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verstoszen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verstoszen verb.

Bd. 25, Sp. 1781
verstoszen, verb. II. schon ahd., besonders bei Notker, in ausgedehntem gebrauch: farstôʒan, impellere, depellere, propellere, repellere, impingere, offendere, resultare Graff 6, 732; auch in der verstärkung aba, ana, dana, nider, ûʒ farstôʒan 733. in reicher bedeutungsverzweigung mhd. verstôʒen mhd. wb. 2, 2, 666f.; Lexer 3, 253 f.; Diefenbach gloss. 5c, 220a, 390c, 465b, 483a, 490a, 493b, 497a; voc. 1482 ii 8a, kk 2a; nhd. Frisius 6b, 11b; Maaler 433ab; Alberus kkijb, iija; Calepinus 398b, 1161b; Stieler 2180; Kramer 2, 991bc; Dentzler 313b; Adelung, Campe. obd. mundarten verstossen: schweiz. Seiler Basel 113b, Staub-Tobler 1, 911; elsäss. Martin-Lienhart 2, 617b; schwäb. Fischer 2, 1365 f.; bair. Schmeller 2, 791. md. verštouszen luxemb. wb. 467b. altsächs. farstôtan, impingere Gallée vorstudien 425; mnd. vorstoten Lübben-Walther 526a; vorstoten, propellare, refutare Diefenbach gloss. 465b, 490a; brem. ostfries. pomm. verstöten brem. wb. 4, 1054; Doornkaat 1, 468b; Dähnert 527b; waldeck. ferštauten Bauer-Collitz 31b. mnl. verstoten Verdam 639a; nl. verstooten Kilian 605b. I@AA. trans. rection. I@A@11) am meisten verbreitet ist die gehässige bedeutung 'eine person von sich stoszen', die sich mit verwerfen berührt: den sie etwa verächtlich verstoszen und verworfen hatten und ihn verlachten weish. Sal. 11, 15. Wilmanns gramm. 2, § 126 führt sie nach dem muster von got. fra-wairpan auf eine fra-type zurück; ahd. virstôʒit, praecipitat Steinmeyer-Sievers gloss. 2, 74b; virstoʒan pin, propellor 600b; bei Notker häufig: diu er geskûof ferstôʒet er ûʒer sînemo rîche, eliminat 1, 290, 10 Piper; nhd. intercessorem abjicere, den widersächer .. verwerffen oder verstoszen Frisius 6b; verstoszen, verjagen, vertreyben Maaler 433a; kinder, liberos abdicare; sein weib verstoszen, divortium cum uxore facere; braut verstoszen, sponsam repudiare Stieler 2180; Kramer 2, 991b; Frisch 2, 342a. man verstöszt eine person, wenn man ihr den bisherigen schutz, die bisherige liebe und versorgung auf eine gewaltsame weise entzieht, besonders wenn diese entziehung mit einer unterbrechung aller persönlichen gemeinschaft verbunden ist Adelung, Campe. mundartlich wohl im ganzen sprachgebiet verbreitet. mhd. von Narbôn grâf Heimrîch alle sîne süne verstieʒ, daʒ er in bürg noch huobe lieʒ, noch der erde dechein sîn rîcheit Wolfram Willehalm 5, 17; dur daʒ sî mich sô wandelbæren vant, mîn wandel und ir wîsheit mich verstieʒ Hartmann v. Aue in minnesangs frühling 206, 4. nhd. verbirg dein antlitz nicht vor mir, und verstosze nicht im zorn deinen knecht psalm 27, 9; derhalben so sie von wegen der unbilligkeit angeklagt werden, vertreibt und verstösst sie die oberkeit Agricola-Bech bergwerckbuch 18; ward Benedictus ... abgesetzt, entsetzt, verbannt, und mit glocken ausz allen landen geleut, und mit brinnenden kertzen verstossen Franck chron. Germaniae (1538) 230; Schweinichen ist ein alter fürstl. diener und ein gut mann, er kann ohne genugsame ursachen nicht verstossen werden Schweinichen 479; als nun zwar Rhascuporis ... den fürsten Cotys als ein huren-kind zu verstossen bedencken hatte Lohenstein Arminius 2, 115b; bald aber Nero sich verkert, Octaviam, sein gmahel, verstiesz Sachs 7, 394, 10 Keller; nicht eure Recha mehr? — gott! ihr verstoszt sie! gebt ihr ihren christennamen wieder! verstoszt sie meinetwegen! (die tochter) Lessing 3, 175 (Nathan 5, 657); so lasz sie fallen und verstosze mich (die priesterin), verbanne mich zur strafe meiner thorheit an einer klippen-insel traurig ufer Göthe 10, 85 Weim. (Iphigenie 1958); was ist dir? so verschlossen feierlich empfängst du mich — entziehst dich meinen armen, als wolltest du mich (die braut) lieber ganz verstoszen? Schiller 14, 84 (braut v. Messina 1796); ich bin ihnen nichts schuldig und doch wollen sie mich (den treuen diener) verstoszen? Lessing 2, 183 (Minna 1, 8); ungehört verhallten die klagen der getreuen Ansbacher, die in verzweifelten adressen den könig baten, er möge sie nicht verstoszen Treitschke deutsche geschichte 1, 229. 'verleumden': ein böses maul verstoszet redliche weiber, und beraubet sie alles, was ihnen sauer worden ist Schupp schriften 312. häufig wird die stätte oder stelle bezeichnet, deren man verlustig geht, von der man vertrieben wird. in älterer sprache mit genetiv: des raths verstossen, abdicatus consulatu Alberus kkiija; daʒ er mich ir (von ihrer seite) nie verstieʒ und mich sô güetlîchen lieʒ mit der juncvrouwen eʒʒen Hartmann v. Aue Iwein 361; jâ mac mit êren nu mîn lîp ergetzen diʒ werde wîp, daʒ ich se hulde mîn verstieʒ (aus meiner gunst) Wolfram Parzival 271, 1; wurdent sie durch deinen engel des paradeisz verstossen Aimon (1535) r via; ettlich warden ihrer empter verstoszen und der statt verwisen Hedio Phil. de Comines (1551) 18. gewöhnlich mit präpos.: das si (die abgefallenen engel) den menschen abgeziehen, das der mensche ir stat nút ervolge, dannan ab si verstossen sint Tauler 374, 7 Vetter; Lucifer ist vor gottes angesicht verstossen Moscherosch insomnis cura 70 neudr. gewöhnlich steht aus und von: ausz einis gesellschafft vertriben und verstoszen werden, extrudi ab aliquo Maaler 433b; einen von seinem vätterlichen erb verstoszen, expellere e patrimonio a; daʒ ir mich nû verstieʒet sô gerne ûʒerm lande Heinrich v. Veldeke Eneit 259, 4; und verstosz mich auch nit von dir in deinem zoren, deinen knecht Sachs 18, 120, 37 Keller-Götze; do der kúng David von sinem kúngrich was verstoszen Seuse 36, 6; ich bin von deinen augen verstoszen psalm 31, 23; wie kompts dann, dasz man die münch von aller guten gesellschaft verstoszt Fischart Garg. 389 neudr.; er hätte ... seine kinder ... aus der erbschafft verstossen Grimmelshausen 4, 722 Keller; du siehest wohl, dasz du aus der väterlichen gnade verstossen bist Weise comödienprobe 56; wie du .. dein arme seel .. von der höchsten würdigkeit der kindschafft gottes ... verstossen Abraham a S. Clara 2, 316; verstoszen hab ich ihn aus meinem herzen Schiller 12, 523 (M. Stuart 2848). Adelung zieht jemanden aus dem rathe, aus oder von einem amte stoszen statt verstoszen vor; dem entspricht der heutige brauch. mit richtungsbestimmung: ins elend verstoszen, mittere in exilium Dentzler 313b; Frisch 2, 342a; und will den von mitternacht ferne von euch treiben, und ihn in ein dürres land verstossen Joël 2, 20; (gott) hat sie mit ketten der finsternisz zur hölle verstossen 2 Petr. 2, 4; das sie yhre söne, töchter und freunde nicht mehr sollen oder mügen yn klöster und stifft verstoszen und aus dem hause und gutt weysen Luther 15, 28 Weim.; Rheam aber verstiesz er in ein closter Stumpf Schwytz.-chron. 146b; als sie mich jetzo auff die galeeren verstossen haben Sohle Don Kichotte 290; wie viel hochwohlgebohrne seelen würde ich nicht unter den pöbel verstossen Rabener 2, 94; ir etlich er gar würgen hies und ir vil ins ellent versties Sachs 2, 138, 22 Keller; wie wol ich manchen herten straiff ervaren hêt, des hab ich klain genossen, seyd ich ward zuo dem stegeraiff mit baiden sporen seuberlîch verstossen Oswald v. Wolkenstein 13, 3, 4; da kam der Venus kindt, bracht eine kron von myrten vor meinen lorbeerkrantz, verstiesz mich zu den hirten Opitz teutsche poemata 14 neudr.; weggenommen ist dir dein reich, und hinab zu den thieren bist du verstoszen! Klopstock Messias 11, 351; in die wildnisz hinaus sind des waldes Faunen verstoszen Schiller 11, 78; dem zufall beliebte es, seine jugend in schmutzige hütten, ställe und scheunen zu verstoszen Göthe 21, 193 Weim.; sobald man uns ... in ein amt verstöszt, wo uns alles, was wir gelernt haben, unnütz ist Nicolai Nothanker 1, 109. nominalformen. subst. infinitiv: abdicatio, repulsa, das verstossen Alberus kk iija; nuhn aber in seim (Lucifers) verstossen, ist sein schein ein finsternusz geworden Paracelsus opera 2, 262 b; die frau kann vom manne verstoszen werden ... das verstoszen ist sehr häufig Ritter erdkunde 4, 644. part. präs.: als treulos ich das theure land verliesz, wo mir, wie nirgend sonst, die freude blühte, mich selbst verstoszend aus dem paradies voll freundesliebe, holder frauengüte Lenau 76. ausgedehnter ist der gebrauch des part. prät. in prädicativer wie attributiver stellung: hie vor was ich ein engel klar, nu bin ich vorstoiszen gar Alsfelder pass. 5, 152; wir (juden) liegen in grossem zwang, von got verstossen gantz und gar Sachs 1, 172, 20 Keller; ich sasz eínsam und verschmachtet, weil mich der, der lieben soll, liesz verstoszen und verachtet Gryphius lustspiele 189; sieh die schmach, o bruder, deiner schwester! mich verstoszen, mutter dieser fünfe! Göthe 2, 50 Weim.; ins öde kloster sahst du dich verstoszen hier an den grenzen der belebten welt Schiller 152, 484 (Demetrius 2, 1); 'verstoszen', antwortete Kohlhaas, indem er die hand zusammenknickte, 'nenne ich den, dem der schutz der gesetze versagt ist' Kleist 3, 183. attributiv: der arme junge lewe gieng elende und betrübt als ein verstossen wayse aus seinem erblichen reich Luther 26, 548 Weim.; die hierdurch höchst-bekümmerte mutter und freundschafft kamen mit ihrer beschimpften und endlich gar verstossenen tochter für den Varus Lohenstein Arminius 1, 61b; Origenes sagt: seine zeitgenossen hielten die warmen quellen für heisze thränen verstoszener engel Göthe 412, 54 Weim.; das unglück und die erniedrigung .. machten aus dem unklar verliebten irrgänger einen verstoszenen liebenden Keller 5, 46. substantivisch gebraucht: reprobus, verstossener Diefenbach gloss. 493b; der verstossen, verdammt, reprobus Dentzler 313b; das gelübd einer witwen und verstossenen, alles wes sie sich verbindet uber ire seele, das gilt auff ir 4 Mos. 30, 10; also bleibt der verstossene (Esau) zu hause, der gesegnete (Jacob) musz ein .. exempel der gedult .. an sich erkennen lassen Weise comödienprobe, Esau u. Jacob, vorrede; aus Nazareth begab sich der verstoszene nach Kapernaum Herder 19, 166; ich bin eine nichtswürdige verstoszene, die durch kleine kunstgriffe die schande von sich abzuwehren sucht Lessing 2, 325 (Sara 4, 5); ich allein der verstosene, ich allein ausgemustert aus den reihen der reinen Schiller 2, 117 (räuber 3, 2); ich habe lange mit meinem schicksal gegrollt und hatte stunden, wo ich mir vorkam wie ein verstoszener Freytag 3, 78. der verworfene ist verachtet als sittlich heruntergekommener mensch, der verstoszene einsam und verlassen; er kann auch völlig unschuldig sein schicksal tragen Eberhard-Lyon syn. hdwb. nr. 1420. I@A@22) selten ist die verbindung mit sächlichem object: 'hart von sich weisen, verwerfen'; schon Campe bezeichnet verwerfen als gewöhnlicher, das heute ganz zur herrschaft gelangt ist, vgl. Eberhard-Lyon ebd. eine gabe ausschlagen: das ... sie die cron schlechterdings mit undanck abweisen, und ohne alle recompens ... verstossen wolten Chemnitz schwed. krieg 2, 12; der prîster ouch daʒ gût verstieʒ passional 517, 16 Köpke. üblicher übertragen: der knappe nie den muot verstieʒ, er tæte swaʒ sîn sweher hieʒ Rudolf v. Ems Barlaam 151, 11; nun habt irs für recht zugelossen, darnach für unrecht gar verstossen, nun habt ir weisz und schwartz geredt Fischart S. Dominic. leben v. 1590; musz denn Amaryllens weinen, Amaryllens schwere pein ganz und gar verstoszen sein? Fleming ged. 1, 434; so wird man seine güte loben, die unsre bitte nicht verstoszt Haller ged. 232 Hirzel; darumb ist in disser epistell mechtiglich vorstossen und vordampt alle naturliche weyszheytt, aller menschen vornunfft, aller heyden kunst, alle menschliche lere und gesetz Luther 101, 1, 527 Weim.; dann er seine selbst eigne, dir verlihene gnaden verstossen, und verwerffen wurde Guarinonius greuel, dedicatio 3b; ich weisz nicht, welches von beiden, ob gewissen oder ehre, er am frechsten verstiesz Kretschmann 4, 151. in noch anderem sinne: man könne nicht ohne schande .. des vaterlandes die angeborne .. muttersprache ins elend verstossen Schottel friedens sieg 59 neudr.; man mus nichz aus der sprache ferstossen, was darin zu sein ferdint Klopstock über sprache u. dichtkunst 1, 302; gar manches wird ausgesprochen, gedruckt und an den tag gebracht, welches demohngeachtet geheim bleibt; man übersieht, verkennt, verstöszt es Göthe II 51, 403 Weim.; Locke .. liesz einen beweisgrund für die gottheit fahren, den Cicero selbst .. nicht verstoszen wollte Herder 23, 137; er verstöszt alle mittel, welche man ihm empfiehlt Campe; so wird gleich der allgemeine name germanisch .. verstoszen J. Grimm kl. schriften 4, 67; die aufsichtsbehörde ist namentlich befugt .. die sonst in verbindlicher weise getroffenen bestimmungen zu verstoszen hypotheken-bankgesetz (1899) § 4 abs. 2. part. prät.: alles wird durch lust gerüret. wir nur gönnen unsre zeit der verstosznen einsamkeit Fleming ged. 1, 417; da mein nun verstosznes sehnen unaufhörlich rache schreyt Stoppe Parnasz 258. mit abhängigem satze: damit will ich nit verstossen, das du sant Peter ain eer thüest Luther 103, 282, 3 Weim. I@A@33) ähnlichen sinn weisen einige seltene arten des gebrauchs auf. I@A@3@aa) 'ausstoszen': das mörwasser, ob es wol nicht das mitvermengt saltz iergends hin kann auszwerffen oder verstoszen Sebiz feldbau 17; unser 'frischeste' also, und, was die poesie beibehielt, 'reineste', hat kein e eingesezt, sondern es nur nicht verstoszen Voss zeitmessung 75. vom bilde des hirsches, 'abstoszen': bin gleichwol kein jüngling, der eben aufbrauszt, hab die ersten hörner lang verstoszen Musäus physiogn. reisen 2, 21. I@A@3@bb) 'aus der richtung stoszen', wohl nach dem muster verschlagen (sp. 1086f.) in der poesie gebildet: o wähnend lieben, liebeswahn, allmächtiger magnet, verstosze nicht des sängers kahn, der stets nach süden geht Bettine frühlingskranz 262; der könig Karl fuhr über meer mit seinen zwölf genossen; zum heil'gen lande steuert' er, und ward vom sturm verstoszen Uhland ged. 1, 270. an dasselbe vorbild (sp. 1089) schlieszt sich ein mhd. verstôʒen 'den ausschlag geben, etwas verschlagen' an mhd. wb. 2, 2, 666b; manige rede und manic wort wart dâ von in zwein gehôrt, die nuwit ne verstieʒ Herbort v. Fritzlar 16682. I@A@3@cc) werthgegenstände 'von sich abstoszen, aus noth verkaufen': etwas verstossen von seinem hauszrath, suppellectilem cogi vendere Frisch 2, 342a; sein hausgeräth, kleider, wäsche, bücher verstoszen Adelung, Campe; so noch Anton, Oberlausitz 5, 12; ja, es ist wohl ehe geschehen, dasz königl. oder fürstl. personen in der theurung haben ihre kleinodien verstoszen, und ein stück landes nach dem andern versetzen müssen, damit es ihnen an nahrung nicht fehlen möchte Sperling Nicodemus (1719) 2, 301; gemeiniglich trifft das unglück den gutsherrn zuerst, dasz er, durch die last der processe ermüdet, sein gut verstoszen müsse Rabener 3, 138; er ward daher ein für allemahl des festen sinnes, seine bibliotheck zu verstoszen, wie grosz auch sein schade seyn möchte, wann er sich nur von seines eydams anforderungen los machen .. könte Besser 1, xcix; sein vorrath ist aufgezehrt, und er musz borgen, oder geräthschaft und kleidung verstoszen Kretschmann 5, 157. dieses nur im 18. jh. belegte verstoszen ist aus der gaunersprache aufgenommen, wo es wie verschärfen 'gestohlene sachen im einzelnen verkaufen' bedeutet, zu stosz 'ungezählte menge, gesamtbetrag eines diebstahls' Avé-Lallemant gaunerthum 4, 611; stoszen 'gestohlenes gut wissentlich ankaufen' Kluge gaunersprache 409. es ist auch in die studentensprache eingedrungen vgl. John Meier hallische studentensprache 16; ebd. ein studentenlied von 1790: gestern ist das letzte vierteljahr verflossen, da der alte gelder schicken musz, sollt er auch den letzten rock verstoszen. älter, aber ebenfalls veraltet ist die wendung schulden verstoszen, an einen andern abstoszen; gegeneinander umwechseln und ausgleichen Heyne; verstossen oder an einanderen stossen, wenn einer seine schuld gegen einem anderen schuldner verstoszt oder abwächszlet, oder einem anderen zalet und schuldner stellen daran der schuldforderer kommen mag, delegare; eim seine schulden an einanderen verstossen, nomina transscribere in alios Maaler 433a; Dentzler 313b. ähnlich im 14.—15. jh. leute mit gesuchen oder anforderungen an andere, auf anderes verweisen, nur schwäb. bezeugt: darumb si mich mit irn briefen an die ambtlude ze Gemunden verstossen und gewiset hande Augsburg. quelle v. 1343 bei Fischer 2, 1365 f.; daʒ wir .. unser eliche wirtinne .. uf diu vorbenemten guot weder bewiset haben noch verstossen ebd. 1366. I@A@44) die bedeutungen 'zerstoszen, stoszend verbrauchen, bestoszen, stoszend beschädigen' sind zum theil noch lebendig. verstoszen für zerstoszen noch obd.: schweiz. Seiler Basel 113b; elsäss. 'zerkleinern' Martin-Lienhart 2, 617b; schwäb. Fischer 2, 1366. seltener nd.: ostfries. Doornkaat 1, 468b; allen pfeffer, zucker verstoszen Campe; in einen weiteren platz, sahe ich einen groszen scheiterhaufen pastetenbecker uber einander ligen, denen ein teuffel die köpff in mörsern und klingelsteinen verstiesze Moscherosch Philander 1, 389; etliche fassen den most in ungebichte fasz, und thun darzu verstoszen spat ausz Alexandria Herr feldbau 99a; damit sye sich aber bey dem leben erhielten, nammen sie dasselbig harte brod verstoszen, lieszen es mahlen und also machten sie suppen darausz schwäb. quelle des 17. jhs. bei Fischer 2, 1366; (radius) fractus, verstossen, verbrochen Diefenbach gloss. 483a. noch obd. 'vertheilen, zertheilen': schweiz. mist ferstosse, da und dorthin, nach allen seiten schaffen, auf dem grundstück vertheilen Seiler Basel 113b; schwäb. 'auseinander stoszen': das gras, das heu Fischer 2, 1366; zugen des nachts dahin, versties den zeug, das si in vier haufen aller erst nach sechs orn, da es heller liechter tag was, vor der stat zusamen kamen Wilwolt v. Schaumburg 88. 'bestoszen, stoszend beschädigen': also dasz wir zwischen zweien stülen in die eschen grub möchten nider sitzen, und von allen enden verstoszen werden Fischart binenkorb 109a. besonders von körpertheilen: das du lichte út din füsse an keinen stein verstôssest (offendas) ältere Zürcher bibel (zeitschr. f. d. wortforschung 2, 167) Luc. 4, 11 (Luther: stossest); schon Notker: niê du dînen fuôʒ neferstôʒʒest an den stêin 2, 386, 9 Piper; ir müeʒent iuwer fûlen zene verstôʒen anders denne ûf ime Konrad v. Würzburg troj. krieg 2432; ein feind würde sich auch so leichte nicht an ein land reiben, wo er .. ehe an den steinen als schilden ihm die stirne zu verstoszen hätte Lohenstein Arminius 2, 728a; wird noch mancher nach vierzehn tagen den kopf ver; stoszen an den mauern von Tübingen Hauff 1, 100 — bis ihm ein wilder stier die hüfte verstiesz; es hat mir .. mein herz verstoszen Silberstein bei Sanders ergänz.-wb. 530a. noch modern schwäb.: er will den kopf nicht verstoszen und ist darum fügsam; sie hat den ellenbogen verstoszen, ist schwanger; der hat (sich) die nase, den arm verstoszen Fischer 2, 1366. bei thieren: weiset sein (des hirsches) alter auch die stumpffe derer schaalen, welche er, zumahl an steinigten orthen ... vorne stumpff gehet, so, dasz sie anzusehen, als wären sie mit der raspel verstoszen Göchhausen notabilia venatoris (1741) 33; die flügel .. reichen .. bis an das stets verstoszene .. ende des .. schwanzes Naumann naturgesch. d. vögel 1, 156. subst. inf.: durch das .. verstoszen des gefieders, scheint .. der schiefergraue grund hervor (bei der blaumeise) 4, 64. im gemeinen leben sagt man, ein pferd habe eine ader verstoszen, wenn es sie durch einen fehltritt verrückt hat Adelung, Campe. von gegenständen: verstoszene ermel, maniche usate, trite Kramer 2, 991b; elsäss. 'durch stoszen beschädigen', z. b. die hosen durch reiben, die ecken eines buches Martin-Lienhart 2, 617b. besonders in der form des part. prät. wohl allgemein verbreitet: da das haus noch sehr verstoszen und zerbrochen war Schütz hist. rer. prussic. (1592) 2, Q ivb; vergnügte sich der mond damit, die alte verstoszene mauer mit neuem goldglanz zu bekleiden Freytag 13, 32; theile von standbildern .. sind verstoszen grenzboten bei Sanders ergänz.-wb. 530a; die neunte rechte ribbe fand sich sehr verletzt und 'verstoszen' L. v. Ranke an Heinrich Ranke 265. in der form des subst. infinitivs: es ist aber die frage, ob man nicht wohl thut diese füsze (säulenfüsze aus gips), wegen des zu befürchtenden verstoszens, von holz machen zu lassen Göthe IV 14, 60 Weim. I@BB. intrans. gebrauch. I@B@11) von der zeit, 'verstreichen, vergehn': weil nun .. die zeit, sie mit scharffen zwangsmitteln besser zum baaren zubringen, verstoszen und vorüber war Chemnitz schwed. krieg 2, 134; es .. regent tag und nacht pisz an sant Johanns tag zu sunbenden bisz in dy 11 or, da verstisz es d. städtechron. 1, 388, 7. mhd. findet sich eine entsprechende trans. bildung: alsô diu naht den tac verstieʒ St. Alexius' leben 69a Maszmann. in neuerer sprache wird das wort in zeitlichem sinne nur von gährenden flüssigkeiten gebraucht, 'aufhören zu stoszen, bis zur erschöpfung stoszen': das bier hat verstoszen, vergoren; den essig verstoszen lassen Adelung, Campe. vielleicht gehört eine schwäb. quelle des 16. jhs. hierher: das er (der wein) nimmer mehr verstoszen mag noch sein crafft verlieren; doch vgl. Fischer 2, 1366. I@B@22) gebräuchlich ist noch heute verstoszen 'anstoszen, einen irrthum begehn, anstosz erregen, sich verfehlen'; Campe: 'gegen etwas stoszen, ohne dasz man es sollte und wollte'. schon seit ahd. zeit. dazu das subst. verstosz 1 (s. d.). sinnlich: ahd. (diu aha) verstôʒet tíccho án dîen skórrentên skíverrôn dero verbróchenôn stéino, resistit saepe obice rupe soluti saxi Notker 1, 50, 10 Piper; mhd. wir engân dem pfade vil rehte mite; verstôʒe wir an einem trite, wir enkomen niemer mêre ze guoter widerkêre Gottfried v. Straszburg Tristan 17092; nhd. wenn an harten klippen ein starkes schiff verstöszt, und zwar nicht ganz zerschellt .. Neukirch ged. 2, 2. schweiz. verstosse 'stottern' Staub-Tobler 1, 911; in der jagdsprache verstöszt oder verfliegt der falke, wenn er nicht wieder zu seinem herrn zurückkehrt zeitschr. f. d. wortforschung 9, 62. 'irregehn': die knecht verstieszen, das er sie lang suchen must Wilwolt v. Schaumburg 152; aber als Hastrubal still schweigend in der nacht auffbrach, und des wegs eyn theyl in der nacht zog, verstiessen die in fürten, als frembd leüt, die der weg in dem land nit wol bericht waren Carbach Tit. Liv. (1551) 161r; als Bambach zwischen Forcheim und Beiersdorff bey nacht geritten hatt er verstoszen und doch ein mann im feld gesehen dem er geruffen Melanchthon an herzog Albrecht 13. heute nur übertragen üblich: 'fehlstoszen', doch nur im figürlichen verstande, einen fehler, ein versehen begehen; ähnlich wie anstoszen Adelung; Campe erklärt: ein versehen, einen fehler in einer sache begehen, die man dadurch gleichsam stöszt oder verstöszt, aus ihrer rechten stelle, aus dem geschicke bringt. seit dem 17. jh. lexicalisch gebucht: furor iraque mentem praecipitant, durch jachzorn übereilet man sich und verstöst offt Corvinus 157; offensio belli gravissima, quando quis male rem gerit, wenn einer greulich verstöszt und geklopfft wird 334; fehlen .., das ist mangeln, irren, verstoszen Harsdörffer secretarius 1, Hhh iiiib; errare, delinquere, feriendo sibi nocere Stieler 2180; impingiren, verstoszen, hallucinari, imprudentia labi Apinus 282. vereinzelt findet sich schon mhd. ein beleg für diese verwendung: ich sihe rehte daʒ ich louc und daʒ ich sêre verstieʒ, wand ich in einen speher hieʒ Konrad Fleck Flore 5033. sonst erst im 17., häufiger im 18. jh.: ob etwa im geringsten verstoszen und ein fehler begangen wird Chemnitz schwed. krieg 1, vorr. 1; so wird er entweder hin und wieder verstoszen, oder das, was er poetisch vorträgt, mit einer gar trockenen feder entwerffen Günther ged. vorr. 5; wer aber den spiegel einen gleicher, die nase einen schnauber, den fusz einen trittling nennen wollte, der würde gewisz verstoszen Gottsched crit. dichtkunst 15 anm. 17. mit präpos. zusatz: niemandt .., der in diesem nicht verstossen Opitz poeterei 37 neudr.; niemahls aber verstiesze man in wahlen ärger, als wenn man zu herrschern machte, die nicht fürsten wären Lohenstein Arminius 2, 1279a; aber dennoch dünkt es mich immer ein weit verzeihlicherer fehler, .. als in diesen freiwillig gewählten charakteren selbst, es sei von seiten der innern wahrscheinlichkeit, oder von seiten des unterrichtenden, zu verstoszen Lessing 9, 324; die kleinen götter sind die stufen zu den groszen. wer diese sucht, der musz bey jenen nicht verstoszen J. E. Schlegel 2, 606; ich .. möchte leicht wieder die principia somniatoria verstossen Weise kl. leute 12; wider diese regel wird aber von vielen aus übereilung sehr verstoszen Gottsched sprachkunst 338; möchte er immerhin gegen dieses, zum vortheil jenes, verstoszen Schiller 2, 345; ich denke .. darauf, wie die göttin zu kleiden ist, damit man nicht gegen das costüm verstöszt Göthe 21, 275 Weim.; mit ihren französischen umgebungen verstiesz sie bei ihrer ankunft in Schweden gegen den nationalstolz Gutzkow werke 9, 165; und wer .. gegen das sechste (gebot) verstöszt, dem kann verziehen werden Fontane 5, 274; wider oder gegen die gute lebensart, gegen die regeln, in einer sache verstoszen Adelung. auch bei sächlichem subject: also verstöszt die erzehlung in diesem stücke gegen die wahrscheinlichkeit Breitinger crit. dichtkunst 1, 218; und jene rede verstiesz wider diese regel viel zu sehr Lessing 8, 53; die letzten forderungen verstieszen gegen das gesetz Mommsen m. geschichte 3, 92; ein rechtsgeschäft, das gegen ein gesetzliches verbot verstöszt, ist nichtig bürgerl. gesetzbuch § 134. part. präs.: stellen sie sich eine sammlung altfränkischer, pöbelhafter, und wider die grammatik verstoszender wörter und redensarten vor Schwabe belustigungen 1, 21. subst. infinitiv: es kann geschehen, dasz der bescheidenste oberbefehlshaber aus übergroszem eifer wider diese regel verstöszt, aber diesz verstoszen ist doch immer ein fehler, der sorgfältig vermieden werden musz Ayrenhoff 6, 303. I@B@33) vereinzelt an stelle reflexiven gebrauchs, 'sich entäuszern' (vgl.A 3 c): und haben daruf des genanten theils unseres zehends, freie und lediglich abgetretten und des auch mit mund, hand und halsz .. verstoszen, verziehen und entäuszert Haltaus 783 (Grimm rechtsalterthümer 1, 174). I@CC. reflex. gebrauch ist heute ganz erloschen. I@C@11) von der bewegung. 'eine richtung nehmen, sich verlaufen': wie sich dan ir rede verstôʒet (var. verloufet) keyserrecht (1372) 176. 'eine andere richtung nehmen': daʒ die vaiʒten dünst verr von uns entzünt werdent, alsô daʒ sich der galm verstôʒt, daʒ er niht zuo uns kümt Megenberg buch der natur 92, 9; wenn der man (mond) ist neu so mag sich das wetter verstoszen bair. quelle bei Schmeller 2, 791. von der zeit, 'sich verzögern, hinziehen': wer es sache das sich die rechenunge of eine vierzehen tage verstiesze d. städtechron. 17, 261, 7. I@C@22) 'heftig stoszend aufeinanderprallen und zerschellen': so das das wutende mer und ouch sine bulgen swer sich verstoʒʒen und verbrechen md. poet. paraphrase d. b. Hiob 14177; von feur und wasser dick geschwollen die wolcken durch des herren stim urplötzlich auff einander rollen mit solchem zwang und ungestim; dasz sie verstossend sich zusammen, und uber uns voll angst und grausz zerspringend braszlen häuffig ausz rauch, glut, plitz, hiz und feuerflammen Weckherlin ged. 2, 106 (ps. 29); das bächlein verstoszt sich auff dem felsen dermassen, dass es anzusehen ist wie staub und kein wasser schwäb. quelle v. 1602 bei Fischer 2, 1366; als vom letzt erlittenen Manszfeldischen schiffbruch etliche sagten, es were ein bösz omen oder zeichen, dasz sich das schiff bey stillem wetter verstoszen, antwortet er: .. das were ein bösz zeichen, wann sich der Manszfelder verstoszen hette Zinkgref apophthegmata 1, 120. I@C@33) 'fehlgehen, sich verirren': fürst Diomedes seinen boltz, auff Hectorem hinfahren liesz, derselbig aber sich verstieʒ, gieng ab und traff geleich unrecht Eniopeum sein fuhrknecht Spreng Ilias 97a; dann er in disen landen weit sich mit Ulysse vor der zeit verirret und verstossen hett Äneis 59b. 'einen fehlstosz thun': gebe du gut achtung auff den ersten stosz mit dem dolchen, dasz er sich verstoszen hat Sutorius fechtbuch 72. gewöhnlich in übertragenem sinne: sich heszlich verstoszen, heszlich anlauffen, heszlich irren, fehlen Kramer 1, 678a; 2, 991bc; verstossen sich, errare, peccare; einen fehler begehn, offendere Frisch 2, 342a; sich in etwas, in der rechnung verstoszen Adelung; jedoch ungut Campe; älter schwäb. Fischer 2, 1366. die nhd. belege reichen vom ende des 16.—18. jhs.: damit er sich nicht verstosze und ubereile Comenius janua 262; ohn dessen (des papstes) instruction können auch die allgemeinen concilia sich verstossen und fehlen Dannhawer catechismusmilch 1, 28; wie denn mittel vorhanden, zuwege zu bringen, dasz kein theil den statum controversiae verwirren, sich verstoszen und seine eigene präsidia vergessen ... könne Leibniz 1, 256. mit präpos. bestimmung: einige neuere historici haben sich bey ihrer erzehlung von der Hatheburga nicht wenig verstossen Hahn teutsche staatshist. (1721) 2, 39; man hätte sich im calculo in der zahl und berechnung der jahren gewisz verstoszen Moscherosch Philander 1, 328; andere (sänger) beobachten .. die mensur, aber verstoszen sich in der sache selbst Wieland Lucian 4, 439; so lehren die stoiker: die natur verstosze sich in den meisten ihrer werke gegen die gerechtigkeit Bode Montaigne 6, 241; die aufsätze dürfen nichts enthalten, was sich gegen religion, staat und gute sitten verstöszt Grillparzer-jahrbuch 1, 367. doch findet sich diese verwendung schon in ahd. wie mhd. zeit: wanda sie sih an imo so mortuo so humiliter iacente ferspurnent unde ferstôʒʒent Notker 2, 477, 30 Piper; daʒ ich mînen man lieʒe und mich alsô verstieʒe, daʒ ich mich mit iu ze lande ûf solhe unstæte wande Heinrich v. d. Türlin krone 11354. in trans. form: vil manegen man diu werlt hât, der nimmer in kein missetât sînen fuoʒ verstieʒe, ob ins diu minne erlieʒe Hartmann v. Aue Erek 3699. I@C@44) 'sich veruneinigen, streiten' findet sich in nd. und hd. mundart: sik verstöten, 'sich verunwilligen' brem. wb. 4, 1054; schwäb. er hat sich verstoszen mit ihm, sie haben streit gehabt Fischer 2, 1366. IIII. ein anderes verstoszen, das auf eine faur-type nach dem muster von got. faur-walwjan hinweist, ist vom 13. bis 16. jh. zu belegen. II@AA. trans. rection. II@A@11) einen riegel vorstoszen, eine öffnung, einen raum verschlieszen: obstruere, vor stossen Diefenbach gloss. 390c; retusus, vorstossen 497a; sie heten koln in das gewelb getragen und alle venster verstoszen, das sie erstickten im schlaf d. städtechron. 10, 156; (er) verstiesz die Elbe mit pfälen 27, 57; da lieff er tzuo hand tzuo im und verstyesz daʒ vasz nicht vor rechter gehorsam und vergasz des czapffen der heyligen leben (1472) 176b b; einen alten hadern, dâ mite man billîcher eine want verstieʒe Berthold v. Regensburg 16, 26; ich freu mich zehen korngruop, die hieʒ ich verstôʒen wol, wan sie sint getreides vol Seifried Helbling 15, 115. II@A@22) einen gegenstand 'verbergen, verstecken': abstrudere, abscondere, includere, vor stossen Diefenbach gloss. 5c; abstrudo, verbärgen, verhälen, verstoszen, verschlahen Frisius 11b; den diebstal verstossen, furta committere latebris Maaler 433a; illatebro Calepinus 675b; verstoszen, verstecken, abstrudere, illatebrare Dentzler 313b; älter schwäb. Fischer 2, 1366; so sie von dem iren (besitz) gefarlicher weis verstossen, verhalten oder verschwigen hetten d. städtechron. 23, 230; daʒ ich gelt in die erden ald anderschwa heimlich verstiess schausp. d. mittelalters 2, 393 Mone; sein gsellschaft er verstossen hat heimlich in ein verborgnen halt Maximilian Teuerdank 203, 68; die können uns wol diesen grossen freyheit-brieff wol heimlich verstossen Sachs 9, 385, 29 Keller-Götze; das sie ihrem .. sohn .. die augen auszrisse, und ihn in ein loch verstiesse, damit sie allein möcht regieren Fischart binenkorb 152b; und under dem stein het er verstossen zwelffhundert gulden Pauli schimpf 400. hierher gehört das schweiz. mundartliche die hände in die taschen verstoszen Paul wb.; Uli barg sich mühsam unter einem kirschbaum, welcher ihm den rücken schirmte, verstiesz die hände in die kleider Gotthelf 3, 311. II@BB. auch reflexiv gebraucht 'sich verstecken, verbergen', älter ober- und mitteldeutsch: schwäb. Birlinger 159a; bair. Schmeller 2, 791; (sie) pesorgten ... die feind hieten sich etwan verstoszen Aventinus bair. chron. 1, 321; die Deutschen wichen, stelten sich gleich, als ob sie flöhen, verstiessen sich allenthalben in den heimlichen hölern, höltzern, und dergleichen vortheil Hondorf exempelbuch (1572) 343a; nach solchem warden die werber flüchtig, verstiessen sich in die winckel Schaidenraiszer Odyssea 93a; verstost euch abwegs in die hecken! Sachs 21, 6, 5 Götze. böhmisch: Wlasta .. virstieʒ sich torlich .. undir ir vorich veint ältere quelle bei Jelinek wb. 846 f.; dâkegin er sich wante mit den sînen heimlîch unde in eine lâge sich mit der menie dâ vorstiʒ Nic. v. Jeroschin preusz. chron. 20338.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    verstoszenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    verstoszen , verb. I I. schon ahd., besonders bei Notker, in ausgedehntem gebrauch: farstôʒan, impellere, depellere, pro…

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Cotta, M. (2026). „verstoszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verstoszen/dwb?formid=V05046
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Cotta, Marcel. „verstoszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verstoszen/dwb?formid=V05046. Abgerufen 14. May 2026.
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Cotta, Marcel. „verstoszen". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verstoszen/dwb?formid=V05046.
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