keck ,
vivus, vegetus, alacer, animosus, audax, ein mehrfach merkwürdiges wort, von hohem alter und weiter verwandtschaft. II.
die formen. I@aa)
das nhd. wort ist in form und bedeutung dem ursprung etwas entfremdet, ahd. hiesz es quek
oder queh,
mhd. quec,
mit gebrochnem ë,
für quik,
wie noch jetzt in erquicken;
auch quek
ist erhalten in quecksilber
und einigen anderen, ja das alte adj. lebt mundartlich bis heute, z. b. laus. quicke
lebendig, munter, derb (
neues laus. mag. 30, 247,
vgl. u. kommen).
aber das k
im anlaut findet sich auch schon mhd., kec,
und selbst ahd., bei Notker chech. I@bb)
reiner erhalten, auch in der bed., ist es in den sprachen der nd. lautstufe: alts. quic,
altfries. quik,
altn. kvikr,
ags. cvic (cveoc);
nnd. fries. quick,
auch queck,
nnl. kwik (quik),
engl. quick,
schwed. qvick (
dial. kvek),
dän. quik (
auch qvig,
und qveg),
norw. kvik.
doch auch hier in nebenformen der versuch, den anlaut zu vereinfachen, in ags. cuc,
altn. kykr;
vgl. altenglisch kygge,
landsch. engl. kedge
lebhaft, munter Halliw. 489
b.
merkwürdig eine altn. nebenform in kvikkvan
vivum, kvikva
f. für kvika
caro viva Egilsson 485
b. 486
a. 487
b, kvikvendi, kykvendi
n. gleich kvikindi
animans Fritzner 377
a,
s. unter c. dän. kjäk,
schwed. käck
audax sind aus hd. keck. I@cc)
allen andern germ. sprachen steht hier das goth. allein gegenüber mit qvius
vivus (
gen. qvivis),
stamm qviv,
ohne den gutturalen wurzelauslaut. und ohne diesen auch im anlaut entspricht lat. vivus (vivo, vita),
das aus gvivus
verkürzt sein musz, wie gr. βίος leben aus γϜιϜος entstand (
vgl. u. kommen).
nach den formen vixi, victum
von vivo
aber scheint auch im wurzelauslaut ein guttural abgefallen, sodasz eine lat. urform vigvus (Schleicher
comp. s. 197. 209)
oder noch älter gvigv-
anzunehmen ist, und zu ihr stimmt denn unser quick,
ganz genau die altn. nebenform kvikv-
vorhin. wie weit liegen nun vivus,
βίος und keck
von einander! I@dd)
auch die litt.-slav. sprachen sind dieszmal von keck
wie quick
weit entfernt: litt. gyvas
vivus (gyvata
vita, gyvenu
vivo),
lett. dzîws,
altsl. živ'',
böhm. živý
u. s. w., überall mit reicher entwickelung, in der bed. meist mit unserm keck, quick
sich berührend; auch altpreusz. giwît
vivere u. a. In dieser gestalt tritt dann das wort auch in den verwandten alten sprachen Asiens auf: skr. ǵîvas
vivus, ǵîv
leben u. s. w., im zend ǵîvja, ǵîv,
altpers. zivâ
leben, neuindisch ǵî.
weiteres s. besonders bei Diefenbach
goth. wb. 2, 482
ff. in reichster fülle. I@ee)
um aber auf unsern boden zurückzukehren, noch ein wort über die schicksale des anlauts und inlauts: der tausch von qu-
mit k-
ist ein häufiger, ursprüngliches qu
wird gern zu k
zusammengedrückt (
s.keden, kommen, koth),
vollends wenn dabei wie hier die vocale u i (e)
zusammenstoszen, die sich nicht gut vertragen im munde; wie denn in keck
das e
über u
siegte, so [] anderwärts auch das u
über i,
in ags. cuc, cucjan,
bei uns in mhd. kücken
beleben neben quicken, erkücken (
s. 3, 882)
neben erquicken,
das sich aber auch als erkicken (
s. d.)
findet, wie denn kick
mit i
auch hd. einzeln bewahrt blieb, s. unter II, 1,
a. auch mit o
statt u
in einer form koc, koch, choch
mhd. wb. 1, 892
a, 50.
Parz. 71, 13
var. Haupt 7, 143. Mones
anz. 4, 370,
daher noch später kochbrunnen, kochsilber;
und mit umlaut köck,
so noch östr., s. unter kecksilber
und keden 4,
a; im 12.
jh. selbst quochsilber Mones
anz. 8, 95
b.
man sieht recht, wie das unbequeme kuí-
im munde nach allen seiten eine bequemere gestaltung suchte. IIII.
Bedeutung. II@11) keck,
lebendig; schon mhd. in der anwendung getrübt, während ahd. quec
entschieden noch '
vivus'
übersetzt; nhd. nur noch II@1@aa)
in erquicken,
deutlicher in östr. kicken
beleben Höfer 2, 132: das feuer kicket sich,
lodert wieder auf, die kuh war krank, aber jetzt kicket sie sich schon wieder;
schwäb. einkicken
stark einheizen, einkücken Schmid 332 (
mhd. queckeʒ fiwer
Parz. 71, 13).
dann in quecksilber (
s. kecksilber)
und ähnlichen zusammensetzungen, s. gramm. 2, 638.
so queckolder,
wacholder (
s. dazu kinkel),
der immer grüne, '
lebendige'
strauch (
vgl. 'lebendige' hecke,
nnl. quikhaag),
ferner in bair. keckwasser,
flieszendes, lebendiges wasser (
s. d.), keckbrunnen (
s. d.), kickbrunnen
quelle, auch brunnkick
n. und allein keck, kick
n. Schmeller 2, 280 (
vgl. auch kett),
letzteres entweder wie die farbennamen (das blau
u. s. f.),
gleichsam das vorzugsweis lebendige, oder mit auslassung von wasser,
wie das kalt (fieber).
das '
lebendige'
tritt da noch in der bed. auf, die die ursprüngliche sein mag, als '
lebhaft bewegt',
ewig beweglich; vgl. nd. quekstârt,
nnl. kwikstaart,
bachstelze (stârt
schwanz),
s. 1, 1063. II@1@bb)
hierher wol auch bair. östr. das keck, kick, kikel,
sauerteig Schmeller 2, 280. Höfer 2, 132,
weil er den teig in bewegung setzt, scheinbar lebendig macht; nord. ist die hefe mit dieser wurzel benannt, altn. kvikur
f. pl., dän. dial. kväger,
norw. kveik
f., schwed. dial. kvikka
f. Rietz 372
a.
doch s. auch gigker
sauerteig Schm. 2, 25. II@1@cc)
dem adj. ist die urbedeutung jetzt verloren; Adelung
gibt zwar mundartlich keck
hurtig, geschwind, '
besonders in Schlesien',
doch Weinhold
erwähnt nichts davon. auch gibt er aus '
einigen oberd. gegenden'
die bed. lebhaft, brennend von farben: eine kecke farbe, ein keckes roth, dieser zeug ist kecker als jener,
hat eine höhere farbe. ähnlich vom sonnenlicht im 16.
jh.: die sunn ir scheinoft leitet ein in unflätiges kote (
koth), belibt doch keck,on mos (mâse) und fleck in irer schön on note.
N. Manuel
bei Grüneisen 300.
auch vom wachsthum der grünen welt, s. kecklich;
vgl.quecke
von einer wuchernden grasart, und 'keck' grünendes moos Thümmel 2, 223.
mhd. von grünem holze, queck
erlösung 4715,
vgl.kock Mones
anz. 8, 370.
ein engl. chick
keimen (Halliwell)
gehört vielleicht daher. ähnlich von frischem, lebensfähigem fleisch das in einer wunde wächst: wie ein junger zan dem alten (?) weichen musz, also kumpt auch das kech fleisch und treibet den schiffer (
splitter) ohn alle noth herausz. Würtz
wundarzn. 25. II@22)
von kraft und frische des leiblichen lebens; so mhd. und noch später. II@2@aa)
von menschen, ungefähr wie bair. östr. jetzt lebfrisch,
nd. karsch: 'keck,
animosus, frisch, gesund'
bestimmt der voc. inc. teut. n 1
a neben '
audax'; er ist alle keche
antwortet man schweiz. auf die frage nach dem wolbefinden, ganz munter'. Stalder 2, 93.
in einem weinsegen aus dem 15.
jh.: nu gesegen dich got, du allerliebster trost, du hast mich oft von groszem durst erlost, und jagst mir alle mein sorge hinwegk und machest mir alle meine glieder keck.
altd. bl. 1, 402. II@2@bb)
lebensfrische spricht sich besonders in gedrungenem, derbem fleisch, in drallen gliedern aus; daher im alemannischen: 'kächer leib', unverseert, mastig oder satt,
corpus solidum. Maaler 239
b; die säugamm sol eines kecken, feisten, fleischigen leibs sein. J. Rüff
hebammenb. 216; es sollen auch der
s. brüst keck und voll sein.
das. noch jetzt schweiz. keche waden,
derbe, dralle Stalder 2, 93,
appenz. e chechs paar arme, en checha porst,
ein starker bursche, dazu ein verb checha,
derber, straffer, stärker werden. Tobler 97
a. a kecks kind
im Vorarlberg, mit derben muskeln. II@2@cc)
diesz dann verallgemeinert '
densus, käch, zamen getrungen' Dasyp., '
densus, käck, wol zuosamen getruckt' Frisius, käck,
dick, satt, solidus, durus Maaler,
auch von thieren, fischen, früchten u. s. w.: (
bucheckermast) macht niht sô keckeʒ flaisch an den sweinn sam die aicheln tuont. Megenberg 324, 10;
[] er (
der hausen) ist keck und lind gesalzen.
fastn. sp. 370, 28; dasz es keck hert visch wern, die weichen thochten nit.
küchenmeist. c 5; ein weisz susz lieblich keck und trocken fleisch haben sie, doch mürb. Forer
fischb. 39
a; leg si (
die gänseleber) in kalt wasser, damit si dester kächer werde. Heuslin
Gesners vogelbuch 58
b (härter
ändert Horst,
Frkf. 1669); die wurzel ist inwendig saftig, aber sonst keck und steiflechtig. Thurneisser
influent. wirk. aller erdgewächse 37; die wurzel ist kech, also das si, so si gebogen wird, abschnelt wie der rettig.
das. 89;
s. auch kecklecht, erkecken 1.
noch schweiz. die birn ist kech,
noch fest, nicht mürbe; auch schwäb. keck
von obst, kartoffeln. Schmid 308.
s. ähnliches u. keibig, keif, derb. II@2@dd)
endlich auch von todten dingen: soll alles zu einer gallren oder sulz gemachet werden, die wirt ouch kech und wol geston (
gerinnen).
N. Manuel
bei Grüneisen 435. an kecka sack,
ein straff gefüllter, an kecka letsch
ein fest gezogner knoten, vorarlberg. Fromm. 4, 5; e chechs fueder,
starke ladung Tobler;
sogar so: heb kech dar,
halte fest dar! Stalder. II@33)
Diese lebensfrische in mehr seelenhafter äuszerung: wolgemut, lebhaft, dann getrost, zuversichtlich, entschieden, endlich unternehmend, mutig, kühn; die abstufungen in den beispielen scharf zu scheiden ist unthunlich. um 1600
fühlte man darin sicher noch mehr die frische des natürlichen lebens, als, wie wir, die sittliche spannkraft; die bed. kühn aber, die uns von den genannten jetzt am nächsten liegt, ist auch schon mhd.: der zage (
feige) und der quecke eteswenne bî ein ander sint. Wolfram
Wh. 268, 20; das ich durch irn willen wer kek (
mir den mut faszte) und stiesz den jungen lappen in dreck.
fastn. sp. 756, 19; (
kaiser Friedrich I.) das ist der groszmechtigst, streitparst, keckest, unverdrossenst, herlichst, wolredest und miltest fürst. S. Meisterlin,
Nürnb. chron. 3, 94; zwen tusent tett man im zu geben der keckesten so in Costenz waren (
zum ausfall). J. Lenz
Schwabenkrieg 74
b; das der esel nit also ein grosz und keck herz het.
Cyrill. 14; dann in trubselikeiten entpfahet er ein keckern geist. 15
b; auf das sie deste kecker und fester stehen möchten bei Christus wort. Luther 6, 7
b; das wir getrost und keck sein solten. 5, 506
a; der tröster .. wird euch keck machen, allerlei unglück und ubel zu leiden.
tischr. 70
a; und da das volk abfiel, stund er trewlich, fest und keck.
Sir. 45, 29; da lobten sie alle den barmherzigen gott und wurden keck, das sie ire feinde schlagen wolten. 2
Macc. 11, 9; dises volk ist vor allen auf dem mör ein kluog vorteillig, frembde land zuo finden ein keck künstlich (
unternehmendes und erfahrnes) volk zuo schiffen und schiffkriegen. Frank
weltb. 70
b; ein kecker mut ist ein guter harnisch.
dess. sprichw. 1, 13
b; werden durch ire weisheit, die aus einem kecken (
fröhlichen, frischen) herzen entspreuszt, vieler angst entbunden. Kirchhof
wendunm. 91
a; dasz ichs desto kecker und frölicher darf sagen.
disc. milit. 13; (
den landsknechten vor der schlacht) ein gut keck herz einreden. 34; 'bis käck', bis guots muots und hab ein guot herz,
erige mentem. Maaler 239
b; sei keck (
fasse mut), ich will ein sin erdenken. H. Sachs 3, 3, 22
b; du bist keck wie ein altes weib. 3, 2, 21
b; so ist der falke vil käcker und küner, dann aber sein vermögen (
kraft) ist. Heuslin
Gesners vogelbuch 1557 147
a; bisz dasz du so stark als keck (
an leib und seele frisch) erreichest des heils hohen zweck (
ziel). Weckherlin 148; ich lob gott in dem höchsten thron, er hat kain diener nie verlon der im keck hat vertrawet. Soltau 2, 166; fieng die schöne Magelona also an zu reden: edler ritter, wiewol es nicht geziemet einem jungen menschen (
neutr.) als ich bin, allein mit einem mann heimlich zu reden, jedoch hab ich widerum angesehen ewer edels gemüt, das mich gesichert und keck gemacht hat solchs zu thun.
buch d. liebe 35
c; verleihe kecken muth und schärfe meine hand, zu dringen durch den neid des volkes von der erden. Opitz 1, 53; so wird er unverzagt auch eine kecke schar den kürzern lehren ziehn. 2, 274; freundschaft, welche zeit und sterben keck verlacht. A. Gryphius 2, 319; was man mit frischem herzensblut und keckem wolbehagen thut, das thut man nicht vergebens. Voss (1825) 4, 70,
[] ganz trefflich im ursprünglichen sinne, denn diesz kecke wolbehagen
ist eben der ausdruck des frischen herzensblutes.
ähnlich: wenn er mit seiner überzeugung im reinen war, so mochte ihn nichts erschüttern und er war keck (
entschieden, zuversichtlich). Claudius 8, 19; heiterkeit athmet die flur und heiterkeit garten und waldung, heiterkeit vieh und gevögel und keck arbeitendes landvolk. Voss
idyll. 9, 2.
Jetzt am häufigsten im adv.: traten wir unsern weg keck gegen die dunkle nebel- und wolkenregion
an. Göthe 16, 250; in den gröszten wichtigsten punkten, welche die kunde der schönen alten denkmale fördern können, mag man Winckelmannen keck vertrauen. 37, 75; dasz er eine (
arbeit) liefern will die man keck jedem mitmeister .. zu beschauen geben kann. J. Paul
flegelj. 1, 19.
so oft: man darf keck behaupten,
zuversichtlich, ohne bedenken. Adelung: das kannst du keck glauben, mit dem briefe werde ich keck zu deinem vater gehen.
Im bair. sprachgebiet braucht man diesz adv. keck
als bekräftigungswort: da brauch ich keck drei stund dazue Schm. 2, 280,
vgl. tirol. Schöpf 308,
kärnt. Lexer 156;
das ist aber nur eine bei betheuerungswörtern und ähnlichen gern gebrauchte kürzung des satzbaus für: ich darf keck sagen, dasz
u. s. w.; ebenso entstand unser freilich,
früher frei (
vgl. kaum
sp. 359).
Aus der kunstsprache führt Adelung
an: eine kecke hand,
die schnell und ohne zagheit ihre wirkung thut, kecke zeichnung,
worin sich die kecke hand des meisters offenbart, ein kecker pinsel
u. s. f.; überhaupt wird die harmonie eines bildes desto dauerhafter sein .. je einfacher und kecker er sie (
der maler die farbe) angewendet hat. Göthe 36, 282.
Vgl.erkecken 2. II@44)
Der gebrauch gieng einen schritt weiter zu dem sinn, der uns jetzt der geläufigste ist; da bezeichnet keck,
dem ursprung entfremdet, eine kühnheit die über die erwartung oder gar über alles masz hinausgeht, es wird '
trotzig, herausfordernd, dreist',
es ist mehr als '
unternehmend',
fast '
waghalsig': '
impotens, temerarius, projectus ad audendum' Schönsleder c 4
b.
doch ist es unter umständen auch noch ohne tadel, und vom vorigen nicht immer scharf zu sondern: schlag mich mehr, bist du anderst keck, du verzagter tropf, narr und geck. H. Sachs 5, 362
a.
einen tadel enthält schon: keck und frech im glück. Luther
tischr. 286
b, frech
selbst hat sich in derselben weise gesteigert und zugespitzt (
urspr. kräftig, mutig, frisch). bis käch zelöugnen,
aude negare Maaler 239
b. 'ich darf keck behaupten'
leitet meist einen satz ein, der eine herausfordernde stimmung voraussetzt, eine kecke behauptung
ist eine gewagte, dreiste, ja auch eine freche nennt man schonend so; über eine kecke antwort
stutzt man. im dec. 1864
las man in einer zeitung von der politik eines ministers, die sehr zuversichtlich und kühn ist, ja manche mögen sie schon keck nennen.
von den 1512
auf Hohenkrähen belagerten heiszt es im volksliede, um sie als verwegen zu bezeichnen: die tauben (
im felsennest) warend mer dann keck, si woltend ie (
doch) vom schlosz nit weck, ich muosz in lob verjehen: si warend fraidiger (
kühner) dann ir herr, das hat man wol gesehen. Uhland 473,
diesz mehr als keck
ist ungefähr unser jetziges keck.
ein kecker reiter, gegner
ist jetzt meist mehr als ein kühner: ein guter jäger, ein kecker reiter musz immer ein braver kerl werden, denn zum muthe gesellen sich alle tugenden. Klinger 1, 117; (
doch) bedarfs der vorsicht, denn wir haben es mit einem kecken feind. Schiller 460
b.
ein kecker bursche
ist mindestens ein dreister, manchmal aber fast mit stärkerem sittlichen tadel als dreist.
die sperlinge genieszen unter den vögeln den ruhm, keck
zu sein, Bürger
zum spaz der sich auf dem saale gefangen hatte: wenn ich ja übergnädig wär, so holt ich eine scharfe scher' und schnitt ihm (
es ist anrede) ab die flügelein sammt seinem kecken schwänzelein. 20
b (1789 2, 233),
in dem emporstarzenden schwanze des spazen sieht man eben seine keckheit ausgedrückt. In den folg. beispielen ist, wenn nicht immer ein tadel, doch stets eine art übermasz ausgesprochen: die sibent (
tochter der schlemmerei) heiszt domina Inhonesta, dann durch den wein wird man frech, keck und unverschambt. Albertinus
narrenhatz 219,
in geschlechtlicher beziehung; auch wie man spricht, der klein und keck wirft oft den groszen in den dreck. Scheibles
flieg. bll. 123;
[] sitzt ein Quintil im rath der kleinen kenner, wo man so keck den frühen machtspruch wagt? Hagedorn 2, 58; wer lehret ihn dem bär die neuen klauen, unversucht doch kek (
s. sp. 5), in nacken schlagen? Lessing 2, 510; eure tochter ist keck genug .. laszt sie sich mit dem burschen herumschlagen. Göthe 11, 23; und aus der ungeheuer mitte nimmt er den handschuh mit keckem finger. Schiller 70
b; die kühnheit macht, die freiheit den soldaten. vermöcht' er keck zu handeln, dürft' er nicht keck reden auch? eins geht ins andre drein. 334
a,
Octavio entschuldigt damit Butlers dreiste rede gegen Questenberg; mordlustige, undurchbrechliche scharen .. auf das glück ihres führers stolz und keck durch eine lange erfahrung von siegen. 854
b; des mannes keckes laster hatte auch eure (
der Maria Stuart) blödigkeit besiegt. 408
b; den kecken geist der freiheit will ich beugen. 546
b.
am weitesten geht die bair. mundart, da ist guedkeck
frech, impertinent. Schmeller
a. a. o.