung des sklavenhandels hat noch zuletzt der colonie einen neuen stosz gegeben, da ihr ganzer wohlstand ... auf dessen glücklichem fortgange beruhte Ritter
erdkunde 1, 156. — (
wie) dann ferner ihm ... nicht einen geringen stosz gab, dasz er, bey itzigem seinem letzten generalat, des keysers und kriegsraths recommendation gantz nicht beachtet Chemnitz
schwed. krieg 2, 325; weil aber der verläumbdung gift
[] ärger als der schlangen ist ..., gab sie der ruhmswür digen königin keinen geringen stosz Lohenstein
Arminius 1, 303
b; dasselbe (
das glück) kann einem dergleichen gelehrten mann keinen so schweren stosz geben
mediz. maulaffe (1719) 61; fürnemblich gab der unfall grosz Marien den beschwersten stosz Ringwald
evang. G 2
a; diese belagerung hat unserer macht einen gewaltigen stosz gegeben Raupach
dram. w. ernst. gatt. 5, 272 (K. L. v. Haller
restauration 1, 128). —
zuletzt im übergang zu β: dieses nun gab meinem kummer sobald einen tödlichen stosz Birken
Pegnitzschäferey 26; daher ich festiglich glaube, dasz die schandthat des Varus ... der römischen herrschaft in Deutschland einen tödtlichen stosz versetzen werde Lohenstein
Arminius 1, 19
a: (
das geständnisz,) dasz meiner liebe für Italien durch diese reise ein tödtlicher stosz versetzt wird Göthe IV 9, 197
Weim. I@8@a@a@bbββ)
entsprechend herzstosz:
im mehr eigentlichen sinne (
th. 4, 2
sp. 1261
und oben unter 1,
b, β)
und herzensstosz
im übertragen —
bildlichen sinne (
sp. 1240): da Hiob in creutz und widerwärtigkeit gerieth, war sein weib ... das instrument und werckzeug, dadurch ihm der teuffel den härtesten stosz zu seinem hertzen gab Schupp
freund in der not 21
neudr.; verblutet euch, ihr grimme schmertzen, ... gebt stosz um stosz dem treuen herzen
geharnschte Venus 49
neudr. I@8@a@a@ggγγ) mit (
z. th. mit stark hervortretendem bilde): welche (
angenommene lehre Jesu) mit ihrer praetendirenden empfindlichkeit und hertzbewegenden kraft der speculation wenigstens gewaltige stösze gibt, wo nicht gar völlig in grund sigelt Zinzendorf
christ. bedencken (1735) 4 (
vgl. Lohenstein
Ibrahim Sultan 72); dies ist des glückes schertz, so pflegt es zu erheben und endlich einen stosz mit starker faust zu geben Rachel
satyr. ged. 78
neudr.; mit hynder red und lyegen grosz gibt er gar manchem einen stosz S. Brant
narrenschiff 10; so lasz dich nit verlaitten dein sin, das du mich lassest in disen nOetten grosz, wann vater und man tuond mir groszen stosz mit worten hie vor Orenss, diser statt: sy habent mangen schwAeren rat
Friedrich v. Schwaben 1410. I@8@a@a@ddδδ)
absicht oder folge im abhängigen satz angeschlossen: so er (
der papst) teutsche nation also gespalten sihet, trachtet er, wie man ir eynen stosz geben möcht, damit sie gar zuo boden gieng Sleidanus
reden 75; in gemein aber allen teutschen churfürsten und ständen evangelischer religion einen solchen stosz zu geben, dasz sie sich ins künftige nicht leicht wieder erholen könten, lies der keyser ... das edict wegen der geistlichen güter publiciren Chemnitz
schwed. krieg 1, 7; die kälte, so umb selbe zeit manchem guten apfel einen stosz thut, dasz er gantz verfaulet Prätorius
saturnalia (1663) 396;
vgl.: den stier von Ury sol man nit wecken; sin hörner dörfft er fürher strecken und manchem ein sölchen stosz geben, das er bald kem umb sin leben
schweiz. schauspiele 2, 166
Bächtold. I@8@a@bβ)
mit besonderer wirkung: den letzten entscheidenden
stosz geben (Novalis 1, 41); der entscheidende stosz gegen das Falksche system ist denn auch schlieszlich von dieser seite [
den orthodoxen] erfolgt Prutz
preusz. gesch. 4, 468; einem den letzten stosz
ò mordstosz geben Kramer 2 (1702), 988
a; das gab der sachen den letzten stosz Ludwig
lex. (1716) 1879; der teuffel hat zu diesen letzten zeiten in seinem alter noch zwo töchter erzeuget, welche der teutschen vertrewlichkeit und redlichkeit den letzten stosz haben geben, die seynd der subtilste betrug und arglistige lügen Lehmann
floril. polit. 1, 508 (Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3, 60; Butschky
Pathmos 44); ich weisz, es ist der letzte stosz, den ich dem Adrast versetze; er wird seinen kredit nicht wieder herstellen können Lessing 4, 417 (
freigeist 3, 1); das ende der vielgötterei ... schrieb
[] ich Karl dem groszen zu, weil dieser auch im occident derselben den letzten stosz gab Jung-Stilling
w. 3, 171 (
vernünft. tadlerinnen 1, 199; Ayrenhoff 4, 75; beibringen 3, 148); unsere verhältnisse waren fast zugleich zerstört; eine unglückliche geldsache hatte ihm den letzten stosz gegeben Gentz
tageb. 1, 47; den letzten stosz versetzte Alexander von Parma der stadt durch die belagerung oder vielmehr durch die einschlieszung im jahre 1584/85 Moltke
ges. schr. 2, 21; (
die nachricht von der schlacht bei Issus,) die den plänen der persischen admirale den letzten stosz gab Droysen
Alexander der gr. 178; (
ärzte,) welche die krankheit zu entkräften glauben, indem sie dem leben durch blut- und nahrungsentziehung den letzten stosz geben Justi
Winckelmann 1, 413; diese faust ist schon gerüstet, mir zu thun den lezten stosz
geharnschte Venus 108
neudr. auch: die neue gestaltung des fürstenraths ... gab allerdings dem kaiserlichen einflusse auf dem reichstage den letzten tödtlichen stosz Häusser
deutsche gesch. 2, 422 (
vgl.α,
αα). —
im plur.: drumm wil er (
der teufel) sehr durch falsche lehr und ärgerliches leben der gantzen welt, wiesz ihm gefällt, die letzten stösze geben Johann Reichwald
bei Fischer-Tümpel 1, 251. I@8@a@b@aaαα)
als gegensatz vorauszusetzen: der erste stosz: dieses ungewitter war der erste stosz, so dasz glück seiner wolfart geben wolte Prätorius
glückstopf 2; weh darum dem schurken, der deinem unbefangenen zutrauen gegen alles, was mensch heiszt, den ersten stosz gegeben
der arme mann im Tockenburg 2, 165; auch der autorität des Vitruv gab das studium dieser tempel den ersten stosz Justi
Winckelmann 2, 1, 357. I@8@a@b@bbββ)
so auch im umkreis von herzstosz (
vgl.α,
ββ): ich fürchte seinem herzen diesen letzten stosz zu geben Göthe 8, 168
Weim.; dringt mir der letzte stosz zum herzen, so schliesze mir den himmel auf B. Schmolck
im hannov. gesangb. 601, 9.
vgl.: des tôdes stœʒe giengen ir vaste gein dem herzen; sîn tôt ir tôdes smerzen vüegete Heinr. v. Freiberg
Tristan 6568. I@8@a@b@ggγγ)
im sinne von β,
auch mit ellipse des adj. kurzweg der stosz,
d. h. auch der letzte stosz, der gnadenstosz (
s. oben): ja welchs den Deutschen darnach den stosz thet, hatte kaiser Marcus aus Deutschland soldener umbs geld bekommen, die sich wider ihr eigene landsleute und vaterland haben brauchen lassen Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 40
b; welches ... ihm kurz hernach bei dem Nero den stosz thäte, dasz er ins elend gehen und ... gar sein leben lassen müssen Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 2, 299; das giebt uns allen den stosz, wir werden alle ruinirt Tieck
schr. 1, 157; indem ich selbst empfinde, was dir den stosz gethan, und zu der grabesbahn die thüren aufgeschlossen Morhof
unterricht (1682) 2, 401. I@8@a@gγ)
auf der anderen seite einen stosz leiden (
th. 6
sp. 661): es (
testimonium Christi) musz solchen stosz leyden Luther 32, 250
Weim.; expeditiones, welche bisher nicht einen geringen stosz gelitten Chr. Weise
polit. redner (1677) 260; der gute begriff, den sie dadurch von dem herrn professor bekommen, dürfte durch die anmerkung ... einen stosz leiden Liscow
schr. (1739) 148; (
die ahnung,) unsere lustbarkeit werde einen stosz leiden Göthe 19, 26
Weim.; nicht ... gedenken, sonst leidet die freude einen ziemlichen stosz Eva König
an Lessing (13, 418); meine gesundheit hat einen einigen stosz vor etwa drei wochen gelitten J. v. Müller
w. 5, 123; (
Äneas) fuhr aus mit zweintzig schiffen grosz, litt auf dem wasser harten stosz Spreng
Äneis (1610) 1
a u. ö.; [] ach! nun scheid ich, ach! nun leid ich den allerhärtsten stosz Zesen
vermehrter Helikon 3, 60. —
den verbalen begriff hebt stärker hervor erleiden (
th. 3
sp. 899): wie einen groszen stosz die jüdengenossen erlidten, und noch ferner austragen werden, ist offenbar Schönfelt
prognosticon astrologicum (1573) C 4
b; (
die) anwachsende macht des grafen von Savoyen erlitt einen harten stosz Fr. Raumer
gesch. der Hohenstaufen 4, 425; (das hiesige theater Göthe IV 12, 261
Weim.; die sentimentalität Lagarde
deutsche schr. 42); hatte die gesundheit gleich manchen harten stosz erlitten Triller
poet. betrachtungen 6, 419 (
der arme mann im Tockenburg 1, 230); so oft ihm seine frau ein kind zur welt brachte, so oft klagte er, dasz er in seiner nahrung einen empfindlichen stosz erlitte Rabener
w. 2, 65; mag meine zufriedenheit den empfindlichsten stosz erleiden ... J. J. Engel
schr. 2, 321. — (
seine gesundheit,) die wahrscheinlich zu Versailles einmal einen tüchtigen stosz mag erlitten haben Gleim
briefw. 2, 96; ein groszes unglück macht den menschen bei weitem nicht so toll ... wie ein tüchtiger stosz, den die eitelkeit erlitten S. Brunner
erz. 2, 59. — (
die nachricht,) dasz wichtige veränderungen am hofe vorgefallen wären, und unsre feinde einen starken stosz erlitten hätten Heinse
w. 4, 142; (
Holland hat) durch eine reihe von ... unglücksfällen einen unheilbaren stosz erlitten G. Forster
schr. 3, 257; mein glaube an die thiersprache erlitt einen heftigen stosz Holtei
erz. schr. 26, 159 (Caroline 2, 51
Waitz); (
das ergebnisz, dasz) die fehlerhafte gruppirung und zusammensetzung unsrer politischen parteien und fractionen durch die betreffenden verhandlungen einen nachhaltigen stosz erlitten zu haben scheint Bismarck
gedanken 1, 398; (
Brake) erlitt durch das aufblühen von Bremerhafen einen schweren stosz Allmers
marschenb. 413; unser stolz auf den besitz irgend einer guten eigenschaft erleidet einen argen stosz Ebner-Eschenbach 1, 58. I@8@a@g@aaαα)
sonst: die (
kräuter) man aber mit groszer mühe und fleisz säet, setzt oder pflantzt, die werden nicht so grosz, und nemen nicht so wol zu; etliche gehen auch kaum auf, und ob sie schon aufgehn, so nemen sie doch leichtlich ein stosz Alberus
fabeln 12
neudr.; (
die sorge,) dasz mein königliche gewalt endlich auch einen stosz
nehmen dörffte
Simpl. 4, 892
Keller (S. Franck
chron. 496
b;
s. auch Luther
unter γγ). — zwar hatte diese meinung einen gefährlichen stosz dadurch
erhalten, dasz ... G. Forster
schr. 1, 20; der österreichische Josephinismus hat ... einen groszen stosz erhalten Görres
br. 3, 498; bald aber erhielt sein glück den heftigsten stosz, mehrere fehlgeschlagene operationen ... machten ihn unzahlbar Brentano
schr. 5, 317; (
die annahme,) dasz fast alle bisherige exegeten einen groszen stosz dadurch (
durch eine schrift) erhalten 9, 86; besonders erhielt seine gesunde vernunft in dem augenblicke einen empfindlichen stosz, wo er hörte, dasz ... Gutzkow
w. 8, 66 (einen schweren stosz Mommsen
röm. gesch. 3, 32, einen kritischen stosz erhalten Scherer
kl. schr. 1, 150). —
kriegen: die Dellmane krigt einen stosz, die Dellmane ... geht jetzt entehret, nackt und blosz
geharnschte Venus 38
neudr.; einen merklichen stosz
bekommen Lohenstein
Arminius 2, 1145
b; mit derer abzuge der Carthaginienser macht nicht allein eine grosze verminderung, sondern auch Annibals siege einen gewaltsamen stosz bekamen 1, 843
b; als die Römer Gallien und ein stück von Britannien eroberten, bekam die celtische sprache einen heftigen stosz
neuestes aus d. anmuth. gelehrsamkeit 8, 249; doch bekam sie (
die leibeigenschaft) ... einen stosz Cramer
Neseggab 4, 351; meine schwache gesundheit, die neulich wieder durch einen kleinen anfall von blutspeien einen stosz bekam Hölty
an Voss (261
Halm); (
es) bekam diese verfassung einen stosz, von dem sie sich nie wieder erholen konnte Ranke
w. 1, 121. I@8@a@g@bbββ)
auch entsprechend oben β:
den letzten stosz empfingen die handwerker von den fabriken Möser 1, 115;
[] (
Italien in furcht,) woher es vollends den letzten stosz seiner noch übrigen herrschaft zu gewarten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 5, 4; dasz die provenzalische partei ... endlich durch den abfall der mächtigen Sanseverinen den letzten stosz erhielt Platen 3, 12; aber die stellung des ministers, bereits erschüttert durch jene ränke des beamtentums, sollte bald einen letzten stosz erhalten Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 214. — das gesellige leben wird einen tödtlichen stosz erhalten Archenholz
England u. Italien 2, 41; dasz euer innerstes streben einen
tödtlichen stosz erhalten (
wird) E. Th. A. Hoffmann
w. 10, 359. I@8@a@g@ggγγ)
die besondere art des zu grunde liegenden bildes wird angedeutet: da die zeit kömet, das dieses reich auch sol einen stos und fall nemen, so ligts in einem huy alles uber einem haufen Luther 16, 6, 13
Weim.; (
die meinung, dasz unternehmungen) einen gewaltigen stos leiden und zerfallen würden Chemnitz
schwedischer krieg 2, 5 (
vorr.); als nun die schöne Lydia bei uns anlangte, und ich mich täglich in ihrer nähe befand, erhielt meine ganze weisheit einen stosz und fiel zusammen G. Keller 4, 40;
auch: (
der glaube) mag unmerklich wo einen kleinen stosz bekommen haben, und der bau wird schief Willibald Alexis
hosen des herrn von Bredow 1, 46. I@8@a@g@ddδδ)
im plural: stösz leiden,
aerumnis conflictari, agitari Dentzler (1716) 277
b; hie zwischen hat der gemein nutz seltzame stösz erlitten Hedio
chron. germanicum (1530) 143
a;
vgl.: der gesell erhort ain stymme des wachters, der in warnt. sein muot der pran in grymme, sein hertz vil stOesze erarnt Hätzlerin 12.
im gefolge kriegerischer masznahmen '
groszer menschenverlust'
u. a. und so im begrifflichen hinleiten zu niederlage,
strages (
th. 7
sp. 770
unter 4,
a: das niederliegen der vom gegner gefällten, eigentlich zu boden gestoszenen
mannschaft): Quintus Servilius und Attilius Seranus empfiengen von Cimbern vil wohlgemessene stesz; wegen diser schlechten vorsorg man Servilium des burgermaisterambts entsetzt Brandis
des tirolischen adlers ehrenkränzel (1678) 26 (
Simpl. 2, 128); bey Luceria bekam er zwar anfangs wichtige stösze, erhielte aber nachmals einen desto vollkommenern sieg S. Fr. Hahn
einleitung (1721) 1, 198; doch haben die Römer dabey empfindliche stösze bekommen
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 97;
die folgeerscheinung stärker herausgeholt: das königreich Ungern hat durch die zwitracht der könige ... soviel stösz gelitten, dasz es durch innwendige krieg schier gelärt S. Feyerabend
Ungarische chron. (1581) 110
a. I@8@a@g@eeεε)
in der redensart: es gewinnt einen stosz mit einer sache,
sie kommt in verzug, macht keinen fortschritt u. s. w.: und ist alszo ..., das man zum zusagen gneiget, aber in der verfolgung nochlessig; besorge sehr, es werde mit der zugesageten hulf, den Ungern zu schicken, auch einen stosz gewinnen Planitz
berichte (1523) 318. I@8@a@dδ)
die fähigkeit, zu ertragen u. ä. (
vgl. Luther 18, 135
Weim.): (
er) diese beiden stösze (
die nachrichten vom verlust der beiden brüder) mit exemplarischer standhaftigkeit ertrug Bode
Montaigne 1, 12. — einen so schweren stosz zu verschmerzen, fähig Lohenstein
Arminius 1, 406
a; (
das vertrauen,) alle seine stösze ... auszutauern 2, 140
a; unfähig, diesen stosz in seiner liebe auszustehen Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 1, 834;
vgl.: wenn Reinke gleich gantz uoberheufet, von list und boszheit treufet, wolt ich ausstehen nicht den stosz
Reinicke Fuchs (1650) 145.
zuletzt: seine lebensgeister waren zu stark erschüttert, als dasz seine gesundheit nicht unter dem stosze hätte
erliegen sollen Pfeffel
pros. versuche 2, 224. I@8@bb)
als eine spiegelung des vorigen: I@8@b@aα) (
im mehr activen sinne)
feindschaft, feindselige handlung, böswilligkeit u. ä.: wo du nicht bist, herr Jesu Crist, selbst helfer grosz, fürs teufels stosz, so ists ein schertz, umb unser hertz Petri (1604) 1, H 2
a;
[] frey, sicher bist du, so du wilt ... der warheit stets wehrhaften schilt des unglücks stosz fürsetzen Weckherlin
gedichte 1, 362; er (
Christus) wird aus seiner mutter schosz die ärmlein nach uns strecken und erwecken, was für der sünden stosz uns ewig wird bedecken Simon Dach 160
Österley; es soll dir nichts von widerwertigkeit den fortgang deiner güldnen zeit durch einen stosz verderben Schwabe
belustigungen 1, 538;
auch: noch den stosz der letzten krankheit (
fühlen) Günther (1735) 742. —
hierher elsäss.: judenstosz,
hinterlistiger betrügerischer streich Martin-Lienhart 2, 616
b. —
im plural: ich habe jetzt die stösze überstanden, die meine innern verhältnisse mir zufügten G. Forster
schr. 8, 217; den fidelen einsiedler, den das leben mit allen seinen stöszen nicht hatte unterkriegen können Eichendorff
w. 2, 550; durch lange fortgesetzte stösze des schicksals zu grunde gehen Justi
Winckelmann 2, 223; ich bin ein mann, sire, den die harten stösze der welt so aufgebracht, dasz ich bereit bin, der welt zum trotze jegliches zu wagen Schiller 13, 73 (
Macbeth 3, 4;
bei H. L. Wagner
zweitheilig: die niederträchtigen stösze und mishandlungen der welt
theaterstücke 71);
gegensätzlich: denn du warst, als littst du nichts, indem du alles littest; ein mann, der stösz und gaben vom geschick mit gleichem dank genommen
Shakespeare 3, 243 (
Hamlet 3, 2). I@8@b@bβ)
andererseits (
mehr im passiven sinne) '
schmerz, not, mühsal, pein, unglück'
u. ä.: du must sehen, wie Jona zu mut ist in diesem stos Luther 3, 209
a; quod possit consolari yn einem harten groszen stos 34, 1, 173
Weim.; denn es ohn zwaifel aus groszem stosz des hertzens gangen ist, und ihm schwer und sauer worden, sich also ... zu reiszen von allen menschen 50, 144
Erl.; und mitten in diesem zeitraum (
april 1806) ... muszte mich nun der stosz zweier todesfälle treffen
schr. d. Göthe-gesellschaft 17, 164; ja, herr Röver, solch ein stosz als das scheiden eurer frauen ist für euch zwahr viel zu grosz, ... Rist
neuer teutscher Parnasz 246;
vgl. elsäss.: wenn mir numme der stosz nit passiert, dasz ich min geld verlier! Martin-Lienhart 2, 616
b; das ist ihm e stosz,
das ist ein unglück für ihn (
ebenda). —
abgeschwächt: den stosz der verstecktesten zweydeutigkeit nicht ertragen (
können) Bode
empfindsame reise 2, 55; den stosz der veränderung (
fühlen)
Montaigne 6, 310. —
plur.: der selben stösz (
wie die flucht nach Ägypten) wirt sie (
Maria) on zweifel vil meer gehabt haben Luther 12, 410
Weim.; aber gott wolte es so haben, dasz ich fast aller orten muste abwesend sein, wo ich einen verlust erfahren muste, damit er mir die stösze, so mich darüber betraffen, desto schmertzlicher machen möchte de la Mothe Guion
leben (1727) 250. —
tautologisch (
neben puff
im bildlichen sinne, th. 7
sp. 2208
unter 2): doch hat er (
Noah) solcher stösze und püffe oft viel müssen leiden Luther 24, 174
Weim.; wann solch püff und stösz kommen, so müssen wir abermal zuoflucht haben zum wort gottes C. Huberinus
warzu das heilige creutz nutz und gut sei (1535) C 5
a. —
neben anfechtung (
th. 1
sp. 329): wenn nu viel stosze und grausam anfechtung herfallen Luther 18, 488
Weim.; das sie bey und an dem herrn Zebaoth bleyben und nicht abfallen durch solche stösze und anfechtunge 23, 506
Weim.; in sollicher anfechtung und stöszen Joh. Kessler
sabbata 148. — disz frische volck thet den rodiser herrn den stosz und
schaden H. Müller
türck. historien (1563) 72
b; (
die juden klagen,) unsere eltern seien ihrer eltern stosz und
verderben gewesen Conr. Vetter
der Lutherischen schräckengast (1599) 44; sterben — schlafen — nichts weiter! — und zu wissen, dasz ein schlaf das herzweh und die tausend stösze endet, die unsers fleisches erbtheil — 's ist ein ziel aufs innigste zu wünschen
Shakespeare 3, 233 (
Hamlet 3, 1);
[] vgl. dreitheilig: das herzensach, die tausend stösz und quaalen Herder 5, 255. I@8@b@gγ)
in dem sinne von anstosz (
th. 1
sp. 486) '
ärgernisz': es hat mir dis manchen stos gegeben, das Christus sich also schwach mit den seinen stellet gegen seinem predigtampt Luther 33, 247
Weim.; allain dasz sich der pabst Paulus tercius wider den kayser ubl gehalten, welichs der christenhait ain groszer stosz ist Georg Kirchmair (
fontes rer. austr. I 1, 523); der eigennutz, der ist zu grosz, derselbe sie verblendet: der thut am hofe groszen stosz, und hohe häupter schendet
Reinicke Fuchs (1650) 109. —
rein gehörmäszig: so kan man doch nicht wohl einen solchen sprung über die 2 folgenden modos wiederholen, ohne dem ohre einen empfindlichen stosz zu geben Heinichen
generalbass 883. — ein zusatz ist ein stosz, ein ergernusz Luther 10, 3, 172
Weim.;
vgl.: so wirds dem hertzen meins herrn nicht ein stosz noch ergernis sein
1. Sam. 25, 31. I@8@b@dδ) stosz,
welcher die feste überzeugung eines über den haufen wirft: '
zweifel, irrsal'
u. ä., vgl.: ist nu yemand, der so schwach ist, das er den stosz nicht hat mügen tragen und zweyfelt am sacrament, der las yhm raten und bleybe die weil on sacrament und ube sich sonst ym wort gottes Luther 18, 135
Weim.; sage myr, wie mag eyn eynfeltig hertz solche stosz leyden und ym glauben bleyben? 10, 1, 1, 579
Weim.; als dreigliedrige tautologie: stosz, zwifel oder irsal
rechtsalterth.4 1, 23 (
quelle v. 1370). —
hierher wohl auch die ra.: etwas hat keinen stosz,
ist ohn zweifel, ohn hindernisz, hat keine gefahr u. ä.: mein sach belib verswigen, ich komm dann in eren oder in jämer grosz: so hat es kain stosz, ir werdent es gewar
Friedrich v. Schwaben 1702
Jellinek. I@8@cc)
anlasz, anreiz, antrieb, anregung u. ä. (
s.anstosz
th. 1
sp. 487);
mannigfache möglichkeit des ausgangs, so vom stosz
ans zünglein einer wage, vgl.: die zunge bebt in der wage bei dem unverleiteten menschen, aber das kleinste gewicht reiszt sie nieder, und ein unbedeutender stosz entwickelt mächtige leidenschaften Sturz
schr. 1, 133;
vgl. auch das sprichwort ein stosz macht ein ding lang schwanken Wander 4, 884. —
vom richtungsstosz (ein neuer richtungsstosz für die menschliche vernunft Lessing 10, 322): wenn es gott nicht gefallen hätte, ihr (
der menschl. vernunft) durch einen neuen stosz eine bessere richtung zu geben 10, 310. —
von gröberem: der geringste stosz wirds fallen machen,
la minima spintarella lo farà cascare Kramer 2 (1702), 988
a; dasz es auf diesem standpunkte ... nur noch eines leichten stoszes bedurfte, um das geschichtliche des vierten evangeliums vollends umzuwerfen Strausz
schr. 3, 14,
und von dem heimlich mit dem ellenbogen zur anregung geführten stosz. I@8@c@aα) darumb war es nicht ein schlechter noch geringer stos, das Pilatus höret, so er Christum los lasse, sey er des keisers freund nicht Luther 28, 369
Weim.; an dieser stelle, die dem ganzen gange der erfindungen, wissenschaften und bildung des menschengeistes so viel stosz gegeben Herder 6, 356; nachdem aber die bekanntschaft mit den Arabern und ihren morgenländischen dichtungen ... den stosz gegeben hatte, so standen bald auch bei uns minnesinger auf
Eunomia 1 (
nov. 1801), 407; sein geistiges naturell, das einen merklichen stosz oder wenigstens einen besonderen schwung erhielt während seines aufenthalts in Frankreich E. Th. A. Hoffmann 13, 140;
vgl. noch: die gottheit hat heut mein leben von neuem berührt und durch die leisesten töne hindurch zittert der allmächtige stosz Tieck
schr. 8, 55. —
auch hier in seiner besonderen wirkung der
erste stosz: und so gut diese überstarken eindrücke ihrem ersten stosze nach waren, um aufzuwecken, um ewigen ton zu geben ... Herder 4, 87; und so war meistens auch nur der erste stosz christlicher missionen recht lebendig 14, 315; man müsse bedenken, dasz es darauf angekommen sei, mit nichts, ohne fonds, den ersten stosz zu geben G. Forster
schr. 7, 251; der erste stosz musz einen zuwachs
[] erhalten W. v. Humboldt
schr. 1, 26 (
s. auch im folg.). — so geschiehet es, dasz, wenn wir aus einem affect beten, und daher denen worten einen nachdruck geben, zugleich das herze dabei einen
neuen stosz bekommet Chr. v. Wolff
der menschen thun und lassen (1720) 508; die sonderbare musik gab dem immer wieder von vorne anfangenden ... tanze bei jeder wiederholung einen neuen stosz Göthe 21, 183
Weim.; diesz (
zureden) gab ihr den letzten stosz Triller
poet. betrachtungen 2, 234.
zusammen mit entsprechenden begriffen: (
ein gott allein kann wirken, was) sie durch fremden zug, druck und stosz gethan haben Schubart
leben und gesinnungen 1, 2; er ... sei's gewesen, welcher dem neffen den ersten stosz und schub auf der laufbahn der 'gelahrheit' gegeben habe W. Raabe
hungerpastor 1, 144. I@8@c@bβ)
zweck oder folge weiterausgemalt: (
die seelenstärke,) den ersten stosz zu deinen guten und schlimmen handlungen zu erforschen Lavater
physiogn. fragm. 1, 177; der despotismus, der keinen willen auszer dem seinigen, kein wirken auszer demjenigen gestattet, wozu er den ersten gewaltsamen stosz verlieh G. Forster
schr. 4, 113; nun musz entweder die natur oder der geist den letzten grund des daseins eines ... produkts enthalten, oder den ersten bestimmenden stosz zu dessen hervorbringen geben Fr. Schlegel
w. 5, 68. — dasz ihr ihm den ersten stosz gegeben habt, eine schäzung der ausländer in vorschlag zu bringen Klopstock
gelehrtenrepublik 416; diese dunkeln empfindungen brauchten nur einen stärkern stosz, um seinen verstand zu verwirren Klinger
w. 3, 117; fähigkeiten, welche nur den stosz eines äuszern verhältnisses erwarten, um sich nothwendig und unaufhaltsam zu entwickeln G. Forster
schr. 5, 63. I@8@c@gγ)
die ursache im gen.: da ich jeden stosz des beispiels empfand, ... Schubart
leben u. gesinnungen 1, 107; dasz weder liebe zur neuen noch hasz gegen die alte religion die ursach dieser schwerfälligen veränderung ist, sondern nur der stosz einer äuszeren gewalt Schleiermacher I 5, 8; so kumbt im dann der ruwen stosz S. Brant
narrenschiff 67, 30; so manche welt erscheint! wer dieses recht erkennt und überlegungsvoll im geist dabey verharret, fühlt der verwundrung stosz Schwabe
belustigungen 2, 40. I@8@c@dδ) sich einen stosz geben,
einen entschlusz fassen, der einem nicht leicht wird; etwas wider innere neigung, nur mit innerem zwang thun: aber einmal muszte es doch sein; er gab sich einen stosz und machte sich an das trockene geschäft Polenz
Grabenhäger 1, 329; mehr als einmal hatte er sich einen stosz gegeben, um dahin zu kommen, wohin er wollte Löns
werwolf 119. —
besonders aber: seinem herzen einen stosz geben ( Adelung); der arme pursche hatte endlich nach manchem kampfe mit sich selbst, nach langem hin- und herwanken, seinem herze einen stosz gegeben und sich auf den weg gemacht J. C. Wetzel
Herrmann und Ulrike 1, 367; habe also meinem herzen einen stosz zur dankbarkeit gegeben G. Freytag
an Hirzel 62;
in älterer sprache: ob sie vielleicht irer seelen wolten einen stosz thun, etwan mit einem langhärichten thaler
discurs vom zustande der kipper und wipper (1621) B 3
b; er muste seiner seelen einen stosz thun und auf folgenden tag zur reise anstalt machen Chr. Weise
drey klügsten leute 15. IIII.
gegenständlich. II@11)
besonders in technischer sprache. II@1@aa) (
bei den schneidern)
ein zeugstreifen, zur verstärkung unter den saum eines gewandes gelegt (
weil man damit auf die erde stöszt),
die schmutzkante (
s. auch: gestösz,
th. 4, 1, 2
sp. 4244): stosz unter dem rock (
Vorsfelde)
handschriftl. mitth. von Hoffmann v. Fallersleben ( Adelung);
vgl. ndd.: stoot,
ein streif leinwand, vorsetzel an den weiberröcken zur schonung des saums Schütze
holst. id. 4, 205;
ostfries.: stôt (stote),
der untere saum eines langen frauenkleides ten Doornkaat Koolmann 3, 330
a. —
auch: der stosz am hemd (hemed-
oder pfaedstous) Schmeller
2 2, 788. —
in der älteren zeit oft kostümlich besonders ausgestaltet, [] so an Gargantuas kleid: das schön gepräm, die fransen, ... bendeln, gestepp, gebord, die stösz daran
Gargantua 174
neudr. II@1@bb)
ostfries.: stôt (stote),
spitze eines schuhes, stiefels, auch der darauf gesetzte flicken (ten Doornkaat Koolman
a. a. o.)
liegt wohl begrifflich voraus dem stosz,
caliga Frisius 175
a,
eine art halbstiefel; vgl. ebenda ein gattung stiffeln oder stöszen (999
b). II@1@cc) (
holztechnisch)
die längenverbindung zweier hölzer; sind sie mit rechtwinklig verschnittenen hirnflächen aneinander gefügt, so ist dies ein stumpfer
oder grader stosz,
bei schrägen hirnenden ein schräger stosz,
bei doppelter gehrung ein grad-
oder gehrungsstosz Bucher
kunstgewerbe 387
b;
auch: anstosz Karmarsch-Heeren
3 8, 574 (
schon bei Fischart
belegt oben th. 1
sp. 487),
vgl. noch Helfft (1836) 349. —
hierher rückt wohl die vielerklärte stelle: sîniu schif si (
die zimmerleute) worhten sô si beste kunden. die wende zuo den stœʒen wurden wol mit silber gebunden
Kudrun 264, 4,
gewisz in übereinstimmung mit den funden '
die stelle, wo die längsseiten des schiffes zusammenstoszen;
die steven'
; vgl. noch in der Neuenheimer schiffersprache beim bootsbau stosz (što
us,
pl. šte
is)
das zusammentreffen der enden von den bodenbörden, der festigkeit wegen jeweils unter einer '
korwe'
gelegen Sütterlin
zs. f. d. wortf. 6, 72. II@1@c@aα)
sonst seemännisch stosz (
schwed. en stöt,
dän. et stöd,
holl. een stoot)
ein stumpfer absatz an einem holz oder eisen Bobrik 671
a,
und hilft vielleicht erklären: ach wie kam ich in dieses schiff? es grauset mir; ich kann nicht schwimmen: hilf, hilf, ein sail, stosz oder griff; ach weh! nu hab ich auch das grimmen Weckherlin
ged. 1, 516. II@1@c@bβ)
bei der eisenbahn ruhender
und (
gegensätzlich) schwebender stosz
zwischen zwei schienenschwellen Karmarsch-Heeren
3 3, 63; v. Alten
handb. 4, 271. II@1@dd) stosz
an der säge: die seite des blattes, nach welcher die schräge seite der zähne steht Bucher
kunstgew. 387
b (Mothes 4, 276). —
das eisen im hobel. II@1@ee)
als selbständiges geräth. II@1@e@aα) stösze (
plur.),
eiserne nägel mit breitem, langen haken, welche auf jeder seite des rungstocks eines wagens (
da wo der stoszring
des rades an den tragring stöszt)
eingeschlagen werden Adelung; der stosz (stöszel)
am pfluggrendel, ein vorstecknagel, durch welchen der pflug höher oder tiefer gestellt wird Schmeller
2 2, 788. II@1@e@bβ)
bei der jagd, wie unten stosznetz Adelung. II@1@e@gγ) stosz,
der stoszkarren,
so elsäss. als voranestosz Martin-Lienhart 2, 616
b. II@1@e@dδ) '
picke, hacke, karst'
in elsäss. gerackelstosz
ebenda (
zu elsäss. rak
ele
n '
heftig hin- und herbewegen'). II@1@ff)
entwickelt aus rückstosz (
th. 8
sp. 1378): stosz,
der hintere, dicke theil einer kanone, an welchem die traube und das zündloch sich befinden Muspratt
chemie 4, 2001 (
boden eines mörsers Adelung);
bei den vorderladern auch der boden der seele v. Alten
handb. 2, 354;
auch: stosz
einer am boden verstärkten bombe Hoyer-Kreuter 1, 737;
die stösze
der guszeinsätze Muspratt
chemie 8, 1529. —
der hintere theil der radnabe, wo sie an die achse stöszt Adelung. —
für die entwicklung des technischen begriffes vgl. frühen (
bildlichen)
gebrauch bei Luther: laszs ein groszen stosz sein contra illos, qui legibus volunt homines justificare 14, 123
Weim.; so haben wir hie ym propheten Jeremia ein mechtigen, starcken stosz wider die jüden und gar ein trefflichen groszen trost für uns christen 20, 569
Weim. II@22)
der stosz,
eisstosz, eisdecke über einem flusz: congelatio, vulgariter steus
quelle bei Schmeller
2 2, 788;
etwa zunächst das so bewirkte zusammenstoszen
der beiderseitigen fluszufer, wodurch ein übergang ermöglicht wird (?),
vgl.: als balds im winter gefrur und die Thunau gesties, so zogens über den stos mit herskraft Aventin 2, 597. —
i. j. 1532) fing es an zu schneien, machet ein groszen schne, und kam ein solche grosze urwerige kelten drein, das ein stosz vom sontag pisz an mittwoch früe, der stosz an allen orten trug, ...
städtechron. 15, 126;
im strengen winter 1490
kam der stosz der Iser
[] gar gen Freysing
quelle bei Schmeller
2 2, 788; den 4. bis 5.
d. bildete sich ein sehr unverläszlicher eisstosz ... soeben hat das publicum den übergang über den eisstosz ertrotzt (
Pesth, 7.
jan. 1838),
allgem. ztg. 111 (
ebenda); bei Vilshofen fährt man mit den gröszten lastwägen über den stosz
Passauer quelle von 1841 (
ebenda).
insbesondere: die Donau ergosz sich ao. 1172, den eisstosz zu heben, zu einer so fürchterlichen höhe, dasz sie zu Chrems an einigen orten über die mauer weglief (
quelle ebenda),
so dasz er bricht und aufgeht; deshalb der stosz geht,
die eisdecke löst sich ab und schwimmt fort, auf beträchtlichen strömen (
besonders da, wo der gewaltigen masse brücken entgegenstehen)
eine grosze naturerscheinung Schmeller
a. a. o. wenn geht der stosz und wasser geust, sölch gweltig holzwerg als weg fleust Schmeltzl
lobspruch 67. (
eine weibliche person) ist von einem schwimmenden stuck eis auf den festen eisstosz und dann ans land kommen, worauf der ganze eisstosz zugleich aufgangen und mit groszen krachen gebrochen
Alt-Öttinger quelle von 1698
bei Schmeller
2 2, 788,
und so (
neben dem vorigen)
auch der stosz geht auf
bei Adelung,
der im übrigen unser wort nur auf den eisgang bezieht (
wenn die schollen mit heftigkeit an schiffe und mauerwerk stoszen),
also in begrifflicher berührung mit dem gebrauch bei Bürger 36
b Bohtz (
oben unter I, 4,
g) —
auf (
nur geringe)
möglichkeit des zusammenhanges mit unten III
weist: allwo sie vermerckten, dasz das eis ... auf hohen stöszen dicht auf einander stunde
M. Krämer
leben und tapfere thaten (1681) 511. II@2@aa)
näher liegt dagegen für die erklärung stosz '
die anhäufung auf einem (
gefüllten)
getreidemasz',
so neben oben gupf: '
das getraidmasz wird (
in Salzburg)
mit einem streichstab abgestrichen, mit hintanlassung des stoszes und gupfes,
es wird also nicht mehr gerüttelte oder gehäufte mäszerei gegeben'
lexicon von Bayern 3, 28 (
vgl. Schmeller
2 1, 988),
oder an stelle von abstosz (
s.abstoszen,
th. 1
sp. 132),
was das über den maszrand hinfahrende streichholz herunterwirft? vgl. dazu bildlich einem einen abstosz thun, machen,
ihn im gewerbe beeinträchtigen Schmeller
2 2, 790;
s. auch unten 3. II@2@bb) der stosz,
dickgewordene, geronnene milch Schmeller
2 2, 788,
vgl. dazu unten stoszsuppe,
f. II@33)
im anschlusz an eine waare abstoszen (
th. 1
sp. 132 '
sie in den handel bringen') der abstosz,
vertrieb einer waare, handel; besonders salzabstosz (
th. 8
sp. 1709). II@3@aa)
dagegen zu einstoszen,
verb. (
eine waare verpacken, th. 3
sp. 314,
unter 6): (
bürger,) die den stosz haben und mit dem salz arbeiten Lori
bergrecht 41,
d. h. die verpackung des salzes überwachen; hierher die ebenda (
vgl. Schmeller
2 2, 791)
belegte zusammensetzung chrotelstosz:
zu krotte '
traggefäsz, korb',
s. th. 5
sp. 2424?
oder zu vgl. chröttig '
unrein' Tobler 121),
also dann '
verpackung von schmutzsalz' (
wie scheibstosz,
die verpackung von scheibsalz
th. 8
sp. 2396). —
eine andere möglichkeit bietet um ladinisch croda '
fels'
sich gruppierendes krotz,
m. (
th. 5
sp. 2424),
danach etwa '
steinsalzverpackung'. II@3@bb)
das so verpackte salz selbst (
oder entsprechend dem folgenden kufe [
th. 5
sp. 2532
unter II, 2]
das dazu dienliche gefäsz?): dann als viel zeit her in der maas des stosz und völle der kuffen zwischen gemeiner fertiger (
welche die spedition des salzes besorgen, th. 3
sp. 1553
u. th. 8
sp. 1714) und der stadt und verwohnten des salzes zum Hallein irrung gewesen Lori
bergrecht 296 (
z. j. 1569). II@44)
als grenzbegriff (
entwickelt aus an einander, auf einander stoszen,
vgl. dementsprechend oben anstosz,
th. 1
sp. 487,
elsäss. ufstosz,
ende eines ackers, der auf die längsseite eines anderen feldstückes, einen sogen. anwander stöszt Martin-Lienhart 2, 616
b);
erhalten als flurname am stosz, vorm stosz,
wo die äcker aneinander stoszen Kehrein
Nassau 3, 567,
so denn auch stoszberg, stoszfeld. — stosz
als landesgrenze Buck
flurnamenb. 271.
tirol-bayr. collect. das gestöz (
th. 4, 1, 2
sp. 4244
unter 5),
wo zwei äcker ohne dazwischenliegenden rain zusammenstoszen Schmeller
2 2, 788. —
elsäss.: gegenstosz,
wo die schmalseiten zweier äcker zusammenstoszen Martin-Lienhart
a. a. o. [] II@4@aa) (
eine entwicklung des vorigen)
: die an den grenzen der dorfmark gelegene gemeinweide, vgl. Buck
flurnamenb. 271;
vgl.stosz,
theil einer wiese zwischen zwei furchen Martin-Lienhart 2, 616
b. —
dann auch das recht, den viehtrieb auf dieser weide zu nutzen, so in der Schweiz das recht, eine kuh auf die alp treiben zu dürfen A. Feierabend
schweizerische alpenwelt (1873) 223.
weiterhin auch zur berechnung des nutzungswerthes einer bestimmten weidefläche, indem man eine kuh oder sieben schafe auf einen stosz,
ein pferd aber auf vier stösze
rechnet (der stosz
zu einem werthe von 30
fl. genommen);
bei Frisch 2, 340
a werden die Glarner alpen z. b. auf 13000 stösze
geschätzt, vgl. Adelung,
dazu ein stosz '
ist so viel, als man für eine kuh den ganzen sommer über braucht, und dergleichen stösze
sollen die stoszalpen 9000
enthalten' J.
M. Aufsprung
reise durch einige cantone der eidgenossenschaft (1784) 61. II@4@bb)
hierher bergmännisch stosz '
die markscheide in den gruben, wo die zeche ein ende hat' Junghans
gräublein ertz E 4
c; Schönberg
berginformation 2, 93. —
dann überhaupt '
die grubenwand'
; vgl. stösze '
die zwei kurzen seiten in einem schacht' (
ebenda);
und so denn jede seitliche begrenzungsfläche eines grubenbaues (Veith 469): '
die den grubenräumen zuströmende frische luft überzieht die kühleren stösze
der grubenstrecken mit thau' Muspratt
chemie 6, 491;
seitenfläche des stollens Mothes
baulexicon 4, 276;
als ende einer '
strosse' Junghans
a. a. o. II@4@b@aα) (
bei den brunnenbauern)
entsprechend dem vorigen '
seitenwand eines brunnen' Mothes
a. a. o. II@4@b@bβ)
in einer ähnlichen entwicklung wie unter a: stosz '
die angriffsfläche eines baues zur weiterführung der bergmännischen arbeit',
so in den wendungen: stosz halten, '
ihn in grader richtung weiterführen, grade weiter arbeiten' Veith 470 (
vgl. Schönberg
a. a. o.; in keinem stosʒ ausbrechen noch ausschrämen [
s.schrämen
th. 9
sp. 1626
unter 2
d],
den schacht der länge und weite nach gleichmäszig abteufen Herttwig
bergbuch 386
b),
und stosz fassen,
einen neuen abbaustosz herstellen (
ebenda),
und so immer mehr in dem sinn von oben stollen 3 (
sp. 203): im vermessen obberührter massen soll der bergmeister ... vierzehen lachter in den obern und vierzehen lachter in den untern stosz, alles nach der läng geben Lori
bergrecht 446 (
z. j. 1619). II@4@b@gγ)
entwickelt aus dem vorigen: stosz
ein tagewerk in der arbeit des abteufens Veith 470. II@55)
landungsplatz für schiffe (
vgl.ans ufer, vom ufer stoszen), scheffstosz
an der Donau 1349 Buck
flurnamenb. 271. II@66)
zweifelhaft bleibt in falkenstosz (
flurn.),
ob mit Buck
a. a. o. an den ort zu denken ist, wo eine vorrichtung für beizübungen der jagdfalken sich befindet. erwägenswerth auch falkenstosz 2 '
netz zum falkenfang' (
th. 3
sp. 1271,
s. auch oben II, 1,
e, β),
also '
platz, wo solcher fang ausgeübt wird'; (
vgl. auch schnepfenstosz,
platz, wo schnepfengarne aufgestellt werden, th. 9
sp. 1315);
seine herrichtung als schütte (
th. 9
sp. 2105
unter 3),
wo man luder zum köder auslegt und zugleich den fangkorb aufstellt: was darzuo dienet, das federspill ze fahen an dem stosz oder schütten und korben beraiten Steinhöwfl
spiegel menschl. lebens (1479) 79
b. II@77)
im anschlusz an anstosz geben (
vgl. th. 1
sp. 486),
der stosz
an einer gemalten oder getünchten wand, der sich von der übrigen malerarbeit fehlerhaft durch hellere oder dunklere farbe unterscheidet Schmeller
2 2, 788. II@88)
gebrauchsweisen, die zu III
hinüberführen. II@8@aa)
beim vogel die steiszgegend, aber nicht völlig gleich oben storz (
s. auch steisz),
so schon im 16.
jahrh. bei dem Österreicher Herberstein
als küchentechnischer begriff (
als theile eines gebratenen schwanes): was die khryppen (
die langen gewölbten brustbeine, th. 5
sp. 2324) und stosz gewest, hat man andern (
geringeren gästen), so auch in der stuben saszen, fürgesetzt (
bei einer moscowitischen hoffestlichkeit)
font. rer. austr. I 1, 125,
und so auch noch bei Adelung.
dann mit stärkerer hervorhebung des darüber liegenden federkleides: ein herzerquickendes schauspiel für das auge des waidmanns, wenn der fasanhahn in die luft stieg, dann in grader linie abstrich, im glanze seines prächtigen gefieders, mit dem langen stosze Polenz
[] Büttnerbauer 343; und zärtlich morkend sagte er (
der schnepfenhahn) ihr (
der schnepfin) die schönsten sachen über ihre wunderschönen dunklen seher, über die blitzenden silberspitzen ihres stoszes Löns
Mümmelmann 18;
auch heraldisch: unter dem stosze des adlers (
bei einem österr. fünfkreuzerstück)
Frankf. journ. 9.
april 1872 (
beil.). II@8@bb)
die keule eines hammels (schöpsenstosz Adelung)
oder kalbes; als kälberstosz
nach Adelung
obd.; kalbsstosz
nach th. 5
sp. 60
in Sachsen. II@99) immenstosz '
bienenschwarm' Martin-Lienhart 2, 616
b; dann gewisz ye gröszer der haufen (
der bienen) ist, ye stercker oder gröszer der stosz oder schwarm auch würt Eppendorf
Plinius (1543) 179; hinauszen ungezeimet sich waget unser stosz (
die schwärmenden bienen) Spee
trutznachtigall (1649) 137.
eigentlich '
was der alte stock
abstöszt'
und dann zu vgl. oben II, 3 (
s. auch unter stoszen,
verb., III),
vgl. noch im folgenden. II@1010) (
wahrscheinlich ursprünglich jägerisch) ein stosz hunde,
ein deutscher ausdruck für das aus dem franz. übernommene meute (
th. 6
sp. 2164:
dieses wieder aus vulgär-lat. *movita,
zu lat. movere '
bewegen');
unser ausdruck zu erklären als '
was und soviel der hundezwinger ausstöszt',
doch weiterhin von dem fremden worte völlig erstickt: etlich stadthundt ein ebner stosz, die sahen einen dorfhund grosz; dem liefens alle fleiszig nach und jagten in, dieweil er floch Burkard Waldis
Esopus 2, 63, 1 (
vgl. auch 3, 89, 21); (
der tolle bauer von Schrobenhausen) bracht der hund zsam auf fünfzig par und all mal zwen zsam kuplen war, und besteltt einen groszen flosz: darauf stelt er den gantzen stosz hund und fuhr darmit darvon Hans Sachs 9, 265
Keller-Götze; von jung und alten, klein und grosz lauft durch einander ein groszer stosz, schwartz, graw, rot, gescheckelt und weiszen A. Glockendon
bei Montanus 488, 16
Bolte; kompt in ein stat ein frembder hund, so lauft ein gantzer stosz zu stund und schmecken im hinden für das loch 490, 41.
oder angelehnt an die entwicklung unter II 4
a. IIIIII.
als collect. concret. in der bedeutung '
geschichteter haufe'
; ansätze oben unter eisstosz (II, 2), viehstosz (II, 4,
a)
und immenstosz (II, 9),
genügen aber nicht zur völligen erklärung. mit dem bedeutungsgehalt des zusammen, ineinander, hingestoszenen nähert es sich dem etymol. ausgangspunkt von oben stollen,
m. (
aus vorgerm. *stud-lón,
s. oben sp. 200).
zur bedeutungsentwicklung vgl. noch bosze,
m. f. '
flachsbündel' (
th. 2
sp. 268),
auch flachsbosze (
th. 3
sp. 1702),
und böszeln,
verb. (
zum deminut böszel '
kleines bund',
von denen mehrere erst eine bosze
ausmachen),
gewisz zu boszen '
tundere, percutere'
gebildet und wohl mehr mit rücksicht auf die durch zusammenstoszen
erreichte feste umschnürung (
als auf den technischen vorgang des flachsbrechens);
einiges licht gewährt auch noch bayr. zwigestôszt,
mit abwechselnd stehenden spitzen geschichtet Schmeller
2 2, 788. III@11)
von geschichtetem holz, holzstosz (
th. 4, 2
sp. 1782): ein stosz holtz Tucher
baumeisterb. 35; wenn eine ledige dirne will wissen, ob ihr liebster werde gerade oder krumm seyn, die soll am weyhnachtheiligen abend an eine klafter oder einen stosz holtz treten und rücklings ein scheit ausziehen; wie das scheit ist, also wird auch der liebste seyn J. G. Schmidt
gestriegelte rockenphilosophie 1, 195; eine kurtze leiter auf einen stosz brennholtz (
setzen)
Simpl. 2, 422
Keller; mir einen stosz holz von jungen eichen (
versprechen) Göthe 44, 211
Weim.; auf einen stosz frischgeschnittener bretter (
sich setzen) Fontane I 2, 535; eine holzschneidemühle mit ihren mächtigen stöszen von klötzen, brettern, pfosten Polenz
Grabenhäger 2, 139. —
die herrichtung: do liesz die stat dann stösz aushawen und kolen prennen
städtechron. 2, 327; item so liesz ich zwaihundert 14 stösz holtz auf dem wald hawen und setzen
[] Tucher
baumeisterb. 80; holtz auf stösze auf einander schlichten Ludwig (1716) 1879 (Kramer [1702] 2, 988
a);
wenn die witterung zum holzfahren ungünstig, '
so kann er das gesinde zu hause lassen fleiszig holtz spalten und die stösze setzen'
haushalt-lex. 1, a 2
b; locker aufgebaute stösze von leicht verbrennlichem holze Lichtenberg
verm. schr. 7, 394. —
insbesondere: diesen stosz ... anzünden Lohenstein
Arminius 2, 245
b;
als scheiterhaufen: der, den mein degen setzte auf Constantinus thron, setzt mich auf diesen stosz! der fürst, vor den mein blut aus allen adern flosz, schenkt mir disz holtz zu lohn! Andr. Gryphius
trauersp. 67; von wilden gluthen nicht umzogen, ragt des stoszes gipfel noch hervor Körner 2, 152. III@22)
von büchern u. s. w.: ein stosz bücher,
congeries librorum Frisch 2, 340
c; stösze von büchern schreiben
allgem. deutsche bibl. 7, 2, 159; einen stosz bücher und schriften Hippel
lebensläufe 3, 1, 252; einige stösze ungebundener bücher ... liegen in der ... stube umher Iffland
theatr. w. 1, 257; einen stosz von büchern unterm arm (
tragen) Gutzkow
w. 2, 183 —
actenstosz: wollte ich an die wissenschaften gehen, so brachte mir der secretair einen stosz von akten H. v. Kleist 5, 152
E. Schmidt; einen stosz briefe von gelehrten aus neuerer zeit Hoffmann v. Fallersleben
schr. 7, 65; ein stosz briefe expedirt Holtei
erz. schr. 38, 34; einen stosz von telegrammen und briefen (
bei der rückkehr vorfinden) Moltke
schr. 4, 314. —
auch: stets lagen stösze von forderungen, gnadengesuchen und gnadenspenden in der kaiserlichen hofkammer zu Wien aufgespeichert
verhandl. der schles. fürsten 6, 261; wie oft ... habe ich die geschichte der kunst abgeschrieben, und wieviel stösze von den ersten entwürfen! Winckelmann
bei Justi 2, 2, 75; die stösze von papieren ..., die sie bei uns vollkleksten! Holtei
erz. schr. 7, 14; unter seinen (
Campes) stöszen von manuscripten war mein polnisches memoire versteckt geblieben Laube 1, 154; so werde wöchentlich ein stosz tragödien öffentlich verbrannt! Platen 2, 393; III@2@aa)
in mehr ausmalender schilderung: sein studium waren die partituren groszer männer, die er immer in ganzen stöszen vor seinem bette aufgethürmet hatte Schubart
leben 1, 129; (
es) häufte sich ein stosz gewaltiger liebesbriefe an G. Keller 5, 125; in hohen stöszen waren werthpapiere aufgehäuft Ebner-Eschenbach 3, 135; der amtmann hinter einem ungeheuern dintenfasse und stöszen von papier und büchern Eichendorff 3, 14; er ist wie vergraben in einen stosz ... von akten Holtei
erz. schr. 3, 209; stösze von akten lagen um ihn her Gutzkow
ritter vom geiste 5, 97. III@2@bb)
seine weitere befestigung: (
ich will) sogleich ein paar tüchtige stösze von meines herrn versen zusammenbinden E. Th. A. Hoffmann 15, 43; dann band er die bücher in stösze und legte sie in eine bereit stehende kiste Stifter
w. 3, 276;
vgl.: ein geburtsgeist, den von der Lachesis empfangenen lebensfaden seiner durchl. um ein stosz bücher aufwindend Heräus
ged. u. inschr. (1721) 204. III@2@cc)
mit adject.: diese innere hertzensseuftzer seynd anjetzo meine beutelseuftzer; es ligt davon bey mir so ein groszer stosz beysammen und auf einander, dasz ich alle gewürtzgewölber allhie auf etlich jahr damit mit lauter stanetzlen versehen kan Abele
selts. gerichtshändel vorr. 2 a; einen groszen stosz gedruckter glückwünsche auf den geburtstag eines seiner gönner Rabener
w. 4, 323; einen groszen stosz der Gerstenbergischen verlassenschaft in die hände (
bekommen) Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 195; ein staatsmann, der seine eben eintretende musze dazu anwendete, meine arbeit mit eben der ruhe und gelassenheit durchzulesen und durchzudenken, als wenn er grosze stösze acten vor sich gehabt hätte Göthe IV 21, 393
Weim.; eines tages brachte mein gatte einen groszen stosz von schriften in mein zimmer und reichte sie mir Stifter 5, 1, 191. — die hohen stösze von romanen Schopenhauer
w. 2, 624. — dicke stösze von manuskripten Holtei
erz. schr. 22, 31;
[] die frucht von so viel arbeit ist, dasz man im dicken stosz verworrner acten liest? A. G. Kästner
verm. schr. 1, 84. — die schwersten stösze poetischer schriften Schwabe
belustigungen 1, 66. — ganz ansehnliche stösze von handschriften ... dem staube und motten ewiger vergessenheit (
preisgeben) Müller
Siegfried von Lindenberg 1, 184; ein ansehnlicher stosz bücher G. Keller 2, 11. — ein ziemlicher stosz davon (
von schriften) in kurtzer zeit (
als fidibus) verbraucht Schwabe
belustigungen 1, 175. — einen ganzen stosz von sonetten und andern dergleichen der artigsten werke (
zu hause haben) Petrasch
lustspiele 2, 421; ganze stösze von schulexercitien Jac. Grimm
an Dahlmann 1, 38; die herren studiosi schrieben ganze stösze von heften, dasz zweimal zwei vier sei Hauff
w. 2, 40; ganze stösze von briefen O. Ludwig 1, 348; ein ganzer stosz von handschriftlichen aufsätzen Meinecke
generalfeldmarschall v. Boyen 1, 77; in süszer einsamkeit, ... wo kein verwirrter stosz unsinniger folianten von ämsger thoren hand, die nie die wahrheit kannten, die edeln stunden raubt Cronegk
schr. 2, 141. III@2@dd)
neben manuscript: (
die nachwelt,) die aus stöszen und manuscripten eines autors oft nur einzelne bogen mit unpartheiischer hand herausreiszt, und auf sein grab zur fahne des nachruhms pflanzet Herder 4, 233. III@2@ee)
als sinnfälliger ausdruck für den begriff '
menge': die gegenwärtige (
ode) aber erhebet sich über den stosz gemeiner fliegender blätter so sehr ... Herder 1, 112. III@33)
kaufmännisch, besonders von zusammengelegten tuchen: hinter einem stosz engelischer tuche
polit. maulaffe (1679) 16; einen stosz servietten (
mitbringen) Raupach
dram. w. kom. gattung 4, 344;
hierher auch: einen stosz waaren zum kaufe (
vorlegen) Göthe
gespr. 4, 122. —
und schon mehr maszartig: die kleider, rein zusammengelegt und in gehörige stösze abgetheilt Stifter 3, 275. III@44)
technisch, so müssen in den thonbrennereien '
die ziegel lothrecht gestellt werden, damit die stösze fest stehen' Muspratt
chemie 8, 835; Karmarsch-Heeren
3 9, 291. — stosz,
im steinbruch mehrere lagen stein übereinander. —
bergmännisch legt sich das ertz in stöszen an Mathesius
Sarepta 64
b. III@55)
von halmbündeln u. ä. und ihrer weiteren schichtung: einen ganzen stosz tropische pflanzen Chamisso 5, 348; nun läst der landmann manchen stosz von warmen und von weichen mosz den ziegen in die ställe streuen Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 2, 438. (
hierher?): darumb, das man die untern zwölff garben, derer eher in ein gevierdten stosz zusammen gericht, mit den obern dreyen ... zudecket Mathesius
Sarepta 168
a (
oder zu II, 1,
c?). III@66)
besondere erwähnung verdient noch els. baräckelstosz '
schweinestall' (
erläutert durch das demin. von baracke,
f.) Martin-Lienhart 2, 616
b;
eigentlich '
unordentlich gebautes haus',
d. h. '
nur wie ein holzstosz hingeschichtet'
oder mit durchscheinen eines sonst verdunkelten bedeutungsgrundes. III@77)
als arbeitsleistung und entwickelt aus III, 1
und 2;
auf dem wege dahin: wenn ich nicht einen stosz arbeit vor mir liegen sehe, werd ich dumm Holtei
erz. schr. 19, 180.
die neue bedeutung besonders ndd.; vgl.: se heft hüt en gooden stoot dran daan,
sie sind heute mit der arbeit weit fortgeschritten Schütze
holstein. id. 4, 205,
und danach auch: en stoot wegs; et is nog en gooden stoot hen,
ein noch ziemlich weiter weg (
ebenda); eenen stoot slapen
u. ä. (
ebenda).
vgl. auch oben II, 4,
b, β und γ.