hauen,
verb. caedere. II.
formelles und etymologisches. ahd. hawan, hauwan, howan, houwan;
alts. hawan, hauwan;
ags. heávan;
mhd. mnl. houwen,
mittelengl. hewen,
neuengl. hew;
altn. höggva,
schwed. hugga,
dän. hugge.
bereits unter hacken
und hagel
ist darauf hingedeutet worden, dasz in den hoch- und niederdeutschen formen des wortes die wurzel nicht unverstümmelt erscheint. die gothische form entgeht uns, die nordische aber zeigt, wie jene wurzel einst eine gutturalis hatte. dieselbe würde, wenn das wort im gothischen aufgewiesen werden könnte, dort ebenfalls zu tage treten, und zwar nach gothischer eigenthümlichkeit nasaliert, so dasz für die infinitivform, wie dem ahd. pliwan, pliuwan
goth. bliggvan
entspricht, sicher ein goth. haggvan
erschlossen werden kann. die silbe va
in dieser form ist eine bildungssilbe, im nordischen auch noch rein von der wurzelsilbe geschieden, in den hoch- und niederdeutschen dialecten dagegen verdrängte sie den auslaut der wurzel und setzte ihren labial an dessen stelle, so dasz nun statt der ältern wurzelform hag
eine jüngere haw,
erweitert hauw
erschien. aber wie jene ältere wurzelform an zahlreichen ableitungen (hacken, hag, hagel, hagen)
sich erhielt, so tritt sie mundartlich auch noch am verbum zu tage, namentlich in ältern oberrheinischen quellen: dannân ging er für baʒ und sach ein mœre, der hieg holz.
predigtmärlein in Pfeiffers Germania 3, 412, 4 (15.
jahrh.); ettlich erschussent sü, ettlich hiegent oder stôchent sie übel wunt.
Straszburger urk. in Schilters
Königshofen 924;
vielleicht ein nachklang derselben sind infinitivformen wie haugen,
praet. hochte,
hauen in der grafschaft Mark Fromm. 3, 366, haughen
in Niederösterreich 4, 45,
und mit umsetzung des g
in die dentale d: haudn
hauen, peitschen in Tirol 3, 92, hauden
züchtigen, schlagen, daselbst 6, 146. hauen
ist ein starkes, ehemals reduplicierendes verbum. für die 2.
und 3.
sg. des präsens sind jetzt unumgelautete formen allgemein durchgedrungen, bis ins 17.
jahrh. gehen daneben umgelautete, häust
und häut: denn wo du in (
den knaben) mit den ruten hewest, so darf man in nicht tödten.
spr. Sal. 23, 13; mag sich eine axt rhümen wider den, so damit hewet?
Jes. 10, 15; umb Margarethe heugt man den frauenanger.
kalender aus Tegernsee, Germ. 9, 195; hewt und sticht er das thier im halse, dasz es pufft. D. v.
d. Werder
Ariost 11, 39, 4; o mensch, du glückesball, was häust du aus den gründen, und suchest in der bach, im sande deine sünden? Opitz 1, 54.
diese formen klingen noch im fränkischen hebst, hebt
für haust, haut (Schm. 2, 141)
nach. die formen des präteritums waren in der alten sprache manigfach, ahd. hiu, hio, heo,
mhd. neben hiu
und heu
auch mit schutz des stammhaften w hiuw
und hiew;
das nhd. zeigt seit dem 16.
jahrh. nur noch selten diese form: das wild schwein greif den löwen an und hiew ihn mit dem scharpfen zan. E. Alberus 93
b; hiewen in die steine. Philander 1 (1642) 344; do lage ain schwert neben in, das nam sy und hew ihn beyden die haupt ab, also gebunden.
heldenbuch 1545 L
c; do nam der Berner dʒ schwert und hew sie (
Crimhilt) in der mitten entzwey. L
d;
in verderbter form haw: hawe in der Jacob Maienbron gewaltigclichen zu der thur hinausz.
Zimmerische chron. 2, 547; die ander nam den armen tropf, und haw im ab da seinen kopf. B. Waldis
Esop 1, 76, 16;
gewöhnlich hat sich das stammhafte w
zu b
verhärtet, die beispiele gehen bereits im 15.
jahrh. an: dasz yemandt in denselben walden ... holtz hiebe.
weisth. 2, 74 (
v. 1486); hiben sie den pfaffen und die jenigen, so bei im waren, alle zu stücken.
Wilw. v. Schaumb. 105; das er weiter, dann sein brauch, über die schnur heube.
Zimm. chron. 3, 190.
diese verhärtung erscheint auch am particip praet., welches sonst ebenso wie die präsensformen, gewöhnlich das stammhafte w
nicht wahrt: das unbehaubne knörtzel holtz. Eyring 1, 787.
eigenthümlich hat sich nach der praeteritalform hieb
ein particip gehieben
für gehauen
gebildet, welches Stieler
lehrschrift v. d. sprachkunst s. 175
für das Vogtland bezeugt, das aber schon im 16.
jahrh. in Franken häufig begegnet (Schm. 2, 141): darauf da sol gehieben sein unser beider abconterfect. J. Ayrer 325
c (1627, 32
Keller),
gleich darauf: in stein gehauen; darein da seint gehieben milt eins königs und seins gemahls bilt. 342
a (1712, 23
Keller); füsz, händ, arm, finger herab gehieben. Fuchs
mückenkr. 3, 351.
mit diesem starken verbum hat sich ein schwaches hauen,
denominativum von hau
der schlag, gemischt, das ahd. als howôn
und howjan (Graff 4, 707)
mit dem part. praet. gihowôt
und gihowit,
mhd. als houwen,
praet. houte (
wb. 1, 722
a)
auftritt. nhd. erscheinen von diesem verbum präteritalformen mehrfach: sie haueten noch sehr nach einander.
Salinde 69; die abgehaute hand. Schuppius 387; da haueten männer mit glühender wuth in dem blicke eine der cedern um. Klopstock 5, 158;
weitere beispiele sind im folgenden verstreut. Eine sichere vergleichung des verbums mit worten urverwandter sprachen hat bis jetzt nicht erbracht werden können; die grundbedeutung kann daher nur vermutungsweise dahin festgestellt werden, dasz hauen
zunächst auf den schlag geht, der einschneidend verletzt, und erst später auch den nicht einschneidenden schlag, das prügeln, bezeichnet. denn wie hauen
in der alten sprache in der letztern bedeutung nicht erscheint, so steht schweiz. hauen
geradezu für schneiden. Stalder 2, 25; die negel abhawen,
resecare ungues Dasyp.; hauts messer gut? Hebel
schatzk. 83. IIII.
gebrauch. II@11) hauen
vom schneiden und mähen der frucht. II@1@aa)
absolut: da er nun meinen ernst sahe, sagte er, weil die habersaat fürüber, und auf dem hof weder zu hauen noch zu ernten, wolte er selbst mit mir gehen und den weg weisen.
Simpl. 2, 53
Kurz. II@1@bb)
mit dem acc. der gemähten frucht: der wiesenmeister zu Walterszleuben leszt das grasz hawen. Michelsen
Mainzer hof 45; mägde, welche das gehauene gras dem heu gleich zu machen mit ihren rechen bemüht waren.
ehe eines mannes 163; nun wissen wir doch, wenn der landmann sein korn hauet. Lessing 6, 98; zehnmal hat des schnitters handt in dem felde korn gehauen. Opitz 1, 212; und das trockene heu, auf der besten wiese gehauen. Göthe 40, 283; da kommt ein dirnlein schlank und stolz mit einem graskorb aus dem holz, im schnitterhut mit strausz und band, die blanke sichel in der hand, sie hat am wäldchen klee gehauen. Fr. Kind
gedichte. II@1@cc)
mit dem acc. des durch hauen zu bearbeitenden grundstücks: isto tempore, so guet weter ist, heugt man die hofwis.
kalender aus Tegernsee, Germ. 9, 195; nach Jacobi heugt man albeg die Elmau.
das.; der herr pflüge nur drei tage, dresche etliche schock aus, haue eine wise. Butschky
kanzl. 438. II@22)
vom fällen des holzes. intransitiv: ob der herrschaft man einer, und des von Staingaden man einer an einen pawm khöment, so mugent sy pede hawen, jeder zu einer seiten.
weisth. 3, 653; wem in dem walt erleupt wird zu hauwen. 1, 536; ergriffen aber die vorster jemannen vor dem walte von dem dorfe, der darinne gehawen hette, dem sollen sie ein pfandt heischen. 4, 155; so ein inmarker ohne laub in den wald fahrt, hawet er, rufet er. 558;
transitiv mit dem acc.: geent in den wald und hawen darzu (
zu stock und galgen) holz.
weisth. 2, 98; brennholz hauen ohne erlaubnus. 3, 711; houwet er aber holz. 4, 162; wenn jemand mit seinem nehesten in den wald gienge, holz zu hawen.
5 Mos. 19, 5; nam eine axt in seine hand, und hieb einen ast von bewmen.
richt. 9, 48; befilh nu, das man mir cedern aus Libanon hawe.
1 kön. 5, 6; sie hawen im walde einen bawm.
Jer. 10, 3; die andern hieben zweige von den bewmen, und streuten sie auf den weg.
Matth. 21, 8; hauten gerten und meyen.
Garg. 193
a; kombt mit mir heim und hauwet mir mein holz. Zinkgref
apophth. 2 (1631) 31; es fallen keine späne vom baum, man haue sie denn. Pistorius
thes. par. 2,
no. 67; des Libanon cedern haut ich und tannen herab. Klopstock 6, 242; der dritte hieb der zweige kühlenden wedel. Göthe 10, 19.
in der sprache der jäger haut der biber,
wenn er durch nagen einen baum fällt. Jacobsson 2, 229
a. —
Zu einem obscönen bilde verwendet: ich hab zu ser im wald gehauen und hab an nacketen plöchern gehaben, das mir mein pfert müg nimer getraben.
fastn. sp. 734, 6. II@33)
an 2
angeschlossen, vom bearbeiten des holzes durch hauen, behauen: die zimmerleute hauen balken; wannehe dasz der stock und galgen gehawen und gemacht seint.
weisth. 2, 98; wo man haut, da fallen späne. Riehl
culturgesch. nov. 351;
mhd. die knehte hieʒ er howen dô, alle die dâ wâren, eine rosbâren.
Erec 6308;
nhd. sie hauten die ceder zum kreuz. Klopstock 5, 159; drinnen lag des kyklopen gewaltige keul an der stallung, grün, von des ölbaums stamm; er haute sie, künftig zu tragen, wann sie gedorrt.
Odyssee 9, 320.
das hauen der balken geschieht von den zimmerleuten nach einem striche, der mittelst einer gefärbten schnur geschlagen wird und die richtung des behauens angibt; hiernach hat sich die redensart ergeben über die schnur hauen,
über das rechte masz hinausgehen: aber ich hab jetzt lang mein selbs nit eingedenk über die schnur gehauen. S.
Frank moriae encom. 76
b; wann ich aber verständige leute vor mir hatte, so hieb ich (
beim erzählen) bei weitem nicht so weit über die schnur.
Simpl. 2, 197
Kurz; und hawt (
beim erzählen) dapfer über die schnur.
grobian Frankf. 1568 E v
b (
b. 1,
cap. 8);
älter über den schnurschlag hauen: die mynneclichen ich da batt: hett ich mit worten an chainer statt den schnuorschlag überhawen, das sy und all rain frawen mir wolten das vergeben.
Hätzlerin s. 270
b, 541. II@44)
ähnlich von dem bearbeiten eines holzes oder steins zur herstellung eines kunstmäszigen schnitz-, bau- oder bildwerkes: hawe dir zwo steinern tafeln.
2 Mos. 34, 1; köstliche steine nach dem winkeleisen gehawen.
1 kön. 7, 9; bestellet steinmetzen stein zu hawen, das haus gottes zu bawen.
1 chron. 23, 2; und denkt, wolan, ich wil mir ein gros haus bawen, .. und leszt im fenster drein hawen und mit cedern tefeln.
Jer. 22, 14; nam in ab, wickelt in in linwad, und leget in in ein gehawen grab, darinnen niemand je gelegen war.
Luc. 23, 53; was last ihr marmor hauen mit solcher theuren kost? Opitz 1, 60; eins mans red ist ein halbe red, mann sol die part verhören bed, das findt man zu Nürnberg und Ulm in und an den rathheusern gemalt und gehawen. Frank
spr. 2, 68
b; ein gehauenes bild,
bildsäule: darin saszen die alten edlen Römer in iren besten kleidern und langen grauen bärten schweigend, als ob sie gehauen bild weren.
Livius v. Corbach 57; gehawene schiff (
in stein gehauene). 1
Macc. 13, 29; der bauer weisz von einer kunstreichen schilderei oder gehauenem bilde nicht zu urtheilen. Scriver
seelensch. (1684) 48; kein donnerschlag hätte den van Brück mehr erschrecken können als mons. Günthers gegenwart, er stund als ein gehauen bild.
Pierot 1, 112; ich stund da wie ein gehauen bild. 2, 48; der sein gesetz in taffeln hieb. A. Gryphius (1698) 2, 245; eine höhle, ... von menschenhand gehauen und gewölbt. Wieland 18, 28; schon von weitem blickt die gräfin nach des heilgen bild hinan, welches ob der kirchenpforte, grosz in stein gehauen, prangt. Uhland
ged. 260. II@55)
von dem gewinnen des erzes im bergwerk und der steine durch abhauen: mhd. ist daʒ ein bercwerc wirdit in dem wîcbilde, daʒ man .. howet mit howeren.
Freiberger stadtr. 37,
bei Schott
stadt- u. landrechte 3, 266;
nhd. ein land des steine eisen sind, da du ertz aus den bergen hawest.
5 Mos. 8, 9; den steinen gleich, die man aus dem berg hawet.
Baruch 6, 38; hauen im bergwerk,
fodere in fodinis, effodere aes Frisch 1, 423
a; ei die hawersknaben sind hübsch und fein, sie hawen das silber ausz hartem stein. sie hawen das silber, das rote gold, wolt got dasz sie mein eigen sein solt! Uhland
volksl. 206; du hast die welt ergänzt, die erstlich als das wild hat in den tag gelebt, mit eicheln sich gefüllt, getrunken aus der bach, das feld nicht können bauen, den weinstock nicht gekennt, kein gold gewust zu hauen. Opitz 1, 98.
vergl.hauer,
häuer. II@66)
von der bearbeitung des weinbergs durch aufhauen und auflockern des bodens: nach gewöhnlicher weise wird ein weinberg zu dreien malen gehauet; und wann der grund nicht allzu letticht, recht vermischt ist, bedarf er desto weniger mühe, weil die erden ohne disz mild und röhricht ist, so allein hierinnen gesucht und deszwegen das hauen gethan wird. Hohberg 1, 238
a. II@77) hauen
nennt der fleischer das kunstgerechte zerkleinern des schlachtviehs (
vgl.aushauen 3
und fleischhauer): die schweine geben erst speck, wenn sie ins salz gehauen werden.
polit. col. 58.
hieran angeschlossen ist die redensart einen zur bank hauen,
ihn gewissermaszen für die öffentliche beurtheilung zergliedern, wie der fleischer das gehauene schlachtvieh auf der fleischbank öffentlich auslegt, daher übles von einem reden (
s. auch bank,
theil 1, 1109): es ist disz laster (
das beklatschen) sonderlich und vil under den weibern, da eine die ander zur bank hawet und übel auszrichtet. Agr.
spr. (1560) 85
a; nun tregt sich wol zu mancherlei, dasz fromme unschuldige leüt bei ihrer hohen obrigkeit oft werden hart zur pank ghauen. J. Ayrer 264
c (1321, 21
Keller); Chlorinde hawt die leute wol zur bank, sie lobet nichts alsz was sie selbst gethan. Tscherning
gedichte frühling 351; die boszheit haut die unschuld auf die bank. Lohenstein
geistl. gedanken s. 55, 1028. II@88) hauen
allgemeiner, von jedem schneidenden hiebe gesagt: hawe den fisch von einander.
Tob. 6, 6; die kette, womit der heilige Bonifaz die deutsche kirche an Rom gefesselt, wird entzwei gehauen. Heine
werke 5, 80; Authari .. haute die streitaxt in den baum. Klopstock 12, 282; er hieb in die decke,
gladio lacunar caesim tangebat. Steinbach 1, 707; haueten händ auch und füsze vom rumpf mit ereiferter seele.
Odyssee 22, 477.
hierher eine redensart: es ist nicht gehauen und nicht gestochen,
zur bezeichnung von etwas unbestimmten und unordentlichen: und damit heulete sie immer forth, also dasz ich mich in ihre rede nicht richten noch begreifen konte, ob es gehauen oder gestochen, gebrand oder gebort wäre.
Simpl. 3, 50
Kurz; und das schreibt er auf gut glück so hin, unbekümmert, ob es gehauen oder gestochen ist. Lessing 7, 319; ein jeder wille darf toll und halb und weder gehauen noch gestochen sein, nur aber der letzte nicht. J. Paul
flegelj. 1, 17; wenn ihr doch eure reden lassen wolltet. geschwätz, gehauen nicht und nicht gestochen. H. v. Kleist
zerbr. krug, 9.
auftr.; freiheit des urtheils war ihm die berechtigung für jeden stümper und ignoranten, über alles sein urtheil abzugeben, er mochte etwas davon verstehen oder nicht, und was er vorbrachte, mochte gehauen sein oder geschlagen. Fichte
Nicolais leben 66; es sy gehowen oder gschlagen. Brant
narrensch. 67, 56. II@99)
häufig ist hauen,
mit dem schwerte kämpfend schlagen, in mehrfachen verbindungen. II@9@aa)
absolut, oder mit bloszer bestimmung der richtung des schlages: frumen gesellen, nu ziehet die schwert! der tanz ist wol ains hauens wert.
fastn. sp. 456, 31; der welt zum zeugnis, dasz ich wahr gesprochen! hau und lasz jetzt mich sehn, wes sache rein? H. v. Kleist
Käthchen 5, 1; sie haun und hauen mit tiegerwuth, bisz schweisz und blut die panzer und helme bethauen. Bürger 81
b; dieser wolt mit hawen und mit stechen seins vatters todt grawsamlich rechen. Fuchs
mückenkr. 1, 555; derhalb auch Wilwolt seiner gesellen fechten eben abschatzt, sach, das si den kürüsern weder mit hauen oder stechen nichts abgewinnen mochten.
Wilw. v. Schaumb. 92; da es dann bald .. an ein hawen und stechen gienge, dasz mir darob die haare gen berg stunden. Philander 1 (1642) 344; nicht mit der schneide, sondern mit der scheide hauen. Schottel 1118
b; giengen auf einander losz, und klapperten nur mit den klingen, damit sie endlich diesen, welcher meinete, sie haueten noch sehr nach einander, zufrieden stelleten.
Salinde 69; er hieb seinem feinde nach dem leibe,
caesim corpus inimici petebat. Steinbach 1, 707; er haut nach dem kopfe,
caput appetit gladio. das.; so hette ich .. im wol mit einer solchen antwort uber die schnauszen zu hawen gewust, das im die lust solcher suchung solt gebüszet worden sein. Luther 4, 533
a; hauwen bisz auf das frisch fleisch,
concidere usque ad sanum corpus. Maaler 215
b; und sie hieb zweimal in den hals mit aller macht.
Judith 13, 9; sach, das ainer von leder gewann. da hew ich darein.
Zimm. chron. 2, 291; wacker hieb er in den feind. Klinger 3, 153; er haut mit dem schwerte um sich; da faszt er erst sein schwert mit macht: er schwingt es auf des reiters kopf, haut durch bis auf den sattelknopf, haut auch den sattel noch zu stücken, und tief noch in des pferdes rücken. Uhland
ged. 330; mit diesem (
schwerte) grad in den nacken ihm haut er, dasz des redenden haupt mit dem staub hinrollend vermischt ward.
Odyssee 22, 328.
studentische aufforderung zum kampfe war das hauen in die steine des straszenpflasters, ins pflaster hauen Frisch 1, 423
a: trugen jeder einen bloszen degen in der faust, hiewen in die steine dasz es fünkelte. Philander 1 (1642) 344. II@9@bb)
mit dem acc. der verletzung: eine schmarre in den kopf hauen,
caput ense vulnerare Stieler 787; wann man eine wunde haut, siht man eher blut als wunde. Logau 2,
s. 198,
no. 14;
auch mit dem acc. des verletzten gliedes oder menschen und verschiedener näherer bestimmung der richtung oder wirkung des schlages: einem den kopf entzwei hauen,
caput alicujus dissecare Steinbach 1, 707; er haut ihn nieder. H. v. Kleist
Käthchen 2, 8; Roland ihn bei den haaren griff, hieb ihm das haupt herunter. Uhland
ged. 342; darob fingen sy (
die landsknechte) darnach an zu palgen, hautten einander lam und krum.
meisterlieder (
Berliner hdschr. fol. 23)
no. 225, herr marschall, was haun wir das leder uns wund? Bürger 81
b; man solde die knochenhouwere dorch die kopphe houwe. Förstemann
die alten ges. der stadt Nordhausen s. 185; haute (
mit dem degen) den von hinten zu nach ihm schlagenden schäferknecht mit völliger force über den grind, dasz der rothe saft darnach gienge.
Salinde 197; allezeit denjenigen, der ihn etwas garstiges nennete, .. mit dem degen hinter die ohren hiebe. 208; Götz haut ihn über den kopf, dasz er stürzt. Göthe 8, 148; einen in die backen, übers ohr hauen,
s. unten f; sie thaten das ihrige so wohl, dasz die feinde geschlagen und mehr gedachter unzüchtiger könich von weiblicher hand in stücken gehauen ward. Hofmannswaldau
bei Steinbach 1, 707; worfen in und alle die mit im waren, mit steinen zu tod, darnach hieben sie in zustücken. 2
Macc. 1, 16; zu stucken wil ich dich hawen. Uhland
volksl. 208; alsbalden sich ein krieg entspinnt, sind sie von stund an desz gesinnt, wollens alles zu stücken hawen.
mückenkr. 1, 835;
so einen zu kochstücken hauen,
th. 5, 1564; einen zu kraute hauen,
caedendo aliquem necare. Steinbach 1, 707; den feind in die pfanne hauen (
die andern) durch ire arglistige dück, vil schendlich arger schelmenstück durch nachred in den kessel hawen. H. Sachs 5, 1, 52
b. II@9@cc)
mit dem acc. der wirkung: mhd. Volkêr der starke, dô er daʒ ersach daʒ Sigestap der küene den bluotigen bach hiu ûʒ herten ringen, daʒ was dem helde zorn.
Nib. 2221;
nhd. er hieb sich bahn durch die feinde; mit seinem guten schwerte haut oft der graf sich bahn. Uhland
ged. 360; doch so in drohnden waffen herzukommen, für sich zugreifen, seinen weg sich haun, nach recht mit unrecht gehn — es darf nicht sein.
Shakesp. Richard II, 2, 4; Georg hieb sich zu mir. Göthe 8, 100; sie haun und haun sich in den sand. Uhland
ged. 353. II@9@dd)
auch mit dem acc. der zum hauen gebrauchten waffe: aber nun zog der Atreide sein silberbeschlagenes schwert aus, schwang es und hiebs auf den kegel des helms. Bürger 211
a. II@9@ee)
umgekehrt wird das schwert selbstthätig als hauend
gefaszt: wie glintzet es (
das schwert), und hewet daher zur schlacht.
Hes. 21, 15; (
gott) lagert fur den garten Eden den cherubim mit einem bloszen hawenden schwert.
1 Mos. 3, 24;
ähnlich. er entfloh mit dem in den weg hauenden stock. J. Paul
Hesp. 3, 149. II@9@ff)
verschiedene redensarten lehnen an dieses kämpfende hauen
an; sich in die backen hauen,
wie sich selbst ins gesicht schlagen, vergl. über den ausdruck unter hacken
sp. 103: und hawen sich doch selbs in die backen und lügenstrafen sich selbs damit. Luther 3, 368
a; hie solt ich mich wol selbs in die backen gehawen haben. 6, 154
b; wie sich die donatio Constantini selbs in die backen hewet. 492
b; die welt .. hat viel umbschweifige rede und art, damit sie es (
das wort lügen) zu umbreden weis, als ... er hawet sich in die backen. Mathesius
katechism. 217; sich selbst in die backen hauen. Schottel 1118
a; — einen übers ohr hauen,
betrügen, doch wol zunächst einen betrüglichen hieb führen, der nach den regeln der fechtkunst nicht statt haben soll: erst neulich hat ein solcher schuft meine frau übers ohr gehauen.
d. deutsche Gilblas 152; man thut wohl, mit dem höflichen juwelier äuszerst behutsam umzugehen, sonst wird man blutig über das ohr gehauen. Hildebrandt
reise um die erde (1870) 1, 56; — einen zu bahn hauen,
zu boden, vernichten, daher auch kein gutes haar an einem lassen: die jenige, welche die zeit also zu bahn hauen. Schuppius 780; — über sich hauen wollen,
bild für etwas schwieriges oder unmögliches: die sich ires glücks uberheben .. und uber sich hawen wöllen. Mathes.
Sar. 15
b;
ausdrücklich an das bild des kämpfenden angelehnt im folgenden: swer gerne ie über houbet vaht, der mohte desto wirs gesigen.
Winsbecke 33, 3;
ähnlich, aber mit bezug auf no. 2: uberm kopfe wollen spöne hauen. Schottel 1118
a. II@1010) hauen,
von dem kraftvollen einschlagen des gebisses in etwas: warum ist dieser geist nicht in einen tiger gefahren, der sein wüthendes gebisz in menschenfleisch haut? Schiller
räuber 1, 2; schon seh ich seinen rachen gähnen, es haut nach mir mit grimmen zähnen.
kampf mit d. drachen v. 236; wer bist du, fürst, dasz in mein fleisch dein freund, dein jagdhund, ungebläut darf klau und rachen haun? Bürger 20
a;
in derber oder scherzhafter rede auch von dem einschlagen des menschlichen gebisses in eine speise: sind die schinken in erträglichem zustande angekommen, und haben L. und
F. auch patriotisch hineingehauen? Voss
briefe 3, 1, 202; faszt ein tüchtig schinkenbein, haut da gut taglöhnermäszig drein. Göthe 2, 197. hauen
gilt namentlich auch von den streichen die ein wildes schwein mit seinen hauzähnen ausführt (
s.hauer): hawet in (
den hund) nun ein schwein. Kirchhof
wendunm. 55
b doch zuvor kam jener (
eber) und haut ihn über dem knie, viel risz er des fleisches hinweg mit dem zahne, seitwärts nahenden schwungs.
Odyssee 19, 449;
als bild für einen krieger verwendet: sie riten houwende under in als ebere under schâfen.
Tristan 474, 16; wie rauscht sein bart im winde! hei, wie der eber haut! Uhland
ged. 368 (
Eberhard Rauschebart). hauendes schwein,
ausgewachsenes, mit jenen zähnen versehener eber: der drittenlai zend sint hawer oder auszkrümler, als der hawenden swein und der helphant zend, dâ mit si andreu tier verhawent. Megenberg 14, 6; eilf hauend schwein.
Garg. 236
b; einem erzörnten bären oder hauenden schwein.
ehe eines mannes 242; der brave hund bellt nicht anders als wenn er vor einem hauenden schwein stünde. 246; nach der brunst trennen sich die starken hauenden schweine von den bachen und bleiben wieder allein. Heppe
jagdlust 1783 1, 193. —
Anders aber wird in Niederhessen hauen
gefaszt, hier gilt es von der muttersau, die nach dem eber (
hauer)
verlangt. Vilmar 154. hauen
von dem stich eines scorpions: Jeronimus spricht, daʒ der scorp ain krump wunden haw. Megenberg 283, 2; ir qual war wie ein qual vom scorpion, wenn er einen menschen hewet (
ὅταν παίση ἄνθρωπον).
offenb. 9, 5. II@1111) hauen,
von nicht einschneidenden hieben, streichen, prügeln: mit ruoten hauwen oder streichen,
concidere virgis Maaler 215
b; roufte ein man einen by den horn odir hewen mit gertyn.
Magdeb. blume 1, 120; du hewest in (
den knaben) mit der ruten, aber du errettest seine seele von der hellen.
spr. Sal. 23, 14; ein ander, als er sich mit einem gehawen, und ein streich auf ein bein bekommen. Zinkgref
schulbossen (1627) 23; alles ist reif für einen mann, der Juvenals geiszel ergreift und darunter haut. Lichtenberg 5, 97; er schlang ihr fliegendes haar um die faust; er hieb sie mit knotigen riemen. er hieb, das schallte so schrecklich und laut! er hieb ihr die samtene lilienhaut voll schwellender blutiger striemen. Bürger 61
b; sie aber trug, trotz gert und sporn, wie sehr er hieb und trat, ihn über stock und stein und dorn. 25
a. II@1212) hauen,
von dem streiche, den ein pferd mit seinen füszen führt, ausschlagen: das pferd haut hinten aus;
ein knecht sagt mich hat das pferd gehauen; die begierde, den lauf anzufangen, macht sie (
die pferde) unbändig, die gegenwart so vieler menschen macht sie scheu. sie hauen oft in die benachbarte schranke hinüber, oft über das seil. Göthe 29, 262. II@1313) hauen
endlich für eilen, streben, laufen. diese bedeutung hat wol ihren ausgang von dem einhauen der sporen in des rosses weichen: er hiu unde sprancte und lie hin gân punieren.
Tristan 231, 8;
wie aus ähnlichem sinne angestochen kommen
und angehauen kommen
hervorgegangen ist, vergl. th. 1, 352. 339.
aus dem begriffe incitare erwuchs der festinare: darnoch macht er sich uff die fart und houwt weidlich dohin, vollbringt unverzagt sin bilgerfart. Keisersberg
bilg. 116
a;
bair. hauen,
sich schnell bewegen, laufen Schm. 2, 130,
auch mit beispielen aus der älteren sprache; es kam auch alsofort ein jäger voran gehauen. Lohenstein
Armin. 1, 1278
b; laszt sie nun einher hauen, das arm beschorn geschlecht. Gödeke
u. Tittmann
liederb. 259, 73; hiemit ein guots seligs neus jar! und hau hin! dasz dich got bewar!
weimar. jahrb. 2, 113; wir trafen feinde, die uns vorbei haun.
Shakesp. Macb. 5, 7; we have met with foes that strike beside us.
Die angenommene entwickelung dieses hauen
aus der grundbedeutung das pferd spornen kann die verbindung dreinhauen
eilen, sich dazu halten, zeigen, zunächst in folgender stelle: der marschalc dô nit lenger peit. ûf sîn pfert er dô schreit, er reit hin als wêr er kranc. aber über unlanc, dô man sîn nit mê mocht gesehen, dô hiew er drîn, daʒ muoʒ ich jehen.
Diocletian 6024;
während anderwärts diesz drein hauen
unsinnlicher steht: er solt weidlich darin houwen (
zufahren, sich dazu halten). Keisersberg
bilg. 38
d; denn höuwstu weidlich drin, schnell und bald zuo der hellen. 131
d; also ouch der rebman, wenn die zit hie ist zuo schnyden, er bedenkt sich nit lang, er houwet redlich darin, die wil er zit het. 133
d; aber wenn man in (
menschen unter dem bilde von hunden) den sack wolt nemen, so houwent sie vyentlich darin, und bellen und biszen umb sich. 143
d; die gemeinde sprâchent: meister mîn, mit guotem willen houwent drîn! der meister zuo dem palast rant.
Diocletian 4422,
vgl. 1615. 3279.
später heiszt hauen
auch nacheifern, streben: wornach wir sollen hawen, das kan ich hier an euch alsz einem spiegel schawen. Tscherning (1642) 26; dein sohn wird solches schawen, und künftig mit begier in deine staffen hawen, so lebstu dreimal hier.
gedichte frühling 280.