keden ,
reden, sagen, ein altes stammwort, das nhd. in schriften nur noch anfangs und nur in absterbenden resten erscheint, heute auch in den mundarten verschollen, auszer in getrübten spuren in den alpenländern, die immer das alte am längsten festhalten, und in den vom ganzen losgesprengten sprachinseln im süden, wo es noch heute wolerhalten nachlebt, wie im norden in friesischen mundarten. 11)
die reine gestalt zeigt goth. qviþan (qvaþ, qvêþum, qviþans),
z. b. qvaþ þan frauja
Luc. 17, 6, '
der herr aber sprach', jah qvêþun apaustauleis du fraujin 17, 5, '
und die apostel sprachen zu dem herrn', qviþiþ du imma 17, 8,
sagt zu ihm. dann mit [] brechung des i
altn. kveða,
ags. cveðan,
altfries. quetha, queda,
alts. quethan,
ahd. quedan (qhuedan, chuuedan),
überall mit reicher entwickelung in zusammensetzung, weiterbildung, anwendung; ahd. z. b. inquedan
respondere, '
entsprechen', widarquedan
widersprechen, wola quedan
benedicere, quidi
n. rede, spruch, quetî
f. grusz, quetian
grüszen u. s. w., und ähnlich, ja noch reicher entwickelt oder bewahrt goth., ags., altn. 22)
da hier wieder die unbequeme lautverbindung kuí- (kué-, kuá-)
vorlag, stellte sich auch hier die erscheinung ein, wie bei keck, kommen,
dasz im suchen nach bequemerer, rascher zu sprechender gestalt die wortformen sich verwirrten und entarteten. das begann schon ahd.; man half durch ausstoszen des u: chedan, chido
dico, chidit
und chît (
wie chuît,
d. i. quît
aus quidit)
dicit, chad
dixit u. s. w.; aber das u
wirkte auch auf den stammvocal: chodent
dicunt, chot
dixit, chôden
dixerunt, ganz wie bei kommen;
und die störung wuchs natürlich später. 33)
mhd. ist es bereits im absterben begriffen. schon in der fassung der genesis und exodus in der Milstäter hs. aus dem anfang des 12.
jh. wird vom umarbeiter das er chod
dixit der etwa 40
jahr älteren vorlage meist in er sprach
geändert, chodent
dicunt in sprechent, chode
dicam in spreche,
nur chût
dicit läszt er stehn (
s. Diemers
ausg. 2, 104
b).
diese 3.
sg. praes. ist dann auch im stil des 13.
jh. allein noch in gewöhnlichem, formelhaftem gebrauch, meist in der form kît,
zuweilen kiut,
das aus dem ahd. chuît
entstanden sein musz, auch noch 'cvît' Haupt 4, 398;
aber auch bei Walther 49, 20
ist aus kît
in C sprichet
gemacht. der ursprüngliche anlaut zeigt sich da noch in mitteld. sprache, wie er dort auch in kommen (
ahd. quëman)
u. a. sich am längsten hielt, so quît
im passional, bei Jeroschin; im 12.
jh. selbst quode
dicat noch, s. Leyser
pred. 150. xxvi (guode
ist druckf.).
doch musz, wie das folg. zeigt, im volksmunde mehr von dem worte fortgelebt haben. 44)
nhd. endlich, 4@aa)
reste im 15. 16.
jh.: 'vil und wol reden wil nit wol keden' (
d. h.) wer vil schwetzt, der leugt gern vil. Frank
sprichw. 2, 116
b (
auch im Agricola Frkf. 1570 109
a),
durch den reim rein erhalten; der sinn ist freilich nicht klar, es mag ein fehler darin sein, etwa '
viel geredet ist nicht gut geredet' (
so Frisch 1, 539
b), Franks
auslegung zeigt nur, wie man in seiner zeit den überlieferten spruch verstand; keden
hat aber da den sinn der schon ahd. und mhd. bestand, passivisch wie bei heiszen (
s. gramm. 4, 53),
bedeuten, lauten, '
klingen',
vgl. u. b. Ferner inf. köden,
sprechen; ein schöffe beginnt seine rede: seit ain mal das ich köden schol, so gefellt es mir von peden nit wol.
fastn. sp. 610, 11.
so köten
in folg.: hie stehet der esel von Battenberg (
Nigrinus) und wird ausz englischer forcht und seines herrn straichen redent und guot poetisch kötent wie volgt. J. Nasus
nasenesel q
b,
da wiederholt sich der reim reden : keden,
und zwar merkwürdig genug 'poetisch köten',
vgl. u. 5.
Das ö
für gebrochnes ë
ist aber auffallend (
vgl. ähnliches bei Weinhold
alem. gr. s. 30. 96);
diesz köden
scheint sich an die alte form choden
anzuschlieszen, aber woher der umlaut? s. auch u. d).
ebenso ward queck
durch kock
hindurch zu köck (
sp. 376),
s. auch köder.
Endlich im 15.
jh. auch ein keut
in einem fastnachtsp., es ist das mhd. kiut: der (
Maulfrank) asz sich .. als (
so) krank, das er ein kubel vol scheisz, man keut, domit man noch bestreicht die leut. 540, 14, man keut,
sagt man, volksmäszig in Markolfs munde. 4@bb)
unsicher erscheint folg.; Frisius
erklärt absonus das übel kydt oder lautet 10
a.
das wäre aufzufassen als das mhd. kît
in der passivischen bed. u. a; aber er gibt als inf. dazu: dissonare, übel kyden 431
b (Maaler 258
c),
schon in einem liede, handschr. aus dem anfang des 16.
jh., als trans.: awe, lieber herre, der jamerlichen klag, die uns der wachter kidet heut. Uhland
volksl. 199,
vom klagenden gesang des wächters, das ist schwerlich noch das ahd. chidit
für quidit;
das lied hat sonst mein, dein,
nicht mit î;
hatte man einen inf. kiden
aus dem kît
entnommen? noch im heutigen schweizerdeutsch, kiden, kyden,
aber meist in der bed. laut tönen, durchdringend schallen, z. b. die glocke kydet Stalder 2, 98, kiden, kidden,
besonders von glas, metall Fromm. 3, 299;
allgemeiner appenz. kida,
lauten, tönen, klingen, '
umfaszt alles was fürs ohr vernehmbar ist' Tobler 99
a,
er gibt aber auch chia, kia
und als hauptform cheia,
z. b. dglogga cheid lut, das gsang cheid nüt wol, lut cheia
gellen, auch keuen, keut;
bei Stalder 2, 31 keien,
aufgefaszt als g'heien (
s. sp. 3 3,
b),
widerlich tönen, daher z. b. das keien,
lärm, zank. Es ist schwer aus dieser verwirrung herauszukommen. eine entstehung aus dem [] formelhaften mhd. kît
lautet, klingt ist der bed. nach noch denkbar bei dem appenz. 'nüd wol von em cheia,
nicht günstig von einem lauten',
allenfalls auch bei: wenns nüd cheid so chlepfts,
klingt es nicht so klappt es doch. auch in der form lieszen sich kiden (kidden)
und kia (
doch wol kîa?)
aus kît
entnommen wol denken, etwa wie man aus däuchte,
diesem conj. praet., schon um 1500
ein däucht
als indicativ, nachher auch einen inf. däuchten
machte. aber woher das ei
statt î?
und die abweichung der bed.? und doch gibt Tobler,
der überhaupt das alles auf quedan
wirklich zurückführt, als part. praet. dazu ketta, kitta
an, also starkformig und aus gekeden
leicht begreiflich. Aber da kiden
schon im 16.
jh. bezeugt ist, kann es leicht echt und alt sein; nahe liegt, auch in der bed., ein nord. wort, schwed. qvida
winseln, wimmern, ächzen, altschw. quiþa,
vgl. Rietz 371
a.
noch näher engl. chide
schmälen, schelten, eigentlich aber anhaltend unangenehmes geräusch machen, ags. cîdan (Grein 2, 799
b. Haupt 12, 267). 4@cc)
in frage kommt auch ein vereinzeltes kitten
bei S. Frank: dasz keiner allein für sich selbst kitten oder betten soll.
kriegsb. d. fr. 51,
reden oder bitten? oder druckf. für bitten? 4@dd)
sicher sind folgende reste in alpenmundarten. im Walserthal im Vorarlberg kit, chit
gleich mhd. kît,
besonders in angeführte rede eingeschoben kit er,
wie lat. inquit;
auch part. praet. g'kit. Bergmann
Wiener jahrb. d. lit. bd. 108,
anzeigebl. s. 18.
schwachformig auch in der sprachinsel Gottschee in Oberkrain kaite
sagte, gewiss auch kait
sagt; in den östr. alpen kommt noch keden
vor (Diefenb.
goth. wb. 2, 477).
ganz alterthümlich und wertvoll ferner in der sprachinsel am Monte Rosa andchjèdan
antworten, s. A. Schott
die deutschen colonien in Piemont s. 263 (
vgl. 281);
es ist das ahd. inquëdan, enchëdan (
ags. oncveðan) Graff 4, 644,
wo weder das urspr. ant-
noch die eigentliche bed. bezeugt ist, welche beide nun jene versprengte gemeinde von heute bezeugt; das ahd. wort ist dort meist bildlich gleich entsprechen,
das selbst eig. antworten bedeutet. übrigens lebt auch noch in Tirol enkeden, ankeden, enkeiden,
einem rufenden aus der ferne antworten, dazu ked, köd,
ruf, stimme. Schöpf 308.
Vollständig aber noch in den sog. cimbrischen 7
und 13
gemeinden (
s. u. karfreitag) koden
und köden
inf., ich küde, du küst, ar küt (
in dem cimbr. katechismus von 1602
noch cheut,
das mhd. kiut),
imper. küd, köt,
praet. kod,
conj. kötte, keute,
p. pr. gaködet;
auch inköden
antworten, entsagen. Schmeller
cimbr. wb. 137
b (
vgl. sein bair. wb. 2, 282),
im gebrauch z. b.: bear küt lughe,
wer lügen spricht. 87; ködet miar de barhôt,
sagt mir die wahrheit. 88.
Noch zeigt sich wahrscheinlich ein versteckter rest in der südd. redensart gottikeit
u. ä., s. Frommann 3, 349
ff. 4@ee)
ebenso im norden bei den Friesen, und zwar da am besten erhalten: im Saterland quêde,
praet. quadd,
part. quêden;
auf Wangeroge quider,
praet. queid,
part. quidîn,
s. Ehrentraut
fries. arch. 1, 45. 86;
auf den nordfries. inseln queden.
aus dem nd. ist nichts anzuführen, als mnd. quê
wort, spruch für quede,
im Theophilus 293,
entsprechend dem alts. quidi
m., ahd. quidi
n. rede, spruch, das vielleicht auch in dem merkw. schweiz. koy
n. sage, gerücht Stald. 2, 120
nachlebt; ähnlich geht gekudde
zwiegespräch bei Jeroschin
wol auf ahd. gaquidi
zurück. 55)
auch in andern germ. sprachen lebt es nach: engl. quoth
sagte, inquit, nur alterthümelnd gebraucht. dän. qväde,
schwed. qväda,
norw. kvede
heiszen singen, dichten, wie schon altn. kveða
auch, und vermutlich auch das ahd. nach 'quiti
versiculi' Graff 4, 647,
vgl. 'poetisch köten'
unter 4,
a. 66)
noch vieles andere tritt herzu als wirkliche oder mögliche ableitung von diesem stamme; s. unten köddern
und kittern 2,
auch Diefenbach
goth. wb. 2, 477;
daselbst 478
fg. (375)
auch reichliche andeutungen über auswärtige verwandtschaft, besonders aus dem kelt., altirisch cuadh
sagen, erzählen, ir. gael. ceadal
erzählung, gesang, gadan
stimme, klang; litt. adẽti,
sprechen, odis
wort, rede, adas
sprache; skr. kath
und gad
dicere, loqui, zend. ǵad
bitten, fragen, auch wünschen (Justi 113
b),
vgl. altsl. böhm. žadati
bitten, fordern, wünschen, poln. adć.