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keden

mhd. bis nhd. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
6 in 5 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

keden

Bd. 11, Sp. 380
keden , reden, sagen, ein altes stammwort, das nhd. in schriften nur noch anfangs und nur in absterbenden resten erscheint, heute auch in den mundarten verschollen, auszer in getrübten spuren in den alpenländern, die immer das alte am längsten festhalten, und in den vom ganzen losgesprengten sprachinseln im süden, wo es noch heute wolerhalten nachlebt, wie im norden in friesischen mundarten. 11) die reine gestalt zeigt goth. qviþan (qvaþ, qvêþum, qviþans), z. b. qvaþ þan frauja Luc. 17, 6, 'der herr aber sprach', jah qvêþun apaustauleis du fraujin 17, 5, 'und die apostel sprachen zu dem herrn', qviþiþ du imma 17, 8, sagt zu ihm. dann mit [] brechung des i altn. kveða, ags. cveðan, altfries. quetha, queda, alts. quethan, ahd. quedan (qhuedan, chuuedan), überall mit reicher entwickelung in zusammensetzung, weiterbildung, anwendung; ahd. z. b. inquedan respondere, 'entsprechen', widarquedan widersprechen, wola quedan benedicere, quidi n. rede, spruch, quetî f. grusz, quetian grüszen u. s. w., und ähnlich, ja noch reicher entwickelt oder bewahrt goth., ags., altn. 22) da hier wieder die unbequeme lautverbindung kuí- (kué-, kuá-) vorlag, stellte sich auch hier die erscheinung ein, wie bei keck, kommen, dasz im suchen nach bequemerer, rascher zu sprechender gestalt die wortformen sich verwirrten und entarteten. das begann schon ahd.; man half durch ausstoszen des u: chedan, chido dico, chidit und chît (wie chuît, d. i. quît aus quidit) dicit, chad dixit u. s. w.; aber das u wirkte auch auf den stammvocal: chodent dicunt, chot dixit, chôden dixerunt, ganz wie bei kommen; und die störung wuchs natürlich später. 33) mhd. ist es bereits im absterben begriffen. schon in der fassung der genesis und exodus in der Milstäter hs. aus dem anfang des 12. jh. wird vom umarbeiter das er chod dixit der etwa 40 jahr älteren vorlage meist in er sprach geändert, chodent dicunt in sprechent, chode dicam in spreche, nur chût dicit läszt er stehn (s. Diemers ausg. 2, 104b). diese 3. sg. praes. ist dann auch im stil des 13. jh. allein noch in gewöhnlichem, formelhaftem gebrauch, meist in der form kît, zuweilen kiut, das aus dem ahd. chuît entstanden sein musz, auch noch 'cvît' Haupt 4, 398; aber auch bei Walther 49, 20 ist aus kît in C sprichet gemacht. der ursprüngliche anlaut zeigt sich da noch in mitteld. sprache, wie er dort auch in kommen (ahd. quëman) u. a. sich am längsten hielt, so quît im passional, bei Jeroschin; im 12. jh. selbst quode dicat noch, s. Leyser pred. 150. xxvi (guode ist druckf.). doch musz, wie das folg. zeigt, im volksmunde mehr von dem worte fortgelebt haben. 44) nhd. endlich, 4@aa) reste im 15. 16. jh.: 'vil und wol reden wil nit wol keden' (d. h.) wer vil schwetzt, der leugt gern vil. Frank sprichw. 2, 116b (auch im Agricola Frkf. 1570 109a), durch den reim rein erhalten; der sinn ist freilich nicht klar, es mag ein fehler darin sein, etwa 'viel geredet ist nicht gut geredet' (so Frisch 1, 539b), Franks auslegung zeigt nur, wie man in seiner zeit den überlieferten spruch verstand; keden hat aber da den sinn der schon ahd. und mhd. bestand, passivisch wie bei heiszen (s. gramm. 4, 53), bedeuten, lauten, 'klingen', vgl. u. b. Ferner inf. köden, sprechen; ein schöffe beginnt seine rede: seit ain mal das ich köden schol, so gefellt es mir von peden nit wol. fastn. sp. 610, 11. so köten in folg.: hie stehet der esel von Battenberg (Nigrinus) und wird ausz englischer forcht und seines herrn straichen redent und guot poetisch kötent wie volgt. J. Nasus nasenesel qb, da wiederholt sich der reim reden : keden, und zwar merkwürdig genug 'poetisch köten', vgl. u. 5. Das ö für gebrochnes ë ist aber auffallend (vgl. ähnliches bei Weinhold alem. gr. s. 30. 96); diesz köden scheint sich an die alte form choden anzuschlieszen, aber woher der umlaut? s. auch u. d). ebenso ward queck durch kock hindurch zu köck (sp. 376), s. auch köder. Endlich im 15. jh. auch ein keut in einem fastnachtsp., es ist das mhd. kiut: der (Maulfrank) asz sich .. als (so) krank, das er ein kubel vol scheisz, man keut, domit man noch bestreicht die leut. 540, 14, man keut, sagt man, volksmäszig in Markolfs munde. 4@bb) unsicher erscheint folg.; Frisius erklärt absonus das übel kydt oder lautet 10a. das wäre aufzufassen als das mhd. kît in der passivischen bed. u. a; aber er gibt als inf. dazu: dissonare, übel kyden 431b (Maaler 258c), schon in einem liede, handschr. aus dem anfang des 16. jh., als trans.: awe, lieber herre, der jamerlichen klag, die uns der wachter kidet heut. Uhland volksl. 199, vom klagenden gesang des wächters, das ist schwerlich noch das ahd. chidit für quidit; das lied hat sonst mein, dein, nicht mit î; hatte man einen inf. kiden aus dem kît entnommen? noch im heutigen schweizerdeutsch, kiden, kyden, aber meist in der bed. laut tönen, durchdringend schallen, z. b. die glocke kydet Stalder 2, 98, kiden, kidden, besonders von glas, metall Fromm. 3, 299; allgemeiner appenz. kida, lauten, tönen, klingen, 'umfaszt alles was fürs ohr vernehmbar ist' Tobler 99a, er gibt aber auch chia, kia und als hauptform cheia, z. b. dglogga cheid lut, das gsang cheid nüt wol, lut cheia gellen, auch keuen, keut; bei Stalder 2, 31 keien, aufgefaszt als g'heien (s. sp. 3 3, b), widerlich tönen, daher z. b. das keien, lärm, zank. Es ist schwer aus dieser verwirrung herauszukommen. eine entstehung aus dem [] formelhaften mhd. kît lautet, klingt ist der bed. nach noch denkbar bei dem appenz. 'nüd wol von em cheia, nicht günstig von einem lauten', allenfalls auch bei: wenns nüd cheid so chlepfts, klingt es nicht so klappt es doch. auch in der form lieszen sich kiden (kidden) und kia (doch wol kîa?) aus kît entnommen wol denken, etwa wie man aus däuchte, diesem conj. praet., schon um 1500 ein däucht als indicativ, nachher auch einen inf. däuchten machte. aber woher das ei statt î? und die abweichung der bed.? und doch gibt Tobler, der überhaupt das alles auf quedan wirklich zurückführt, als part. praet. dazu ketta, kitta an, also starkformig und aus gekeden leicht begreiflich. Aber da kiden schon im 16. jh. bezeugt ist, kann es leicht echt und alt sein; nahe liegt, auch in der bed., ein nord. wort, schwed. qvida winseln, wimmern, ächzen, altschw. quiþa, vgl. Rietz 371a. noch näher engl. chide schmälen, schelten, eigentlich aber anhaltend unangenehmes geräusch machen, ags. cîdan (Grein 2, 799b. Haupt 12, 267). 4@cc) in frage kommt auch ein vereinzeltes kitten bei S. Frank: dasz keiner allein für sich selbst kitten oder betten soll. kriegsb. d. fr. 51, reden oder bitten? oder druckf. für bitten? 4@dd) sicher sind folgende reste in alpenmundarten. im Walserthal im Vorarlberg kit, chit gleich mhd. kît, besonders in angeführte rede eingeschoben kit er, wie lat. inquit; auch part. praet. g'kit. Bergmann Wiener jahrb. d. lit. bd. 108, anzeigebl. s. 18. schwachformig auch in der sprachinsel Gottschee in Oberkrain kaite sagte, gewiss auch kait sagt; in den östr. alpen kommt noch keden vor (Diefenb. goth. wb. 2, 477). ganz alterthümlich und wertvoll ferner in der sprachinsel am Monte Rosa andchjèdan antworten, s. A. Schott die deutschen colonien in Piemont s. 263 (vgl. 281); es ist das ahd. inquëdan, enchëdan (ags. oncveðan) Graff 4, 644, wo weder das urspr. ant- noch die eigentliche bed. bezeugt ist, welche beide nun jene versprengte gemeinde von heute bezeugt; das ahd. wort ist dort meist bildlich gleich entsprechen, das selbst eig. antworten bedeutet. übrigens lebt auch noch in Tirol enkeden, ankeden, enkeiden, einem rufenden aus der ferne antworten, dazu ked, köd, ruf, stimme. Schöpf 308. Vollständig aber noch in den sog. cimbrischen 7 und 13 gemeinden (s. u. karfreitag) koden und köden inf., ich küde, du küst, ar küt (in dem cimbr. katechismus von 1602 noch cheut, das mhd. kiut), imper. küd, köt, praet. kod, conj. kötte, keute, p. pr. gaködet; auch inköden antworten, entsagen. Schmeller cimbr. wb. 137b (vgl. sein bair. wb. 2, 282), im gebrauch z. b.: bear küt lughe, wer lügen spricht. 87; ködet miar de barhôt, sagt mir die wahrheit. 88. Noch zeigt sich wahrscheinlich ein versteckter rest in der südd. redensart gottikeit u. ä., s. Frommann 3, 349 ff. 4@ee) ebenso im norden bei den Friesen, und zwar da am besten erhalten: im Saterland quêde, praet. quadd, part. quêden; auf Wangeroge quider, praet. queid, part. quidîn, s. Ehrentraut fries. arch. 1, 45. 86; auf den nordfries. inseln queden. aus dem nd. ist nichts anzuführen, als mnd. quê wort, spruch für quede, im Theophilus 293, entsprechend dem alts. quidi m., ahd. quidi n. rede, spruch, das vielleicht auch in dem merkw. schweiz. koy n. sage, gerücht Stald. 2, 120 nachlebt; ähnlich geht gekudde zwiegespräch bei Jeroschin wol auf ahd. gaquidi zurück. 55) auch in andern germ. sprachen lebt es nach: engl. quoth sagte, inquit, nur alterthümelnd gebraucht.n. qväde, schwed. qväda, norw. kvede heiszen singen, dichten, wie schon altn. kveða auch, und vermutlich auch das ahd. nach 'quiti versiculi' Graff 4, 647, vgl. 'poetisch köten' unter 4, a. 66) noch vieles andere tritt herzu als wirkliche oder mögliche ableitung von diesem stamme; s. unten köddern und kittern 2, auch Diefenbach goth. wb. 2, 477; daselbst 478 fg. (375) auch reichliche andeutungen über auswärtige verwandtschaft, besonders aus dem kelt., altirisch cuadh sagen, erzählen, ir. gael. ceadal erzählung, gesang, gadan stimme, klang; litt. adẽti, sprechen, odis wort, rede, adas sprache; skr. kath und gad dicere, loqui, zend. ǵad bitten, fragen, auch wünschen (Justi 113b), vgl. altsl. böhm. žadati bitten, fordern, wünschen, poln. adć.
9664 Zeichen · 267 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KËDEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    KËDEN s. ich QUIDE .

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kēdenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ° kēden , swv. , an der Kette (des Rosenkranzes) anbringen, aufreihen (Nd. Jb. 6, 102).

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    keden

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    keden , reden, sagen, ein altes stammwort, das nhd. in schriften nur noch anfangs und nur in absterbenden resten erschei…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit keden

10 Bildungen · 5 Erstglied · 4 Zweitglied · 1 Ableitungen

keden‑ als Erstglied (5 von 5)

kēdenen

MNWB

° kēdenen , swv. , mit einer Kette (zum Aufhängen?) versehen (Ub. Brschwg. 1, 25 u. 112).

kēdenslot

MNWB

keden·slot

kēdenslot Schloß mit dem die Absperrkette nachts angeschlossen ist.

kēdenwîs

MNWB

keden·wis

*° kēdenwîs , adv. , nach Art einer Kette (Lauremberg ed. Lappenberg 108).

keden als Zweitglied (4 von 4)

tõhôpe(kēden)

MNWB

tohope·keden

° tõhôpe(kēden) , -ketten , swv. : mit Ketten verbinden, „ vnde twee hoefft stucke de men vp de sule satten mochte all gegaten van eren een …

ungeschickeden

KöblerMnd

ungeschic·keden

ungeschickeden , Adv. nhd. in unpassender Weise E.: s. ungeschicke* L.: MndHwb 3, 2, 550 (ungeschickeden)

Ableitungen von keden (1 von 1)

bekeden

LW

be-keden, beketten, mit Ketten versehen.